Mauretanien 11.01. - 28.01.2026

Um sieben Uhr Morgenappell, danach durch arg öde Landschaft zur letzten Tankstelle vor der mauretanischen Grenze noch mal den günstigen Diesel im zollfreien Gebiet der Westsahara getankt.

Und dann reihen wir uns in die PKW-Spur ein. Dort stehen wir erst mal vier Stunden mit gaaaanz wenig Bewegung. Zu unserem Ärger läuft es auf der LKW-Spur fast wie geschmiert. So gegen 13 Uhr kommt ein marokkanischer Beamter und fragt, ob wir einen Hund dabei haben. Als wir verneinen, weist er auf die LKW-Spur für uns. Hurra denken wir, aber nix da! Von 13 bis 15 Uhr wird das Tor dicht gemacht. Ich bin schon etwas am Ausrasten. Als wir eine Kleinigkeit essen wollen in der Kneipe nebenan, kommt zwar mein Omelett sehr schnell, aber das petit poulet von Wolfgang muss wohl erst noch gefangen und gerupft werden. Auf einmal sehen wir Bewegung bei den Autos, bezahlen und poulet abbestellen und ins Auto gehüpft geschieht fast gleichzeitig, weil wir Dummerchen glauben, dass es nun endlich vorwärts geht. Nichts da, noch mal ne Stunde warten. Aber dann Stempel, Scanner, Stempel noch ein Stempel und schon sind wir fast aus Marokko draußen. Ah, sicherheitshalber werden noch mal alle Papiere angeschaut und dann erst ins Niemandsland. Okay, das ist nicht so spektakulär wie vermutet, aber ein Engländer mit VW-Bus fährt sich gleich mal fest. In Mauretanien wartet schon der bestellte Fixer Ahmed auf uns, nimmt unsere Papiere und im Schlepptau ziehen wir mit ihm die nächsten dreieinhalb Stunden von Station zu Station, verneinen ruhigen Gewissens die mehrmals gestellte Frage nach Alkohol, wechseln etwas Geld und kaufen noch eine SIM-Karte, die auch gleich eingerichtet wird. Wegen einer Autoversicherung fahren wir mit Ahmed noch nach Nouadhibou, das sehr spannend ist, denn mittlerweile ist es schon dunkel und die Einheimischen haben oft keine Autobeleuchtung! Und ich sag mal, an den regellosen Fahrstil muss man sich auch erst noch gewöhnen. Aber kurz nach 21 Uhr ist das auch durch und wir um 22 Uhr fallen wir nach ein paar Spaghetti total fertig ins Bett.

Am Morgen stehen die beiden Dresdner Jungs von der Grenze hinter uns, da werden natürlich noch mal die Grenzerlebnisse besprochen und wie es für jeden weitergeht. Die Beiden wollen noch bis Elfenbeinküste und Anfang April wieder zu Hause sein. Sehr sportlich! Wolfgang schmiert den LKW ab und entdeckt dabei, dass sich die Lager an der Antriebswelle vorne rechts verabschiedet haben. Wir verbringen noch eine Nacht auf dem Platz in Cansado am Meer und fahren heute morgen in die Stadt zu der wohl besten Werkstatt, laut IOverlander, in der Stadt. Dort bauen die zackigen Jungs die Antriebswelle aus, neue Lager gibt es natürlich nicht, aber der Chef lässt Bronzebuchsen anfertigen. Das alles dauert natürlich. Mittags laufen wir etwas im Viertel rum und entdecken ein winziges Café, wo es Tee – sehr süß – und Rühreibaguette für uns gibt und viel Spaß mit den Mädels dort! Abends um sechs und 173 € später, ein sehr guter Preis, verlassen wir die Werkstatt, kaufen noch Obst, Gemüse, Brot und süße Teilchen ein. Da sich gestern auch noch unsere Makita verabschiedet hat suchen wir noch eine neue Bohrmaschine und werden tatsächlich fündig. Zwar mit Kabel, aber besser als nichts. Mal wieder bei Dunkelheit fahren wir zu einem Stellplatz im Norden der Stadt und landen auf einem „Campingplatz“. Wäre der Wächter nicht gekommen, hätten wir es gar nicht bemerkt. Aber nach einem Telefonat mit seiner Chefin dürfen wir stehen bleiben!

