Griechenland 22.11. - 05.12.2016

Ein großer Wäscheberg ruft - trotz vielen Handwäschen - und wir müssen von dem sympathischen Ort Kardamili Abschied nehmen. In Kalamata finden wir, oh Wunder, auf Anhieb die anvisierte Wäscherei, geben den Riesensack ab und verstehen, dass wir sie am nächsten Tag um 20 Uhr abholen können. Das passt uns und nach einem kurzen Stopp beim Praktiker fahren wir wieder einmal durch sehr enge Straßen nach Alt-Messene. Es ist schon recht spät geworden und so bleiben wir auf einem kleinen Fleck kurz vor dem Aufstieg zum Ithmos-Berg stehen.

Heute wird mal früh aufgestanden, so gegen halb Neun, denn wir wollen ja zur Ausgrabungsstätte und danach auf den Berg. Nach Alt-Messene geht es paar Kilometer steil und kurvig runter und hier ist es uns zum ersten Mal mit dem Hiasl passiert, dass wir nicht auf ein Mal um eine Kurve kommen und Wolfgang zurücksetzen muss! Die antiken Stätten hier wurden erst spät entdeckt und werden immer noch rekonstruiert und wieder errichtet. Wir haben einen herrlichen Tag mit Sonne und angenehmen Temperaturen erwischt und ganz toll ist auch, dass wir bis ein französisches Paar die einzigen auf dem Gelände sind! Das Theater, die riesige Zisterne mit den Ausläufen, die große Agora, die diversen Tempel, das Gymnasium und nicht zuletzt das enorme Stadion sind sehr gut erhalten. Man kann sich so gut vorstellen, wie das Ganze vor 2000 Jahren belebt war. Errichtet von den Thebern, von den Römern übernommen, die auch ägyptische Einflüsse mitbrachten und später kamen dann noch christliche Siedler hinzu, worauf eine Basilika hinweist. Im angrenzenden Museum sind die am besten erhaltenen Statuen und Gegenstände wie Lampen und Krüge ausgestellt. Wir sind auf jeden Fall total begeistert von der Ausgrabung. Am Nachmittag laufen wir noch auf den Berg Ithmos hinauf, auf dessen Gipfel - wie so oft - ein kleines, aber verlassenes Kloster steht. Tja, die Eingangstür ist verschlossen, aber Wolfgang will unbedingt über die Mauer klettern und ich muss mit. Wir landen in einem großen Innenhof mit mehreren gut erhaltenen Gebäuden, die aber alle leer sind. In der kleinen Kirche sind einige Fresken zu sehen und ein paar Weihrauchkessel. Alles nicht spektakulär, aber der Ort an sich ist es wert herauf zu gehen. Leider hören wir Donnergrollen und so machen wir, dass wir runter kommen. In Kalamata finden wir in der Nähe der Wäscherei einen Übernachtungsplatz und gehen gegen acht Uhr dorthin. Aber alles ist dunkel, wir bemerken, dass auch viele der kleinen Geschäfte ringsum nicht auf haben. Hmm, haben wir da was nicht richtig verstanden? Das ist jetzt ärgerlich, denn so müssen wir morgen auch noch mal hier bleiben. Aber was soll’s, es gibt echt schlimmeres.

Nach einem kurzen Stadtbummel, wir finden es nicht so spannend, fahren wir zu dem kilometerlangen Strand. Wolfgang wäscht mal wieder seine Angelschnur und ich sammle Muscheln bei einem Strandspaziergang. Am Abend gibt es eine Pizza mit Fisch - aus der Dose! Danach düsen wir kurz in die Stadt und holen den Wäschesack, was auch alles klappt, und übernachten dann am Strand.

 

Heute Morgen scheint zwar noch die Sonne, aber rundum sind schon dicke Wolken auszumachen. Wir finden auf der Karte noch eine kleine Wanderung südwestlich von Petalidi. Es geht durch unendliche Olivenhaine, in denen immer noch fleißig gearbeitet wird, hinauf zu einem kleine Parkplatz an einer unscheinbaren Kapelle. Wir ziehen nur schnell unsere Wanderschuhe an und folgen der Straße hinauf zu einem Gipfel, der mit Antennen gespickt ist. Die Aussicht hier auf knapp 1000 m wäre bestimmt gut, aber bei dem bedeckten Himmel sehen wir außer den unzähligen Masten nichts. Wind kommt auf und wir marschieren gleich wieder zurück. Doch nach ein paar Minuten entdecke ich einen Schwammerl und Wolfgang klettert ein paar Meter den Waldabhang hinauf und kommt mit zwei Händen voll zurück. Lauter riesige Butterpilze. Zu guter Letzt spüre ich noch einen Platz mit ganz frisch rausgekommenen Reherl (Pfifferlingen) auf. Da wir nichts dabei haben, tragen wir die Pilze mit den Händen noch fast eine Stunde bis zum Auto. Doch dann spüren wir fast unsere Finger nicht mehr durch die nassen Pilze und dem eisigen Wind. Dafür werden wir mit einem leckeren Abendessen belohnt!

In der Nacht hat es zu regnen begonnen und so beschließen wir nach Ag. Andreas zu fahren, wo wir am Hafen einen geteerten Platz wissen um langsam unsere Abreise vorzubereiten. Doch als wir dort dann etwas rumspazieren sehen wir viele Fische und da ist Wolfgang nicht mehr zu halten, zumal der Regen gerade Pause macht. Doch es ist wie verhext: Sobald wir mit dem Angelzeug auftauchen, verschwinden sie alle. Damit es für mich nicht so langweilig ist, versuche ich auch mit einer kleinen Handangel mein Glück. Aber wegen uns muss heute kein Fisch sein Leben lassen!

Heute wieder Regen, Regen, Regen. So schnell es geht holen wir die großen Rucksäcke aus der Dachbox und packen alles, was nach Deutschland muss, ein. Zum letzten Mal duschen wir und ziehen unsere frisch gewaschenen Sachen an und fahren danach hinauf nach Kafou, zu Karin und Georg, wo wir den Hiasl stehen lassen wollen. Nach einem kurzen Hallo fährt Wolfgang den Lkw hinunter auf die Wiese, wo wir auch schon vor drei Wochen standen. Er wendet, parkt rückwärts ein, merkt, dass er noch ein Stück weiter zurück muss, damit der Weg vorne für die Olivenbauern frei bleibt und damit beginnt das Malheur. Das Auto dreht durch, trotz vorsorglich eingelegter Sperren. Also wieder vor, doch da schmiert er nach links ab. Noch ein bisschen nach vorne, in der Hoffnung nun wieder rückwärts auf den Weg zu kommen, doch das linke Vorderrad gräbt sich nun in die vom starken Regen aufgeweichte Wiese, zumal dort auch noch das Gelände stark abfällt. Das Ende vom Lied: alle vier Räder drehen doch, links ist der Lkw abgesackt, so dass er am Tank aufsitzt. Wolfgang und ich beginnen nun hektisch zu schaufeln, suchen Steine zum Unterlegen, holen die Sandbleche runter. Doch leider ist das hier keine Erde, sondern ganz zäher Lehm, der nicht mal von der Schaufel fällt. Doch alle Maßnahmen nützen nichts! Jetzt wird es auch noch dunkel und endlich gibt auch Wolfgang auf und Georg macht sich dran einen Traktor zu organisieren. Obwohl uns keiner kennt und wir uns ja selbst in diese missliche Lage gebracht haben, ist die spontane Hilfsbereitschaft bei den Griechen enorm. In Nullkommanix ist Giannis mit einem Traktor da. Wir hängen den Lkw an, aber der Traktor dreht selber durch und egal wie er es versucht, der Hiasl bewegt sich keinen Zentimeter. Giannis gibt auf, bevor er selbst feststeckt und ruft Adonis an, der einen Radlader hat. Auch dieser ist gleich zur Stelle und sagt, dass er morgen Vormittag mit dem Radlader kommt. Ich habe furchtbare Angst, dass das Auto über Nacht noch weiter absackt, denn es regnet mittlerweile wieder. Ich brauch wohl nicht beschreiben, wie Wolfgang und ich aussehen - mit unseren frisch gewaschenen Sachen, hahaha. Um meine Nerven zu beruhigen habe ich heute zum ersten Mal in meinem Leben mit der versammelten Mannschaft einen Ouzo getrunken! 

Trotz Ouzo habe ich heute Nacht nicht sehr viel geschlafen, denn es hat die ganze Nacht geschüttet wie aus Eimern, einschließlich Blitz und Donner. Als wir dann zum Frühstücken aus unserem Gästehaus raus sind, machen wir die Tür zu und bemerken, leider zu spät, dass der Schlüssel von innen steckt. Als ob wir nicht schon genug Probleme hätten. Karin und Georg sind verständlicherweise gar nicht begeistert und wir überlegen schon, was billiger ist, Fenster einwerfen oder Schlüsseldienst, als Wolfgang noch mal mit einem Schlüssel versucht von außen den inneren Schlüssel rauszuwerfen. Und man glaubt es kaum, aber es gelingt! Mir fällt schon mal ein kleiner Stein vom Herzen. Das muss doch ein gutes Omen sein für die Lkw-Bergung. Als dann endlich um halb zwölf Adonis mit seinem Radlader kommt, sind wir nervlich alle recht angespannt. Ganz schlimm wird es, als sich herausstellt, dass auch er nicht den aufgeweichten Weg hinterkommt. Wolfgang ist nun sehr pessimistisch. Doch mit Hilfe seiner Schaufel hebt er sich Meter für Meter Richtung Hiasl. Endlich ist er nah genug heran, dass wir das Abschleppseil vorne am Bagger festmachen können. Nun kommt der spannendste Augenblick: Adonis steht mit seinem Gerät nur mehr auf den Stützen, die jedoch einen halben Meter eingesunken sind, und auf der Schaufel und beginnt ganz langsam mit dem Bagger zu ziehen und plötzlich bewegt sich unser Lkw! Zentimeterweise wird er zuerst aus der enormen Schräglage befreit und dann vorsichtig, immer mit viel Pausen, in denen der Radlader umsetzten muss, bis auf 10 Meter zu einem Feldweg gezogen. Hier ist eine 90°-Kurve, da muss nun -Wolfgang alleine durch, aber er hat mittlerweile wieder genügend Grip, so dass er es schafft und wir alle in Jubel und Klatschen ausbrechen. Meine Knie zittern wie verrückt, so dass Gerry, der Nachbar, gleich für alle eine Flasche Tsipero (griechischer Tresterschnaps) hervorholt um zu feiern. Wir vereinbaren mit Adonis, dass er, wenn das Gelände angetrocknet ist, noch mal kommt und es für die Bauern wieder planiert. Während Wolfgang und ich die Karre erst mal so gut es geht vom Schlamm befreien, hilft uns Gerry einen anderen Stellplatz für den Winter zu finden. Denn für alle ist klar, dass es hier nicht geht! Und wir haben wieder unverschämtes Glück. Ein Bekannter von ihm, mit einer Taverne in Chranio, die über den Winter geschlossen ist, hat einen Platz für uns. Wir fahren gleich runter und uns erwartet ein sehr sympathischer junger Mann, der sich trotz Olivenernte schnell Zeit genommen hat, zeigt uns das Gelände und schon ist er wieder weg. Würde es das in Deutschland auch geben? Ich glaube nicht. Wir lassen den letzten Abend mit Karin und Georg dann in einer Kneippe bei gutem Essen ausklingen.

Auf dem Weg nach Kalamata, wo um 12 Uhr unser Bus nach Athen abfährt, fahren wir noch zum Hiasl um ihn mit einer Plane abzudecken. Am Busbahnhof verabschieden wir uns von den beiden, die uns so nett aufgenommen und uns mit allem sehr geholfen haben. Der Bus fährt pünktlich ab und mit Stadtbus und Metro erreichen wir am Nachmittag die gebuchte Wohnung in Athen. Durch die Aufregung der letzten Tage sind wir so fertig, dass wir nur noch schnell Pizza essen gehen und danach im Bett verschwinden.

 

 

Um 9.45 Uhr beginnt am Hadriansbogen eine freewalking-Tour. Die quirlige, sehr sympathische Südafrikanerin Sam, die seit 25 Jahren in Athen lebt, wird uns und 12 andere Touristen nun durch Athen führen. Es regnet nicht, aber es weht ein eisiger Wind. Wir haben alle Mützen, Stirnbänder und Schals umgebunden und zittern wie Espenlaub. Sam fragt einen Teilnehmer, der rein äußerlich eher aus Indien o. ä. kommt, ob es denn bei ihm ginge wegen der Kälte. Aber der ganz cool: Das macht mir nichts aus, ich komme aus Vancouver. Na, dann! Aus den veranschlagten 2,5 Stunden werden fast vier. Sam schleust uns vorbei an typischen Touristenzielen wie Zeustempel, Olympiastadion, Turm der Winde, Hadriansbibliothek u.v.m. Aber was mir noch viel besser gefällt sind die kleinen Kirchen, das Viertel unterhalb der Akropolis, das mit den sehr engen Gassen und seinen weißen Häuschen mit den blauen Fensterläden eher an eine griechische Insel denken lässt, denn an Athen. Sam gibt uns auch Einblicke in die wirtschaftliche Situation der Griechen. Wie sie trotz einem Mindestlohn von 350€ und einer Mindestrente von 250€ bei den hohen Lebenshaltungskosten überleben können. Zwei bis drei Jobs zu haben ist normal oder auch eine zeitweise Beschäftigung im Ausland. Diejenigen, die etwas mehr Geld haben bauen Suppenküchen auf für die Ärmeren, in jedem Supermarkt stehen große Körbe, in die man Lebensmittel spenden kann. Zudem meint sie, dass viele Griechen im Hier und Jetzt leben. Wenn Geld da ist, wird es ausgegeben, denn wer weiß was morgen ist? Die Tour war super! Nach den vier Stunden frieren wir zwar immer noch, aber wir haben so viel gesehen und vor allem gehört, dass es da wirklich wert war. Wir stürzen uns nun in das nächste Kaufhaus um uns aufzuwärmen und eventuell die griechische Wirtschaft anzukurbeln. Das klappt beides nicht so. Besser gelingt es mit einem heißen und scharfen Nudelgericht einer chinesischen Fastfoodkette. Anschließend spazieren wir noch durch die Plaka, Athens Altstadt, wo es zwar einen Souvenirladen nach dem anderen gibt, aber trotzdem auch noch Ecken, wo die Griechen unter sich sind. Vom Nachtleben bekommen wir wieder nichts mit, denn nach einem indischen Essen sind wir schon wieder platt und fahren heim.

 

 

Heute scheint zwar die Sonne, aber es ist genauso kalt wie gestern. Also beschließen wir zu Fuß in die City zu gehen. Von der Wohnung ist es nicht weit zu einem großen Park mit vielen Olivenbäumen, der frei zugänglichen Ausgrabungsstätte Pnika, den wir durchqueren und auf der anderen Seite am Fuße der Akropolis rauskommen. Wir sparen uns den Eintritt, da wir gestern schon gesehen haben, dass viele der Tempel eingerüstet sind. Und zudem finde ich, dass der Blick von einem Aussichtshügel auf die Akropolis besser ist, als wenn man direkt davor steht. Wir wollen lieber noch mal nach Anaflotika mit seinen malerischen Straßen. Später schauen wir dann am Syntagma-Platz der Wachablösung vor dem griechischen Parlament zu. Die armen Kerle! 24-Stunden Dienst und dabei immer eine Stunde bewegungslos rumstehen, dann fünf Minuten Show und 55 Minuten Pause, bis es wieder von vorne beginnt. In einem kleinen Café, das uns Sam gestern gezeigt hat, wärmen wir uns wieder auf, bevor wir rüber ins Diplomatenviertel gehen und von hier auf den Hügel Lycabettos mit immerhin 273m raufspazieren. Von dort oben sieht man erst so richtig Athens Ausmaße. Der ganze Talkessel bis hinunter nach Piräeus ist ein einziges weiß-graues Häusermeer. Ich finde es gigantisch. Immerhin leben hier sechs Millionen von den 11 Millionen Griechen. Die nahegelegenen Berge im Norden der Stadt haben schon weiße Gipfel! Der Sonnenuntergang naht und wir machen uns wieder auf den Nachhauseweg. Was ist los mit uns? Wir sind schon wieder total fertig, so dass wir nur noch schnell was bei uns im Viertel essen, noch ein bisschen BBC anschauen und schlafen.

 

 

Jeder hat vorne unten hinten einen Rucksack auf und so zwängen wir uns im morgendlichen Berufsverkehr in die Metro, sehr zur Freude der arbeitenden Bevölkerung. Wir lösen auch das 18€ Airport-Ticket. Geregelt ist das so, dass man bis eine Station vorm Flughafen mit dem normalen 1,40€ Ticket fahren darf, aber bis zum Flughafen eben 10€/Person oder 18€ für zwei. Ein Schelm, wer Böses denkt, aber an der letzten Haltestelle ist ein ganzer Sack voll Kontrolleure zugestiegen und haben natürlich gleich ein paar erwischt. Die Strafe beim Schwarzfahren beträgt das 60-fache des Fahrpreises!

Wir sind pünktlich um 10.45 Uhr gestartet und haben zuerst eine wunderschöne Sicht auf die verschneite Berglandschaft unter uns. Doch dann kommen die Wolken und mit ihnen Turbulenzen und das mag ich gaaar nicht. Man ist stärker in den Sitzen rumgehüpft, als auf ukrainischen Straßen. Wahrscheinlich, weil die bei Ryanair keine so tollen Luftfedersitze haben, wie wir im Hiasl. Doch auch das haben wir überstanden und landen mit etwas Verspätung in Berlin Schönefeld, also direkt neben BER.

 

Wir sind noch ein paar Tage im kalten Berlin bei unseren Kindern und Enkeln, trinken endlich mal Glühwein auf einem total überfüllten Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei, freuen uns, dass Emma und Emil schon so toll lesen können und genießen die leckeren Plätzchen von Mella und das tolle Abendessen bei Vroni und Hanni. Am Montagmorgen verabschieden wir uns von allen und bringen Emma und Emil noch zur Schule. Als dort um 7.45 Uhr die Türen geöffnet werden und alle Kinder ins Gebäude stürzen, erinnert mich das etwas an Lemminge! Gegen 16 Uhr sind wir nach 127 Tagen und ca. 8000 km wieder zu Hause.

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Griechenland 15.11. - 21.11.2016

In Areopolis, der größten Ansiedelung auf der Mani, kaufen wir im dortigen Supermarkt ein, zwar nicht alles, was auf der Liste steht, weil es einfach sehr teuer ist. Wie z. B. Bier, was mir jetzt gar nichts ausmacht! Areopolis hat eine große Platia mit den obligatorischen Kafenions und Tavernen, aber auch im alten Ortskern sind noch viele kleine Läden für den alltäglichen Bedarf. Die Häuser sind fast alle aus Stein, die neueren sind den alten Wohntürmen nachempfunden, so dass sich ein sehr gefälliges Stadtbild ergibt, wozu natürlich auch die gepflasterten Gassen beitragen. Mir macht es viel Spaß durch so angenehme Orte zu spazieren, die Schulkinder auf dem Heimweg zu beobachten oder alte Frauen beim Wäsche aufhängen oder beim Ratsch auf der der Straße zu sehen. Zuerst schauen sie immer skeptisch, wenn so offensichtliche Fremde vorbeikommen, aber bei einem Jassas unsererseits kommt auch von ihnen ein freundlicher Gruß. Eigentlich wollten wir heute auf den Profitis Ilias - so heißen hier anscheinend alle Berge?! - aber es ziehen mächtige Wolken auf. Das verschieben wir erst mal und nehmen die Wahnsinnsstrecke von 46 km unter die Räder. Gleich hinter Areopolis geht es durch die Berge auf die Ostseite der Mani. Die Berge werden immer kahler, mit vielen Steinen durchzogen und ebenso vielen Mauern, die von den Hirten errichtet wurden. In den kleinen Dörfern sehen wir, dass viele Häuser und auch die berühmten Wohntürme der Mani, die früher als Fluchttürme benutzt wurden, leer stehen. Vieles dient den Städtern als Wochenend- oder Ferienhaus. Ab und an sieht man eine kleine Hotelanlage, wo natürlich um diese Jahreszeit nichts mehr los ist, aber alle sind im traditionellen Stil erbaut, nichts stört, es sieht aus, als seien sie schon immer hier gewesen. Die Straße hat kaum Platz an den steilen Hängen der immer kahler werdenden Berge. Die Landschaft hier fasziniert uns. Obwohl alles hier so unwirtlich aussieht, sieht man immer wieder die trutzigen, verfallenen Wohntürme der Manioten. Das Leben hier war und ist immer noch hart, aber wahrscheinlich deswegen haben sie es als einzige Region Griechenlands geschafft nicht von den Türken besetzt zu werden! Für die 46 km haben wir etwas länger als die 51 Minuten gebraucht, die unser Navi vorhergesagt hat, denn es ging immer steil bergauf und bergab und unser Hiasl muss da schon im Zaum gehalten werden! Am Spätnachmittag kommen wir am letzten Parkplatz vor dem südlichsten Punkt des griechischen Festlandes beim Kap Tenaro an, wo wir dann auch gleich übernachten.

