Skandinavien Sommer 2025 Teil 2, 08.07. - 05.09.2025

Weiter geht es auf der E6 entlang beeindruckender Fjorde, Berge bis zum Meer, Orte mit Minihäfen oft mit angeschlossener Fischverarbeitung. Bei einer Kaffeepause entdecken wir noch Samische Torfhütten, die wohl temporär noch benutzt werden. Eine tolle Gegend! Am Oksfjorden vorbei erreichen wir den Lyngenfjord mit einem traumhaften Blick auf die Lyngenalps! Die Gipfel sehen wild und unnahbar aus, die Skitouren gehen dann wohl von der anderen Seite aus. Von Olderdalen nehmen wir die Fähre hinüber nach Lyngseidet und parken bald danach auf einer freien Fläche am Fjord ein. Außer uns sind noch ein paar Finnen da, viele davon campen in ihrem Pkw! 

So ein Stress, wir wollen die Fähre um 10:00 Uhr von Svensby nach Breivika erreichen, damit wir nicht so spät in Tromsø ankommen. Dort ergattern wir den letzten Parkplatz bei der Eismeer-Kathedrale. Aber heute wollen wir nicht schon wieder Eintritt für eine Kirche bezahlen und deshalb laufen wir nur einmal drumherum. Das reicht auch. Zu Fuß laufen wir über die Brücke hinüber in die Altstadt, was sich ganz schön zieht, und spazieren dann durch das viertel mit den bunten Holzhäusern. Am Polarmuseum überlegen wir noch, aber es soll ziemlich „verschnarcht“ sein, also bleibt es außen vor. Bald biegen wir in die Fußgängerzone ab, irgendwie zieht es uns zu Leuten und Läden, aber es gibt auch hier nur die immer gleichen , total überteuerten Souvenirshops. Eine Ausnahme: ein wahnsinnig toller Wollladen! So eine große Auswahl an Wolle und Zubehör habe ich noch nie gesehen, da kann ich mich nicht zurückhalten und es wandern ein paar Knäuel in meine Tasche! Nach Zimtschnecken und Cappuccino stiefeln wir wieder zurück zum Pössl und fahren auf die Tromsø-Insel zum „Botanischen Garten der arktischen Regionen“. Und der ist mal richtig super, klein, aber fein. Sehr gepflegt und nach Bereichen (Sibirien, Himalaya, Nordamerika, Skandinavien, Russland) aufgeteilt und mit einer Pflanzenvielfalt, wie ich mir sie nicht gedacht hätte! Jetzt brauchen wir noch einen Übernachtungsplatz und dafür mehrmals durch den Tunnel mit dem Kreisverkehr ( weil wir das Einkaufen vergessen hatten) über eine Brücke nach Ringvassøya zu einem Parkplatz am Dåfjord. Der ist okay, aber irgendwie hatten wir uns mehr davon versprochen. Immerhin sehen wir auf der Fahrt viele Rentiere.

Von da oben kommen wir nicht mehr weiter, also alles bis Tromsø zurück, noch einen kleinen Abstecher ins Einkaufszentrum, denn meine Tochter und ich brauchen unbedingt einen Teddypullover, und schon rollen wir weiter zu einem Parkplatz kurz vor dem Fähranleger in Brensholmen. Von da „besteigen“ wir den Aussichtshügel Ornfloya, wo wir einen fantastischen Blick hinüber nach Sommarøya haben. Zum Übernachten fahren wir zurück zum Sandvika-Strand, wo wir bei dem abendlichen Spaziergang viele Miesmuscheln finden. Sie schmecken gut, allerdings ist es schon eine sandige Angelegenheit. Zum Sattwerden gibt es noch eine fertige Fischsuppe, aber naja, wir haben schon besseres gegessen!

Von Brensholmen setzen wir mit der Fähre nach Botnhamn, Senja über. Wir klinken uns hier auf der Scenic Route Senja ein, die uns durch eine tolle Landschaft nach Husøy führt. Obwohl das kleine Fischerdorf sehr abgelegen liegt, macht es auf uns einen recht belebten Eindruck mit teils traumhaften Häusern. Da dreht sich das Gedankenkarussell sofort! Nach einem ausgiebigen Spaziergang gönnen wir uns beim Joker noch ein Eis und weiter geht es. Nächster Halt ist Mefjordvær mit einem stylishen Toilettenhaus. Was halt immer nervig auf den doch recht engen und kurvigen Straßen ist, sind zum einen die finnischen Autofahrer, die meist sehr langsam und ängstlich unterwegs sind und zum anderen die Norweger, die meinen die Straßen gehören nur ihnen und alle anderen sollen sich gefälligst in Luft auflösen. Und mit dieser Meinung stehen wir nicht allein! Am Parkplatz, wo wir wegen der guten Ausstattung gerne eine freiwillige Spende für die Nacht dalassen, warten wir mit leckerem Cappuccino den Regenschauer ab und wandern danach hinauf zum Kunten. Von dort zum kleinen Leuchtturm und über einen schmierigen Pfad wieder zum Pössl.

Wir sind immer noch auf der Scenic Route und brausen jetzt zum Ersfjordstrand. Die letzten Stürme haben wohl dem Parkplatz arg zugesetzt und laut Internet sollte dieser auch geschlossen sein. Theoretisch ja, aber er ist so voll, dass wir gerade noch ein Plätzchen erhaschen. Das Absperrband haben aber die Einheimischen niedergefahren! Wir beobachten am Strand noch ein paar Engländer beim – kurzen – Bad, aber wir verzichten darauf und fahren zum nächsten gesperrten Highlight. Der Tungeneset Holzsteg wird gerade repariert und es ist wirklich alles abgesperrt, schade. Aber wir geben nicht auf und fahren ins Svandalen Naturreservat und nutzen mal wieder eine Regenpause um auf schmalen Bohlenwegen hinunter zum Yttre Svanvatnet (See) zu wandern, denn soviel wie gerade im Auto sitzen, macht uns ganz ungelenkig. Langsam fahren wir weiter nach Gryllefjord, wo wir abwarten, bis die letzte Fähre um 19:00 ablegt, so dass wir uns am Fähranleger in die Warteschlange für morgen für die erste Fähre einreihen. Gute Nacht! Es bleibt spannend bis zu Letzt, ob wir mit der ersten Fähre mitkommen. Aber es klappt und 1 ¾ Stunde später legen wir in Andenes auf den Vesterålen an. Dort erkunden wir die Ortschaft, aber da Sonntag ist, ist nichts los und so fahren wir nach dem Tanken mal wieder auf der Scenic Route die Westküste hinunter. Wir sind etwas genervt, weil man sich nirgendwo hinstellen, ja nicht mal Parken kann. In Nordmela sind dann auf dem Strandparkplatz keine Verbotsschilder und wir machen uns gleich mal mit Decke auf zum Strand. Wir liegen noch keine fünf Minuten, da kommt ein ganz ekliger Nebel auf. Okay, wieder rein in den geräumigen Pössl. Dort machen wir mal einen Plan für die nächsten Tage.

Sonne! An der Küste weiter bis zum Andøya Aerospace, dem ersten betriebsbereiten Weltraumbahnhof auf dem europäischen Festland. Erst im März hat Isar Aerospace von hier eine Rakete gelauncht! In Burkekjerka gibt es mal wieder ein interessantes Toilettengebäude, nur leider hat so ein Idiot seine Toilettenkassette drinnen entleert und der Gestank und Dreck macht sie nicht benutzbar. War übrigens ein Deutscher, der auch noch zu doof zum Parken war. Zum Entlüften gehen wir noch zu einem kleinen Leuchtturm, bevor wir zur Ostküste von Andøya wechseln und durch eine schöne Berglandschaft, nicht so wild wie Senja, lieblicher, bis Sortland fahren. Immer wieder sehen wir tolle Häuser mit riesigen Fensterflächen, die einfach viel Licht ins Innere bringen. Wir sind nun auf der Insel Langøya und fahren in Stø ganz im Norden einen aufgelassenen Campingplatz an. Natürlich sind wir hier nicht allein, aber ab und zu ein Schwätzchen ist auch sehr schön! Als sich am nächsten Morgen endlich der Nebel verzogen hat brechen wir zu einer Wanderung auf der Dronningruta auf. Zuerst an dem wunderschönen Sandvikkenstrand vorbei und dann immer der Küstenlinie folgend auf einen – sehr steil und schmierig – Pass hinauf. Unterwegs sehen wir durchs Fernglas immer wieder eine Robbenfamilie, die im Wasser herumtollt. Für Bilder reicht mein Tele leider nicht aus. Für Wolfgang ist bei der Scharte Schluss, aber ich laufe auf der anderen Seite ebenso steil hinunter zu dem kleinen Fischer Nyksund. Sehr idyllisch und er wird wohl auch in den Reiseführern erwähnt, darauf lässt auch der gut belegte Parkplatz, der Ort ist autofrei, schließen. Die Preise in den Lokalen sind auch für norwegische Verhältnisse gesalzen, aber ich entdecke in einem kleinen Antiquitätenladen was ganz modernes: eine Eistruhe mit einem bezahlbaren Magnum! Damit mache ich es mir am Hafen bequem. Danach kommt der überaus steile Aufstieg zum Pass und der rutschige Abstieg. Am Strand nehme ich ein Fußbad, ah, das tut gut! Ich bin halt nichts mehr gewöhnt... Dafür grillen wir am Abend und können bis 21:30 draußen in der Sonne sitzen!

Unser nächster Halt ist Høvden, wieder ein ganz hübscher Miniort mit einem Stellplatz genau zwischen zwei Sandstränden. Und wir sofort in Badekleidung und mit Decke zu dem Strand auf der Südseite, wo wir allerdings bald feststellen müssen, dass es ganz viele lästige Sandfliegen gibt. Man kann praktisch nicht dort faul rumliegen. Und der Versuch ins Wasser zu gehen endet bei mir in Kniehöhe und Wolfgang versucht es erst gar nicht, Warmduscher. Dann eben einen ausgiebigen Spaziergang durch den Ort zum Fischereihafen. Schön wie immer. Am Abend setzt uns noch eine Frau den Floh mit der Hurtigruten von Stokmarknes hinüber nach Svolvær (Lofoten) und in der Nacht wieder zurück ins Ohr. Na, wir überlegen noch.

Okay, lange haben wir nicht überlegt, denn irgendwie sind wir heute dann plötzlich in Stokmarknes gelandet! Und genau da kommt am Kai neben dem Hurtigrutenmuseum die „Polarlys“ an. Wolfgang erkundigt sich noch wie die Preise sind und die Abfahrtszeiten und dann muss es schnell gehen! Zurück zum Pössl und was Warmes zum Anziehen und etwas zum Essen und Trinken in den Rucksack und um 15:15 legen wir schon ab. 65 € für uns beide hin und zurück ist ja fast ein Schnäppchen. Bei einem Traumwetter schippern wir durch den Raftsund mit vielen Inseln und biegen von dort in den Trollfjord ein. Zu diesem gibt es keine Straße, man kommt also nur auf dem Wasser hin. Er ist ca. 2,1 km lang, an der engsten Stelle 100 m breit und weitet sich am Ende gerade so viel auf, dass das große Schiffe darin wenden kann. Das Spektakel wird natürlich zweimal ausgeführt! Die bis zu 1000m hohen Berge, die Gletscher und die Wasserfälle sind aber auch wirklich spektakulär. Die vielen Menschen auf dem Schiff aber auch, da hat man es als Zwerg nicht so einfach. Gegen 18:00 legen wir in Svolvær an und marschieren gleich mal in eine Pizzeria. Obwohl wir ziemlich ausgehungert sind, schaffen wir die Riesenpizza nicht ganz, bei dem Bier und dem Cider haben wir keine Probleme! Danach schlendern wir noch in der Stadt mit vielen modernen Gebäuden, aber auch noch schöne bunte Holzhäuser. Es ist hier halt alles auf Kommerz getrimmt, aber irgendwie müssen die Norweger auch überleben. Um 22:30 ist Abfahrt und es geht auf gleicher Route zurück. Das Licht um diese Tageszeit ist traumhaft und gegen ende erleben wir für wenige Minuten mal wieder einen Sonnenuntergang und gleich darauf geht sie schon wieder auf! Um 1:30 sind wir, nun doch ganz schön müde, wieder in Stokmarknes, wo wir eigentlich auf dem Parkplatz schlafen wollten. Doch leider parkt neben uns ein Lkw mit laufendem Kühlaggregat, grr. Also noch einen Kilometer fahren zum nächsten Platz und dann endlich gute Nacht!

Über Sortland – wo wir endlich den Pössl waschen können – fahren wir zu einer kleinen Fähre in Fresnes und dann durch eine Landschaft á la Bayrischer Wald noch Søvik zum Einkaufen und dort gibt es auch einen Stellplatz. Allerdings fest in norwegischer Hand mit viel Abstand zwischen den riesigen Wohnmobilen, damit auch ja niemand mehr rein passt. Andersrum haben sie da gar keine Bedenken. 20 Kilometer weiter finden wir einen viel schöneren Platz an einer Steinkirche? und alten Unterständen und Waffenlagern aus dem WW2.

