Dänemark, Deutschland 25.08. - 09.09.2019

Die Fähre nach Dänemark legt pünktlich um acht Uhr ab. Ein letzter Blick zurück auf Kristiansand und die vielen, kleinen, vorgelagerten Inseln. Es zeigt sich keine Wolke am Horizont, wahrscheinlich wird es ein recht warmer Tag heute. Hätte es nicht die letzten Wochen auch so sein können? Dank der Klimaanlage ist es zapfig kalt im Innenraum und außen bläst ein so ein kräftiger Wind, dass sich kaum jemand raus wagt. Aber wir sind eh so müde, so dass wir von den dreieinhalb Stunden das meiste verschlafen. Von Hirtshals wollen wir heute nicht mehr so weit fahren und steuern einen Parkplatz beim zur Zeit wohl berühmtesten Leuchtturm des Landes an. Den Rubjerg Knud Fyr. Berühmt deshalb, weil er nur mehr acht Meter von der steilen Abbruchkante entfernt steht und nun 80 Meter weit ins Landesinnere mit Hilfe von extra verlegten Schienen umziehen muss. Ende Oktober findet das große Spektakel statt. Kaum auszudenken wie viele Leute es dann hierher verschlägt, wenn heute schon der Parkplatz mehr als gut belegt ist. Bei für uns ungewohnt hohen Temperaturen stapfen wir die Dünen hinauf, schauen über die wirklich steile Kante, von der die Fluten jedes Jahr ein Stückchen wegnehmen. Verschwitzt fahren wir dann weiter nach Blokhus, wo es einen kleinen Badesee mit einem verstecktem Miniparkplatz und eine kleinen Badestrand gibt. Da können wir es mit einem Buch und ab und zu einer Schwimmeinlage im erfrischenden Wasser sehr gut aushalten.

Und weil es hier so schön ist, bleiben wir gleich noch einen Tag hier. Wolfgang gibt sich heute ganz dem Schnitzen hin, derweil ich zu Fuß den zwar arg touristischen, aber trotzdem angenehmen Ort erkunde. Hier gibt es noch eine Besonderheit: Es ist erlaubt mit dem Auto direkt auf den Strand zu fahren, aber dementsprechend sieht es da auch aus. In erster Reihe eine dichte Reihe von Pkws, davor die Leute auf ihren Strandstühlen und hinten an der Düne die ganzen Wohnmobile - nur Dänen. Also das wären mir momentan zu viele Leute und entscheide gleich mal, auf keinem Fall den Platz zu wechseln.

Es gibt doch nichts schöneres, als noch vor dem Frühstück eine Runde zu schwimmen! Bevor wir weiter in den Süden fahren, entern wir erst noch mal einen Laden in Blokhus um unsere Lebensmittel- aber vor allem unsere Bier- und Weinvorräte aufzufüllen. Und das zu einigermaßen vernünftigen Preisen. Wir wählen eine kleine zum Teil einspurige Nebenstrecke, die ein paar Kilometer im Landesinneren dem Küstenverlauf folgt, passieren immer wieder Feriensiedlungen mit gar nicht so arg kleinen, schönen Häusern, die sich zwischen die Dünen schmiegen, kommen durch verschlafene Dörfer und an ganz vielen Getreidefeldern vorbei. Die Ernte ist gerade voll im Gange und wir müssen oft bis zur nächsten Ausweichstelle hinter einem Riesenmähdrescher oder Traktor herzuckeln. In Thisted, einem kleinen Hafenstädtchen vertreten wir uns die Beine. Aber da hätten wir lieber einen anderen Ort ausgesucht. In der ganzen Stadt hat es nach Schweinestall gestunken und außer Friseurläden, Fastfood, wenigen Bekleidungsgeschäften ist hier nicht viel los gewesen. Tja, es hat uns hier einfach nicht gefallen. Darum geht es bald weiter, nun immer am Deich entlang, bis wir in den Dünen bei Bovbjerg einen Parkplatz ohne Verbotsschild sehen und uns dort installieren. Und dann springen wir gleich in die Fluten der Nordsee, das erste Mal in unserem Leben! Total klares Wasser und wärmer als gedacht. Den wunderschönen Sonnenuntergang verfolgen wir mit einem Glas kühlem Weißwein in den Dünen. Wenn jetzt nicht so viele kleine lästige Fliegen rumschwirren würden, könnte man sagen: perfekt!