Im Norden dunkle Wolken, aber hier bei uns fast blauer Himmel. Wir laufen eine gute halbe Stunde über ein paar kleine Hügel zum Leuchtturm des Kap Tenaro. Südlich von uns ist Afrika, d. h. Libyen. Wir schauen lange den Fischkuttern und Frachtkähnen zu, die recht zahlreich an uns vorbeiziehen. Leider sind keine Fischschwärme zu sehen, aber man kann ja nicht alles haben. Durch den vielen Regen der vergangenen Wochen, erleben wir hier eigentlich schon Frühling. Überall sprießt frisches Gras aus den Erdritzen, die Veilchen blühen um die Wette und diverse Knotenblumen und Zwiebelpflanzen strecken ihre grünen Blätter aus der roten Erde. Normalerweise ist hier alles braun und verdörrt im November. Beim Zurückgehen kommen wir an einer Minibucht vorbei und als ich meine Hand ins Wasser strecke, bekomme ich Lust aufs Baden. Schnell den Bikini angezogen, runter in die Bucht und rein ins Wasser. Das Wasser ist glasklar und bestimmt noch 20° warm. Herrlich! Am Nachmittag machen wir uns noch zu einem Berg auf, den wir vom Parkplatz aus sehen. Weglos, aber es hält sich mit dem Stachelzeug in Grenzen und nach 45 Minuten stehen wir auf dem Gipfel. Aber ich glaube, dass er nicht von sehr vielen Leuten bestiegen wird, nur von so Bergfexen wie wir halt!

 

Am Abend kommt dann tatsächlich noch ein anderes Wohnmobil, aus Sachsen-Anhalt. Aber die Insassen verschwinden schnell in der Taverne oben und wir machen uns ein leckeres Kürbisrisotto!

Unser Weg führt uns unweigerlich nach Norden. Schon bald ist der nächste Halt. Wir kommen die Bergstraße hinunter und sehen schon von weitem die Türme des verlassenen Bergdorfes Vathia. Gleich zu Beginn des Dorfes gibt es ein neu erbautes Café mit schönen überdachten Terrassen, das aber jetzt geschlossen hat. Wir tauchen ein in die malerischen Sträßchen, gehen vorsichtig in die Häuser rein. In vielen sind noch kaputte Tische, Stühle, alte Betten einschließlich Matratzen, Küchenschränke, Lampen und vieles mehr von so altem Gerümpel drin. Man sieht auch noch relativ neu geflieste Bäder oder ordentlich verlegte Stromleitungen, irgendwo tropft noch ein Wasserhahn. Alles macht den Eindruck, dass die Türme und Häuser fluchtartig verlassen wurden. Warum? Es sind wunderschöne Steinhäuser mit vielen kleinen Terrassen und Innenhöfen, die jetzt allmählich von Feigenbäumen und Oppuntien vollgewuchert werden. Einschließlich kleiner Kirche ist hier alles vorhanden, sogar Internet mit 3G zeigt das Handy an. Ein Anwesen haben wir gefunden, das wohl gerade restauriert wird, zumindest ist schon ein frisch gestrichener Zaun an der Einfahrt angebracht! Wolfgang will allerdings keines der Häuser, denn die Türen sind nicht höher als 1,50 m, auch die Raumhöhe dürfte nur in der Mitte so an die zwei Meter haben. In der anscheinend ehemaligen Taverne steht noch die holzgeschnitzte Theke mit der Registrierkasse drin und daneben steht noch eine Olivenmühle mit Steinmahlwerk, leider nicht mehr funktionstüchtig. Als ich in einer Bar noch ein paar Kästen mit Cola und Limonade mit Originalverschluß entdecke, lehnt Wolfgang ebenfalls dankend ab. Heute ist er aber komisch! Wir fahren weiter. Allmählich öffnet sich die Steilküste etwas, es ist mehr Platz für kleine Ansiedlungen, die nun auch nicht mehr ganz so verlassen wirken und wir sehen immer wieder kleine romantische Badebuchten. Durch ein wasserloses Flussbett gehen wir ein paar Minuten zu einem wunderschönen Strand. Vielleicht 20 Meter breit mit Kieseln in allen Größen, glasklarem Wasser und einer großen Höhle, die im Sommer wunderbaren Schatten spendet. Wir schauen den Wellen zu und ich finde wie immer tolle Steine! Wir haben von einer Wanderung auf die kleine Halbinsel bei Stauri gelesen, auf der früher Salz gewonnen wurde. Unser Navi führt uns allerdings durch eine extrem enge Straße durch die Olivenhaine, gesäumt von teilweise eingefallenen Steinmauern. Auch nach so langer Zeit tut es uns immer noch weh, wenn Zweige das Auto geräuschvoll zerkratzen. Die Außenspiegel klappt es immer wieder ein und als wir endlich in Stauri ankommen, sind jede Menge Zweige und Oliven im Fahrerhaus! Es ist zwar schon drei Uhr, aber wir brechen doch noch auf, zuerst über die Straße und dann einen steilen und unwegsamen Pfad hinunter auf die Halbinsel. Manchmal ist es arg nervig, wegen der dornigen Macchia, aber die Landschaft entschädigt dann doch! Doch wir haben nicht so viel Zeit bis die Sonne untergeht und so kehren wir dann am Kastro Tegani auch gleich um. Unterwegs treffen wir noch ein Paar aus Hannover, die hier einen Schlafplatz gefunden haben. Nach einem kurzen Austausch von woher und wohin, marschieren wir zügig zum LKW und kommen dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit dort an und übernachten auch gleich auf dem Dorfplatz.

Na, der Morgen geht ja schon gut an. Beim Wasserkochen wird die Gasflasche leer, was ein bisschen Umräumen im Keller nach sich zieht und dann bemerken wir, dass unsere eingeschweißte Brotreserve verschimmelt ist. Toll und ich habe Hunger wie ein Wolf! Doch während Wolfgang die zweite Gasflasche anschließt, fährt ein Bäckerwagen vor und wir haben ganz frisches Brot zum Frühstück! Wir fahren danach nur 10 Kilometer bis wir unsere Traumbucht bei Mezapos entdecken, wo wir mit dem Hiasl in erster Reihe einparken und den Rest des „anstrengenden“ Tages mit Lesen, Essen und Lesen verbringen.

Leider haben wir nun fast nichts mehr zu Essen und so müssen wir leider weiter fahren. Der nächste Laden ist dann erst in Areopolis. Super, dass heute Markt ist, so können wir dort endlich mal schönes, frisches Gemüse wie z. B. ein großes Bund Horta - Wildgemüse - kaufen. Wir beschließen weiter nach Kardamili zu fahren, zum einen da es dort sehr gut gefallen hat und zum anderen ist auch Wasservorrat schon recht gering und dem wollen wir am Hafen abhelfen. Nach dem Auftanken installieren wir uns wieder am Strand. Danach gönnen wir uns noch einen Rotwein in der Bar im Dorf, bevor es dann Semmelknödel mit einem großen Topf Horta gibt. Sehr lecker! Außer uns sind noch zwei Wohnmobile da, ein kanadisches Ehepaar mit Berliner Fahrzeug und eine Schwabe mit Münchner Kennzeichen. Zusammen mit einer Holländerin und einer Engländerin, die beide in Kardamili wohnen, wird am Abend ein Lagerfeuer entzündet und gepichelt, also vor allem die anderen. Es ist eine sternenklare Nacht, die Milchstraße ist deutlich zu sehen und die Venus wirft ihr Licht über den Golf von Kalamata. Total schön. Der Nachteil: es ist ziemlich kalt und es dauert dann lange, bis Wolfgang meine Füße wieder aufgetaut hat!

Heute wollen wir die Wanderung gehen, die wir vor einer Woche nicht gefunden haben. Diesmal finden wir den Einstieg und sogar eine blau-weiße Markierung. Es geht durch eine tiefe Schlucht immer in einem Bachbett aufwärts. Ab und zu führt die Markierung rechts oder links des Flussbettes, aber das ist wohl nur für die wasserführenden Zeiten relevant. Wir erreichen das verlassene Kloster Likaki. Ein Steinbau wie so viele. Doch im Inneren sind noch wunderschöne Fresken zu sehen. Da das Ganze unverschlossen ist, haben viele Idioten ihre Namen und Daten in die prächtigen Malereien eingeritzt. Nur im Altarraum, der auch schon ziemlich verfallen ist, sind noch unversehrte Bilder erhalten. Wie schon bei allen anderen Klöstern oder Kirchen, die wir gesehen haben, fällt auf, dass diese immer an recht exponierten und auch schwer zugänglichen Orten erbaut wurden.  Weiter den Bach hinauf kommt dann das Kloster Sotiro. Größer als das vorige, mit einem kleinen Platz davor, auf dem mehrere Weiden stehen. Trotz der engen Schlucht steht es voll in der Sonne und lädt uns zu einer Pause ein. Die Kirche ist leider verschlossen. Aber das macht nichts, der Ort ist auch so einfach total schön. Ab hier geht es auf der anderen Flussseite auf einem Feldweg hinauf. Wir verlaufen uns etwas, aber bei der Umgebung macht das nichts. Irgendwann kommen wir in Ag. Sofia an und gehen dann den schon bekannten Weg runter nach Kardamili.

Heute holen wir mal wieder die Räder runter, denn letztes Mal am Feuer haben wir gehört, dass es hier eine Strecke für Mountainbikes gibt. Es geht gleich hinter dem LKW los. Zuerst harmlos über eine steile Teerstraße, dann flacher aber über eine üble Piste hinauf zum Dorf Prosilio. Zudem scheint heute auch noch die griechische Novembersonne erbarmungslos. Dazu kommt, dass wir schon lange nicht mehr gefahren sind. Aber wir beißen uns durch! Als wir die Teerstraße erreichen, kommt zufällig der Kanadier von der anderen Seite vorbei und gibt uns den Tipp in das Dorf Malta zu fahren mit seiner Steinölmühle. In einer knappen halben Stunde sind wir dort und verbringen geraume Zeit in der alten Ölmühle. Die Oliven werden in 35 - 50 kg Säcke von den Bauern geliefert. Dann werden sie genau gewogen, bevor die Oliven mit Hilfe eines Gebläses von den Blättern abgesondert werden. Danach kommen sie in die eigentliche Mühle, wie hier noch mit alten Mahlsteinen. Der daraus gewonnene Brei kommt dann in Basttaschen, die  ca. ein Meter hoch in der Presse gestappelt werden. Schon allein durch das Gewicht der oben liegenden Matten fließt das Öl! Die Presse übt nur mehr geringen Druck aus. In der anschließenden Zentrifuge wird das Wasser vom Öl getrennt, das dann in den großen Kanistern, der jeweiligen Landwirte gefüllt wird. Wir wissen bloß nicht, was aus dem trockenen Olivenkuchen wird, der nach der Pressung übrig bleibt. Zum Teil haben sie ihn eingeheizt, aber der weitaus größte Teil wurde zur Seite geschaufelt. Vielleicht für Viehfutter? Wir fahren wieder zurück, auch wieder über die Piste, wobei ich (Angelika) schon manchmal tief durchatmen muss um Mut zu holen. Beim Auto habe ich mich dann doch gefreut, dass ich mich getraut habe!

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Griechenland 07.11. - 14.11.2016

Weil es uns vor ein paar Tagen in Koroni so gut gefallen hat, fahren wir heute noch mal hin. Wir schaffen es gerade so vor der Siesta bei einem kleinen Bäcker noch Gebäck und Brot zu kaufen, bevor wir durch die steilen Gassen mit den vielen Treppen hinauf zur Festung gehen. Auch hier wird in den Olivengärten fleißig geerntet und geschnitten. Wir stiefeln durch die zerfallenen Gemäuer, ehe wir noch mal bei dem Nonnenkloster und seinem Mandarinengarten vorbeischauen. Die Nonnen fordern jeden Besucher auf sich doch an den Bäumen zu bedienen! So frisch gepflückte Mandarinen, das hat schon was. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir müssen weiter, damit wir noch vor Einbruch der

 

Dunkelheit einen Platz zum Übernachten finden. Auf halber Strecke nach Finikounda werden wir fündig, am Rande eines Feldes an einem kleinen Weg, der zu einer Kapelle hinaufführt. Als Wolfgang einen Stein zum Unterlegen hochhebt, entdecken wir eine Babykreuzotter. Die hatte mehr Angst vor uns, als wir vor ihr - ich habe gerade noch ein Foto geschafft, da hat sie sich schon zurückgezogen. 

Der Regen der Nacht hat sich wieder verzogen, so dass wir spontan beschließen noch eine Nacht hier zu bleiben und zur Kapelle des Ag. Georgios raufzugehen. Zuerst durch Olivenhaine und Eukalyptusbäumen, später dann durch wilden Salbei, Pinien und Erdbeerbäumen, entlang eines roterdigen Feldweges. Inklusive ein paar Schlammpassagen! Der Himmel zieht sich zu und oben geht dann die Sicht gegen Null. Schade, denn eigentlich sollte man rundum aufs Meer schauen können. Den Nachmittag verbringen wir dann endlich mal mit Faulenzen, Stricken und Schnitzen.

Nein, es regnet schon wieder. Wir lassen uns Zeit, bis wir aufbrechen. Auf der Strecke nach Finikounda hört man auf allen Seiten die Motorsägen der Olivenernter. Wir parken vor der Kirche und laufen durch den kleinen Ort. Er wirkt wie ausgestorben. Nun ja, die Saison ist vorbei und das Wetter verleitet auch nicht zu einem Bummel. Zwei, drei Kaffeehäuser haben noch geöffnet und da sitzen auch tatsächlich einige Männer bei Kaffe oder Ouzo. Wir spazieren zum Hafen, aber plötzlich fängt es so zu duschen an, dass wir schauen zum Auto zu kommen. Also weiter. Nächstes Ziel ist Methoni. Parkplatz suchen wie gehabt und warten, dass es zu regnen aufhört. Dann schnell raus aus dem LKW und ab zur Festung, aber immer schön den Pfützen ausweichen! Wir staunen nicht schlecht, als doch tatsächlich jemand im Kassenhäuschen sitzt und Eintritt verlangt. Als ich dann den Herrn frage, ob dann dafür auch der Regen aufhört, entgegnet er trocken: Wenn mir der Regen nicht passt, soll ich zu Hause bleiben! Hallo, geht’s noch? Als es dann 20 Meter weiter so richtig zu schütten anfängt, ärgern wir uns, die paar Euros abgedrückt zu haben. Durch tiefes Gras laufen wir von einem Unterstand zum nächsten. Wegen des starken Windes nützen auch die Schirme nicht viel.  Beeindruckend sind jedoch die ziemlich hohen Wellen, die gegen die Festung schlagen. Ich wage mich mit Kamera vor zur Begrenzungsmauer und sehe gerade noch aus dem Augenwinkel, dass eine Monsterwelle heranrollt, drehe mich sofort um und laufe zurück. Aber zu spät, sie hat mich vollends rückwärts erwischt: ich bin von oben bis unten klatschnass! Wolfgang sagt, zuerst hat meinen Schrei gehört, dann das Wasser gesehen und dann mich. Trotz nasser Klamotten bleiben wir noch an diesem Ort, der eigentlich eher nach Schottland gehört, als nach Griechenland. Doch irgendwann wird mir kalt und ich muss mich umziehen. Nach einer Kaffeepause geht es weiter nach Pylos, ein typischer Fischerort mit kleinem Hafen, einer - verwaisten - Platia, Geschäfte drumrum und steil ansteigende Straßen in allen Richtungen. Wir wagen uns wieder mal aus dem Auto raus und schlendern durch die Gassen, stellen uns bei einem Schauer unter, werden mit einem tollen Regenbogen belohnt und fahren weiter. Und zwar Richtung Mani, dem mittleren Finger des Peloponnes, denn dort verspricht der Wetterbericht das beste Wetter für die nächsten Tage. In einem kleinen Nest auf der Strecke ist dann auch ein Stellplatz für uns.

Hurra, die Sonne scheint. Auf dem Navi finden wir einen kleinen Berg, sogar mit Weg ab dem Auto, den wollen wir uns nicht entgehen lassen. Nach eineinhalb Stunden sind wir oben. Im Dunst können wir von oben gerade noch die Ochsenbauchbucht bei Navarino erkennen, leider sehen wir aber auch schon wieder dicke, fette Regenwolken. Wir machen, dass wir zum Auto kommen, denn allmählich geht uns die trockene Kleidung aus. Dieser Hügel war nichts besonderes, aber wir konnten uns mal wieder bewegen und das Gehen in der würzigen Luft tut einfach gut. Der Weg zur Mani führt über Kalamata, was recht praktisch ist, weil wir eh noch einkaufen müssen. Leider spinnt dann das Navi bei der Fahrt durch die engen Straßen der Stadt, der GPS-Empfang ist dann einfach nicht so optimal, und wir irren ein bisschen umher, finden aber dann doch noch die richtige Straße. Allerdings ist es schon nach fünf Uhr und wir brauchen noch einen Schlafplatz. Über eine kurvige Straße geht es hinauf in die Berge. Zu allem Übel haben wir auch noch ein Fahrschulauto vor uns. Wolfgang ist total genervt, weil sich der Fahrschüler vor jeder Kurve einbremst, also immer dann wenn wir gerade wieder Schwung haben. Beim letzten Tageslicht entdecken wir dann einen halbwegs ebenen Platz direkt an der Straße, zwar nicht optimal, aber für eine Nacht geht es schon.

Bei Superwetter fahren wir geschwind hinunter nach Kardamili, wo wir auf der Karte einen schönen Strand entdeckt haben. Wie auch schon ein paar andere Womos stellen wir uns direkt an den Kiesstrand neben dem Campingverboten-Schild. Jetzt, nach der Saison, geht das, aber im Sommer, wenn auch die Zeltplätze geöffnet haben, wird das nicht toleriert. Da unser Wasservorrat zur Neige geht, spazieren wir als erstes in den Ort und entdecken am Hafen einen funktionierenden Wasserhahn. Wolfgang sieht dann auch noch ganz neidisch einer Anglerin zu, wie sie zwei Fische aus dem Wasser zieht. Beim Zurückgehen kaufen wir uns für viel Geld zwei deutsche Zeitungen, damit wir am Nachmittag was zu lesen haben über das amerikanische Wahldesaster. Wolfgang springt auch noch kurz ins Meer, ich begnüge mich mit Steinmännerbauen.

Heute bekommen wir schon zum Frühstück Besuch - von einer kleinen schwarzen Katze. Als sie allerdings keine Hemmungen zeigt in unserem Bett rumzuspringen, wird sie von mir rausgeschmissen. Katzen haben da absolut nichts verloren! Wolfgang ist dann zwar etwas beleidigt, weil er sie so süß findet, aber da kenne ich kein Pardon. Bei wolkigem Himmel starten wir zu einer kleinen Wanderung. Zuerst geht es ins alte Kardamili, wo wir aber keine Lust haben Eintritt zu bezahlen um alte Häuser von außen anzusehen. Dann weiter über einen markierten Weg, von dem wir allerdings nicht wissen, wohin er führt. Nach einer Stunde stehen wir vor der Kapelle Ag. Georgios. Ein Blick aufs Handy zeigt uns dass, wir da eigentlich nicht hin wollten. Aber der Ausblick auf die Bucht ist fantastisch, der auf den Himmel weniger und so entscheiden wir uns der Markierung nach unten zu folgen, statt hinauf zum gedachten Ziel. Welch weiser Entschluss! Beim LKW angekommen, fahren wir gleich zum Hafen um Wasser zu bunkern. Und nach ein paar Litern fängt es zu regnen an, aber gleich so, dass wir nach der Betankung ziemlich nass sind. Gut, dass wir nur kurze Hosen und Flip-Flops anhaben. Weiter geht es dann an der Küste entlang auf schmaler Straße und durch enge Ortschaften. Der Regen wird so heftig, dass binnen kurzem sämtliche Straßen überschwemmt sind. Vom Berg kommt überall die rote Erde mit runter, das Meer ist rot gefärbt. Unser angestrebter Übernachtungsplatz in der nächsten Bucht steht völlig unter Wasser, also fahren wir weiter. Mit unseren hohen Reifen haben wir keine Probleme, aber die wenigen PKWs, die uns entgegenkommen, sind schon sehr vorsichtig unterwegs. Bald erreichen wir die kleine Ortschaft Trachila, bei der die Straße endet. Doch hier schlägt Wolfgang das erste Mal vor, nicht mit dem Auto ins Dorf zu fahren, so eng sieht es da aus. Gott sei Dank, ich habe heute schon bei den anderen Durchfahrten so geschwitzt! Wir wenden und fahren etliche Kilometer zurück, wo wir, weit genug weg von den Steilwänden mit ihren Höhlen und alten Behausungen, einen Platz weit über dem Meer finden.