 

So heute geht es für uns wieder eine Weile nach Schweden. Wir wollen mal wieder ohne Herztropfen zum Einkaufen gehen und auch günstiger Tanken. Aber vor allem wollen wir in den Abisko-Nationalpark. An der Riksgränsen-Grenze steht praktischerweise ein ICA und der Parkplatz ist gerammelt voll mit Norwegern, die mit übervollen Einkaufswägen aus dem Supermarkt strömen. Hoffentlich haben sie uns was übriggelassen! Aber hat alles gut geklappt und wir können weiter nach Björkliden, wo wir eine kleine, aber tolle Wasserfallrunde laufen. Obwohl wir jetzt schon wirklich viele Wasserfälle gesehen haben, ist trotzdem jeder neue sehenswert. Beim Abisko-Nationalpark-Center stellen wir den Pössl ab und wandern durch durch lichte Wälder mit Zwergbirken und ganz vielen Beerensträucher – die Moltebeeren werden gerade rot – bis wir zum Fluss kommen. Dort kehren wir um, vorbei am „Meditationsplatsen“ und an dem recht wilden Fluss unter der E10 zum sog. „Wasserloch“ entlang bis wir kurz vor dem Parkplatz noch zum Anfang des berühmten Weitwanderweges Kungsleden kommen. Das würde ich auch sehr gerne machen, aber wahrscheinlich bin schon zu alt dafür. Etwas schwierig gestaltet sich die Suche nach einem Übernachtungsplatz, entweder versifft , verboten oder zu nahe an der Straße. Aber nach 20 km finden wir einen, leider wimmelt es da nur so von Mücken. Bis wir es merken, sind wir schon total zerstochen.

Unser nächstes Ziel ist Kiruna. Um die Stadt ist das weltweit größte Erzabbaugebiet und es besteht die Gefahr, dass Kiruna in den Tiefen der Gruben verschwindet. Also muss sie umziehen. Und zwar um 5 km seit letztem Jahr. Das neue Kiruna hat ein sehr modernes Stadtbild, etwas steril das Ganze, auch die Ein- und Mehrfamilienhäuser am Rand sind sehr ansprechend. Leider sind wir zu früh im Jahr um den Umzug der alten Holzkirche mitzuerleben. Da es heute über 30° hat, sind wir zu faul uns auch Alt-Kiruna anzuschauen und fahren deshalb bald weiter zu einem See bei Gällivare. Eigentlich wollten wir auf den Campingplatz zum Waschen, aber die Waschmaschine ist für die nächsten 1 ½ Tage ausgebucht! Gott sei Dank, denn das Schwimmen in dem zwar flachen, aber total warmen See ist super!

 

Wir haben seit Tagen ein Traumwetter, darum muss heute wieder ein Seeplatz her. Doch auf dem Weg dahin kommt uns zuerst der gigantische Harsprångfallet dazwischen. Er ist über viele Treppenstufen zu erreichen, was sich aber wirklich rentiert, denn mit einer Fallhöhe von 72 m und einer Wassermenge von 500 m³/sek ist es echt was besonderes! Dafür handeln wir die Samenstadt Jokkmokk etwas schneller ab, die hübsche Kirche ist abgeschlossen und für das Museum haben wir keine Lust. Es ist zu heiß und über die Samen wissen wir auch schon genügend Bescheid. Der ausgesuchte See liegt mitten im Wald, aber Mückenfrei! Es sind noch ein paar andere Wohnmobile hier, unter anderem Sabine und Frank mit ihrem Hund Aron, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstehen! Und das Schwimmen im See ist herrlich!!! Leider müssen wir am nächsten Tag weiter. 

Die Dimensionen hier oben sind einfach riesig. Über die zum Teil langweilige E45 überqueren wir zuerst den großen Piteälven und danach den Polarkreis. Diesmal ganz unspektakulär, nur ein völlig mit Aufklebern verunstaltetes Schild. Interessant finde ich, dass sich der Polarkreis in 20.000 Jahren um 180 km nach Norden verschiebt, dann wieder zurück und dann 180 km nach Süden usw.

In der Nähe von Sorsele fahren wir auf einen Campingplatz, beladen dort endlich die Waschmaschine und als die ganze Hausarbeit erledigt ist, gönnen wir uns zwei fette Burger (Fisch und Elchfleisch) mit Salatbuffet und Pommes! Sehr lecker und so ganz nach Wolfgangs Geschmack!

 

In Wilhelmina entern wir mal wieder einen ICA und schauen bei einem Loppis (Flohmarkt) vorbei, aber da gibt es nichts was wir wollen. Auf der Suche nach einem Platz zum Mittagessen treffen wir Sabine und Frank wieder. Wir verratschen uns mal wieder total! Sie wollen hierbleiben, uns ist da zu laut und wir verabreden uns vage irgendwo auf dem Vildmarksvegen. Kurz vor Saxnäs finden wir einen kleinen Platz an einem See, wo schon ein großer schwedischer Wohnwagen steht. Leider muss ich beim Bad am nächsten Morgen feststellen, dass der See gar nicht tief ist, denn meine Knie stoßen recht bald an den scharfkantigen Steinen an. Weiter geht es an dem riesigen Kultsjö entlang durch eine Super Landschaft mit ganz vielen schnuckeligen Ferienhäusern. Nach sieben nervige Kilometer mit üblen Wellblech erreichen wir Fatmomakke, ein altes samisches Kirchendorf, heute zu einem Freilichtmuseum umfunktioniert. Eine tolle Ausstellung, alles passt, die blühenden Blumenwiesen zwischen den alten Häusern und Hütten und auch die dunklen Wolken, die der Affenhitze endlich ein Ende bereiten. 

Auf dem großen Parkplatz oben auf dem Stekenjokk Plateau treffen wir auf die beiden Schleswiger. Aron braucht Auslauf und so laufen wir bis zu einem großen Damm, hier gab es bis in die späten 1980er Jahre Kupfer-, Zink-, Gold- und Silberminen. Nach einer langen Nacht – leider mit viel Mücken – verabschieden wir uns von Sabine Frank, denn ihr Urlaub neigt sich schon dem Ende zu.

 

Für uns geht es auf dem Vildmarksvegen weiter bis zu einem Abstecher zur Korallgrottan. Ein fast ebener Bohlenweg führt uns vier Kilometer zum Eingang der größten Höhle Schwedens. Diese ist allerdings nur mit Führer zugänglich, aber schon der Eingang mit dem Wasserfall sieht gut aus. Etwas oberhalb befindet sich eine Raststugan mit Notfalltelefon, Helilandeplatz und natürlich wie immer mit Klohäuschen, Grillplatz und Holz. Da fällt es uns richtig schwer nach einer langen Pause in der Sonne in so einer Idylle wieder zum Pössl zurückzugehen. Aber wat mutt, dat mutt! Am Stora Blåsjön versuchen wir das Auto bei einer Slipanlage einigermaßen gerade auszurichten. Am Abend wird es kühler und das verspricht mal wieder eine gute Nacht! Auch in Ankarede ist wieder ein samisches Kirchendorf, genauso schön, wie das letzte. Und das Beste: es gibt ein kleines Sommercafé, das so gemütlich aussieht, da können wir nicht widerstehen! Nach Gäddede geht eine Kiesstraße zum Parkplatz des Hällingsåfallet, den wir über einen wurzeligen Pfad bergauf erreichen. Ein unscheinbarer Fluss aus den Bergen donnert im freien Fall durch ein Felsentor und hüllt alles in eine Sprühnebelwolke. Echt toll! Auf dem Rückweg plagen uns mal wieder Mücken und wir müssen noch was zum Übernachten suchen, denn hier ist es verboten. Erst bei Bågede finden wir an der Brücke einen Platz. Heute sind wir ziemlich müde, denn 50 km Schotterstraße geht dann doch aufs Gemüt.

Über Strömsund geht es auf Nebenstrecken mit Kranichsichtungen nach Mörsil. In der Nacht setzt Regen ein, deshalb ist am Morgen Pfützenspringen angesagt. In Åre, Skandinaviens größte zusammenhängende Skiregion, stocken wir noch etwas Bier und Wein auf, bevor wir zur norwegischen Grenze fahren. Hier schauen noch kurz in den Grenzmarkt, wo es vieles sehr günstig gibt. Die Einheimischen schieben schwer beladene Einkaufswägen zum Auto! Wir kaufen nur Leksand-Knäcke und ein paar Süßigkeiten z. B. saure Gummiteile ein. Aber das war ein großer Fehler! Wolfgang hat sich sofort am Auto damit eine uralte Zahnbrücke ausgebissen. Es ist drei Uhr nachmittags und ein Blick ins Internet zeigt, dass die nächsten schwedischen Zahnärzte spätestens um halb vier Uhr schließen. Nur in Trondheim finden wir zwei, die angeblich länger aufhaben. Also los! Bei der ersten Adresse hat niemand auf das Klingeln reagiert, ich werfe Wolfgang dann in der Stadtmitte beim zweiten Zahnarzt aus dem Auto, denn hier kann man nirgends parken. Ich bin ein bisschen durch die Stadt geirrt, wurde aber dann doch noch fündig. Standort geschickt und knapp zwei Stunden später kommt er mit frisch eingeklebter Brücke und wir fahren noch zu einem Übernachtungsplatz etwas außerhalb des Stadtzentrums. Von dort kommt man gut zu Fuß n die Stadt. Wir steuern als erstes den Nidaros-Dom an und staunen nicht schlecht über die extrem vielen Menschen dort. Wir erfahren bald, dass heute der Todestag des norwegischen Nationalheiligen Olav ist und deshalb eine große Messe mit sämtlichen Würdenträgern des Landes stattfindet. Wir schmuggeln uns mit den Pilgern rein und die Atmosphäre im Dom mit kräftiger Orgelmusik und Weihrauch und Gebeten ist sehr schön. Aber nach dem Kyrie eleison verlassen wir mit ein paar anderen Touristen in aller Stille den Dom und spazieren über die Gamla Bybru hinüber ins alte Viertel Baklandet. Dort sind die kleinen, bunten Holzhäuser mit den blühenden Rosenstöcken vor der Fassade, dazwischen kleine Läden und viele Cafés. Mit Cappuccino und Zimtschnecken ruhen wir ein bisschen aus und schauen dem bunten Treiben zu. In der City entdecken wir ein Hochhaus, naja 8 Stockwerke, wo vor kurzem eine Besucherplattform eröffnet wurde. Nur schade, dass das Wetter heute nicht mitspielt, so können wir nicht all zu weit schauen. Nun noch das größte Holzhaus Skandinaviens im Stiftsgården von außen angeschaut und dann reicht es uns auch für heute. Wir müssen ja auch noch die knapp drei Kilometer zum Auto zurücklaufen! Um mal voranzukommen, fahren wir noch 50 km zu einem Picknickplatz bei Størm.

Heute Vormittag nur Regen. Da wird Kuchen gebacken und gelesen und gewartet, dass der Regen aufhört. Aber dann geht es gleich raus und wir wandern den Forstweg hinauf, bis dann der Matsch zu viel wird und pflücken noch jede Menge Himbeeren, bevor wir weiter auf der E6 durch eine nebelige Landschaft fahren. Die Bauernhäuser sind hier meist weiß, sehr lang, aber oft nur ein Zimmer tief! Und viele davon haben Grasdächer. Kurz nach Oppdal erreichen wir Hjerkinn am Dovrefjell NP, wo wir in der Pampa einen Schlafplatz finden. Über eine 4 km lange Mautstraße gelangen wir zum Parkplatz, von wo aus über einen breiten Wanderweg zur Snøhetta aufsteigen. So Massenwanderungen sind eigentlich nicht so unser Ding, aber man kann auch mal eine Ausnahme machen! Von den aus Grönland angesiedelten Moschusochsen sehen wir natürlich nichts. Dafür ist die Hütte sehr modern mit viel Holz und einer komplett verglasten Seite. Da sich das Wetter immer noch nicht geändert hat, sehen wir auch vom dem nahen Minigipfel kaum was von der bestimmt schönen Landschaft. Aber alles in allem ist es ein schöner Ausflug. Doch wir müssen weiter und zwar nach Sunndalsøra, wo wir noch einkaufen und uns die roten Badehütten oder Bootshäuser ansehen.

Wettertechnisch sieht es heute besser aus und so beschließen wir den Aursjøvegen nach Eresfjord hinüber zu fahren. 100 Nok müssen wir für die Maut überweisen. Die schmale Straße windet sich durch eine sagenhafte, wilde Landschaft, vorbei an Stauseen, steile Berge, enge Kurven, aber durchwegs eine gute Schotterpiste. Oben auf dem Hochplateau stehen mit viel Abstand zum Nachbarn Ferienhütten, die teils nur zu Fuß und mit Schubkarren für die Versorgung erreichbar sind. Am Aursjø machen wir an der riesigen Dammkrone eine Pause, wir haben hier nach 50 km ca. die Hälfte der Strecke hinter uns. Doch leider schlägt das Wetter um und uns begleiten dichter Nebel und Nieselregen. Die Straße wird nun noch enger, kurviger und steiler. Aus dem Nichts kommen immer wieder norwegische Autos entgegen, meist mit überhöhter Geschwindigkeit und erwarten dann von uns, dass wir uns entweder in Luft auflösen oder solange rückwärts fahren, damit die Herren vorbei kommen. Deppen! Wir sind deshalb froh, als wir wieder Teer unter den Reifen haben, machen uns erst mal einen feinen Cappuccino, bevor wir uns bei Eresfjord auf einem kleinen Parkplatz installieren. Dort finde ich bei einem Abendspaziergang noch Himbeeren, die gleich noch zu zwei Gläsern Marmelade verarbeitet werden.

