Bulgarien 5.10. -11.10.2016

So gegen Mittag erreichen wir die Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien. Ich bin schon etwas wehmütig, denn Rumänien hat mir echt gut gefallen. Der rumänische Beamte hat noch etwas gemeckert, von wegen wir hätten die falsche Vignette und wir sollen doch noch was nachbezahlen. Aber Wolfgang ist stur geblieben und so durften wir dann nur die 12 € Brückenmaut über die Donau bezahlen. Doch so richtig unverschämt finde ich dann die 28 € für die Vignette für sieben Tage! Da hoffe ich doch, dass sich Hr. Dobrindt  mit seiner Maut in Deutschland durchsetzt und jeder Bulgare auch mal bei uns brennen muss. In der Grenzstadt Ruse finden wir dann endlich einen Waschsalon, wo wir unseren doch mittlerweile recht dicken Wäschesack abgeben. Um sechs Uhr können wir ihn wieder abholen. Wolfgang zirkelt mit dem Hiasl durch sehr enge, vollgeparkte Straßen um zum Ecomuseum zu gelangen. Dieses kleine, aber liebevoll gestaltete Museum klärt über den Lebensraum entlang der Donau auf einschließlich prähistorischen Funden z.B. Mammutknochen. Nach dem interessanten und kurzweiligen Besuch sind wir noch in die City gelaufen. Doch durch den eiskalten Wind haben mir nicht mal die schönen alten Häuser mit den schmiedeeisernen Balkonen so richtig gefallen. Wir sind einmal rauf und runter – es waren auch nicht viele Leute unterwegs – um dann in einem Café noch was zu trinken. Leider habe ich mich für Cappuccino entschieden.  So was Ekliges habe ich ja noch nie vorgesetzt bekommen. Mir kommt es so vor, als ob die Kondensmilch aufgeschäumt haben! Igitt. Wenigstens ist die Wäsche fertig und wir finden an der Donau einen angenehmen Übernachtungsplatz.

Es regnet wieder mal. Dadurch wird die triste Gegend, durch die wir fahren, auch nicht schöner. Alles ist entweder grau oder schmutzig oder beides. Keine Menschenseele ist zu sehen. Manchmal picken ein paar Hühner rum, das war’s dann. Endlich wird es etwas heller am Horizont und wir fahren an einem Schild von einer Ausgrabungsstätte vorbei. Als wir nach 10 Kilometern zu dem Dorf kommen, stehen da drei antike Säulen auf dem Dorfplatz. Da muss ich doch erst mal laut lachen. Wir gehen in den Laden nebenan um Eier zu kaufen. Doch das Angebot ist sehr übersichtlich. Da weiß man eigentlich nicht, soll man was kaufen um die Wirtschaft anzukurbeln oder kauft man den Bewohnern was weg? Eier gibt es eh keine und so entscheiden wir uns für’s Enthalten. Doch oh Wunder, auf dem Weg zum Auto entdecken wir ein Schild mit dem Hinweis, dass es noch drei Kilometer zur Ausgrabungsstätte sind. Hurra! In Nikopolis ad Istrum  gehen wir durch die teils sehr gut erhaltenen Ruinen dieser alten, von den Dakern erbauten und von den Römern 100 Jahre später übernommenen Stadt. Am meisten haben mich die sieben Meter breiten Straßen beeindruckt, die hier in der Stadt auch noch alle einen Entwässerungskanal haben. Das Gelände ist groß und auch noch nicht ganz ausgegraben. Ich mag solche Stätten, mich fasziniert es, wie man vor ca. 2000 Jahren schon so riesige Gebäude errichten konnte. Doch  die Kälte treibt uns weiter. Ein paar Minuten später weist wieder ein Schild auf ein Kloster hin. Wir fahren ein Stück rauf und gehen den Rest zu Fuß. Es liegt hoch über dem Fluss an eine Felswand geschmiegt. Die alte Basilika wird innen gerade restauriert, die äußeren Fresken sind z. T. schon erneuert. Die übrigen Gebäude mit Schlaf- und Wirtschaftsräumen sind noch alt und werden wohl nur notdürftig hergerichtet. Die Sonne kommt etwas raus und die Stimmung ist nun herrlich. Der Aufseher kommt und sperrt uns die Basilika auf. Wie immer sind alle Wände bemalt und es wirkt ein bisschen düster. Ganz anders als die riesigen katholischen Kirchen bei uns. Tja, heute ist Kultur angesagt und wir fahren noch eine kurze Strecke nach Veliko Tarnovo, im Mittelalter die Hauptstadt Bulgariens. Auch hier parken wir weit außerhalb. Wir mögen es recht gerne, wenn man sich zu Fuß einer Stadt oder einem Dorf nähert, denn gerade die Außenbezirke zeigen, wie die Menschen hier leben. Und das ist nie so, wie in den „Vorzeigeinnenstädten“. Auf der Suche nach einem Handyladen sprechen wir mit einem jungen Cafébetreiber. Er sagt uns, dass der Durchschnittsverdienst hier bei 250 € liegt, ein Rentner hat etwa 100 € im Monat. Im Winter sei es sehr hart, man kommt auf über 50 € Heizkosten. Er versteht die Regierung nicht, die in seinen Augen unsinnige Gesetze  erlassen hat. Da wundert es mich nicht mehr, dass in eigentlich abbruchreifen Häusern noch jemand wohnt. Die Schere zwischen arm und reich ist weit geöffnet. Der Q7 steht neben einem verrosteten Kinderwagen, der als Schubkarre dient. In der City gehen wir an Boutiquen, Schmuckläden und Restaurants vorbei. Drüben in der Altstadt führen die gepflasterten Gassen vorbei an alten Häusern im byzantinischen Stil rüber zur Festung, die strategisch günstig auf einem Hügel über dem Fluss liegt. Doch bei uns ist heute die Luft raus und wir belassen es mit ein paar Fotos und machen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz.