Die Sonne scheint heute Morgen, als wäre nichts gewesen. Wir müssen zurück nach Ag. Nikolaos, wo wir eine kleine Straße Richtung Areopolis gesehen haben. Sie ist sehr kurvig, sehr schmal und sehr steil. Doch das Interessanteste ist der Straßenbelag: eigentlich geteert, aber über weite Strecken wurde der Teer unterspült, ist dann wohl heiß geworden und hat sich zu merkwürdigen Gebilden mit sehr tiefen Löchern verformt. Irgendwann kommt uns ein Mercedes entgegen und die Beifahrerin gibt uns zu verstehen, dass wir hier nicht fahren können oder dass es gesperrt sei. Das wollen wir erst mal sehen. Und bis auf einen Baum mit sehr tiefhängenden Ästen sehen wir eigentlich keinen Grund, warum wir hier nicht fahren sollten. Eher das Gegenteil, wie kommt der Benz durch die Löcher durch? In der Limeni-Bucht bei Neu-Itilo gibt es einen ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz, den wir natürlich für uns alleine haben. Zum Auslüften laufen wir am Nachmittag noch zur Festung von Kefela hinauf. Dabei entdecken wir noch eine ausgeschilderte Wanderung nach, ja, wir können es nicht entziffern, aber das wollen wir dann Morgen herausbekommen.

Bei strahlend blauem Himmel und kaum Wind wandern wir durch die Olivenhaine, in denen fleißig geerntet wird. Der Weg ist zwar nur zu erahnen, aber wir kommen mal wieder bei einer Kapelle raus, dann muss es ja stimmen! Und kurz danach die nächste und schon sind wir oben in Itilo. Es ist einfach herrlich im November mit kurzen Hosen und Top durch die Olivenbäume und Oppuntien zu gehen. Durch die Sonne riecht es wunderbar nach Salbei und Pinien. Wir versuchen einen Weg hinüber nach Kefela zu finden, aber das scheitert dann an dem dornigen Gesträuch, so dass wir umkehren und über einen Bergrücken - mit vielen Kühen, die gefesselt sind, aber die Stier nicht! - und steilem Abstieg zum LKW gelangen. Da nutzen wir, wie auch gestern schon, das gute Wetter zum Wäschewaschen aus.

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Griechenland 29.10. - 06.11.2016

Ein kurzer Blick auf die Wetter-App und schon ist klar, wo wir hinwollen: In Gythio werden uns strahlender Sonnenschein und 23° versprochen! Und tatsächlich wird der Regen etwas geringer, als wir uns der Küste nähern und in Skala, beim Supermarkt, hört er gar ganz auf. Da unsere Schränke leer sind, dauert es doch recht lange, bis wir fertig sind. Zumindest lange genug, dass es wieder regnet. Wir schlängeln uns durch die engen Straßen durch und finden kurz darauf einen Platz an einem geschlossenen Strandrestaurant. Als wir um die Büsche schauen, sehen wir, dass wir direkt bei dem verrosteten Schiffswrack der Dimitrios stehen, die seit gut 35 Jahren hier langsam verrottet. Bei einem Strandspaziergang entdecken wir die schon seit mehreren Wochen verlassenen Schildkrötennester, auch die Schalen der Eier sind noch gut zu sehen. Muschelmäßig ist es hier sehr ergiebig und ich komme mit vollen Taschen zurück zum Hiasl. Die klare Nacht gibt uns Hoffnung auf Wetterbesserung.

Grauer Himmel, aber trocken, so dass wir zu einer Wanderung in auf die Hügelchen aufbrechen. Zuerst flach, dann steiler geht es durch große Zitrusfrüchteplantagen und später durch Olivenhaine hinauf. Die Bäume sind voll mit Orangen, Mandarinen, Zitronen und Oliven. Alles steht kurz vor der Ernte. Wir erfahren, dass allerdings heuer in Griechenland die Olivenfliege ziemlich gewütet hat und die Landwirte per Gesetz spritzen mussten. Vom höchsten Punkt übersehen wir die ganze Bucht einschließlich Wrack und einem Kreuzfahrtschiff, von wo aus die Beiboote eifrig damit beschäftigt sind die Passagieren an Land zu schaffen. Kaum sind wir zurück, spüren wir schon die ersten Tropfen. Okay, dann können wir endlich mal wieder in Ruhe lesen!

Heute wollen wir nach Kafou, zwischen Kalamata und Koroni, zu Karin und Georg fahren. Wir haben uns seit eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen, als die beiden beschlossen, für immer in Griechenland zu wohnen. Der kürzeste Weg führt über Sparta. Ist ja klar, dass heute die Sonne scheint! Sparta lassen wir links liegen, da es recht spartanisch sein soll und nehmen die wunderschöne Bergstraße nach Kalamata unter die Räder. Für Wolfgang ist es zwar ein gnadenloses Gekurbele hinauf bis auf 1300 m. Aber die Landschaft ist fantastisch. Steile und enge Schluchten und Laubbäume in allen Farben. Vereinzelt sehen wir noch ein paar Schafe und Ziegen und einige Hirtenunterschlüpfe. Am Pass machen wir Pause und genießen die frische Luft und den Blick auf die Berge, die wir ja eigentlich zu Fuß durchqueren wollten. Auf der anderen Seite ging es natürlich ebenso steil und kurvenreich hinab, bis wir endlich von oben Kalamata erkennen können. Die Stadt ist viel größer, als wir sie in Erinnerung haben. Doch wir sind schon spät dran, darum geht es gleich weiter über Messini, am Flughafen vorbei runter über die Küstenstraße Richtung Koroni. Dank Karins guter Beschreibung finden wir auf Anhieb hinauf in das kleine Dörfchen Kafou, wo wir schon erwartet werden. Von dem Grundstück der beiden, mit dem tollen Haus und einem ebenso schönen Gästehäuschen - in dem wir residieren dürfen - hat man einen Superblick aufs Meer und hinüber auf die Mani mit dem höchsten Berg Ilias 2406 m.

Die nächsten Tage verbringen wir mit Ratschen, Spazierengehen und Wandern. Wir fahren nach Koroni, das trotz Tourismus noch etwas von dem ursprünglichen Fischerdorf bewahrt hat. Wir besuchen am Abend diverse Tavernen, wo wir uns in der Küche leckere Gerichte, wie Zitronenhühnchen, gebackene Leber, Schweinefleischeintopf, Souvlaki u.v.m., aussuchen können. Auch preislich versöhnen wir uns wieder mit Griechenland. Doch mit was ich mich gar nicht anfreunden kann, ist der Kaffee hier. Entweder ist es eine Art Espresso mit sehr viel Satz oder Nescafé. Bei allen Arten muss man schon bei der Bestellung angeben, wie viel Zucker man haben möchte. Und das variiert dann: bei Mittelsüß sind das ein oder auch zwei Löffel. Tja, auf jeden Fall bringe ich das Gebräu einfach nicht runter. Leider hat der Wettergott auch hier kein Einsehen, denn es regnet ziemlich oft. Alle Leute bestätigen, dass das Wetter diesen Herbst extrem sei. Sonst könne man bis im Dezember hinein noch Baden. Nach einem ziemlich heftigen Gewitter, fällt für viele Stunden der Strom aus. Aber Karin ist gut gerüstet, so wird das Frühstück halt auf einem kleinen Campingkocher zubereitet.  Die Woche vergeht im Nu und wir merken, dass es Zeit wird wieder aufzubrechen. Wir verstauen nun wieder alles im LKW, auch frisch gewaschene Wäsche!, und verabschieden uns von den beiden für die nächsten drei Wochen. Denn dann kommen wir wieder, weil wir den Hiasl bei ihnen abstellen können für die Zeit, die wir in Deutschland verbringen werden.

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Griechenland 19.10. - 28.10.2016

 Über eine kurvige Bergstraße geht es dann doch recht zügig die 100 km nach Tripoli. Als erstes steuern wir den Busbahnhof an, von wo wir nach Kalavrita fahren wollen um in die zweite Etappe des E4 einzusteigen. Dort teilt man uns mit, dass wir in Mazeika umsteigen müssen. Doch niemand weiß, wann ein Anschlussbus geht. Wir suchen auf einer Karte, in GoogleMaps und auf OSM das ominöse Mazeika. Nichts! Gibt es nicht! Die Dame hinter dem Schalter weiß es auch nicht. Auf dem Hauptplatz soll noch eine andere Busstation sein. Wir laufen dorthin, fragen einen Busfahrer, aber der hat auch keine Ahnung. Auch zwei nette junge Frauen in einem Reisebüro können uns nur sehr ungefähr sagen, wo Mazeika sein soll. Auf dem Parkplatz hole ich wieder den Laptop raus und bemühe Google noch mal. Ich lese mich seitenweise durch einen Boxer mit diesem Namen, aber dann ein klitzekleiner Hinweis in Klammern, dass Mazeika ein anderer Name für die Ortschaft Kleitoria ist. Hurra, denn das liegt ja fast direkt auf dem E4. Jetzt werden hektisch die Rucksäcke mit Zelt, Isomatten, Schlafsäcken, Kocher, Reservekleidung, Müsliriegel und ein paar Sachen fürs Frühstück gepackt, denn mittlerweile ist es schon dunkel und wir müssen morgen um vier Uhr aufstehen, da der Bus schon um 5.15 Uhr losfährt!!!

 

Nach einer kurzen Nacht und einem schnellen Frühstück schultern wir die Rucksäcke und gehen zum Busbahnhof, kaufen die Fahrkarten und schon kommt der Bus. Außer uns fahren noch vier Männer mit, wie sich herausstellt, andere Busfahrer, die an ihren Startpunkten abgesetzt werden. Unser Busfahrer bricht den Streckenrekord, denn wir sind 20 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit in Kleitoria. Es ist noch stockdunkel, aber ein Kafenion hat schon auf. Außer uns sind ein paar alte Männer zum Frühstücken hier und das bedeutet ein griechischer Kaffee mit viel Zucker und Kaffeesatz und ein Glas Wasser. Manche haben in Serviette eingewickelt ein paar trockene Kekse dabei. Um halb acht setzt langsam die Dämmerung ein und wir zockeln davon. Bis zum ersten E4-Schild in Ag. Nikolaos sind es sieben Kilometer Straße. Wir treffen ein paar alte Männer, die sich hervorragend mit uns unterhalten. Wir wissen bloß nicht, um was es ging! Bald danach zweigt ein steiler Pfad in einen Sattel hinauf an. Das Steile ist nicht das Problem, sondern das Durchkommen unter den stacheligen Steineichen. Unsere Unterarme sind bald zerkratzt und Wolfgang ist ziemlich am Fluchen. Der Weg hält sich an Ziegenpfade und fast immer gut markiert. Wir haben die Tour jedoch als gpx-Datei auf dem GPS, so können wir bei Unsicherheit nachsehen, wo wir hin müssen. Und ab und zu ist das auch nötig. So kurz vor Mittag lichtet sich dann der Nebel endlich und wir haben theoretisch einen schönen Blick auf die Berge. Aber eigentlich muss man permanent auf den Boden schauen oder Zweige wegbiegen oder Markierungen suchen. Am Nachmittag wird es dann richtig sonnig und wir sind froh, nicht im August unterwegs zu sein, denn Hitze und schwerer Rucksack wäre zu viel. Wir freuen uns nun schon auf die nächste Ortschaft, denn im Führer sind diverse Verpflegungs- und Einkaufsmöglichkeiten angegeben. Und mittlerweile haben wir einen Riesenhunger und die Beine werden auch schon schwer. Doch als wir so gegen 16 Uhr in Lurika ankommen werden wir schwer enttäuscht. Die Kafenions und die Tawerne sind schon seit längerem geschlossen. Nur in einem Miniladen können wir ein Stück Brot, einen Apfel und eine Dose Ölsardinen und Bier und Saft ergattern. Dies essen wir gleich auf der Straße vor dem Laden und sind erstmal sauer. Aber wir müssen noch ein Stück weiter gehen, denn unser angedachter Lagerplatz liegt an der Quelle des Flusses Ladonas, so haben wir zumindest Wasser. Um halb sieben sind wir endlich da und bauen gerade noch so im Hellen das Zelt auf. Zum Essen gibt es das restliche Brot und von unseren Frühstücksvorräten. Wir sind sieben Stunden gelaufen, haben dabei über 27 Kilometer hinter uns gebracht und 1100 Höhenmeter. Für heute reicht es uns.

Oje, in der Nacht hat es zu regnen begonnen. Uns tun alle Knochen weh und wir bleiben noch liegen, in der Hoffnung, dass der Regen aufhört. Aber nein, Frühstücken im Regen, alles wieder einpacken und das Zelt im Nassen einpacken. Als wir endlich losmarschieren nieselt es nur noch. Hoffnung! Halbe Stunde später geht dann der Dauerregen los. Die Schirme müssen raus. Damit wird es aber nicht einfacher durch das dichte Gehölz zu kommen. Zudem müssen wir viel durch hohes Gras gehen. Auf jeden Fall sind nach einer Stunde meine Schuhe, obwohl frisch imprägniert, total durchweicht.  Na, super! Missmutig gehen wir weiter und freuen uns auf das Kaffeehaus in Pangrati, wo wir uns am Ofen etwas trocknen wollen. Aber klar, das hat natürlich auch geschlossen. Überhaupt herrscht in all diesen Dörfern so eine Totengräberstimmung. Ich schätze, dass 70% der Häuser leer stehen und in dem Rest ein paar alte Leute hausen. Anders kann man das nicht nennen. Denn wir haben Dinge gesehen, die wir gar nicht sehen wollten. Der Regen lässt keine Minute nach und unsere Stimmung ist ziemlich am Boden. Eine alte Frau sagt aber, dass es in Dara, der nächsten Ortschaft, sicher ein Kafenion gibt. Sind ja nur fünf Kilometer bergauf und –ab. Zähneknirschend stapfen wir weiter. Für das bisschen Weg brauchen wir fast zwei Stunden. Wir sind nass, haben Hunger, alles ist grau, grrr. Endlich sehen wir Dara, ja, eine größere Ortschaft. Mit einer großen Kirche, die war in den anderen Käffern auch immer recht groß und gut erhalten. Ist ja auch wichtig bei der enormen Einwohnerzahl. Wir rennen ewig durch das Dorf um den Dorfplatz zu finden. Denn auch hier ist keine Menschenseele auf der Straße, so dass man mal jemand fragen könnte. Endlich, wir sehen gleich drei Wirtshausschilder und fangen fast zu laufen an, soweit das mit den Quietscheschuhen möglich ist. Doch alles umsonst, alle drei sind zu. In den Innenräumen sind Tische und Stühle aufeinander gestapelt, Fensterscheiben nicht mehr ganz, Markisen zerrissen. Ich krieg gleich die Krise! In einem Gebäude, das eher nach Restaurant aussieht, hören wir Stimmen und klopfen an die Tür. Zögerlich wird von einem Mann aufgesperrt. Wir machen klar, dass wir gerne was zu essen hätten. Innen im Gastraum sind mehrere Männer mit Ouzo, Kaffee und Salat an einem Tisch. Also nein, zum Essen gibt es hier nichts. Und wenigstens einen Tee oder Kaffee? Nein, das geht auch nicht, denn diese Gaststätte ist schon lange „closed“. Aha, und wieso hat dann jeder was vor sich stehen? Aber nix zu machen, sie wollen nicht. Also wieder raus in den Regen. An der Kirche gibt es ein Vordach und da breiten wir uns erstmal aus und kochen unseren Notvorrat an Nudel und Fertigsauce. Leider entdeckt Wolfgang, dass sein Rucksack trotz Regenhülle alles andere als dicht ist und seine Reservekleidung durchnässt ist. Auch die Ärmel meiner Daunenjacke sind nass, den Rest hat wohl die Klopapierrolle aufgesaugt! Wir haben die Schnauze voll und beschließen das Trekking abzublasen. Denn wenn das so weiter geht, dann verhungern wir noch. Ganz abgesehen davon, dass wir bis auf die Haut nass sind. Wir fahren per Anhalter von Dara bis zur Hauptstrecke nach Tripoli. Hier müssen wir noch drei Kilometer gehen und dann kommt zu unserem Glück ein Bus, der hält und auch noch bis Tripoli fährt. Wir verfrachten unsere Rucksäcke, die Stöcke und die Schirme in den Stauraum und lassen uns dann in die weichen Sitze fallen. Am Bahnhof hilft mir Wolfgang ein letztes Mal den Rucksack aufzusetzen – denn alleine schaffe ich es nicht – und wir marschieren zu unserem LKW und schmeißen das ganze nasse Zeug nur mehr in den „Keller“, machen noch Brotzeit und dann ab ins Bett.

 

Regen, Regen, Regen! Das ist blöd, denn so können wir nichts zum Trocknen rausstellen. Die nassen und schmutzigen Klamotten hängen an der Wäschespinne im Bad und verbreiten so einen etwas unangenehmen Geruch mit Saunaeffekt im Auto. Da wir Hunger haben, machen wir uns zu Fuß auf zum nächsten Supermarkt. Es sind kaum 10 Minuten zu gehen und wir haben Schirme dabei. Aber als wir dann wieder zurück am LKW sind, sind wir wieder ziemlich eingeweicht. Wenigstens gibt es nun einen lecker Cappuccino und Croissants mit Nutellafüllung! Den Rest des Tages verbringen wir mit Lesen und Stricken. Ja, ja, Weihnachten steht vor der Tür…

Ein Sonnenstrählchen zum Frühstück, hurra! Endlich verziehen sich hier über Tripoli die Wolken – in den Bergen hängt aber immer noch dichtes Gewölk. Wir stellen die Schuhe raus, hängen die Wäsche draußen auf und bauen das Zelt auf. Allerdings ist das auf dem Teer des Parkplatzes nicht so ganz einfach, denn es geht ein ziemlicher Wind und Wolfgang muss dem davonfliegenden Zelt schon ein paarmal hinterherlaufen. Unsere Lust auf Berge ist etwas eingeschränkt und so beschließen wir an die Küste zu fahren. Das Zelt kann nun trocken verpackt werden, der Rest kommt vorerst wieder in den Keller und wir brausen die ca. 40 km rüber an die Ostküste des Peloponnes, nach Paralio Astros. Am langen Sandstrand finden wir noch eine intakte Dusche und einen ebenen Stellplatz. Der nahegelegene Campingplatz hat schon geschlossen und so dürfte das Stehen hier neben dem Campingverbotsschild kein Problem sein. Mittlerweile ist es recht warm geworden und so springen wir noch schnell ins Meer. Ein bisschen Überwindung am Anfang, aber dann ist das Wasser angenehm temperiert.

 

Die nächsten Tage verbringen wir hier mit faulenzen, Strandspaziergängen, Schwimmen, Radfahren und sonst eigentlich nichts. Paralio Astros ist im Kern ein kleines Fischerdorf mit Appartementhäusern am Rand, die aber gar nicht so hässlich sind. Am Abend gehen wir mal zum Essen in ein Fischrestaurant. Aber da hätte ich fast die Herztropfen gebraucht, als die Rechnung gekommen ist. Wolfgang hat es mit einem Ouzo runtergespült, aber ich mag das Zeug ja nicht. Für die paar Tage haben wir dann auch gleich Familienzuwachs bekommen. Zwei Hunde haben sich häuslich bei uns niedergelassen, sind mit mir zum Baden gegangen und haben unter dem Auto geschlafen. Am vierten Tag ist dann der Höhenmesser gestiegen und somit der Luftdruck gefallen. Und prompt hat es in der Nacht zu regnen begonnen. Wir haben eine kurze Regenpause genutzt, um mit den Rädern nach Astros zum Einkaufen zu fahren und sind auch fast trocken wieder zurück gekommen.