Angeblich soll das Wetter heute noch solala sein, deshalb brausen wir nach Kristiansand und von dort an der Atlantikküste entlang nach Kårvåg – bedeckt mit Nebel- , wo die berühmte Atlantikstraße beginnt. Wir haben uns wohl wegen diverser Fotos mehr davon versprochen. Ja, es ist schön über die geschwungenen Brücken zu fahren. Aber sämtliche Parkplätze sind heillos überfüllt. Nach mehrmaligem Kreisen ergattern wir endlich einen und laufen dann mit dem Rudel auf einem angelegten Weg um einen Aussichtshügel. Wolfgang versucht mit der Drohne etwas spektakulärere Fotos zu machen, aber so richtig überzeugt sind wir nicht. Wenige Kilometer weiter südlich das Gleiche noch mal, ja, kann man machen, aber ein Muss ist es wirklich nicht. Für uns geht es nun über eine Route mit sehr vielen nervigen Geschwindigkeitsbeschränkungen nach Molde. Dort soll es oben am Aussichtspunkt Varden Stellplätze mit toller Sicht auf denn Fjord geben. Wir quälen also den Pössl die 400 Höhenmeter hinauf, aber die einzigen Plätze, wo man einigermaßen gerade stehen kann, sind schon von fetten Wohnmobilen besetzt. Okay, kurz die Aussicht genießen und dann alles wieder runter. Auf einem Wanderparkplatz gibt es genug Platz für uns und auch gleich noch eine nette Runde um einen See. 

Heute ist mal wieder eine Fährfahrt angesagt: von Molde nach Vestnes und weiter nach Ålesund. Bei der Ortsdurchfahrt gibt es einen kleinen Stau, denn eine größere Gruppe von „Kreuzfahrern“ ist mit E-Rollern unterwegs. Nervig! Wir wollen zum „Akvarium Atlanterhavsparken“, es ist zwar teuer und heute am Sonntag recht gut besucht, aber trotzdem verläuft es sich drinnen, denn die Leute mit Kindern halten sich gerne bei den Tierfütterungen im Außengelände auf. Innen gibt es große Salzwasseraquarien mit Makrelen, Dorschen, Seewölfen, großen und kleinen Krabben, Tintenfische, Lachse, Schnecken, Rochen usw. wir erfahren auf interessante Art sehr viel über das Leben im Atlantik und an der norwegischen Küste. Draußen werden Pinguine, Otter und Robben gefüttert, aber da ist es schon schwer einen guten Beobachtungsplatz zu finden. Auf jeden Fall eine klare Empfehlung! Wohingegen uns Ålesund trotz seiner Jugenstilhäuser nicht vom Hocker gerissen hat. Wir übernachten danach bei Magerholm, aber es regnet die ganze Nacht. Auch am nächsten Tag begleitet uns der Regen! Wieder mit einer Fähre nach Sykkylven und durch eine bestimmt schöne Berglandschaft – wir sehen nichts davon – nach Stryn. Dort laufen wir die Hauptstraße vorbei an den immer gleichen Sport- und Andenkenläden rauf und runter und kehren wieder zum Auto zurück, bevor wir total durchnässt sind. Wir haben jetzt von dem schlechten Wetter in Norwegen die Nase voll und fahren deshalb das Ottadalen hinaus. 

Regen, Regen, Regen! Wir übernachten einfach in einer Kurve mit kleinem Platz auf der Strecke zum Videfossen. Man glaubt es kaum, aber heute morgen hören wir gar kein Plätschern! Petrus schläft wohl noch. Also setzen wir gleich den Blinker nach rechts um auf den alten Strynefjellsvegen abzubiegen. Gleich zu Beginn halten wir am beeindruckenden Videfossen und dank etwas Sonnenschein haben wir einen tollen Blick auf die vergletscherten Berge ringsum. Durch eine kahle Berglandschaft schlängeln wir uns auf ca. 1100 m rauf entlang von reißenden Flüssen und türkisen Seen. Und Wollgras überall! Auch ein kleines Skigebiet ist hier oben. Wow, es ist superschön alles und wir sind sehr froh, dass die Tour machen können. Nach 20 km kommen wir wieder auf Teer (davor Wellblech mit vielen Schlaglöchern) und genau da setzt wieder der Regen ein. Glück gehabt! Wir kommen an Lom vorbei mit der bekannten Stabkirche, aber auch diesmal schauen wir sie nur von außen an und investieren unser Geld lieber in ebenso bekannten Bakeriet i Lom in wahnsinnig leckere Zimtschnecken, hmm! Leider sind hier in der Gegend die Stellplätze rar und so müssen wir uns notgedrungen in Otta auf der großen Kiesfläche am Bahnhof stellen.

Noch kurz bei REMA 1000 einkaufen und mit einem kleinen Abstecher zur Stabkirche von Ringebu fahren wir das Gudbrandsdal hinaus bis Lillehammer. Der Ort hat uns vor sechs Jahren so gut gefallen, aber heute sind wir nur genervt. Das fängt bei der Parkplatzsuche an und hört bei der überfüllten Fußgängerzone auf. Leider geht es danach mit viel Verkehr und noch mehr Baustellen weiter, an Hamar vorbei und dann ca. 50 km auf einer gut ausgebauten Landstraße, wo man nur 60 km/h fahren darf. Da die Strafen in Norwegen sehr hoch sind, halte ich mich akribisch daran und bin dann aber doch ziemlich platt, als wir endlich gegen 18 Uhr in einem kleinen Ort am Fluss bei einem Kanuclub ankommen. Die Holländer neben uns meinten zwar, wir sollen uns woanders hinstellen, wahrscheinlich wegen der Sicht, aber da ist heute nichts zu machen. So groß ist unser Auto ja auch nicht.

 

Wir nähern uns nun der schwedischen Grenze und die Dörfer und Häuser sind auf einmal ziemlich heruntergekommen und wirken ärmlich. In Sysselbäck entern wir noch schnell den COOP, bevor wir einen netten Platz am Ufer des Klarälven anfahren. Es schwirren zwar ein paar Mücken rum, aber man kann noch einen Spaziergang machen und als dann die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird es auch gleich kühl und da erledigt sich das Mückenproblem von alleine.

Boah, schon wieder Regen! Wir lassen uns mit dem Frühstück Zeit und tatsächlich hört es auf. Nach 20 km weist ein Schild auf den Flämtefallet hin. Und obwohl wir die letzten Monate Wasserfälle bis zum Abwinken hatten, fahren wir doch hin. Und es ist wieder toll, diesmal mit arg braunem Wasser, aber steil, eng und sehr reißend. Für uns ist aber heute Kultur angesagt! Unser Ziel ist der Rottneros Park in Sunne, ein Blumengarten und Skulpturenpark. Jahreszeitlich bedingt sind zwar viele Blumen schon verblüht, aber das weitläufige Gelände ist toll angelegt, zum Teil Selma Lagerlöff gewidmet. Das Schloss ist in Privatbesitz und ich muss sagen, das macht schon was her! Auf einer Bank am Badeplatz genießen wir mal wieder die Sonne und fahren am Spätnachmittag auf einer schmalen Schotterpiste nach Rensted zu einem Badeplatz mit Saunahütte, Umkleiden und WC. Es geht ein kräftiger Wind, darum verschiebe ich das Baden auf morgen!

Ich bin wirklich geschwommen, aber das Wasser ist schon recht zapfig, also höchstens 50 m und dann hurtig zurück. Unsere Schränke sind schon wieder leer, also nach Karlstad zum Einkaufen und danach schauen wir uns die Stadt an. Leider ist gerade eine Riesenbaustelle in der City und so ist es recht kompliziert einen Weg über die Gleise zu finden. Ja, ist nichts besonderes, Fußgängerzone, Dom schöner Park und die alte Steinerne Brücke. Auf P4N finden wir auf einer Halbinsel einen sehr schönen Platz zum Übernachten. Ganz euphorisch packen wir die Stühle raus, aber trotz Sonne halten wir es mit dem starken Wind draußen nicht aus. Schade! Am Abend kommen noch ein paar Angler , aber laut einem Schild, darf man nur Lachse und Lachsforellen > 60 cm und Zander > 45 cm rausholen. Ich muss sagen, so große Eimer hatten die gar nicht dabei! Wir schauen uns auch noch den Marieborgskogen Freizeitpark. Im Naturum gibt es eine kindgerechte Ausstellung zu Flora und Fauna, gut für uns, denn es ist alles nur auf schwedisch, aber so kapieren wir das meiste ohne die ganze Zeit den Übersetzer bemühen zu müssen. Ein Bohlenweg führt uns zu einem Aussichtsturm und weiter zu einem kleinen Freilichtmuseum zu den Finnskogen, Waldfinnen, die hier mal angesiedelt wurden. Ein älterer Herr erklärt uns die Rauchhäuser, hier wird mit Rauch geheizt, also ohne Kamin. Er räumt aber auch ein, dass die Leute nicht sehr alt wurden. Bei den Streichelgehegen für die Kinder ist noch ein Café offen, da gibt es ein Eis für uns. Alles in allem ein toller Nachmittag und wir sind erstaunt, dass das Ganze ja eigentlich noch in der Stadt ist. Und am Abend finden wir dann endlich mal wieder genügend Holz für ein Lagerfeuer an einem kleinen See!

Viele Reisende, die wir trafen, haben uns den Tiveden NP ans Herz gelegt. Und trotz Montag sind wir nicht die Einzigen! Auf dem Weg zum Parkplatz Osteingang sind uns schon verdächtig viel Fahrzeuge entgegengekommen, nun die sind alle wegen Überfüllung zurück. So wie wir dann auch, denn der Ranger mit mit dem Strafzettelblock ist schon fleißig bei der Arbeit. Also alles zurück und zum P Vitsand im Norden gefahren. Hurra, wir erhaschen gerade noch den letzten Wohnmobilparkplatz. Aber es hat sich rentiert! Die Wanderung führt uns mit viel auf und Ab an einem See entlang, teils recht sportlich über die Felsen, aber wirklich traumhaft schön. Durch einen ursprünglichen Wald geht es oft mit einem tollen Blick auf den See hinüber zum Osteingang, wo sich das Parkplatzproblem allmählich verringert. Dann über den „Stenkällar“, ein enger Durchschlupf durch Felsen, ebenso fordernd zurück zum Auto. Von Frank und Sabine haben wir einen Stellplatztipp bei Olshammar am Vätternsee bekommen, den wir jetzt auch zügig, fast nur auf Schotterstraßen, ansteuern. Bei einem Gläschen Wein auf einer Bank oberhalb des Sees beschließen wir den Tag.

 

Eigentlich wollen wir uns heute die Festung in Karlsborg ansehen, aber zum einen ist eine Affenhitze und zum anderen ist diese wohl eher was für Militärfreaks. Also nur etwas Beine vertreten zum kleinen Leuchtturm und dann nehmen wir noch ein paar Kilometer unter die Räder und bleiben dann auf einem kleinen Bezahlplatz am Vättern. 10€ für nichts außer einer schiefen Wiese finde ich zwar etwas teuer, aber der Platz ist am Abend voll! Leider weht ein kräftiger Wind, so dass es mit dem Bad nichts wird. 

Aber heute ist es dann soweit: ca. 20 km südlich von Jönköping ist gerade noch ein Platz auf dem Parkplatz des Fängensees für uns frei und das wird mal so ein richtiger Faulenzertag mit Baden, Lesen, Hörbuchhören und Brotbacken! Auch wieder Danke nach Schleswig!

So heute laufen wir das letzte Mal durch einen schwedischen Nationalpark: Store Mosse, Schwedens größtes Moorgebiet. Und wieder der Mist mit den Parkplätzen. Bei den Pkws ist noch viel frei, aber die sieben WoMo-Plätze sind belegt, wobei manche schon arg dumm parken. Aber wir haben Glück und es fährt gleich einer los. Wir nehmen natürlich den längsten Weg ~12 km, der uns um den Kårsjö führt. Es geht über sehr viele Bohlen und im Moor ist es sehr heiß und wir sind froh, als wir endlich in den Wald kommen. Zur Stärkung gibt es viele Blaubeeren unterwegs. Nach ca. der Hälfte kommen wir zum „Vandrerhem Svasö“, wo wir Pause machen und an einer Schwengelpumpe unsere Flaschen mit Trinkwasser auffüllen. Ab hier ist der Weg dann etwas langweilig, es blüht nichts mehr, Vögel sind auch keine mehr da und sind dann 6 km ganz schön lang. Im nächsten Ort Hillerstorp gibt es dann einen schönen Platz mit Ver- und Entsorgung bei einem kleinen Hafen an einem 10 km langen Kanal. Ein Reisebus bringt dann ca. 50 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine, die sich sehr über die Fahrt mit einem Motorboot freuen!

 

Am Fegensee legen wir heute noch einen kurzen Badestopp ein und wg. Übernachtungsverbot fahren wir noch zu dem Parkplatz der Kirche von Sandvik

Zu Wolfgangs Freude geht es heute ins größte Kaufhaus Schweden, zum Gekås in Ullared. Der Parkplatz ist gigantisch und alles ist sehr gut durchorganisiert. Die Einkaufswägen werden zum Beispiel mit einem Radlader rumgefahren! Und auf drei Etagen gibt es dort alles in in großen Mengen, also Klamotten, Kosmetik, Autozeug, alles für Tiere, Spielzeug, Haushalt, Lebensmittel u.v.m. Uns ist es bald zu viel, aber ein paar Kleinigkeiten sind auch in den Wagen gewandert, und bei den Schweden sieht es aus, als ob schon der Krieg ausgebrochen ist. Manche gleich mit zwei Wägen! Nun aber raus aus dem Getümmel. Wir fahren nun an die Küste nach Falkenberg, wo man beim Windpark stehen bleiben darf. Die Windräder stören nicht, aber der Wind ist schon heftig hier. Na, wer hätte das gedacht? Wir spazieren noch zu dem kleinen Sporthafen mit den hübschen, roten Bootshäusern und übernachten hier auch, aber am nächsten Tag fahren wir etwas weiter an der Küste, wo es windtechnisch viel besser ist und wo wir einen genauso schönen Sonnenuntergang wie gestern haben.

