Wir werden von einem tollen Sonnenaufgang und einer kleinen Karawane von Mauretanien verabschiedet.
Aber die nächsten sechs Kilometer bis zur Grenze bei Diama in den Senegal haben es noch mal in sich! Die Piste ist durch die Regenfälle in einem sehr schlechtem Zustand und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Wir gönnen uns wieder für 10 € einen Fixer, der mich zu sämtlichen Schaltern bugsiert, während Wolfgang mit SIM-Karten Verkäufern in Verhandlungen steht und ab und zu mal 10 m den Hiasl nach vorne fahren darf. Natürlich erst, wenn diverse Gebühren wie Parken und Schranke öffnen bezahlt sind. Wichtig ist der Exit-Stamp, wegen des Mauretanien-Visums. Da wir ja kein Carnet de Passage (CdP) haben, benötigen wir ein sogenanntes Passavant, um unser Fahrzeug in den Senegal einzuführen. Bei Autos älter als acht Jahre ist das nicht so einfach und der Fixer stellt einen Kontakt zu einem Herrn Zargane her, der in St. Louis sitzt und gegen die geringe Summe von 250 € ein Passavant hervorzaubert. Das Ganze dauert dann zwei Stunden, bis es mit einem Taxi hergekarrt wird. Wir werden zwischenzeitlich bei einem höheren Zollbeamten in sein Kämmerchen gebeten. Aber wir haben uns zu früh gefreut, denn er hat beobachtet, dass Wolfgang vor Langeweile unseren Lkw in Parkposition fotografiert hat. Und das ist an der Grenze streng verboten! Also das Foto löschen, Belehrung anhören und immer freundlich nicken, dann dürfen wir diesmal ohne Strafe das Büro verlassen. Nun noch schnell das Einreisefoto und die Fingerabdrücke scannen, eine Versicherung abschließen und schon sind wir nach insgesamt drei Stunden im Senegal! Alhamdullilah! Dieses Land nervt ganz brutal mit seinen unsäglichen speed bumps. Wir fragen uns, wieso? Denn die Straßen sind eh so grottenschlecht, dass man da gut drauf verzichten könnte. Nun liegen noch 220 km vor uns, bis wir endlich am Spätnachmittag, mit einer kurzen Pause zum Geldabheben und einem Einkauf bei Auchan, das Gelände von Bruno (der Schwiegersohn von Reisefreunden) und seinen zahlreichen Verwandten in Lalane.
Hier bleiben wir dann für die nächsten drei Tage. Von Dior werden wir mittags und abends immer landestypisch und sehr lecker bekocht. Aber so viel Essen und kaum Bewegung bleibt halt direkt an den Hüften hängen. Auf dem riesigen Gelände werden Papayas, Zitrusfrüchte, Tomaten, Salate, Kräuter, Mandeln, Zwiebeln und bestimmt noch mehr angebaut. Aus einem 200 m tiefen Brunnen kommt das Wasser für die Bewässerung. Für den Eigenbedarf gibt es noch ein paar Schweine, die Dioufs sind Christen, und der Hühnerstall ist auch schon fast fertig. Gleich nebenan besuchen wir eine Eierkartonfabrik, wo nur aus alten Kartons und Wasser mit Hilfe einer Presse Eierkartons gefertigt und dann an der Sonne getrocknet werden! Der nächste Betrieb ist eine Wasserabfüllanlage, wo mit viel Handarbeit beim Reinigen der Kanister, 10l und 19l Kanister mit geprüftem Trinkwasser gefüllt und in der Region vertrieben werden. Wieder ein paar Meter weiter befindet sich eine Hühnerlegebatterie. Die vier-stöckigen Gestelle mit automatischer Fütterung stammen aus der Türkei, nur das Einsammeln der zum Teil riesigen Eier erfolgt per Hand. Für Tierschützer ist der Besuch eher nicht geeignet. Puh, wir sind schon recht platt nach so viel Input, aber jetzt kommt noch der Gemüsegarten von Anna dran. Dort pflanzt sie Paprika, Tomaten und Kräuter an und muss jede Pflanze alle zwei Tage von Hand bewässern, da die Dieselpumpe nur jeden zweiten Tag arbeitet, denn Diesel ist teuer! Hut ab! Und wir jammern schon, wenn wir mal drei Stunden durch die Gegend spazieren.
Allerdings muss auch am Hiasl gearbeitet werden. Durch die mauretanischen Pisten haben sich die Streben des Dachträgers verabschiedet, der Kühlschrank muss abgetaut werden, ein Hausputz ist mehr als nötig und auch die Wäsche muss gewaschen werden, mit der Hand. Als Wolfgang noch im Blaumann steckt, kommt Bruno und meint, wir sollen doch das Dorf anschauen. Warum nicht? Wir schauen uns die Kirche, Kita und das Pfarrhaus an, wo alle Leute total nett und freundlich zu uns sind und jeder uns per Handschlag begrüßt und bisschen smalltalk macht. Also soweit es unsere begrenzten Französischkenntnisse zulassen. Zum Abschluss besuchen wir noch das neue „Le petit village“, ein Hotel mit Pool, Spielplatz, Gastro, Weinverkauf und da gönnen wir uns trotz Blaumann zwei Bierchen und für mich eine Fanta!