Wir wollen heute weiter die Küste runter, aber da das Wochenende naht müssen wir noch mal was zum Essen besorgen. Allerdings können wir heute Morgen auffällig viele Spaziergänger beobachten, bis mir einfällt, dass am 28. Oktober ja Ochi-Tag (Nein-) ist. Wir lesen im Reiseführer nach und erfahren, dass heute griechischer Nationalfeiertag ist. Na, super! Gott sei Dank finden wir in Paralio Astros einen kleinen Tante-Emma-Laden, der trotzdem geöffnet hat, sonst hätte es mit dem Abendessen mau ausgeschaut.

 

Bei mehr oder weniger starkem Regen fahren wir die wunderschöne Steilküste Richtung Süden, wo sich immer wieder traumhafte Badebuchten finden. In Tyros spazieren wir die „Corniche“ entlang, wo sich eine Bar oder Café ans andere reiht. Aber alles sehr angenehm in kleinen, typisch griechischen Häusern: weiß mit blauen Fensterläden, Palmen und blühende Bougainvilleen an den zierlichen Balkonen. Danach nimmt der Regen wieder zu und wir fahren über Leonidion Richtung Westen in die Berge. Ist halt der kürzeste Weg. Beim Kloster Elonis machen wir halt. Wie ein Adlerhorst ist es an die steil abfallende Felswand gebaut. Ein toller Anblick: die weißen Klostergebäude und die roten Felsen. Etwas oberhalb der jetzigen Schlafhäuser sind noch zwei alte Klausen zu sehen, die direkt in Felsnischen gebaut wurden. Ein schöner Ort mit göttlichem Ausblick! Für uns geht es weiter nach Kosmas, ein typisches Bergdorf, das wir vor vielen Jahren schon mal besucht hatten. Damals saßen wir bei herrlichem Wetter unter der riesigen Platane in einem Kaffeehaus am Dorfplatz. Das haben wir uns heute geschenkt und sind mit dem Laster durch den engen Ort gezirkelt. Natürlich haben wir an der engsten Stelle einen Griechen getroffen, der nicht der beste Autofahrer war. Auf jeden Fall musste Wolfgang dann rückwärts durch die enge Gasse, weil der andere nicht bereit war zehn Meter zurückzustoßen! Kurz nach Kosmas haben wir keine Lust mehr zu fahren und beschließen den Tag mit einem leckeren Abendessen.

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Griechenland 14.10. - 18.10.2016

Bei Superwetter laufen wir über den Steg hinüber zur Klosterinsel. Dort umrunden wir die komplette Insel uns kommen dadurch an allen Ruinen der ehemaligen Klöster und Basiliken aus dem 10. bis 15. Jh. vorbei. Z. T. wurde restauriert, aber das meiste ist sich selbst überlassen. Ziegen grasen durchs Kirchenschiff, durch undichte Dächer läuft der Regen über alte Fresken. Vom höchsten Punkt der Insel entdecken wir zwei Pelikane auf dem See. Dies ist wohl das Paar, das sich nicht mehr auf die Reise macht, wie uns der Müller gestern erzählte. Beim Rückweg stolpern wir fast über eine Schweinfamilie und die Kühe nehmen Reißaus vor uns. Alles sehr idyllisch! Soviel Natur macht hungrig und wir kehren in der Bar am Stegende ein. Hier ist anscheinend ein Künstler zu Hause, denn überall stehen Holz-, Stein- oder Eisenskulpturen herum. Eine kleine Herde Wasserbüffel zieht vorbei, wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Anschließend fahren wir nach Kastoria – Sim-Karte! Bei einem Spaziergang durch die Stadt, die an einem See liegt, kommen wir an mehreren Pelikanen vorbei. Die sind wohl auch zu faul zum Fliegen? Kormorane sitzen auf einem Baum auf der Lauer und eine große Horde Gänse schnattert auf dem Bürgersteig. Gefieder ohne Ende! Endlich ist es 17 Uhr und wir kaufen eine Karte, allerdings müssen wir uns erst an die Preise gewönnen. 2 GB für 5 Tage für 15 Euro! Da sind wir halt von Polen, Rumänien und Bulgarien etwas verwöhnt. Auch die Preise im nahen Lidl haben es in sich. So im Schnitt 1,5-fach wie in Deutschland. Wolfgang verzichtet gleich aufs Bier und das will was heißen! Nun brauchen wir nur noch einen Schlafplatz, wo wir gleich die Karte aktivieren wollen und endlich mal wieder Kontakt zur community haben wollen!

So, heute möchten wir mal Strecke machen und fahren gleich mal auf die nagelneue von der EU finanzierte Autobahn. Am Straßenrand stehen Gott sei Dank immer die Schilder, wie viele Millionen dazu beigesteuert wurden. Nach der ersten Milliarde verliere ich den Überblick. Und ich muss noch anmerken, dass wir fast die einzigen sind, die die AB benutzen! Einmal müssen wir 6 € Maut bezahlen, was in Anbetracht der vielen Tunnels nur fair erscheint. Kurz hinter Ioannina ist ein Stück Landstraße und Wolfgang fährt brav rechts, was sich aber als Ausfahrt herausstellt. Und wo stehen wir plötzlich? Vor IKEA! Na, das ist doch ein Zeichen. Da müssen wir natürlich rein. Doch außer Batterien und einem Kissen kaufen wir nichts. Wir haben ja auch gar keinen Platz. Jetzt wollen wir doch mal ans Meer und so geht es über Arta endlich an die Küste, wo wir dank OSMAND einen Minihafen finden und einen  - etwas ungepflegten – Strand, dafür aber mit noch funktionierender Süßwasserdusche. Das Wasser ist sauber und noch warm genug zum Schwimmen. Herrlich!

 

Die Nacht war unruhig! Wir sind um 11 ins Bett gegangen und kurze Zeit später abrupt aufgewacht, weil unser LKW heftig geschaukelt hat. Wolfgang dachte erst es wäre ein Sturm oder junge Leute, die sich einen Spaß machen. Doch nichts dergleichen. Ich habe allerdings an ein Erdbeben geglaubt. Wir haben uns wieder hingelegt und sind dann auch wieder eingeschlafen. 

Ich habe heute Herrn Google bemüht und es war tatsächlich ein Erdbeben der Stärke 5,5. Gott sei Dank waren aber keine größeren Schäden zu verzeichnen.

Heute war nur Schwimmen, Lesen, Putzen und Autoabschmieren angesagt. Auf die letzteren beiden Arbeiten hätten wir bei dem tollen Wetter gut verzichten können, aber es muss halt auch mal gemacht werden. Wenigstens kann ich so auch mal meinen Arbeitsoverall in Gebrauch nehmen!

 

Mit dem Fernglas haben wir dann auch noch drei riesige Fische vorbeiziehen sehen. Sicher zwei Meter lang und mit einer großen Rückenflosse. Aber keine Ahnung, was das für welche waren.

Nach Wasser tanken am Hafen geht die Reise weiter. Wir müssen dringend Wäsche waschen (lassen). Das Netz spukt gleich zwei Wäschereien in Nafpaktos aus, nur 10 km nach Antirion, wo wir ja sowieso hin müssen. Perfekt! Fast, denn beide haben wohl schon vor Jahren zugemacht. Durch Fragen haben wir dann eine Reinigung mitten in der Altstadt gefunden, was mit dem Lastwagen nicht immer so ganz einfach war, denn die eh schon enge Straße wird gerne auch noch in zweiter Reihe zugeparkt. Um 14 Uhr macht die Wäscherei zu und fünf Minuten davor haben wir endlich alles abgegeben. Das Wetter ist herrlich, aber in der Stadt ist nun tote Hose und so gehen wir zur Festung hinauf. Durch verwinkelte Gassen, vorbei an schönen Steinhäusern und blühenden Orangenbäumen – mein Lieblingsduft – gelangen wir durch einen Pinienwald zum Eingangstor. Doch auch hier ist Siesta, doch wir werden mit einem tollen Blick auf die Meerenge bei Patras und die Berge des Peloponnes entschädigt. Am Nordende von Nafpaktos können wir bei einer jetzt geschlossenen Strandbar das Auto abstellen. Wolfgang springt noch ins Meer, mir ist es jetzt zu windig – ich war ja schon am Morgen!

Um 12 Uhr soll die Wäsche fertig sein, aber Griechenland eben. Um ein Uhr verspricht die nette Dame. Da machen wir uns doch auf die Suche nach einem Café mit wifi und schauen, was es neues bei unseren Kindern gibt. Danach geht es über die riesige Hängebrücke von Antirion nach Rion. Erstaunlicherweise werden wir bei den PKWs eingestuft, so dass es nur 13,30€ kostet, statt der angedachten 20€. Wir verpassen dann leider die Auffahrt zur Umgehungsstraße von Patras und müssen nun mittendurch. Es herrscht viel Betrieb und Wolfgang ist froh mit so einem großen Auto unterwegs zu sein, da haben die Griechen schon ein bisschen Respekt. Bei einem Supermarkt decken wir uns für unser geplantes Trekking durch den Peloponnes ein. Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Tripolis, wo wir einen Stellplatz für den LKW suchen wollen, um dann das Teilstück des Fernwanderweges E4 zu gehen.

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Mazedonien 12.10. - 13.10.2016

Wir können es kaum glauben, aber während des Frühstücks scheint die Sonne! Aber nur da, denn dann regnet es wieder mal. Heute dasselbe Bild wie gestern: tolle Berglandschaft, matschige Dörfer, schlechtes Wetter. Wir haben gar keine Lust anzuhalten und so fahren wir über Strumica nach Kavandarci. Dort hat das älteste Weingut Mazedoniens, Tikveş, seinen Sitz. Wir haben gelesen, dass man hier Weinprobe mit Kellerbesichtigung machen kann und steuern es darum an. Doch an der Pforte klärt man uns auf, dass das eigentlich nur mit Reservierung geht, man fragt nach, aber nein, heute ist es nicht möglich. Na, dann sollen sie ihren Wein doch selber trinken! Über Prilep geht es weiter bis kurz vor Bitola, wo wir etwas oberhalb der Straße einen Stellplatz mit Weitblick finden. Das Gepritschle hat aufgehört und wir machen einen Spaziergang zu einem Kloster hinauf – das recht verlassen aussieht - und weiter zu einem kleinen Gipfel. Zurück am Auto wird auch gleich wieder die Gegend gewässert und bald sind wir auch von einer großen Schafherde umzingelt, die talabwärts geht. Die Nacht wird recht windig, so dass wir die Fenster nicht mal einen Spaltbreit auflassen können.

Vor 27 Jahren, als es noch Jugoslawien hieß, sind wir hier auf den Weg nach Griechenland schon mal durchgefahren und haben es in nicht guter Erinnerung. Außer Melonen gab es nichts zu kaufen, Tanzbären wurden noch am Wagen hinter hergezogen und die Leute begafften uns, als ob wir vom Mond kämen. Heute ist alles anders. Wir fahren nach Bitola hinein und besuchen den quireligen Freiluftbazar. Ein kleiner Laden reiht sich an den anderen, dazwischen der obligatorische Obst- und Gemüsemarkt, wo wir uns versorgen. Ältere Ehepaar gehen zusammen zum Einkaufen, junge Leute schauen in die unzähligen Schuh- und Modeboutiquen, die Herren der Schöpfung sitzen im Kaffeehaus. Das machen wir dann auch, bevor wir unsere Tanks auffüllen und die Grenze nach Griechenland passieren. In der nächsten Stadt Florina versuchen wir eine Sim-Karte zu ergattern, aber da müssen wir uns nun umstellen. Denn in Griechenland ist Siesta zwischen 13.30 und 17 Uhr! So lange wollen wir nicht warten und fahren nun weiter zum kleinen Prespasee. In Ag. Germanos laufen wir den Schildern zu einer alten Wassermühle nach. Als wir uns dort neugierig umsehen, kommt ein junger Grieche auf uns zu und fragt, ob er uns was zur Mühle erzählen darf. Na, klar, gerne! So erfahren wir, dass die Mühle vor gut 100 Jahren gebaut wurde und dann nach dem Bürgerkrieg verfallen ist. Erst seit ein paar Jahren haben sich wieder junge Leute zusammen getan und Gelder gesammelt um die Mühle zu restaurieren und nun damit auch Geld zu verdienen. Durch das ausgeklügelte System von vier Wasserzufuhren, kann sie zum Getreidemahlen verwendet werden, aber auch zur Wollverarbeitung und zum Waschen von großen Teilen wie z. B. Teppichen. Das gefällt uns. Alles öko und auch junge Leute, die sich ans alte Handwerk erinnern und sich dafür engagieren. Es wird bald dunkel, aber am Steg hinüber zur Insel Ag. Achilleios gibt es ein schönes Plätzchen für uns.

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Bulgarien 5.10. -11.10.2016

So gegen Mittag erreichen wir die Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien. Ich bin schon etwas wehmütig, denn Rumänien hat mir echt gut gefallen. Der rumänische Beamte hat noch etwas gemeckert, von wegen wir hätten die falsche Vignette und wir sollen doch noch was nachbezahlen. Aber Wolfgang ist stur geblieben und so durften wir dann nur die 12 € Brückenmaut über die Donau bezahlen. Doch so richtig unverschämt finde ich dann die 28 € für die Vignette für sieben Tage! Da hoffe ich doch, dass sich Hr. Dobrindt  mit seiner Maut in Deutschland durchsetzt und jeder Bulgare auch mal bei uns brennen muss. In der Grenzstadt Ruse finden wir dann endlich einen Waschsalon, wo wir unseren doch mittlerweile recht dicken Wäschesack abgeben. Um sechs Uhr können wir ihn wieder abholen. Wolfgang zirkelt mit dem Hiasl durch sehr enge, vollgeparkte Straßen um zum Ecomuseum zu gelangen. Dieses kleine, aber liebevoll gestaltete Museum klärt über den Lebensraum entlang der Donau auf einschließlich prähistorischen Funden z.B. Mammutknochen. Nach dem interessanten und kurzweiligen Besuch sind wir noch in die City gelaufen. Doch durch den eiskalten Wind haben mir nicht mal die schönen alten Häuser mit den schmiedeeisernen Balkonen so richtig gefallen. Wir sind einmal rauf und runter – es waren auch nicht viele Leute unterwegs – um dann in einem Café noch was zu trinken. Leider habe ich mich für Cappuccino entschieden.  So was Ekliges habe ich ja noch nie vorgesetzt bekommen. Mir kommt es so vor, als ob die Kondensmilch aufgeschäumt haben! Igitt. Wenigstens ist die Wäsche fertig und wir finden an der Donau einen angenehmen Übernachtungsplatz.

Es regnet wieder mal. Dadurch wird die triste Gegend, durch die wir fahren, auch nicht schöner. Alles ist entweder grau oder schmutzig oder beides. Keine Menschenseele ist zu sehen. Manchmal picken ein paar Hühner rum, das war’s dann. Endlich wird es etwas heller am Horizont und wir fahren an einem Schild von einer Ausgrabungsstätte vorbei. Als wir nach 10 Kilometern zu dem Dorf kommen, stehen da drei antike Säulen auf dem Dorfplatz. Da muss ich doch erst mal laut lachen. Wir gehen in den Laden nebenan um Eier zu kaufen. Doch das Angebot ist sehr übersichtlich. Da weiß man eigentlich nicht, soll man was kaufen um die Wirtschaft anzukurbeln oder kauft man den Bewohnern was weg? Eier gibt es eh keine und so entscheiden wir uns für’s Enthalten. Doch oh Wunder, auf dem Weg zum Auto entdecken wir ein Schild mit dem Hinweis, dass es noch drei Kilometer zur Ausgrabungsstätte sind. Hurra! In Nikopolis ad Istrum  gehen wir durch die teils sehr gut erhaltenen Ruinen dieser alten, von den Dakern erbauten und von den Römern 100 Jahre später übernommenen Stadt. Am meisten haben mich die sieben Meter breiten Straßen beeindruckt, die hier in der Stadt auch noch alle einen Entwässerungskanal haben. Das Gelände ist groß und auch noch nicht ganz ausgegraben. Ich mag solche Stätten, mich fasziniert es, wie man vor ca. 2000 Jahren schon so riesige Gebäude errichten konnte. Doch  die Kälte treibt uns weiter. Ein paar Minuten später weist wieder ein Schild auf ein Kloster hin. Wir fahren ein Stück rauf und gehen den Rest zu Fuß. Es liegt hoch über dem Fluss an eine Felswand geschmiegt. Die alte Basilika wird innen gerade restauriert, die äußeren Fresken sind z. T. schon erneuert. Die übrigen Gebäude mit Schlaf- und Wirtschaftsräumen sind noch alt und werden wohl nur notdürftig hergerichtet. Die Sonne kommt etwas raus und die Stimmung ist nun herrlich. Der Aufseher kommt und sperrt uns die Basilika auf. Wie immer sind alle Wände bemalt und es wirkt ein bisschen düster. Ganz anders als die riesigen katholischen Kirchen bei uns. Tja, heute ist Kultur angesagt und wir fahren noch eine kurze Strecke nach Veliko Tarnovo, im Mittelalter die Hauptstadt Bulgariens. Auch hier parken wir weit außerhalb. Wir mögen es recht gerne, wenn man sich zu Fuß einer Stadt oder einem Dorf nähert, denn gerade die Außenbezirke zeigen, wie die Menschen hier leben. Und das ist nie so, wie in den „Vorzeigeinnenstädten“. Auf der Suche nach einem Handyladen sprechen wir mit einem jungen Cafébetreiber. Er sagt uns, dass der Durchschnittsverdienst hier bei 250 € liegt, ein Rentner hat etwa 100 € im Monat. Im Winter sei es sehr hart, man kommt auf über 50 € Heizkosten. Er versteht die Regierung nicht, die in seinen Augen unsinnige Gesetze  erlassen hat. Da wundert es mich nicht mehr, dass in eigentlich abbruchreifen Häusern noch jemand wohnt. Die Schere zwischen arm und reich ist weit geöffnet. Der Q7 steht neben einem verrosteten Kinderwagen, der als Schubkarre dient. In der City gehen wir an Boutiquen, Schmuckläden und Restaurants vorbei. Drüben in der Altstadt führen die gepflasterten Gassen vorbei an alten Häusern im byzantinischen Stil rüber zur Festung, die strategisch günstig auf einem Hügel über dem Fluss liegt. Doch bei uns ist heute die Luft raus und wir belassen es mit ein paar Fotos und machen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz.

 

 

Heute wollen wir zu einem Dorf  fahren, das mit typisch bulgarischen Häusern aufwarten kann. Den Namen schwupps ins Navi eingegeben und los geht’s. Nach einem Abzweig wird die Straße einspurig und dann noch schmäler und dann ist es auf einmal ein Wanderweg. Aha, es sind aber nur mehr drei bis vier Kilometer, die Sonne scheint, also gehen wir zu Fuß. Der Weg – eine alte Römerstraße, die bis nach Nikopolis geht - führt durch einen wunderschönen Eichenwald immer auf und ab nach Bozhentsi. Das Internet hat nicht zu viel versprochen. Die Häuser sind alle noch mit Steinplatten gedeckt, weiß verputzte Wände mit dunklen Holzbalkonen und Fensterstöcken. Viele Walnussbäume an den Straßen und in den Gärten Apfel- und Aprikosenbäume. Wir beschließen den Besuch mit einem Mittagessen in einem Restaurant. Es gibt Lammsuppe und Kavarma, ein Schmortopf mit Fleisch und Gemüse, dazu frisches Knoblauchbrot. Hmm, sehr gut! Danach fahren wir weiter in die Berge. Wolfgang hat uns einen Platz auf 1300 m Höhe dem Shipka-Pass, ausgesucht, bei einem Kriegerdenkmal. Es regnet mal wieder und wir haben uns gerade eingerichtet und den Brotteig in den Backofen geschoben, als ein Polizist recht heftig an die Türe klopft. Wir verstehen natürlich nichts, da ruft der schlaue Kerl eine englischsprechende Dame an, die uns erklärt, dass wir hier wegfahren müssen, da um sechs Uhr der Platz gesperrt wird. Na, gut. Also alles notdürftig verstauen und runter auf den großen Parkplatz. Hier stehen wir auch gut, aber halt direkt neben der Straße.