Heute Abend verlassen wir Schweden! Von Halmstad geht es mit der Fähre nach Grenaa/Dänemark. Zuvor laufen wir noch durch Halmstad – nichts besonderes – kaufen noch etwas zum Abendessen und dann fahren wir noch zu einem Badeplatz in der Nähe des Fährhafens. Mit großer Liegewiese, Umkleiden, Duschen und einem Steg, den gibt es auch noch barrierefrei! Jetzt sind wir wenigstens auch noch in der gar nicht so kalten Nordsee geschwommen und es hat richtig Spaß gemacht. Um 18:00 Uhr fahren wir auf die Fähre auf, schauen bei noch lauen Temperaturen der Sonne beim Untergehen zu, bevor wir uns dann in der Trucker Lounge niederlassen. Wahrscheinlich dürften wir hier nicht sein, aber nur da gibt es noch frei Sitzplätze. Hier lesen wir oder schlafen unbequem am Tisch. Um 0:45 Uhr rollen wir von der Fähre und fahren noch etwas die Küste entlang zu einem Parkplatz neben einem Kieswerk. Wir haben dort sehr gut geschlafen und bei Licht sieht der Platz auch recht gut aus. Wir starten heute spät, über die Autobahn vorbei an unzähligen, nervigen Baustellen, und machen dann einen Halt in Velje, wo wir einen stadtnahen Parkplatz finden, wo wir mit der EasyPark-App bezahlen können. Da können wir falls erforderlich easy nachbuchen. Wir wollen uns hier das Fjordenhus von Olafur Eliasson anschauen, aber dazu müssen wir quer durch die Stadt bis raus zum Hafen. Das Gebäude, in dem zum Teil Büros und ich glaube ein Restaurant untergebracht sind, hat eine eigene Architektur und verbindet Meer und Stadt. Uns hat es sehr gut gefallen. Beim Rückweg steuern wir ein Café an und bestellen Cappuccino und Brownies, aber was soll ich sagen: beides ungenießbar und sauteuer! Ärgerlich. 50 km südlich gibt es einen Stellplatz in Hejlsminde, da stürzen wir uns auch noch mal in die Fluten, naja, eigentlich laufen wir ewig raus, aber das Wasser wird nicht tiefer, also nur ein bisschen ins Wasser legen statt schwimmen.

Heute reißen wir die letzten Kilometer in Dänemark und dann geht es nach Jübeck, wo wir Sabine und Frank in ihrem hübsch ausgebauten Resthof besuchen. Der Nachmittag geht viel zu schnell vorbei, schön war es bei euch! Hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder. Erst gegen 18:00 Uhr kommen wir los und verzetteln uns heillos wegen drei nicht angekündigten Straßensperrungen. Ja, Deutschland hat uns wieder. Erst um halb neun kommen wir in Wilster (Wilstermarsch) an, nun noch Abendessen und ab ins Bett. Wilster ist ein nettes, kleines Städtchen mit allem was man braucht, auch schöne Klinkerhäuser, große Kirche und sogar mit Leuten auf der Straße! Es ist nicht mehr weit nach Glückstadt zur Elbfähre. Doch dann auf der Zufahrtsstraße beginnt das Chaos. Im Internet lesen wir, dass es zu Verspätungen kommt, weil eine Fähre defekt ist. Lange Rede kurzer Sinn, wir stehen fünf Stunden im Stau, bis wir endlich auf die Fähre können. Die Polizei regelt den Verkehr nicht, die einzige Ampel bleibt eine halbe Stunde auf rot, so dass nur die Abbieger der anderen Straße fahren können. Es ist einfach nur zum Kotzen. Ich habe gerade die Nummer der Polizei gewählt, da schaltet die Ampel auf grün und schon geht es zumindest über die Straße. Dafür werden wir mit der hübschen Stadt Stade entschädigt, die uns mit den tollen Häusern und der stimmungsvollen Beleuchtung am Abend super gefällt. Am Fischmarkt gönnen wir uns in einem spanischen Lokal noch einen Absacker, bevor wir wieder durch die City und einem Park zum Auto zurücklaufen.

Auch um Bremen langer Stau wegen Arbeiten an der Weserbrücke, aber am frühen Nachmittag sind wir endlich im Wildeshauser Geest angekommen. Nach dem Kaffee bin ich alleine eine Runde gegangen. Zuerst durch das Pestruper Feld mit mehr als 100 Grabhügel aus der Bronzezeit, die auch gut zu erkennen sind und dann weiter zu den „Kleinen Knetener Steinen“ mit Megalith-Gräbern aus der Jungsteinzeit, wo mich das 20 m lange Langhügelgrab schon sehr beeindruckt hat. Nach einer Übernachtung in Vechta sind wir noch mal zu einer anderen Stelle im Wildeshauser Geest gefahren um dort durch das Moor zu wandern. Zu Beginn ist der Weg sehr staubig, vor allem wenn ein Traktor vorbeifährt, aber dann macht es Spaß durch die Wälder zu laufen – trotz Regen. Nun noch schnell auf den Aussichtsturm hoch und dann fahren wir zackig ins Münsterland zu unserer Tochter , Schwiegersohn und den beiden Enkelkindern, wo wir schon mit lecker Kuchen erwartet werden. Dort bleiben wir zehn Tage, genießen die Zeit mit den Kleinen, werkeln im Garten, hüten am Abend die Kinder und feiern dann den lange ersehnten Ersten Schultag von August! Am Sonntag ist im Ort ein großes Feuerwehrfest, wo wir Löschzüge in allen Größen bestaunen können, August nimmt an sämtlichen Aktivitäten der Kinderfeuerwehr teil und wir sind von den angebotenen Speisen und Getränken sehr angetan! 

Heute heißt es Abschiednehmen und damit wir nicht zu traurig sind, treffen wir uns in Telgte mit Barbara und Raimund, Reisefreunde, die wir seit unserer ersten Begegnung 2019 im Baltikum immer wieder mal treffen. Jetzt ist erst mal ratschen und sonst nicht viel angesagt. Am nächsten Tag wechseln wir die Stadt, es geht nach Beckum. Allzu viel hat das Städtchen nicht zu bieten, aber mit Hilfe der Lauschtour-App auf Barbaras Handy, werden uns doch noch ein paar interessantere Dinge gezeigt. Zum Übernachten fahren wir zur Windmühle auf den Höxberg und schaffen es dann doch bis 23 Uhr mit Fellen und Decken ausstaffiert draußen zu sitzen! Und schon steht wieder ein Abschied an.

Wir fahren nach Eisenach und steuern den einzigen kostenlosen Parkplatz an der Hohen Sonne an. Alle anderen, wo man mit einem Wohnmobil parken darf, sind einfach unverschämt teuer im Vergleich zu den Pkw-Plätzen. Von dort kann man schön durch die Drachenschlucht wandern. Ein breiter Weg führt uns durch mächtige Buchenwälder hinab in die Schlucht. Dort geht es dann auf Gitterwegen durch enge, bemooste Felsen hindurch, das engste Stück beträgt gerade mal 68 cm!. Ist etwas nervig bei Gegenverkehr! Wir müssen dann natürlich wieder zurück, aber der Weg macht echt Spaß und ist gut auch am Spätnachmittag noch zu machen. Übernachtet wird in Bad Salzungen auf dem Thermenparkplatz, von wo wir dann unseren letzten Übernachtungsplatz am Silbersee bei Treffelstein in der Oberpfalz anpeilen. Da nützen wir das warme Wetter noch zum Schwimmen aus und für eine Runde um den See. Leider regnet es am nächsten Morgen und deshalb geht es nun direkt nach Hause und nicht erst noch auf die Landesgartenschau in Furth im Wald. Aber das holen wir in ein paar Tagen nach!

 

Nach 107 Tagen und gut 12.000 km sind wir wieder zu Hause und es war eine unglaublich schöne Reise! Aber jetzt müssen wir die vielen Eindrücke verarbeitet werden und dann natürlich noch die nächste Reise geplant werden! Seid gespannt!

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Skandinavien Sommer 2025 Teil 1, 22.05. - 07.07.2025

Also eigentlich soll es ja eine Sommerreise werden, aber pünktlich zum Start am 22. Mai 2025 regnet es ordentlich. Nach einer langen Trockenperiode! Aber wir schaffen es die letzten Dinge noch einigermaßen trocken in dem Pössl zu verstauen und schon geht es endlich los! 

Durch Tschechien hinauf nach Eger, wo wir bei der ONO-Tankstelle noch mal volltanken und im Kaufland für die nächsten Tage einkaufen. Dann fahren wir auch schon wieder über die deutsche Grenze und lassen uns in Eubabrunn auf dem Parkplatz eines Freilichtmuseums nieder. Ein kurzer, aber kalter Spaziergang führt uns durch die Bungalow-Siedlung mit akkurat geschnittenen Hecken.

Um halb vier Uhr in der Früh bin ich aufgewacht, weil es mich bestialisch gefroren hat! Das geht ja schon gut los! Noch besser wird es, als wir dann zum Frühstücken die Heizung einschalten. Nach ca. 15 Minuten ist Schluss. Heizung zeigt einen Fehler an und die Kabine ist stromlos. Nichts geht mehr. Truma verweist auf den nächsten Service, ca. 85 km entfernt in Lugau, der nur bis 12:00 Uhr geöffnet hat. Über sehr kurvige und enge Straßen durch das Erzgebirge schaffen wir es gerade so bis viertel vor zwölf! Der Inhaber ist Gott sei dank kulant, liest die Heizung aus und wir lassen sie unter Beobachtung mit dem Computer laufen. Aber alles okay, nichts defekt. Der Fehler liegt wohl am Einbauort und der zu geringen Verkabelung seitens des Herstellers Pössl. Dadurch überhitzt sie und schaltet komplett aus. Wir sind sehr sauer, denn von unserem Händler in Kolbermoor findet kein Rückruf statt, auch nicht am nächsten Tag. Wir lassen uns noch erklären, wie wir den Fehler selbst zurücksetzen können, denn sonst müssten wir die Reise nach Skandinavien abbrechen. Jetzt hoffen wir halt, dass es die nächsten drei Monate gut geht.

In Querfurt legen wir einen Übernachtungsstopp ein und schauen uns am Abend noch die Stadt an. Doch das ist sehr schnell erledigt, denn es gibt nichts zum Ansehen. Außer in der Burganlage, obwohl schon alles zu ist, macht es Spaß durch die kopfsteingepflasterten Gassen zu laufen und die Türme und alten Gebäude zu betrachten. Zudem haben wir einen idealen Platz am Burgparkplatz für den Pössl.

Heute wollen wir mal nicht so viel fahren und stoppen schon in der Lutherstadt Eisleben. Hier ist Martin Luther geboren und gestorben, aber so richtig vom Hocker reißen uns die beiden Gebäude nicht. Auch nicht die Kirchen, es liegt wahrscheinlich daran, dass hier absolut nichts los ist. Kaum Menschen, alle Läden Samstags geschlossen, einfach tot. Auch wir machen uns ganz schnell vom Acker und fahren eine tolle Motorradstrecke – die Motorradfahrer hinter uns finden das nicht so toll – durch den Südharz zu dem Forsthaus Todtenrode bei Thale. Eine schöne, kleine Wanderung beschließen wir dann mit einer Einkehr im Forsthaus. Allerdings draußen wegen einer geschlossenen Gesellschaft und wir frieren!

Regen in der Nacht und auch beim Frühstücken, da pressiert es uns gar nicht. Gegen Mittag fahren wir wenige Kilometer zur Rappbodetalsperre. Dort wird für den zahlungskräftigen Touristen ganz schön was geboten: Stahlseilhängebrücke, Aussichtsturm, 5D-Kino, Megazipline, Wallrunning, Pendelsprung, HarzRegioShop. Mit dem Schirm steigen wir zur Staumauer hinab und gehen auf die andere Seite und haben dadurch einen schönen Blick auf die Hängebrücke, sehen Leuten zu, die für schlappe 79 € einen Pendelsprung wagen oder etwas günstiger für 39 € die Zipline hinunterrutschen. Interessant ist auch die „Fettluke“, wo man sich selbiges in Form von Pommes oder Bratwürsten einverleiben kann. 

Wir beschließen wegen des Wetters noch gut 200 km unter die Räder zu nehmen und landen im südlichen Teil der Lüneburger Heide bei dem Schiffshebewerk Lüneburg/Scharnebeck. Hier können Schiffe bis 100 m Länge und 11 m Breite einen Höhenunterschied von 38 m überwinden. Die Tröge müssen dabei 6000 to Gewicht in gut zwei Minuten mit Hilfe von gewaltigen Motoren rauf bzw. runter bewegt werden! Zum Vergleich: das Startgewicht einer Boeing 737 beträgt ca. 78 to! Nach einer verregneten Nacht mit nervigem Blingbling auf dem Blech scheint am Morgen endlich mal die Sonne. In der Hoffnung auf ein Schiff, das runter fahren will, laufen wir zum Aussichtspunkt des Hebewerks rauf und warten. Aber vergebliche Mühe, und da auch schon wieder die ersten Wolken aufziehen, gehen wir rüber in das Informationscenter, wo wir viel über diverse Schleusentypen und Schiffshebewerke lernen. Der Hunger treibt uns nach Scharnebeck rein, wo wir gestern bei der Durchfahrt schon eine Eisdiele erspechtet haben. Kaum halten wir das leckere Eis in den Händen, fängt es an zu regnen. Aber wie! Der Eisdielenbesitzer lädt uns gleich ins Lokal ein, die Straßen sind schnell überflutet, aber eine Stunde und zwei Cappuccino später ist wieder alles vorbei und wir kommen trocken am Pössl an.