 

 

Heute wollen wir zu einem Dorf  fahren, das mit typisch bulgarischen Häusern aufwarten kann. Den Namen schwupps ins Navi eingegeben und los geht’s. Nach einem Abzweig wird die Straße einspurig und dann noch schmäler und dann ist es auf einmal ein Wanderweg. Aha, es sind aber nur mehr drei bis vier Kilometer, die Sonne scheint, also gehen wir zu Fuß. Der Weg – eine alte Römerstraße, die bis nach Nikopolis geht - führt durch einen wunderschönen Eichenwald immer auf und ab nach Bozhentsi. Das Internet hat nicht zu viel versprochen. Die Häuser sind alle noch mit Steinplatten gedeckt, weiß verputzte Wände mit dunklen Holzbalkonen und Fensterstöcken. Viele Walnussbäume an den Straßen und in den Gärten Apfel- und Aprikosenbäume. Wir beschließen den Besuch mit einem Mittagessen in einem Restaurant. Es gibt Lammsuppe und Kavarma, ein Schmortopf mit Fleisch und Gemüse, dazu frisches Knoblauchbrot. Hmm, sehr gut! Danach fahren wir weiter in die Berge. Wolfgang hat uns einen Platz auf 1300 m Höhe dem Shipka-Pass, ausgesucht, bei einem Kriegerdenkmal. Es regnet mal wieder und wir haben uns gerade eingerichtet und den Brotteig in den Backofen geschoben, als ein Polizist recht heftig an die Türe klopft. Wir verstehen natürlich nichts, da ruft der schlaue Kerl eine englischsprechende Dame an, die uns erklärt, dass wir hier wegfahren müssen, da um sechs Uhr der Platz gesperrt wird. Na, gut. Also alles notdürftig verstauen und runter auf den großen Parkplatz. Hier stehen wir auch gut, aber halt direkt neben der Straße.

