Polen 25.8. - 1.9.2016

Heute treffen wir uns mit Thomas, einem – ehemaligen – Arbeitskollegen, der gerade in Krappitz, seiner Heimatstadt, ist um Verwandte zu besuchen. Wir freuen uns sehr ein bekanntes Gesicht zu sehen. Thomas führt uns durch das Städtchen, entlang den Resten der Stadtmauer, vorbei an dem ehemaligen Schloß, in dem jetzt eine Berufsschule untergebracht ist, zu einer alten Kirche. Er sagt, dass sich in den letzten 10 Jahren viel verändert habe, doch die großen Veränderungen gab es natürlich nach der Wende. Große Fabriken mit tausenden von Arbeitsplätzen wurden aufgegeben und man kann jetzt nur die ruinösen Hallen sehen. Alles zerfällt, Arbeitsplätze sind nun rar. Er zeigt uns, wo er gelernt hat. Dort ist heute nichts mehr los. Wir holen seine Kinder ab und fahren ein paar Kilometer hinaus nach Moschen. Dort hat sich vor gut 100 Jahren ein deutscher Industrieller ein persönliches Märchenschloß in sämtlichen Stilrichtungen hingestellt. Mit angeblich 100 Türmchen. Wir haben  nicht nachgezählt. Heute wird es vor allem für Hochzeiten genutzt und der Park dient als romantischer Hintergrund für Hochzeitsfotos. Auch heute zählen wir über 10 Brautpaare. Zum Abschied essen wir noch eine Kleinigkeit und dann wird es für Caroline, Arthur und Thomas Zeit nach Hause zu fahren.

Unser nächstes Ziel ist das Glatzer Bergland, ein weiter Kessel umgeben von Bergen an der tschechischen Grenze. Wir fahren nach Miedzygórze ins Schneegebirge. Am Ende der Straße finden wir einen schönen Parkplatz mit Feuerstelle. Um uns noch die Füße zu vertreten gehen wir vom Parkplatz einfach den markierten Weg entlang. Um halb sechs wollen wir eigentlich schon umdrehen und geben uns noch eine viertel Stunde und stehen ein paar Minuten später plötzlich vor einer Hütte, dem Schweizer Haus. Es ist wunderschön hier oben auf gut 1200 m. Die Sonne scheint und man hat einen wunderbaren Ausblick auf die Berge ringsherum. Zurück am LKW machen wir noch Feuer und grillen ein paar Würstel. Doch die Sonne geht hier im Talgrund bald unter und es wird zapfig kalt, so dass wir uns bald ins Auto verziehen.

 

Weil es uns gestern so gut da oben gefallen hat, fahren wir heute noch mal mit dem Bike zum Schweizer Haus rauf und gehen dann zu Fuß auf den höchsten Berg des Schneegebirges, dem Na Snieznika 1425 m. Oben ist ziemlich was los, von allen Seiten kommen die Wanderer herauf. Wir finden sowieso, dass die Polen ein recht wanderlustiges Volk sind. Der Wind ist allerdings ziemlich kalt und so machen wir uns bald auf den Rückweg, der diesmal, dank der Räder, recht kurz ist und wir kommen zu einem richtig gemütlichen Faulenzernachmittag.

Erschrocken stellen wir fest, dass es bis nach Krakau ca. 300 km sind. D. H. wir müssen mal wieder weiter. Wir fahren durch das Oppelner Land nach Oberschlesien. Das deutsche Erbe schlägt sich in den Ortsbezeichnungen nieder. Wir fahren durch so lustige Orte wie Alt Kuttendorf, Deutsch Müllmen und Schwesterwitz! Etwas nördlich von Gleiwitz sehen wir auf dem Navi, dass wir an einem großen See vorbeifahren. Es ist heiß, was spricht also gegen ein Bad? Aber das dachten wohl gefühlte 10.000 Polen auch. Der Platz mit den vielen Autos ist nämlich kein Autohandel, wie ich gedacht habe, sondern der letzte von den drei Parkplätzen am See. Am Badestrand liegen die Leute dicht an dicht. Wir ergattern noch ein freies Plätzchen unter ein paar Birken. Der See entpuppt sich als dreckige Brühe mit dornigem Bodengras. Lauter Dinge, die ich gar nicht mag. Aber wenn man das Wasser meidet und die vielen Leute ignoriert, dann hält man es mit einem guten Buch doch drei Stunden aus!

 

Schwierig gestaltet sich dann heute zum ersten Mal die Schlafplatzsuche. Wir sind ja kurz vor dem großen Bergbaustädten und die Besiedlungsdichte ist entsprechend hoch. Endlich haben wir was, aber nicht lange. Es kommt ein älterer Herr und quatscht uns ohne Ende auf polnisch zu. Wir versuchen zwar mit dem Google Übersetzer zu verstehen was er eigentlich will, aber keine Chance. Er ist auch ziemlich penetrant. Wir verabschieden uns von ihm und verziehen uns in den LKW. Gott sei Dank, er geht. Doch nach fünf Minuten steht er schon wieder auf der Matte bzw. Treppe und klopft an die Türe. Uns reicht es. Wir packen alles notdürftig zusammen und starten den Motor. Doch leider ist es mittlerweile schon dunkel und wir irren in der Stadt Bytom umher. Irgendwann finden wir endlich auf einem Acker ein Fleckchen, wo man uns von der Straße aus nicht sehen kann. Gute Nacht!