Der Regen bleibt ein treuer Begleiter. Auf dem Weg nach Lübeck kommen wir an Mölln vorbei und das ist bei mir auf Google Maps gespeichert. Anfang des 14. Jh. ist Till Eulenspiegel hier gestorben und da gibt es einen Brunnen, einen Gedenkstein und das Eulenspiegel-Museum. Aber uns gefällt die gut erhaltene Altstadt noch viel besser, auch die Backsteinkirche Sankt Nicolai und das gotische Rathaus sind sehenswert. Vorbei an noblen Häusern mit Seegrundstücken laufen wir zum Auto zurück und nehmen die letzten Kilometer nach Lübeck unter die Räder. Geparkt wird wieder bei der alten Drehbrücke – wir bekommen sogar noch ein Ticket geschenkt! - und dann geht es schnell, weil es gerade nicht regnet, in die City. Nach ein paar Besorgungen gönnen wir uns in einer Kneipe noch Wein und Bier und freuen uns schon auf einen kuscheligen Abend im Pössl!

 

Wir müssen dringend noch zu Decathlon und was warmes zum Anziehen kaufen. Praktischerweise ist nebenan das Einkaufscenter Citti Park, wo wir dann den Rest bekommen. Proppenvoll ist der Stellplatz für Wohnmobile – uns ist schleierhaft, wie man hier übernachten kann - , wo wir nur schnell Wasser bunkern und noch schneller wieder abhauen und zu einem kleinen Parkplatz bei Grube fahren. Von dort laufen wir ca. fünf Kilometer nach Dahme, wo wir dann endlich nach ca. 850 km die Ostsee erreichen. Das Ticket, um auf der Strandpromenade spazieren zu gehen, sparen wir uns, denn bei uns muss auch keiner Geld abdrücken um auf einen Berg zu gehen. Bei 12° sind die Strandkörbe verwaist und auch auf der Seebrücke ist nicht die Hölle los. Wolfgang trinkt noch schnell ein kleines Flens, bevor wir wieder uns auf den Rückweg machen.

Die heutige Schwierigkeit besteht darin einen Parkplatz auf Fehmarn zu finden, ohne gleich zu verarmen. Und ausgerechnet in „Gold“ gibt es einen, wo wir für 3,50 € dreieinhalb Stunden stehen können. Mehr Münzen hatten wir nicht und Kartenzahlung ging nicht. Hat knapp gereicht für einen Spaziergang am Ufer entlang nach Lemkenhafen. Es ist ein netter Weg, aber irgendwie riecht die Ostsee immer muffig. Das Highlight sind aber die Matjesbrötchen: mit ganz viel rosa Matjes belegt und total köstlich, einfach lecker! Am späten Nachmittag fahren wir weiter nach Puttgarden, wo wir sofort auf die nächste Fähre können, obwohl unsere gebuchte erst in einer Stunde auslaufen würde. Aber gut so! 45 Minuten später kommen wir in Rødby/Dänemark an und lassen den Tag mit dem beruhigendem Geräusch von leise fallenden Regentropfen ausklingen.

Über eine Brücke fahren wir auf die Insel Møn. Der erste Stopp ist bei der Fanefjord Kirke, eine weißgekalkte Backsteinkirche mit einer üppigen Wandmalerei aus dem 15. Jh. (2008 restauriert) in den Kreuzgewölben. Mit einem Infoblatt werden die Zeichnungen erklärt. Sehr gut gemacht! Die Kanzel ist mit prächtigen Holzfiguren geschmückt. Auf dem Friedhof – sehr schön gelegen mit Blick aufs Meer zumindest für die Angehörigen – sind die einzelnen Grabstellen mit kleinen Buchshecken voneinander abgegrenzt. Gut zu wissen: bei dänischen Kirchen gibt es immer ganztägig geöffnete Toiletten! In der netten Stadt Stege halten wir kurz, denn da ist heute Glade Fredag! Keine Ahnung was das ist, auf jeden Fall ist viel los, Live Musik und Freßstände auf dem Marktplatz und ein Ochse wird auch noch gebraten! Wir decken uns lieber mit Teilchen von der Bäckerei ein und parken wenige Kilometer weiter bei einem - leider im Privatbesitz – kleinen Leuchtturm, von wo wir hinunter zum Strand an der Ostseite der Insel laufen. Denn dort befinden sich die Møns Klint , also Kreidefelsen wie z. B. auch auf Rügen. Diese sind bis zu 128 m hoch und es ist schon sehr beeindruckend, wenn man so klein da unten steht und hinauf sieht! Doch auch unten findet man was, nämlich Donnerkeile! Das sind Versteinerungen von vor ca. 70 Millionen Jahren ausgestorbenen Tintenfischen. Leider stoppt die einsetzende Flut bald meine Sammelleidenschaft. Und außerdem müssen wir ja auch noch 495 Stufen hinauf auf die Abbruchkante. Als auch das erledigt ist, erhaschen wir von oben noch tolle Ausblicke auf die Kreidefelsen, bevor wir noch zur Kirche von Elmelunde fahren, wo es für einen wunderbaren Parkplatz gibt. 

Nach der Kirchenbesichtigung am nächsten Morgen, sie ähnelt der von gestern, und dem Auffüllen unseren Wassertanks mit Friedhofswasser, fahren wir tatsächlich noch 30 km auf einen kleinen Stellplatz. Endlich scheint mal die Sonne und wir können im Freien Kaffeepause machen. Bei einem Spaziergang durch einen alten Buchenwald kommen wir an einem Megalithgrab aus der Jungsteinzeit vorbei. Leider fehlen schon ein paar Decksteine, denn diese wurden im 19. Jh. zum Straßenbau verwendet. Nur die Robbensichtung am Bønsvigstrand ist leider Fehlanzeige.

 

Da unser Abwassertank voll ist, steuern wir einen Stellplatz in Næstved an. In der Stadt besichtigen wir als erstes die Sct. Peders Kirche und werden prompt in der Kirche zu Kaffee und Kuchen eingeladen, da heute die feierliche Amtseinführung des neuen Probstes war. So mögen wir Kirchen! Im Städtchen ist noch das Apothekerhaus interessant mit den geschnitzten Apostelfiguren und den Fratzen zu deren Füßen. In Roskilde parken wir, nach etwas Umherirren in engen Gassen, am Hafen. Eigentlich wollen wir nur noch Schiffe anschauen gehen, denn das dortige Wikingermuseum mit 40€ Eintritt pro Person ist uns doch zu teuer! Aber dann ist das gesamte Aussengelände des Museums für alle geöffnet. Wir können den HandwerkerInnen beim Bau eines Schiffes nach Wikingerart zusehen und staunen , wie weit die Wikinger vor ca. 1000 Jahren mit den relativ kleinen Schiffen kamen. Die Dänen und Norweger eroberten den nordwestlichen Atlantik, die Schweden herrschten über die Ostsee. Es ist auch erlaubt die Schiffe im Aussenbereich zu betreten, die Hände sind halt dann voll Teer! Echt super, dass wir das alles ansehen durften. Ein schöner Abschluss für unseren Kurzbesuch von Dänemark.

Wir lassen Kopenhagen aus, da es uns zeitlich nicht ausgeht, umfahren es, um dann über die Øresundbrücke nach Schweden zu gelangen. Leider ist ziemlich viel Verkehr, so dass ich kein schönes Foto oder Video von der Fahrt über die knapp acht Kilometer lange Verbindung zwischen Dänemark und Schweden machen konnte. Kaum sind wir runter regnet es erst mal was das Zeug hält. Nach einem Einkauf beschließen wir noch etwas Strecke zu machen, da uns ein Blick auf die Landkarte doch zeigt, dass wir noch gaaanz viele Kilometer vor uns haben! Am Osby-See gibt es einen Parkplatz mit Wasserhahn, leider nicht ganz so romantisch an der Straße gelegen. Allerdings hält sich der Verkehr in Grenzen. Schade, dass es keinen Weg zum Beine vertreten am See entlang gibt.

 

Heute ist wieder Kultur angesagt. Das erste Ziel ist die Kronoberg Slott Ruin und ja, man sieht wirklich nicht mehr viel. Bisschen Gemäuer, rein kann man auch nicht. Aber Lage, Lage, Lage, wie der Makler sagen würde. Beim Parkplatz gibt es auch einen kleinen Gasthof, aber der hohen Preise wegen, bevorzugen wir das Café Huber. Nach einem Spaziergang durch die Wälder gelangen wir zu einer Landzunge mit wunderschönen weißen, gelben oder roten schwedischen Holzhäusern. Jedes von denen würden wir nehmen! Das zweite und auch schon letzte Ziel ist die kleine Stadt Eksjö, die der Betonwut nach WW2 widerstanden hat und bei der traditionellen Holzbauweise geblieben ist. Bei den vielen, wunderschönen bunten Holzhäusern kommen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Da kann man darüber hinwegsehen, dass unser Übernachtungsplatz halt nur ein ganz normaler Parkplatz ist. Wenigstens nicht laut und keine Autoposer.

Nur ein paar Kilometer weiter über Kiesstraßen – Allrad wird völlig überschätzt – sind wir im Klinten Naturreservat. Von hier gibt es eine Rundtour zuerst auf den Skurugata 334 m, von dem wir einen tollen Rundblick über die Landschaft Smålands haben. Der Rückweg führt uns dann durch die Skurugata-Schlucht, wo wir steil rauf und runter zwischen hohen Porphyrwänden und über unzählige Felsformationen laufen, bis wir wieder am Parkplatz ankommen. Und genau dann erst fängt es an zu regnen! Timing ist alles. Hier darf man nicht übernachten, also brausen wir noch schnell, aber nicht schneller als 80 km/h, zu einem kleinen See kurz vor Kisa. Dort wird dann gegrillt und ein Lagerfeuer angezündet, bevor uns der nächste Regenguss und auch die vielen Ameisen ins Auto treiben. Gute Nacht!

Ach Schweden ist so schön! Vor allem, wenn wie heute wieder die Sonne scheint, alles so grün und die wiesen so bunt sind. Unser Navi schickt uns wieder über Gravel Roads bis nach Ulrika, ein kleines Nest, aber mit einem Campingplatz. Dieser hat alles, was wir brauchen: viel Platz, keine anderen Gäste, einen See mit Bootssteg und Saunahütte, einen Jacuzzi – zwar leer – und das Wichtigste: eine Waschmaschine. Diese wird sofort befüllt und dann stürzen wir uns in den See. Ich schaffe immerhin 20 m, aber Wolfgang, der alte Warmduscher, ist nach dem Eintauchen auch schon wieder draußen! In Ulrika gibt es auch noch eine rote Holzkirche mit einem freistehenden Glockenturm, natürlich auch aus rotgestrichenem Holz.

Heute am 6. Juni ist Nationalfeiertag in Schweden. Ob das eine gute Idee ist, den im Freilichtmuseum „Gamla Linköping“ zu verbringen? Also die Parkplatzsuche gestaltet sich schon mal schwierig. Am Museum der ist proppenvoll, der eine nicht für Wohnmobile, der andere nur für Anwohner. Irgendwann parken wir uns am Straßenrand und ignorieren die Bezahlaufforderung, vor allem auch, weil wir nicht wissen wie. Wir kommen dann genau richtig zum Einzug der Blasmusik an! Auf dem Areal befinden sich ca. 60 historische Gebäude aus dem 18. und 18. Jh. Authentisch eingerichteten Werkstätten, kleine Läden mit Kunsthandwerk und schnuckelige Cafés bilden mit den kopfsteingepflasterten Gassen gelungenes Ensemble. Natürlich sind heute sehr viele Besucher hier, aber trotzdem ist alles total entspannt. In einer offenen Halle findet sogar ein Samba-Kurs statt! Als dann Regen einsetzt, leeren sich die Gassen ruckzuck und wir treten auch den Rückweg an. Kein Ticket am Auto! Beim ehemaligen Zisterzienser Kloster in Alvastra bleiben wir für die Nacht am Parkplatz. Als es kurz aufklart, schauen wir uns noch die Klosterruinen an. Allerdings weht ein ziemlich heftiger Wind und wir sind froh, als wir uns ins Auto verkriechen können.

Unseren eigentlichen Plan über eine enge und kurvige Panoramastraße an der Küste entlang in die nächste Ortschaft zu fahren, fällt leider einem Radrennen zu Opfer. Die Straße ist bis heute Abend gesperrt. Sehr schade, so gehen wir halt zu Fuß hinunter an den Vätternsee. Sehr beeindruckend welch hohe Wellen es auf einem See geben kann! In Vansted laufen wir um das Wasserschloss, das von Gustav Vasa im 16. Jh. errichtet wurde. Richtig schön ist die Fußgängerzone mit vielen geschmackvollen Läden und Restaurants. Wir kaufen noch Rotwein im staatlich kontrolliertem Systembolaget und die restlichen Lebensmittel bei ICA, bevor wir an einem kleinen See mit Badestrand für heute Feierabend machen. Allerdings indoor, da es draußen einfach zu frisch ist.

 

Wir sind jetzt nördlich der zwei großen Seen, in einem Gebiet, wo schon seit langem Bergbau betrieben wurde/wird. Im Naturreservat Högbergsfältet erkunden wir über schöne Pfade rauf und runter durch lichte Laubwälder mit vielen Maiglöckchen, Blaubeeren und Preiselbeeren die eingefallenen Eisenerzgruben. Welch Mühe die Bergarbeiter vor ca. 400 Jahren damit hatten, die Gruben und Stollen zu graben. Am Tila-Stollen kann man 26 m gebückt reinlaufen. Wolfgang war froh, als er draußen wieder aufrecht stehen konnte! Am See entlang und über Schafsweiden vorbei an einem Klockastapel (Glockenturm) gehen wir zurück zum Auto. Da es schon wieder arg windig ist und ich auch noch mit einen Schnupfen eingefangen habe, sind wir wieder im Auto!

