Griechenland 07.11. - 14.11.2016

Weil es uns vor ein paar Tagen in Koroni so gut gefallen hat, fahren wir heute noch mal hin. Wir schaffen es gerade so vor der Siesta bei einem kleinen Bäcker noch Gebäck und Brot zu kaufen, bevor wir durch die steilen Gassen mit den vielen Treppen hinauf zur Festung gehen. Auch hier wird in den Olivengärten fleißig geerntet und geschnitten. Wir stiefeln durch die zerfallenen Gemäuer, ehe wir noch mal bei dem Nonnenkloster und seinem Mandarinengarten vorbeischauen. Die Nonnen fordern jeden Besucher auf sich doch an den Bäumen zu bedienen! So frisch gepflückte Mandarinen, das hat schon was. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir müssen weiter, damit wir noch vor Einbruch der

 

Dunkelheit einen Platz zum Übernachten finden. Auf halber Strecke nach Finikounda werden wir fündig, am Rande eines Feldes an einem kleinen Weg, der zu einer Kapelle hinaufführt. Als Wolfgang einen Stein zum Unterlegen hochhebt, entdecken wir eine Babykreuzotter. Die hatte mehr Angst vor uns, als wir vor ihr - ich habe gerade noch ein Foto geschafft, da hat sie sich schon zurückgezogen. 

Der Regen der Nacht hat sich wieder verzogen, so dass wir spontan beschließen noch eine Nacht hier zu bleiben und zur Kapelle des Ag. Georgios raufzugehen. Zuerst durch Olivenhaine und Eukalyptusbäumen, später dann durch wilden Salbei, Pinien und Erdbeerbäumen, entlang eines roterdigen Feldweges. Inklusive ein paar Schlammpassagen! Der Himmel zieht sich zu und oben geht dann die Sicht gegen Null. Schade, denn eigentlich sollte man rundum aufs Meer schauen können. Den Nachmittag verbringen wir dann endlich mal mit Faulenzen, Stricken und Schnitzen.

Nein, es regnet schon wieder. Wir lassen uns Zeit, bis wir aufbrechen. Auf der Strecke nach Finikounda hört man auf allen Seiten die Motorsägen der Olivenernter. Wir parken vor der Kirche und laufen durch den kleinen Ort. Er wirkt wie ausgestorben. Nun ja, die Saison ist vorbei und das Wetter verleitet auch nicht zu einem Bummel. Zwei, drei Kaffeehäuser haben noch geöffnet und da sitzen auch tatsächlich einige Männer bei Kaffe oder Ouzo. Wir spazieren zum Hafen, aber plötzlich fängt es so zu duschen an, dass wir schauen zum Auto zu kommen. Also weiter. Nächstes Ziel ist Methoni. Parkplatz suchen wie gehabt und warten, dass es zu regnen aufhört. Dann schnell raus aus dem LKW und ab zur Festung, aber immer schön den Pfützen ausweichen! Wir staunen nicht schlecht, als doch tatsächlich jemand im Kassenhäuschen sitzt und Eintritt verlangt. Als ich dann den Herrn frage, ob dann dafür auch der Regen aufhört, entgegnet er trocken: Wenn mir der Regen nicht passt, soll ich zu Hause bleiben! Hallo, geht’s noch? Als es dann 20 Meter weiter so richtig zu schütten anfängt, ärgern wir uns, die paar Euros abgedrückt zu haben. Durch tiefes Gras laufen wir von einem Unterstand zum nächsten. Wegen des starken Windes nützen auch die Schirme nicht viel.  Beeindruckend sind jedoch die ziemlich hohen Wellen, die gegen die Festung schlagen. Ich wage mich mit Kamera vor zur Begrenzungsmauer und sehe gerade noch aus dem Augenwinkel, dass eine Monsterwelle heranrollt, drehe mich sofort um und laufe zurück. Aber zu spät, sie hat mich vollends rückwärts erwischt: ich bin von oben bis unten klatschnass! Wolfgang sagt, zuerst hat meinen Schrei gehört, dann das Wasser gesehen und dann mich. Trotz nasser Klamotten bleiben wir noch an diesem Ort, der eigentlich eher nach Schottland gehört, als nach Griechenland. Doch irgendwann wird mir kalt und ich muss mich umziehen. Nach einer Kaffeepause geht es weiter nach Pylos, ein typischer Fischerort mit kleinem Hafen, einer - verwaisten - Platia, Geschäfte drumrum und steil ansteigende Straßen in allen Richtungen. Wir wagen uns wieder mal aus dem Auto raus und schlendern durch die Gassen, stellen uns bei einem Schauer unter, werden mit einem tollen Regenbogen belohnt und fahren weiter. Und zwar Richtung Mani, dem mittleren Finger des Peloponnes, denn dort verspricht der Wetterbericht das beste Wetter für die nächsten Tage. In einem kleinen Nest auf der Strecke ist dann auch ein Stellplatz für uns.