So, heute geht es endlich auf die Piste! Zuerst noch öde 75 km auf der Hauptroute bis Boulenouar, ein total versandetes Dorf. Dort lassen wir dann erst mal Luft aus den Reifen, verirren uns ihm Ort und finden dann endlich raus auf die richtige Piste entlang des berühmten Eisenerzzugs. Dieser bringt vom 750 km entfernten Zouerat in zwei bis drei Kilometer langen Zügen angetrieben von mehreren Lokomotiven mehrmals täglich Eisenerz nach Nouadhibou zum Verschiffen. Kurz danach treffen wir auf zwei Fahrzeuge, die auch die Piste nehmen wollen und wir beschließen spontan uns zu einer Dreier-Gruppe zusammenzuschließen. Joël und Katja aus Frankreich mit ihrem Iveco Daily und Dany mit seinem roten Suzuki Jimny. Da Dany permanent einen Live Stream sendet, hat er natürlich eine Starlinkantenne mit, was uns allen zusammen Sicherheit gibt. Mehr oder weniger brausen wir immer südlich entlang der Gleise durch meist relativ festen Sand. Ab und an gibt es kleine Steigungen oder nervige Hamada (Steinwüste). Durch den starken Wind ist die Spur manchmal kaum zu sehen für uns, denn wir führen die Gruppe an. Aber immerhin schaffen wir ca. 100 km und schlagen unser erstes Camp ca. 40 km vor Inal auf. Schade, dass die Franzosen nur französisch sprechen, aber irgendwie kommt es doch zu interessanten Gesprächen. 

Puh, der Zug war ganz schön laut in der Nacht! Egal, um neun Uhr geht’s weiter so wie gestern: wir vorneweg, dann Dany und am Schluss die Franzosen. Sandbeschaffenheit wie gestern und das Wetter ist hervorragend! Bis Mittag geht alles gut, aber dann kommt das erste große Weichsandfeld. ca. 30 km, und da bleibt der Daily zweimal stecken und wir fahren immer zurück um ihn mit seiner Winde rauszuholen. Beim dritten Mal der Supergau! Joël bekommt keinen Gang mehr rein. Bei einem ziemlich starken Sandsturm liegt Wolfgang gut drei Stunden unter dem Auto, aber schlussendlich kommt die Diagnose, dass das Getriebe einen Schaden hat. Mittlerweile ist es dunkel und Joël und Katja müssen nun Elon Musk sei Dank versuchen am Abend noch eine Lösung mit Polizei o. ä. zu finden. So richtig gut schläft heute keiner trotz des tollen Sonnenuntergangs. Das einzig Gute an der Sache ist, dass wir 7 km vor Tmeimichat stehen und es dort die Möglichkeit gibt, dass der Iveco auf die Bahn aufgeladen werden kann. 

