Griechenland 22.11. - 05.12.2016

Ein großer Wäscheberg ruft - trotz vielen Handwäschen - und wir müssen von dem sympathischen Ort Kardamili Abschied nehmen. In Kalamata finden wir, oh Wunder, auf Anhieb die anvisierte Wäscherei, geben den Riesensack ab und verstehen, dass wir sie am nächsten Tag um 20 Uhr abholen können. Das passt uns und nach einem kurzen Stopp beim Praktiker fahren wir wieder einmal durch sehr enge Straßen nach Alt-Messene. Es ist schon recht spät geworden und so bleiben wir auf einem kleinen Fleck kurz vor dem Aufstieg zum Ithmos-Berg stehen.

Heute wird mal früh aufgestanden, so gegen halb Neun, denn wir wollen ja zur Ausgrabungsstätte und danach auf den Berg. Nach Alt-Messene geht es paar Kilometer steil und kurvig runter und hier ist es uns zum ersten Mal mit dem Hiasl passiert, dass wir nicht auf ein Mal um eine Kurve kommen und Wolfgang zurücksetzen muss! Die antiken Stätten hier wurden erst spät entdeckt und werden immer noch rekonstruiert und wieder errichtet. Wir haben einen herrlichen Tag mit Sonne und angenehmen Temperaturen erwischt und ganz toll ist auch, dass wir bis ein französisches Paar die einzigen auf dem Gelände sind! Das Theater, die riesige Zisterne mit den Ausläufen, die große Agora, die diversen Tempel, das Gymnasium und nicht zuletzt das enorme Stadion sind sehr gut erhalten. Man kann sich so gut vorstellen, wie das Ganze vor 2000 Jahren belebt war. Errichtet von den Thebern, von den Römern übernommen, die auch ägyptische Einflüsse mitbrachten und später kamen dann noch christliche Siedler hinzu, worauf eine Basilika hinweist. Im angrenzenden Museum sind die am besten erhaltenen Statuen und Gegenstände wie Lampen und Krüge ausgestellt. Wir sind auf jeden Fall total begeistert von der Ausgrabung. Am Nachmittag laufen wir noch auf den Berg Ithmos hinauf, auf dessen Gipfel - wie so oft - ein kleines, aber verlassenes Kloster steht. Tja, die Eingangstür ist verschlossen, aber Wolfgang will unbedingt über die Mauer klettern und ich muss mit. Wir landen in einem großen Innenhof mit mehreren gut erhaltenen Gebäuden, die aber alle leer sind. In der kleinen Kirche sind einige Fresken zu sehen und ein paar Weihrauchkessel. Alles nicht spektakulär, aber der Ort an sich ist es wert herauf zu gehen. Leider hören wir Donnergrollen und so machen wir, dass wir runter kommen. In Kalamata finden wir in der Nähe der Wäscherei einen Übernachtungsplatz und gehen gegen acht Uhr dorthin. Aber alles ist dunkel, wir bemerken, dass auch viele der kleinen Geschäfte ringsum nicht auf haben. Hmm, haben wir da was nicht richtig verstanden? Das ist jetzt ärgerlich, denn so müssen wir morgen auch noch mal hier bleiben. Aber was soll’s, es gibt echt schlimmeres.

Nach einem kurzen Stadtbummel, wir finden es nicht so spannend, fahren wir zu dem kilometerlangen Strand. Wolfgang wäscht mal wieder seine Angelschnur und ich sammle Muscheln bei einem Strandspaziergang. Am Abend gibt es eine Pizza mit Fisch - aus der Dose! Danach düsen wir kurz in die Stadt und holen den Wäschesack, was auch alles klappt, und übernachten dann am Strand.

 

Heute Morgen scheint zwar noch die Sonne, aber rundum sind schon dicke Wolken auszumachen. Wir finden auf der Karte noch eine kleine Wanderung südwestlich von Petalidi. Es geht durch unendliche Olivenhaine, in denen immer noch fleißig gearbeitet wird, hinauf zu einem kleine Parkplatz an einer unscheinbaren Kapelle. Wir ziehen nur schnell unsere Wanderschuhe an und folgen der Straße hinauf zu einem Gipfel, der mit Antennen gespickt ist. Die Aussicht hier auf knapp 1000 m wäre bestimmt gut, aber bei dem bedeckten Himmel sehen wir außer den unzähligen Masten nichts. Wind kommt auf und wir marschieren gleich wieder zurück. Doch nach ein paar Minuten entdecke ich einen Schwammerl und Wolfgang klettert ein paar Meter den Waldabhang hinauf und kommt mit zwei Händen voll zurück. Lauter riesige Butterpilze. Zu guter Letzt spüre ich noch einen Platz mit ganz frisch rausgekommenen Reherl (Pfifferlingen) auf. Da wir nichts dabei haben, tragen wir die Pilze mit den Händen noch fast eine Stunde bis zum Auto. Doch dann spüren wir fast unsere Finger nicht mehr durch die nassen Pilze und dem eisigen Wind. Dafür werden wir mit einem leckeren Abendessen belohnt!