Die Nacht war etwas unruhig, aber nicht wegen der Autos, sondern wegen des heftigen Windes, der uns ganz schön durchgeschüttelt hat. Und, man glaubt es kaum, aber es regnet mal wieder. Bei 4° und dichtem Nebel laufen wir schnell hinauf zu dem Denkmal für, ja für wen? Die geplante Wanderung am Kamm lassen wir wegen des Wetters sausen und wir fahren bei schlechter Sicht durch eine wunderschöne Berglandschaft. Der eisige Wind bläst die Blätter von den Bäumen. Das ist das Schöne an einem Laubwald: von Knallrot, über Orange, Goldgelb bis Hellgrün sind alle Farben zu sehen. Es sieht super aus. Vor uns breitet sich die thrakische Tiefebene aus. Der Regen lässt auch nach und schon bald sehen merkwürdige Hügel mitten in der ansonsten flachen Landschaft. Das ist ja genau das, was wir suchen, die Thrakergräber. Die Erdhügel sind zwischen 10 und 20 m im Durchmesser und 10 bis 15 m hoch. Über einen Feldweg fahren wir zwei davon an und kaum gehen wir um den ersten rum, steht da auch schon ein Kassenhäuschen. Aber nur fürs Anschauen von außen wollen wir nichts bezahlen, manchmal finden wir es hier in Bulgarien schon etwas vermessen, für was die alles Geld haben wollen. Also weiter nach Kasanlak, wo sich noch ein sehr gut erhaltenes Grab befinden soll. Wir finden es auch gleich. Aber das Original ist nicht zugänglich, nur eine Kopie für 3 € pro Person. Wenn man das auf den Durchschnittsverdienst umrechnet, dann müsste man dafür in Deutschland 30 € bezahlen. Wir drücken es zähneknirschend ab und stehen dann zu viert in einer sehr engen runden Grabkammer und sehen uns das nachgemalte Deckengemälde an. Für Archäologen war dieser Fund recht bedeutend, da es vollständig erhalten war und somit Aufschluss über die Menschen um ca. 250 v. Chr. gab. Wir zockeln nun Richtung Westen durch die weite Ebene. Es wird hier viel Gemüse wie Weiß- und Rotkraut, Rüben und Paprika angebaut. Auf vielen Feldern ist die Ernte von Paprika in Gange und man sieht überall Frauen mit Kopftüchern bei der mühsamen Handernte. Bei einem Fluss ist dann ein schöner Platz für uns. Wolfgang macht sich gleich mit dem Angelzeug zum Wasser auf, aber leider kommt er nach einer Stunde ohne Fisch und Blinker zurück!

Da wir neben einer Fußgängerhängebrücke geschlafen haben, ist heute Morgen schon reger Verkehr hier. Leider sehen wir auf der anderen Flussseite, dass, wie ganz oft in Osteuropa, ein Stoppelfeld angezündet wurde. Es stinkt bestialisch, die Luft ist voll beißendem Rauch. Das sollte wirklich mal verboten werden, ebenso die tausende von privaten Laubfeuern.

Wir wollen heute nach Plovdiv, nach Rom und Athen eine der ältesten Städte der Welt, welche bis heute durchgehend bewohnt ist. Wie üblich muss man erst durch die weniger schönen Plattenbausiedlungen durch, aber dann finden wir nahe der Altstadt einen Parkplatz. Wir gehen durch die grob gepflasterten Straßen vorbei an alten Häusern mit schönen Erkern hinauf zum Festungshügel. Von hier haben wir einen wunderbaren Blick auf die gesamte Stadt ringsum. Anschließend besuchen wir eine orthodoxe Kirche. Dort war gerade eine Taufe und auch wir bekommen von der Taufpatin ein Stück des traditionellen Brotes. Danach laufen wir durch fast jede Gasse und bestaunen die bunten Häuser. Auch vom griechischen Theater sind die Zuschauerränge, der Orchestergraben und die Bühne noch sehr gut erhalten. Von hier gehen wir rüber in die neue Stadt mit ihrer ziemlich langen Fußgängerzone. In deren Mitte sind eine alte Moschee und das römische Stadion, das 30.000 Zuschauer fasste. Der Eingang mit Tribüne ist ausgegraben und frei zugänglich. Es ist Sonntag, aber die Läden haben alle geöffnet und somit ist richtig Leben in der Stadt. Alle sind gut drauf, die Sonne scheint, in den Cafés ist kaum ein Platz frei. Irgendwo ergattern wir dann doch ein Tischchen und genießen das schöne Wetter und das Treiben um uns bei einem guten Cappuccino. Plovdiv können wir nur empfehlen!

 

Am Spätnachmittag geht es für uns weiter. Es gibt eine Planänderung. Statt ans Schwarze Meer wollen wir nun übers Pirin-Gebirge in die Strumaweinregion – vielleicht ergibt sich ja eine Weinprobe – und weiter nach Mazedonien, auch wegen des günstigen Spritpreises dort und dann nach Griechenland. Und so schlafen wir wieder mal in den Bergen auf dem Parkplatz eines Wasserkraftwerkes, dafür mit eigener Quelle! Wir wollen gerade ins Bett gehen, als neben uns ein PKW parkt und alles aus seinen Lautsprechern rausholt, was möglich ist. Wir hören uns das eine Zeitlang an, dann geht Wolfgang raus und leuchtet mit der Taschenlampe ins Wageninnere. Der Typ schreit, packt seine Tante wieder ein und wie der Teufel brausen sie davon.

Gleich neben dem Auto geht ein Wanderweg los. Das wollen wir ausprobieren. Doch nach 45 Minuten geben wir auf. Bei so viel umgestürzten Bäumen und stacheligen Büschen und Brombeerranken geht es ohne Machete einfach nicht weiter. Also drehen wir um und außerdem fängt es eh schon wieder zu regnen an. Beim Auto bemerken wir, dass sich an unserem Heckträger nun schon das zweite Laufrad verabschiedet hat. Hmm, noch haben wir sechs, aber wenn das so weiter geht… Mal schauen, ob wir in Griechenland welche auftreiben. Durch mehr oder weniger dichten Regen geht es nun über diverse Pässe und Hochebenen durch die Berge. Die wenigen Dörfer, die wir durchfahren, machen einen recht ärmlichen Eindruck. Die Häuser sind entweder unverputzt, was noch geht, oder verputzt und grau. Vor vielen Gebäuden türmen sich auf dem Gehsteig Holzberge für den bevorstehenden Winter. Ab und an ist ein Gemüsestand mit recht übersichtlichem Angebot zu sehen. Menschen sind nicht allzu viele auf den Straßen. Wir werden nicht so recht warm mit Bulgarien, was jetzt nicht nur an den Temperaturen liegt. In Goze Deltschew kaufen wir noch was ein und bleiben dann einfach an einer breiteren Straßenkehre für die Nacht stehen. Internet gibt es hier auch nicht, also machen wir mal wieder einen Alf-Abend.

Regen die ganze Nacht, Regen am Morgen. Da fällt das Aufstehen schon schwer. Jetzt hat sich auch noch unsere bulgarische Sim-Karte verabschiedet, so ein Mist. Wir fahren wieder mal über einen Pass mit 1700 m Höhe. Wegen des aufziehenden Nebels sehen wir nicht viel, aber wenn sich mal eine Lücke auftut, dann sieht es nach wunderschöner Berglandschaft mit weiten Hochebenen aus. Der Herbst zeigt, was er kann. Ich kann mich nicht sattsehen an den tollen Blattfarben. Was ich so gar nicht kenne, sind die unterschiedlichen Farben bei den Farne:  auch sie sind grün, gelb, fast weiß und schließlich braun. Doch der Nebel ist manchmal so dicht, dass wir fast im Blindflug unterwegs sind. Wir kommen schön langsam in die Weinregion rund um Melnik, von wo sich schon Winston Churchill mit Wein versorgen ließ. Auf einem Plakat wird groß für ein Weingut Werbung gemacht. Bei dem Wetter wäre doch ein winetasting gerade so das Richtige. Doch als wir durch einen vermüllten und versifften Weg endlich bei der „Winery“ angekommen sind, stellt sich heraus, dass außer den Reklameschildern und dem Haus von außen nichts fertig ist. Dann eben nicht. In der letzten größeren bulgarischen Stadt, Sandanski, geben wir wie gehabt die letzten Lewa aus. Zu einem großen Teil werden sie in Bier investiert. Wolfgang hat sich durchgesetzt! Der Regen hat sich mittlerweile verstärkt und die halbe Stadt steht unter Wasser. Es gibt keinerlei Kanalisation, aus allen Grundstücken fließt es auf die Straße, wenn uns ein LKW entgegenkommt, spritzt es sogar bei uns bis rauf zur Windschutzscheibe! Wir steuern nun die mazedonische Grenze an und nach einer Stunde im Grenzstau sind wir wieder raus aus der EU. Gleich das erste Dorf ist total aufgeräumt, ordentliche Häuser. Welch ein Vergleich zu Bulgarien! Um die strengen EU-Vorschriften einzuhalten, wird die Bevölkerung geknechtet. Ich hoffe nur, dass es sich irgendwann auch für die Leute lohnt und zwar nicht nur in puncto Freizügigkeit. Bis auf die Spritpreise ist es in Bulgarien teurer als in Rumänien, und da wundere ich mich schon, dass bei den niedrigen Einkommen die Cafés in Plovdiv proppenvoll waren.

 

Wir sind müde und fahren bald einen Feldweg rein. 15 Meter durch Matsch reichen den LKW einzusauen. Grr!

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Rumänien 30.9. - 4.10.2016

Bei blauem Himmel fahren wir durch Mischwälder die Hochstraße in die Fagarascher Berge hinauf. Die Steigung dürfte bei 10% liegen und Wolfgang hat durch die vielen Kehren ganz schön zu kurbeln. Am Parkplatz der Seilbahn hinauf zum Balea-See machen wir Halt und wandern zum Balea-Wasserfall rauf. Der Weg ist steiler als gedacht und so kommen wir trotz der herbstlichen Temperaturen ins Schwitzen. Der Wasserfall selbst – naja, aber es war gut zum Beinevertreten. Danach geht es weiter hinauf, die Berge werden schroffer, das enge Tal öffnet sich und auf ca. 2000 m sind wir schon am Balea-See angekommen. Allerdings ist uns die vierfache Parkplatzgebühr zu viel und wir fahren durch den Tunnel auf die Südseite des Passes und finden auch gleich einen Platz. Zu Fuß wieder zurück zum See und bei Sonnenschein, aber eisigem Wind hinauf zum Gipfel des Vânâtoarea mit 2507 m. Bis auf eine ausgesetzte Kletterstelle ist der Weg zwar steil, aber einfach. Von oben haben wir einen herrlichen Blick auf das Bergpanorama. Hinab geht es über einen See und einem extrem steilen Pfad, der uns fast direkt zum LKW bringt. Dort gibt es einen wohlverdienten Feierabend-Cider!

Bei leicht bedecktem Himmel laufen wir mal wieder durch den Tunnel – immerhin mehr als einem Kilometer -  und machen uns dann auf den langen Weg über diverse Scharten und der Laitel-Spitze und ein paar mit Seilen gesicherten Stellen zum Negoiu 2537 m. Es ist heute Samstag und da die Rumänen seit ein paar Jahren auch die Berge entdeckt haben, sind wir nicht alleine. So kommt es zu etwas Wartezeit bei den schwierigeren Stellen. Zurück geht es wieder zum Câlţuni-See und von dort über einen anderen Weg direkt zum Tunnelausgang. Da wussten wir nur noch nicht, dass nun noch mehrere Anstiege kommen! Nach neun Stunden und fast 1600 Hm mit nur einer Stunde Pause sind wir dann endlich reichlich fertig am Auto. Noch schnell eine Lauchquiche gemacht, duschen und ins Bett.

Meine Zehen haben heute keine Lust auf Bergsteigen und so fahren wir ein Stück den Pass runter, bis wir einen schönen Stellplatz auf einer Wiese an einem Bach finden. Mit dem eisigen Bachwasser wasche ich erst mal ein paar Pullover und danach muss ich zur Erholung gemütlich in der Sonne lesen. Irgendwann wird es langweilig und wir holen die Räder runter und fahren noch mal hinauf zum Pass. Da muss man ein bisschen aufpassen, denn die meisten Rumänen sind recht rüpelhafte Autofahrer und nehmen auf Radfahrer keine Rücksicht. Doch wir überleben es. Am Abend gesellt sich noch ein junges, deutsches Paar zu uns, das für ein Jahr mit dem Wohnmobil durch Europa reist. Wir verbringen einen interessanten Abend mit den Steffi und Declan. Ich finde es toll, was sich die beiden trauen - Job und alles aufgeben- und hoffe sie vielleicht ins Griechenland wieder zu sehen.

Leider regnet es heute Morgen, da wird aus der geplanten Wanderung nichts und wir fahren die Transfâgârâşan weiter Richtung Süden. Sie ist weiterhin sehr kehrenreich. Wir kommen an einen riesigen Stausee mit vielen Armen, die alle ausgefahren werden. Durch die Berge ringsum erinnert die Szenerie  an norwegische Fjorde. Bei einer Bauruine halten wir an um Fotos zu machen. Doch plötzlich geht eine Alarmanlage mit schrillem Geheul los! Wir schütteln nur die Köpfe, denn hier ist wirklich nichts zu holen, alles versifft und runtergekommen. Die Staumauer ist beeindruckend. Es geht schon sehr weit in die Tiefe auf der Ablassseite. Ein paar Kilometer weiter ist eine Burgruine, die im 15. Jh. Von Vlad Tepeş, Graf Dracula, erweitert wurde. Der Weg hinauf ist hart verdient: 1460 Treppenstufen führen rauf zur Burg! Wir stiefeln durch die verbliebenen Gemäuer und genießen die Aussicht auf die herbstlichen Hügel ringsum. Kurze Zeit später finden wir zwischen abgeernteten Feldern ein Platz zum Schlafen.

Endlich haben wir wieder Internet, doch leider sagt uns die Wetter-App, dass nun in den Bergen das Wetter schlecht wird und die Temperaturen auf unter 10° fallen. So beschließen wir, leider, Rumänien zu verlassen und morgen nach Bulgarien zu fahren.

Es hat uns hier sehr gut gefallen, wir fühlten uns immer sicher, wir wurden nie abgezockt und die Leute waren alle sehr freundlich zu uns. Wir waren erstaunt zu sehen wie wenig Maschinen in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Die Kartoffeln werden mit der Hand geklaubt, der Mais per Hand geschnitten und gebündelt, mit Pferden wird geeggt und gepflügt. Jeder hält sein Grundstück so sauber wie es geht, es wird gekehrt, Unkraut gezupft, gestrichen und gebaut. Die Menschen gehen zu Fuß durchs Dorf und haben so auch die Gelegenheit zum Ratschen. Bei uns fährt man mit dem SUV zum Bäcker und zurück.

In einem Supermarkt geben wir unsere letzten Lei aus und fahren dann auf der Autobahn um Bukarest herum. In einem Flusstal ist dann eine ideale Übernachtungsstelle.

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Rumänien 24.9. - 29.9.2016

Die Nacht war ziemlich kalt und wir müssen in der Früh einheizen, aber zumindest regnet es nicht. Wir wollen etwas vorankommen und nehmen deshalb die bessere Straße, obwohl sie ein Stück länger ist. In einer kleinen Stadt sehen wir, dass heute Markt ist. Den möchten wir uns ansehen. Der ganze Ort ist auf den Beinen und wir sind voller Erwartung auf die tollen Sachen, die es da zum Kaufen gibt. Bei den ersten beiden Ständen kann man alles Mögliche für Pferde wie Zaumzeug, Gurte oder Geschirr aus Leder kaufen. Schön zum anschauen, aber nix für uns. Aber dann kommt die große Enttäuschung, denn außer Billigklamotten aus Kunststoff und eben solchen Schuhen, gibt es nichts. Kein Obst, kein Gemüse, keine Haushaltswaren. Schade. Da sind wir doch gleich durch. Wir kommen nun aus den Bergen raus. Die Dörfer ändern sich insofern, dass die Häuser nun nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein gebaut sind, aber immer noch hier ein Türmchen, dort einen Erker oder eine Gaube haben. Auch sind es nach wie vor Straßendörfer, mit schmalem, aber langem Grundstück. Vermehrt sieht man jetzt winzige Dreitseithöfe: ein Haus zum Wohnen, einen angrenzenden Stall und als dritte Seite ein Lagerhaus für Heu oder oft auch Gerümpel. Das ist der Vorteil, wenn man mit einem LKW unterwegs ist: man sitzt recht hoch und sieht viel mehr! Kurz vor Cluj (Klausenburg) ist dann ein optimaler Platz für uns: oben auf einem Hügel mit der Möglichkeit zum Spazierengehen.

Heute schauen wir uns Klausenburg an, die einstige Hauptstadt der K. u. K. –Monarchie, was auch deutlich am Stadtbild zu erkennen ist. Am heutigen Sonntag ist in jeder Kirche, die wir anschauen wollen eine Taufe, egal ob katholisch oder orthodox. Da möchten wir nicht stören und begnügen uns mit den Fassaden, die auch schön zum Anschauen sind. Als die Wolken dunkelgrau werden, suchen wir das Ethnografische Museum auf. Dort können wir z. B. Bärenfallen, Dudelsäcke, Alphörner, alte Trachten, Töpferwaren, Haushaltsgegenstände, landwirtschaftliche Geräte u. v. m. anschauen. Es sind viele gut erhaltene Exponate ohne viel Schnickschnack ausgestellt. Danach spazieren wir durch die Altstadt und auf den ehemaligen Festungshügel hinauf, bevor wir uns von Cluj wieder verabschieden und Richtung Turda fahren, wo wir wieder ein schönes Fleckchen zum Übernachten finden. Ab und zu kommt ein Schafhirte oder ein Pferdefuhrwerk vorbei, aber die Leute grüßen nur freundlich und lassen uns unsere Ruhe.

Die Salzmine von Turda winkt. Nach ein paar Kilometern sind wir schon da. Und hier bekommt es Wolfgang nun endlich schriftlich: Die Dame an der Kasse schaut ihn an und meint, dass er schon Rentner ist und somit in den Genuss eines verminderten Eintrittspreises kommt! Ich hätte mich kugeln können vor Lachen. In der Mine kann man diverse Stollen besichtigen. Über unzählige steile Stufen steigen wir zur mittleren Ebene hinab und staunen: es gibt ein Riesenrad, Tischtennisplätze, Minigolf, Bowlingbahn etc. An den Wänden sieht man die schöne Maserung des Salzes. Ein Salzsee bildet die unterste Ebene. Es gibt darin sogar eine Insel aus Salz und man kann mit Ruderbooten rumpaddeln. Wir brauchen fast zwei Stunden um alle Gänge und Stollen zu erkunden. Es hat uns sehr gut gefallen!

 

Und weil jetzt so schönes Wetter ist, beschließen wir noch nach Cheile Turzii zu fahren, ein Canyon hier in der Nähe, wo man eine kleine Wanderung machen kann. Vom Parkplatz führt ein markierter Weg wunderschön entlang des Flusses über wacklige Hängebrücken und teils rutschige mit Ketten gesicherte Pfade durch die Schlucht, wo man zu einer Wiese kommt. In der Schlucht entdecken wir viele abgesicherte Kletterrouten im oberen Schwierigkeitsbereich! Bei OSMAnd haben wir gesehen, dass man ab der Wiese auch über einen anderen Weg zurück zum Auto kommt. Dieser führt allerdings zuerst sehr steil gut 300 Hm hinauf, was mit meinen Turnschuhen nicht so prickelnd ist. Von hier oben haben wir eine herrliche Sicht auf die weite Ebene rund um Turda. Weniger toll ist nach der Querung am Kamm der ebenso steile Abstieg! Aber alles in allem hat es sich gelohnt.

Die vorherige Nacht in Transilvanien neben einem Friedhof haben wir unbeschadet überstanden!

Wir fahren nach Alba Iulia mit seiner sternförmigen Festung mitten in der Stadt. Innerhalb der 12 km langen Mauern sind neben der orthodoxen Kathedrale und dem Katholischen Dom noch diverse Museen, Obelisken und Reiterdenkmäler zu besichtigen. Um 12 Uhr findet immer noch eine Wachablösung statt. Das ganze Areal wurde für viel Geld aufwendig restauriert, vielleicht um von den sozialistischen Bauten rundherum abzulenken.