Oje, jetzt kommt die Zeit der langen Fahrtage. Damit es nicht ganz so schlimm wird, suchen wir uns wenigstens kleine Straßen aus. Heute führt uns eine direkt am Meer entlang, wovon wir aber kaum was sehen, denn es ist immer eine große Düne dazwischen. In Søndervig bestaunen wir riesige Sandskulpturen und ich kann nur an einer davon eine kleine Stelle entdecken, wo etwas Sand herunterrieselt. Schon erstaunlich, was man nur aus Sand und Wasser modellieren kann. Badepause muss natürlich auch sein: Steil die Düne rauf stapfen, steil hinunter und nach einer Stunde das gleiche zurück. Da ist man schon wieder verschwitzt, wenn man am Auto ankommt! Landschaftlich ist es genauso, wie ich mir Dänemark vorstelle: total flach, große, aber niedrige Vierseithöfe aus unverputztem Ziegel mit weißen Fensterrahmen und Reetdach, kleine Dörfer in den Dünen versteckt und viel landwirtschaftliche Fläche. Und irgendwo dazwischen finden wir auch einen nicht ganz so windigen Platz für unseren Hiasl.

Ein Blick aufs Tablet, mit dem wir navigieren, zeigt uns, dass wir zwar alle Karten der skandinavischen Länder drauf haben, aber keine einzige aus Deutschland. Ups, da haben wir vor vier Monaten wohl verdrängt, dass wir wieder heim müssen. Unser Datenvolumen ist auch fast alle, also suchen wir das nächstbeste Einkaufszentrum in der Hoffnung auf ein gutes Wlan auf. Und ein paar Kilometer weiter werden wir in Esbjerg auch gleich fündig. Wir installieren uns mit Handys und Tablet bei einem großen Pflanzkübel, denn hier ist der Empfang am besten! Nach getaner Arbeit fahren wir nach Ribe. Eigentlich wollen wir nur ver- und entsorgen, aber eine Französin schwärmt uns so von dem Städtchen vor, dass wir uns gleich auf den Weg machen. Und es ist wirklich super. Ribe ist die älteste Stadt Dänemarks und kann mit vielen alten, hübschen Häusern aufwarten, mit einer imposanten Domkirche, kleinen Gässchen mit Kopfsteinpflaster, einem Minihafen und einer Fußgängerzone mit vielen kleinen Läden und Cafés. Wir verbringen den ganzen Nachmittag hier, genießen die Sonne und feine Waffeln. Kleiner Wermutstropfen, denn an unserem LKW hängt ein dicker Strafzettel über knapp 70 Euro, weil wir und auch andere Womos auf einem Busparkplatz stehen. Denn auf den ausgewiesenen Womoparkplätzen haben sich PKWs breitgemacht. Diese müssen natürlich keine Strafe bezahlen. Na was soll’s, dafür können wir wieder mal ganz toll direkt am Wattenmeer gegenüber der Insel Rømø übernachten und haben einen Supersonnenuntergang und interessante Gespräche mit unseren „Nachbarn“.

So nun geht es raus aus Dänemark bis nach Dagebüll, von wo wir mit der Fähre ohne Auto in einer knappen Stunde hinüber auf die Insel Föhr fahren. Dort machen wir dann so richtig das Touriprogramm. Wir laufen mit den ganzen Rentnern durch die Hauptstadt Wyk, spazieren die Strandpromenade rauf und runter, beobachten Kite-Schüler, die bei heute nur mäßigem Wind nicht so recht aufs Brett kommen und liegen faul am Strand. Dann noch Eis - hatten wir schon lange nicht mehr! - und Kaffee und Kuchen, so dass wir nun gestärkt noch die alten Kapitänshäuser anschauen können und noch eine schnelle Runde um den Hafen rum, wo gerade die „Elbe 1“, ein ehemaliges Feuerschiff aus der Elbemündung, einläuft. Und schon geht auch wieder unsere Fähre zurück aufs Festland. Wir fahren nur mehr wenige Minuten nach Schlüttsiel, dort können wir für ein paar Euro auf dem Hotelparkplatz von Siel 59 schlafen, aber vorher gibt es endlich noch einen Sundowner in der Hotelbar mit tollem Blick aufs Watt und die Halligen.

In den nächsten zehn Tagen fahren wir gemütlich, schnell geht ja mit unserem Auto nicht nach Hause. In Münster verbringen wir ein paar Tage bei unserer Tochter, in Düsseldorf besuchen wir den Caravansalon, wo wir uns dann endlich für eine Trockentrenntoilette entscheiden, in Monreal (Eifel) nutzen wir die letzte Sonne für einen langen Spaziergang durch den pittoresken Fachwerkort und auf die zwei Burgen und zu guter Letzt kommt wieder mal Würzburg dran, wo wir mit Wolfgangs Onkel ein paar nette Häckerwirtschaften aufsuchen und ein bisschen Wein süffeln!

 

Unsere Reise dauerte 14 Wochen und führte uns auf 11.000 km durch 11 Länder. Jedes einzelne war die Fahrt wert. Ins Baltikum und nach Russland wollen wir, hoffentlich, bald wieder. Die skandinavischen Länder stehen ein bisschen weiter hinten auf dem Plan. Da müssen wir erst wieder etwas sparen!

 

Die ungefähre Route ab Russland kann man wie immer hier finden.

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