Wir müssen leider wieder durch Brikama und stehen wieder wegen nichts 1 Stunde im Stau! So nervig!
Ab hier dann schnurstracks nach Süden zu dem kleinen Grenzübergang in Jiboro. Und hier geht alles schnell, freundlich und ganz ohne Kosten von statten. In der nächsten größeren Ortschaft wollen wir noch eine neue SIM-Karte kaufen, aber Fehlanzeige, trotz der Hilfe eines Einheimischen. Na gut, dann fahren wir eben weiter. Die Straße ist in einem erbärmlichen Zustand, im Slalom umschiffen wir die sehr tiefen und großen Schlaglöcher und wenn es mal ein paar Meter besser ist, dann kommt garantiert ein bump! In Bignona brauchen wir eine Pause und finden auch noch einen Orange-Shop, so dass wir endlich wieder Internet haben. Man braucht halt Geduld für so ein Geschäft. Es ist heiß und wir fallen in die nächste Kneipe auf Cola und Fanta ein. Bei uns am Tisch, dem einzigen, sitzt noch ein Belgier, der vor sechs Jahren hierher ausgewandert ist. Bewundernswert, mir fallen auf Anhieb mehrere Länder ein, wo es mich viel mehr hinziehen würde. So nebenbei beobachte ich einen Mopedfahrer, der sein Gefährt belädt: hinten auf dem Gepäckträger kommt ein Kasten Bier und darauf noch eine Palette mit Coladosen, dann nimmt er Platz und schiebt sich noch eine Schachtel mit 12 Flaschen Wein zwischen die Beine und darauf noch mal Softdrinkdosen! Für uns geht es noch nach Ziguinchor weiter, wo wir uns in der Nähe des Fischerhafens auf einen Parkplatz direkt am Casamance River stellen. Puh, die Hitze hat uns heute ganz schön zu schaffen gemacht und darum haben wir trotz des eher unangenehmen Geruchs keine Lust mehr, was anderes zu suchen.
Wir müssen nun die zweite und letzte Verlängerung des Passavants beim Zoll machen und danach unsere Vorräte beim Auchan aufstocken, Obst und Gemüse gibt es wie immer bei den Ständen auf der Straße. In westlicher Richtung ist in Mlomp ein kleines Museum über das Volk der Diola. Die Ausstellung ist in einer originalen Rundhütte untergebracht. Sehr interessant ist das Trichterförmige Dach, das den Regen somit ins Innere der Hütte leitet. Das Wasser wird in großen Tontöpfen aufbewahrt, wodurch durch die Verdunstungskälte der Innenraum abgekühlt wird. Nur schade, dass heute alle danach streben in einem gemauerten Haus zu wohnen und ich glaube nicht, dass diese länger stehenbleiben, denn die selbstgemachten Ziegel bestehen nur aus Sand und Wasser und mit wenig Zement. Des weiteren können wir uns über die Fetischwelten, Wiedergeburt und etwas weltlicher über Haushalts- und landwirtschaftliche Gegenstände informieren. Es ist sehr interessant! Vor dem Museum stehen zwei riesige Fromager-Bäume, die schon eine imposante Erscheinung sind mit den wuchtigen Bretterwurzeln. Da kommt der Hiasl gar nicht groß raus! Über eine Piste fahren wir zur Pointe de St. Georges, wo man mit viel Glück Seekühe beobachten kann. Da ich noch einen Spaziergang unternommen habe, hatte ich das Glück! Aber außer Schwanzflossen und ab und zu auftauchende Rücken, hab ich ehrlicherweise nichts gesehen. Auch für die Bootstouristen sind wir deshalb das lohnendere Ziel und sie wollen alles ganz genau wissen über unsere Reise.
Auf der Rückfahrt von der Pointe de Georges haben wir eine kleine Kletterpartie ins Auge gefasst, nämlich über eine Seiltreppe auf einen großen Fromager hinauf. Aber als wir dort ankommen sind noch acht Personen vor uns und zwei Kinder gerade am Einstieg. Als nach einer Viertelstunde die Kinder immer noch nicht unten sind, gehen wir wieder zum Lkw zurück, ein bisschen enttäuscht, aber eine Wartezeit von ca. 1 1/2 Stunden ist uns dann doch zu viel. Dafür möchten wir uns eine Cashewnüsse-Farm ansehen. Tja, der Hiasl passt nicht unter den Bäumen durch, so machen wir uns zu Fuß auf. Ein etwas unmotivierter junger Mann zeigt uns nun das Leben einer Cashew-Nuss. Aktuell hängen an den riesigen Bäumen nur noch wenig Nüsse. Diese werden dann zuerst gekocht, danach kann die Schale geknackt und entfernt werden und dann erfolgt noch die Röstung. Und dann natürlich der Verkaufsstand. Wir haben uns eine Tüte geleistet, obwohl sie recht teuer sind, aber es steckt ja auch viel Arbeit dahinter.