Auf jeden Fall kommt am nächsten Tag schon mal die Polizei vorbei und nimmt die beiden mit ins Dorf. Dany und wir können nun nichts mehr machen und sind abfahrbereit. Grr, da reißt bei uns ein Kielriemen. Tja, ein Unglück kommt selten allein. Mit Fahrerhaus kippen und so sind wir genau dann fertig, als ein 6x6-Lkw der Bahnarbeiter kommt um die Franzosen an den Haken zu nehmen und nach Tmeimichat zu schleppen. Doch sofort geht das nicht. Denn der Hiasl, nomen est omen, fährt sich gleich nach 50 Metern fest. Die Jungs zögern nicht lange und kommen mit Schaufeln bewaffnet zu uns rüber, doch nach kurzem Überlegen sagen sie dem LKW-Fahrer, dass er uns doch schnell mal rausziehen soll. Bisschen muss er schon im weichen Sand mit uns dran kämpfen, aber nach ein paar Metern fahren wir wieder selbst. Wir verabschieden uns und starten nun endlich. Im Ort machen wir kurze Pause um Brot zu kaufen. Aber sofort sind wir von einer Kinderschar umringt. Jeder schreit und will was, cadeau, Madame, cadeau, Monsieur usw. Wir müssen weiter, denn es wartet schon der nächste Weichsand auf uns. In einem Sandkrater versinken wir wieder, kommen aber mit den Sandblechen und nochmaligem Luftablassen gut raus. Dany sammelt unsere Bleche ein und packt sie auf seinen Dachträger. Ab hier wird der Sand etwas fester und wir können mal so richtig über den Sand fliegen. Das macht Spaß! In Amera geht es dann über das Gleis und dabei stellen wir fest, dass ein Sandblech vom Dach gefallen ist. Ach du Schei...! Doch unserem österreichischen Freund fällt ein, dass es wohl da passiert ist, wo er einmal besonders heftig kuppeln musste und dann einen Satz gemacht hat und er fährt die paar Kilometer zurück. Hurra, Dany kommt mit unserem Sandblech zurück. Da fällt uns schon ein Stein vom Herzen! Entspannt fahren wir noch die zehn Kilometer zum Ben Amera, dem zweitgrößten Monolithen nach dem Uluru, Australien und dahinter steht die etwas niedrigere Ben Aischa. Auf die Rangordnung wird hier streng geachtet! Dort haben sich vor mehreren Jahren internationale Steinmetze verewigt und wunderschöne Werke geschaffen!  

So nun kommt die letzte und angeblich schwerste Etappe dieser Piste. Um halb neun geht es los und unser Hiasl macht es sehr gut in dem recht langen Weichsandfeld mit vielen Steigungen! Da muss er sich schon richtig durchpflügen! In der folgenden Hamada, teils mit Wellblechpiste, kommen wir auch gut voran und die tollen Felsformationen mit den Sandanhäufungen am Fuße machen Lust auf mehr. Büsche und kleine Kameldornbäume nehmen zu, ab und an eine Ziegenherde und bald erreichen wir nach 450 km Choum. Und wieder Kinder en masse, aber hier sind sie recht nervig, erhaschen eine Mülltüte vom Suzuki, verteilen ihn im Gelände und zerbrechen die Gläser. Warum? Jetzt trennen sich erst mal unsere Wege und wir verabschieden uns von Dany, der auch dringend Benzin braucht, was hier nur sehr schwer zu bekommen ist. Wir fahren mit ein paar Irrwegen noch zu einem alten Bahntunnel, kann man sich auch sparen, aber dort ist es wenigstens möglich in Ruhe Kaffeepause zu machen bevor wir auf die Teerstraße zurückhoppeln und noch die 120 km nach Atar unter die Räder nehmen. Dort bekommt Wolfgang einen Haarschnitt und Obst und Gemüse wandern auch noch in unsere Tasche, bevor wir uns auf dem Campingplatz Inimi installieren. Nach der Anstrengung der letzten Tage bestellen wir noch ein Abendessen und genießen danach noch das gute Wlan vom österreichischen Team! Denn Dany ist auch wieder hier, nachdem er drei Stunden an der Tankstelle auf den Sprit gewartet hat!

Heute ist schon wieder ein Ruhetag! Also bei uns schaut der so aus: die Heckgarage komplett ausräumen, vom Sand befreien, den Inhalt der Kisten ebenso, diverse kleinere Reparaturen ausführen, Kisten und sonstiges wieder einräumen, Wohnkabine saugen, Boden wischen und ein bisschen Wäsche waschen. Gut, dass dann Elke und Walther mit ihrem Steyr von Platz gegenüber kommen, denn da hat man gleich eine Ausrede um nicht mehr putzen zu müssen. Wir verstehen uns auf Anhieb! Originalton Walther: Ihr seid mir sympathisch, weil ihr auch die Seitz-Fenster drin habt! Auch deren Hund Paul fühlt sich bei uns wohl. Am Nachmittag spazieren Elke und ich in Atar herum, aber da ist heute (Sonntag) tote Hose. Wir bestellen wieder ein Abendessen für uns und Dany und zwar: Gehacktes vom Dromedar mit Pommes und Zwiebelsauce, vorneweg eine Gemüsesuppe und Obst als Nachtisch. Anscheinend sind wir alle ausgehungert, denn es ist alles ziemlich schnell verputzt! Wir beschließen dann morgen mit den zwei Lkws zum Africain Eye aufzubrechen und für Dany geht es über Nouakschott in den Senegal.

