Unser Pössl bekommt eine zweite Chance! Es geht ab in den Norden Deutschlands. Erste Station nach einer Regenfahrt und 7° ist Marienbad in Tschechien. Dort sind die wunderschön restaurierten Prachtbauten aus der Jugendstilepoche toll zum Ansehen, doch uns zieht es zur Kolonade Maxim Gorki, eine riesige, an den Seiten offene Halle mit viel Eisenstreben, kleinen Cafés darin und an einer Längsseite die Wandelhalle mit drei Heilwasserquellen. Es riecht brutal nach Schwefel und da halten wir uns mit dem Probieren dezent zurück. Wir laufen trotz Regen noch durch den hübsch angelegten Kurpark und schauen noch in die Eingangshalle eines vornehmen Hotels. Allerdings ist alles wie aus der Zeit gefallen und nur alte Leute, haha!
So, jetzt ist es soweit: der Hiasl hat Nachwuchs bekommen! Und zwar einen Citroën Jumper mit klassischem Kastenwagenausbau, sechs Meter lang mit Querbetten – das sind wir so gewöhnt - der Fa. Pössl. Von uns kam noch hinzu: Radträger mit 50 kg Nutzlast, Büttner Solaranlage mit 220 WP und eine LiFePo4 Untersitzbatterie mit 200 Ah. Die Kassettentoilette wurde durch eine Komposttoilette ersetzt und im „Kofferraum“ wurde ein Vollauszug für Euroboxen gebaut.
Kurz nach der Grenze zu Bulgarien stellen wir uns bei Krapets etwas erhöht an den Strand. Wir müssen uns mal wieder ein bisschen erholen, gehen schwimmen, spazieren am Strand entlang und fahren mit dem Rad in die nächste Stadt Shabla zum Geldautomaten. Um die Hauptstraße mit den türkischen Lkw-Fahrern zu vermeiden, versuchen wir es über Umwege auf Feldwegen. Aber die sind mehr Feld als Weg, zurück bevorzugen wir dann doch Teer! Auf dem Weg zum nächsten Strand kommen wir durch Kavarna, wo wir uns auf dem Markt mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Am Heros-Beach bei Topola finden wir einen kleinen Parkplatz nur wenige Meter runter zum Schwarzen Meer. Das Wasser ist glasklar und hat laut meinem Bratenthermometer 20°, also alles bestens, wenn wir nur einen Sonnenschirm hätten! Aber der Lkw schmeißt ja meist genug Schatten. Die Abende verbringen wir in einer netten Strandbar mit kaltem Weißwein und Bier.
Jetzt geht es weg vom Meer mit einem kurzen Abstecher zum Felsenkloster Aladija, wo man am Parkplatz bestes Wasser bunkern kann, zuerst auf übler Schlaglochstraße, dann auf Autobahn nach Prowadia. Nun führt uns eine sehr steile und enge Schotterstraße hinauf zur Ovech-Festung. Da sind wir natürlich die einzigen! Am frühen Abend steigen wir hinauf und genießen die Aussicht zwischen Steingräbern, Zisternen und alten Karrenspuren.
Unser nächstes Ziel ist das Hochplateau über Shumen, wo das schon von weitem sichtbare „Monument zur Gründung des bulgarischen Staates“ steht. Ein gewaltiger Betonbau mit riesigen, groben Steinfiguren, Köpfen, Pferden, Inschriften und dunkle, große Mosaiken wegen der Christianisierung. Muss man mal gesehen haben. Allerdings ist es so heiß, dass wir nur von einem Schatten in den nächsten flüchten.
An einem See werde ich von einer älteren Dame zum Kirschenpflücken in ihrem Garten eingeladen. Sie spricht ganz gut deutsch, weil sie in der Rente fünf Jahre in Deutschland als Pflegerin gearbeitet hat. Mit zwei großen Schüsseln Kirschen und einem guten Gespräch werde ich herzlich von ihr verabschiedet. In Velika Tarnovo, der alten Hauptstadt, laufen wir durch die Stadt auf der Suche nach Brot, werden aber nicht fündig und kehren stattdessen in einer Bar ein, wo es ein eiskaltes Bier und einen warmen Wein gibt. Tja, das ist heute nichts, aber wir werden später noch mit einer netten Lichtshow an der Festung belohnt!
Durch schöne Berglandschaft fahren wir rauf auf den Shipka-Pass, trinken schnell einen Cappuccino, aber hinauf zum Monument ist es uns zu heiß. Macht nichts, wir waren eh schon mal da. Und der nächste Betonklotz wartet ja schon auf uns. Auf dem Gipfel des Buzludzha steht das Ufo-ähnliche Riesenmonument der Kommunisten. Der Zerfall ist sehr deutlich zu sehen, Zutritt ist verboten, was auch von einem Posten überwacht wird. Am Abend treffen noch zwei Reisepaare ein, Italiener, die aus Indien kommen und Birgit und Max aus Bayern, die im Iran waren. Es wird ein netter Abend! Hier oben ist die Hitze besser verträglich und wir bleiben noch, machen Spaziergänge und lesen. Wir bekommen noch ein spektakuläres Gewitter mit extremem Starkregen und einem heftig schaukelndem Lkw. Ich bin froh, als es vorbei ist!
Über Kazanlak fahren wir durchs Rosental, das uns aber enttäuscht. Denn die wenig verbliebenen Rosenfelder sind schon fast verblüht und der Rest sind wie immer Getreide- oder Sonnenblumenfelder. An einem Fluss, ca, 30 km vor Plovdiv, bleiben wir über Nacht, aber die 30 cm Wasser taugen nicht wirklich zum Abkühlen. Am nächsten Vormittag regnet es, aber dadurch wird es nur schwül. In Plovdiv hat sich in den letzten acht Jahren nicht viel verändert. Es gefällt uns noch genauso gut, die Freßmeile hat sich vergrößert. Aber in der Fußgängerzone gibt es so gut wie keine Leerstände, trotz der Malls außen rum.
Die extreme Hitze macht uns immer mehr zu schaffen, so dass wir kaum was unternehmen. Die Erdpyramiden von Stob nur von unten und zum Rila-Kloster auch mit dem Auto, nicht wie geplant mit dem Rad. Ja, da sind wir nicht allein, aber die Masse verläuft sich und das Kloster ist einfach traumhaft schön. Das WC ist allerdings ein olfaktorisches Erlebnis! Die Mekitsa (Auszogne) mit Zucker und noch heiß gegessen entschädigen dafür. Bis zur rumänischen Grenze suchen wir uns immer Seen zum Übernachten, so können wir uns wenigstens beim Baden abkühlen.
