Um 11:00 Uhr soll die Fähre nach Tanger Med ablegen, aber trotz zügigem Auffahren, geht es erst um 12 Uhr los. Lange Schlangen vor dem Zollbeamten, der die Fahrzeuge ins System einträgt. Als wir endlich durch sind, genießen wir noch die Sonne auf Deck und sehen sogar ein paar Delphine! Kaum sind wir von der Fähre herunten, kontrolliert der erste Beamte unsere Pässe und stellt fest, dass wir ja gar keinen Stempel im Pass haben. Da ich irgendwo gelesen habe, dass es den nicht mehr gibt, hat mich das auch nicht sonderlich beunruhigt, Aber nun müssen wir wieder auf die Fähre rauf – und mit uns noch vier andere Leidensgenossen – und ca. eine Stunde warten, bis der Herr Beamte mit seinem Köfferchen vom Mittagessen kommt. Zwischenzeitlich schieben wir alle schon Panik, nicht das wir schwuppdiwupp wieder in Spanien sind. Den das Schiff wird schon fleißig beladen! Endlich haben wir den begehrten Stempel, hätte vielleicht auch gleich klappen können, wenn der nicht so eifrig ein Spiel auf dem Handy gespielt hätte! Dafür müssen wir nicht durch den Scanner und der Zoll gibt sich mit den verneinten Fragen zu Drohne, Drogen und Waffen zufrieden.
Bei der ersten Tankstelle füllen wir und ziemlich leeren Tanks auf, kaufen noch eine SIM-Karte und machen uns auf den Weg nach Tanger. Wir wundern uns wegen des teils rechte dichtem Verkehr. Aber als wir dann an dem neuen Fußballstadium (Africa Cup!) vorbeifahren und die Fans gerade in Scharen das Stadium verlassen ist uns alles klar. Auf den letzten Drücker erreichen wir die Truck Garage um wegen unserem Auspuff zu fragen. Aber die meinten für das alte Fahrzeug gibt es in ganz Marokko keinen und sie müssten einen neuen basteln, das zwei Tage dauern würde. Dazu haben wir aber keine Lust und so fahren wir auf einem Parkplatz beim Cap Spartel. Am Morgen können wir dann schon die ersten Touristentaxis bestaunen, also Dromedare, mit denen man zehn Minuten am Strand rumschaukeln kann. Wir machen das ganze zu Fuß, bevor wir es nochmal bei IVECO in Tanger versuchen. Gleich Aussage, vielleicht in Casablanca! Wir wollen ein paar Kilometer machen und fahren bei Regen auf der Autobahn bis El Mansouria, wo wir auf einer Klippe über dem Atlantik stehen, in einer Regenpause einen Sylvesterspaziergang unternehmen und nach mehreren Runden AZUL ohne viel Tamtam um 24 Uhr ins Bett gehen.
Nach unzähligen Kreisverkehren und nervtötenden Speedbumpern, durch Mohammedia durch erreichen wir gegen Mittag den Parkplatz bei der Moschee Hassan II. in Casablanca. Bei unserem letzten Marokkobesuch 2018 war sie in Bau befindlich. Sie soll wohl nach der in Algier die zweitgrößte der Welt sein. Da wir auf die nächste Führung über zwei Stunden hätten warten müssen, können wir uns nur den Aussenbereich ansehen und einen sehr kurzen Blick durch die Türe ins Innere werfen. Für mich das ist das schönste an dieser Moschee die Lage direkt am Meer. Dann machen wir den Fehler an der Küstenstraße zu bleiben. Durch viele, ineinander übergehende Ortschaften kommen wir nur sehr langsam voran und wir beschließen bei Oualidia auf die Lagune zu fahren. In den Becken werden Austern gezüchtet und auch am Strand sehen wir bei Ebbe die Leute auf Austernsuche. Über eine üble Piste ergattern wir aber wieder einen genialen Platz hoch über der See. Gegen 20 Uhr kommt ein Mann auf einem Mofa und schwafelt was von nicht vertrauenswürdig hier, Polizei usw. Wir verabschieden ihn mit einer Handbewegung. Zwei Stunden später ein Auto mit ein paar jungen Männern, die auch sagen, dass es hier nicht sicher sei und dass die Polizei kommt etc. Kaum sind diese weg, kommt dann endlich die Polizei, wünscht uns einen guten Abend und weg sind sie!