Nun sind wir im Bilderbuchschweden angekommen, in der Provinz. Ein Dorf hübscher wie das andere mit den roten Holzhäusern und den weißen Sprossenfenstern, viel Grund außen rum und jede Menge kleiner, roter Schuppen. Aber auch Tankstellen, Autowerkstätten, Bäcker, Kirchen, Sportplätze usw. fehlen nicht. Und von fast überall hat man einen tollen blick auf den Siljansee.

 

Im Naturum Dalarna zeigt ein modernes Museum eine kostenlose Ausstellung über Natur, Menschen, Landschaftspflege und Entstehung des Sees (durch einen Meteoriteneinschlag). Obwohl es teils sehr kindgerecht ist, haben auch wir sehr viel dazugelernt. Auf dem 38 m hohen Aussichtturm mit der Rundumverglasung hat man einen fantastischen 360°-Blick über den See, teils bis zu 70 km weit! Als wir nach einer kleinen Runde ums Museum auf einen Parkplatz an einem Badesteg am Siljansee zum Übernachten fahren, stellen wir fest, dass wir vor ziemlich genau sechs Jahren mit unserem Hiasl schon mal hier waren! Es ist noch genauso schön wie damals!

Das bei Touristen beliebte Vorzeigedorf Tällberg können wir uns diesmal sparen und 200 km weiter landen wir im winzigen Ort Långwindsbruk wieder an der Ostsee, genauer gesagt am Bottnischen Meerbusen! Obwohl schon drei deutsche Wohnmobile hier stehen, ist es ein traumhafter Platz. Direkt am Wasser, ein paar Fischerboote dümpeln am Ufer, Möwen kreischen und ein Reiherpaar kreist übers Wasser. Wir genießen noch die Sonne, doch sobald sie hinter den Wolken verschwindet, wird es frisch und wir machen noch einen Spaziergang zu den Ruinen der früheren Eisenerzverarbeitung und der dazugehörigen Kohlenmeiler. Ein ehemals prachtvolles Herrenhaus wird wohl gerade vor dem Verfall gerettet und ein Café in dem Miniort hat Potential, aber wohl nur an Feiertagen oder in der sehr kurzen Hochsaison geöffnet. Aber trotzdem sehr sympathisch alles!

 

Eigentlich wollten wir hier noch einen Tag bleiben, aber das Wetter ist nicht das Wahre und so nutzen wir den Tag um weiter nordwärts zu kommen. Unser Navi spielt uns heute ein paar Streiche, so auch beim Erreichen des Parkplatzes an der Högakustenbron. Aber irgendwann finden wir ihn doch und es hat sich rentiert. Wir haben eine Supersicht auf die kühne Brücke während unserer Kaffeepause. Kurz darauf, nach einem weiteren Streich, erreichen wir den westlichen Parkplatz des Skuleskogen-Nationalparks. Die Höga Kusten mit der noch immer stattfindenden Landhebung ist ein UNESCO-Weltnaturerbe. Wir machen noch eine schnelle Runde über glatte Felsen und gute und schlechte Bohlenwege zu zwei Aussichtspunkten mit Sicht bis aufs Meer. Etwas fordernder ist da schon die nächste Wanderung zur Slåttdalsskrevan. Zu der Schlucht geht es durch Urwald und über felsige Höhen mit fantastischen Ausblicken, aber meist mit dem Blick auf den Boden gerichtet. Die Pfade sind sehr wurzelig und matschig und über die Felsen sind wir immer auf der Suche nach dem nächsten Steinmann oder Wegpunkt. Kurz nach der Trollporten sind wir am Ziel und haben von oben einen Blick in die enge Schlucht. Wegen Steinschlaggefahr ist sie gesperrt und wir machen uns auf den langen Rückweg. Durch das Rumgestolpere sind wir dann doch froh, als wir nach fünf Stunden wieder am Pössl ankommen. Da gibt es zur Belohnung gleich ein kühles Bier, Rosé und die letzten türkischen, gerösteten Maiskörner.

In Umeå haben wir einen wichtigen Termin bei IKEA, ein neuer Abfalleimer für die Toilette muss her und sonst noch bisschen Kleinkram. Nein, keine Teelichter! Schwedisch Essen sind wir bei der Gelegenheit auch gleich. Wer kann da schon widerstehen, wenn es für IKEA family Mitglieder zwei Essen zum Preis für eins gibt und on top noch einen Gutschein über 50 SEK? Shoppen macht müde und darum lassen wir die Stadt links liegen und stellen uns an einen See mit schönen Wanderrunden. Mir macht besonders der Abenteuersteig für Kinder Spaß mit den vielen Balanciereinheiten.

 

Wir wollen ein bisschen in die Pampa und fahren entlang des breiten Vindelälven durch die weite, grüne Landschaft. Minidörfer, große Einzelgehöfte, Kuhherden und ganz wenig Autos begleiten uns nach Lycksele, eine Kleinstadt in Lappland mit allem was nötig ist. Leider hat das Freilichtmuseum heute geschlossen, aber die Gebäude sind auch von außen interessant. Vor allem die Gärten, denn da sind riesige Rhabarberstauden, die förmlich danach schreien, dass man ihnen ein paar Stängel abschneidet. Hmm, das gibt einen leckeren Kuchen aus dem Omnia, mit dem ich mich so allmählich anfreunde! Da es heute sehr heiß ist +28°, spazieren wir an der Strandpromenade ins Städtchen , kaufen ein Eis und sitzen lange am Fluss in der Sonne. Zum Übernachten finden wir ein paar Kilometer flussaufwärts einen Parkplatz mit einer schönen Feuerstelle und genügend Holz bis Spätabends.

Die Fahrt durch die Birken- und Kiefernwälder vorbei an unzähligen Seen und Flüssen, ab und zu ein kleines Ferienhaus in rot-weiß – Romantik pur – bringt uns weiter in den Norden. Auf einem weiteren tollen Picknickplatz stehen wir auf einem kleinen Damm an einem Minisee. Obwohl noch zwei Wohnmobile hier sind, wobei die knapp 100 m weg stehen, ist es einfach toll hier und wir genießen die Sonne, den Rhabarberkuchen und spannende Bücher auf den E-Readern.

 

So, Bewegung muss mal wieder sein und darum gehen wir nach dem Frühstück noch den Forstweg bis er endet. Größter Wunsch: einen Elch sehen. Doch leider reicht es nur für Elchspuren. In Glommersträsk gibt es ein paar alte Häuser ca. 200 Jahre alt zum Anschauen. Schade, dass wir nicht am Nationalfeiertag hier waren, denn da war laut Internet ganz schön was los hier! Mit einer riesigen Kuchentafel von dem örtlichen Heimatverein. Weiter geht es über Kiesstraßen, vorbei an einer kleinen, aber hübschen Holzkirche mitten im Nichts. An einem Kreuzungspunkt mit Wandertafel in den Dubblabergen machen wir einen leckeren Cappuccino und dazu den restlichen Rhabarberkuchen. Da entdecke ich eine Piste, die von hier mit nur einem kleinen Umweg weiter nördlich wieder auf die Hauptroute führt. Da wollen wir doch mal schauen, wie geländetauglich so ein Citroën ist. Und er funktioniert tadellos und rumpelt klaglos über Steine und Schlaglöcher, nur den matschigen Spurrillen weiche ich mal lieber aus so gut es geht! Doch kurz vor der Hauptroute hat der Spaß wegen einer Schranke ein Ende, bzw. er verdoppelt sich, denn nun dürfen wir ja wieder alles zurückfahren. Und dann steht auf einmal eine kleine Rentierfamilie am Straßenrand. Papa schaut, ob wir auch wirklich stehen bleiben, damit Mama und das Kleine sicher auf die andere Seite wechseln können. So süß! Bald darauf weist ein Schild auf den Storforsen hin. Das schauen wir uns auch noch an. Vom Parkplatz führt eine lange Holzbrücke hinüber zu dem mächtigen Strom Piteälven, der sich auf über fünf Kilometer mit einer enormen Wassermenge (250 m³ pro Sekunde) über Stromschnellen ins Tal wälzt. Jetzt Mitte Juni beträgt sie etwa 850 m³ pro Sekunde! Der Lärm ist enorm und die Gischt kann man schon von weitem sehen. Leider ist die mittlere Brücke wegen des hohen Wasserniveaus gesperrt, aber es ist so schon großartig! Wow, was für ein ereignisreicher Tag heute! Wir lassen ihn etwas weiter westlich am vergleichsweise kleinen Fällforsen mit einem Lagerfeuer trotz Regen ausklingen.

Über Älvsbyn und einem Einkaufsstopp in Boden fahren wir nach Haparanda, die Grenzstadt zu Finnland mit Tornio am anderen Ufer des mächtigen Torneälv. Wir parken bei IKEA auf schwedischer Seite und gehen mit unserem Wäschesack zu Fuß hinüber nach Finnland, wo sich im nahen Einkaufszentrum auch ein Waschsalon befindet. Mit 11,40€ für Waschen und Trocknen eine vergleichsweise billige Angelegenheit, zudem kann man sich in den Läden hier die Wartezeit ganz gut vertreiben. Wir eruieren auch noch die Preise der Lebensmittel und Bier und Wein und beschließen dann, morgen doch noch mal in Schweden unsere Vorräte aufzufüllen. Es ist nun doch schon spät geworden und wir übernachten gleich hier mit ca. 15 anderen Wohnmobilen bei IKEA. Wenn wir allerdings gewusst hätten, das es da eine Mückenplage gibt, hätten wir uns was anderes gesucht! Es ist wirklich grenzwertig! Zudem müssen wir feststellen, dass die Dachhaube über dem Bett eine Zwangsbelüftung hat, d. h. zwischen Haube und Unterteil gibt es keine Dichtung, sondern einen ca. 5 mm breiten Schlitz. Der stellt natürlich für die Stechbiester kein Hindernis dar. Da hat Pössl mal wieder 10 € gespart, grr.

 

Gegen Mittag haben wir endlich alles erledigt einschließlich Diesel und AdBlue und fahren dann bei Regen ca. 100 km zuletzt über eine schlammige Schlaglochpiste zum Parkplatz bei den Gletscherlöchern von Hiiden Kirnut. Dort stehen riesige Findlinge, in die beim Eisrückgang vor ca. 10.000 Jahren große Löcher mit bis zu 4-5 m Durchmesser entstanden sind. Wir stiefeln über glitschige Holzleitern und Steine um die Felsen herum, schauen in die tiefen Löcher und hoffen nicht auszurutschen. Als dann der Regen wieder einsetzt, treten wir den Rückzug an und steuern ein kleine Halbinsel im Kemijoki an um dort zu übernachten. 

Wir werden von strahlendem Sonnenschein geweckt, zwei Fischer lassen ihre Boote ins Wasser und für uns geht es eine kurzes Stück nach Rovaniemi. Hier besuchen wir das ARKTIKUM, ein Wissenschaftsmuseum zur Arktis, deren Bewohner, Flora, Fauna, Schnee u.v.m. Sehr kurzweilig, informativ, interessant und modern gestaltet. Eine zweite Ausstellung umfasst das Heimatmuseum von Rovaniemi und Kultur und Geschichte der Sami. Auch hier erfahren wir viele neue Dinge, aber nach über drei Stunden geballtes Wissen ist unser Gehirn voll und der Magen leer. Nach einer Kalorien- und Koffeinzufuhr laufen wir noch in der Stadt herum, aber da steppt nicht gerade der Bär und so zieht es uns bald hinüber zum Jachthafen mit einem großen Parkplatz. Außer uns ist kein Mensch da, aber eine halbe Stunde später, man glaubt es kaum, stehen genau rechts und links von uns mit ca. 5 m Abstand zwei Wohnmobile. Diese Kuschelcamper gehen mir so richtig auf die Nerven. Haben sie Angst oder welches Problem plagt sie? Als ich bei der Wakeboard-Anlage zwei Jungs sehe, die im Fluss ein Bad nehmen, beschließe ich, es ihnen gleichzutun. Ja, ich bin geschwommen, vielleicht nur 10 Meter, aber hier am Polarkreis ist es einfach arschkalt. Internet sagt 12°!!! Wolfgang hat sich verweigert.

So, heute überqueren wir den Polarkreis! Also für unseren Geschmack zu viel Gedöns und zu viel Weihnachten. Wir schreiten einmal über die magische Linie, amüsieren uns über die lange Menschenschlange, die für eine Urkunde anstehen und laufen noch kurz durch einen Souvenirshop. Aber dann reicht es auch schon.

Weiter östlich wollen wir uns in Kemijärvi bei einem Wood Art Craft Center die großen Holzskulpturen ansehen, aber ausgerechnet diese Woche ist geschlossen. Na immerhin, können wir durch die großen Fenster linsen. Total schön ist dann die kleine Rentierherde, die direkt über den Grund des Centers wandert. Die Geweihe stehen noch im Bast und das Winterfell ist auch noch nicht komplett weg. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, grasen und ziehen dann gemächlich weiter. Immer auf der E4 zu fahren ist langweilig, also bleiben wir auf der östlichen Seite des Flusses. Die schlechte Teerstraße geht bald in eine gute Schotterstraße über und auf den 70 km sehen wir genau ein Auto. Bei der einzigen Brücke wechseln wir wieder die Seite und es geht hinüber zum Pyhä-Luosto-Nationalpark. Unser Navi weiß einen Abkürzer über eine 2 km Schlaglochpiste, da werden unsere Schubladen gleich neu sortiert! An einem kleinen See finden wir einen guten Platz für die Nacht und können auch gleich die Seerunde laufen und weil es so schön ist gleich noch eine Runde. Aber beim zweiten Mal machen sich dann die Mücken doch bemerkbar!