Als dann am Sonntag alle aus der Kirche zurück sind, gibt es noch ein letztes feines Mittagessen für uns, bevor wir uns von der Großfamilie verabschieden. Vielen herzlichen Dank an alle, vor allem an Bruno, für die freundliche Aufnahme und die Gastfreundschaft!
Wir ziehen nun weiter – mal wieder über üble Straßen – an den Lac Rose, wo wir uns beim Camping Le Nomade niederlassen.
Der Salzgehalt des Sees ist höher als im Toten Meer, darum steigen wir langsam die Treppe hinunter, damit wir uns nicht an den Salzkristallen schneiden! (Wurde uns so von der Besitzerin angeraten!) Aber dann liegt man wie auf einer Liege im Wasser! Nur das Rauskommen gestaltet sich etwas schwierig und ist dann von uns beiden nicht sehr elegant. Am Abend laufen wir noch zu den Salzbergen. In Kähnen und mit Eimern und Schaufeln schuften die Leute acht Stunden am Tag um das Salz aus dem See zu bringen. Danach wird es zu kleinen Bergen am Ufer aufgetürmt, damit es trocknet und bleicht, bevor es dann in alten Mineralwasserflaschen abgefüllt und an Touristen verkauft wird. Da es uns hier gut gefällt bleiben wir noch einen Tag und spazieren diesmal zum Atlantik raus. Ein paar Jungs werfen Netze aus. Die Wellen sind laut und groß und deshalb ist trotz des warmen Wassers Baden nicht möglich. Also bloß Füße waschen. Interessant ist, dass es rund um den See kleine Zuläufe vom Meer her gibt, die aber durch den Sand gefiltert Süßwasser sind. Sie eignen sich dadurch bestens für Landwirtschaft, in größeren Zuläufen sind sogar Fische drin!
Nach so viel Erholung stürzen wir uns heute ins Vergnügen! Aber eher in ein etwas zweifelhaftes. Zuerst wollen wir im nächsten Orange Shop in einer Kleinstadt bei Dakar Guthaben auf unsere SIM-Karte aufladen. Sind nur 18 km, passt. Nicht ganz, denn wir brauchen knapp zwei Stunden dafür. Also so ein Chaos haben wir noch nie gesehen: Straßen theoretisch geteert, aber mit sehr vielen und sehr tiefen Schlaglöchern übersät und vom Fußgänger, Radfahrer, Mopedfahrer, Esels- oder Pferdekarren, Pkw, Lkw und Sechs-Achser ohne jegliche Federung ist alles vertreten. Ach, die unzähligen Minibusse, die alle paar Meter halten habe ich vergessen! Irgendwelche Verkehrsregeln: Fehlanzeige; rote Ampeln: scheißegal; wenn das Auto verreckt, wird es an genau dem Ort repariert und geparkt wird, wo man will. Nur als wir einen U-Turn machen, steht da ein Polizist und zieht uns raus, weil man hier nicht links abbiegen darf! Stimmt, es gibt ein Schild, aber hey, wir dachten, das interessiert hier kein Schwein. Eine Stunde später und knapp 20 € ärmer dürfen wir schon weiterfahren. Nicht lange! Dann quetscht sich einer mit seinem Kleinwagen todesmutig vor uns in den Kreisverkehr rein. Tja, der ist hinten links ziemlich eingedrückt. Der Polizist zieht erst mal beide Führerscheine ein, aber ich versichere ihm, dass wir auf einen Schadensersatz verzichten – wir haben tatsächlich unten an der Stoßstange etwas weiße Farbe dran – und er soll dafür endlich Wolfgangs Führerschein rausrücken, damit wir heute noch zum Zoll kommen. Dafür erreichen wir dann schon beim zweiten Anlauf das richtige Zollamt um das Passavant zu verlängern, kaufen noch schnell was beim Auchan ein und stellen uns am Abend leicht genervt in der Nähe des Hafens auf einen Hotelparkplatz. Mit einem Schweizer Paar teilen wir uns dort dann das Bad in einem Hotelzimmer.