So jetzt reicht es aber wieder mit Kultur und wir fahren direkt nach Cap Skirring zum Camping Sénégalois, den die Franzosen Tony und Sandrine betreiben. Dementsprechend viele Franzosen sind auch hier und ein Schweizer Paar und ein allein reisender Norweger aus Tromsö! Und hier bleiben wir gleich vier Nächte! Mal laufen wir zu Fuß in den Ort, ca. 2 km, ein bisschen shoppen, aber das macht mit Wolfgang keinen Spaß, gehen täglich hinunter zum Meer, wo man bei etwa 25° und nicht allzu starken Wellen gut schwimmen kann und gönnen uns zweimal ein Abendessen in einem der vielen Restaurants. Leider hat Tony kein passendes Schwein für den Grill gefunden: entweder zu klein für alle Gäste oder viel zu groß. Und wir haben uns schon so darauf gefreut. Zu unserer Überraschung tauchen am vorletzten Tag noch Joel und Katja auf, die mit ihrem IVECO auf der Eisenerzbahn-Piste gestrandet sind. Drei Wochen haben sie für das Abschleppen und die Reparatur dann in Marokko gebraucht!
Wir haben hier unseren Umkehrpunkt erreicht, d. h. es geht nun immer in nordöstliche Richtung! In Ziguinchor kaufen wir mal wieder ein und fahren noch ein paar Kilometer weiter nach Niaguis, Dort finden wir nicht die richtige Straße zum Camp Chez Virginie und wir haben so noch eine heftige Geländeeinheit, aber dann sind wir da. Es ist nicht viel Platz im inneren Bereich, auch weil schon drei 4x4-Vans da sind. Zwei kennen wir schon vom letzten Platz. Kurzerhand werden zwei Büsche abgehackt und einen machen wir noch nieder und dann passt es! Am Abend werden wir alle von Virginie bekocht: mit Fisch gefüllte Teigtäschchen und Sauce, Kartoffelgratin und Rindfleischstreifen und die obligatorische Zwiebelsoße (mit der ich mich nicht anfreunden kann), eingelegte Melone mit Baobab-Eis und Weißen Rum, Bier, Rotwein aus Togo, Saft und Wasser und das alles für 13€ für uns beide. Und es war sehr lecker!
Ab jetzt wird es leider viele Fahrtage geben, so auch heute. Auf senegalesischer Seite fahren wir südlich von Gambia bis zu einem kleinen Grenzübergang nach Gambia. Heute läuft alles korrekt ab, d. h. es wandert kein Geld in irgendwelche Taschen. Die Straße war überraschend gut, aber wie auch die letzten Tage ist es drückend heiß und so hängen wir nur vor dem Auto im Schatten ab, als wir am frühen Abend in Pakalinding das Roadside Café zum Übernachten erreichen. Es wird von einem Schotten betrieben und er hat hochtrabende Pläne für das Gelände, mal schauen, ob er das neben der viel befahrenen Straße und auch noch neben einer Moschee mit einem sehr ambitioniertem Muezzin verwirklichen kann. Wir müssen wieder über die Brücke des Gambia River und dann fahren wir auf der North Bank Road entlang des Flusses nach Kuntaur. Wir parken auf dem Dorfplatz und sind sofort von einer Kinderschar umringt. Da ich stark erkältet bin und echt keine Nerven für Kinderunterhaltung habe, läuft Wolfgang mit allen zu einem Minilädchen und kauft ihnen einen Fußball, in der Hoffnung, dass sie dann mal eine Zeitlang beschäftigt sind. Klappt so leidlich. Wir haben mit dem jungen Tourguide Amadou für 16:00 eine Bootstour ausgemacht. Aber nur eine kurze, da ich ja nicht so seetauglich bin und jetzt auch noch erkältet. Aber alles geht gut! Wir fahren auf dem breiten Fluss im Gambia River Nationalpark an Mangrovenwäldern entlang, die Palmblätter reichen bis ins Wasser und dann erreichen wir Baboon Island und bald darauf sehen wir die Schimpansen in den Bäumen rumturnen oder träge die Menschen beobachten. Die Tiere kommen vor allem aus europäischen Zoos und werden hier ausgewildert, aber trotzdem ist es toll sie in freier Natur zu beobachten. Weiter geht die Fahrt und dann auf einer Sandbank sehen wir die Flusspferde träge am Ufer liegen. Amadou lässt das Boot ohne Motor leise dahingleiten, aber sie bemerken uns dann doch und eins nach dem anderen gleitet erstaunlich schnell ins Wasser und dann tauchen sie ab. Nur wohin? Wir schauen noch mal bei den Affen vorbei und dann ist die Zeit auch schon rum. Superschön war es und der Umweg hat sich echt rentiert!
