Also eigentlich soll es ja eine Sommerreise werden, aber pünktlich zum Start am 22. Mai 2025 regnet es ordentlich. Nach einer langen Trockenperiode! Aber wir schaffen es die letzten Dinge noch einigermaßen trocken in dem Pössl zu verstauen und schon geht es endlich los!
Durch Tschechien hinauf nach Eger, wo wir bei der ONO-Tankstelle noch mal volltanken und im Kaufland für die nächsten Tage einkaufen. Dann fahren wir auch schon wieder über die deutsche Grenze und lassen uns in Eubabrunn auf dem Parkplatz eines Freilichtmuseums nieder. Ein kurzer, aber kalter Spaziergang führt uns durch die Bungalow-Siedlung mit akkurat geschnittenen Hecken.
Um halb vier Uhr in der Früh bin ich aufgewacht, weil es mich bestialisch gefroren hat! Das geht ja schon gut los! Noch besser wird es, als wir dann zum Frühstücken die Heizung einschalten. Nach ca. 15 Minuten ist Schluss. Heizung zeigt einen Fehler an und die Kabine ist stromlos. Nichts geht mehr. Truma verweist auf den nächsten Service, ca. 85 km entfernt in Lugau, der nur bis 12:00 Uhr geöffnet hat. Über sehr kurvige und enge Straßen durch das Erzgebirge schaffen wir es gerade so bis viertel vor zwölf! Der Inhaber ist Gott sei dank kulant, liest die Heizung aus und wir lassen sie unter Beobachtung mit dem Computer laufen. Aber alles okay, nichts defekt. Der Fehler liegt wohl am Einbauort und der zu geringen Verkabelung seitens des Herstellers Pössl. Dadurch überhitzt sie und schaltet komplett aus. Wir sind sehr sauer, denn von unserem Händler in Kolbermoor findet kein Rückruf statt, auch nicht am nächsten Tag. Wir lassen uns noch erklären, wie wir den Fehler selbst zurücksetzen können, denn sonst müssten wir die Reise nach Skandinavien abbrechen. Jetzt hoffen wir halt, dass es die nächsten drei Monate gut geht.
In Querfurt legen wir einen Übernachtungsstopp ein und schauen uns am Abend noch die Stadt an. Doch das ist sehr schnell erledigt, denn es gibt nichts zum Ansehen. Außer in der Burganlage, obwohl schon alles zu ist, macht es Spaß durch die kopfsteingepflasterten Gassen zu laufen und die Türme und alten Gebäude zu betrachten. Zudem haben wir einen idealen Platz am Burgparkplatz für den Pössl.
Heute wollen wir mal nicht so viel fahren und stoppen schon in der Lutherstadt Eisleben. Hier ist Martin Luther geboren und gestorben, aber so richtig vom Hocker reißen uns die beiden Gebäude nicht. Auch nicht die Kirchen, es liegt wahrscheinlich daran, dass hier absolut nichts los ist. Kaum Menschen, alle Läden Samstags geschlossen, einfach tot. Auch wir machen uns ganz schnell vom Acker und fahren eine tolle Motorradstrecke – die Motorradfahrer hinter uns finden das nicht so toll – durch den Südharz zu dem Forsthaus Todtenrode bei Thale. Eine schöne, kleine Wanderung beschließen wir dann mit einer Einkehr im Forsthaus. Allerdings draußen wegen einer geschlossenen Gesellschaft und wir frieren!
Regen in der Nacht und auch beim Frühstücken, da pressiert es uns gar nicht. Gegen Mittag fahren wir wenige Kilometer zur Rappbodetalsperre. Dort wird für den zahlungskräftigen Touristen ganz schön was geboten: Stahlseilhängebrücke, Aussichtsturm, 5D-Kino, Megazipline, Wallrunning, Pendelsprung, HarzRegioShop. Mit dem Schirm steigen wir zur Staumauer hinab und gehen auf die andere Seite und haben dadurch einen schönen Blick auf die Hängebrücke, sehen Leuten zu, die für schlappe 79 € einen Pendelsprung wagen oder etwas günstiger für 39 € die Zipline hinunterrutschen. Interessant ist auch die „Fettluke“, wo man sich selbiges in Form von Pommes oder Bratwürsten einverleiben kann.