Über diverse Umwege führt uns unser Navi heute nach Krakau. Von Vroni wissen wir schon, dass es hier schwierig ist frei zu übernachten, so dass wir uns gleich auf dem Camping Krakowianka installieren. Der große Vorteil ist, dass er direkt an der Tramhaltestelle liegt und neben einem riesigen Einkaufszentrum mit Carrefour, MediaMarkt, Decathlon und allem, was man halt so braucht.

 

Um halb acht aufstehen. Puh, das hatten wir schon lange nicht mehr. Mit der Tram fahren wir in die Altstadt, denn um 10 Uhr beginnt die free walking tour am Florianstor. Wir sind die einzigen Deutschen, sonst nur Amis und Australier. Es geht durch die Altstadt zum Marktplatz, über das Universitätsgelände weiter rauf zum Wawelschloss oberhalb der Weichsel. Es ist interessant und kurzweilig wie immer, aber doch auch anstrengend. Wir sind ja auch nicht mehr die jüngsten. Nach der Tour besichtigen wir noch die die Kathedrale und die Marienkirche, bevor wir uns ins jüdische Viertel, Kazimierz, aufmachen. Endlich ein lauschiger Garten, wo es Cappuccino und Kuchen gibt. Wir gehen in die Remuh-Synagoge und dem angeschlossenen jüdischen Friedhof. Auf den Grabsteinen liegen die Steine von den Besuchern . Der steinerne Sarkophag eines Wunderrabbis ist mit Wunschzetteln gepflastert. Doch für uns ist der anstrengende Besichtigungstag noch nicht zu Ende. Wir marschieren über eine Brücke über die Weichsel ins ehemalige Ghetto und weiter zu „Schindlers Fabrik“. Hier drehte Steven Spielberg am Originalschauplatz den Film Schindlers Liste. Heute ist in dem Gebäude ein Museum untergebracht: Krakau – Zeit der Besatzung 1939 – 1945. Es ist sehr informativ, aber zugleich auch sehr bedrückend. Wir sind nach dem Besuch fertig, vor allem vor Hunger und gönnen uns heute mal ein Restaurant. Und so komme ich endlich zu den Pierogi. Sehr lecker! Zum Abschluß dann noch ein Bier und einen Cider in einer Kneipe.

Da diverse updates am Laptop zu machen sind, kommen wir erst um halb zwölf vom Campingplatz los. Und dann müssen wir ja auch noch zum Carrefour. Aber endlich ist auch das geschafft und wir fahren weiter nach Zakopane. Allerdings mit einem mulmigen Gefühl. Denn die einzige Straße, die unser Navi auswirft, zeigt immer so ein komisches Go-Box-Zeichen an. Da wir wissen, dass die Strafe, ohne so ein Kästchen zu fahren, teuer ist, fahren wir runter, als wir eine Nebenstraße entdecken. Wir kommen nur unwesentlich langsamer voran. Die Landschaft wird allmählich wieder hügelig und die Häuser haben nun Großteils die spitzen Dächer mit den den vielen Giebeln. Sehr hübsch. Ganz hinten sind man schon die schroffen Gipfel der Hohen Tatra. In Zakopane finden wir gleich einen Parkplatz und machen uns auf in die Meile. Im Reiseführer wird sie ja als „Ballermann“ angekündigt, aber ganz so schlimm finden wir es nicht. Klar, viele Leute, Fast Food, Souvenirläden, aber irgendwie müssen die Menschen hier ja auch Geld verdienen. Etwas außerhalb gibt es eine sehr schöne, kleine Holzkapelle mit einem Parkplatz, auf dem wir übernachten werden.

Wandern ist angesagt. Leider dürfen wir nicht nach Kuznice fahren und müssen die drei Kilometer von Zakopane aus zu Fuß gehen. Hier startet unser Weg hinauf zu den Almen von Morowaniec. Wie immer sind wir nicht alleine. Haben die Polen außer wandern auch noch andere Hobbys? Ab hier endlich weg vom Mainstream und rüber zu den wunderschön gelegenen Bergseen nördlich des Svinica-Kamms. Steil geht es ab hier hinauf über unzählige Stufen in die Svinicke Scharte auf 2051m. Ein kurzes Nicken zu Wolfgang hinüber genügt: es heißt, wir gehen noch auf den Gipfel des Svinica. Die letzten 250 Hm müssen hart erkämpft werden. Gegner sind die anderen Wanderer, die sich bei den Reibungsplatten (durch dicke Ketten gesichert) schon ziemlich anstellen und unsere Geduld auf eine harte Probe stellen! Endlich sind wir auf 2301 m oben angelangt und genießen die herrliche Rundumsicht auf die hohen Tatragipfel. Die knapp 1600 Hm Abstieg gehen dann ganz schön in die Knochen. Auf dem Kasprowy Wierch - bis hier fahren die Faulen mit der Seilbahn ­– machen wir noch eine kurze Pause mit Hot dog! und Icetea, bevor den ellenlangen Weg nach Zakopane runtermarschieren. Nun nur noch zum Parkplatz an der Kapelle, essen, duschen und ab ins Bett.

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