Unser Pössl bekommt eine zweite Chance! Es geht ab in den Norden Deutschlands. Erste Station nach einer Regenfahrt und 7° ist Marienbad in Tschechien. Dort sind die wunderschön restaurierten Prachtbauten aus der Jugendstilepoche toll zum Ansehen, doch uns zieht es zur Kolonade Maxim Gorki, eine riesige, an den Seiten offene Halle mit viel Eisenstreben, kleinen Cafés darin und an einer Längsseite die Wandelhalle mit drei Heilwasserquellen. Es riecht brutal nach Schwefel und da halten wir uns mit dem Probieren dezent zurück. Wir laufen trotz Regen noch durch den hübsch angelegten Kurpark und schauen noch in die Eingangshalle eines vornehmen Hotels. Allerdings ist alles wie aus der Zeit gefallen und nur alte Leute, haha!
So, jetzt ist es soweit: der Hiasl hat Nachwuchs bekommen! Und zwar einen Citroën Jumper mit klassischem Kastenwagenausbau, sechs Meter lang mit Querbetten – das sind wir so gewöhnt - der Fa. Pössl. Von uns kam noch hinzu: Radträger mit 50 kg Nutzlast, Büttner Solaranlage mit 220 WP und eine LiFePo4 Untersitzbatterie mit 200 Ah. Die Kassettentoilette wurde durch eine Komposttoilette ersetzt und im „Kofferraum“ wurde ein Vollauszug für Euroboxen gebaut.
Kurz nach der Grenze zu Bulgarien stellen wir uns bei Krapets etwas erhöht an den Strand. Wir müssen uns mal wieder ein bisschen erholen, gehen schwimmen, spazieren am Strand entlang und fahren mit dem Rad in die nächste Stadt Shabla zum Geldautomaten. Um die Hauptstraße mit den türkischen Lkw-Fahrern zu vermeiden, versuchen wir es über Umwege auf Feldwegen. Aber die sind mehr Feld als Weg, zurück bevorzugen wir dann doch Teer! Auf dem Weg zum nächsten Strand kommen wir durch Kavarna, wo wir uns auf dem Markt mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Am Heros-Beach bei Topola finden wir einen kleinen Parkplatz nur wenige Meter runter zum Schwarzen Meer. Das Wasser ist glasklar und hat laut meinem Bratenthermometer 20°, also alles bestens, wenn wir nur einen Sonnenschirm hätten! Aber der Lkw schmeißt ja meist genug Schatten. Die Abende verbringen wir in einer netten Strandbar mit kaltem Weißwein und Bier.
Jetzt geht es weg vom Meer mit einem kurzen Abstecher zum Felsenkloster Aladija, wo man am Parkplatz bestes Wasser bunkern kann, zuerst auf übler Schlaglochstraße, dann auf Autobahn nach Prowadia. Nun führt uns eine sehr steile und enge Schotterstraße hinauf zur Ovech-Festung. Da sind wir natürlich die einzigen! Am frühen Abend steigen wir hinauf und genießen die Aussicht zwischen Steingräbern, Zisternen und alten Karrenspuren.
Unser nächstes Ziel ist das Hochplateau über Shumen, wo das schon von weitem sichtbare „Monument zur Gründung des bulgarischen Staates“ steht. Ein gewaltiger Betonbau mit riesigen, groben Steinfiguren, Köpfen, Pferden, Inschriften und dunkle, große Mosaiken wegen der Christianisierung. Muss man mal gesehen haben. Allerdings ist es so heiß, dass wir nur von einem Schatten in den nächsten flüchten.
An einem See werde ich von einer älteren Dame zum Kirschenpflücken in ihrem Garten eingeladen. Sie spricht ganz gut deutsch, weil sie in der Rente fünf Jahre in Deutschland als Pflegerin gearbeitet hat. Mit zwei großen Schüsseln Kirschen und einem guten Gespräch werde ich herzlich von ihr verabschiedet. In Velika Tarnovo, der alten Hauptstadt, laufen wir durch die Stadt auf der Suche nach Brot, werden aber nicht fündig und kehren stattdessen in einer Bar ein, wo es ein eiskaltes Bier und einen warmen Wein gibt. Tja, das ist heute nichts, aber wir werden später noch mit einer netten Lichtshow an der Festung belohnt!
Durch schöne Berglandschaft fahren wir rauf auf den Shipka-Pass, trinken schnell einen Cappuccino, aber hinauf zum Monument ist es uns zu heiß. Macht nichts, wir waren eh schon mal da. Und der nächste Betonklotz wartet ja schon auf uns. Auf dem Gipfel des Buzludzha steht das Ufo-ähnliche Riesenmonument der Kommunisten. Der Zerfall ist sehr deutlich zu sehen, Zutritt ist verboten, was auch von einem Posten überwacht wird. Am Abend treffen noch zwei Reisepaare ein, Italiener, die aus Indien kommen und Birgit und Max aus Bayern, die im Iran waren. Es wird ein netter Abend! Hier oben ist die Hitze besser verträglich und wir bleiben noch, machen Spaziergänge und lesen. Wir bekommen noch ein spektakuläres Gewitter mit extremem Starkregen und einem heftig schaukelndem Lkw. Ich bin froh, als es vorbei ist!
Über Kazanlak fahren wir durchs Rosental, das uns aber enttäuscht. Denn die wenig verbliebenen Rosenfelder sind schon fast verblüht und der Rest sind wie immer Getreide- oder Sonnenblumenfelder. An einem Fluss, ca, 30 km vor Plovdiv, bleiben wir über Nacht, aber die 30 cm Wasser taugen nicht wirklich zum Abkühlen. Am nächsten Vormittag regnet es, aber dadurch wird es nur schwül. In Plovdiv hat sich in den letzten acht Jahren nicht viel verändert. Es gefällt uns noch genauso gut, die Freßmeile hat sich vergrößert. Aber in der Fußgängerzone gibt es so gut wie keine Leerstände, trotz der Malls außen rum.
Die extreme Hitze macht uns immer mehr zu schaffen, so dass wir kaum was unternehmen. Die Erdpyramiden von Stob nur von unten und zum Rila-Kloster auch mit dem Auto, nicht wie geplant mit dem Rad. Ja, da sind wir nicht allein, aber die Masse verläuft sich und das Kloster ist einfach traumhaft schön. Das WC ist allerdings ein olfaktorisches Erlebnis! Die Mekitsa (Auszogne) mit Zucker und noch heiß gegessen entschädigen dafür. Bis zur rumänischen Grenze suchen wir uns immer Seen zum Übernachten, so können wir uns wenigstens beim Baden abkühlen.