 

Wir nutzen noch die heiße Dusche mit dem guten Wasserdruck, wo ich allerdings dummerweise kein Handtuch mit hatte, bevor wir uns auf den Weg machen. In Atar geht es noch schnell in den Souk, Geld abheben (klappt bei den Geldautomaten der BMCI Bank super, sogar ohne Gebühr) und noch mal tanken. Und dann entdecken Walther und Wolfgang noch die Griller! Dort sucht man sich ein Stück Fleisch aus, das dann in Stücken geschnitten auf den Grill kommt und im Raum dahinter mit Brot gegessen wird. Man sollte aber nicht allzu viel Wert auf Hygiene legen und auch die gefühlt tausend Fliegen muss man gedanklich verdrängen. Die Ziege ist geschmacklich gut, Konsistenz zäh wie Schuhsohle, also gut für Paul!

Über eine schlechte, aber geteerte Straße geht es recht steil den Ebnou-Pass auf ca. 700 m hinauf durch einen fantastischen Canyon, mal wieder mit Arizona-Feeling! Aber danach ist Schluss mit lustig, denn ab hier wird die Straße gerade neu gemacht und wir fahren eigentlich nur durch die Pampa. Ein kurzer Abstecher bringt uns zu einem Fort, das nur wegen eines Films gebaut wurde. Es war ein Tipp von einem Engländer, aber das hätten wir uns sparen können. Wenn wir glauben schlimmer geht nicht mehr, dann werden wir bald eines Besseren belehrt. Ab hier ist nur mehr eine Wellblechpiste der übelsten Sorte. Fix und fertig stellen wir am Spätnachmittag die Lkws gleich neben der Piste ab und machen uns einen schönen Abend bei uns. Am nächsten Tag zeigt uns das Navi noch 92 km bis nach Ouadane! Na da kommt Freude auf bei dieser Straßenqualität. Unser Dachträger und der Reserveradhalter zeigen schon erste Auflösungserscheinungen. Was sind wir froh, als am Nachmittag endlich die Oase auftaucht! Wir laufen durch die breiten Gassen mit den niedrigen Lehmhäusern, in denen viele kleine Läden (Elektriker, Baustoffe, Lebensmittel, Handy, Frisör) untergebracht sind. In einer Bibliothek sehen wir uns 900-Jahre alte, handgeschriebene Bücher an, die über die Stadtpolitik und die religiösen Belange berichten. Sie werden in gewöhnlichen Kartons aufbewahrt und die Tür ist mit einem einfachen Vorhängeschloss gesichert! Natürlich haben wir wieder eine Schar von Kindern am Rockzipfel, aber diese sind nicht so aufdringlich und betteln uns nicht an. Zum Übernachten suchen wir uns einen Platz etwas außerhalb und da passiert es: Walther versenkt den Steyr bis fast zur Hälfte der Reifen. Wir schaufeln wie die Verrückten, legen Bleche runter, aber als es dann dunkel wurde, verschieben wir die Bergearbeit auf morgen.