Heute ist aber wieder Autobahn angesagt. Leider müssen wir dazu ca. 130 km auf der Landstraße dahin fahren. Na immerhin ist es eine tolle Landschaft, viele Hügel, rote erde, spärlich mit Bäumen und Gebüsche bewachsen und in den Tälern werden die kleinen Felder noch mit Esel und Holzpflug bearbeitet. Irgendwann erreichen wir auf Höhe Marrakesch die Autobahn und haben dazu noch eine gute Sicht auf die verschneiten Gipfel des Hohen Atlas. So, jetzt wird es sicher schneller gehen. Aber nein, denn erstens müssen wir bis auf 1350 m hoch und zweitens kommt ein brutaler Sandsturm von vorne auf uns zu. Wir sehen nichts mehr! Als dann endlich eine Raststation auftaucht, stellen wir uns in den Windschatten eines größeren Lkws und kochen erst mal Kaffee. Als der Sturm etwas nachlässt, wagen wir uns wieder auf die Straße. Allerdings haben wir unser Ziel nach hinten verlegt, so fahren wir bei Amskroud ab und noch wenige Kilometer in einen lichten Arganienwald. So ein Mist, um 22 Uhr fängt es wieder zu regnen an und da parken wir lieber noch mal um, nicht dass wir morgen stecken bleiben. Das ist ein ganz schönes Geschaukele, wenn man so wie ich hinten drinsitzt und das Geschirr festhält, auch wenn es nur wenige hundert Meter sind!
Das war gestern eine gute Idee, denn in der Nacht sind in dem Wäldchen viele Flüsse und kleine Seen entstanden! Wir fahren Richtung Tiznit, denn wenn wir schon keinen neuen Auspuff bekommen, muss er zumindest geschweißt werden. In einem kleinen Ort auf der Route finden wir einen Schweißer, der das ganze dann für einen schmalen Taler wieder zusammenflickt. Leider bekomme ich von meinem Bruder einen Anruf, wo er mir mitteilt, dass unser Vater heute morgen verstorben ist. Wir haben zwar in nächster Zeit damit gerechnet, aber im ersten Moment ist es doch ein Schock. Aber für meinen Vater eine Erlösung. Wir fahren jetzt erst mal an die Küste rüber , etwas nördlich von Aglou Plage, wo wir uns mit Sandra und Frank mit ihrem Allmo treffen, die wir vor zehn Monaten in Griechenland kennengelernt haben. Die Gesellschaft tut mir gut, wir verstehen uns einfach, denn die beiden sind eben auf unserer Linie. Es wird ein toller Nachmittag und Abend, nur der Wund grätscht uns dazwischen, weil aus dem Lagerfeuer nichts wird und wir uns in den Hiasl reinquetschen müssen!
Auf dem Weg nach Guelmim kommen wir an vielen überschwemmten Gebieten vorbei, in den Ortschaften sind die Nebenstraßen voll braunem Wasser, aber die Bewohner arrangieren sich mit Steinen oder Brettern, damit man zu ihren Läden oder Cafés gelangt. Der Parkplatz bei Marjane ist fast komplett mit europäischen Wohnmobilen belegt. Wir stocken schon mal unsere Vorräte für Mauretanien auf! Mit viel Polizeiposten, aber wenig Verkehr geht es an Tan-Tan vorbei zu einem Straßenparkplatz in El Ouatia. Das Wetter hat sich nun etwas beruhigt, so dass noch ein kurzer Spaziergang drin ist, denn der Abend ist für Telefonate mit der Familie reserviert. Eine neue vierspurige Küstenstraße führt uns durch eine ziemlich öde Landschaft, ab und zu queren wir ein Oued, wo noch deutliche Spuren der letzten Regengüsse zu sehen sind.
In Akhfenir biegen wir nach Osten zu einem riesigen Windpark ab. Danach zweigt eine steinige Piste ab, die aber leider viele große Wasserlöcher aufweist, welche nicht immer zu umfahren sind. Irgendwann verlieren sich die Fahrspuren und wir folgen nur mehr dem Track auf dem Navi. Zudem fängt es auch wieder zu regnen an. Es ist heuer zum Haare ausreißen! Zum Sehen gibt es auch nicht viel, Grasbüschelbewuchs und selten ein Vogel oder Heuschrecken. Als wir das Oued von Khaoui Naam erreichen, führt die Piste recht steil zur Furt hinunter und ebenso wieder hinauf. Da darf dann Wolfgang auch mal wieder fahren! Wir stiefeln oben ein bisschen hin und her um eventuell einen blick auf den „Wasserfall in der Sahara“ zu erhaschen, aber trotz der vielen Regenfälle läuft, wenn überhaupt, nur ein Rinnsal hinunter. Wir nehmen nun die Piste nach El Hagounia und suchen uns bald einen Übernachtungsplatz, was hier nicht schwierig ist: einfach stehenbleiben und fertig. Die Nacht wäre so schön ruhig gewesen, wenn es nicht so gewindet und geregnet hätte.