Eine lange heiße Fahrt durch riesige Getreidefelder und den ewig langen Dörfern führt uns nach Craiova, denn wir brauchen unbedingt einen Waschsalon. Schön kühl da drinnen! Den Lkw parken wir dann neben einem Fußballstadion und gehen am Abend noch in die Stadt zum Essen. Für mich gibt es Sarmale (rumänische Krautwickerl) mit saurer Sahne und Kartoffeln. Sehr lecker! Zu einem Absacker noch in eine Kneipe mit Wasserventilatoren! Das ist dann einigermaßen verträglich. Es ist 23:00 und es hat noch immer 30°.
Nördlich von Hunedoara befinden sich die „Giardini di Zoe“, ein parkähnlicher angelegter Garten auf einem kupierten Gelände, der von einem Italiener gebaut wurde und sich so seine italienische Heimat nahebrachte. Statuen, Springbrunnen, mit Buchs gesäumte Pfade, Rosen, viele Sommerblüher, einfach sehr schön! Im kleinen Café gibt es für uns ein kühles Eis.
In Arad kapitulieren wir dann vollends vor der Hitze, flüchten in der wohl schönen Stadt mit ihren Prachtbauten in diverse Cafés, ein Thermometer zeigt 41° an. Erträglich wird es erst am Stadtrand auf einem Klosterparkplatz, nachdem ein Gewitter mit ordentlich Regen niedergeht. Überall ist Stromausfall, nur bei den Hubers nicht!
Bei Borş, nähe der ungarischen Grenze, finden wir noch ein Plätzchen an einem Fluss zum Erholen. Mir hat es die abenteuerliche Hängebrücke angetan, Wolfgang beobachtet die diversen Möglichkeiten der Flussquerung, zu Fuß, Huckepack, mit Pferdekarren.
Nun wieder schnellstmögliche Ungarndurchquerung und wieder in die Slowakei. Diesmal führt uns der Weg durch die niedere Tatra, über kleine Pässe und durch schmucke Dörfer. Doch wir wollen an den Mikulasc-Stausee. Endlich wieder Wasser. Um den radeln wir dann großzügig rum, entdecken noch mal eine Artikularkirche, noch schöner als die in Hronsek und ergattern in einer Marina ein sauteures Steckerleis. Leider habe ich mir beim Baden im See einen spitzen Stein eingetreten. Ich habe ihn zwar rausoperiert, kann aber nicht auftreten. Somit fällt die Stadtbesichtigung von Kromeriŝž aus und wir radeln stattdessen an der Moravia entlang. Bei einem kleinen Kiosk gibt es sehr gute, selbst gemachte Erdbeerlimonade!
Heute haben wir die längste Fahrstrecke dieser Reise: 275 km! Nur ein Stopp zum Baden und dann auf den bekannten Platz in Písek bei den Sportstätten. Von da ist es auch nur ein Katzensprung auf die Halbinsel in der Otava, wo es einen netten Biergarten gibt. Und dann folgt die heißeste Nacht der Reise: Wolfgang verbringt sie auf der Treppe draußen in der Hoffnung auf einen Luftzug. Eigentlich haben wir nur mehr 115 km nach Hause, aber wir machen heute noch die letzte Radtour vorbei an den vielen Seen und durch die hübschen Dörfer, auch der Biergarten muss noch mal besucht werden, bevor wir morgen dann endgültig heimfahren!
Kurzes Fazit: Es hat uns sehr gut gefallen, wir haben viele neue Orte und Sachen entdeckt, aber auch bekanntes. In den besuchten Ländern – bis auf Ungarn – kann man sich sehr gut versorgen, lecker und preiswert Essen gehen und vor allem Trinken. Die Landschaft ist überall toll, klar gibt es Industrien, aber da muss man ja nicht bleiben und das Müllproblem hat man weitgehend im Griff. Freistehen ist gar kein Problem , wir waren nicht einmal auf einem Campingplatz, sog. Stellplätze gibt es eh nicht. Wir können es nur empfehlen!
In Rumänien angekommen entern wir erst mal einen Carrefour um leckere Lebensmittel einzukaufen, bevor wir uns an einem See im Nordosten niederlassen. Eine schweißtreibende Radtour über die Dörfer, aber leider ohne Machete, führt uns durch urige Dörfer, aber kein Café weit und breit. Ein Penny rettet uns mit Steckerleis. Viel Zeit verbringen wir im Bărsana-Kloster, das uns mit den vielen, blumengeschmückten Gebäuden im traditionellen Stil, obwohl es erst vor ca. 30 Jahren erbaut wurde, in seinen Bann zieht. Dazu trägt natürlich bei, dass der Gottesdienst per Lautsprecher über das gesamte Gelände übertragen wird.
Danach verlassen wir die Maramureş und gelangen über den mit seinen durch Skilifte und vielen Baustellen verschandelten Prislop-Pass in die Bukowina. Die Landschaft wird nun offener, die Berge hügeliger und neben den traditionellen Holzhäusern finden sich schon sehr viele Betonklötze. Mit dem Rad geht es zu zwei Moldauklöstern: Voroneţ, berühmt wegen seiner blauen Farbe und Humor. Sehr ähnlich wird auf beiden in mehr oder weniger gut erhaltenen Fresken die Schöpfungsgeschichte, das Jüngste Gericht, Kreuzfahrten u. v. m. dargestellt. Nervig sind die lautstarken, spanischen Reisegruppen.
Im Ceahlău-Gebirge machen wir drei Tage „Urlaub“ am Lacul Izvorul. Das Wetter ist super, angenehm warm und es regnet nur bei einer Radtour über eh schon schwieriges Terrain. Die berühmte Bicaz-Schlucht lassen wir links liegen, fahren durch eine brettlebene, karge Landschaft, wo es außer riesigen, bewässerten Getreide- oder Sonnenblumenfeldern nicht zu sehen gibt, an die Donau nach Brăila. Das drohende Unwetter bringt eine besondere Stimmung in die Stadt, aber wir kommen nach einem leckeren Restaurantbesuch trockenen Fußes zum Lkw.
Von hier ist es nicht mehr weit ins Donaudelta. Im letzten befahrbaren Ort Murighiol gibt es für uns einen tollen Platz direkt am See. Das abendliche Froschkonzert ist einmalig! Am nächsten Morgen geht ein bombastisches Gewitter nieder, der Lkw hat arg gewackelt und im Ort ist Stromausfall und es gibt riesige Wasserlachen. Fantastisch ist Fischsuppe mit allem drum und dran in einer Agripensiun.