Eine lange heiße Fahrt durch riesige Getreidefelder und den ewig langen Dörfern führt uns nach Craiova, denn wir brauchen unbedingt einen Waschsalon. Schön kühl da drinnen! Den Lkw parken wir dann neben einem Fußballstadion und gehen am Abend noch in die Stadt zum Essen. Für mich gibt es Sarmale (rumänische Krautwickerl) mit saurer Sahne und Kartoffeln. Sehr lecker! Zu einem Absacker noch in eine Kneipe mit Wasserventilatoren! Das ist dann einigermaßen verträglich. Es ist 23:00 und es hat noch immer 30°.
Nördlich von Hunedoara befinden sich die „Giardini di Zoe“, ein parkähnlicher angelegter Garten auf einem kupierten Gelände, der von einem Italiener gebaut wurde und sich so seine italienische Heimat nahebrachte. Statuen, Springbrunnen, mit Buchs gesäumte Pfade, Rosen, viele Sommerblüher, einfach sehr schön! Im kleinen Café gibt es für uns ein kühles Eis.
In Arad kapitulieren wir dann vollends vor der Hitze, flüchten in der wohl schönen Stadt mit ihren Prachtbauten in diverse Cafés, ein Thermometer zeigt 41° an. Erträglich wird es erst am Stadtrand auf einem Klosterparkplatz, nachdem ein Gewitter mit ordentlich Regen niedergeht. Überall ist Stromausfall, nur bei den Hubers nicht!
Bei Borş, nähe der ungarischen Grenze, finden wir noch ein Plätzchen an einem Fluss zum Erholen. Mir hat es die abenteuerliche Hängebrücke angetan, Wolfgang beobachtet die diversen Möglichkeiten der Flussquerung, zu Fuß, Huckepack, mit Pferdekarren.
Nun wieder schnellstmögliche Ungarndurchquerung und wieder in die Slowakei. Diesmal führt uns der Weg durch die niedere Tatra, über kleine Pässe und durch schmucke Dörfer. Doch wir wollen an den Mikulasc-Stausee. Endlich wieder Wasser. Um den radeln wir dann großzügig rum, entdecken noch mal eine Artikularkirche, noch schöner als die in Hronsek und ergattern in einer Marina ein sauteures Steckerleis. Leider habe ich mir beim Baden im See einen spitzen Stein eingetreten. Ich habe ihn zwar rausoperiert, kann aber nicht auftreten. Somit fällt die Stadtbesichtigung von Kromeriŝž aus und wir radeln stattdessen an der Moravia entlang. Bei einem kleinen Kiosk gibt es sehr gute, selbst gemachte Erdbeerlimonade!
Heute haben wir die längste Fahrstrecke dieser Reise: 275 km! Nur ein Stopp zum Baden und dann auf den bekannten Platz in Písek bei den Sportstätten. Von da ist es auch nur ein Katzensprung auf die Halbinsel in der Otava, wo es einen netten Biergarten gibt. Und dann folgt die heißeste Nacht der Reise: Wolfgang verbringt sie auf der Treppe draußen in der Hoffnung auf einen Luftzug. Eigentlich haben wir nur mehr 115 km nach Hause, aber wir machen heute noch die letzte Radtour vorbei an den vielen Seen und durch die hübschen Dörfer, auch der Biergarten muss noch mal besucht werden, bevor wir morgen dann endgültig heimfahren!
Kurzes Fazit: Es hat uns sehr gut gefallen, wir haben viele neue Orte und Sachen entdeckt, aber auch bekanntes. In den besuchten Ländern – bis auf Ungarn – kann man sich sehr gut versorgen, lecker und preiswert Essen gehen und vor allem Trinken. Die Landschaft ist überall toll, klar gibt es Industrien, aber da muss man ja nicht bleiben und das Müllproblem hat man weitgehend im Griff. Freistehen ist gar kein Problem , wir waren nicht einmal auf einem Campingplatz, sog. Stellplätze gibt es eh nicht. Wir können es nur empfehlen!
In Rumänien angekommen entern wir erst mal einen Carrefour um leckere Lebensmittel einzukaufen, bevor wir uns an einem See im Nordosten niederlassen. Eine schweißtreibende Radtour über die Dörfer, aber leider ohne Machete, führt uns durch urige Dörfer, aber kein Café weit und breit. Ein Penny rettet uns mit Steckerleis. Viel Zeit verbringen wir im Bărsana-Kloster, das uns mit den vielen, blumengeschmückten Gebäuden im traditionellen Stil, obwohl es erst vor ca. 30 Jahren erbaut wurde, in seinen Bann zieht. Dazu trägt natürlich bei, dass der Gottesdienst per Lautsprecher über das gesamte Gelände übertragen wird.
Danach verlassen wir die Maramureş und gelangen über den mit seinen durch Skilifte und vielen Baustellen verschandelten Prislop-Pass in die Bukowina. Die Landschaft wird nun offener, die Berge hügeliger und neben den traditionellen Holzhäusern finden sich schon sehr viele Betonklötze. Mit dem Rad geht es zu zwei Moldauklöstern: Voroneţ, berühmt wegen seiner blauen Farbe und Humor. Sehr ähnlich wird auf beiden in mehr oder weniger gut erhaltenen Fresken die Schöpfungsgeschichte, das Jüngste Gericht, Kreuzfahrten u. v. m. dargestellt. Nervig sind die lautstarken, spanischen Reisegruppen.
Im Ceahlău-Gebirge machen wir drei Tage „Urlaub“ am Lacul Izvorul. Das Wetter ist super, angenehm warm und es regnet nur bei einer Radtour über eh schon schwieriges Terrain. Die berühmte Bicaz-Schlucht lassen wir links liegen, fahren durch eine brettlebene, karge Landschaft, wo es außer riesigen, bewässerten Getreide- oder Sonnenblumenfeldern nicht zu sehen gibt, an die Donau nach Brăila. Das drohende Unwetter bringt eine besondere Stimmung in die Stadt, aber wir kommen nach einem leckeren Restaurantbesuch trockenen Fußes zum Lkw.
Von hier ist es nicht mehr weit ins Donaudelta. Im letzten befahrbaren Ort Murighiol gibt es für uns einen tollen Platz direkt am See. Das abendliche Froschkonzert ist einmalig! Am nächsten Morgen geht ein bombastisches Gewitter nieder, der Lkw hat arg gewackelt und im Ort ist Stromausfall und es gibt riesige Wasserlachen. Fantastisch ist Fischsuppe mit allem drum und dran in einer Agripensiun.
Bei einer Bootstour im Delta sehen wir Schwäne, Reiher, Kormorane, Albatrosse, Pelikane, Adler, Haubentaucher, Eisvögel, Seeschwalben, Falken und noch mehr. Auch ausgedehnte Seerosenfelder, Schilf ohne Ende,, alte Bäume und Fischerdörfer sind toll anzusehen. Doch leider werde ich seekrank, so dass der Bootsführer mit Zustimmung der beiden anderen Passagiere, die Tour nach zwei Stunden vorzeitig abbricht. Am Abend geht es mir wieder gut und ich kann schon wieder einen Sundowner zu mir nehmen! Es wird zunehmend heißer und wir fahren mit ein paar Stopps an der Küste entlang zur bulgarischen Grenze. Rumänische Badeorte sind gar nichts für uns.