 

Im Reiseführer haben wir noch von einer alten Ruinenstadt der Daker gelesen. Sarmizegetusa Regia liegt südwestlich von Alba Iulia in den Bergen auf knapp 1200 m. Von der Festung sind nur mehr Reste der Mauern erhalten, aber vom heiligen Bereich sieht man noch die Grundrisse von mehreren Tempeln, einen Altar und Entwässerungsrinnen. Alles liegt recht versteckt hoch oben in einem Wald. Das herbstliche Wetter passt gut zu der etwas unheimlichen Stimmung. Eigentlich wollten wir hier oben schlafen, aber der Parkplatz eignet sich gar nicht und so fahren wir wieder ein Stück runter und finden direkt am Fluss eine Wiese mit einer Feuerstelle für Wolfgang und auch zum Grillen.

Heute steht eine Kirchenburg auf dem Programm. Und dazu haben wir uns eine kleinere ausgesucht, zum einen weil sie direkt auf dem Weg liegt und zum anderen weil sie ein Kleinod sein soll! Und heute fahren wir zum ersten Mal auf einer rumänischen Autobahn. Ist auch mal recht angenehm und wir haben ja auch für die Straßenbenutzung genug bezahlt. In dem kleinen Ort Calnic ist dann das Objekt unserer Begierde, nur leider ist es verschlossen und in dem Verwaltergebäude macht niemand auf. Hmm, ärgerlich. Doch dann entdecken wir einen kleinen Zettel mit einer Telefonnummer, rufen da an und nach 15 min. kommt die „Custoda“ und sperrt für uns auf, macht alle Lichter an und legt in der Basilika Vivaldis Vier Jahreszeiten in den CD-Spieler ein. Im sehr gut erhaltenen Wohnturm sind Gebrauchsgegenstände ausgestellt und vom Speicherturm hat man eine schöne Aussicht auf den Ort. Die Kirche ist klein, kann aber mit ein paar alten Ikonen auf Holz aufwarten. Die Musik, die Rosenstöcke ringsum und überhaupt der ganze Ort ist sehr idyllisch. Wir sind froh, dass wir hergefahren sind.

Aber nun ist Kommerz angesagt. Im Navi ist die „Shopping City Sibiu“ eingegeben, denn ich habe zu wenig warme Sachen dabei! Man kann hier locker zwei Stunden verbringen und dann doch nur eine Jacke und Socken kaufen.

 

Zum Stellplatzsuchen sind wir heute zu faul und so steuern wir den 12 km südlich gelegenen Campingplatz Ananas an. Schöner Platz, ordentliche Sanitäranlagen mit ausreichend Wasserdruck und ein interessanter deutscher Besitzer, der schon vor 50 Jahren auf dem Hippietrail unterwegs war. 

In Sibiu (Hermannstadt) finden wir gleich neben dem Markt Cibin einen Parkplatz. Auf den Markt gehen macht hier sehr viel Spaß, denn das Angebot an frischem Obst und Gemüse ist überwältigend. So viel Auswahl, alles ansprechend präsentiert, man kann von überall probieren, die Preise sind fair. Wir decken uns für die nächsten Tage mit Tomaten, Paprika, Weißkraut, Zwetschgen und Lauch ein. Beim Metzger gibt es dann noch Huhn und Lammsteaks. Das touristische Zentrum verteilt sich auf drei Plätze in der Altstadt mit Kirchen, Museen und dem Rathaus. Wir bummeln lange durch die Gassen, schauen in Hinterhöfe, genießen die Sonne und bestaunen die alten Häuser, vor allem die noch nicht restaurierten. Am Nachmittag beschließen wir den schönen Tag mit Kuttelsuppe (Wolfgang) und Krautwickerl mit Polenta. Sehr, sehr lecker! Dazu gibt es noch Ursus Cooler, eine Art Radler, das schmeckt auch dem Nichtbiertrinker. Übernachtet wird an einem Fluss kurz bevor die Transfâgârâşan beginnt, die Hochstraße, die Siebenbürgen mit der Walachei verbindet.


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Rumänien 19.9. - 23.9.2016

Nach der Megafahrt gestern – 175 km, aber 10 Std unterwegs – darf Wolfgang heute ausschlafen. Und auf guten rumänischen Straßen sind wir durch lichte Mischwälder und, wen wundert’s, durch ewiglange Straßendörfer nach Sighetu Marmatiei gefahren. In Sapanta haben wir den „fröhlichen Friedhof“ besucht. Fröhlich, weil statt Grabsteinen jedes Grab ein leuchtend blaues Holzkreuz hat mit einem bunten, geschnitzten Bild des Toten und in Versform eine Anekdote aus dessen Leben darunter steht. Wir waren nicht die einzigen Besucher, so viele Leute sieht man sonst nur zu Allerheiligen auf einem Friedhof. In Sighetu  stellen wir uns auf das Areal des Freilichtmuseums, wo man lt. Reiseführer auch übernachten kann. Leider weiß die Dame an der Kasse nichts dazu. Sie sagt posible und meint vielleicht. Wir meinen möglich!

Endlich können wir mal mit den Rädern zum Einkaufen fahren. Das wichtigste: eine rumänische Sim-Karte, nach so vielen Tagen Internetabstinenz. Rund um den Freiheitsplatz ist ein Laden neben dem anderen und wir finden auch ein modernes Café, die Coffee Factory. Der Cappuccino schmeckt sehr gut und sie haben auch noch wifi, das wir gleich mal ausgiebig nutzen. Am nahegelegenen Markt kaufen wir noch frisches Gemüse und Zwetschgen für einen Datschi.

 

Am Nachmittag brechen wir trotz grauem Himmel noch zu einer Radltour in die umliegenden Dörfer auf, in denen es noch einige alte Holzkirchen gibt. Mit viel Suchen finden wir zwei, die jedoch beide abgeschlossen sind und weit und breit niemand aufzutun ist, der sie uns öffnen könnte. Schade! Auf dem Navi entdecken wir eine Route durch die Berge, die uns kürzer erscheint als der Hinweg, was auf Grund des schwärzer werdenden Himmels gut wäre. Wolfgang nimmt eine steile Abkürzung und ich fahre außen rum und schon ist es soweit: wir haben uns verloren. Ich komme an kleinen Gehöften vorbei mit vielen Hunden, an einem liegt vor dem Zaun das Gekröse von einem frisch geschlachteten Schwein oder Ziege. Ich bleibe des Öfteren stehen um nach Wolfgang Ausschau zu halten, doch als es so richtig zu schütten anfängt, schaue ich, dass ich endlich zum LKW komme. Dort kommen wir dann beide völlig durchnässt gleichzeitig an! Zuerst sind wir beide etwas stinkig aufeinander, als dann aber der leckere Duft von frisch gebackenen Zwetschgendatschi durchs Auto zieht, ist die schlechte Stimmung gleich wieder vorbei!

Dauerregen! Wir haben keine Lust aufs Freilichtmuseum und fahren Richtung Vatra Dornei. Die Strecke führt über den Prislop-Pass, der wegen der schlechten Straßenverhältnisse etwas verschrien ist. Aber nach der Ukraine kann uns das nicht abhalten. In Borşa kaufen wir ein und fahren ein Stück rauf um dann zu Fuß zu einem Kloster zu wandern. Durch ursprüngliche Dörfer geht es an einem Fluss hinauf zu dem idyllisch gelegenen Nonnenkloster. Die Lage ist fantastisch: im Rücken ein Gebirgszug und nach vorne geöffnet auf das Tal von Borşa. Die Nonnen betreiben eine kleine Fischzucht und wirken mit ihren Handys und den modernen Autos recht weltlich. Die Gebirgslandschaft hier in der Maramureş gefällt uns außerordentlich gut! Wir können uns gar nicht satt sehen an den fast bis oben bewaldeten Bergen mit den eingesprenkelten Höfen und den unzähligen Heuschobern. Weiter den Pass hinauf finden wir in einer Kurve auf ca. 1200 m Höhe einen schönen Übernachtungsplatz. Zu unserem Schreck entdecken wir, dass sich von dem Gepäckträger diverse Schrauben durch das Gerüttel gelockert haben und er schon bedenklich zu wackeln angefangen hat.

Nach dem Frühstück bei ca. 4° Außentemperatur erreichen wir bald die Passhöhe von 1416 m. Oben befindet sich wieder ein Kloster, diesmal von Mönchen betrieben. Auch ist es relativ neu, wie man an den kahlen Betonwänden innen sieht. Doch auch hier ist die Lage wieder einmalig und lädt zur Kontemplation ein. Wir wandern ein bisschen einen Pfad am Kamm entlang und genießen endlich ein paar Sonnenstrahlen und die Natur. Zurück am Parkplatz ist eben ein Bus mit Italienern angekommen und das interessanteste Objekt von denen ist unser Hiasl! Sowieso ist er in den letzten Wochen das am meisten fotografierte Auto in Osteuropa. Wir beschließen nach Vatra Dornei auf den dortigen Campingplatz zu fahren. Dort angekommen, müssen wir leider feststellen, dass der wohl schon seit längerem zu hat! Hmm, was jetzt. Zuerst mal einkaufen und dann weiter zum nächsten Platz nach Fundu Moldovei, wir müssen nämlich dringend waschen. In dem kleinen Ort wird von einem holländischen Ehepaar seit acht Jahren ein sehr gepflegter Zeltplatz www.vuurplats.eu betrieben. Leider regnet es in Strömen und so verziehen wir uns in den Hiasl und vertreiben uns mit „Alf“ den Abend.

Am Vormittag sind Arbeiten am LKW, wie SOG-Anlage reparieren und Vernietung am Aufbau erneuern und natürlich Wäschewaschen angesagt. Doch kaum hängt die Wäsche an der Leine und wir sind bereit zu einem Spaziergang, fängt es natürlich wieder zu regnen an. Grrr. Eine halbe Stunde halten wir durch und gehen durch den Ort , bewundern alte Holzhäuser und überqueren fragwürdige Brücken. Beim Auto angekommen ist es sehr kalt, wir heizen ein und trocknen nun in mehreren Etappen die Wäsche in unserem „Hamam“!

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den sympathischen Zeltplatzbetreibern. Es hat uns sehr gut bei ihnen gefallen und wir können den CP nur wärmstens empfehlen! Wir wollen nun eines der berühmten Klöster der Moldova besichtigen, das Mănăstirea Moldoviţa. Mit seinen gut erhaltenen Innen- und Außenfresken zählt die Klosterkirche zu einem UNESCO-Weltkulturerbe. An der Außenwand ist die Belagerung Konstantinopels festgehalten und im Inneren sind u. a. eindrucksvolle Märtyrerszenen zu bewundern. Die Kirche ist klein – für deutsche Verhältnisse – aber wunderschön mit ihren strahlenden Malereien.

Ein paar Kilometer weiter gibt es ein kleines Museum mit etwas anderen Malereien. Und zwar werden hier von einer rumänischen Künstlerin bemalte Eier ausgestellt. Zuerst dachten wir, wieso sollen wir in ein Eiermuseum gehen. Aber auf dem Zeltplatz ist uns das empfohlen worden. Und es hat sich rentiert. Wir sehen hunderte von Eiern (Hühner-, Wachtel-, Gänse- oder auch Straußeneier) in verschiedenen Techniken bemalt, wie z. B. Batik.

 

Am Wetter hat sich leider nichts geändert, es ist sehr kalt und es regnet meistens. Doch wenn ab und zu die Sonne rauskommt und die Hügel bescheint, dann sehen wir, wie toll es hier ist. So eine schöne Landschaft haben wir in Rumänien nicht erwartet! Doch wir müssen weiter und fahren nun auf den Tihuţa-Pass Richtung Bistriţa. Auf der Passhöhe ist ein Restaurant, wo wir uns eine „kleine“ Transilvanien-Platte genehmigen und ein paar Kilometer weiter dann übernachten.


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Ukraine 11.9. - 18.9.2016

Mit Julian, einem englischen Ingenieur, dessen Pass usw. gestohlen wurde und der deshalb hier gestrandet ist, fahren wir in der Früh zu einer Wäscherei. Dort geben wir fünf Kilo ab, zahlen 3,40 € und können morgen alles fix und fertig abholen. Super, oder? Danach geht es mit dem Bus für lächerliche 13ct/Person in die City. Zuerst fahren wir an schlimmen, grauen Plattenbauten vorbei, aber mit viel Bäumen und Spielplätzen drumherum, später kommen dann baufällige Altbauten mit Jugendstilelementen. Ab hier hat alles einen gewissen maroden Charme. Auf den Straßen sind moderne, hochpreisige Autos aus Deutschland und Japan ebenso wie uralte Ladas und Kamazlastwägen. Die Busse gibt es auch modern – wie unserer – oder in uralt, auch mit Oberleitung wie auch betagte Straßenbahnen. Als erstes steuern wir den Rynok an, der vom mächtigen Rathaus dominiert wird. In den meist sanierten Häusern ringsum sind wie auch schon in Polen Souvenirläden, Bars, Cafés und Restaurants untergebracht. Es gibt kleine Kaffeeröstereien und ein paar Craftbrauereien. In einem entdecken wir ein Bier mit dem Namen: Frau Ribbentropp und dem Conterfei von Angela Merkel. Bei den Marktständen kann man Toilettenpapier mit Putins Gesicht kaufen! Wir laufen durch die Altstadt, schauen in viele katholische Kirchen, trinken Kaffee, essen Strudel, erholen uns im Iwan-Franko-Park und trinken noch Bier und Wein mit frittiertem, dünnen Brotscheiben plus Knoblauchdip, bevor wir in einem übervollen Bus zurückfahren und todmüde ins Bett fallen.

Nach Wäsche abholen und einkaufen im Auchan – hier kann man vieles selbst aus Schütten abfüllen, z. B. Mehl, Buchweizen, Rosinen, Tee, Kaffee, Trockenfrüchte u.v.m. – machen wir uns auf die 280 km lange Fahrt nach Kamjanez in Podelien. Dies soll laut Lonely Planet der schönste Ort der Ukraine sein. Weniger schön sind die Straßen. Zuerst freuen wir uns noch über deren guten Zustand, aber bald ist Schluss mit lustig. Übelste Schlaglöcher wechseln sich mit brutalen Verwerfungen ab. In den Ortschaften ist es am schlimmsten. Die Häuser sind nun sehr klein, zum Teil in furchtbarem Zustand, aber zum Teil auch schön bemalt und gepflegt. Fast jeder hat hier ein paar Hühner und einen eigenen Gemüsegarten. Natürlich größer als das, was man in Deutschland so hat. Die riesigen Felder, an denen wir vorbeifahren sind fast alle schon abgeerntet, nur die Kartoffelernte ist noch in vollem Gange. Zuerst habe ich mich gefragt, was macht man hier den ganzen Tag? Ich weiß es jetzt: man schaut, dass man was zwischen die Zähne bekommt. Nach 200 Fahrkilometern finden wir an einem kleinen Bach eine gute Stelle zum Übernachten und zum Putzen! Denn unser Rest an Grillkohle hat sich mal wieder zu Kohlenstaub verwandelt und alles eingesaut, grr.

Wir schaukeln die restlichen Kilometer nach Kamjanez, fahren zuerst durch die neue Stadt mit vielen Lädchen, Fast Food etc. und finden dann an der Brücke zur Altstadt einen Parkplatz. Diese liegt in einer sehr engen Flussschlaufe, mit kopfsteingepflasterten Gassen, alten z. T. baufälligen Häusern, dem recht behäbigen Rynok mit dem dominierendem Rathaus und am anderen Ende, wo sich der Fluss fast trifft, ist die Festung. Für ein paar Grwina Eintritt kann man hier ungestört überall rein-, rauf- und rumgehen. Leider ist die Beschriftung ausschließlich auf ukrainisch. Im angegliederten Museum liegt der Schwerpunkt auf militärischen Ausstellungsstücken. Naja, wen’s interessiert.

Unser Weiterweg nach Kolomija, am Nordrand der Karpaten gelegen, führt uns anfangs die gleiche Strecke zurück, bevor endlich nach Westen abbiegen. An der maroden Straßensituation ändert sich leider nichts. Egal welche Straßenkategorie man befährt- orange, gelb oder weiß - es reiht sich ein Schlagloch an das andere. Abseits der Hauptroute ist wieder ein guter Schlafplatz für uns.

 

Es geht weiter wie gehabt. Kolomija gefällt uns sehr gut. Eine Kleinstadt mit Fußgängerzone, aber auch einen sehr quirligen Markt, wo wir unsere Gemüse- und Obstvorräte günstig aufstocken können. Es macht viel Spaß an den Ständen mit Obst und Gemüse, Honig, Fisch, Trockenfrüchten, Getreide, Eier und natürlich Haushaltswaren, Elektroartikel, Schuhen und Kleidung vorbeizugehen. Einzig bei der Fleischhalle verweigert Wolfgang! Er meint, dass es verwest riecht. Na gut, dann kaufen wir unser Grillfleisch für das Abendessen eben im Supermarkt. In einem Dorf weiter liegt ein idealer riesiger Platz zum Nächtigen, gekiest und an einem Fluss gelegen. Wir finden auch Feuerholz, grillen genießen den Cider und das kühle Bier und sitzen bis spät nachts draußen und beobachten die Sterne.

Um halb sechs werde ich durch viele Motorengeräusche wach und schaue durchs Dachfenster nach außen. Überall um uns herum Kleinlaster, mit Leuten, die schon sehr geschäftig rumwerkeln. Oje, wir sind auf dem Marktplatz gelandet. Schnell aufstehen, Geschirr spülen, damit es eingeräumt werden kann und dann nix wie weg. Markt wäre zwar interessant, aber nicht bis zum Nachmittag. Wir kommen gerade noch so raus und fahren bei Dunkelheit sicher eine halbe Stunde, bis wir einen Platz finden, wo wir noch etwas schlafen können.

 

Unser letztes Ziel in der Ukraine ist Worochta, eine kleine Stadt am Fuße der Karpaten gelegen. Anfang Juli habe ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über die Besteigung des höchsten Berges der Ukraine, der Howerla, gelesen. Dieser hat uns animiert hierher zu fahren. Die letzten 15 km südlich von Worochta haben es allerdings in sich. Mit Untersetzung und 6 -8 km/h kriechen wir die Piste hinauf zum Ausgangspunkt. Zu Sowjetzeiten war hier ein Leistungszentrum für die Olympioniken. Die Anlagen, wie z. B. Sprungschanze, sind alle zerfallen, in dem Unterbringungsgebäude ist ein Hotel mit fragwürdigem kommunistischen Flair eingerichtet. Ansonsten gibt es noch ein paar Buden, in den Souvenirs verkauft werden. Die Gegend hier hat eine bewegte politische Geschichte, wie eine kleine Anekdote zeigt, die hier gern erzählt wird: Eine Frau kommt in Österreich-Ungarn zur Welt, heiratet in der Tschechoslowakei, arbeitet dann in Ungarn, bringt in der Sowjetunion drei Kinder zur Welt und stirbt in der Ukraine. Ihr Dorf hat sie zeitlebens nie verlassen.

Um kurz nach halb neun brechen wir auf. 1.35 Std. später stehen wir auf dem höchsten Punkt der Ukraine, der Howerla mit 2061 m. Leider ist es sehr neblig, die ukrainischen Fahnen auf dem Gipfel kann man gerade noch so erkennen. Leider auch den Müll! Erinnert ein bisschen an den Himalaya. Wir machen schnell ein paar Fotos und schauen, dass wir aus dem Wind kommen. Unsere Tour geht weiter am ehemaligen Grenzkamm von 1920 zwischen Polen und der Tschechoslowakei. In stetigem Auf und Ab, vorbei an Zwergwacholder und Blaubeersträuchern und niedrigen Gräsern geht es immer am Kamm entlang über den Breskul, Pozhyzhevska, Dantsizh, unbenannter Buckel zum letzten Gipfel Turkul 1933 m. Während der ganzen Wanderung treffen wir nur sechs Leute. Zwischendurch reißt die Wolkendecke immer mal wieder auf und wir haben eine tolle Sicht auf die Karpatenberge. Unterhalb des Turkuls liegt ein kleiner See und der ist das Ziel von den ukrainischen Wanderern. Und aus ist es mit der Ruhe. Jedes Mal, wenn unten am Parkplatz ein Bus ankommt, dann macht sich wieder ein Rudel von ca. 30 Leuten auf den 2,5 Std. langen Weg. Unglaublich mit was für Schuhwerk die Menschen unterwegs sind: von schwarzen Lackschuhen, rosaroten Ballerinas, Stoffschuhen und bestenfalls Turnschuhen. Und das auf recht steinigen und teils steilen Bergpfaden. Nach 6,5 Std. und 1250 Hm und ca. 19 km sind wir endlich wieder am LKW. Da es uns hier nicht so gefällt, fahren wir noch ein paar Kilometer die Piste hinab und erreichen eine schöne Wiese mit großer Feuerstelle zum Campieren. Ab jetzt Arbeitsteilung: ich kümmere mich ums Abendessen und Wolfgang ums Feuer!

