Griechenland 15.11. - 21.11.2016

In Areopolis, der größten Ansiedelung auf der Mani, kaufen wir im dortigen Supermarkt ein, zwar nicht alles, was auf der Liste steht, weil es einfach sehr teuer ist. Wie z. B. Bier, was mir jetzt gar nichts ausmacht! Areopolis hat eine große Platia mit den obligatorischen Kafenions und Tavernen, aber auch im alten Ortskern sind noch viele kleine Läden für den alltäglichen Bedarf. Die Häuser sind fast alle aus Stein, die neueren sind den alten Wohntürmen nachempfunden, so dass sich ein sehr gefälliges Stadtbild ergibt, wozu natürlich auch die gepflasterten Gassen beitragen. Mir macht es viel Spaß durch so angenehme Orte zu spazieren, die Schulkinder auf dem Heimweg zu beobachten oder alte Frauen beim Wäsche aufhängen oder beim Ratsch auf der der Straße zu sehen. Zuerst schauen sie immer skeptisch, wenn so offensichtliche Fremde vorbeikommen, aber bei einem Jassas unsererseits kommt auch von ihnen ein freundlicher Gruß. Eigentlich wollten wir heute auf den Profitis Ilias - so heißen hier anscheinend alle Berge?! - aber es ziehen mächtige Wolken auf. Das verschieben wir erst mal und nehmen die Wahnsinnsstrecke von 46 km unter die Räder. Gleich hinter Areopolis geht es durch die Berge auf die Ostseite der Mani. Die Berge werden immer kahler, mit vielen Steinen durchzogen und ebenso vielen Mauern, die von den Hirten errichtet wurden. In den kleinen Dörfern sehen wir, dass viele Häuser und auch die berühmten Wohntürme der Mani, die früher als Fluchttürme benutzt wurden, leer stehen. Vieles dient den Städtern als Wochenend- oder Ferienhaus. Ab und an sieht man eine kleine Hotelanlage, wo natürlich um diese Jahreszeit nichts mehr los ist, aber alle sind im traditionellen Stil erbaut, nichts stört, es sieht aus, als seien sie schon immer hier gewesen. Die Straße hat kaum Platz an den steilen Hängen der immer kahler werdenden Berge. Die Landschaft hier fasziniert uns. Obwohl alles hier so unwirtlich aussieht, sieht man immer wieder die trutzigen, verfallenen Wohntürme der Manioten. Das Leben hier war und ist immer noch hart, aber wahrscheinlich deswegen haben sie es als einzige Region Griechenlands geschafft nicht von den Türken besetzt zu werden! Für die 46 km haben wir etwas länger als die 51 Minuten gebraucht, die unser Navi vorhergesagt hat, denn es ging immer steil bergauf und bergab und unser Hiasl muss da schon im Zaum gehalten werden! Am Spätnachmittag kommen wir am letzten Parkplatz vor dem südlichsten Punkt des griechischen Festlandes beim Kap Tenaro an, wo wir dann auch gleich übernachten.

Im Norden dunkle Wolken, aber hier bei uns fast blauer Himmel. Wir laufen eine gute halbe Stunde über ein paar kleine Hügel zum Leuchtturm des Kap Tenaro. Südlich von uns ist Afrika, d. h. Libyen. Wir schauen lange den Fischkuttern und Frachtkähnen zu, die recht zahlreich an uns vorbeiziehen. Leider sind keine Fischschwärme zu sehen, aber man kann ja nicht alles haben. Durch den vielen Regen der vergangenen Wochen, erleben wir hier eigentlich schon Frühling. Überall sprießt frisches Gras aus den Erdritzen, die Veilchen blühen um die Wette und diverse Knotenblumen und Zwiebelpflanzen strecken ihre grünen Blätter aus der roten Erde. Normalerweise ist hier alles braun und verdörrt im November. Beim Zurückgehen kommen wir an einer Minibucht vorbei und als ich meine Hand ins Wasser strecke, bekomme ich Lust aufs Baden. Schnell den Bikini angezogen, runter in die Bucht und rein ins Wasser. Das Wasser ist glasklar und bestimmt noch 20° warm. Herrlich! Am Nachmittag machen wir uns noch zu einem Berg auf, den wir vom Parkplatz aus sehen. Weglos, aber es hält sich mit dem Stachelzeug in Grenzen und nach 45 Minuten stehen wir auf dem Gipfel. Aber ich glaube, dass er nicht von sehr vielen Leuten bestiegen wird, nur von so Bergfexen wie wir halt!

 

Am Abend kommt dann tatsächlich noch ein anderes Wohnmobil, aus Sachsen-Anhalt. Aber die Insassen verschwinden schnell in der Taverne oben und wir machen uns ein leckeres Kürbisrisotto!