Bei einer Bootstour im Delta sehen wir Schwäne, Reiher, Kormorane, Albatrosse, Pelikane, Adler, Haubentaucher, Eisvögel, Seeschwalben, Falken und noch mehr. Auch ausgedehnte Seerosenfelder, Schilf ohne Ende,, alte Bäume und Fischerdörfer sind toll anzusehen. Doch leider werde ich seekrank, so dass der Bootsführer mit Zustimmung der beiden anderen Passagiere, die Tour nach zwei Stunden vorzeitig abbricht. Am Abend geht es mir wieder gut und ich kann schon wieder einen Sundowner zu mir nehmen! Es wird zunehmend heißer und wir fahren mit ein paar Stopps an der Küste entlang zur bulgarischen Grenze. Rumänische Badeorte sind gar nichts für uns.
Hiasl ist wieder unterwegs!
Nach einer langen krankheitsbedingten Pause machen wir uns auf den Weg nach Osteuropa. Es macht uns viel Spaß durch Tschechien und die Slowakei zu fahren, durch die wunderschönen Alleen und durch die saftig-grüne Hügellandschaft. Wir übernachten meist in kleineren Städten wie Písek, Telč und Blansko. Von dort erkunden wir die Gegend auf gut ausgeschilderten Radwegen die Umgebung. Blansko ist im Mährischen Karst und es geht die Mocaka-Schlucht mit vielen Höhlen durch einen wilden Naturpark steil mit den Bikes rauf und runter. Die meisten anderen Touristen bevorzugen die Fahrt mit der Seilbahn! In Olomouc laufen wir die Sehenswürdigkeiten wie Uhrturm, Dreifaltigkeitssäule, Altstadt, Burg, Wenzelsdom und den botanischen Garten ab, bevor wir unseren Hochzeitstag bei einem leckeren nepalesischen Restaurant ausklingen lassen. Interessant ist auch die Infrastruktur an einem Badesee bei Hodslavice: eine Holzsäule mit USB-Anschlüssen, Stecker für Kühlboxen, Lademöglichkeiten für E-Bikes und ein offenes WLAN! In Rožnov schauen wir uns das „Walachische Dorf“ in einem Freilichtmuseum an. Die knapp 30 Holzhäuser, meist um die 150 Jahre alt, geben einen guten Einblick über das sehr karge Leben damals. Das erste Highlight in der Slowakei ist dann Čičmany, wo der ganze Ort aus Holzhäusern mit weißen Ornamenten besteht, sehr schön! Bei einer Radtour kommen wir leider an einem schweren Motorradunfall vorbei. Nach Hronsek fahren wir wegen einer Artikularkirche aus Holz. Super ist auch der Stellplatz am Fluss und die einzige, offene Kneipe! Banska Bystrica besticht durch sein italienisches Flair, wobei das tolle Wetter auch nicht ganz unbeteiligt ist. In der Hohen Fatra geht es an großen, modernen Skigebieten vorbei nach Vlkolinec mit seinen vielen, bunten Holzhäusern, aber nur mehr ca. 50 Einwohnern. Lange sitzen wir in einem winzigen Café, genießen die Sonne und dazu Bossa Nova! Schon von weitem sieht man die Zipser Burg, wo wir auch prima auf dem oberen Parkplatz übernachten können. Leider wird gerade renoviert, so dass wir nur einen kleinen Teil besichtigen können, aber alleine schon die Außenanlagen sind beeindruckend. Trebišov ist die letzte Station in der Slowakei. Roma prägen das Stadtbild und der große, schattige Stadtpark. Bei zunehmender Hitze wird sowas immer wichtiger. Viel Nerven kostet uns dann das Buchen der ungarischen Maut. Wir suchen uns die kürzest mögliche Strecke. Aber auch da kosten die 80 km bemautete Straße für uns 21,60€. Nein, Ungarn mag ich nicht. Halsabschneider und immer unfreundlich.
Unser Pössl bekommt eine zweite Chance! Es geht ab in den Norden Deutschlands. Erste Station nach einer Regenfahrt und 7° ist Marienbad in Tschechien. Dort sind die wunderschön restaurierten Prachtbauten aus der Jugendstilepoche toll zum Ansehen, doch uns zieht es zur Kolonade Maxim Gorki, eine riesige, an den Seiten offene Halle mit viel Eisenstreben, kleinen Cafés darin und an einer Längsseite die Wandelhalle mit drei Heilwasserquellen. Es riecht brutal nach Schwefel und da halten wir uns mit dem Probieren dezent zurück. Wir laufen trotz Regen noch durch den hübsch angelegten Kurpark und schauen noch in die Eingangshalle eines vornehmen Hotels. Allerdings ist alles wie aus der Zeit gefallen und nur alte Leute, haha!
So, jetzt ist es soweit: der Hiasl hat Nachwuchs bekommen! Und zwar einen Citroën Jumper mit klassischem Kastenwagenausbau, sechs Meter lang mit Querbetten – das sind wir so gewöhnt - der Fa. Pössl. Von uns kam noch hinzu: Radträger mit 50 kg Nutzlast, Büttner Solaranlage mit 220 WP und eine LiFePo4 Untersitzbatterie mit 200 Ah. Die Kassettentoilette wurde durch eine Komposttoilette ersetzt und im „Kofferraum“ wurde ein Vollauszug für Euroboxen gebaut.
Kurz nach der Grenze zu Bulgarien stellen wir uns bei Krapets etwas erhöht an den Strand. Wir müssen uns mal wieder ein bisschen erholen, gehen schwimmen, spazieren am Strand entlang und fahren mit dem Rad in die nächste Stadt Shabla zum Geldautomaten. Um die Hauptstraße mit den türkischen Lkw-Fahrern zu vermeiden, versuchen wir es über Umwege auf Feldwegen. Aber die sind mehr Feld als Weg, zurück bevorzugen wir dann doch Teer! Auf dem Weg zum nächsten Strand kommen wir durch Kavarna, wo wir uns auf dem Markt mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Am Heros-Beach bei Topola finden wir einen kleinen Parkplatz nur wenige Meter runter zum Schwarzen Meer. Das Wasser ist glasklar und hat laut meinem Bratenthermometer 20°, also alles bestens, wenn wir nur einen Sonnenschirm hätten! Aber der Lkw schmeißt ja meist genug Schatten. Die Abende verbringen wir in einer netten Strandbar mit kaltem Weißwein und Bier.