Hurra, die Sonne scheint. Auf dem Navi finden wir einen kleinen Berg, sogar mit Weg ab dem Auto, den wollen wir uns nicht entgehen lassen. Nach eineinhalb Stunden sind wir oben. Im Dunst können wir von oben gerade noch die Ochsenbauchbucht bei Navarino erkennen, leider sehen wir aber auch schon wieder dicke, fette Regenwolken. Wir machen, dass wir zum Auto kommen, denn allmählich geht uns die trockene Kleidung aus. Dieser Hügel war nichts besonderes, aber wir konnten uns mal wieder bewegen und das Gehen in der würzigen Luft tut einfach gut. Der Weg zur Mani führt über Kalamata, was recht praktisch ist, weil wir eh noch einkaufen müssen. Leider spinnt dann das Navi bei der Fahrt durch die engen Straßen der Stadt, der GPS-Empfang ist dann einfach nicht so optimal, und wir irren ein bisschen umher, finden aber dann doch noch die richtige Straße. Allerdings ist es schon nach fünf Uhr und wir brauchen noch einen Schlafplatz. Über eine kurvige Straße geht es hinauf in die Berge. Zu allem Übel haben wir auch noch ein Fahrschulauto vor uns. Wolfgang ist total genervt, weil sich der Fahrschüler vor jeder Kurve einbremst, also immer dann wenn wir gerade wieder Schwung haben. Beim letzten Tageslicht entdecken wir dann einen halbwegs ebenen Platz direkt an der Straße, zwar nicht optimal, aber für eine Nacht geht es schon.

Bei Superwetter fahren wir geschwind hinunter nach Kardamili, wo wir auf der Karte einen schönen Strand entdeckt haben. Wie auch schon ein paar andere Womos stellen wir uns direkt an den Kiesstrand neben dem Campingverboten-Schild. Jetzt, nach der Saison, geht das, aber im Sommer, wenn auch die Zeltplätze geöffnet haben, wird das nicht toleriert. Da unser Wasservorrat zur Neige geht, spazieren wir als erstes in den Ort und entdecken am Hafen einen funktionierenden Wasserhahn. Wolfgang sieht dann auch noch ganz neidisch einer Anglerin zu, wie sie zwei Fische aus dem Wasser zieht. Beim Zurückgehen kaufen wir uns für viel Geld zwei deutsche Zeitungen, damit wir am Nachmittag was zu lesen haben über das amerikanische Wahldesaster. Wolfgang springt auch noch kurz ins Meer, ich begnüge mich mit Steinmännerbauen.