Unser Weg führt uns unweigerlich nach Norden. Schon bald ist der nächste Halt. Wir kommen die Bergstraße hinunter und sehen schon von weitem die Türme des verlassenen Bergdorfes Vathia. Gleich zu Beginn des Dorfes gibt es ein neu erbautes Café mit schönen überdachten Terrassen, das aber jetzt geschlossen hat. Wir tauchen ein in die malerischen Sträßchen, gehen vorsichtig in die Häuser rein. In vielen sind noch kaputte Tische, Stühle, alte Betten einschließlich Matratzen, Küchenschränke, Lampen und vieles mehr von so altem Gerümpel drin. Man sieht auch noch relativ neu geflieste Bäder oder ordentlich verlegte Stromleitungen, irgendwo tropft noch ein Wasserhahn. Alles macht den Eindruck, dass die Türme und Häuser fluchtartig verlassen wurden. Warum? Es sind wunderschöne Steinhäuser mit vielen kleinen Terrassen und Innenhöfen, die jetzt allmählich von Feigenbäumen und Oppuntien vollgewuchert werden. Einschließlich kleiner Kirche ist hier alles vorhanden, sogar Internet mit 3G zeigt das Handy an. Ein Anwesen haben wir gefunden, das wohl gerade restauriert wird, zumindest ist schon ein frisch gestrichener Zaun an der Einfahrt angebracht! Wolfgang will allerdings keines der Häuser, denn die Türen sind nicht höher als 1,50 m, auch die Raumhöhe dürfte nur in der Mitte so an die zwei Meter haben. In der anscheinend ehemaligen Taverne steht noch die holzgeschnitzte Theke mit der Registrierkasse drin und daneben steht noch eine Olivenmühle mit Steinmahlwerk, leider nicht mehr funktionstüchtig. Als ich in einer Bar noch ein paar Kästen mit Cola und Limonade mit Originalverschluß entdecke, lehnt Wolfgang ebenfalls dankend ab. Heute ist er aber komisch! Wir fahren weiter. Allmählich öffnet sich die Steilküste etwas, es ist mehr Platz für kleine Ansiedlungen, die nun auch nicht mehr ganz so verlassen wirken und wir sehen immer wieder kleine romantische Badebuchten. Durch ein wasserloses Flussbett gehen wir ein paar Minuten zu einem wunderschönen Strand. Vielleicht 20 Meter breit mit Kieseln in allen Größen, glasklarem Wasser und einer großen Höhle, die im Sommer wunderbaren Schatten spendet. Wir schauen den Wellen zu und ich finde wie immer tolle Steine! Wir haben von einer Wanderung auf die kleine Halbinsel bei Stauri gelesen, auf der früher Salz gewonnen wurde. Unser Navi führt uns allerdings durch eine extrem enge Straße durch die Olivenhaine, gesäumt von teilweise eingefallenen Steinmauern. Auch nach so langer Zeit tut es uns immer noch weh, wenn Zweige das Auto geräuschvoll zerkratzen. Die Außenspiegel klappt es immer wieder ein und als wir endlich in Stauri ankommen, sind jede Menge Zweige und Oliven im Fahrerhaus! Es ist zwar schon drei Uhr, aber wir brechen doch noch auf, zuerst über die Straße und dann einen steilen und unwegsamen Pfad hinunter auf die Halbinsel. Manchmal ist es arg nervig, wegen der dornigen Macchia, aber die Landschaft entschädigt dann doch! Doch wir haben nicht so viel Zeit bis die Sonne untergeht und so kehren wir dann am Kastro Tegani auch gleich um. Unterwegs treffen wir noch ein Paar aus Hannover, die hier einen Schlafplatz gefunden haben. Nach einem kurzen Austausch von woher und wohin, marschieren wir zügig zum LKW und kommen dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit dort an und übernachten auch gleich auf dem Dorfplatz.

Na, der Morgen geht ja schon gut an. Beim Wasserkochen wird die Gasflasche leer, was ein bisschen Umräumen im Keller nach sich zieht und dann bemerken wir, dass unsere eingeschweißte Brotreserve verschimmelt ist. Toll und ich habe Hunger wie ein Wolf! Doch während Wolfgang die zweite Gasflasche anschließt, fährt ein Bäckerwagen vor und wir haben ganz frisches Brot zum Frühstück! Wir fahren danach nur 10 Kilometer bis wir unsere Traumbucht bei Mezapos entdecken, wo wir mit dem Hiasl in erster Reihe einparken und den Rest des „anstrengenden“ Tages mit Lesen, Essen und Lesen verbringen.