Hiasl ist wieder unterwegs!
Nach einer langen krankheitsbedingten Pause machen wir uns auf den Weg nach Osteuropa. Es macht uns viel Spaß durch Tschechien und die Slowakei zu fahren, durch die wunderschönen Alleen und durch die saftig-grüne Hügellandschaft. Wir übernachten meist in kleineren Städten wie Písek, Telč und Blansko. Von dort erkunden wir die Gegend auf gut ausgeschilderten Radwegen die Umgebung. Blansko ist im Mährischen Karst und es geht die Mocaka-Schlucht mit vielen Höhlen durch einen wilden Naturpark steil mit den Bikes rauf und runter. Die meisten anderen Touristen bevorzugen die Fahrt mit der Seilbahn! In Olomouc laufen wir die Sehenswürdigkeiten wie Uhrturm, Dreifaltigkeitssäule, Altstadt, Burg, Wenzelsdom und den botanischen Garten ab, bevor wir unseren Hochzeitstag bei einem leckeren nepalesischen Restaurant ausklingen lassen. Interessant ist auch die Infrastruktur an einem Badesee bei Hodslavice: eine Holzsäule mit USB-Anschlüssen, Stecker für Kühlboxen, Lademöglichkeiten für E-Bikes und ein offenes WLAN! In Rožnov schauen wir uns das „Walachische Dorf“ in einem Freilichtmuseum an. Die knapp 30 Holzhäuser, meist um die 150 Jahre alt, geben einen guten Einblick über das sehr karge Leben damals. Das erste Highlight in der Slowakei ist dann Čičmany, wo der ganze Ort aus Holzhäusern mit weißen Ornamenten besteht, sehr schön! Bei einer Radtour kommen wir leider an einem schweren Motorradunfall vorbei. Nach Hronsek fahren wir wegen einer Artikularkirche aus Holz. Super ist auch der Stellplatz am Fluss und die einzige, offene Kneipe! Banska Bystrica besticht durch sein italienisches Flair, wobei das tolle Wetter auch nicht ganz unbeteiligt ist. In der Hohen Fatra geht es an großen, modernen Skigebieten vorbei nach Vlkolinec mit seinen vielen, bunten Holzhäusern, aber nur mehr ca. 50 Einwohnern. Lange sitzen wir in einem winzigen Café, genießen die Sonne und dazu Bossa Nova! Schon von weitem sieht man die Zipser Burg, wo wir auch prima auf dem oberen Parkplatz übernachten können. Leider wird gerade renoviert, so dass wir nur einen kleinen Teil besichtigen können, aber alleine schon die Außenanlagen sind beeindruckend. Trebišov ist die letzte Station in der Slowakei. Roma prägen das Stadtbild und der große, schattige Stadtpark. Bei zunehmender Hitze wird sowas immer wichtiger. Viel Nerven kostet uns dann das Buchen der ungarischen Maut. Wir suchen uns die kürzest mögliche Strecke. Aber auch da kosten die 80 km bemautete Straße für uns 21,60€. Nein, Ungarn mag ich nicht. Halsabschneider und immer unfreundlich.
Unser Pössl bekommt eine zweite Chance! Es geht ab in den Norden Deutschlands. Erste Station nach einer Regenfahrt und 7° ist Marienbad in Tschechien. Dort sind die wunderschön restaurierten Prachtbauten aus der Jugendstilepoche toll zum Ansehen, doch uns zieht es zur Kolonade Maxim Gorki, eine riesige, an den Seiten offene Halle mit viel Eisenstreben, kleinen Cafés darin und an einer Längsseite die Wandelhalle mit drei Heilwasserquellen. Es riecht brutal nach Schwefel und da halten wir uns mit dem Probieren dezent zurück. Wir laufen trotz Regen noch durch den hübsch angelegten Kurpark und schauen noch in die Eingangshalle eines vornehmen Hotels. Allerdings ist alles wie aus der Zeit gefallen und nur alte Leute, haha!
So, jetzt ist es soweit: der Hiasl hat Nachwuchs bekommen! Und zwar einen Citroën Jumper mit klassischem Kastenwagenausbau, sechs Meter lang mit Querbetten – das sind wir so gewöhnt - der Fa. Pössl. Von uns kam noch hinzu: Radträger mit 50 kg Nutzlast, Büttner Solaranlage mit 220 WP und eine LiFePo4 Untersitzbatterie mit 200 Ah. Die Kassettentoilette wurde durch eine Komposttoilette ersetzt und im „Kofferraum“ wurde ein Vollauszug für Euroboxen gebaut.
Kurz nach der Grenze zu Bulgarien stellen wir uns bei Krapets etwas erhöht an den Strand. Wir müssen uns mal wieder ein bisschen erholen, gehen schwimmen, spazieren am Strand entlang und fahren mit dem Rad in die nächste Stadt Shabla zum Geldautomaten. Um die Hauptstraße mit den türkischen Lkw-Fahrern zu vermeiden, versuchen wir es über Umwege auf Feldwegen. Aber die sind mehr Feld als Weg, zurück bevorzugen wir dann doch Teer! Auf dem Weg zum nächsten Strand kommen wir durch Kavarna, wo wir uns auf dem Markt mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Am Heros-Beach bei Topola finden wir einen kleinen Parkplatz nur wenige Meter runter zum Schwarzen Meer. Das Wasser ist glasklar und hat laut meinem Bratenthermometer 20°, also alles bestens, wenn wir nur einen Sonnenschirm hätten! Aber der Lkw schmeißt ja meist genug Schatten. Die Abende verbringen wir in einer netten Strandbar mit kaltem Weißwein und Bier.
Jetzt geht es weg vom Meer mit einem kurzen Abstecher zum Felsenkloster Aladija, wo man am Parkplatz bestes Wasser bunkern kann, zuerst auf übler Schlaglochstraße, dann auf Autobahn nach Prowadia. Nun führt uns eine sehr steile und enge Schotterstraße hinauf zur Ovech-Festung. Da sind wir natürlich die einzigen! Am frühen Abend steigen wir hinauf und genießen die Aussicht zwischen Steingräbern, Zisternen und alten Karrenspuren.
Unser nächstes Ziel ist das Hochplateau über Shumen, wo das schon von weitem sichtbare „Monument zur Gründung des bulgarischen Staates“ steht. Ein gewaltiger Betonbau mit riesigen, groben Steinfiguren, Köpfen, Pferden, Inschriften und dunkle, große Mosaiken wegen der Christianisierung. Muss man mal gesehen haben. Allerdings ist es so heiß, dass wir nur von einem Schatten in den nächsten flüchten.
