Gambia 10.02. -16.02.2026

Auf zum nächsten Grenzspektakel, aber vorher über gewohnt miese Straßen, viel Staub und großer Hitze noch ein paar Kilometer schrubben. In Kaolack gibt es auch noch eine Riesenbaustelle, wodurch der Verkehr theoretisch einspurig wird. Aber das interessiert den Senegalesen nicht so besonders und um nicht jedesmal in die größten Löcher abgedrängt zu werden, müssen wir des öfteren unsere Größe ausspielen. Die Ausreise geht relativ gut von statten, aber trotzdem wird auf sengalesischer Seite für den notleidenden Stempler eine „Gebühr“ natürlich ohne Quittung verlangt. Auf gambischer Seite ist dann eine Riesenschlange vor dem Einreiseschalter, aber die notorischen Drängler werden von den Beamten freundlich aber bestimmt zurückgewiesen. Auch hier bekommt der Zoll was von uns, aber immerhin wird ein Zettel ausgefüllt. In Farafenni tauschen wir Geld und laden Guthaben auf die SIM-Karte, die uns Uli und Rainer überlassen haben. Auf den ersten Blick haben wir den Eindruck, dass hier die Infrastruktur schlechter ist, das Angebot überschaubarer ist. Dafür ist die Straße, South Bank Road, um einiges besser als im Senegal und es gibt auch nicht ganz so viele speedbumps. Bald fahren wir 200 Meter durch dichten Rauch, rechts von uns ist ein Buschfeuer – vielleicht auch absichtlich. Die Flammen lodern bis zum Teer und wir sehen nichts mehr und machen zu, dass wir hier durch kommen. Am Ufer des Gambia River gehen wir in Tendaba ins Baobab Camp. Wir kühlen uns in dem stark verchlorten Pool ab und dann heißt es warten aufs Buffet um acht Uhr. Tja, ich muss sagen, es war das Geld nicht wert: Suppe, viel Reis, viel Nudeln, viel Maniok, dürre Hähnchenteile und Rindfleisch, wenig Gemüse, die unvermeidliche Zwiebelsauce und ein paar Stückchen Wassermelone. Ach ja und weil in Gambia ja mal die Engländer das Sagen hatten, natürlich noch eine Tasse Tee!

Wir finden nicht weit von hier einen Vogelbeobachtungsplatz. Die kürzeste Route führt uns über eine sehr schmale, ausgewaschene Piste mit vielen niedrigen Ästen zum Platz. Also unterwegs sehen wir ein paar Äffchen und blau-orange-gelbe Vögel, aber das war es. Auch den Weg zu dem Wasserloch hätten wir uns sparen können, aber wenigstens war es interessant zu fahren. Zurück auf der Hauptstraße bekommt Wolfgang bei einer der unzähligen Polizeiposten einen Strafzettel verpasst, weil er nicht angegurtet ist. Zu recht. Nur leider zieht sich das Procedere eine knappe Stunde, denn auch hier ist man des Lesens nicht so mächtig und das Bezahlen muss auf einer Bank erfolgen usw. Uns fällt auf der Weiterfahrt auf, dass es fast nur Ziegelhäuser gibt mit Blechdächern, auch relativ groß sind und alle haben eine große Veranda mit griechischen Säulen! In der Tunami Tenda Eco Lodge treffen wir Olaf, aus Landshut, der hier eine Landwirtschaft mit heimischen Heilpflanzen aufbauen will. Wir genießen noch das Schwimmen im salzigen Fluss, so wie auch die Schulklasse einer Islamschule, die heute hier ihren jährlichen Ausflug unternehmen. Für die Gebetszeiten ist extra ein Verstärker mitgenommen worden und einer der Jungs darf lautstark vorbeten. 