Bevor es wieder in den Senegal geht, schauen wir uns im Nachbardorf noch die Steinkreise von Wassu an. Davon gibt es hier im senegambischen Gebiet sehr viele, sie sind so um die 1500 Jahre alt und dienten als Beerdigungsplatz. Als Grabbeigaben hat man oft Speere und Schmuck gefunden. Das kleine Museum könnte eine Modernisierung brauchen oder zumindest sollten mal die Exponate abgestaubt werden. Über eine Sandpiste erreichen wir die kleine Grenze bei Maka Gonye. Dort sind zwei Beamte abgestellt. Einer ist zuständig für die Passkontrolle und mangels Computer werden unsere Daten sorgfältig in ein großes Buch eingetragen. Währenddessen besuchen wir den Zollbeamten, der leider Schwierigkeiten hat zum 17. Februar 15 Tage auf zu addieren. Als ich ihm noch erkläre, dass der Februar nur 28 Tage hat, fällt der Groschen und wir dürfen gehen. Da muss jemand ganz schön geschmiert haben, damit dieser einen Job beim Zoll bekam! Auf dem Weg zur Hauptstraße rauf kommen wir durch viele Dörfer, wo es nicht gerade nach Wohlstand schreit. Aber es ist Leben auf den Wegen, es wird geratscht, gelacht, geschimpft und gearbeitet. Wir sehen viele Agrarprojekte, wo die Leute Salate, Kräuter, Tomaten, Kürbisse usw. anbauen, oft sind Tafeln da, wo man liest, wer hier fördert, z. B EU, oft Japan. Ab Koungheul brausen wir auf einer neuen Teerstraße bis kurz vor Kaolack, wo wir uns neben einer Saline am Saloum River niederlassen.
Nach einer mückenreichen Nacht stürzen wir uns ins Gewimmel von Kaolack. Wir haben kein Geld mehr, brauchen noch Diesel und der Kühlschrank ist auch leer. Die Bank ohne Gebühren ist in der Nähe eines Auchan und eine Tankstelle auch gleich um die Ecke. Aber eine plötzliche Straßensperrung führt uns dann direkt ins Marktviertel. Puh, das ist teilweise ganz schön eng und die Leute haben wohl auch Angst um ihr Zeug. Und wir sind ja auch nicht die Einzigen mit einem Auto hier, aber die größten. Mit viel Schweiß und Fluchen finden wir endlich hinaus und parken bald am Auchan, laufen zu Fuß zur Bank und bei der zweiten Tankstelle gibt es dann auch Sprit! Dort stellen wir dann fest, dass der Tacho nicht mehr weiterzählt - Geschwindigkeit war schon immer eine Schätzerei - und das ist doof, weil wir nun nicht mehr genau wissen, wann wir von einem Tank auf den anderen umgeschaltet haben. Denn die Tankuhren gehen nach der Giesinger Heuwaage! Wir steuern einen bekannten Platz bei Fattick an, dort gibt es gutes Internet und ich werde tatsächlich fündig und bestelle sofort den letzten passenden Tacho. Wir bekommen ihn zwar erst, wenn wir unsere Tochter Anfang Mai treffen, aber was man hat, hat man.
Obwohl die Straße Richtung Thies relativ gut ist, gönnen wir uns dann doch noch ein paar Kilometer Autobahn. Ab Thies ist eh Schluss damit und wir wollen ja auch noch Körbe kaufen, die besonders hier in der Gegend produziert und am Straßenrand angeboten werden. Wolfgang erledigt wichtige Dinge am Handy, während ich harte Verhandlungen führe und mit diversen Körben zum Hiasl zurückkomme. Wir wollen noch mal ans Meer und biegen in Tivaouane links ab nach Mboro. Aber hier wird die Straße grottenschlecht, teilweise weiß man gar nicht, wo man überhaupt fahren soll. Und der chaotische Verkehr der Einheimischen macht das Ganze auch nicht besser. Aber wenn man denkt, schlimmer geht es nicht mehr, wird man aktuell in Mboro eines besseren belehrt. Die Durchfahrt ist gesperrt und nein, es gibt keine Hinweise darauf. Erst als nichts mehr geht, wissen auch wir es. Aber gut, dass wir ein ziemlich geländegängiges Fahrzeug haben und wir schaffen dadurch einen großen Abbruch und auch das Hindernis alter Laternenpfosten. Auf Nebenstrecken kämpfen wir uns durch, bis irgendein Dödel in einer engen Gasse vor einer Kurve parkt und der Gegenverkehr natürlich keine Sicht hat. Also treffen wir alle schön in der Kurve aufeinander, nichts geht mehr. Passanten winken in alle Richtungen, die Fahrer schreien wild durcheinander, Wolfgang gleich mit, bis endlich mal einer der hinteren Autos rückwärts fährt und sich dann das Knäuel auflösen kann. Was sind wir froh, als wir endlich aus dem Kaff draußen sind und über eine gute Piste einen windigen Platz am Meer erreichen. Tja, mit gemütlich vor dem Lkw sitzen ist nicht, also gibt es die Beruhigungshalbe indoor!