An einem See werde ich von einer älteren Dame zum Kirschenpflücken in ihrem Garten eingeladen. Sie spricht ganz gut deutsch, weil sie in der Rente fünf Jahre in Deutschland als Pflegerin gearbeitet hat. Mit zwei großen Schüsseln Kirschen und einem guten Gespräch werde ich herzlich von ihr verabschiedet. In Velika Tarnovo, der alten Hauptstadt, laufen wir durch die Stadt auf der Suche nach Brot, werden aber nicht fündig und kehren stattdessen in einer Bar ein, wo es ein eiskaltes Bier und einen warmen Wein gibt. Tja, das ist heute nichts, aber wir werden später noch mit einer netten Lichtshow an der Festung belohnt!
Durch schöne Berglandschaft fahren wir rauf auf den Shipka-Pass, trinken schnell einen Cappuccino, aber hinauf zum Monument ist es uns zu heiß. Macht nichts, wir waren eh schon mal da. Und der nächste Betonklotz wartet ja schon auf uns. Auf dem Gipfel des Buzludzha steht das Ufo-ähnliche Riesenmonument der Kommunisten. Der Zerfall ist sehr deutlich zu sehen, Zutritt ist verboten, was auch von einem Posten überwacht wird. Am Abend treffen noch zwei Reisepaare ein, Italiener, die aus Indien kommen und Birgit und Max aus Bayern, die im Iran waren. Es wird ein netter Abend! Hier oben ist die Hitze besser verträglich und wir bleiben noch, machen Spaziergänge und lesen. Wir bekommen noch ein spektakuläres Gewitter mit extremem Starkregen und einem heftig schaukelndem Lkw. Ich bin froh, als es vorbei ist!
Über Kazanlak fahren wir durchs Rosental, das uns aber enttäuscht. Denn die wenig verbliebenen Rosenfelder sind schon fast verblüht und der Rest sind wie immer Getreide- oder Sonnenblumenfelder. An einem Fluss, ca, 30 km vor Plovdiv, bleiben wir über Nacht, aber die 30 cm Wasser taugen nicht wirklich zum Abkühlen. Am nächsten Vormittag regnet es, aber dadurch wird es nur schwül. In Plovdiv hat sich in den letzten acht Jahren nicht viel verändert. Es gefällt uns noch genauso gut, die Freßmeile hat sich vergrößert. Aber in der Fußgängerzone gibt es so gut wie keine Leerstände, trotz der Malls außen rum.
Die extreme Hitze macht uns immer mehr zu schaffen, so dass wir kaum was unternehmen. Die Erdpyramiden von Stob nur von unten und zum Rila-Kloster auch mit dem Auto, nicht wie geplant mit dem Rad. Ja, da sind wir nicht allein, aber die Masse verläuft sich und das Kloster ist einfach traumhaft schön. Das WC ist allerdings ein olfaktorisches Erlebnis! Die Mekitsa (Auszogne) mit Zucker und noch heiß gegessen entschädigen dafür. Bis zur rumänischen Grenze suchen wir uns immer Seen zum Übernachten, so können wir uns wenigstens beim Baden abkühlen.
Eine lange heiße Fahrt durch riesige Getreidefelder und den ewig langen Dörfern führt uns nach Craiova, denn wir brauchen unbedingt einen Waschsalon. Schön kühl da drinnen! Den Lkw parken wir dann neben einem Fußballstadion und gehen am Abend noch in die Stadt zum Essen. Für mich gibt es Sarmale (rumänische Krautwickerl) mit saurer Sahne und Kartoffeln. Sehr lecker! Zu einem Absacker noch in eine Kneipe mit Wasserventilatoren! Das ist dann einigermaßen verträglich. Es ist 23:00 und es hat noch immer 30°.
Nördlich von Hunedoara befinden sich die „Giardini di Zoe“, ein parkähnlicher angelegter Garten auf einem kupierten Gelände, der von einem Italiener gebaut wurde und sich so seine italienische Heimat nahebrachte. Statuen, Springbrunnen, mit Buchs gesäumte Pfade, Rosen, viele Sommerblüher, einfach sehr schön! Im kleinen Café gibt es für uns ein kühles Eis.
In Arad kapitulieren wir dann vollends vor der Hitze, flüchten in der wohl schönen Stadt mit ihren Prachtbauten in diverse Cafés, ein Thermometer zeigt 41° an. Erträglich wird es erst am Stadtrand auf einem Klosterparkplatz, nachdem ein Gewitter mit ordentlich Regen niedergeht. Überall ist Stromausfall, nur bei den Hubers nicht!
Bei Borş, nähe der ungarischen Grenze, finden wir noch ein Plätzchen an einem Fluss zum Erholen. Mir hat es die abenteuerliche Hängebrücke angetan, Wolfgang beobachtet die diversen Möglichkeiten der Flussquerung, zu Fuß, Huckepack, mit Pferdekarren.
Nun wieder schnellstmögliche Ungarndurchquerung und wieder in die Slowakei. Diesmal führt uns der Weg durch die niedere Tatra, über kleine Pässe und durch schmucke Dörfer. Doch wir wollen an den Mikulasc-Stausee. Endlich wieder Wasser. Um den radeln wir dann großzügig rum, entdecken noch mal eine Artikularkirche, noch schöner als die in Hronsek und ergattern in einer Marina ein sauteures Steckerleis. Leider habe ich mir beim Baden im See einen spitzen Stein eingetreten. Ich habe ihn zwar rausoperiert, kann aber nicht auftreten. Somit fällt die Stadtbesichtigung von Kromeriŝž aus und wir radeln stattdessen an der Moravia entlang. Bei einem kleinen Kiosk gibt es sehr gute, selbst gemachte Erdbeerlimonade!
Heute haben wir die längste Fahrstrecke dieser Reise: 275 km! Nur ein Stopp zum Baden und dann auf den bekannten Platz in Písek bei den Sportstätten. Von da ist es auch nur ein Katzensprung auf die Halbinsel in der Otava, wo es einen netten Biergarten gibt. Und dann folgt die heißeste Nacht der Reise: Wolfgang verbringt sie auf der Treppe draußen in der Hoffnung auf einen Luftzug. Eigentlich haben wir nur mehr 115 km nach Hause, aber wir machen heute noch die letzte Radtour vorbei an den vielen Seen und durch die hübschen Dörfer, auch der Biergarten muss noch mal besucht werden, bevor wir morgen dann endgültig heimfahren!
Kurzes Fazit: Es hat uns sehr gut gefallen, wir haben viele neue Orte und Sachen entdeckt, aber auch bekanntes. In den besuchten Ländern – bis auf Ungarn – kann man sich sehr gut versorgen, lecker und preiswert Essen gehen und vor allem Trinken. Die Landschaft ist überall toll, klar gibt es Industrien, aber da muss man ja nicht bleiben und das Müllproblem hat man weitgehend im Griff. Freistehen ist gar kein Problem , wir waren nicht einmal auf einem Campingplatz, sog. Stellplätze gibt es eh nicht. Wir können es nur empfehlen!