Wir beschließen wegen des Wetters noch gut 200 km unter die Räder zu nehmen und landen im südlichen Teil der Lüneburger Heide bei dem Schiffshebewerk Lüneburg/Scharnebeck. Hier können Schiffe bis 100 m Länge und 11 m Breite einen Höhenunterschied von 38 m überwinden. Die Tröge müssen dabei 6000 to Gewicht in gut zwei Minuten mit Hilfe von gewaltigen Motoren rauf bzw. runter bewegt werden! Zum Vergleich: das Startgewicht einer Boeing 737 beträgt ca. 78 to! Nach einer verregneten Nacht mit nervigem Blingbling auf dem Blech scheint am Morgen endlich mal die Sonne. In der Hoffnung auf ein Schiff, das runter fahren will, laufen wir zum Aussichtspunkt des Hebewerks rauf und warten. Aber vergebliche Mühe, und da auch schon wieder die ersten Wolken aufziehen, gehen wir rüber in das Informationscenter, wo wir viel über diverse Schleusentypen und Schiffshebewerke lernen. Der Hunger treibt uns nach Scharnebeck rein, wo wir gestern bei der Durchfahrt schon eine Eisdiele erspechtet haben. Kaum halten wir das leckere Eis in den Händen, fängt es an zu regnen. Aber wie! Der Eisdielenbesitzer lädt uns gleich ins Lokal ein, die Straßen sind schnell überflutet, aber eine Stunde und zwei Cappuccino später ist wieder alles vorbei und wir kommen trocken am Pössl an.
Der Regen bleibt ein treuer Begleiter. Auf dem Weg nach Lübeck kommen wir an Mölln vorbei und das ist bei mir auf Google Maps gespeichert. Anfang des 14. Jh. ist Till Eulenspiegel hier gestorben und da gibt es einen Brunnen, einen Gedenkstein und das Eulenspiegel-Museum. Aber uns gefällt die gut erhaltene Altstadt noch viel besser, auch die Backsteinkirche Sankt Nicolai und das gotische Rathaus sind sehenswert. Vorbei an noblen Häusern mit Seegrundstücken laufen wir zum Auto zurück und nehmen die letzten Kilometer nach Lübeck unter die Räder. Geparkt wird wieder bei der alten Drehbrücke – wir bekommen sogar noch ein Ticket geschenkt! - und dann geht es schnell, weil es gerade nicht regnet, in die City. Nach ein paar Besorgungen gönnen wir uns in einer Kneipe noch Wein und Bier und freuen uns schon auf einen kuscheligen Abend im Pössl!
Wir müssen dringend noch zu Decathlon und was warmes zum Anziehen kaufen. Praktischerweise ist nebenan das Einkaufscenter Citti Park, wo wir dann den Rest bekommen. Proppenvoll ist der Stellplatz für Wohnmobile – uns ist schleierhaft, wie man hier übernachten kann - , wo wir nur schnell Wasser bunkern und noch schneller wieder abhauen und zu einem kleinen Parkplatz bei Grube fahren. Von dort laufen wir ca. fünf Kilometer nach Dahme, wo wir dann endlich nach ca. 850 km die Ostsee erreichen. Das Ticket, um auf der Strandpromenade spazieren zu gehen, sparen wir uns, denn bei uns muss auch keiner Geld abdrücken um auf einen Berg zu gehen. Bei 12° sind die Strandkörbe verwaist und auch auf der Seebrücke ist nicht die Hölle los. Wolfgang trinkt noch schnell ein kleines Flens, bevor wir wieder uns auf den Rückweg machen.