Jetzt geht es weg vom Meer mit einem kurzen Abstecher zum Felsenkloster Aladija, wo man am Parkplatz bestes Wasser bunkern kann, zuerst auf übler Schlaglochstraße, dann auf Autobahn nach Prowadia. Nun führt uns eine sehr steile und enge Schotterstraße hinauf zur Ovech-Festung. Da sind wir natürlich die einzigen! Am frühen Abend steigen wir hinauf und genießen die Aussicht zwischen Steingräbern, Zisternen und alten Karrenspuren.
Unser nächstes Ziel ist das Hochplateau über Shumen, wo das schon von weitem sichtbare „Monument zur Gründung des bulgarischen Staates“ steht. Ein gewaltiger Betonbau mit riesigen, groben Steinfiguren, Köpfen, Pferden, Inschriften und dunkle, große Mosaiken wegen der Christianisierung. Muss man mal gesehen haben. Allerdings ist es so heiß, dass wir nur von einem Schatten in den nächsten flüchten.
An einem See werde ich von einer älteren Dame zum Kirschenpflücken in ihrem Garten eingeladen. Sie spricht ganz gut deutsch, weil sie in der Rente fünf Jahre in Deutschland als Pflegerin gearbeitet hat. Mit zwei großen Schüsseln Kirschen und einem guten Gespräch werde ich herzlich von ihr verabschiedet. In Velika Tarnovo, der alten Hauptstadt, laufen wir durch die Stadt auf der Suche nach Brot, werden aber nicht fündig und kehren stattdessen in einer Bar ein, wo es ein eiskaltes Bier und einen warmen Wein gibt. Tja, das ist heute nichts, aber wir werden später noch mit einer netten Lichtshow an der Festung belohnt!
Durch schöne Berglandschaft fahren wir rauf auf den Shipka-Pass, trinken schnell einen Cappuccino, aber hinauf zum Monument ist es uns zu heiß. Macht nichts, wir waren eh schon mal da. Und der nächste Betonklotz wartet ja schon auf uns. Auf dem Gipfel des Buzludzha steht das Ufo-ähnliche Riesenmonument der Kommunisten. Der Zerfall ist sehr deutlich zu sehen, Zutritt ist verboten, was auch von einem Posten überwacht wird. Am Abend treffen noch zwei Reisepaare ein, Italiener, die aus Indien kommen und Birgit und Max aus Bayern, die im Iran waren. Es wird ein netter Abend! Hier oben ist die Hitze besser verträglich und wir bleiben noch, machen Spaziergänge und lesen. Wir bekommen noch ein spektakuläres Gewitter mit extremem Starkregen und einem heftig schaukelndem Lkw. Ich bin froh, als es vorbei ist!
Über Kazanlak fahren wir durchs Rosental, das uns aber enttäuscht. Denn die wenig verbliebenen Rosenfelder sind schon fast verblüht und der Rest sind wie immer Getreide- oder Sonnenblumenfelder. An einem Fluss, ca, 30 km vor Plovdiv, bleiben wir über Nacht, aber die 30 cm Wasser taugen nicht wirklich zum Abkühlen. Am nächsten Vormittag regnet es, aber dadurch wird es nur schwül. In Plovdiv hat sich in den letzten acht Jahren nicht viel verändert. Es gefällt uns noch genauso gut, die Freßmeile hat sich vergrößert. Aber in der Fußgängerzone gibt es so gut wie keine Leerstände, trotz der Malls außen rum.
Die extreme Hitze macht uns immer mehr zu schaffen, so dass wir kaum was unternehmen. Die Erdpyramiden von Stob nur von unten und zum Rila-Kloster auch mit dem Auto, nicht wie geplant mit dem Rad. Ja, da sind wir nicht allein, aber die Masse verläuft sich und das Kloster ist einfach traumhaft schön. Das WC ist allerdings ein olfaktorisches Erlebnis! Die Mekitsa (Auszogne) mit Zucker und noch heiß gegessen entschädigen dafür. Bis zur rumänischen Grenze suchen wir uns immer Seen zum Übernachten, so können wir uns wenigstens beim Baden abkühlen.
Eine lange heiße Fahrt durch riesige Getreidefelder und den ewig langen Dörfern führt uns nach Craiova, denn wir brauchen unbedingt einen Waschsalon. Schön kühl da drinnen! Den Lkw parken wir dann neben einem Fußballstadion und gehen am Abend noch in die Stadt zum Essen. Für mich gibt es Sarmale (rumänische Krautwickerl) mit saurer Sahne und Kartoffeln. Sehr lecker! Zu einem Absacker noch in eine Kneipe mit Wasserventilatoren! Das ist dann einigermaßen verträglich. Es ist 23:00 und es hat noch immer 30°.
Nördlich von Hunedoara befinden sich die „Giardini di Zoe“, ein parkähnlicher angelegter Garten auf einem kupierten Gelände, der von einem Italiener gebaut wurde und sich so seine italienische Heimat nahebrachte. Statuen, Springbrunnen, mit Buchs gesäumte Pfade, Rosen, viele Sommerblüher, einfach sehr schön! Im kleinen Café gibt es für uns ein kühles Eis.
In Arad kapitulieren wir dann vollends vor der Hitze, flüchten in der wohl schönen Stadt mit ihren Prachtbauten in diverse Cafés, ein Thermometer zeigt 41° an. Erträglich wird es erst am Stadtrand auf einem Klosterparkplatz, nachdem ein Gewitter mit ordentlich Regen niedergeht. Überall ist Stromausfall, nur bei den Hubers nicht!
Bei Borş, nähe der ungarischen Grenze, finden wir noch ein Plätzchen an einem Fluss zum Erholen. Mir hat es die abenteuerliche Hängebrücke angetan, Wolfgang beobachtet die diversen Möglichkeiten der Flussquerung, zu Fuß, Huckepack, mit Pferdekarren.
Nun wieder schnellstmögliche Ungarndurchquerung und wieder in die Slowakei. Diesmal führt uns der Weg durch die niedere Tatra, über kleine Pässe und durch schmucke Dörfer. Doch wir wollen an den Mikulasc-Stausee. Endlich wieder Wasser. Um den radeln wir dann großzügig rum, entdecken noch mal eine Artikularkirche, noch schöner als die in Hronsek und ergattern in einer Marina ein sauteures Steckerleis. Leider habe ich mir beim Baden im See einen spitzen Stein eingetreten. Ich habe ihn zwar rausoperiert, kann aber nicht auftreten. Somit fällt die Stadtbesichtigung von Kromeriŝž aus und wir radeln stattdessen an der Moravia entlang. Bei einem kleinen Kiosk gibt es sehr gute, selbst gemachte Erdbeerlimonade!