Leider haben wir nun fast nichts mehr zu Essen und so müssen wir leider weiter fahren. Der nächste Laden ist dann erst in Areopolis. Super, dass heute Markt ist, so können wir dort endlich mal schönes, frisches Gemüse wie z. B. ein großes Bund Horta - Wildgemüse - kaufen. Wir beschließen weiter nach Kardamili zu fahren, zum einen da es dort sehr gut gefallen hat und zum anderen ist auch Wasservorrat schon recht gering und dem wollen wir am Hafen abhelfen. Nach dem Auftanken installieren wir uns wieder am Strand. Danach gönnen wir uns noch einen Rotwein in der Bar im Dorf, bevor es dann Semmelknödel mit einem großen Topf Horta gibt. Sehr lecker! Außer uns sind noch zwei Wohnmobile da, ein kanadisches Ehepaar mit Berliner Fahrzeug und eine Schwabe mit Münchner Kennzeichen. Zusammen mit einer Holländerin und einer Engländerin, die beide in Kardamili wohnen, wird am Abend ein Lagerfeuer entzündet und gepichelt, also vor allem die anderen. Es ist eine sternenklare Nacht, die Milchstraße ist deutlich zu sehen und die Venus wirft ihr Licht über den Golf von Kalamata. Total schön. Der Nachteil: es ist ziemlich kalt und es dauert dann lange, bis Wolfgang meine Füße wieder aufgetaut hat!

Heute wollen wir die Wanderung gehen, die wir vor einer Woche nicht gefunden haben. Diesmal finden wir den Einstieg und sogar eine blau-weiße Markierung. Es geht durch eine tiefe Schlucht immer in einem Bachbett aufwärts. Ab und zu führt die Markierung rechts oder links des Flussbettes, aber das ist wohl nur für die wasserführenden Zeiten relevant. Wir erreichen das verlassene Kloster Likaki. Ein Steinbau wie so viele. Doch im Inneren sind noch wunderschöne Fresken zu sehen. Da das Ganze unverschlossen ist, haben viele Idioten ihre Namen und Daten in die prächtigen Malereien eingeritzt. Nur im Altarraum, der auch schon ziemlich verfallen ist, sind noch unversehrte Bilder erhalten. Wie schon bei allen anderen Klöstern oder Kirchen, die wir gesehen haben, fällt auf, dass diese immer an recht exponierten und auch schwer zugänglichen Orten erbaut wurden.  Weiter den Bach hinauf kommt dann das Kloster Sotiro. Größer als das vorige, mit einem kleinen Platz davor, auf dem mehrere Weiden stehen. Trotz der engen Schlucht steht es voll in der Sonne und lädt uns zu einer Pause ein. Die Kirche ist leider verschlossen. Aber das macht nichts, der Ort ist auch so einfach total schön. Ab hier geht es auf der anderen Flussseite auf einem Feldweg hinauf. Wir verlaufen uns etwas, aber bei der Umgebung macht das nichts. Irgendwann kommen wir in Ag. Sofia an und gehen dann den schon bekannten Weg runter nach Kardamili.

Heute holen wir mal wieder die Räder runter, denn letztes Mal am Feuer haben wir gehört, dass es hier eine Strecke für Mountainbikes gibt. Es geht gleich hinter dem LKW los. Zuerst harmlos über eine steile Teerstraße, dann flacher aber über eine üble Piste hinauf zum Dorf Prosilio. Zudem scheint heute auch noch die griechische Novembersonne erbarmungslos. Dazu kommt, dass wir schon lange nicht mehr gefahren sind. Aber wir beißen uns durch! Als wir die Teerstraße erreichen, kommt zufällig der Kanadier von der anderen Seite vorbei und gibt uns den Tipp in das Dorf Malta zu fahren mit seiner Steinölmühle. In einer knappen halben Stunde sind wir dort und verbringen geraume Zeit in der alten Ölmühle. Die Oliven werden in 35 - 50 kg Säcke von den Bauern geliefert. Dann werden sie genau gewogen, bevor die Oliven mit Hilfe eines Gebläses von den Blättern abgesondert werden. Danach kommen sie in die eigentliche Mühle, wie hier noch mit alten Mahlsteinen. Der daraus gewonnene Brei kommt dann in Basttaschen, die  ca. ein Meter hoch in der Presse gestappelt werden. Schon allein durch das Gewicht der oben liegenden Matten fließt das Öl! Die Presse übt nur mehr geringen Druck aus. In der anschließenden Zentrifuge wird das Wasser vom Öl getrennt, das dann in den großen Kanistern, der jeweiligen Landwirte gefüllt wird. Wir wissen bloß nicht, was aus dem trockenen Olivenkuchen wird, der nach der Pressung übrig bleibt. Zum Teil haben sie ihn eingeheizt, aber der weitaus größte Teil wurde zur Seite geschaufelt. Vielleicht für Viehfutter? Wir fahren wieder zurück, auch wieder über die Piste, wobei ich (Angelika) schon manchmal tief durchatmen muss um Mut zu holen. Beim Auto habe ich mich dann doch gefreut, dass ich mich getraut habe!

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