Die heutige Schwierigkeit besteht darin einen Parkplatz auf Fehmarn zu finden, ohne gleich zu verarmen. Und ausgerechnet in „Gold“ gibt es einen, wo wir für 3,50 € dreieinhalb Stunden stehen können. Mehr Münzen hatten wir nicht und Kartenzahlung ging nicht. Hat knapp gereicht für einen Spaziergang am Ufer entlang nach Lemkenhafen. Es ist ein netter Weg, aber irgendwie riecht die Ostsee immer muffig. Das Highlight sind aber die Matjesbrötchen: mit ganz viel rosa Matjes belegt und total köstlich, einfach lecker! Am späten Nachmittag fahren wir weiter nach Puttgarden, wo wir sofort auf die nächste Fähre können, obwohl unsere gebuchte erst in einer Stunde auslaufen würde. Aber gut so! 45 Minuten später kommen wir in Rødby/Dänemark an und lassen den Tag mit dem beruhigendem Geräusch von leise fallenden Regentropfen ausklingen.
Über eine Brücke fahren wir auf die Insel Møn. Der erste Stopp ist bei der Fanefjord Kirke, eine weißgekalkte Backsteinkirche mit einer üppigen Wandmalerei aus dem 15. Jh. (2008 restauriert) in den Kreuzgewölben. Mit einem Infoblatt werden die Zeichnungen erklärt. Sehr gut gemacht! Die Kanzel ist mit prächtigen Holzfiguren geschmückt. Auf dem Friedhof – sehr schön gelegen mit Blick aufs Meer zumindest für die Angehörigen – sind die einzelnen Grabstellen mit kleinen Buchshecken voneinander abgegrenzt. Gut zu wissen: bei dänischen Kirchen gibt es immer ganztägig geöffnete Toiletten! In der netten Stadt Stege halten wir kurz, denn da ist heute Glade Fredag! Keine Ahnung was das ist, auf jeden Fall ist viel los, Live Musik und Freßstände auf dem Marktplatz und ein Ochse wird auch noch gebraten! Wir decken uns lieber mit Teilchen von der Bäckerei ein und parken wenige Kilometer weiter bei einem - leider im Privatbesitz – kleinen Leuchtturm, von wo wir hinunter zum Strand an der Ostseite der Insel laufen. Denn dort befinden sich die Møns Klint , also Kreidefelsen wie z. B. auch auf Rügen. Diese sind bis zu 128 m hoch und es ist schon sehr beeindruckend, wenn man so klein da unten steht und hinauf sieht! Doch auch unten findet man was, nämlich Donnerkeile! Das sind Versteinerungen von vor ca. 70 Millionen Jahren ausgestorbenen Tintenfischen. Leider stoppt die einsetzende Flut bald meine Sammelleidenschaft. Und außerdem müssen wir ja auch noch 495 Stufen hinauf auf die Abbruchkante. Als auch das erledigt ist, erhaschen wir von oben noch tolle Ausblicke auf die Kreidefelsen, bevor wir noch zur Kirche von Elmelunde fahren, wo es für einen wunderbaren Parkplatz gibt.
Nach der Kirchenbesichtigung am nächsten Morgen, sie ähnelt der von gestern, und dem Auffüllen unseren Wassertanks mit Friedhofswasser, fahren wir tatsächlich noch 30 km auf einen kleinen Stellplatz. Endlich scheint mal die Sonne und wir können im Freien Kaffeepause machen. Bei einem Spaziergang durch einen alten Buchenwald kommen wir an einem Megalithgrab aus der Jungsteinzeit vorbei. Leider fehlen schon ein paar Decksteine, denn diese wurden im 19. Jh. zum Straßenbau verwendet. Nur die Robbensichtung am Bønsvigstrand ist leider Fehlanzeige.
Da unser Abwassertank voll ist, steuern wir einen Stellplatz in Næstved an. In der Stadt besichtigen wir als erstes die Sct. Peders Kirche und werden prompt in der Kirche zu Kaffee und Kuchen eingeladen, da heute die feierliche Amtseinführung des neuen Probstes war. So mögen wir Kirchen! Im Städtchen ist noch das Apothekerhaus interessant mit den geschnitzten Apostelfiguren und den Fratzen zu deren Füßen. In Roskilde parken wir, nach etwas Umherirren in engen Gassen, am Hafen. Eigentlich wollen wir nur noch Schiffe anschauen gehen, denn das dortige Wikingermuseum mit 40€ Eintritt pro Person ist uns doch zu teuer! Aber dann ist das gesamte Aussengelände des Museums für alle geöffnet. Wir können den HandwerkerInnen beim Bau eines Schiffes nach Wikingerart zusehen und staunen , wie weit die Wikinger vor ca. 1000 Jahren mit den relativ kleinen Schiffen kamen. Die Dänen und Norweger eroberten den nordwestlichen Atlantik, die Schweden herrschten über die Ostsee. Es ist auch erlaubt die Schiffe im Aussenbereich zu betreten, die Hände sind halt dann voll Teer! Echt super, dass wir das alles ansehen durften. Ein schöner Abschluss für unseren Kurzbesuch von Dänemark.