Die Nacht war etwas unruhig, aber nicht wegen der Autos, sondern wegen des heftigen Windes, der uns ganz schön durchgeschüttelt hat. Und, man glaubt es kaum, aber es regnet mal wieder. Bei 4° und dichtem Nebel laufen wir schnell hinauf zu dem Denkmal für, ja für wen? Die geplante Wanderung am Kamm lassen wir wegen des Wetters sausen und wir fahren bei schlechter Sicht durch eine wunderschöne Berglandschaft. Der eisige Wind bläst die Blätter von den Bäumen. Das ist das Schöne an einem Laubwald: von Knallrot, über Orange, Goldgelb bis Hellgrün sind alle Farben zu sehen. Es sieht super aus. Vor uns breitet sich die thrakische Tiefebene aus. Der Regen lässt auch nach und schon bald sehen merkwürdige Hügel mitten in der ansonsten flachen Landschaft. Das ist ja genau das, was wir suchen, die Thrakergräber. Die Erdhügel sind zwischen 10 und 20 m im Durchmesser und 10 bis 15 m hoch. Über einen Feldweg fahren wir zwei davon an und kaum gehen wir um den ersten rum, steht da auch schon ein Kassenhäuschen. Aber nur fürs Anschauen von außen wollen wir nichts bezahlen, manchmal finden wir es hier in Bulgarien schon etwas vermessen, für was die alles Geld haben wollen. Also weiter nach Kasanlak, wo sich noch ein sehr gut erhaltenes Grab befinden soll. Wir finden es auch gleich. Aber das Original ist nicht zugänglich, nur eine Kopie für 3 € pro Person. Wenn man das auf den Durchschnittsverdienst umrechnet, dann müsste man dafür in Deutschland 30 € bezahlen. Wir drücken es zähneknirschend ab und stehen dann zu viert in einer sehr engen runden Grabkammer und sehen uns das nachgemalte Deckengemälde an. Für Archäologen war dieser Fund recht bedeutend, da es vollständig erhalten war und somit Aufschluss über die Menschen um ca. 250 v. Chr. gab. Wir zockeln nun Richtung Westen durch die weite Ebene. Es wird hier viel Gemüse wie Weiß- und Rotkraut, Rüben und Paprika angebaut. Auf vielen Feldern ist die Ernte von Paprika in Gange und man sieht überall Frauen mit Kopftüchern bei der mühsamen Handernte. Bei einem Fluss ist dann ein schöner Platz für uns. Wolfgang macht sich gleich mit dem Angelzeug zum Wasser auf, aber leider kommt er nach einer Stunde ohne Fisch und Blinker zurück!

Da wir neben einer Fußgängerhängebrücke geschlafen haben, ist heute Morgen schon reger Verkehr hier. Leider sehen wir auf der anderen Flussseite, dass, wie ganz oft in Osteuropa, ein Stoppelfeld angezündet wurde. Es stinkt bestialisch, die Luft ist voll beißendem Rauch. Das sollte wirklich mal verboten werden, ebenso die tausende von privaten Laubfeuern.

Wir wollen heute nach Plovdiv, nach Rom und Athen eine der ältesten Städte der Welt, welche bis heute durchgehend bewohnt ist. Wie üblich muss man erst durch die weniger schönen Plattenbausiedlungen durch, aber dann finden wir nahe der Altstadt einen Parkplatz. Wir gehen durch die grob gepflasterten Straßen vorbei an alten Häusern mit schönen Erkern hinauf zum Festungshügel. Von hier haben wir einen wunderbaren Blick auf die gesamte Stadt ringsum. Anschließend besuchen wir eine orthodoxe Kirche. Dort war gerade eine Taufe und auch wir bekommen von der Taufpatin ein Stück des traditionellen Brotes. Danach laufen wir durch fast jede Gasse und bestaunen die bunten Häuser. Auch vom griechischen Theater sind die Zuschauerränge, der Orchestergraben und die Bühne noch sehr gut erhalten. Von hier gehen wir rüber in die neue Stadt mit ihrer ziemlich langen Fußgängerzone. In deren Mitte sind eine alte Moschee und das römische Stadion, das 30.000 Zuschauer fasste. Der Eingang mit Tribüne ist ausgegraben und frei zugänglich. Es ist Sonntag, aber die Läden haben alle geöffnet und somit ist richtig Leben in der Stadt. Alle sind gut drauf, die Sonne scheint, in den Cafés ist kaum ein Platz frei. Irgendwo ergattern wir dann doch ein Tischchen und genießen das schöne Wetter und das Treiben um uns bei einem guten Cappuccino. Plovdiv können wir nur empfehlen!

 

Am Spätnachmittag geht es für uns weiter. Es gibt eine Planänderung. Statt ans Schwarze Meer wollen wir nun übers Pirin-Gebirge in die Strumaweinregion – vielleicht ergibt sich ja eine Weinprobe – und weiter nach Mazedonien, auch wegen des günstigen Spritpreises dort und dann nach Griechenland. Und so schlafen wir wieder mal in den Bergen auf dem Parkplatz eines Wasserkraftwerkes, dafür mit eigener Quelle! Wir wollen gerade ins Bett gehen, als neben uns ein PKW parkt und alles aus seinen Lautsprechern rausholt, was möglich ist. Wir hören uns das eine Zeitlang an, dann geht Wolfgang raus und leuchtet mit der Taschenlampe ins Wageninnere. Der Typ schreit, packt seine Tante wieder ein und wie der Teufel brausen sie davon.