Heute haben wir die längste Fahrstrecke dieser Reise: 275 km! Nur ein Stopp zum Baden und dann auf den bekannten Platz in Písek bei den Sportstätten. Von da ist es auch nur ein Katzensprung auf die Halbinsel in der Otava, wo es einen netten Biergarten gibt. Und dann folgt die heißeste Nacht der Reise: Wolfgang verbringt sie auf der Treppe draußen in der Hoffnung auf einen Luftzug. Eigentlich haben wir nur mehr 115 km nach Hause, aber wir machen heute noch die letzte Radtour vorbei an den vielen Seen und durch die hübschen Dörfer, auch der Biergarten muss noch mal besucht werden, bevor wir morgen dann endgültig heimfahren!
Kurzes Fazit: Es hat uns sehr gut gefallen, wir haben viele neue Orte und Sachen entdeckt, aber auch bekanntes. In den besuchten Ländern – bis auf Ungarn – kann man sich sehr gut versorgen, lecker und preiswert Essen gehen und vor allem Trinken. Die Landschaft ist überall toll, klar gibt es Industrien, aber da muss man ja nicht bleiben und das Müllproblem hat man weitgehend im Griff. Freistehen ist gar kein Problem , wir waren nicht einmal auf einem Campingplatz, sog. Stellplätze gibt es eh nicht. Wir können es nur empfehlen!
In Rumänien angekommen entern wir erst mal einen Carrefour um leckere Lebensmittel einzukaufen, bevor wir uns an einem See im Nordosten niederlassen. Eine schweißtreibende Radtour über die Dörfer, aber leider ohne Machete, führt uns durch urige Dörfer, aber kein Café weit und breit. Ein Penny rettet uns mit Steckerleis. Viel Zeit verbringen wir im Bărsana-Kloster, das uns mit den vielen, blumengeschmückten Gebäuden im traditionellen Stil, obwohl es erst vor ca. 30 Jahren erbaut wurde, in seinen Bann zieht. Dazu trägt natürlich bei, dass der Gottesdienst per Lautsprecher über das gesamte Gelände übertragen wird.
Danach verlassen wir die Maramureş und gelangen über den mit seinen durch Skilifte und vielen Baustellen verschandelten Prislop-Pass in die Bukowina. Die Landschaft wird nun offener, die Berge hügeliger und neben den traditionellen Holzhäusern finden sich schon sehr viele Betonklötze. Mit dem Rad geht es zu zwei Moldauklöstern: Voroneţ, berühmt wegen seiner blauen Farbe und Humor. Sehr ähnlich wird auf beiden in mehr oder weniger gut erhaltenen Fresken die Schöpfungsgeschichte, das Jüngste Gericht, Kreuzfahrten u. v. m. dargestellt. Nervig sind die lautstarken, spanischen Reisegruppen.
Im Ceahlău-Gebirge machen wir drei Tage „Urlaub“ am Lacul Izvorul. Das Wetter ist super, angenehm warm und es regnet nur bei einer Radtour über eh schon schwieriges Terrain. Die berühmte Bicaz-Schlucht lassen wir links liegen, fahren durch eine brettlebene, karge Landschaft, wo es außer riesigen, bewässerten Getreide- oder Sonnenblumenfeldern nicht zu sehen gibt, an die Donau nach Brăila. Das drohende Unwetter bringt eine besondere Stimmung in die Stadt, aber wir kommen nach einem leckeren Restaurantbesuch trockenen Fußes zum Lkw.
Von hier ist es nicht mehr weit ins Donaudelta. Im letzten befahrbaren Ort Murighiol gibt es für uns einen tollen Platz direkt am See. Das abendliche Froschkonzert ist einmalig! Am nächsten Morgen geht ein bombastisches Gewitter nieder, der Lkw hat arg gewackelt und im Ort ist Stromausfall und es gibt riesige Wasserlachen. Fantastisch ist Fischsuppe mit allem drum und dran in einer Agripensiun.
Bei einer Bootstour im Delta sehen wir Schwäne, Reiher, Kormorane, Albatrosse, Pelikane, Adler, Haubentaucher, Eisvögel, Seeschwalben, Falken und noch mehr. Auch ausgedehnte Seerosenfelder, Schilf ohne Ende,, alte Bäume und Fischerdörfer sind toll anzusehen. Doch leider werde ich seekrank, so dass der Bootsführer mit Zustimmung der beiden anderen Passagiere, die Tour nach zwei Stunden vorzeitig abbricht. Am Abend geht es mir wieder gut und ich kann schon wieder einen Sundowner zu mir nehmen! Es wird zunehmend heißer und wir fahren mit ein paar Stopps an der Küste entlang zur bulgarischen Grenze. Rumänische Badeorte sind gar nichts für uns.
Hiasl ist wieder unterwegs!
Nach einer langen krankheitsbedingten Pause machen wir uns auf den Weg nach Osteuropa. Es macht uns viel Spaß durch Tschechien und die Slowakei zu fahren, durch die wunderschönen Alleen und durch die saftig-grüne Hügellandschaft. Wir übernachten meist in kleineren Städten wie Písek, Telč und Blansko. Von dort erkunden wir die Gegend auf gut ausgeschilderten Radwegen die Umgebung. Blansko ist im Mährischen Karst und es geht die Mocaka-Schlucht mit vielen Höhlen durch einen wilden Naturpark steil mit den Bikes rauf und runter. Die meisten anderen Touristen bevorzugen die Fahrt mit der Seilbahn! In Olomouc laufen wir die Sehenswürdigkeiten wie Uhrturm, Dreifaltigkeitssäule, Altstadt, Burg, Wenzelsdom und den botanischen Garten ab, bevor wir unseren Hochzeitstag bei einem leckeren nepalesischen Restaurant ausklingen lassen. Interessant ist auch die Infrastruktur an einem Badesee bei Hodslavice: eine Holzsäule mit USB-Anschlüssen, Stecker für Kühlboxen, Lademöglichkeiten für E-Bikes und ein offenes WLAN! In Rožnov schauen wir uns das „Walachische Dorf“ in einem Freilichtmuseum an. Die knapp 30 Holzhäuser, meist um die 150 Jahre alt, geben einen guten Einblick über das sehr karge Leben damals. Das erste Highlight in der Slowakei ist dann Čičmany, wo der ganze Ort aus Holzhäusern mit weißen Ornamenten besteht, sehr schön! Bei einer Radtour kommen wir leider an einem schweren Motorradunfall vorbei. Nach Hronsek fahren wir wegen einer Artikularkirche aus Holz. Super ist auch der Stellplatz am Fluss und die einzige, offene Kneipe! Banska Bystrica besticht durch sein italienisches Flair, wobei das tolle Wetter auch nicht ganz unbeteiligt ist. In der Hohen Fatra geht es an großen, modernen Skigebieten vorbei nach Vlkolinec mit seinen vielen, bunten Holzhäusern, aber nur mehr ca. 50 Einwohnern. Lange sitzen wir in einem winzigen Café, genießen die Sonne und dazu Bossa Nova! Schon von weitem sieht man die Zipser Burg, wo wir auch prima auf dem oberen Parkplatz übernachten können. Leider wird gerade renoviert, so dass wir nur einen kleinen Teil besichtigen können, aber alleine schon die Außenanlagen sind beeindruckend. Trebišov ist die letzte Station in der Slowakei. Roma prägen das Stadtbild und der große, schattige Stadtpark. Bei zunehmender Hitze wird sowas immer wichtiger. Viel Nerven kostet uns dann das Buchen der ungarischen Maut. Wir suchen uns die kürzest mögliche Strecke. Aber auch da kosten die 80 km bemautete Straße für uns 21,60€. Nein, Ungarn mag ich nicht. Halsabschneider und immer unfreundlich.