In Rumänien angekommen entern wir erst mal einen Carrefour um leckere Lebensmittel einzukaufen, bevor wir uns an einem See im Nordosten niederlassen. Eine schweißtreibende Radtour über die Dörfer, aber leider ohne Machete, führt uns durch urige Dörfer, aber kein Café weit und breit. Ein Penny rettet uns mit Steckerleis. Viel Zeit verbringen wir im Bărsana-Kloster, das uns mit den vielen, blumengeschmückten Gebäuden im traditionellen Stil, obwohl es erst vor ca. 30 Jahren erbaut wurde, in seinen Bann zieht. Dazu trägt natürlich bei, dass der Gottesdienst per Lautsprecher über das gesamte Gelände übertragen wird.
Danach verlassen wir die Maramureş und gelangen über den mit seinen durch Skilifte und vielen Baustellen verschandelten Prislop-Pass in die Bukowina. Die Landschaft wird nun offener, die Berge hügeliger und neben den traditionellen Holzhäusern finden sich schon sehr viele Betonklötze. Mit dem Rad geht es zu zwei Moldauklöstern: Voroneţ, berühmt wegen seiner blauen Farbe und Humor. Sehr ähnlich wird auf beiden in mehr oder weniger gut erhaltenen Fresken die Schöpfungsgeschichte, das Jüngste Gericht, Kreuzfahrten u. v. m. dargestellt. Nervig sind die lautstarken, spanischen Reisegruppen.
Im Ceahlău-Gebirge machen wir drei Tage „Urlaub“ am Lacul Izvorul. Das Wetter ist super, angenehm warm und es regnet nur bei einer Radtour über eh schon schwieriges Terrain. Die berühmte Bicaz-Schlucht lassen wir links liegen, fahren durch eine brettlebene, karge Landschaft, wo es außer riesigen, bewässerten Getreide- oder Sonnenblumenfeldern nicht zu sehen gibt, an die Donau nach Brăila. Das drohende Unwetter bringt eine besondere Stimmung in die Stadt, aber wir kommen nach einem leckeren Restaurantbesuch trockenen Fußes zum Lkw.
Von hier ist es nicht mehr weit ins Donaudelta. Im letzten befahrbaren Ort Murighiol gibt es für uns einen tollen Platz direkt am See. Das abendliche Froschkonzert ist einmalig! Am nächsten Morgen geht ein bombastisches Gewitter nieder, der Lkw hat arg gewackelt und im Ort ist Stromausfall und es gibt riesige Wasserlachen. Fantastisch ist Fischsuppe mit allem drum und dran in einer Agripensiun.
Bei einer Bootstour im Delta sehen wir Schwäne, Reiher, Kormorane, Albatrosse, Pelikane, Adler, Haubentaucher, Eisvögel, Seeschwalben, Falken und noch mehr. Auch ausgedehnte Seerosenfelder, Schilf ohne Ende,, alte Bäume und Fischerdörfer sind toll anzusehen. Doch leider werde ich seekrank, so dass der Bootsführer mit Zustimmung der beiden anderen Passagiere, die Tour nach zwei Stunden vorzeitig abbricht. Am Abend geht es mir wieder gut und ich kann schon wieder einen Sundowner zu mir nehmen! Es wird zunehmend heißer und wir fahren mit ein paar Stopps an der Küste entlang zur bulgarischen Grenze. Rumänische Badeorte sind gar nichts für uns.
Hiasl ist wieder unterwegs!
Nach einer langen krankheitsbedingten Pause machen wir uns auf den Weg nach Osteuropa. Es macht uns viel Spaß durch Tschechien und die Slowakei zu fahren, durch die wunderschönen Alleen und durch die saftig-grüne Hügellandschaft. Wir übernachten meist in kleineren Städten wie Písek, Telč und Blansko. Von dort erkunden wir die Gegend auf gut ausgeschilderten Radwegen die Umgebung. Blansko ist im Mährischen Karst und es geht die Mocaka-Schlucht mit vielen Höhlen durch einen wilden Naturpark steil mit den Bikes rauf und runter. Die meisten anderen Touristen bevorzugen die Fahrt mit der Seilbahn! In Olomouc laufen wir die Sehenswürdigkeiten wie Uhrturm, Dreifaltigkeitssäule, Altstadt, Burg, Wenzelsdom und den botanischen Garten ab, bevor wir unseren Hochzeitstag bei einem leckeren nepalesischen Restaurant ausklingen lassen. Interessant ist auch die Infrastruktur an einem Badesee bei Hodslavice: eine Holzsäule mit USB-Anschlüssen, Stecker für Kühlboxen, Lademöglichkeiten für E-Bikes und ein offenes WLAN! In Rožnov schauen wir uns das „Walachische Dorf“ in einem Freilichtmuseum an. Die knapp 30 Holzhäuser, meist um die 150 Jahre alt, geben einen guten Einblick über das sehr karge Leben damals. Das erste Highlight in der Slowakei ist dann Čičmany, wo der ganze Ort aus Holzhäusern mit weißen Ornamenten besteht, sehr schön! Bei einer Radtour kommen wir leider an einem schweren Motorradunfall vorbei. Nach Hronsek fahren wir wegen einer Artikularkirche aus Holz. Super ist auch der Stellplatz am Fluss und die einzige, offene Kneipe! Banska Bystrica besticht durch sein italienisches Flair, wobei das tolle Wetter auch nicht ganz unbeteiligt ist. In der Hohen Fatra geht es an großen, modernen Skigebieten vorbei nach Vlkolinec mit seinen vielen, bunten Holzhäusern, aber nur mehr ca. 50 Einwohnern. Lange sitzen wir in einem winzigen Café, genießen die Sonne und dazu Bossa Nova! Schon von weitem sieht man die Zipser Burg, wo wir auch prima auf dem oberen Parkplatz übernachten können. Leider wird gerade renoviert, so dass wir nur einen kleinen Teil besichtigen können, aber alleine schon die Außenanlagen sind beeindruckend. Trebišov ist die letzte Station in der Slowakei. Roma prägen das Stadtbild und der große, schattige Stadtpark. Bei zunehmender Hitze wird sowas immer wichtiger. Viel Nerven kostet uns dann das Buchen der ungarischen Maut. Wir suchen uns die kürzest mögliche Strecke. Aber auch da kosten die 80 km bemautete Straße für uns 21,60€. Nein, Ungarn mag ich nicht. Halsabschneider und immer unfreundlich.
Alte Einträge von 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021 und 2022.
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Große Überraschung am Morgen: die Jungs von den Action Buddys stehen uns gegenüber! Wir haben die beiden auf ihrer Tour durch Westafrika immer verfolgt, seit wir den nervigen Grenzübertritt Marokko – Mauretanien zusammen gemeistert haben. Da gibt es natürlich viel zu erzählen und so kommen wir erst gegen Mittag los, wobei wir ja auch noch unseren Ostereinkauf tätigen müssen. Aber dann brausen wir durch die landschaftlich tolle Serrania de Ronda mit unzähligen Aussichtspunkten nach Ronda. Für die Stadt ist es uns heute zu spät, aber die läuft uns ja auch nicht davon.