Gleich nach Sonnenaufgang kommen noch fünf Männer aus dem Dorf zu Hilfe und wir holen noch unsere Sandbleche runter und dann mit viel Schmackes klappt es sofort und zwar rückwärts wieder den Berg hoch, nicht wie gestern Abend vorwärts. Puh, jetzt ein bisschen Adrenalin abbauen! So nun liegen fast 35 km Sand vor uns! Bei knapp der Hälfte treffen wir wieder mal auf havarierte Franzosen, aber da ist schon Hilfe unterwegs. Dauert halt, bis der 6x6-Lkw aus Atar da ist. Wir haben auf gutem Sand eine tolle Fahrt bis auf die höchste Erhebung im Africain Eye mit einer guten Rundumsicht auf den ersten Felskreis. Die gesamte Struktur hat ca. einen Durchmesser von 20 km, da ist leider auch mit unserer Drohne nichts zu erkennen, Schade. Da hier überall der Wind pfeift fahren wir bis in die kleine Oase zurück und hoffen auf den Schutz der Bäume. Mit Paul gehen wir noch Gassi, bevor es am Abend ein gemütliches Lagerfeuer gibt.

In Ouadane machen wir auf dem Rückweg noch kurz Halt um das Internet zu nutzen und dann kommen wir auf eine falsche Piste gleich hinter Ouadane. Tja, wir stecken fest! Aber das ist keine Schande, denn der Tatra 6x6 schafft es auch erst beim vierten Anlauf. Wieder helfen uns zwei Einheimische beim Schaufeln und mit unseren Sandblechen und gut Luftablassen sind wir bald wieder draußen. Einer der Männer erklärt uns, wo es am Besten geht, nicht so wie der Track von der Pistenkuh! Ab dann ist die Spur meist gut zu erkennen, oft mit kleinen Büschen durchsetzt, aber leider auch sehr tiefsandig. Das wird sich eher negativ auf unseren Spritverbrauch auswirken. Allmählich wird es dunkel, aber wir sehen die Mobilfunkmasten von Chinguetti schon, doch die letzten Kilometer haben es in sich: es geht durch ein Weichsandfeld in einem Oued. Das schafft unser Hiasl nur mit Ach und Krach und auch der Steyr mit seinen 220 PS muss kämpfen! Menschen und Maschinen sind fertig und wir lassen uns in einem Campingplatz in der Stadt nieder. Dort wird ein Zimmer für uns aufgesperrt, damit wir das WC und die Dusche benutzen können. Alles tiptop! Auch eine geöffnetes Restaurant finden wir noch, allerdings dauert es recht lange bis der Reis und das Hühnchen fertig sind. Wir sind alle schon fast eingefroren, als endlich das Essen kommt!

Irgendwie haben wir alle die Schnauze voll vom Sand, vor allem in Zusammenhang mit dem immer kräftigen Wind und fahren deshalb eine Piste weiter nördlich des Oued. Sie ist in einem schlechten Zustand, brutal steinig, aber dafür immer gut erkennbar. Wir kommen durch ein paar kleine Siedlungen, wo es aber außer einem Brunnen nichts gibt. Die Ziegenherden sind tagsüber wohl unterwegs, dafür sind umso mehr Kinder da, und beim ersten Motorengeräusch machen sie sich auf den Weg. Ich verstehe sehr gut, dass wir die einzige Abwechslung in ihrem – für uns eher langweiligen und tristen – Alltag darstellen, aber der Tag ist anstrengend und so haben wir alle keinen Nerv die Dorfjugend zu unterhalten und wie sollen wir auch die immer geforderten Rufe nach cadeau (Geschenk) erfüllen? Wir haben keinen Kramerladen dabei. Nach 90 km und gute fünf Stunden reine Fahrzeit parken wir oberhalb der Oase Mhaireth. Ich will was aus dem Kühlschrank holen und entdecke dabei, dass das Glas mit dem Sauerteig kaputt gegangen ist und sich der Inhalt im ganzen Kühlschrank verteilt hat. Super! Also erstmal aus dem Rest einen neuen Sauerteig ansetzen und dann große Putzaktion. Elke und Walther halten uns derweil die 10-15 Kinder vom Leib. Ach, was hatte ich mich auf einen ruhigen Abend gefreut. 