Eigentlich wollten wir hier zwei Tage bleiben, aber es ist uns zu windig und zu kalt hier. Also wieder zurück nach Mboro, diesmal eine ausgeschilderte Umleitung und nicht ganz so chaotisch und dann kommt eine super Piste durch ein paar kleine, saubere Dörfer und links und rechts landwirtschaftlich genutzte Felder. Die Tomaten- und Kartoffelernte ist gerade voll im Gang. Es wird alles per Hand gepflückt und ausgegraben und dann mit Eselskarren zum Markt gefahren. Wir haben den Hiasl am Dorfrand abgestellt, denn auf der Straße ist kein Durchkommen mehr! Obwohl es hier eher die „Metro“ der Märkte ist, haben wir ganz frisches Gemüse auch in Zwei-Personen-Portionen bekommen! Danach geht es über eine gute Teerstraße zur berühmten Zebrabar an der Langue de Barbarie. Also uns hat es nicht vom Hocker gerissen, teuer, Sanitäranlagen naja, WiFi schlecht. Wir haben Martina und Volker (flip-tv-weltreise) getroffen und den üblichen Ratsch unter Reisenden abgehalten. Schön euch getroffen zu haben! Als wir am nächsten Tag einen Spaziergang an der Lagune machen, haben wir eine unangenehme Begegnung mit einer Gruppe Jungen. Die haben doch tatsächlich von hinten mit Steinen nach uns geworfen. Einfach so, ohne Grund. Wir haben sie angebrüllt , aber richtig nachhaltig ist das nicht. Aber was sie gar nicht mögen, wenn man das Handy zückt. Das ist dann mein Part und Wolfgang tut so, als ob er auch Steine wirft. Irgendwann werden wir sie los, aber bei so was könnte ich kotzen. Am Abend trudeln dann noch ca. 50 Fahrzeuge der Budapest-Bamako-Rally ein. Da wird es ganz schön voll! Der Wahnsinn, die sind erst vor zwei Wochen in Budapest gestartet! Und in einer Woche sind sie am Endpunkt in Sierra Leone, denn Mali geht nicht mehr.
In der Früh ist dann der Spuk vorbei und wir haben nun den Platz fast ganz für uns alleine. Aber Klopapier ist alle! Wir tanken noch Wasser und fahren die kurze Strecke nach St. Louis, wo wir den Hiasl gleich zu Beginn der Altstadt abstellen. Von hier lassen wir uns ganz dekadent mit der Kutsche und dem Guide Mohammed durch den historischen Stadtkern auf der Insel fahren. Der Nordteil besticht durch die alten Kolonialhäuser, teils mit sehr morbidem Charme, die auch zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Sehr hübsch, aber etwas steril. Im Südteil pulsiert das Leben in den engen Gassen um den Fischerhafen, wo laut Guide ca. 2000 Pirogen liegen. Die Menschen leben hier sehr eng zusammen und es sind oft ziemlich dunkle und schmutzige Löcher, die als Behausungen dienen. Auf den auslaufenden Pirogen sieht man auch Kinder, vielleicht 6-8 Jahre alt, die schon mit rausfahren müssen. Oft mehrere Wochen, teils bis nach Guinea. Mohammed sagt, durch die Polygamie - bis zu vier Frauen und von jeder 4 – 6 Kinder - müssen eben alle mitarbeiten, damit es was zu beißen gibt. Es war eine tolle Tour, wir haben viel gesehen, gelernt, aber auch viel zum Nachdenken bekommen. Unser letzter Abend im Senegal bricht an und den verbringen wir in der Nähe des Grenzortes Diama, abseits der Straße mit einem kleinen Lagerfeuer.

































































































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