Heute wollen wir noch nach Rumänien ausreisen. Die Ukraine hat uns sehr gut gefallen – Städte, Landschaft, freundliche Leute, tolle Märkte, Spritpreis – aber das Gerumpel auf den Straßen geht doch aufs Gemüt und ans Material. Alle möglichen Schrauben lösen sich, Schweißverbindungen scheren ab, man macht sich schon Sorgen ums Auto. Warum eigentlich Eintritt für einen Offroadpark bezahlen, wenn man es hier viel besser und umsonst bekommt? Darum freuen wir uns heute auf die letzten 70 km Rüttelei. In Rachiw, der letzten Kleinstadt geben wir noch unsere letzten Grwina aus und in Dilowe bestaunen wir den Mittelpunkt Europas – nach ukrainischer Messung! Und dann endlich der Grenzposten, aber welch böse Überraschung: wir können hier nicht rüber, denn auf der anderen Seite ist eine Brücke, die nur bis 3,5 to ausgelegt ist! Der Grenzbeamte zeigt uns auf der Karte die nächste Möglichkeit. Es sind 100 Kilometer! Das drückt die Stimmung gewaltig. Aber was hilft’s. Wir legen eine schnelle Kefirpause ein (unser neues Lieblingsgetränk). Der Straßenzustand verschlechtert sich zusehends. Dafür sieht man in den ewiglangen Straßendörfern immer mehr Bauruinen von extrem pompösen Häusern. Hier ein paar Erkern, dort diverse Türmchen, Säulen und alles im Rohbau. Hat hier jemand auf einen EU-Beitritt in der Nähe zur rumänischen Grenze spekuliert? Denn das gelobte Land liegt nur jenseits des Flusses, dem wir folgen. Keine Ahnung. Die letzten 20 km sind der reinste Horror. Wir müssen in Schrittgeschwindigkeit den unzähligen und tiefen Schlaglöchern ausweichen. Es ist heiß, aber bei geöffneten Fenstern bekommt man kaum Luft wegen des Straßenstaubs, aber noch schlimmer sind die privaten Müllverbrennungen und die vielen Laubfeuer. Wir sind genervt, alles ist grau in grau. Doch die Frauen fahren munter ihre Babys rum oder setzen sich mit den Kindern an den Straßenrand. Und das ist etwas, was uns total gefällt: vor jedem Grundstück steht eine Bank, auf die man sich am Abend setzt, ratscht, wenn jemand vorbeikommt.

 

Den LKW-Stau an der Grenze dürfen wir umfahren und nachdem der neugierige Grenzbeamte in jede Schublade und jede Schachtel seine neugierige Nase reingesteckt hat,  auch unters Bett, und überall seine schmutzigen Fingerabdrücke hinterlassen hat, dürfen wir aus der Ukraine ausreisen. Der Rumäne hat alles etwas schneller besichtigt und so waren wir schon nach 1,5 Std. fertig. Doch es war schon dunkel und so haben wir uns aufs Navi verlassen und sind einfach einen gestrichelten Weg reingefahren und haben letztendlich auf einem abgeernteten Maisfeld übernachtet. In der Nacht hat es dann seit langem mal wieder geregnet.



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Polen 8.9. - 10.9.2016

Eine kurze Fahrt nach Neu-Sandez, wo wir gleich ins erste Einkaufszentrum einfallen. Im Play-Shop lassen wir die schon in Zakopane gekaufte Simkarte registrieren, im Carrefour werden unsere Lebensmittelvorräte aufgefrischt und bei der Tankstelle nebenan gibt es noch Frischwasser und Diesel für den Hiasl. So gestärkt machen wir uns auf den Weiterweg nach Osten. Die anfängliche Mittelgebirgslandschaft geht in ein Hügelland über. Wir fahren durch sehr gepflegte Dörfer und Kleinstädte. Alle haben eine gute Infrastruktur mit mindestens einem großen Supermarkt und diversen Läden für den sonstigen Bedarf. Wir entdecken eine Freiluftkirche, die anscheinend extra für einen Besuch von Johannes Paul II. errichtet wurde. Von der Ferne dachten wir, dass es ein buddhistischer Tempel sei! Komisch, je weiter wir in den Osten kommen, umso größer und hochwertiger sind die Häuser. Und wir haben geglaubt, dass es in diesem Teil Polens eher ärmlicher zugeht. In Rogi finden wir neben einer schönen Holzkirche einen großen Parkplatz, der sich super zum Übernachten eignet.

Weiter geht es nördlich vorbei an den Waldkarpaten. Die ursprüngliche Idee dort etwas zu wandern verwerfen wir aus Zeitgründen! Gegen Mittag sind wir in Sanok. In unserem Reiseführer steht über die Gegend hier so gut wie nichts drin, außer einem kleinen Hinweis auf ein Freilichtmuseum. Das steuern wir an und werden angenehm überrascht. Keine Parkplatzgebühr und ein niedriger Eintrittspreis von 3,50€/Person. Aus fünf verschiedenen Regionen Südostpolens werden so an die 50 Häuser, Kirchen, Geschäfte und handwerkliche Betriebe meist aus den letzten 100 Jahren ausgestellt. Viele davon sind mit den über 30.000 gesammelten Exponaten eingerichtet. Gleich zu Beginn ist ein Dorf zu Beginn des 20. Jh. nachgebaut. Ein alter Drehorgelspieler, der gut Englisch spricht und wohl Jude ist, erklärt uns genau die Abläufe eines jüdischen Haushalts. Bei herrlichem Wetter stiefeln wir durch das Gelände und lassen die recht lebendigen Eindrücke auf uns wirken. Etwas kurios finde ich, dass mitten auf dem Gelände Kartoffeln angebaut werden und zwei Frauen mittleren Alters vor den Augen aller Besucher nur mit Hosen und farbenprächtigen Bhs bekleidet, die Kartoffeln ernten. Am Spätnachmittag fahren wir noch nach Premissel, bis kurz vor die ukrainische Grenze. Leider existieren keine der angegebenen Campingplätze mehr und so schlafen wir direkt am Fluss San auf einer Lichtung. Nur das mit dem Wäschewaschen wird so nichts.

Im nahegelegenen Delikatesy (Supermarkt) hauen wir unsere letzten Złoty auf den Kopf und erreichen nach einer halben Stunde die Grenze. Doch wo müssen wir uns einreihen? Bei den PKWs oder LKWs? Wir entscheiden uns für die PKW-Schlange, da wir ja nichts transportieren. Schon nach 45 Minuten sind wir dran, fast. Denn die Beamtin sagt, dass hier nur Fahrzeuge bis 5 to abgefertigt werden. Tja, hinter uns eine lange Reihe von Auto und wir hoffen, dass sie uns durchwinkt. Aber nein, die Spur wird für alle abgeriegelt, so dass wir rückwärtsfahren und auf die LKW-Spur wechseln können. Und da stehen wir, holen hier ein Kärtchen, da ein Foto, dort den Pass vorzeigen usw. Doch nach 3,5 Stunden ist es schon halb geschafft: wir sind aus Polen draußen! Bei den Ukrainern nochmal etwas Kompetenzgerangel und Bezahlen von 4 € Straßenbenutzungsgebühr und 45 Minuten später sind wir aus der EU heraußen. Wir nutzen gleich noch den günstigen Dieselpreis von rund 70ct/Liter, bevor wir auf einer sehr guten Straße nach Lviv (Lemberg) fahren. Im Internet haben wir einen Womo-Stellplatz bei einem Hotel an der ehemaligen Trabrennbahn entdeckt. Für den Wahnsinnspreis von 4,50€/Nacht inkl. Duschen und Wifi checken wir hier ein. Im nahegelegenen Shoppingcenter King Cross ziehen wir noch etwas Geld und bestaunen die Leute im Applestore, beim Juwelier, im Auchan etc. In einem Fischrestaurant gibt es dann endlich was Feines zum Essen in Begleitung von jiddischer Musik.



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Slowakei 2.9. - 7.9.2016

Über Lysa Polana sind wir heute über die Grenze in die Slowakei gefahren. In Zdiar haben wir uns die zum Teil noch gut erhaltenen Häuser der Goralen, den ursprünglichen Bergbewohnern, angesehen, bevor wir nach Tatranska Lomnica weiter sind, in der Hoffnung, dort eine Sim-Karte für die Slowakei zu erstehen. Doch nix war’s! Wir haben dann den Hiasl auf einem Parkplatz kurz hinter dem Ort abgestellt und sind über einen Wanderweg nach Stary Smokovec gelaufen. Aber auch dort Fehlanzeige. Dort haben wir gesehen, dass man an den Parkplätzen im Ort 10 €/Tag für ein Womo bezahlen muss und spontan die geplante Tour für morgen abgesagt. Die spinnen ja, die Slowaken.

Voller Elan holen wir kurz nach Tatranska Lomnica die Räder vom LKW und fahren auf den Pass hinauf, zum Parkplatz, wo die Route beginnt. Wie immer tausende von Leuten unterwegs, die wie immer mindestens zu viert nebeneinander gehen, so dass für uns eigentlich kein Platz bleibt. Zudem ist der Weg ziemlich verblockt und die Idealroute fast immer durch die Fußgänger blockiert. Wir kämpfen uns ca. 400 Hm bergauf. Ab dann geht nichts mehr. Zuerst schieben wir noch eine Weile in der Hoffnung, dass der Weg wieder einigermaßen fahrbar wird. Doch dann beschließen runterzufahren. Ich habe nun keine Lust mehr auf die Anderen Rücksicht zu nehmen – sie tun es ja auch nicht – und fahre da, wo es eben am besten geht. Irgendwann springen sie schon zur Seite! Grundsätzlich muss ich dazu sagen, dass die Polen ebenso wie die Slowaken, die Eigenschaft haben immer mindestens zu viert nebeneinander zu gehen, auch in der Stadt, und keinerlei Anstalten machen, anderen Leuten etwas Platz zu gewähren. Wir empfinden sie alle als recht rücksichtslos, von den Autofahrern ganz zu schweigen. Die fahren dir den A… weg, wenn du wegen den Fußgängern auf die Fahrbahn ausweichen musst.

 

Nach diesem Radausflug fahren wir etwas genervt nach Poprad. In einem Einkaufscenter besorgen wir uns noch eine Simkarte und erleben in einem Lebensmittelgeschäft die langsamste Kassiererin weltweit. Uns ist fast die Milch sauer geworden! Wir brauchen etwas Ruhe und die Wäsche müsste gewaschen werden und steuern deshalb den von Vroni empfohlenen Zeltplatz in Betlanovce an. Alles super: eine große Wiese, saubere Sanitäranlagen, kleine Unterstände mit Feuerstellen und kostenlosem Holz. Nur ein Manko: wir können nur eine Nacht bleiben, da er morgen schließt! Also schnell waschen (mit der Hand natürlich), damit es bis morgen noch trocknet, dann bisschen lesen und schon müssen wir uns ums Feuer zum Grillen kümmern.

Bei einem richtig schönen Frühherbstwetter starten wir ein paar Kilometer weiter zu einer Tour entlang des Flusses Hornad. Über viele Leitern, Trittstufen und –podeste, mit Ketten gesicherten Abschnitten und diverse Hängebrücken geht es so zwei Stunden durch einen lichten Mischwald immer mehr oder weniger am Ufer des Hornad entlang. Auf einer Lichtung gönnen wir uns bei einem Kiosk Bier und Radler, bevor es auf der anderen Flussseite zuerst steil auf einen Grat hinauf geht und dann immer auf und ab langsam wieder zum Hiasl zurückgeht. Sehr zu empfehlen! Da wir hier so schön auf einer Wiese parken und niemanden stören, beschließen wir gleich hier zu übernachten.

 

Heute Nacht ist ein Gewitter aufgezogen und es regnet ohne Unterlass. Wir packen langsam zusammen und fahren nach Dedinky runter. Ein kleines Dorf an einem Stausee gelegen. Im strömenden Regen spazieren wir etwas unlustig rum. Alles ist grau in grau und wir fahren wieder ein Stück den Pass rauf zu einem Platz zum Schlafen. Dann ist erst mal Hausarbeit angesagt: Betten abziehen, staubsaugen, Bad putzen und zur Belohnung backe ich dann noch einen Kirschkuchen. Mit Schafkopfen (zu zweit!) und Watten geht der Regentag zu Ende. Beim Schafkopfen habe ich zu Wolfgangs Leidwesen leider gewonnen!

Es nieselt immer noch! Also fahren wir mit dem Auto, statt mit den Rädern, zu der Dobschauer Eishöhle. Geparkt wird ein Stück weiter am Straßenrand, da uns die 7,60€ Parkgebühr zu viel sind. Um 12.30 Uhr beginnt die nächste Führung, wir müssen uns sehr beeilen und hetzen hinauf zum Eingang. Dort noch mal 16€ abdrücken (Fotoerlaubnis hätte zusätzlich 10 € gekostet!) und schon geht es hinab ins Eis. Die Eisschicht ist stellenweise 26 m dick und wurde vor 7000 – 9000 Jahren gebildet. Es hat 0,5° über Null und trotz Daunenjacken frieren wir etwas. Man wird auf Rosten durchgeführt und die Erläuterungen kommen vom Band. Nach 25 Minuten sind wir auch schon wieder draußen. Ob es sich gelohnt hat? Ich bin mir nicht sicher, denn das eigentlich imposante, die Eisdicke, sieht man ja nicht.

Für uns geht es nun wieder Richtung Norden. Über kleine Gebirgsstraßen fahren wir auf gut 1000 m hinauf. Alles ist in Nebel gehüllt und wir sehen leider nichts von der bestimmt schönen Landschaft. Schade. In Käsmark laufen wir durch die mittelalterliche Altstadt mit ihren zum Teil noch kopfsteinpflasterten Gassen. Allmählich stellt sich Hunger ein und wir gehen in ein Restaurant. Dort essen wir eine slowakische Spezialität: Kartoffelnockerl mit Brimsen (=Liptauer Schafskäse), Kraut und gefüllte Teigtaschen. Sehr lecker! Nun geht es raus aus dem slowakischen Paradies, wie die Region hier genannt wird. Zu Recht, wie ich meine. Auf einem nebligen Pass finden wir eine gute Stelle zum Schlafen.

Wolfgang hat sich heute Nacht wegen unbekannter Tiergeräusche nicht aus dem Auto getraut!

Was das wohl war? Bär, Wolf oder ein Mäuschen?

 

Im Nebel aufgewacht, bei Sonnenschein um 10.00 Uhr weggefahren. Die 25 km nach Cerveny Kláštor sind gleich vorbei. Heute sind wir auf dem Weg hierher des öfteren durch Orte gefahren, die am Rand Sinti- oder Romasiedlungen hatten. Die Häuser sind klein, baufällig und oft nur aus Wellblech und Decken. Es wuseln jede Menge Leute rum und dazwischen viele Hühner. In Polen gab es das gar nicht oder es ist uns nicht aufgefallen. Am Dunajec sehen wir die Flößer mit ihren Gästen den Fluss hinabfahren. Obwohl die Saison vorbei ist, ist noch ganz schön viel Betrieb. Doch uns ist das zu langweilig, wir wollen eine Tour über die Berge nach Lesnica machen. Zuerst geht es am Dunajec entlang und dann aufwärts auf zuerst gut markiertem Weg. Doch dann hören die Markierungen auf und wir müssen durch dichtes Gras – höher als ich – oder Gebüsch hinauf, bis wir endlich wieder auf einen erkennbaren Weg treffen. Wir sind nun auf über 700 m und haben eine tolle Aussicht auf die Täler und Hügel ringsum. Es geht runter nach Lesnica und danach wieder sehr steil auf knapp 900 m rauf. Beim Runtergehen über glitschige Pfade sehen wir im Dunst die Spitzen der Hohen Tatra im Süd-Westen. Die Landschaft finde ich fantastisch. Nach vier Stunden sind wir wieder am Auto und fahren nach einer kurzen Pause über einen kleinen Grenzübergang rüber nach Polen. Es geht Richtung Neu-Sandez. Leider ist hier alles recht dicht besiedelt, so dass sich die Schlafplatzsuche etwas schwierig gestaltet. Aber nach viel Gekurve werden wir ca. 20 km vor N-S doch noch fündig.

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Polen 25.8. - 1.9.2016

Heute treffen wir uns mit Thomas, einem – ehemaligen – Arbeitskollegen, der gerade in Krappitz, seiner Heimatstadt, ist um Verwandte zu besuchen. Wir freuen uns sehr ein bekanntes Gesicht zu sehen. Thomas führt uns durch das Städtchen, entlang den Resten der Stadtmauer, vorbei an dem ehemaligen Schloß, in dem jetzt eine Berufsschule untergebracht ist, zu einer alten Kirche. Er sagt, dass sich in den letzten 10 Jahren viel verändert habe, doch die großen Veränderungen gab es natürlich nach der Wende. Große Fabriken mit tausenden von Arbeitsplätzen wurden aufgegeben und man kann jetzt nur die ruinösen Hallen sehen. Alles zerfällt, Arbeitsplätze sind nun rar. Er zeigt uns, wo er gelernt hat. Dort ist heute nichts mehr los. Wir holen seine Kinder ab und fahren ein paar Kilometer hinaus nach Moschen. Dort hat sich vor gut 100 Jahren ein deutscher Industrieller ein persönliches Märchenschloß in sämtlichen Stilrichtungen hingestellt. Mit angeblich 100 Türmchen. Wir haben  nicht nachgezählt. Heute wird es vor allem für Hochzeiten genutzt und der Park dient als romantischer Hintergrund für Hochzeitsfotos. Auch heute zählen wir über 10 Brautpaare. Zum Abschied essen wir noch eine Kleinigkeit und dann wird es für Caroline, Arthur und Thomas Zeit nach Hause zu fahren.

Unser nächstes Ziel ist das Glatzer Bergland, ein weiter Kessel umgeben von Bergen an der tschechischen Grenze. Wir fahren nach Miedzygórze ins Schneegebirge. Am Ende der Straße finden wir einen schönen Parkplatz mit Feuerstelle. Um uns noch die Füße zu vertreten gehen wir vom Parkplatz einfach den markierten Weg entlang. Um halb sechs wollen wir eigentlich schon umdrehen und geben uns noch eine viertel Stunde und stehen ein paar Minuten später plötzlich vor einer Hütte, dem Schweizer Haus. Es ist wunderschön hier oben auf gut 1200 m. Die Sonne scheint und man hat einen wunderbaren Ausblick auf die Berge ringsherum. Zurück am LKW machen wir noch Feuer und grillen ein paar Würstel. Doch die Sonne geht hier im Talgrund bald unter und es wird zapfig kalt, so dass wir uns bald ins Auto verziehen.

 

Weil es uns gestern so gut da oben gefallen hat, fahren wir heute noch mal mit dem Bike zum Schweizer Haus rauf und gehen dann zu Fuß auf den höchsten Berg des Schneegebirges, dem Na Snieznika 1425 m. Oben ist ziemlich was los, von allen Seiten kommen die Wanderer herauf. Wir finden sowieso, dass die Polen ein recht wanderlustiges Volk sind. Der Wind ist allerdings ziemlich kalt und so machen wir uns bald auf den Rückweg, der diesmal, dank der Räder, recht kurz ist und wir kommen zu einem richtig gemütlichen Faulenzernachmittag.