Von Pyhäntunturi machen wir eine längere Wanderung durch teils Wald teils Moor. Es gibt viele shelter mit Toiletten und Grillstellen unterwegs, ebenso große Umzäunungen für die Rentier-Viehscheide. Über die Isokuro-Schlucht, mit 200 m die tiefste in Finnland, geht es wieder zurück in den Ort, wo wir uns im Besucherzentrum noch die Ausstellung über den Nationalpark anschauen, bevor es im Café lecker Cappuccino und Kuchen gibt. Der Bergzug ist eines der ältesten Gebirge der Welt und ist nun voll erschlossen mit Seilbahnen, Sessel- und Schleppliften. Zudem gibt es viele Loipen und Wege für die Motorschlitten.

 

Obwohl wir bis jetzt großes Glück mit dem Wetter haben, ist es uns heute irgendwie zu kalt und deshalb besuchen wir in Tankavaara das Goldmuseum, mit einer interessanten Ausstellung über die Goldgeschichte Lapplands und weltweit. Die Außenaktivitäten wie Westernstadt und Goldschürfen im eiskalten Wasser haben wir uns geschenkt und sind noch ein Stück weit zu einer großen Kiesfläche im Wald gefahren. Dort wird erst mal ein schönes Lagerfeuer gemacht, so dass wir wenigstens von vorne warm werden. Die langen Tage inspirieren mich oft zu Spaziergängen um Mitternacht, wenn das Licht so magisch ist. Heute werde ich mit einer kleinen Rentierherde belohnt, die sich unbemerkt an mich herangeschlichen hat!

In Inari tauchen wir heute in die Welt der Sami ein. Im Siida-Museum erfahren wir sehr viel über das indigene Volk Nordeuropas. Dessen Siedlungsgebiet sich von Norwegen, über Schweden und Finnland bis nach Russland erstreckt. Wir sind total begeistert von diesem modernen Museum und bleiben bis kurz vor Schluss. Da in Inari Wohnmobile nicht so gerne gesehen sind, haben wir uns außerhalb einen Platz gesucht, wo wir dann eine regenreiche Nacht verbringen.

 

Hurra der Regen hat aufgehört und so können wir die Wanderung zur sog. Wilderness Church am Pielpajärvi in Angriff nehmen. Durch einen fast schon mystischen Wald laufen wir über viele Wurzeln und Steine entlang von kleinen Seen und Flüssen zu der schlichten Holzkirche, die ihren Ursprung im 17. Jh. hat. Jetzt wird sie nur mehr zu Mittsommer und für Hochzeiten genutzt. Nach einer Pause an der Grillhütte mit heißem Tee, aber leider ohne Grillgut. Zurück am Auto fahren wir noch am Inarisee entlang, bis wir im Wald mit nur wenig Mücken einen Übernachtungsplatz finden. Das ist gar nicht so einfach, da jede noch so kleine Straße mit Schranke oder Kette abgesperrt ist. Schade, ich wäre gerne noch mal kurz in den See gesprungen oder gegangen.

Kurz vor der norwegischen Grenze, in Näätamo, will Wolfgang noch günstiges Bier kaufen. Aber Bier ja, günstig nein. Tanken hat auch nicht geklappt, da unsere Karten alle nicht funktioniert haben. Na dann eben nicht, dafür entrichten wir als ordentliche Deutsche noch 4,50 € Zoll für die Norweger. War natürlich keiner an der Grenze. In Kirkenes laufen wir durch die recht übersichtliche Stadt und versuchen in dem einzigen Elektroshop einen Lüfter für unsere TTT aufzutreiben. Es gibt natürlich keinen, dafür werden wir im Sport Outlet Center fündig. Also Kleidung statt Lüfter. Amazon wird dieses Problem regeln.

 

Am Grenzfluss zu Russland geht es nun direkt entlang bis zur Grense Jakobselv, vorbei an der König Oskar Kapelle zu einem Superplatz direkt an der Barentsee. Von hier können wir windgeschützt im Auto stundenlang aufs Meer schauen und die Mitternachtssonne genießen. Der Spaziergang zur Radarstation fällt leider aus, denn schon nach 15 Minuten ist der Zutritt und auch das Fotografieren verboten. Okay, dann eben nur zum Strand, das ist ja auch immer wieder schön, obwohl es heute schon ziemlich frisch ist. Am Nachmittag schauen noch ein paar Soldaten vorbei, die sich über die Gesellschaft der norwegischen Camper freuen, denn immer nur den ganzen Tag die Russen beobachten ist auch langweilig. Uns gefällt es hier trotz der anderen acht Wohnmobile hier richtig gut – leider hat der Kiosk noch nicht auf – und wir finden, dass sich der Umweg hierher gelohnt hat!

Nach Natur kommt wieder Kultur: in Neiden sehen wir uns den Skoltefossen an und die Kirche von Neiden, allerdings nur von außen. Danach fahren wir auf der E6 weiter mit nur wenig Verkehr durch eine tolle Gegend mit schroffen Bergen, Birkenwälder, ab und an ein Rentier und versteckte Ferienhäuser. Über eine schmale Straße erreichen wir Bugøynes, ein kleines Fischerdorf mit berühmten Bistro (Königskrabben) – leider zu teuer für uns. Bei einem Gang durch den Ort entdecken wir Überreste aus dem 2. Weltkrieg, auch die kleine Insel nebenan war fest in den Händen der Wehrmacht. Wir frieren schon wieder und kaufen bei einer Imbissbude einen Kaffee, der ist zwar heiß aber so richtig scheußlich. Da uns der Womo-Stellplatz zu teuer ist (500 NOK) fahren wir wieder sieben km zurück und finden einen tollen Platz abseits der Straße.

Wir wollen nun auf die Varangerhalbinsel. Dazu fahren wir den Varangerfjord entlang bis Vadsø und bleiben aber mehrmals stehen um die Kirche von Nesby anzuschauen, die leider gerade eingerüstet ist, um einen Spaziergang mit ganz vielen Austernfischern zu machen, um in Moresnes das kleine Museum zur Landhebung zu besuchen, das aber soeben zumacht und um in einem kleinen Fischerdorf zwischen den bunten Häusern rumzuschlendern. In Vadsø finden wir direkt an der Brücke auf der kleinen Insel einen schönen Platz für uns. Auf der Insel laufen wir zu dem Mast, wo früher Luftschiffe befestigt wurden, genießen bei einem kleinen Leuchtturm an einem windgeschützten Platz die Sonne, bevor wir mit dem Auto wieder auf das Festland fahren. Beim Heimatmuseum drücken wir 80 NOK/Person ab und ärgern uns dann, das nur drei Räume offen sind und das zweite Haus komplett geschlossen ist. Das hätte der Typ auch mal sagen können. Also dann lieber noch zum Vogelfelsen bei Ekkerøy. Dick eingemümmelt, denn es ist saukalt, erreichen wir die Nistplätze von ca. 20.000 Paaren von den Drei-Zehen-Möwen. Das ist vielleicht ein Gekreische und Rumgefliege! Immer in der Hoffnung, das man nicht einen Vogelschiss abbekommt, versuchen wir trotz starken Wind und Regen ein paar Fotos zu machen, aber naja, so richtig zufrieden sind wir nicht. In dem kleinen Ort Kiberg haben sich diese Möwen ganz gemütlich in den Hausmauern oder Dächern niedergelassen! Immerhin sehen wir später an unserem Übernachtungsstrand noch drei Weißschwanzseeadler!

Durch einen drei Kilometer langen Tunnel kommen wir hinüber nach Vardø, wo wir uns oben an der Inselspitze installieren. Es tummeln sich ein paar Wale in der Bucht, aber die Sicht ist so schlecht, dass wir bald die Lust verlieren. Später laufen wir noch in den Ort, beobachten ein Schiff der Hurtigruten-Linie beim Anlegen und gehen dann zu Steilneset, dem Mahnmal für die 91 Opfer der Hexenverbrennungen (weiblich und männlich) im 17. Jh. Das Wetter passt zu der düsteren Geschichte und der düsteren Stimmung in dem modernen Gebäude. Ziemlich durchnässt kommen wir am Pössl an und viel nasse Kleidung sind in einem Kastenwagen nicht so prickelnd. Da es heute so gar nicht hell werden wollte, sind wir auch schon früh ins Bett gegangen, so um 23.00!

 

Hurra, kein Regen, weniger Wind und ca. drei Grad wärmer! Bevor wir uns auf die Panoramastraße aufmachen, schauen wir uns noch die Drakkar Leviathan-Skulptur an. Ein russisches Team hat diese Mischung aus Drachen und Wikingerschiff errichtet. Eine tolle Arbeit, die gut in die Landschaft passt! 

Eine single track road führt durch eine atemberaubende Küstenlandschaft mit steilen Klippen, düsteren Bergen, verstreuten Ferienhäusern und vereinzelten Rentieren hinauf nach Hamningberg. 1865 wurden die Menschen gegen ihren Willen aus dem einstigen Fischerdorf weggesiedelt, da es dem Staat zu teuer war eine vom Volk gewünschte ordentliche Mole zu bauen, wo es den Leuten auch im Winter mehr oder weniger gefahrlos möglich gewesen wäre, sich übers Meer zu versorgen. Heute gibt es hier noch eine Handvoll Ferienhäuser und ein Café, das ca. 2 – 3 Monate im Jahr geöffnet hat. Wir genießen dort Kaffee mit frischen Waffeln auf der sonnigen Terrasse! Am Abend wandern wir noch zu einem Walskelett, das aber leider vom letzten Sturm weggeschwemmt wurde. Wir finden nur noch einen Wirbel und drei Rippen, dafür sammeln wir jede Menge Plastikmüll und geben ihn an der Sammelstelle ab. Mit 13 anderen Wohnmobilen übernachten wir bei der kleinen Bucht. Für uns ist es eigentlich unvorstellbar, wie man an einem so abgelegenen Ort leben kann, aber er hat schon eine gewisse Anziehungskraft. Vielleicht weil es so ganz anders ist, als das, was wir gewöhnt sind?

Mit Regen und vielen Rentieren geht es die gleiche Strecke wieder zurück bis Varangerbotn, wo wir noch tanken und dann nach Norden abbiegen, in Tana bru kaufen wir noch bei Rema 1000 ein und finden dann an einem langen Sandstrand am Ufer des Tana einen, allerdings mückenreichen, Übernachtungsplatz. Bei Sonnenschein fahren wir am Tana entlang, bevor wir nach Westen in die Berge abbiegen. Die Landschaft ist einfach umwerfend: schneebedeckte Berge, kleine Bäche, Flüsse, Seen zum Teil noch mit Eisschollen. Kleiner Wermutstropfen: alle eventuellen Parkplätze sind schon belegt und es gibt derer nicht viele. Als die Straße nach Süden abbiegt und dann schnurgerade weiterführt ist es erst mal vorbei mit der Schönheit. Wir halten am Sillfar-Canyon und laufen die paar Meter zum Fluss runter, der sich dort durch eine enge Felsenschlucht zwängt. Mit einem irrsinnigen Blau, das wohl den Sedimenten geschuldet ist. Nach einem für uns langen Fahrtag checken wir auf dem Campingplatz in Lakselv ein. Dort gibt es drei Waschmaschinen und zwei Trockner, sollte eigentlich kein Problem sein. Aber eine ansonsten nette Holländerin beansprucht die zwei guten Waschmaschinen und danach natürlich die beiden Trockner. Um kurz vor Mitternacht bin ich ich mit meiner Maschine dann auch fertig. Gut, dass es nun regnet, so dass ich gleich ins Bett kann und nicht mehr draußen die Mitternachtssonne genießen muss.

Ha, heute können wir an der DHL Station endlich unseren Lüfter abholen. Leider gibt es beim Einbau noch einen Kurzschluss, so dass sich das Ganze auf zwei Stunden hinzog. Danach fahren wir noch schnell über eine längere Wellblechpiste in den Stabburs-Nationalpark. Da Wolfgang keine Lust auf Wandern hat, bin ich alleine zum Stabbursfossen und zurück gelaufen. Es sind zwar nur 10 Kilometer, aber es regnet fast die ganze Zeit und die Steine sind dadurch arg glitschig. Auch auf dem steilen Pfad beim Wasserfall muss ich sehr aufpassen und bin dann auch ohne Pause wieder zurück zum Pössl. Das Interessanteste unterwegs ist die Elchkuhlosung gewesen. Da man im NP nicht übernachten darf, suchen wir uns außerhalb einen Platz. Der erste ist nur über einen Fußweg erreichbar, nicht so praktisch mit dem Womo, der zweite liegt total im Matsch und der dritte fast direkt an der Straße, aber den nehmen wir dann trotzdem, denn soviel Verkehr ist hier wirklich nicht.