In der Nacht hat es zu regnen begonnen und so beschließen wir nach Ag. Andreas zu fahren, wo wir am Hafen einen geteerten Platz wissen um langsam unsere Abreise vorzubereiten. Doch als wir dort dann etwas rumspazieren sehen wir viele Fische und da ist Wolfgang nicht mehr zu halten, zumal der Regen gerade Pause macht. Doch es ist wie verhext: Sobald wir mit dem Angelzeug auftauchen, verschwinden sie alle. Damit es für mich nicht so langweilig ist, versuche ich auch mit einer kleinen Handangel mein Glück. Aber wegen uns muss heute kein Fisch sein Leben lassen!

Heute wieder Regen, Regen, Regen. So schnell es geht holen wir die großen Rucksäcke aus der Dachbox und packen alles, was nach Deutschland muss, ein. Zum letzten Mal duschen wir und ziehen unsere frisch gewaschenen Sachen an und fahren danach hinauf nach Kafou, zu Karin und Georg, wo wir den Hiasl stehen lassen wollen. Nach einem kurzen Hallo fährt Wolfgang den Lkw hinunter auf die Wiese, wo wir auch schon vor drei Wochen standen. Er wendet, parkt rückwärts ein, merkt, dass er noch ein Stück weiter zurück muss, damit der Weg vorne für die Olivenbauern frei bleibt und damit beginnt das Malheur. Das Auto dreht durch, trotz vorsorglich eingelegter Sperren. Also wieder vor, doch da schmiert er nach links ab. Noch ein bisschen nach vorne, in der Hoffnung nun wieder rückwärts auf den Weg zu kommen, doch das linke Vorderrad gräbt sich nun in die vom starken Regen aufgeweichte Wiese, zumal dort auch noch das Gelände stark abfällt. Das Ende vom Lied: alle vier Räder drehen doch, links ist der Lkw abgesackt, so dass er am Tank aufsitzt. Wolfgang und ich beginnen nun hektisch zu schaufeln, suchen Steine zum Unterlegen, holen die Sandbleche runter. Doch leider ist das hier keine Erde, sondern ganz zäher Lehm, der nicht mal von der Schaufel fällt. Doch alle Maßnahmen nützen nichts! Jetzt wird es auch noch dunkel und endlich gibt auch Wolfgang auf und Georg macht sich dran einen Traktor zu organisieren. Obwohl uns keiner kennt und wir uns ja selbst in diese missliche Lage gebracht haben, ist die spontane Hilfsbereitschaft bei den Griechen enorm. In Nullkommanix ist Giannis mit einem Traktor da. Wir hängen den Lkw an, aber der Traktor dreht selber durch und egal wie er es versucht, der Hiasl bewegt sich keinen Zentimeter. Giannis gibt auf, bevor er selbst feststeckt und ruft Adonis an, der einen Radlader hat. Auch dieser ist gleich zur Stelle und sagt, dass er morgen Vormittag mit dem Radlader kommt. Ich habe furchtbare Angst, dass das Auto über Nacht noch weiter absackt, denn es regnet mittlerweile wieder. Ich brauch wohl nicht beschreiben, wie Wolfgang und ich aussehen - mit unseren frisch gewaschenen Sachen, hahaha. Um meine Nerven zu beruhigen habe ich heute zum ersten Mal in meinem Leben mit der versammelten Mannschaft einen Ouzo getrunken! 