Unser Track führt uns zu einer kleinen Dünenkette, wo wir sehr malerisch ein Dromedar mit Baby entdecken. Leider ist es recht weit weg. Ab hier ist es ein arges Geholpere bis zur Teerstrasse beim verlassenen Ort El Hagounia. Der erwartete Polizeiposten hat heute wohl auch keine Lust zu arbeiten. Nun 90 km Teer bis Laayoune! Doch da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auf den ersten 60 km versperren immer wieder mehr oder weniger große Dünen die Straße und wir müssen diese oft weiträumig umfahren. Zu Beginn ist es ja noch lustig, aber irgendwann nervt es! Wir erreichen Laayoune relativ spät. Diese sehr moderne und saubere Stadt mit ca. 260.00 Einwohnern ist die größte Stadt in der Westsahara, das de facto von Marokko verwaltet wird. Wir tanken nur noch schnell (zollfreier Diesel für 0,733€/l) und fahren noch nach Foum El Oued ehemals Laayoune Plage zu einem Parkplatz an der schön angelegten Corniche. Dort vertreten wir uns noch die Beine und flüchten aber dann vor dem Wind in einem Café, wo wir uns heißen Minztee bestellen. Danach dann noch ein Thunfischsandwich mit Pommes, das erspart uns heute das Kochen!
Wir nutzen die Stadt noch für diverse Besorgungen wie Einkaufen, SIM-Karte aufladen, Wasserbunkern und ganz wichtig Autowäsche, denn die vielen schlammigen Fahrten durch die Wasserlöcher haben deutliche Spuren am Hiasl hinterlassen. Bei einer Tankstelle lässt es sich der Chef selbst nicht nehmen den LKW mit einem Hochdruckreiniger abzuspritzen. Zweimal macht der Kompressor schlapp, aber dann glänzt er fast wie neu! Bezahlen dürfen wir partout nichts, denn wir sind Gast in seinem Land! Alles hat uns dann doch viel Zeit gekostet und so kommen wir heute nur bis nach Boujdour, eine hübsche, kleine Stadt am Meer und dort gehen wir ganz ungewohnt auf einen Campingplatz! Aber hier an der Küste gibt es nicht Plätze zum Freistehen und wir haben auch keine Lust mehr aufs Fahren.
Mit etwas weniger Sand in der Luft als die letzten Tage geht es ca. 145 km weiter auf der RN1, dann biegen wir wieder ins Landesinnere ab. Eine kleine, aber geteerte Straße bringt uns nach gut 40 km zu einer heißen Quelle. Diese läuft gemischt mit kaltem Wasser in ein gefliestes Becken, das dann ca. 40° aufweist. Wir laufen zuerst noch in der kleinen Oase rum, bis sich die Männerschar vor dem Becken verzieht, denn ich will baden! Doch mir ist es fast zu heiß und vor allem im Becken gibt es keine Leiter o. ä. Ziemlich unelegant komme ich mit Wolfgangs Hilfe wieder raus! Kaum wieder am Lkw kommen noch zwei gelbe Lkws angefahren. Wir plaudern ein bisschen, woher und wohin und dann entschließen wir uns aber weiterzufahren. Da sind Friedel und Dieter aber froh, denn sie hatten schon Angst, dass sie nicht ihren „angestammten“ Platz einnehmen können. An der Küste ist dann ein super Platz für uns, nur ein paar Fischer und ein Polizist, der uns gute Nacht wünscht!
Vorbei an einer Steilküste mit Planen- und Bretterbuden von Fischern, wo ich mich frage, wie die da hinab und mit fetter Beute wieder hinauf kommen? Lange halten wir es hier nicht aus, denn heute weht ein eisiger Wind. Da wir noch viel Schmutzwäsche haben, fahren wir auf die Landzunge, wo Dakhla liegt. Eine neue, sechsspurige Allee, gesäumt von Palmen, führt uns vorbei an unzähligen Neubauprojekten, wie Universitätsklinikum, Authistenzentrum, Hotel, Bungalowanlagen, Reihenhaussiedlungen u.v.m. Wir parken gleich neben einer Wäscherei und geben unser Zeug ab, das wir morgen Vormittag wieder abholen können. Wir laufen zum Kaffeetrinken im Viertel herum, gehen irgendwo Hähnchenessen und kaufen noch leckere Mandarinen auf dem Markt. Neben uns parkt ein Paar aus Würzburg und als es uns allen dann zu kalt vor unseren Autos wird, beschließen wir noch ein Café aufzusuchen. Doch das ist heute Abend gar nicht so einfach! Denn heute findet vom Africa Cup of Nations das Spiel Marokko gegen Kamerun statt und da sind die Cafés mit den riesigen Bildschirmen ziemlich gut besucht. Aber letztendlich finden wir noch vier Plätze, doch leider ist es so laut, dass wir noch vor der Halbzeit das Weite suchen. Marokko hat übrigens 2:0 gewonnen.