Die Nacht war saukalt, dafür ist der Himmel strahlend blau. In fünf Minuten laufen wir in die Stadt. Typisch für Andalusien sind die ein- bis zweistöckigen weißen Häuser mit vergitterten Erkern und meist auch Fenstern. Ab und zu ist ein Tor zu den Höfen offen und wir können einen Blick auf die Pflanzenvielfalt werfen. Die Fenster in der Altstadt sind wegen Ostern mit roten Tüchern geschmückt und oft auch noch mit Bildern aus dem Kreuzweg Jesu. In der Kirche stehen schon die fertigen Wägen für die Prozession bereit. Dieses Spektakel zieht aber auch sehr viele Touristen aus aller Welt an. Die Aussichtspunkte sind heillos überfüllt. Auf einem spielt eine Frau auf ihrer Harfe unter blühenden Kirschbäumen, schon sehr pittoresk. In der Hauptstraße sind schon die Tribünen für die Prozession aufgebaut, was aber die Sicht auf die schönen Häuser schon arg einschränkt. Aber uns sind eh zu viele Menschen da und so laufen wir eine Einkaufsstraße mit einem Souvenirshop nach dem anderen entlang, an der Stierkampfarena vorbei und hinunter zu den baños árabes, den Maurischen Bädern, die vor über 1000 Jahren von den Mauren erbaut wurden. Gut erhalten und noch besser restauriert kann man erahnen, wie toll es gewesen sein muss, sich dort mit anderen zu treffen oder die rituelle Reinigung vor dem Gebet vorzunehmen. Leider haben wir einen strengen Zeitplan und fahren nach einer Kaffeepause nun weiter nach Osuna, wo ich bei einem Abendspaziergang ungewollt in den Genuss einer Gründonnerstags-Prozession werden. Die Einheimischen sind zwar fast alle in Schwarz gekleidet und die Frauen ziemlich aufgebrezelt, aber das hält viele nicht davon ab ein Eis zu schlecken, zu trinken oder einen Snack zu essen. Also recht weltlich und viele laute Gespräche!
Wir kommen nun aus den Bergen raus und durch endlose Olivenplantagen geht es an Jaén vorbei, wo wir dann auf einem Wanderparkplatz bis morgen bleiben. Für mich gibt es noch eine kleine, aber hübsche Wanderung über viele Treppen und Trittstufen an einem (wasserlosen) Bach hinauf zu einer Wegkreuzung und zurück dann durch einen alten Korkeichenwald. Es hat sehr gut getan, aber ich muss dringend an meiner Kondition arbeiten!
Wir erreichen nun die hügelige La Mancha und endlich auch mal Weinstöcke, am Horizont ab und zu eine alte Windmühle. Angeschaut wird nichts, da wir das vor 12 Jahren auf unserer ersten Ausfahrt mit dem Hiasl schon ausgiebig erkundet haben. Südlich von Toledo fahren wir zum Layos-Stausee, wo wir feststellen, dass wir genau an dem Platz auch damals schon übernachtet haben! Der Platz ist zwar schief und es sind viele Leute zum Picknicken und Angeln da, aber nach einer Runde am See fahren alle heim und wir haben den See für uns allein.
Heute fahren wir nach Toledo, wo es unten am Beginn der Rolltreppen einen großen Parkplatz gibt. Sechs oder sieben Rolltreppen bringen uns rasch hinauf in die Altstadt. Durch enge, teils muffige Gassen mit vier- bis fünfstöckigen Häusern, die nur wenig Licht nach unten lassen, gehen wir erst ein bisschen ziellos herum. Und auch kaum andere Leute. Das kommt uns schon komisch vor. Das ändert sich aber, je weiter wir ins Zentrum vordringen. Hier werden wir dann regelrecht von den Massen durch die Straßen geschoben, vorbei an unzähligen Tourishops und Fast Food Buden. Es gibt erstaunlich viele Läden, wo man Damaszener-Schwerte und -Schmuck (Silber- und Gold-Einlegearbeiten in Stahl), das auch von den Mauren nach Toledo gebracht wurde. Die Kathedrale öffnet erst wieder um 14:00, aber so lange wollen wir nicht warten. Als weltlichen Ersatz kaufen wir uns leckere bocadillos con jamón und schlendern zu einem Aussichtspunkt gegenüber des Alcazar. Mittlerweile ist es ziemlich warm geworden und so geht es langsam zurück zum Lkw mit einem Kaffeestopp in einer hippen Bar. Wir müssen heute noch ein Stückchen fahren und landen dann südlich von Madrid in dem kleinen Ort Tielmes, der einen hübschen Picknickplatz am Ortsrand hat.
Der neue Tag fängt gut an: eine kleine Tour vor dem Frühstück über die Hügel, sehr steil, sehr kalt und sehr schön! Nicht ganz so gut verläuft der Rest des Tages. Über die A2 geht es an Guadalajara vorbei Richtung Calatayud. Ein lautes Geräusch und ein Blick in den Rückspiegel zeigt mir, wie sich die Reste unseres rechten, hinteren Reifens in der Gegend verteilen. So eine Schei...! Leider ist der Seitenstreifen für unser Fahrzeug nicht breit genug um auch noch zu arbeiten, aber Gott sei Dank ist es kurz vor einer Ausfahrt passiert. Nach einer 200 Meter Fahrt auf der Felge stellen wir uns auf die breitere Ausfahrtsspur. Während ich die Unfallstelle absichere, holt Wolfgang schon mal das Reserverad runter und kurz darauf treffen zwei Polizisten von der Guardia Civil Trafico auf ihren Motorrädern ein. Diese wurden wohl von einem vorbeifahrenden Lkw alarmiert. Mit Blaulicht wird nun die Stelle besser abgesichert! Als dann auch noch ein Pannen-Lkw kommt, helfen uns die beiden Polizisten beim Radwechseln. Wahrscheinlich sind ihnen meine Ärmchen zu dünn! Aber super von den beiden, so geht es einfach bedeutend schneller. Natürlich kommt die Frage nach woher und wohin auf, und sind sie dann doch ziemlich baff. Denn Afrika als Reiseziel würde ihnen nicht in den Sinn kommen. Und als Wolfgang dann auch neben all dem anderen Werkzeug den Heißluftfön rausholt, um den Kotflügel etwas zurückzuformen, hat er gleich den Spitznamen MacGyver weg! Sie nennen uns auch noch eine Lkw-Werkstatt um den anderen Mantel auf die Felge zu montieren, doch erst morgen, denn heute am Ostermontag ist Feiertag! Also übernachten wir vor der Werkstatt und hoffen, dass wir morgen drankommen.