Für heute ist bisschen Kultur angesagt und es sind auch nur 52 km laut Navi, aber dafür brauchen wir ca. zwei Stunden. Es ist zum Haare Ausreißen! Und immer wegen nichts. Wir wollen zum Crocodile Pool, der verspricht heilende Kräfte und soll gut für die Fruchtbarkeit sein. Na hoffentlich trifft das zweite nicht zu! Er befindet sich zwischen Serrekunda und der Hauptstadt Banjul in einem dicht besiedelten Gebiet mit vielen offenen Abwasserkanälen. Und genau da verkeilen wir uns wieder mal. Aber diesmal sind wir nicht allein schuld, denn ein Lkw versperrt die angedachte Durchfahrt und danach begann das Chaos. Total verschwitzt erreichen wir eine größere Straße, stellen den Hiasl auch gleich da ab und laufen den knappen Kilometer zu Fuß. Ist auch gleich ein olfaktorischer Genuss! Vor dem Pool ist ein kleines Museum über die Geschichte und Kultur Gambias zu besichtigen. Eine kleine, aber feine Ausstellung mit Exponaten zu Musik, Nahrungsgewinnung und traditionellen Masken – sehr gruselig - , die auch bei den Beschneidungszeremonien benutzt wurden oder noch werden. Dann geht es zu den Krokodilen, die hier überall rumliegen oder sich im Wasser abkühlen. Man muss schon richtig aufpassen, dass man auf keines drauftritt. Unter der Aufsicht eines Wärters darf man sie auch streicheln. Allerdings nur hinten und immer genügend Abstand zum Kopf! Die Tiere werden nur mit Fisch gefüttert, das sie sonst zu aggressiv werden. 

Danach fahren wir über eine Schnellstraße, die den Namen auch verdient, zu einem kleinen Campingplatz ein paar Kilometer weiter südlich. Leider ist das Meer immer noch sehr stürmisch, so dass nur Füße baden drin ist, aber unter einem Schirm auf einer Liege lässt es sich sehr gut aushalten. Am Abend gibt es den catch of the day, heute Butterfisch, der sehr lecker war! Auf dem Platz sind noch drei polnische Wohnmobile, aber die sind nicht sehr gesprächig. Das ist uns bei den Polen schon öfters aufgefallen. Der Strandspaziergang am nächsten Tag zu einem Wald mit einem Trail ist sehr heiß und umsonst, da von einem Weg rein gar nichts zu erkennen ist. Dafür stapfen wir durch diverse Müllkippen rauf und runter. Sobald sich Wolfgang ein paar Meter von mir entfernt, kann ich mich der ganzen Liebesbezeugungen der hiesigen männlichen Bevölkerung kaum mehr erwehren! Alle lieben mich hier und alle wollen mit mir nach Deutschland, hahaha. Als wir später wieder eine Lesestunde am Strand einlegen, schläft Wolfgang ein und hat leider sein Handy auf dem Tischchen liegen. Aber halt nicht sehr lange, denn es wurde geklaut! Es muss wohl einer der vielen Strandverkäufer gewesen sein und ich habe auch nichts bemerkt, da ich eine Reihe vor ihm lag. Schöne Scheiße! In der Hoffnung, dass das Handy runtergefallen und im Sand vergraben ist, ackern wir alles um. Aber vergeblich!

Nach dem Frühstück fallen wir in den nächsten Handy-Shop ein und nach zähen Verhandlungen und Internetrecherche kauft sich Wolfgang ein Noname-Telefon, aber immerhin mit 128 GB Speicher, 8 GB RAM und einer vollständigen Android 15 Version für 95 €. Jetzt muss es nur noch eingerichtet werden und dazu b rauchen wir ein einigermaßen stabiles Internet. Denn das ist hier leider gar nicht gegeben. Wir kaufen noch Lebensmittel ein und steuern dann die Sanyang Eco Lodge am Sanyang Beach an, wo auf P4N was von einem relativ gutem WiFi steht. Der Hiasl bleibt, wie auch alle anderen Fahrzeuge, draußen auf dem Parkplatz stehen und Wolfgang ist dann im Restaurant die nächsten zwei Tage damit beschäftigt alles soweit möglich zum Laufen zu bringen. Für mich sind es zwei faule Tage mit langen Strandspaziergängen, schwimmen und lesen. Wolfgang darf aber auch mal ins Wasser! Gut erholt können wir uns dann Morgen in den südlichen Teil des Senegals aufmachen.

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