Wir lassen Kopenhagen aus, da es uns zeitlich nicht ausgeht, umfahren es, um dann über die Øresundbrücke nach Schweden zu gelangen. Leider ist ziemlich viel Verkehr, so dass ich kein schönes Foto oder Video von der Fahrt über die knapp acht Kilometer lange Verbindung zwischen Dänemark und Schweden machen konnte. Kaum sind wir runter regnet es erst mal was das Zeug hält. Nach einem Einkauf beschließen wir noch etwas Strecke zu machen, da uns ein Blick auf die Landkarte doch zeigt, dass wir noch gaaanz viele Kilometer vor uns haben! Am Osby-See gibt es einen Parkplatz mit Wasserhahn, leider nicht ganz so romantisch an der Straße gelegen. Allerdings hält sich der Verkehr in Grenzen. Schade, dass es keinen Weg zum Beine vertreten am See entlang gibt.
Heute ist wieder Kultur angesagt. Das erste Ziel ist die Kronoberg Slott Ruin und ja, man sieht wirklich nicht mehr viel. Bisschen Gemäuer, rein kann man auch nicht. Aber Lage, Lage, Lage, wie der Makler sagen würde. Beim Parkplatz gibt es auch einen kleinen Gasthof, aber der hohen Preise wegen, bevorzugen wir das Café Huber. Nach einem Spaziergang durch die Wälder gelangen wir zu einer Landzunge mit wunderschönen weißen, gelben oder roten schwedischen Holzhäusern. Jedes von denen würden wir nehmen! Das zweite und auch schon letzte Ziel ist die kleine Stadt Eksjö, die der Betonwut nach WW2 widerstanden hat und bei der traditionellen Holzbauweise geblieben ist. Bei den vielen, wunderschönen bunten Holzhäusern kommen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Da kann man darüber hinwegsehen, dass unser Übernachtungsplatz halt nur ein ganz normaler Parkplatz ist. Wenigstens nicht laut und keine Autoposer.
Nur ein paar Kilometer weiter über Kiesstraßen – Allrad wird völlig überschätzt – sind wir im Klinten Naturreservat. Von hier gibt es eine Rundtour zuerst auf den Skurugata 334 m, von dem wir einen tollen Rundblick über die Landschaft Smålands haben. Der Rückweg führt uns dann durch die Skurugata-Schlucht, wo wir steil rauf und runter zwischen hohen Porphyrwänden und über unzählige Felsformationen laufen, bis wir wieder am Parkplatz ankommen. Und genau dann erst fängt es an zu regnen! Timing ist alles. Hier darf man nicht übernachten, also brausen wir noch schnell, aber nicht schneller als 80 km/h, zu einem kleinen See kurz vor Kisa. Dort wird dann gegrillt und ein Lagerfeuer angezündet, bevor uns der nächste Regenguss und auch die vielen Ameisen ins Auto treiben. Gute Nacht!
Ach Schweden ist so schön! Vor allem, wenn wie heute wieder die Sonne scheint, alles so grün und die wiesen so bunt sind. Unser Navi schickt uns wieder über Gravel Roads bis nach Ulrika, ein kleines Nest, aber mit einem Campingplatz. Dieser hat alles, was wir brauchen: viel Platz, keine anderen Gäste, einen See mit Bootssteg und Saunahütte, einen Jacuzzi – zwar leer – und das Wichtigste: eine Waschmaschine. Diese wird sofort befüllt und dann stürzen wir uns in den See. Ich schaffe immerhin 20 m, aber Wolfgang, der alte Warmduscher, ist nach dem Eintauchen auch schon wieder draußen! In Ulrika gibt es auch noch eine rote Holzkirche mit einem freistehenden Glockenturm, natürlich auch aus rotgestrichenem Holz.