In der Nacht werden wir von unzähligen Mücken gepiesackt und zudem ist der Hiasl von irgendwelchen Mistvögeln total verschissen. Also das Voile d'Or kann ich nicht zum Übernachten empfehlen. Mit einem Taxi fahren wir zum Hafen und setzen nach fast einer Stunde Wartezeit, heute ist anscheinend Wandertag, in ca. 20 Minuten auf die Insel Gorée über. Die Insel ist eine einzige Verkaufsveranstaltung mit Billigschmuck, teils schönen Bildern und die üblichen Kleider, Hosen und Taschen. Der Ort mit seinen Häusern im Kolonialstil mit ihrem sehr morbiden Charme hingegen gefällt uns sehr. Wir laufen zum Aussichtspunkt hoch, heute ohne Aussicht, zur Moschee, zum Fort und dann zum Musée des Esclaves. Über 12 Millionen Sklaven sollen von hier nach Amerika und Brasilien verschifft worden sein. Davon überlebten schon 10 Prozent die Überfahrt nicht und wie es dem Rest erging, weiß jeder. Eine sehr traurige Geschichte. Allerdings gibt es keinen Beleg, dass hier der Hauptumschlagplatz war, auch die berühmte „Door of no return“ kann es hier nicht gegeben haben, da hier keine Schiffe hätten anlegen können. Aber egal, die Gesamtgeschichte ist leider wahr. Im 20. Jh. entwickelte sich Gorée zur Insel der Frauen. Heute leben noch ca. 1000 Menschen hier. Zurück auf dem Festland bringt uns wieder ein Taxi zum Lkw und dann geht es über eine relativ teure, mautpflichtige Autobahn raus aus dem Moloch zu dem kleinen Ort Popenguine, wo wir einen tollen Platz über dem Meer finden und erst mal wieder durchatmen.
Der Hafen beherbergt eine Handvoll traditionelle Fischerboote, aber der Ort an sich ist eher unspektakulär, so dass wir bald weiterfahren. Wir landen in Somone auf einem kleinen Campingplatz, der noch im Entstehen ist. Aber die sanitären Anlagen sind gut, sogar mit Toilettenpapier und warmen Wasser! Am Abend kommen auch noch die Schweizer von Dakar und später ein deutscher Rundhauber, die schon wieder auf dem Nachhauseweg sind. Wir bleiben drei Nächte hier. Einmal laufen wir auf dem Sentier écologique durch einen Mangrovenwald zur Lagune und dann am Strand zurück. Doch leider sehen wir von den angekündigten Tieren wie Äffchen, diverse Vögel, Warane nichts. Nur unzählige Krabben und ein paar Reiher und Sichler. Am nächsten Tag wollen wir in Somone einkaufen. Das mit Obst und Gemüse klappt gut, aber in den Tiefen des Marktes dreht sich mir fast der Magen um, als ich die Unmengen an Fliegen sehe, die sich auf den Fischen niedergelassen haben. Nein, dann lieber Couscoussalat mit Spiegelei. Rainer und Uli haben noch viele Tipps und Anregungen zu Gambia und der Casamance für uns. Danke! Das mit den Mücken in der Nacht hat sich noch nicht gebessert.
In Saly, ein reiner Touristenort, abgestimmt auf die zahlreichen Franzosen, die sich dort ein Haus gekauft haben, machen wir noch einen Großeinkauf mit unseren letzten CFA. Das Internet schwächelt etwas, so dass wir nicht mit Karte bezahlen können, nun müssen wir auch noch nach einem funktionierenden ATM suchen, bevor wir endlich weiterkommen. Durch endlose Dörfer mit zahlreichen speedbumps fahren wir an der Küste entlang nach Joal-Fadiouth. Hier gibt es eine zahlungspflichtige Brücke hinüber auf die Muschelinseln. Diese entstanden vor ca. 1500 Jahren, als die Leute anfingen durch weggeworfene Muschelschalen Land zu gewinnen. Angeblich leben auf der Hauptinsel ca. 9000 Menschen, auf der zweiten ist der Friedhof sowohl für Christen als auch für Muslime untergebracht und die dritte Insel dient als Lagerinsel. Wir laufen durch den eher heruntergekommenen Hauptort mit vielen freilaufenden Schweinen und wenig Souvenirshops. Interessant ist der Lidl! Vom Friedhof hat man eine schöne Sicht auf die Lagerinsel, aber allzu viel Aktivität ist von uns heute nicht zu erwarten, denn die Sonne brennt gnadenlos runter. Über die mit Muscheln bedeckten Wege geht es bald wieder zur Brücke und dann so schnell es die Straßen zulassen Richtung Osten, wo wir kurz nach Fattick einen ruhigen Platz am Ufer eines Flusses finden. Und wie immer nimmt es der letzte Polizeiposten ganz genau, er will alle Papiere sehen und wie immer, kann er sie nicht lesen. Ich frage mich schon, ob die Polizisten ihren Job in der Lotterie gewonnen haben? Ich bin gespannt, wie es morgen an der Grenze zu Gambia wird. Gute Nacht!






































































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RiBa, Curaço� (Sonntag, 22 Februar 2026 20:00)
Danke Angelika für deinen spannenden, amüsanten, emotionalen Bericht und die Bilder - Klasse��� Also weiter für euch mit happy Africa, macht’s gut�
Liebe Grüsse aus dem TortugaResort�
Wüstenfux (Sonntag, 22 Februar 2026 20:07)
Vielen Dank für die tollen Eindrücke, aus der Realität, ohne Weichspüler wie anderswo. Eine schöne Zeit beim Entdecken, Erleben, Erfahren und alles Gute für die Weiterreise!