Alte Einträge von 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021 und 2022.
Oder nach Ländern sortiert....
Wir müssen leider wieder durch Brikama und stehen wieder wegen nichts 1 Stunde im Stau! So nervig!
Ab hier dann schnurstracks nach Süden zu dem kleinen Grenzübergang in Jiboro. Und hier geht alles schnell, freundlich und ganz ohne Kosten von statten. In der nächsten größeren Ortschaft wollen wir noch eine neue SIM-Karte kaufen, aber Fehlanzeige, trotz der Hilfe eines Einheimischen. Na gut, dann fahren wir eben weiter. Die Straße ist in einem erbärmlichen Zustand, im Slalom umschiffen wir die sehr tiefen und großen Schlaglöcher und wenn es mal ein paar Meter besser ist, dann kommt garantiert ein bump! In Bignona brauchen wir eine Pause und finden auch noch einen Orange-Shop, so dass wir endlich wieder Internet haben. Man braucht halt Geduld für so ein Geschäft. Es ist heiß und wir fallen in die nächste Kneipe auf Cola und Fanta ein. Bei uns am Tisch, dem einzigen, sitzt noch ein Belgier, der vor sechs Jahren hierher ausgewandert ist. Bewundernswert, mir fallen auf Anhieb mehrere Länder ein, wo es mich viel mehr hinziehen würde. So nebenbei beobachte ich einen Mopedfahrer, der sein Gefährt belädt: hinten auf dem Gepäckträger kommt ein Kasten Bier und darauf noch eine Palette mit Coladosen, dann nimmt er Platz und schiebt sich noch eine Schachtel mit 12 Flaschen Wein zwischen die Beine und darauf noch mal Softdrinkdosen! Für uns geht es noch nach Ziguinchor weiter, wo wir uns in der Nähe des Fischerhafens auf einen Parkplatz direkt am Casamance River stellen. Puh, die Hitze hat uns heute ganz schön zu schaffen gemacht und darum haben wir trotz des eher unangenehmen Geruchs keine Lust mehr, was anderes zu suchen.
Wir müssen nun die zweite und letzte Verlängerung des Passavants beim Zoll machen und danach unsere Vorräte beim Auchan aufstocken, Obst und Gemüse gibt es wie immer bei den Ständen auf der Straße. In westlicher Richtung ist in Mlomp ein kleines Museum über das Volk der Diola. Die Ausstellung ist in einer originalen Rundhütte untergebracht. Sehr interessant ist das Trichterförmige Dach, das den Regen somit ins Innere der Hütte leitet. Das Wasser wird in großen Tontöpfen aufbewahrt, wodurch durch die Verdunstungskälte der Innenraum abgekühlt wird. Nur schade, dass heute alle danach streben in einem gemauerten Haus zu wohnen und ich glaube nicht, dass diese länger stehenbleiben, denn die selbstgemachten Ziegel bestehen nur aus Sand und Wasser und mit wenig Zement. Des weiteren können wir uns über die Fetischwelten, Wiedergeburt und etwas weltlicher über Haushalts- und landwirtschaftliche Gegenstände informieren. Es ist sehr interessant! Vor dem Museum stehen zwei riesige Fromager-Bäume, die schon eine imposante Erscheinung sind mit den wuchtigen Bretterwurzeln. Da kommt der Hiasl gar nicht groß raus! Über eine Piste fahren wir zur Pointe de St. Georges, wo man mit viel Glück Seekühe beobachten kann. Da ich noch einen Spaziergang unternommen habe, hatte ich das Glück! Aber außer Schwanzflossen und ab und zu auftauchende Rücken, hab ich ehrlicherweise nichts gesehen. Auch für die Bootstouristen sind wir deshalb das lohnendere Ziel und sie wollen alles ganz genau wissen über unsere Reise.
Auf der Rückfahrt von der Pointe de Georges haben wir eine kleine Kletterpartie ins Auge gefasst, nämlich über eine Seiltreppe auf einen großen Fromager hinauf. Aber als wir dort ankommen sind noch acht Personen vor uns und zwei Kinder gerade am Einstieg. Als nach einer Viertelstunde die Kinder immer noch nicht unten sind, gehen wir wieder zum Lkw zurück, ein bisschen enttäuscht, aber eine Wartezeit von ca. 1 1/2 Stunden ist uns dann doch zu viel. Dafür möchten wir uns eine Cashewnüsse-Farm ansehen. Tja, der Hiasl passt nicht unter den Bäumen durch, so machen wir uns zu Fuß auf. Ein etwas unmotivierter junger Mann zeigt uns nun das Leben einer Cashew-Nuss. Aktuell hängen an den riesigen Bäumen nur noch wenig Nüsse. Diese werden dann zuerst gekocht, danach kann die Schale geknackt und entfernt werden und dann erfolgt noch die Röstung. Und dann natürlich der Verkaufsstand. Wir haben uns eine Tüte geleistet, obwohl sie recht teuer sind, aber es steckt ja auch viel Arbeit dahinter.