Trotz Ouzo habe ich heute Nacht nicht sehr viel geschlafen, denn es hat die ganze Nacht geschüttet wie aus Eimern, einschließlich Blitz und Donner. Als wir dann zum Frühstücken aus unserem Gästehaus raus sind, machen wir die Tür zu und bemerken, leider zu spät, dass der Schlüssel von innen steckt. Als ob wir nicht schon genug Probleme hätten. Karin und Georg sind verständlicherweise gar nicht begeistert und wir überlegen schon, was billiger ist, Fenster einwerfen oder Schlüsseldienst, als Wolfgang noch mal mit einem Schlüssel versucht von außen den inneren Schlüssel rauszuwerfen. Und man glaubt es kaum, aber es gelingt! Mir fällt schon mal ein kleiner Stein vom Herzen. Das muss doch ein gutes Omen sein für die Lkw-Bergung. Als dann endlich um halb zwölf Adonis mit seinem Radlader kommt, sind wir nervlich alle recht angespannt. Ganz schlimm wird es, als sich herausstellt, dass auch er nicht den aufgeweichten Weg hinterkommt. Wolfgang ist nun sehr pessimistisch. Doch mit Hilfe seiner Schaufel hebt er sich Meter für Meter Richtung Hiasl. Endlich ist er nah genug heran, dass wir das Abschleppseil vorne am Bagger festmachen können. Nun kommt der spannendste Augenblick: Adonis steht mit seinem Gerät nur mehr auf den Stützen, die jedoch einen halben Meter eingesunken sind, und auf der Schaufel und beginnt ganz langsam mit dem Bagger zu ziehen und plötzlich bewegt sich unser Lkw! Zentimeterweise wird er zuerst aus der enormen Schräglage befreit und dann vorsichtig, immer mit viel Pausen, in denen der Radlader umsetzten muss, bis auf 10 Meter zu einem Feldweg gezogen. Hier ist eine 90°-Kurve, da muss nun -Wolfgang alleine durch, aber er hat mittlerweile wieder genügend Grip, so dass er es schafft und wir alle in Jubel und Klatschen ausbrechen. Meine Knie zittern wie verrückt, so dass Gerry, der Nachbar, gleich für alle eine Flasche Tsipero (griechischer Tresterschnaps) hervorholt um zu feiern. Wir vereinbaren mit Adonis, dass er, wenn das Gelände angetrocknet ist, noch mal kommt und es für die Bauern wieder planiert. Während Wolfgang und ich die Karre erst mal so gut es geht vom Schlamm befreien, hilft uns Gerry einen anderen Stellplatz für den Winter zu finden. Denn für alle ist klar, dass es hier nicht geht! Und wir haben wieder unverschämtes Glück. Ein Bekannter von ihm, mit einer Taverne in Chranio, die über den Winter geschlossen ist, hat einen Platz für uns. Wir fahren gleich runter und uns erwartet ein sehr sympathischer junger Mann, der sich trotz Olivenernte schnell Zeit genommen hat, zeigt uns das Gelände und schon ist er wieder weg. Würde es das in Deutschland auch geben? Ich glaube nicht. Wir lassen den letzten Abend mit Karin und Georg dann in einer Kneippe bei gutem Essen ausklingen.

Auf dem Weg nach Kalamata, wo um 12 Uhr unser Bus nach Athen abfährt, fahren wir noch zum Hiasl um ihn mit einer Plane abzudecken. Am Busbahnhof verabschieden wir uns von den beiden, die uns so nett aufgenommen und uns mit allem sehr geholfen haben. Der Bus fährt pünktlich ab und mit Stadtbus und Metro erreichen wir am Nachmittag die gebuchte Wohnung in Athen. Durch die Aufregung der letzten Tage sind wir so fertig, dass wir nur noch schnell Pizza essen gehen und danach im Bett verschwinden.

 

 

Um 9.45 Uhr beginnt am Hadriansbogen eine freewalking-Tour. Die quirlige, sehr sympathische Südafrikanerin Sam, die seit 25 Jahren in Athen lebt, wird uns und 12 andere Touristen nun durch Athen führen. Es regnet nicht, aber es weht ein eisiger Wind. Wir haben alle Mützen, Stirnbänder und Schals umgebunden und zittern wie Espenlaub. Sam fragt einen Teilnehmer, der rein äußerlich eher aus Indien o. ä. kommt, ob es denn bei ihm ginge wegen der Kälte. Aber der ganz cool: Das macht mir nichts aus, ich komme aus Vancouver. Na, dann! Aus den veranschlagten 2,5 Stunden werden fast vier. Sam schleust uns vorbei an typischen Touristenzielen wie Zeustempel, Olympiastadion, Turm der Winde, Hadriansbibliothek u.v.m. Aber was mir noch viel besser gefällt sind die kleinen Kirchen, das Viertel unterhalb der Akropolis, das mit den sehr engen Gassen und seinen weißen Häuschen mit den blauen Fensterläden eher an eine griechische Insel denken lässt, denn an Athen. Sam gibt uns auch Einblicke in die wirtschaftliche Situation der Griechen. Wie sie trotz einem Mindestlohn von 350€ und einer Mindestrente von 250€ bei den hohen Lebenshaltungskosten überleben können. Zwei bis drei Jobs zu haben ist normal oder auch eine zeitweise Beschäftigung im Ausland. Diejenigen, die etwas mehr Geld haben bauen Suppenküchen auf für die Ärmeren, in jedem Supermarkt stehen große Körbe, in die man Lebensmittel spenden kann. Zudem meint sie, dass viele Griechen im Hier und Jetzt leben. Wenn Geld da ist, wird es ausgegeben, denn wer weiß was morgen ist? Die Tour war super! Nach den vier Stunden frieren wir zwar immer noch, aber wir haben so viel gesehen und vor allem gehört, dass es da wirklich wert war. Wir stürzen uns nun in das nächste Kaufhaus um uns aufzuwärmen und eventuell die griechische Wirtschaft anzukurbeln. Das klappt beides nicht so. Besser gelingt es mit einem heißen und scharfen Nudelgericht einer chinesischen Fastfoodkette. Anschließend spazieren wir noch durch die Plaka, Athens Altstadt, wo es zwar einen Souvenirladen nach dem anderen gibt, aber trotzdem auch noch Ecken, wo die Griechen unter sich sind. Vom Nachtleben bekommen wir wieder nichts mit, denn nach einem indischen Essen sind wir schon wieder platt und fahren heim.