Leider ist nur eine Bürodame anwesend, aber sie nennt uns eine Adresse im 50 km entfernten Sigüenza. Dort wird uns dann sofort geholfen und wir können unsere Fahrt mit einem jederzeit einsatzfähigem Ersatzrad fortsetzen. Durch eine hügelige, teils sehr karge Landschaft auf ca. 1000 m Höhe und nur wenig Dörfer fahren wir noch bis Tudela, tanken noch einigermaßen günstig, kaufen bei Mercadona ein, bevor wir uns mitten in der Stadt auf einem etwas schiefen Womo-Platz für die Nacht installieren.
Wir wollten ja schon lange mal in die Bardena Reales, eine Halbwüste im Norden Spaniens, fahren und da wir ja quasi in der Gegend sind, parken wir beim Besucherzentrum. Leider ist dieses geschlossen, aber auf einer Karte sehen wir die einzige Route, die für Autos freigegeben ist und natürlich an den schönsten Spots vorbeiführt. Allerdings muss man sich diese auch mit den Radfahrern und Fußgängern teilen. Es ist eine skurrile Gegend mit Wild-West-Charakter, spektakulären Felsformationen, die durch Wind-/Wassererosion entstanden sind, ab und zu bewirtschaftete Felder und in der Mitte ein militärisches Sperrgebiet, das natürlich nicht betreten werden darf. Da dort gerade geschossen wird (Rauch, Donner), haben wir auch gar nicht das Bedürfnis das zu tun! An dem bekannten Castil de Tierra wird es schon schwierig ein Foto zu machen, denn eine junge Dame mit Stativ posiert ca. eine halbe Stunde vor dem besten Fotopoint. Viel hat nicht gefehlt und ich wäre aus Versehen am Stativ hängengeblieben. An Tafelbergen vorbei fahren wir noch zum Ausgang El Paso mit dem Schäfermonument und einem Froschtümpel mit ganz viel Gequake! Sehr schön! Wir drehen die Runde fertig, versuchen wegen den Radfahrern nicht allzu viel Staub aufzuwirbeln, machen noch die letzten Bilder und schon geht es für uns weiter. Also landschaftlich war es wirklich toll und da kann man schon mal darüber hinwegsehen, dass man nur den Rundkurs fahren darf, aber halt nicht unser Geschmack und so viele Leute sind wir auch nicht gewöhnt. In Ejea erledigen wir in einem Waschsalon die längst fällige Wäsche und laufen danach in die Stadt auf der Suche nach einer Tapas-Bar. Doch Fehlanzeige, keine Tapas nur Wein und Bier. Ein bisschen angedüdelt treten wir den Rückweg zur Stierkampfarena an, wo der Hiasl auf uns wartet.
Durch flaches Land mit vielen Mandelbaumplantagen – alte und neue – rollen wir an Huesca vorbei Richtung Lleida. Wir machen einen Abstecher zum Stausee S. Ana, wo wir beim Kaffeetrinken viele Adler über uns kreisen sehen. Schade, dass wir etwas in Zeitnot sind, denn inmitten von wilden Bergen hätten wir gerne übernachtet. Aber auch der Platz nördlich von Oliana, nur durch eine sehr steile und schmale Straße erreichbar, ist super. Bei einem Lagerfeuer breitet sich ein wunderschöner Sternenhimmel über uns aus!
40 km sind es noch bis Seu d'Urgell, der ältesten Stadt Kataloniens. In der historischen Altstadt sehen wir uns die Kathedrale von außen an, der dazugehörige Kreuzgang ist nur über das Museum erreichbar, aber das ist uns dann zu teuer. Dann eben kreuz und quer durch die leicht muffigen Gassen mit vielen alten Arkaden, allerdings sind ein Großteil der Läden geschlossen. In der Neustadt genehmigen wir uns auf der Rambla ein Eis unter den gerade frisch ausgetriebenen Platanen. Die sehen echt cool aus! In den angrenzenden Bars ist jede Menge los, so ein Bierchen am Mittag, das muss anscheinend sein. Wir tanken das letzte Mal in Spanien, mit 1,75€/l natürlich viel billiger als in Deutschland, aber schon wieder teurer als beim letzten Mal Tanken. In Puigcerdà überqueren wir die Grenze nach Frankreich und schrauben uns nun auf den Col de Quillan 1713 m hinauf. Wir haben eine tolle Sicht auf die oben noch verschneiten Berge und die zahlreichen Skigebiete. Nach dem Pass geht es auf einer einsamen, kurvigen und schmalen Bergstraße hinab. Ich bin dann etwas irritiert, als ein Schild mit Höhenbegrenzung 2,75 m kommt. Aber Wolfgang meint, das schaut er sich erst mal an. Ein Vorteil des Schildes: er fährt nun ein bisschen langsamer! Es taucht aber kein Tunnel auf, wahrscheinlich sind damit die Felsüberhänge gemeint und die sind kein Problem, solange keiner genau an einem solchen entgegenkommt. Wir haben Glück und erreichen die Aude, wobei jetzt die Straße einspurig wird, aber der Verkehr zunimmt und wir oft an Ausweichstellen die eiligen Franzosen vorbeilassen. Kurz hinter Limoux finden wir einen Platz direkt am Fluss. Heute war es sehr anstrengend, das Gerappel von den Reifen, die Sitze quietschen wie blöd und das konzentrierte Fahren hat sowohl Fahrer als auch Beifahrerin genervt!
Das schöne Wetter ist nun auch vorbei und wir fahren wie auch schon bei der Hinfahrt im Herbst über Carcassone, Albi nach Baraqueville bis kurz vor Rodez. Dort gibt es einen kleinen Bade- und Fischteich, den wir dann bei leichtem Regen noch umrunden, bevor wir im Hiasl die Füße hochlegen. Nach einer kalten Nacht geht es mit Regen weiter nordwärts. Also sind alle Pläne hinfällig und es wird heute wieder nur gefahren. Das Zentralmassiv wartet mit einem 1300 m hohen Pass auf, leider sehen wir von Landschaft kaum etwas, denn obwohl der Regen am Nachmittag nachlässt, hängt nun dichter Nebel in den Bergen. In der Nähe eines Kloster kommen uns viele Pilger auf dem Jakobsweg entgegen, die meisten mit Schirm, aber trotzdem klatschnass. In dem kleinen Ort Grandvals gibt es einen Stellplatz, wo wir eigentlich noch ein bisschen spazierengehen wollen, aber bei dem Mistwetter hat keiner Lust dazu. Als wir gegen zehn am Abend ins Bett gehen, staunen wir nicht schlecht, als es zu schneien beginnt!