Wir fahren durch die wunderschöne Oase, diesmal mit vielen runden, mit Palmwedel bedeckten Häusern. Ein großes neues Ziegelgebäude ist wohl die Schule und dahinter sehen wir eine betonierte Straße. Doch wir freuen uns zu früh, denn schon nach 500m geht sie in eine scheußliche Wellblechpiste über. Aber ca. 20 km vor Aoujeft sehen wir seit langem mal wieder Teer! Im Ort kaufen wir ein bisschen Eisen um den etwas malträtierten Dachträger zu stabilisieren und Brot und ganz wichtig Cola. Danach fahren wir weiter durch eine tolle Dünenlandschaft, machen bei einer interessanten Felsformationen Pause, bevor wir uns nach einen Schlafplatz umsehen. Der erste sieht gut aus, entpuppt sich als Tiefsand, so dass wir gerade noch ohne Schaufeln rauskommen und der nächste ist neben der Straße, aber hart. Den nehmen wir. Leider war heute den ganzen Tag viel Sand in der Luft, so dass wir nur schlechte Sicht hatten.

Bei gleichem Wetter geht es weiter nach Tidjika zum Geldabheben und für ein paar Einkäufe. Hier ändern wir unsere Richtung nach Südwest und in Nbeika fängt die Piste zu den Saharakrokodilen an. Es sind ca. 20 km einfache Strecke. Durch tiefen Weichsand und vielen Bäumen mit niedrigen Ästen zeigen uns ein paar Spuren die ungefähre Richtung. Es ist durch das Ausweichen nicht so einfach zu fahren. Wir verlieren jetzt den Track und müssen am Zaun entlangfahren. Verdammt eng! Da bekommt der Hiasl noch ein paar Verzierungen und der Steyr natürlich auch. Der Pistenkuh-Track stimmt gar nicht mehr, wegen des Zaunbaus! In Dar Asalam rennen uns die Jungs total in die Lkws und versuchen sich hinten dranzuhängen. Das kann sehr gefährlich werden und wir geben Gas, was das Zeug hält. Gleich danach beginnt ein grenzwertig nerviger Plattenweg, da geht oft nicht mehr als 3-4 km/h. Wir bleiben auf dem Plateau oben stehen und verziehen uns aber jeder für sich in die Lkws, wir sind alle platt!

Eine kurze Wanderung führt uns in den Canyon hinab, der mit einem steilen Abbruch in den Matmata Crocodiles Lake mündet. Allerdings darf man nicht erwarten, dass er eine schöne blaue oder grüne Farbe aufweist, nein, er ist sandbraun! Und am gegenüberliegenden Ufer liegen sie faul in der Sonne, die Saharakrokodile. Von den angekündigten 20 Stück können wir aber nur acht entdecken. Leider sind sie doch ziemlich weit entfernt, die Bilder mit unseren Handys sind nicht so besonders. Aber mit dem Fernglas können wir sie gut beobachten. Die einzige schnelle Bewegung findet statt, als Paul zu bellen anfängt! Schon erstaunlich, wie sich die Tiere hier halten können, aber ab und zu wird sich wohl eine Ziege hierher verirren. Uns graut vor dem Rückweg, darum nehmen wir den bald in Angriff. Aber es geht besser als erwartet, ein Dorf können wir diesmal umfahren und auch die Zaunpassage kommt uns kürzer vor. Wahrscheinlich waren wir gestern Abend einfach schon zu müde! Auf der Weiterfahrt Richtung Sangrave fährt sich Walther bei einer Kaffeepause im Weichsand komplett fest. Da wir noch auf Teer stehen, ist es am einfachsten ihn mit dem Gurt raus zuziehen. Leider muss beim Steyr das Rücklicht dran glauben. Bald darauf passieren wir Moudjeria, die angeblich heißeste Stadt Mauretaniens. Da haben wir heute am 26. Januar mit 34° richtig Glück! Kurz vor Sangrave stellen wir uns in einen sehr lichten Wald und zur Feier des letzten gemeinsamen Abends gibt es ein schönes Lagerfeuer. Der Wind hält sich auch in Grenzen, so dass wir das Feuer auch lange genießen können.