 

 

Heute scheint zwar die Sonne, aber es ist genauso kalt wie gestern. Also beschließen wir zu Fuß in die City zu gehen. Von der Wohnung ist es nicht weit zu einem großen Park mit vielen Olivenbäumen, der frei zugänglichen Ausgrabungsstätte Pnika, den wir durchqueren und auf der anderen Seite am Fuße der Akropolis rauskommen. Wir sparen uns den Eintritt, da wir gestern schon gesehen haben, dass viele der Tempel eingerüstet sind. Und zudem finde ich, dass der Blick von einem Aussichtshügel auf die Akropolis besser ist, als wenn man direkt davor steht. Wir wollen lieber noch mal nach Anaflotika mit seinen malerischen Straßen. Später schauen wir dann am Syntagma-Platz der Wachablösung vor dem griechischen Parlament zu. Die armen Kerle! 24-Stunden Dienst und dabei immer eine Stunde bewegungslos rumstehen, dann fünf Minuten Show und 55 Minuten Pause, bis es wieder von vorne beginnt. In einem kleinen Café, das uns Sam gestern gezeigt hat, wärmen wir uns wieder auf, bevor wir rüber ins Diplomatenviertel gehen und von hier auf den Hügel Lycabettos mit immerhin 273m raufspazieren. Von dort oben sieht man erst so richtig Athens Ausmaße. Der ganze Talkessel bis hinunter nach Piräeus ist ein einziges weiß-graues Häusermeer. Ich finde es gigantisch. Immerhin leben hier sechs Millionen von den 11 Millionen Griechen. Die nahegelegenen Berge im Norden der Stadt haben schon weiße Gipfel! Der Sonnenuntergang naht und wir machen uns wieder auf den Nachhauseweg. Was ist los mit uns? Wir sind schon wieder total fertig, so dass wir nur noch schnell was bei uns im Viertel essen, noch ein bisschen BBC anschauen und schlafen.

 

 

Jeder hat vorne unten hinten einen Rucksack auf und so zwängen wir uns im morgendlichen Berufsverkehr in die Metro, sehr zur Freude der arbeitenden Bevölkerung. Wir lösen auch das 18€ Airport-Ticket. Geregelt ist das so, dass man bis eine Station vorm Flughafen mit dem normalen 1,40€ Ticket fahren darf, aber bis zum Flughafen eben 10€/Person oder 18€ für zwei. Ein Schelm, wer Böses denkt, aber an der letzten Haltestelle ist ein ganzer Sack voll Kontrolleure zugestiegen und haben natürlich gleich ein paar erwischt. Die Strafe beim Schwarzfahren beträgt das 60-fache des Fahrpreises!

Wir sind pünktlich um 10.45 Uhr gestartet und haben zuerst eine wunderschöne Sicht auf die verschneite Berglandschaft unter uns. Doch dann kommen die Wolken und mit ihnen Turbulenzen und das mag ich gaaar nicht. Man ist stärker in den Sitzen rumgehüpft, als auf ukrainischen Straßen. Wahrscheinlich, weil die bei Ryanair keine so tollen Luftfedersitze haben, wie wir im Hiasl. Doch auch das haben wir überstanden und landen mit etwas Verspätung in Berlin Schönefeld, also direkt neben BER.

 

Wir sind noch ein paar Tage im kalten Berlin bei unseren Kindern und Enkeln, trinken endlich mal Glühwein auf einem total überfüllten Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei, freuen uns, dass Emma und Emil schon so toll lesen können und genießen die leckeren Plätzchen von Mella und das tolle Abendessen bei Vroni und Hanni. Am Montagmorgen verabschieden wir uns von allen und bringen Emma und Emil noch zur Schule. Als dort um 7.45 Uhr die Türen geöffnet werden und alle Kinder ins Gebäude stürzen, erinnert mich das etwas an Lemminge! Gegen 16 Uhr sind wir nach 127 Tagen und ca. 8000 km wieder zu Hause.

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