Erschrocken stellen wir fest, dass es bis nach Krakau ca. 300 km sind. D. H. wir müssen mal wieder weiter. Wir fahren durch das Oppelner Land nach Oberschlesien. Das deutsche Erbe schlägt sich in den Ortsbezeichnungen nieder. Wir fahren durch so lustige Orte wie Alt Kuttendorf, Deutsch Müllmen und Schwesterwitz! Etwas nördlich von Gleiwitz sehen wir auf dem Navi, dass wir an einem großen See vorbeifahren. Es ist heiß, was spricht also gegen ein Bad? Aber das dachten wohl gefühlte 10.000 Polen auch. Der Platz mit den vielen Autos ist nämlich kein Autohandel, wie ich gedacht habe, sondern der letzte von den drei Parkplätzen am See. Am Badestrand liegen die Leute dicht an dicht. Wir ergattern noch ein freies Plätzchen unter ein paar Birken. Der See entpuppt sich als dreckige Brühe mit dornigem Bodengras. Lauter Dinge, die ich gar nicht mag. Aber wenn man das Wasser meidet und die vielen Leute ignoriert, dann hält man es mit einem guten Buch doch drei Stunden aus!

 

Schwierig gestaltet sich dann heute zum ersten Mal die Schlafplatzsuche. Wir sind ja kurz vor dem großen Bergbaustädten und die Besiedlungsdichte ist entsprechend hoch. Endlich haben wir was, aber nicht lange. Es kommt ein älterer Herr und quatscht uns ohne Ende auf polnisch zu. Wir versuchen zwar mit dem Google Übersetzer zu verstehen was er eigentlich will, aber keine Chance. Er ist auch ziemlich penetrant. Wir verabschieden uns von ihm und verziehen uns in den LKW. Gott sei Dank, er geht. Doch nach fünf Minuten steht er schon wieder auf der Matte bzw. Treppe und klopft an die Türe. Uns reicht es. Wir packen alles notdürftig zusammen und starten den Motor. Doch leider ist es mittlerweile schon dunkel und wir irren in der Stadt Bytom umher. Irgendwann finden wir endlich auf einem Acker ein Fleckchen, wo man uns von der Straße aus nicht sehen kann. Gute Nacht!

Über diverse Umwege führt uns unser Navi heute nach Krakau. Von Vroni wissen wir schon, dass es hier schwierig ist frei zu übernachten, so dass wir uns gleich auf dem Camping Krakowianka installieren. Der große Vorteil ist, dass er direkt an der Tramhaltestelle liegt und neben einem riesigen Einkaufszentrum mit Carrefour, MediaMarkt, Decathlon und allem, was man halt so braucht.

 

Um halb acht aufstehen. Puh, das hatten wir schon lange nicht mehr. Mit der Tram fahren wir in die Altstadt, denn um 10 Uhr beginnt die free walking tour am Florianstor. Wir sind die einzigen Deutschen, sonst nur Amis und Australier. Es geht durch die Altstadt zum Marktplatz, über das Universitätsgelände weiter rauf zum Wawelschloss oberhalb der Weichsel. Es ist interessant und kurzweilig wie immer, aber doch auch anstrengend. Wir sind ja auch nicht mehr die jüngsten. Nach der Tour besichtigen wir noch die die Kathedrale und die Marienkirche, bevor wir uns ins jüdische Viertel, Kazimierz, aufmachen. Endlich ein lauschiger Garten, wo es Cappuccino und Kuchen gibt. Wir gehen in die Remuh-Synagoge und dem angeschlossenen jüdischen Friedhof. Auf den Grabsteinen liegen die Steine von den Besuchern . Der steinerne Sarkophag eines Wunderrabbis ist mit Wunschzetteln gepflastert. Doch für uns ist der anstrengende Besichtigungstag noch nicht zu Ende. Wir marschieren über eine Brücke über die Weichsel ins ehemalige Ghetto und weiter zu „Schindlers Fabrik“. Hier drehte Steven Spielberg am Originalschauplatz den Film Schindlers Liste. Heute ist in dem Gebäude ein Museum untergebracht: Krakau – Zeit der Besatzung 1939 – 1945. Es ist sehr informativ, aber zugleich auch sehr bedrückend. Wir sind nach dem Besuch fertig, vor allem vor Hunger und gönnen uns heute mal ein Restaurant. Und so komme ich endlich zu den Pierogi. Sehr lecker! Zum Abschluß dann noch ein Bier und einen Cider in einer Kneipe.

Da diverse updates am Laptop zu machen sind, kommen wir erst um halb zwölf vom Campingplatz los. Und dann müssen wir ja auch noch zum Carrefour. Aber endlich ist auch das geschafft und wir fahren weiter nach Zakopane. Allerdings mit einem mulmigen Gefühl. Denn die einzige Straße, die unser Navi auswirft, zeigt immer so ein komisches Go-Box-Zeichen an. Da wir wissen, dass die Strafe, ohne so ein Kästchen zu fahren, teuer ist, fahren wir runter, als wir eine Nebenstraße entdecken. Wir kommen nur unwesentlich langsamer voran. Die Landschaft wird allmählich wieder hügelig und die Häuser haben nun Großteils die spitzen Dächer mit den den vielen Giebeln. Sehr hübsch. Ganz hinten sind man schon die schroffen Gipfel der Hohen Tatra. In Zakopane finden wir gleich einen Parkplatz und machen uns auf in die Meile. Im Reiseführer wird sie ja als „Ballermann“ angekündigt, aber ganz so schlimm finden wir es nicht. Klar, viele Leute, Fast Food, Souvenirläden, aber irgendwie müssen die Menschen hier ja auch Geld verdienen. Etwas außerhalb gibt es eine sehr schöne, kleine Holzkapelle mit einem Parkplatz, auf dem wir übernachten werden.

Wandern ist angesagt. Leider dürfen wir nicht nach Kuznice fahren und müssen die drei Kilometer von Zakopane aus zu Fuß gehen. Hier startet unser Weg hinauf zu den Almen von Morowaniec. Wie immer sind wir nicht alleine. Haben die Polen außer wandern auch noch andere Hobbys? Ab hier endlich weg vom Mainstream und rüber zu den wunderschön gelegenen Bergseen nördlich des Svinica-Kamms. Steil geht es ab hier hinauf über unzählige Stufen in die Svinicke Scharte auf 2051m. Ein kurzes Nicken zu Wolfgang hinüber genügt: es heißt, wir gehen noch auf den Gipfel des Svinica. Die letzten 250 Hm müssen hart erkämpft werden. Gegner sind die anderen Wanderer, die sich bei den Reibungsplatten (durch dicke Ketten gesichert) schon ziemlich anstellen und unsere Geduld auf eine harte Probe stellen! Endlich sind wir auf 2301 m oben angelangt und genießen die herrliche Rundumsicht auf die hohen Tatragipfel. Die knapp 1600 Hm Abstieg gehen dann ganz schön in die Knochen. Auf dem Kasprowy Wierch - bis hier fahren die Faulen mit der Seilbahn ­– machen wir noch eine kurze Pause mit Hot dog! und Icetea, bevor den ellenlangen Weg nach Zakopane runtermarschieren. Nun nur noch zum Parkplatz an der Kapelle, essen, duschen und ab ins Bett.

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Polen 20.8.- 24.08.2016

Gestern sind wir noch bis kurz vor Szklarska Poreba, ein Bergdorf im Riesengebirge am Fuße des Reifträgers, gefahren. Gleich bei der „Todeskurve“ haben wir einen geraden Schlafplatz gefunden.

 

Heute morgen fahren wir zur Touriinfo ins Dorf runter und besorgen eine Karte zum Mountainbiken. Und dann machen wir uns auf die Suche zum Einstieg in die Tour 10. Wir haben den Eindruck ganz Polen ist hier in diesem Dorf. Eine Riesenblechkarawane schiebt sich an unzähligen Andenkenläden und Schnellimbissen vorbei. Wir können kaum die Straße überqueren und sind total genervt. Vor allem weil wir auch den Einstieg in die Tour nicht finden. Nach einer Stunde auf und ab und sinnlosen 13 km geben wir auf und fahren zum LKW rauf. So wird aus der geplanten Radtour eine schöne Wanderung inkl. Pilzesuchen und Blaubeerensammeln zum Zawalisko. Am Abend bereiten wir die Tour 10 dann noch akribisch für das GPS auf!

Nix ist es mit der Radtour. Es regnet in Strömen! Wir laufen die 3 – 4 Kilometer runter nach Szklarska Poreba. Dort geht es genauso zu wie gestern. Wir erstehen einen geräucherten Bergkäse. Diese werden in Modeln in Form gebracht und sehen schon deshalb sehr hübsch aus. Schmeckt auch gut.

In einem Café gibt es WLAN, aber leider ist nur Facebook und Whatsapp freigegeben. Das nützt uns nichts. Auf der Einkaufsliste steht nun ganz oben eine Sim-Karte.

 

Am Nachmittag werden noch mal fleißig Schwammerl gesammelt, nachdem wir die gestrigen überlebt haben. 

Schon wieder schlechtes Wetter, es hängt einfach in den Bergen fest und wir beschließen weiter zu fahren. Über Jelenia Gora, mit einem kurzen Einkaufsstopp, geht es hinauf nach Karpacz. Dasselbe wie in Szklarska Poreba: ein Souvenirshop - mit hässlichen Sachen – neben dem anderen, Hotelklötze, diverse Freizeitattraktionen wie Riesenrutschen, Minigolf, Hochseilgarten etc. und jede Menge Leute prägen den langgezogenen Ort. Genervt stellen wir uns auf einem Parkplatz nahe der Seilbahnstation und verhandeln mit dem Wächter, dass wir auch über Nacht hier stehen bleiben können. 

Am frühen Nachmittag machen wir uns noch auf den Weg auf die Schneekoppe, mit 1602 m dem höchsten Berg Tschechiens. (Darum müssen wir da rauf!) Aber alles gar nicht nach unserem Geschmack: zuerst ein ewiger Talhatscher und dann bis hinauf zum Gipfel ein gepflasterter Weg!!! Ab dem Schlesierhaus wird es empfindlich kalt und wir hetzen weiter. Kurze Rast auf dem verschandelten Gipfel bei null Aussicht und schon machen wir uns wieder auf den Abstieg.

Als heute Morgen beim Frühstück schon wieder Heerscharen an uns vorbeiziehen, packen wir zusammen und fahren nach Breslau. Die zu Beginn recht hügelige Landschaft mit winzigen Dörfern und mehr oder weniger intakten Häusern weitet sich dann zu einer großen Ebene mit riesigen, abgeernteten Getreidefeldern. Wir kommen durch ein Gebiet, in dem große Granit- und Marmorbrüche sind. Man kann hier sehr günstig Grabsteine kaufen!

 

Nach einem kurzen Spaziergang durch Breslaus Altstadt fahren wir auf einen Campingplatz, vor allem wegen der Waschmaschine.

Mit der Straßenbahn geht es heute für ein paar Groschen in die Innenstadt. Unser erstes Ziel ist die Dominsel mit ihren vielen Kirchen. Sie sind nicht so überladen, wie wir es von Deutschland gewöhnt sind. Wir sehen oft Bilder aus dem Jahr 1945 an den Mauern. Breslau wurde bis April 1945 vom Krieg verschont, aber dann haben die Bombenteppiche volle Arbeit geleistet und es wurden 75% der Stadt zerstört. Nur ein paar Kirchtürme wurden zur Orientierung für die Flieger zum Teil stehen gelassen.

 

Um drei Uhr beginnt eine Free Walking Tour durch Breslaus Altstadt. Von dem jungen, polnischen Guide erfahren wir sehr viel über die Geschichte, zu einzelnen Gebäuden - so sind die schönen Häuser rund um den Marktplatz alles nur Nachbauten und das einzige hässliche Gebäude einer Bank ist noch Original -, was es mit den kleinen Bronzezwergen auf sich hat, und viele Dinge, die in keinem Reiseführer stehen. Die 2,5 Stunden vergehen wie im Flug. Im ehemaligen Gefängnis, heute ein Biergarten, früher ein Kindergarten, lassen wir den Tag bei Bier und Cider ausklingen.

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Deutschland 17.08. - 19.08.2016

Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück mit Vroni verabschieden wir uns und fahren gen Osten. Weit kommen wir nicht, denn wir wollen im Spreewald noch mal Radfahren. Am Nachmittag spazieren wir durch Lübbenau, sehr touristisch, und was bitte, ist eine Gurkenwurst? Tja, Spreewaldgurken und alle möglichen Erzeugnisse davon an jeder Ecke. Für uns gibt es noch ein paar Grillwürstel für’s Abendessen und dann fahren wir zu einem Holzlagerplatz 4 km südlich von Lübbenau.

Endlich ist es mal warm in der Früh und wir starten zu einer Tour durch den Spreewald. Die ersten Kilometer nach Leipe verlaufen malerisch durch schmale Alleen entlang kleiner Fließe. Dann öffnet sich die Landschaft und es geht auf kleinen Wegen und Straßen weiter nach Burg. Vom Abstecher zum Bismarckturm haben wir uns mehr versprochen. Ein recht martialisches Gebäude, Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und dient heute vor allem als Aussichtsturm. Fast am Ende landen wir wieder in Leipe und probieren die vielgepriesenen Hefeplinsen im Spreewaldhof. Sie schmecken und schauen aus wie ganz ordinäre Pfannkuchen! Da freuen wir uns doch auf die Lammscheiben, die wir heute noch grillen werden. Zum Tagesabschluss gibt es noch ein kleines Federballmatch.

 

Wir wollen jetzt endlich raus aus Deutschland und nehmen deshalb die Route über die Autobahn Richtung Görlitz. Aber leider zwei Baustellen und noch ein Unfall. Görlitz soll ja die „schönste“ Stadt Deutschlands sein. Bezüglich der Restaurierung von Altbauten stimmt das wohl auch, aber ansonsten ist hier nichts los. Wir kommen uns etwas verloren vor. Am Untermarkt gibt es ein paar nette Cafés und in der Sonne halten wir es vor der pittoresken Kulisse ganz gut aus. Vom Grenzübergang nach Polen, an der Brücke über die Neisse, merkt man außer dem schlechteren Straßenbelag nichts. 

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Deutschland 01.08. - 16.08.2016

Endlich geht es los! Der Laster ist gepackt, das Haus geputzt und in gute Hände für die nächste Zeit gegeben. Danke an Khaled, der ein Auge drauf hat und an Maria, die sich um unsere Post kümmert!

Um drei Uhr reisen wir ab. Ich will schon seit langem mal nach Burghausen, um mir die längste Burg Europas anzuschauen. Es ist wirklich sehr beeindruckend hoch über der Altstadt durch die diversen Vorburgen und Höfe zu gehen. Zum Teil sind die ehemaligen Gebäude bewohnt oder es ist ein Kiosk oder ein Café drin untergebracht. Auf der einen Seite der Burgmauer sieht man auf die Altstadt, auf der anderen Seite runter auf die Salzach, wo ein Flußschwimmbad eingerichtet ist. anscheinend ist hier ein Pokemon-Hotspot, denn wir sehen sehr viele junge Leute, die den Blick kaum von ihren Handys heben können.

In Julbach, kurz vor Simbach am  Inn, finden wir mal wieder einen schönen Wanderparkplatz. 

So knapp an der Grenze zu Österreich muss man einfach zum Tanken rüberfahren. Bei einer Differenz von 14 ct rentiert es schon. Heute wollen wir unsere ehemaligen Nachbarn in ihrem neuen Domizil in Schatzbach besuchen. Wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen, denn sie waren die best neighbours for ever! Nach einem netten Nachmittag geht es für uns noch ein Stück weiter nach Aldersbach, wo momentan die bayrische Landesausstellung zum Thema: 500 Jahre Bier in Bayern stattfindet. Da muss Wolfgang natürlich hin!

Die Ausstellung ist recht informativ und durch die vielen interaktiven Exponate auch kurzweilig. Es stellt sich heraus, dass Wolfgang ebenso stark ist wie der Steyrer Hans und dass er 23 volle Maßkrüge über eine Distanz von 40 m tragen kann!

Doch wir müssen weiter. Leider ist auf der Autobahn zwischen Deggendorf und Hof ein Stau nach dem anderen. In der Nähe von Windischeschenbach gibt es aber einen guten Stellplatz mit vielen Blaubeerpflanzen, was eine leckere Nachspeise ergibt!

Heute ist reiner Fahrtag mit einer kurzen Unterbrechung zu einem Einkauf bei Decathlon, man vergisst halt doch immer was. Geschlafen wird bei der Burg Rabenstein im Hohen Fläming.

Wir beschließen nach dem Frühstück noch eine kleine Runde durch die prächtigen Kiefernwälder zu machen. Neu für uns ist der sandige Boden. Teilweise fühlen wir uns nach Namibia versetzt!

 

Am Nachmittag erreichen wir Berlin und können bei Sebastian im Büro endlich mal wieder ins Internet, denn das war in den vergangenen Tagen nur sehr eingeschränkt möglich. Deutschland ist in der Beziehung eben doch nicht so fortschrittlich.

Am Abend fahren wir dann mit unseren Enkeln und Sebastian und Mella noch in die Uckermark um uns auf dem Naturcamp am Röddelinsee niederzulassen.

 

Nach zwei gemeinsamen Tagen werden wir mit Emma und Emil hier alleine ausgesetzt – sozusagen. Denn hier ist so gut wie kein Internetempfang, Handys gehen auch nur sehr eingeschränkt und teilweise bekommen wir nicht mal einen Radiosender rein. Dafür machen wir  mit den Zwergen kleine Radtouren in die nächste Stadt Templin, zur Schleuse Kannenburg in die Wälder um Wichtel zu suchen. Das Wetter spielt allerdings gar nicht mit, denn wir können nicht baden. Es ist sehr kalt und windig und leider regnet es auch des Öfteren. Doch wir halten alle eine Woche durch.

Zurück in Berlin erledigen wir noch einige Einkäufe, genießen mal wieder das Großstadtleben und gehen lecker zum Essen. Mit Veronika fahren wir mit dem Rad nach Potsdam. Die Fahrt geht durch den Grunewald und dann am Wannsee entlang, über die berühmte Glienicker Brücke (Agentenaustausch!) und nach gut 30 km sind wir da. In Potsdam hat es uns das holländische Viertel angetan. Man fühlt sich nach Amsterdam versetzt. Schmale Klinkerbauten mit mit weißen Fensterrahmen und vielen Blumen davor. Kleine Läden wechseln sich mit netten Cafés und Kneipen ab. Wir finden ein Café mit 10 verschieden Käsekuchen, da können wir nicht vorbeigehen. Auf der Rückfahrt nach Berlin wird der Himmel bedrohlich grau, aber wir kommen ohne nass zu werden in Moabit an.

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Langenaltheim 04.05. - 09.05.2016

Tja, das Fahren mit dem großen Laster will gelernt sein. Darum sind wir nun schon zum dritten Mal nach Langenaltheim in den Offroadpark gefahren. Doch es geht uns natürlich nicht nur ums lernen sondern um zu testen, wie weit man gehen gehen kann, wie viel traut man sich und vor allem, weil es einfach mal Spaß macht ein bisschen im Gelände zu fahren.

Diesmal treffen wir uns auch mit Veronika und ihrem Freund Hanni und deren Oleg, einem Lada Niva. Die beiden bekommen zuerst von Wolfgang eine kleine Einweisung und dann geht es los. Der Kleine schafft natürlich alles, was der Hiasl kann. Bloß vorne die extrem steile Steigung auf den Hügel rauf könnte ein Problem werden, für Mensch und Auto. Wir beobachten oft mit angehaltenem Atem, wie dort ein Mercedes oder Toyota in der Mitte abbrechen muss und dann rückwärts langsam wieder runter muss. Das würden meine Nerven nicht aushalten!

Heute ist ein Superwetter, nicht zu heiß, kein Regen und vor allem kein Schnee. Denn als wir im Februar zum Wintertreffen hier waren, hatten wir eine Saukälte und noch schlimmer so an die 10 cm Neuschnee. Damals konnten wir nicht mal den Rundkurs fahren, weil man schon die kleinste Steigung nicht rauf kam. Wir sind zwar auf den Hügel raufgefahren, aber beim Runterfahren hat der LKW nicht mehr das gemacht, was wir wollten und wir waren heil froh, als wir wieder unten waren!

Der Tag hat uns alle viel Spaß gemacht und Vroni und Hanni wissen nun auch, was mit dem Lada alles geht.

Natürlich ist nicht nur offroad angesagt. Wir fahren nach Pappenheim und besichtigen die Burg  (Ich kenn doch meine Pappenheimer). Einen Nachmittag haben wir eine Mordsgaudi im Waldseilgarten, allerdings ist es dann am Ende zu auch ganz schön anstrengend, denn die Schwierigkeiten steigern sich! 

Und Wolfgang und ich sind mit dem Rad gute 160 km an der Altmühl auf und abgefahren.

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