Gleich neben dem Auto geht ein Wanderweg los. Das wollen wir ausprobieren. Doch nach 45 Minuten geben wir auf. Bei so viel umgestürzten Bäumen und stacheligen Büschen und Brombeerranken geht es ohne Machete einfach nicht weiter. Also drehen wir um und außerdem fängt es eh schon wieder zu regnen an. Beim Auto bemerken wir, dass sich an unserem Heckträger nun schon das zweite Laufrad verabschiedet hat. Hmm, noch haben wir sechs, aber wenn das so weiter geht… Mal schauen, ob wir in Griechenland welche auftreiben. Durch mehr oder weniger dichten Regen geht es nun über diverse Pässe und Hochebenen durch die Berge. Die wenigen Dörfer, die wir durchfahren, machen einen recht ärmlichen Eindruck. Die Häuser sind entweder unverputzt, was noch geht, oder verputzt und grau. Vor vielen Gebäuden türmen sich auf dem Gehsteig Holzberge für den bevorstehenden Winter. Ab und an ist ein Gemüsestand mit recht übersichtlichem Angebot zu sehen. Menschen sind nicht allzu viele auf den Straßen. Wir werden nicht so recht warm mit Bulgarien, was jetzt nicht nur an den Temperaturen liegt. In Goze Deltschew kaufen wir noch was ein und bleiben dann einfach an einer breiteren Straßenkehre für die Nacht stehen. Internet gibt es hier auch nicht, also machen wir mal wieder einen Alf-Abend.

Regen die ganze Nacht, Regen am Morgen. Da fällt das Aufstehen schon schwer. Jetzt hat sich auch noch unsere bulgarische Sim-Karte verabschiedet, so ein Mist. Wir fahren wieder mal über einen Pass mit 1700 m Höhe. Wegen des aufziehenden Nebels sehen wir nicht viel, aber wenn sich mal eine Lücke auftut, dann sieht es nach wunderschöner Berglandschaft mit weiten Hochebenen aus. Der Herbst zeigt, was er kann. Ich kann mich nicht sattsehen an den tollen Blattfarben. Was ich so gar nicht kenne, sind die unterschiedlichen Farben bei den Farne:  auch sie sind grün, gelb, fast weiß und schließlich braun. Doch der Nebel ist manchmal so dicht, dass wir fast im Blindflug unterwegs sind. Wir kommen schön langsam in die Weinregion rund um Melnik, von wo sich schon Winston Churchill mit Wein versorgen ließ. Auf einem Plakat wird groß für ein Weingut Werbung gemacht. Bei dem Wetter wäre doch ein winetasting gerade so das Richtige. Doch als wir durch einen vermüllten und versifften Weg endlich bei der „Winery“ angekommen sind, stellt sich heraus, dass außer den Reklameschildern und dem Haus von außen nichts fertig ist. Dann eben nicht. In der letzten größeren bulgarischen Stadt, Sandanski, geben wir wie gehabt die letzten Lewa aus. Zu einem großen Teil werden sie in Bier investiert. Wolfgang hat sich durchgesetzt! Der Regen hat sich mittlerweile verstärkt und die halbe Stadt steht unter Wasser. Es gibt keinerlei Kanalisation, aus allen Grundstücken fließt es auf die Straße, wenn uns ein LKW entgegenkommt, spritzt es sogar bei uns bis rauf zur Windschutzscheibe! Wir steuern nun die mazedonische Grenze an und nach einer Stunde im Grenzstau sind wir wieder raus aus der EU. Gleich das erste Dorf ist total aufgeräumt, ordentliche Häuser. Welch ein Vergleich zu Bulgarien! Um die strengen EU-Vorschriften einzuhalten, wird die Bevölkerung geknechtet. Ich hoffe nur, dass es sich irgendwann auch für die Leute lohnt und zwar nicht nur in puncto Freizügigkeit. Bis auf die Spritpreise ist es in Bulgarien teurer als in Rumänien, und da wundere ich mich schon, dass bei den niedrigen Einkommen die Cafés in Plovdiv proppenvoll waren.

 

Wir sind müde und fahren bald einen Feldweg rein. 15 Meter durch Matsch reichen den LKW einzusauen. Grr!

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