So jetzt reicht es aber wieder mit Kultur und wir fahren direkt nach Cap Skirring zum Camping Sénégalois, den die Franzosen Tony und Sandrine betreiben. Dementsprechend viele Franzosen sind auch hier und ein Schweizer Paar und ein allein reisender Norweger aus Tromsö! Und hier bleiben wir gleich vier Nächte! Mal laufen wir zu Fuß in den Ort, ca. 2 km, ein bisschen shoppen, aber das macht mit Wolfgang keinen Spaß, gehen täglich hinunter zum Meer, wo man bei etwa 25° und nicht allzu starken Wellen gut schwimmen kann und gönnen uns zweimal ein Abendessen in einem der vielen Restaurants. Leider hat Tony kein passendes Schwein für den Grill gefunden: entweder zu klein für alle Gäste oder viel zu groß. Und wir haben uns schon so darauf gefreut. Zu unserer Überraschung tauchen am vorletzten Tag noch Joel und Katja auf, die mit ihrem IVECO auf der Eisenerzbahn-Piste gestrandet sind. Drei Wochen haben sie für das Abschleppen und die Reparatur dann in Marokko gebraucht!
Wir haben hier unseren Umkehrpunkt erreicht, d. h. es geht nun immer in nordöstliche Richtung! In Ziguinchor kaufen wir mal wieder ein und fahren noch ein paar Kilometer weiter nach Niaguis, Dort finden wir nicht die richtige Straße zum Camp Chez Virginie und wir haben so noch eine heftige Geländeeinheit, aber dann sind wir da. Es ist nicht viel Platz im inneren Bereich, auch weil schon drei 4x4-Vans da sind. Zwei kennen wir schon vom letzten Platz. Kurzerhand werden zwei Büsche abgehackt und einen machen wir noch nieder und dann passt es! Am Abend werden wir alle von Virginie bekocht: mit Fisch gefüllte Teigtäschchen und Sauce, Kartoffelgratin und Rindfleischstreifen und die obligatorische Zwiebelsoße (mit der ich mich nicht anfreunden kann), eingelegte Melone mit Baobab-Eis und Weißen Rum, Bier, Rotwein aus Togo, Saft und Wasser und das alles für 13€ für uns beide. Und es war sehr lecker!
Ab jetzt wird es leider viele Fahrtage geben, so auch heute. Auf senegalesischer Seite fahren wir südlich von Gambia bis zu einem kleinen Grenzübergang nach Gambia. Heute läuft alles korrekt ab, d. h. es wandert kein Geld in irgendwelche Taschen. Die Straße war überraschend gut, aber wie auch die letzten Tage ist es drückend heiß und so hängen wir nur vor dem Auto im Schatten ab, als wir am frühen Abend in Pakalinding das Roadside Café zum Übernachten erreichen. Es wird von einem Schotten betrieben und er hat hochtrabende Pläne für das Gelände, mal schauen, ob er das neben der viel befahrenen Straße und auch noch neben einer Moschee mit einem sehr ambitioniertem Muezzin verwirklichen kann. Wir müssen wieder über die Brücke des Gambia River und dann fahren wir auf der North Bank Road entlang des Flusses nach Kuntaur. Wir parken auf dem Dorfplatz und sind sofort von einer Kinderschar umringt. Da ich stark erkältet bin und echt keine Nerven für Kinderunterhaltung habe, läuft Wolfgang mit allen zu einem Minilädchen und kauft ihnen einen Fußball, in der Hoffnung, dass sie dann mal eine Zeitlang beschäftigt sind. Klappt so leidlich. Wir haben mit dem jungen Tourguide Amadou für 16:00 eine Bootstour ausgemacht. Aber nur eine kurze, da ich ja nicht so seetauglich bin und jetzt auch noch erkältet. Aber alles geht gut! Wir fahren auf dem breiten Fluss im Gambia River Nationalpark an Mangrovenwäldern entlang, die Palmblätter reichen bis ins Wasser und dann erreichen wir Baboon Island und bald darauf sehen wir die Schimpansen in den Bäumen rumturnen oder träge die Menschen beobachten. Die Tiere kommen vor allem aus europäischen Zoos und werden hier ausgewildert, aber trotzdem ist es toll sie in freier Natur zu beobachten. Weiter geht die Fahrt und dann auf einer Sandbank sehen wir die Flusspferde träge am Ufer liegen. Amadou lässt das Boot ohne Motor leise dahingleiten, aber sie bemerken uns dann doch und eins nach dem anderen gleitet erstaunlich schnell ins Wasser und dann tauchen sie ab. Nur wohin? Wir schauen noch mal bei den Affen vorbei und dann ist die Zeit auch schon rum. Superschön war es und der Umweg hat sich echt rentiert!
Bevor es wieder in den Senegal geht, schauen wir uns im Nachbardorf noch die Steinkreise von Wassu an. Davon gibt es hier im senegambischen Gebiet sehr viele, sie sind so um die 1500 Jahre alt und dienten als Beerdigungsplatz. Als Grabbeigaben hat man oft Speere und Schmuck gefunden. Das kleine Museum könnte eine Modernisierung brauchen oder zumindest sollten mal die Exponate abgestaubt werden. Über eine Sandpiste erreichen wir die kleine Grenze bei Maka Gonye. Dort sind zwei Beamte abgestellt. Einer ist zuständig für die Passkontrolle und mangels Computer werden unsere Daten sorgfältig in ein großes Buch eingetragen. Währenddessen besuchen wir den Zollbeamten, der leider Schwierigkeiten hat zum 17. Februar 15 Tage auf zu addieren. Als ich ihm noch erkläre, dass der Februar nur 28 Tage hat, fällt der Groschen und wir dürfen gehen. Da muss jemand ganz schön geschmiert haben, damit dieser einen Job beim Zoll bekam! Auf dem Weg zur Hauptstraße rauf kommen wir durch viele Dörfer, wo es nicht gerade nach Wohlstand schreit. Aber es ist Leben auf den Wegen, es wird geratscht, gelacht, geschimpft und gearbeitet. Wir sehen viele Agrarprojekte, wo die Leute Salate, Kräuter, Tomaten, Kürbisse usw. anbauen, oft sind Tafeln da, wo man liest, wer hier fördert, z. B EU, oft Japan. Ab Koungheul brausen wir auf einer neuen Teerstraße bis kurz vor Kaolack, wo wir uns neben einer Saline am Saloum River niederlassen.