Heute am 6. Juni ist Nationalfeiertag in Schweden. Ob das eine gute Idee ist, den im Freilichtmuseum „Gamla Linköping“ zu verbringen? Also die Parkplatzsuche gestaltet sich schon mal schwierig. Am Museum der ist proppenvoll, der eine nicht für Wohnmobile, der andere nur für Anwohner. Irgendwann parken wir uns am Straßenrand und ignorieren die Bezahlaufforderung, vor allem auch, weil wir nicht wissen wie. Wir kommen dann genau richtig zum Einzug der Blasmusik an! Auf dem Areal befinden sich ca. 60 historische Gebäude aus dem 18. und 18. Jh. Authentisch eingerichteten Werkstätten, kleine Läden mit Kunsthandwerk und schnuckelige Cafés bilden mit den kopfsteingepflasterten Gassen gelungenes Ensemble. Natürlich sind heute sehr viele Besucher hier, aber trotzdem ist alles total entspannt. In einer offenen Halle findet sogar ein Samba-Kurs statt! Als dann Regen einsetzt, leeren sich die Gassen ruckzuck und wir treten auch den Rückweg an. Kein Ticket am Auto! Beim ehemaligen Zisterzienser Kloster in Alvastra bleiben wir für die Nacht am Parkplatz. Als es kurz aufklart, schauen wir uns noch die Klosterruinen an. Allerdings weht ein ziemlich heftiger Wind und wir sind froh, als wir uns ins Auto verkriechen können.
Unseren eigentlichen Plan über eine enge und kurvige Panoramastraße an der Küste entlang in die nächste Ortschaft zu fahren, fällt leider einem Radrennen zu Opfer. Die Straße ist bis heute Abend gesperrt. Sehr schade, so gehen wir halt zu Fuß hinunter an den Vätternsee. Sehr beeindruckend welch hohe Wellen es auf einem See geben kann! In Vansted laufen wir um das Wasserschloss, das von Gustav Vasa im 16. Jh. errichtet wurde. Richtig schön ist die Fußgängerzone mit vielen geschmackvollen Läden und Restaurants. Wir kaufen noch Rotwein im staatlich kontrolliertem Systembolaget und die restlichen Lebensmittel bei ICA, bevor wir an einem kleinen See mit Badestrand für heute Feierabend machen. Allerdings indoor, da es draußen einfach zu frisch ist.
Wir sind jetzt nördlich der zwei großen Seen, in einem Gebiet, wo schon seit langem Bergbau betrieben wurde/wird. Im Naturreservat Högbergsfältet erkunden wir über schöne Pfade rauf und runter durch lichte Laubwälder mit vielen Maiglöckchen, Blaubeeren und Preiselbeeren die eingefallenen Eisenerzgruben. Welch Mühe die Bergarbeiter vor ca. 400 Jahren damit hatten, die Gruben und Stollen zu graben. Am Tila-Stollen kann man 26 m gebückt reinlaufen. Wolfgang war froh, als er draußen wieder aufrecht stehen konnte! Am See entlang und über Schafsweiden vorbei an einem Klockastapel (Glockenturm) gehen wir zurück zum Auto. Da es schon wieder arg windig ist und ich auch noch mit einen Schnupfen eingefangen habe, sind wir wieder im Auto!
Nun sind wir im Bilderbuchschweden angekommen, in der Provinz. Ein Dorf hübscher wie das andere mit den roten Holzhäusern und den weißen Sprossenfenstern, viel Grund außen rum und jede Menge kleiner, roter Schuppen. Aber auch Tankstellen, Autowerkstätten, Bäcker, Kirchen, Sportplätze usw. fehlen nicht. Und von fast überall hat man einen tollen blick auf den Siljansee.