Heute reihen wir uns in die Nordkap-Fahrer ein! Erstaunt sind wir, dass der Tunnel nach Magerøya hinüber ein ziemlich starkes Gefälle bzw. Steigung aufweist! Zuerst begleitet uns der Regen bis nach Honningsvåg, der letzten größeren Ansiedlung hier oben. Ein französisches Kreuzfahrtschiff und ein Hurtigrutenschiff liegen im Hafen, entsprechend viele Leute sind in der kleinen Stadt unterwegs. Wir besuchen das Nordkapmuseum, wo wir fast alleine sind. Hier informieren wir uns über die Geschichte und das Leben zu Land und zu Wasser der Region Finnmark. Des weiteren ist der Stockfisch ein großes Thema, wie auch die Umweltverschmutzung der Meere. Es ist schon erstaunlich, was da alles rausgezogen wird! Im trockenem laufen wir noch zu – geschlossenen – Kirche hoch, das einzige Gebäude, das den 2. Weltkrieg überlebt hat. Danach werden bei REMA noch unsere Vorräte aufgestockt und dann geht es durch eine eher langweilige Landschaft hinauf bis zum Parkplatz am Kap. Für 165 NOK dürfen wir hier stehen mit ca. 200 anderen Wohnmobilen und auch sehr vielen Motorrädern. Die vielen Reisebusse stehen auf der anderen Seite. Ich muss zugeben, ich bin etwas genervt von den vielen Leuten. Die berühmte Eisenkugel am Nordkap ist kaum auszumachen, der Kommerz von den Nordlandhallen geht mir auf den Geist und ich brauche erst mal Abstand zu allem. Das Gefühl, dass nach diesem Felsen nichts mehr kommt, ist allerdings aufregend. Wir stiefeln bisschen lustlos rum, machen Fotos und mit Mühe gelingt uns dann eines an der Kugel ohne allzu viele andere. Außerdem gehört der wahre Ruhm den vielen Radfahrer:innen, die die weite Strecke mit dem ganzen Regen und Wind auf sich genommen haben um ihr Traumziel zu erreichen. Hut ab! Nach einer dreiviertel Stunde reicht es uns und wir fahren ca. 40 km nach Südwesten in das kleine Fischerdorf Gjesvær, wo wir am Dorfrand einen Picknickplatz mit tollen Blick auf Berge und Meer ganz für uns alleine haben.

 

Ein Regenspaziergang führt uns durch den Ort, viele Häuser sind verlassen, aber es gibt noch einen Laden mit Apotheke und Post in einem. Des weiteren werden von hier Schiffsausflüge zu den Puffins angeboten, aber das kommt für uns bzw. für mich leider nicht in Frage. Auf der E69 beginnt nun die lange Fahrt zurück. Durch den Tunnel nehmen wir einen tschechischen Hiker mit, der nicht sieben Kilometer durch Abgase laufen will. An schönen Stellen schauen wir uns Wasserfälle an und beobachten Rentiere. Auf den Hügeln liegt oben noch Schnee, aber unten macht sich schon saftiges Gras breit und die Fahrt mit den vielen Bächen, Flüssen und eingestreuten Häusern macht dann doch Spaß. Auch wenn ich heute mit Fahren dran bin! Kurz vor Alta finden wir am Altafjord einen kleinen Kiesplatz mit genügend Holz für ein Lagerfeuer.

In Alta wird mal wieder getankt, Lebensmittel eingekauft, was manchmal wegen der Preise eine ganz schöne Herausforderung ist und danach schauen wir uns die Nordlichtkathedrale an. Von außen total cool, auch das Kircheninnere ist mit der sehr modernen Innenarchitektur mal was anderes. Allerdings finde ich die Eintrittspreise doch etwas überzogen, denn länger als fünf Minuten braucht man nicht dafür. Da lohnt sich das Alta-Museum schon mehr. Wir gehen zuerst im Außenbereich den drei Kilometer langen Rundweg ab, wo man an den bis jetzt entdeckten Felsritzungen vorbeigeführt wird. Diese sind zwischen 7000 und 2000 Jahre alt und zeigen Rentiere, Bären, Elche, Menschen, Schiffe, Waffen etc. Der erste Teil der Ritzungen wurde rot coloriert, damit sie auch für Laien gut zu erkennen sind. Für die anderen muss man schon genauer hinsehen, um die Szenen zu erkennen. Aber es geht schon. Der gesamte Weg ist barrierefrei angelegt und wir haben immer einen fantastischen Blick auf den Altafjord und die Berge. Im Innenbereich gibt es viele Erläuterungen zu den Zeichnungen, Fischfang, Kupferabbau, Nephelinabbau (für Porzellan) und mal wieder die Geschichte der Samen. Puh, insgesamt ist es doch recht anstrengend gewesen, viel zu lesen und zu schauen. Darum fahren wir nur mehr ein paar Kilometer an den Kåfjord zum Relaxen!

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Dänemark, Deutschland 25.08. - 09.09.2019

Die Fähre nach Dänemark legt pünktlich um acht Uhr ab. Ein letzter Blick zurück auf Kristiansand und die vielen, kleinen, vorgelagerten Inseln. Es zeigt sich keine Wolke am Horizont, wahrscheinlich wird es ein recht warmer Tag heute. Hätte es nicht die letzten Wochen auch so sein können? Dank der Klimaanlage ist es zapfig kalt im Innenraum und außen bläst ein so ein kräftiger Wind, dass sich kaum jemand raus wagt. Aber wir sind eh so müde, so dass wir von den dreieinhalb Stunden das meiste verschlafen. Von Hirtshals wollen wir heute nicht mehr so weit fahren und steuern einen Parkplatz beim zur Zeit wohl berühmtesten Leuchtturm des Landes an. Den Rubjerg Knud Fyr. Berühmt deshalb, weil er nur mehr acht Meter von der steilen Abbruchkante entfernt steht und nun 80 Meter weit ins Landesinnere mit Hilfe von extra verlegten Schienen umziehen muss. Ende Oktober findet das große Spektakel statt. Kaum auszudenken wie viele Leute es dann hierher verschlägt, wenn heute schon der Parkplatz mehr als gut belegt ist. Bei für uns ungewohnt hohen Temperaturen stapfen wir die Dünen hinauf, schauen über die wirklich steile Kante, von der die Fluten jedes Jahr ein Stückchen wegnehmen. Verschwitzt fahren wir dann weiter nach Blokhus, wo es einen kleinen Badesee mit einem verstecktem Miniparkplatz und eine kleinen Badestrand gibt. Da können wir es mit einem Buch und ab und zu einer Schwimmeinlage im erfrischenden Wasser sehr gut aushalten.

Und weil es hier so schön ist, bleiben wir gleich noch einen Tag hier. Wolfgang gibt sich heute ganz dem Schnitzen hin, derweil ich zu Fuß den zwar arg touristischen, aber trotzdem angenehmen Ort erkunde. Hier gibt es noch eine Besonderheit: Es ist erlaubt mit dem Auto direkt auf den Strand zu fahren, aber dementsprechend sieht es da auch aus. In erster Reihe eine dichte Reihe von Pkws, davor die Leute auf ihren Strandstühlen und hinten an der Düne die ganzen Wohnmobile - nur Dänen. Also das wären mir momentan zu viele Leute und entscheide gleich mal, auf keinem Fall den Platz zu wechseln.

Es gibt doch nichts schöneres, als noch vor dem Frühstück eine Runde zu schwimmen! Bevor wir weiter in den Süden fahren, entern wir erst noch mal einen Laden in Blokhus um unsere Lebensmittel- aber vor allem unsere Bier- und Weinvorräte aufzufüllen. Und das zu einigermaßen vernünftigen Preisen. Wir wählen eine kleine zum Teil einspurige Nebenstrecke, die ein paar Kilometer im Landesinneren dem Küstenverlauf folgt, passieren immer wieder Feriensiedlungen mit gar nicht so arg kleinen, schönen Häusern, die sich zwischen die Dünen schmiegen, kommen durch verschlafene Dörfer und an ganz vielen Getreidefeldern vorbei. Die Ernte ist gerade voll im Gange und wir müssen oft bis zur nächsten Ausweichstelle hinter einem Riesenmähdrescher oder Traktor herzuckeln. In Thisted, einem kleinen Hafenstädtchen vertreten wir uns die Beine. Aber da hätten wir lieber einen anderen Ort ausgesucht. In der ganzen Stadt hat es nach Schweinestall gestunken und außer Friseurläden, Fastfood, wenigen Bekleidungsgeschäften ist hier nicht viel los gewesen. Tja, es hat uns hier einfach nicht gefallen. Darum geht es bald weiter, nun immer am Deich entlang, bis wir in den Dünen bei Bovbjerg einen Parkplatz ohne Verbotsschild sehen und uns dort installieren. Und dann springen wir gleich in die Fluten der Nordsee, das erste Mal in unserem Leben! Total klares Wasser und wärmer als gedacht. Den wunderschönen Sonnenuntergang verfolgen wir mit einem Glas kühlem Weißwein in den Dünen. Wenn jetzt nicht so viele kleine lästige Fliegen rumschwirren würden, könnte man sagen: perfekt!

Oje, jetzt kommt die Zeit der langen Fahrtage. Damit es nicht ganz so schlimm wird, suchen wir uns wenigstens kleine Straßen aus. Heute führt uns eine direkt am Meer entlang, wovon wir aber kaum was sehen, denn es ist immer eine große Düne dazwischen. In Søndervig bestaunen wir riesige Sandskulpturen und ich kann nur an einer davon eine kleine Stelle entdecken, wo etwas Sand herunterrieselt. Schon erstaunlich, was man nur aus Sand und Wasser modellieren kann. Badepause muss natürlich auch sein: Steil die Düne rauf stapfen, steil hinunter und nach einer Stunde das gleiche zurück. Da ist man schon wieder verschwitzt, wenn man am Auto ankommt! Landschaftlich ist es genauso, wie ich mir Dänemark vorstelle: total flach, große, aber niedrige Vierseithöfe aus unverputztem Ziegel mit weißen Fensterrahmen und Reetdach, kleine Dörfer in den Dünen versteckt und viel landwirtschaftliche Fläche. Und irgendwo dazwischen finden wir auch einen nicht ganz so windigen Platz für unseren Hiasl.

Ein Blick aufs Tablet, mit dem wir navigieren, zeigt uns, dass wir zwar alle Karten der skandinavischen Länder drauf haben, aber keine einzige aus Deutschland. Ups, da haben wir vor vier Monaten wohl verdrängt, dass wir wieder heim müssen. Unser Datenvolumen ist auch fast alle, also suchen wir das nächstbeste Einkaufszentrum in der Hoffnung auf ein gutes Wlan auf. Und ein paar Kilometer weiter werden wir in Esbjerg auch gleich fündig. Wir installieren uns mit Handys und Tablet bei einem großen Pflanzkübel, denn hier ist der Empfang am besten! Nach getaner Arbeit fahren wir nach Ribe. Eigentlich wollen wir nur ver- und entsorgen, aber eine Französin schwärmt uns so von dem Städtchen vor, dass wir uns gleich auf den Weg machen. Und es ist wirklich super. Ribe ist die älteste Stadt Dänemarks und kann mit vielen alten, hübschen Häusern aufwarten, mit einer imposanten Domkirche, kleinen Gässchen mit Kopfsteinpflaster, einem Minihafen und einer Fußgängerzone mit vielen kleinen Läden und Cafés. Wir verbringen den ganzen Nachmittag hier, genießen die Sonne und feine Waffeln. Kleiner Wermutstropfen, denn an unserem LKW hängt ein dicker Strafzettel über knapp 70 Euro, weil wir und auch andere Womos auf einem Busparkplatz stehen. Denn auf den ausgewiesenen Womoparkplätzen haben sich PKWs breitgemacht. Diese müssen natürlich keine Strafe bezahlen. Na was soll’s, dafür können wir wieder mal ganz toll direkt am Wattenmeer gegenüber der Insel Rømø übernachten und haben einen Supersonnenuntergang und interessante Gespräche mit unseren „Nachbarn“.

So nun geht es raus aus Dänemark bis nach Dagebüll, von wo wir mit der Fähre ohne Auto in einer knappen Stunde hinüber auf die Insel Föhr fahren. Dort machen wir dann so richtig das Touriprogramm. Wir laufen mit den ganzen Rentnern durch die Hauptstadt Wyk, spazieren die Strandpromenade rauf und runter, beobachten Kite-Schüler, die bei heute nur mäßigem Wind nicht so recht aufs Brett kommen und liegen faul am Strand. Dann noch Eis - hatten wir schon lange nicht mehr! - und Kaffee und Kuchen, so dass wir nun gestärkt noch die alten Kapitänshäuser anschauen können und noch eine schnelle Runde um den Hafen rum, wo gerade die „Elbe 1“, ein ehemaliges Feuerschiff aus der Elbemündung, einläuft. Und schon geht auch wieder unsere Fähre zurück aufs Festland. Wir fahren nur mehr wenige Minuten nach Schlüttsiel, dort können wir für ein paar Euro auf dem Hotelparkplatz von Siel 59 schlafen, aber vorher gibt es endlich noch einen Sundowner in der Hotelbar mit tollem Blick aufs Watt und die Halligen.

In den nächsten zehn Tagen fahren wir gemütlich, schnell geht ja mit unserem Auto nicht nach Hause. In Münster verbringen wir ein paar Tage bei unserer Tochter, in Düsseldorf besuchen wir den Caravansalon, wo wir uns dann endlich für eine Trockentrenntoilette entscheiden, in Monreal (Eifel) nutzen wir die letzte Sonne für einen langen Spaziergang durch den pittoresken Fachwerkort und auf die zwei Burgen und zu guter Letzt kommt wieder mal Würzburg dran, wo wir mit Wolfgangs Onkel ein paar nette Häckerwirtschaften aufsuchen und ein bisschen Wein süffeln!

 

Unsere Reise dauerte 14 Wochen und führte uns auf 11.000 km durch 11 Länder. Jedes einzelne war die Fahrt wert. Ins Baltikum und nach Russland wollen wir, hoffentlich, bald wieder. Die skandinavischen Länder stehen ein bisschen weiter hinten auf dem Plan. Da müssen wir erst wieder etwas sparen!

 

Die ungefähre Route ab Russland kann man wie immer hier finden.

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