Nach einer mückenreichen Nacht stürzen wir uns ins Gewimmel von Kaolack. Wir haben kein Geld mehr, brauchen noch Diesel und der Kühlschrank ist auch leer. Die Bank ohne Gebühren ist in der Nähe eines Auchan und eine Tankstelle auch gleich um die Ecke. Aber eine plötzliche Straßensperrung führt uns dann direkt ins Marktviertel. Puh, das ist teilweise ganz schön eng und die Leute haben wohl auch Angst um ihr Zeug. Und wir sind ja auch nicht die Einzigen mit einem Auto hier, aber die größten. Mit viel Schweiß und Fluchen finden wir endlich hinaus und parken bald am Auchan, laufen zu Fuß zur Bank und bei der zweiten Tankstelle gibt es dann auch Sprit! Dort stellen wir dann fest, dass der Tacho nicht mehr weiterzählt - Geschwindigkeit war schon immer eine Schätzerei - und das ist doof, weil wir nun nicht mehr genau wissen, wann wir von einem Tank auf den anderen umgeschaltet haben. Denn die Tankuhren gehen nach der Giesinger Heuwaage! Wir steuern einen bekannten Platz bei Fattick an, dort gibt es gutes Internet und ich werde tatsächlich fündig und bestelle sofort den letzten passenden Tacho. Wir bekommen ihn zwar erst, wenn wir unsere Tochter Anfang Mai treffen, aber was man hat, hat man.
Obwohl die Straße Richtung Thies relativ gut ist, gönnen wir uns dann doch noch ein paar Kilometer Autobahn. Ab Thies ist eh Schluss damit und wir wollen ja auch noch Körbe kaufen, die besonders hier in der Gegend produziert und am Straßenrand angeboten werden. Wolfgang erledigt wichtige Dinge am Handy, während ich harte Verhandlungen führe und mit diversen Körben zum Hiasl zurückkomme. Wir wollen noch mal ans Meer und biegen in Tivaouane links ab nach Mboro. Aber hier wird die Straße grottenschlecht, teilweise weiß man gar nicht, wo man überhaupt fahren soll. Und der chaotische Verkehr der Einheimischen macht das Ganze auch nicht besser. Aber wenn man denkt, schlimmer geht es nicht mehr, wird man aktuell in Mboro eines besseren belehrt. Die Durchfahrt ist gesperrt und nein, es gibt keine Hinweise darauf. Erst als nichts mehr geht, wissen auch wir es. Aber gut, dass wir ein ziemlich geländegängiges Fahrzeug haben und wir schaffen dadurch einen großen Abbruch und auch das Hindernis alter Laternenpfosten. Auf Nebenstrecken kämpfen wir uns durch, bis irgendein Dödel in einer engen Gasse vor einer Kurve parkt und der Gegenverkehr natürlich keine Sicht hat. Also treffen wir alle schön in der Kurve aufeinander, nichts geht mehr. Passanten winken in alle Richtungen, die Fahrer schreien wild durcheinander, Wolfgang gleich mit, bis endlich mal einer der hinteren Autos rückwärts fährt und sich dann das Knäuel auflösen kann. Was sind wir froh, als wir endlich aus dem Kaff draußen sind und über eine gute Piste einen windigen Platz am Meer erreichen. Tja, mit gemütlich vor dem Lkw sitzen ist nicht, also gibt es die Beruhigungshalbe indoor!
Eigentlich wollten wir hier zwei Tage bleiben, aber es ist uns zu windig und zu kalt hier. Also wieder zurück nach Mboro, diesmal eine ausgeschilderte Umleitung und nicht ganz so chaotisch und dann kommt eine super Piste durch ein paar kleine, saubere Dörfer und links und rechts landwirtschaftlich genutzte Felder. Die Tomaten- und Kartoffelernte ist gerade voll im Gang. Es wird alles per Hand gepflückt und ausgegraben und dann mit Eselskarren zum Markt gefahren. Wir haben den Hiasl am Dorfrand abgestellt, denn auf der Straße ist kein Durchkommen mehr! Obwohl es hier eher die „Metro“ der Märkte ist, haben wir ganz frisches Gemüse auch in Zwei-Personen-Portionen bekommen! Danach geht es über eine gute Teerstraße zur berühmten Zebrabar an der Langue de Barbarie. Also uns hat es nicht vom Hocker gerissen, teuer, Sanitäranlagen naja, WiFi schlecht. Wir haben Martina und Volker (flip-tv-weltreise) getroffen und den üblichen Ratsch unter Reisenden abgehalten. Schön euch getroffen zu haben! Als wir am nächsten Tag einen Spaziergang an der Lagune machen, haben wir eine unangenehme Begegnung mit einer Gruppe Jungen. Die haben doch tatsächlich von hinten mit Steinen nach uns geworfen. Einfach so, ohne Grund. Wir haben sie angebrüllt , aber richtig nachhaltig ist das nicht. Aber was sie gar nicht mögen, wenn man das Handy zückt. Das ist dann mein Part und Wolfgang tut so, als ob er auch Steine wirft. Irgendwann werden wir sie los, aber bei so was könnte ich kotzen. Am Abend trudeln dann noch ca. 50 Fahrzeuge der Budapest-Bamako-Rally ein. Da wird es ganz schön voll! Der Wahnsinn, die sind erst vor zwei Wochen in Budapest gestartet! Und in einer Woche sind sie am Endpunkt in Sierra Leone, denn Mali geht nicht mehr.
In der Früh ist dann der Spuk vorbei und wir haben nun den Platz fast ganz für uns alleine. Aber Klopapier ist alle! Wir tanken noch Wasser und fahren die kurze Strecke nach St. Louis, wo wir den Hiasl gleich zu Beginn der Altstadt abstellen. Von hier lassen wir uns ganz dekadent mit der Kutsche und dem Guide Mohammed durch den historischen Stadtkern auf der Insel fahren. Der Nordteil besticht durch die alten Kolonialhäuser, teils mit sehr morbidem Charme, die auch zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Sehr hübsch, aber etwas steril. Im Südteil pulsiert das Leben in den engen Gassen um den Fischerhafen, wo laut Guide ca. 2000 Pirogen liegen. Die Menschen leben hier sehr eng zusammen und es sind oft ziemlich dunkle und schmutzige Löcher, die als Behausungen dienen. Auf den auslaufenden Pirogen sieht man auch Kinder, vielleicht 6-8 Jahre alt, die schon mit rausfahren müssen. Oft mehrere Wochen, teils bis nach Guinea. Mohammed sagt, durch die Polygamie - bis zu vier Frauen und von jeder 4 – 6 Kinder - müssen eben alle mitarbeiten, damit es was zu beißen gibt. Es war eine tolle Tour, wir haben viel gesehen, gelernt, aber auch viel zum Nachdenken bekommen. Unser letzter Abend im Senegal bricht an und den verbringen wir in der Nähe des Grenzortes Diama, abseits der Straße mit einem kleinen Lagerfeuer.