Im Naturum Dalarna zeigt ein modernes Museum eine kostenlose Ausstellung über Natur, Menschen, Landschaftspflege und Entstehung des Sees (durch einen Meteoriteneinschlag). Obwohl es teils sehr kindgerecht ist, haben auch wir sehr viel dazugelernt. Auf dem 38 m hohen Aussichtturm mit der Rundumverglasung hat man einen fantastischen 360°-Blick über den See, teils bis zu 70 km weit! Als wir nach einer kleinen Runde ums Museum auf einen Parkplatz an einem Badesteg am Siljansee zum Übernachten fahren, stellen wir fest, dass wir vor ziemlich genau sechs Jahren mit unserem Hiasl schon mal hier waren! Es ist noch genauso schön wie damals!
Das bei Touristen beliebte Vorzeigedorf Tällberg können wir uns diesmal sparen und 200 km weiter landen wir im winzigen Ort Långwindsbruk wieder an der Ostsee, genauer gesagt am Bottnischen Meerbusen! Obwohl schon drei deutsche Wohnmobile hier stehen, ist es ein traumhafter Platz. Direkt am Wasser, ein paar Fischerboote dümpeln am Ufer, Möwen kreischen und ein Reiherpaar kreist übers Wasser. Wir genießen noch die Sonne, doch sobald sie hinter den Wolken verschwindet, wird es frisch und wir machen noch einen Spaziergang zu den Ruinen der früheren Eisenerzverarbeitung und der dazugehörigen Kohlenmeiler. Ein ehemals prachtvolles Herrenhaus wird wohl gerade vor dem Verfall gerettet und ein Café in dem Miniort hat Potential, aber wohl nur an Feiertagen oder in der sehr kurzen Hochsaison geöffnet. Aber trotzdem sehr sympathisch alles!
Eigentlich wollten wir hier noch einen Tag bleiben, aber das Wetter ist nicht das Wahre und so nutzen wir den Tag um weiter nordwärts zu kommen. Unser Navi spielt uns heute ein paar Streiche, so auch beim Erreichen des Parkplatzes an der Högakustenbron. Aber irgendwann finden wir ihn doch und es hat sich rentiert. Wir haben eine Supersicht auf die kühne Brücke während unserer Kaffeepause. Kurz darauf, nach einem weiteren Streich, erreichen wir den westlichen Parkplatz des Skuleskogen-Nationalparks. Die Höga Kusten mit der noch immer stattfindenden Landhebung ist ein UNESCO-Weltnaturerbe. Wir machen noch eine schnelle Runde über glatte Felsen und gute und schlechte Bohlenwege zu zwei Aussichtspunkten mit Sicht bis aufs Meer. Etwas fordernder ist da schon die nächste Wanderung zur Slåttdalsskrevan. Zu der Schlucht geht es durch Urwald und über felsige Höhen mit fantastischen Ausblicken, aber meist mit dem Blick auf den Boden gerichtet. Die Pfade sind sehr wurzelig und matschig und über die Felsen sind wir immer auf der Suche nach dem nächsten Steinmann oder Wegpunkt. Kurz nach der Trollporten sind wir am Ziel und haben von oben einen Blick in die enge Schlucht. Wegen Steinschlaggefahr ist sie gesperrt und wir machen uns auf den langen Rückweg. Durch das Rumgestolpere sind wir dann doch froh, als wir nach fünf Stunden wieder am Pössl ankommen. Da gibt es zur Belohnung gleich ein kühles Bier, Rosé und die letzten türkischen, gerösteten Maiskörner.
In Umeå haben wir einen wichtigen Termin bei IKEA, ein neuer Abfalleimer für die Toilette muss her und sonst noch bisschen Kleinkram. Nein, keine Teelichter! Schwedisch Essen sind wir bei der Gelegenheit auch gleich. Wer kann da schon widerstehen, wenn es für IKEA family Mitglieder zwei Essen zum Preis für eins gibt und on top noch einen Gutschein über 50 SEK? Shoppen macht müde und darum lassen wir die Stadt links liegen und stellen uns an einen See mit schönen Wanderrunden. Mir macht besonders der Abenteuersteig für Kinder Spaß mit den vielen Balanciereinheiten.