Wow, 10 bis 15 cm Schnee am, auf und um den Hiasl herum! So sind wir also doch noch zu Schnee gekommen. Wir befinden uns auf knapp 1100 m, aber die kleinen Sträßchen sind weitgehend schneefrei und bei etwa 750 m ist es schon wieder vorbei mit der weißen Pracht. Wir fahren wieder über Chaudes Aigues, ein Thermalbad tief unten in einem dunklen Tal. Ich glaube, hier müsste ich nicht mal im Sommer her. Wir erreichen die Auvergne und da es weder regnet noch Nebel hat machen wir einen kurzen Abstecher nach Usson, ein paar Kilometer südlich von Clermont-Ferrand. Es ist ein kleines mittelalterliches Dorf, das sich an einen kleinen Vulkanhügel schmiegt. Durch enge mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen, vorbei an alten , teils toll renovierten Steinhäusern geht es für uns aber hinauf zu den Basaltsäulen, die während des letzten Vulkanausbruchs entstanden, als sich die Lava abkühlte. Die Wand ist nicht sehr groß, aber ich finde sie beeindruckend! Oben dann auf der Butte lässt sich die Sonne blicken und gibt den Blick auf die „Puys“, also die großen Vulkane bei Clermont frei. Auf dem Weg zurück freuen wir uns über die blühenden Lilien, Blauregen und Flieder, mal wieder was für's Auge! In Clermont kaufen wir großzügig in einem Auchan ein und in Thiers müssen wir nochmal unseren Messerladen aufsuchen! Dort bleiben wir dann gleich mitten in der Stadt auf einem Parkplatz für die Nacht stehen.
In Vichy vertreten wir uns die Beine, zuerst an der Allier entlang in die Altstadt mit zahlreichen Belle Époche-Villen mit den typischen kleinen Eisenbalkonen und den Mansarden. Im Kurpark sind die diversen Heilquellen, nur eine für nicht Kurgäste, aber da die anderen Leute alle das Gesicht fürchterlich nach einer Kostprobe verziehen, verzichten wir auf einen Schluck! Wir schlendern noch durch ewig lange Eisenkolonnaden, schauen uns hochpreisige Mode in den Schaufenstern an und die allgegenwärtigen Vichy-Pastillen zur Förderung der Verdauung. Über Digoin (hier hatten wir vor 36 Jahren mal ein tolles Ferienhaus), Chalon-sur Saône machen wir heute relativ viele Kilometer bis zu einem kleinen Stellplatz in dem noch kleineren Ort Saint Croix. Ein Platz ist noch frei, leider fällt der erhoffte Barbesuch wegen geschlossen aus, dafür erhalten wir eine Einladung im Juli zu einem Fernreisetreffen! Und zwar nur wir, nicht die Weißware nebenan.
Heute suchen wir ein paar Lkw-Shops auf, weil diverse Birnen ausgefallen sind und wir auch gerne Ersatzkeilriemen hätten. Aber wir haben nur die Birnen bekommen, Keilriemen hat keiner mehr auf Lager, alles muss bestellt werden. Na, dann wird eben zu hause das Internet bemüht. Kurz vor der Schweizer Grenze lassen wir noch das Abwasser ab und füllen unsere Wassertanks mit gutem Bergwasser. Der angedachte Übergang ist wegen Straßenarbeiten gesperrt, also müssen wir umständlich zu einem anderen. Das Problem ist, dass der keinen Zoll hat und auch generell nicht besetzt ist und wir hätten ja gerne wieder eine Befreiung von der Schwerlastabgabe. Okay, dann müssen wir eben eine E-Vignette lösen. Aber Internet gibt es auch nicht. Grr, also wieder soweit zurückfahren, bis sich mal ein Balken auf dem Handy bemerkbar macht. Der Mindestbetrag sind 27€ für 6 Tage. Aber heute ist nicht unser Tag, denn nach der Grenze geht es ewig steil hinauf und genauso wieder hinab. Puh, endlich auf der gewünschten Schnellstraße. Doch nur sehr kurz, dann kommt die nächste Sperrung und wir müssen den Hiasl wieder den Berg rauf „jagen“. Natürlich haben wir eine Riesenschlange hinter uns, doch es gibt kaum Ausweichen und mit dem vielen Gegenverkehr kann auch nicht überholt werden. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir unten am Lac de Neuchâtel an und finden dann etwas abseits einen schönen Picknickplatz. Allerdings hat keiner mehr Lust auf eine kleine Wanderung, nur mehr essen, trinken, schlafen.
Frisch ausgeruht geht heute dank unserem Navi durch das historische Zentrum La Neuville am Bieler See. Sehr schön, schweizerisch aufgeräumt und heile Welt. Aber danach dann endlich auf die Autobahn, wo wir trotz der vielen Tunnel tolle Ausblicke auf die Berge, die Seen und auf die steilen Weinlagen am Südwestufer haben. Über Zürich, Winterthur und Sankt Gallen geht es bei Sankt Margarethen nach Österreich rein. Leider ist nur auf Wolfgangs Handy die Vorarlbergkarte drauf und das spinnt heute. Aber wir finden letztendlich die kleine Straße, die uns zu dem Parkplatz am Rohrspitz (eine kleine Halbinsel im Rheindelta vom Bodensee) führt. Ich laufe noch ganz zum Spitz vor, Wolfgang geht nicht ganz so weit, er bleibt schon beim Kiosk hängen. Aber er hat kein Geld dabei und ich sehe ihn nicht, also gibt es für keinen eine Erfrischung! Erst wieder am Lkw.
Wir sind heute ewig durch Bregenz rumgeeiert, denn der Pfändertunnel ist nur bis 3,5 to kostenfrei und wir wollen deswegen nicht die Mindestaufladung von 150€ vornehmen. Vorsichtshalber lassen wir noch 50 l Diesel reinplätschern für schlappe 100€ und schon sind wir wieder in good old Germany! Im schönen Allgäu fahren nach Weitnau auf einen kleinen Übernachtungsplatz, denn wir schon oft aufgesucht haben. Doch vorher kaufen wir bei REWE noch zwei Leberkässemmeln und drei Brezen! Das schmeckt nach so langer Abstinenz! Für mich gibt es noch einen Spaziergang zum Speckbach-Wasserfall, Wolfgang macht lieber ein Nickerchen. Wir haben heute zwar Sonne pur, aber auf 800 m wird es dann doch am Spätnachmittag kühl. Auch die Vegetation ist noch nicht so weit wie in der Schweiz.
Die nächste Woche verbringen wir in unserer alten Heimat rund um Rosenheim mit Familie und Freunden. Leider steht noch ein trauriger Termin an. Mein Vater ist Anfang Januar verstorben und wegen diverser äußerer Umstände findet erst jetzt, Ende April, die Beisetzung statt.
Aber auch das bringen wir hinter uns und am 25. April kommen wir nach einem halben Jahr wieder zu Hause an! Und trotz allem, was uns uns unterwegs passiert ist, war es die beste Reise ever!
Im Sommer und Herbst werden wir nun den Hiasl wieder auf Vordermann bringen und dazwischen mit unserem Kleinen auf kürzere Reisen gehen. Und spätestens im Januar 2027 ist die nächste große Reise geplant! Seid gespannt wohin!