Am Morgen verabschieden wir uns von den Würzburgern, holen unsere Wäsche ab und machen uns mal wieder auf den Weg. Doch wir schauen noch auf dem bekannten Platz PK25 vorbei, wo viele Franzosen, Spanier und auch Deutsche überwintern oder zum Surfen oder Kiten hierherkommen. Dabei treffen wir auch auf Ines und Gunther, die hier mit ihrem etwas lädiertem Unimog gestrandet sind. Ein tolles und interessantes Gespräch mit den beiden! Wir drücken fest die Daumen, damit alles gut läuft! So jetzt nur mehr 260 km bis nach Bir Gandouz unserem letzten, angestrebten Übernachtungsplatz in Marokko. Die einzige Abwechslung sind zu Beginn kleine Dromedarherden, dann lange nichts und gegen ende Dünen am Horizont. Am Ortsende gibt es das Café Dakar, wo wir ganz erschöpft, von was?, in die Kissen sinken und erst mal Tee trinken und noch frisches Brot für morgen einkaufen. Von Ines haben wir noch einen Kontakt von einem Fixer für den Grenzübergang bekommen und das wird dann noch erledigt und danach gute Nacht!



























































Kommentar schreiben
RiBa aus Sizilien (Sonntag, 11 Januar 2026 12:43)
Hallo ihr 2 Abenteurer
Danke für den spannenden Bericht und die tollen Bilder��
Wir wünschen weiter abenteuerliches, Vorankommen und gute Begegnungen�
Herzlich Grüsse aus Marina di Ragusa
Rita und Barni
Draxinger Franz (Sonntag, 11 Januar 2026 12:52)
Wie immer sehr schöne Aufnahmen und ein großartiger Bericht. Danke LG Franz..☕���♂️
Ines & Gunther (Montag, 12 Januar 2026 12:39)
War schön, euch beide kennenzulernen! Gute & sichere Reise!! �
Georg (Freitag, 16 Januar 2026 17:35)
Tolle Berichte, vielen Dank! Habe euch in den letzten zwei Tagen bei twitch.tv/autdany im Livestream gesehen. Respekt für die besonnene generelle Situations- und auch professionelle technische Problemanalyse beim französischen Iveco Getriebe, sowas sieht man nur selten, da kann auch der Dany noch etwas lernen *lach* Wünsche euch eine tolle Weiterreise!
Georg (Freitag, 16 Januar 2026 17:39)
Hier ist euer tolles Gefährt in den letzen Tagen "in Action" zu sehen:
- twitch.tv/autdany/clips?filter=clips&range=7d
- youtube.com/@AUTdany/streams
Sepp (Samstag, 17 Januar 2026 11:04)
Serwas. Es sazz a Bereicherung im Livestream vom AutDany. Gfreidme dassdz a bissal zamm foads. Habedeehre
Wüstenfux (Samstag, 17 Januar 2026 11:13)
Der Hiasl und der längste Zug der Welt, tuut tuut: twitch.tv/autdany/clip/EnchantingMotionlessChoughStrawBeary-O25U9eN6gwpDUx7Z
Wüstenfux (Samstag, 17 Januar 2026 12:22)
Respekt Hiasl Crew, habe das restliche Blog angesehen, ihr seid ja schon wirklich gut rumgekommen und habt viel erlebt! Vielen Dank für die tolle Dokumentation!
Hier noch ein Lesetipp für Sandsturm Tage oder dunkle Winterabende für alle, die mal wissen wollen, wie Westafrika vor 25 Jahren bereist wurde, mit einem (in damaligen Kreisen legendären) Mercedes W123 D:
www.mercedes124.de/besold/html/2000_westafrika/start.html
"Kompletter Bericht von der Fahrt von Augsburg über Spanien, Marokko, Mauretanien, Senegal, Mali, Burkina Faso, Elfenbeinküste nach Brasilien"