Wir wollen ein bisschen in die Pampa und fahren entlang des breiten Vindelälven durch die weite, grüne Landschaft. Minidörfer, große Einzelgehöfte, Kuhherden und ganz wenig Autos begleiten uns nach Lycksele, eine Kleinstadt in Lappland mit allem was nötig ist. Leider hat das Freilichtmuseum heute geschlossen, aber die Gebäude sind auch von außen interessant. Vor allem die Gärten, denn da sind riesige Rhabarberstauden, die förmlich danach schreien, dass man ihnen ein paar Stängel abschneidet. Hmm, das gibt einen leckeren Kuchen aus dem Omnia, mit dem ich mich so allmählich anfreunde! Da es heute sehr heiß ist +28°, spazieren wir an der Strandpromenade ins Städtchen , kaufen ein Eis und sitzen lange am Fluss in der Sonne. Zum Übernachten finden wir ein paar Kilometer flussaufwärts einen Parkplatz mit einer schönen Feuerstelle und genügend Holz bis Spätabends.
Die Fahrt durch die Birken- und Kiefernwälder vorbei an unzähligen Seen und Flüssen, ab und zu ein kleines Ferienhaus in rot-weiß – Romantik pur – bringt uns weiter in den Norden. Auf einem weiteren tollen Picknickplatz stehen wir auf einem kleinen Damm an einem Minisee. Obwohl noch zwei Wohnmobile hier sind, wobei die knapp 100 m weg stehen, ist es einfach toll hier und wir genießen die Sonne, den Rhabarberkuchen und spannende Bücher auf den E-Readern.
So, Bewegung muss mal wieder sein und darum gehen wir nach dem Frühstück noch den Forstweg bis er endet. Größter Wunsch: einen Elch sehen. Doch leider reicht es nur für Elchspuren. In Glommersträsk gibt es ein paar alte Häuser ca. 200 Jahre alt zum Anschauen. Schade, dass wir nicht am Nationalfeiertag hier waren, denn da war laut Internet ganz schön was los hier! Mit einer riesigen Kuchentafel von dem örtlichen Heimatverein. Weiter geht es über Kiesstraßen, vorbei an einer kleinen, aber hübschen Holzkirche mitten im Nichts. An einem Kreuzungspunkt mit Wandertafel in den Dubblabergen machen wir einen leckeren Cappuccino und dazu den restlichen Rhabarberkuchen. Da entdecke ich eine Piste, die von hier mit nur einem kleinen Umweg weiter nördlich wieder auf die Hauptroute führt. Da wollen wir doch mal schauen, wie geländetauglich so ein Citroën ist. Und er funktioniert tadellos und rumpelt klaglos über Steine und Schlaglöcher, nur den matschigen Spurrillen weiche ich mal lieber aus so gut es geht! Doch kurz vor der Hauptroute hat der Spaß wegen einer Schranke ein Ende, bzw. er verdoppelt sich, denn nun dürfen wir ja wieder alles zurückfahren. Und dann steht auf einmal eine kleine Rentierfamilie am Straßenrand. Papa schaut, ob wir auch wirklich stehen bleiben, damit Mama und das Kleine sicher auf die andere Seite wechseln können. So süß! Bald darauf weist ein Schild auf den Storforsen hin. Das schauen wir uns auch noch an. Vom Parkplatz führt eine lange Holzbrücke hinüber zu dem mächtigen Strom Piteälven, der sich auf über fünf Kilometer mit einer enormen Wassermenge (250 m³ pro Sekunde) über Stromschnellen ins Tal wälzt. Jetzt Mitte Juni beträgt sie etwa 850 m³ pro Sekunde! Der Lärm ist enorm und die Gischt kann man schon von weitem sehen. Leider ist die mittlere Brücke wegen des hohen Wasserniveaus gesperrt, aber es ist so schon großartig! Wow, was für ein ereignisreicher Tag heute! Wir lassen ihn etwas weiter westlich am vergleichsweise kleinen Fällforsen mit einem Lagerfeuer trotz Regen ausklingen.