Auf der Weiterfahrt nach Aleg sehen wir auffällig viele tote Esel, Kühe und Kamele am Straßenrand. Und noch mehr nervige Polizeiposten mit dem ewigen Fragen nach einem fiche. Ja glauben die, wir haben eine Druckerei dabei? Wenn wir verneinen, dann geben sie sich auch mit den Pässen zufrieden oder winken uns gleich weiter. Also, geht doch. Kurz vor Aleg ist dann ein ganz eifriger Gendarm da, der bemängelt dass Wolfgang, Elke und Walther keinen Gurt an haben. Nur ich bin folgsam! Er stellt 6000 Ouguiya in den Raum pro Person, ca. 120 €. Wir labern ihn voll und deuten auf alle Autos mit Einheimischen, von denen keiner angeschnallt ist bzw. gar kein Gurt vorhanden ist. Irgendwann winkt er uns weiter. In Aleg lassen wir uns zum Abschied noch eine Ziegenkeule braten, geschmacklich gut, aber halt zäh wie immer. Für Elke und Walther geht es nun Richtung Marokko und für uns zur senegalesischen Grenze. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen, danke! Durch Savannenlandschaft fahren wir zum Senegal River, ab hier wird nun Landwirtschaft betrieben und wir sehen wieder frisches Grün. Und wenn uns jemand vor zwei Wochen gesagt hätte, dass in Mauretanien Reis angebaut wird, hätten wir ihn ausgelacht. Aber nein, es stimmt. Mit starken Pumpen werden die Reisfelder aus dem Fluss versorgt. In den Rundhüttendörfern winken uns die Menschen freundlich, aber zurückhaltend zu. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir bei Adabei eine schöne Stelle am Fluss und schlafen mit Vogelgezwitscher ein.

Es gibt zwei Grenzübergänge zum Senegal: Rosso, soll sehr korrupt sein dort, und Diama, aber hier ist dafür die Zufahrt sehr schlecht. Wir wählen Diama. Vorbei an unzähligen Kontrollen und vielen Mähdreschern, die auf Arbeit warten, wird es nach Rosso wieder sandig und es ist einfach immer wieder schön an den Dünen entlang zu fahren. Bald erreichen wir den Abzweig zur neuen Teerstraße, wo man die schlechte Piste zum Teil zumindest weiträumig umfahren kann. Wir erreichen den Diawling Nationalpark und sehen hier viele Warzenschweine, Pelikane, Reiher und Sichler. Ab hier ist es wieder eine Piste - nicht ganz so schlimm, wie erwartet - und ca. 7 km vor der Grenze übernachten wir im Busch mit einem tollen Sonnenuntergang!

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Kommentare: 3
  • #1

    Wüstenfux (Freitag, 06 Februar 2026 17:44)

    Vielen Dank für den interessanten und ausführlichen Beitrag und die tollen Bilder. Gute Reise weiterhin!

    PS. Habt ihr ggf. noch Infos, wie es mit den Franzosen in Tmeimichat weiterging?

  • #2

    K33PC00L (Freitag, 06 Februar 2026 18:06)

    Wir der Chat von Dany wollen einfach mal Danke sagen, Danke das ihr Zwei uns auch bei euch teilen lassen habt und es tut. Es hat uns als Zuschauer sehr viel Freude gemacht mit euch diesen Weg durch die Wüste, den Zug entlang zu begleiten und schade das sich die Wege dann getrennt haben. Danke für diesen tollen Beitrag von euch. Immer viel Luft im Reifen und weiterhin immer Frisches Brot und Wasser dabei. Liebe Grüße aus dem Norden von Deutschland an euch zwei.

  • #3

    Woife (Freitag, 06 Februar 2026 22:32)

    Antwort an Wüstenfux und allen die es interessiert. Die Franzosen wurden mit dem Zug ausgefahren. Anschließend nach Dakhla geschleppt. Das Fahrzeug wurde dort repariert. Inzwischen sind sie unterwegs Richtung Senegal.