Heute bekommen wir schon zum Frühstück Besuch - von einer kleinen schwarzen Katze. Als sie allerdings keine Hemmungen zeigt in unserem Bett rumzuspringen, wird sie von mir rausgeschmissen. Katzen haben da absolut nichts verloren! Wolfgang ist dann zwar etwas beleidigt, weil er sie so süß findet, aber da kenne ich kein Pardon. Bei wolkigem Himmel starten wir zu einer kleinen Wanderung. Zuerst geht es ins alte Kardamili, wo wir aber keine Lust haben Eintritt zu bezahlen um alte Häuser von außen anzusehen. Dann weiter über einen markierten Weg, von dem wir allerdings nicht wissen, wohin er führt. Nach einer Stunde stehen wir vor der Kapelle Ag. Georgios. Ein Blick aufs Handy zeigt uns dass, wir da eigentlich nicht hin wollten. Aber der Ausblick auf die Bucht ist fantastisch, der auf den Himmel weniger und so entscheiden wir uns der Markierung nach unten zu folgen, statt hinauf zum gedachten Ziel. Welch weiser Entschluss! Beim LKW angekommen, fahren wir gleich zum Hafen um Wasser zu bunkern. Und nach ein paar Litern fängt es zu regnen an, aber gleich so, dass wir nach der Betankung ziemlich nass sind. Gut, dass wir nur kurze Hosen und Flip-Flops anhaben. Weiter geht es dann an der Küste entlang auf schmaler Straße und durch enge Ortschaften. Der Regen wird so heftig, dass binnen kurzem sämtliche Straßen überschwemmt sind. Vom Berg kommt überall die rote Erde mit runter, das Meer ist rot gefärbt. Unser angestrebter Übernachtungsplatz in der nächsten Bucht steht völlig unter Wasser, also fahren wir weiter. Mit unseren hohen Reifen haben wir keine Probleme, aber die wenigen PKWs, die uns entgegenkommen, sind schon sehr vorsichtig unterwegs. Bald erreichen wir die kleine Ortschaft Trachila, bei der die Straße endet. Doch hier schlägt Wolfgang das erste Mal vor, nicht mit dem Auto ins Dorf zu fahren, so eng sieht es da aus. Gott sei Dank, ich habe heute schon bei den anderen Durchfahrten so geschwitzt! Wir wenden und fahren etliche Kilometer zurück, wo wir, weit genug weg von den Steilwänden mit ihren Höhlen und alten Behausungen, einen Platz weit über dem Meer finden.

Die Sonne scheint heute Morgen, als wäre nichts gewesen. Wir müssen zurück nach Ag. Nikolaos, wo wir eine kleine Straße Richtung Areopolis gesehen haben. Sie ist sehr kurvig, sehr schmal und sehr steil. Doch das Interessanteste ist der Straßenbelag: eigentlich geteert, aber über weite Strecken wurde der Teer unterspült, ist dann wohl heiß geworden und hat sich zu merkwürdigen Gebilden mit sehr tiefen Löchern verformt. Irgendwann kommt uns ein Mercedes entgegen und die Beifahrerin gibt uns zu verstehen, dass wir hier nicht fahren können oder dass es gesperrt sei. Das wollen wir erst mal sehen. Und bis auf einen Baum mit sehr tiefhängenden Ästen sehen wir eigentlich keinen Grund, warum wir hier nicht fahren sollten. Eher das Gegenteil, wie kommt der Benz durch die Löcher durch? In der Limeni-Bucht bei Neu-Itilo gibt es einen ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz, den wir natürlich für uns alleine haben. Zum Auslüften laufen wir am Nachmittag noch zur Festung von Kefela hinauf. Dabei entdecken wir noch eine ausgeschilderte Wanderung nach, ja, wir können es nicht entziffern, aber das wollen wir dann Morgen herausbekommen.

Bei strahlend blauem Himmel und kaum Wind wandern wir durch die Olivenhaine, in denen fleißig geerntet wird. Der Weg ist zwar nur zu erahnen, aber wir kommen mal wieder bei einer Kapelle raus, dann muss es ja stimmen! Und kurz danach die nächste und schon sind wir oben in Itilo. Es ist einfach herrlich im November mit kurzen Hosen und Top durch die Olivenbäume und Oppuntien zu gehen. Durch die Sonne riecht es wunderbar nach Salbei und Pinien. Wir versuchen einen Weg hinüber nach Kefela zu finden, aber das scheitert dann an dem dornigen Gesträuch, so dass wir umkehren und über einen Bergrücken - mit vielen Kühen, die gefesselt sind, aber die Stier nicht! - und steilem Abstieg zum LKW gelangen. Da nutzen wir, wie auch gestern schon, das gute Wetter zum Wäschewaschen aus.

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