Über Älvsbyn und einem Einkaufsstopp in Boden fahren wir nach Haparanda, die Grenzstadt zu Finnland mit Tornio am anderen Ufer des mächtigen Torneälv. Wir parken bei IKEA auf schwedischer Seite und gehen mit unserem Wäschesack zu Fuß hinüber nach Finnland, wo sich im nahen Einkaufszentrum auch ein Waschsalon befindet. Mit 11,40€ für Waschen und Trocknen eine vergleichsweise billige Angelegenheit, zudem kann man sich in den Läden hier die Wartezeit ganz gut vertreiben. Wir eruieren auch noch die Preise der Lebensmittel und Bier und Wein und beschließen dann, morgen doch noch mal in Schweden unsere Vorräte aufzufüllen. Es ist nun doch schon spät geworden und wir übernachten gleich hier mit ca. 15 anderen Wohnmobilen bei IKEA. Wenn wir allerdings gewusst hätten, das es da eine Mückenplage gibt, hätten wir uns was anderes gesucht! Es ist wirklich grenzwertig! Zudem müssen wir feststellen, dass die Dachhaube über dem Bett eine Zwangsbelüftung hat, d. h. zwischen Haube und Unterteil gibt es keine Dichtung, sondern einen ca. 5 mm breiten Schlitz. Der stellt natürlich für die Stechbiester kein Hindernis dar. Da hat Pössl mal wieder 10 € gespart, grr.
Gegen Mittag haben wir endlich alles erledigt einschließlich Diesel und AdBlue und fahren dann bei Regen ca. 100 km zuletzt über eine schlammige Schlaglochpiste zum Parkplatz bei den Gletscherlöchern von Hiiden Kirnut. Dort stehen riesige Findlinge, in die beim Eisrückgang vor ca. 10.000 Jahren große Löcher mit bis zu 4-5 m Durchmesser entstanden sind. Wir stiefeln über glitschige Holzleitern und Steine um die Felsen herum, schauen in die tiefen Löcher und hoffen nicht auszurutschen. Als dann der Regen wieder einsetzt, treten wir den Rückzug an und steuern ein kleine Halbinsel im Kemijoki an um dort zu übernachten.
Wir werden von strahlendem Sonnenschein geweckt, zwei Fischer lassen ihre Boote ins Wasser und für uns geht es eine kurzes Stück nach Rovaniemi. Hier besuchen wir das ARKTIKUM, ein Wissenschaftsmuseum zur Arktis, deren Bewohner, Flora, Fauna, Schnee u.v.m. Sehr kurzweilig, informativ, interessant und modern gestaltet. Eine zweite Ausstellung umfasst das Heimatmuseum von Rovaniemi und Kultur und Geschichte der Sami. Auch hier erfahren wir viele neue Dinge, aber nach über drei Stunden geballtes Wissen ist unser Gehirn voll und der Magen leer. Nach einer Kalorien- und Koffeinzufuhr laufen wir noch in der Stadt herum, aber da steppt nicht gerade der Bär und so zieht es uns bald hinüber zum Jachthafen mit einem großen Parkplatz. Außer uns ist kein Mensch da, aber eine halbe Stunde später, man glaubt es kaum, stehen genau rechts und links von uns mit ca. 5 m Abstand zwei Wohnmobile. Diese Kuschelcamper gehen mir so richtig auf die Nerven. Haben sie Angst oder welches Problem plagt sie? Als ich bei der Wakeboard-Anlage zwei Jungs sehe, die im Fluss ein Bad nehmen, beschließe ich, es ihnen gleichzutun. Ja, ich bin geschwommen, vielleicht nur 10 Meter, aber hier am Polarkreis ist es einfach arschkalt. Internet sagt 12°!!! Wolfgang hat sich verweigert.
So, heute überqueren wir den Polarkreis! Also für unseren Geschmack zu viel Gedöns und zu viel Weihnachten. Wir schreiten einmal über die magische Linie, amüsieren uns über die lange Menschenschlange, die für eine Urkunde anstehen und laufen noch kurz durch einen Souvenirshop. Aber dann reicht es auch schon.
Weiter östlich wollen wir uns in Kemijärvi bei einem Wood Art Craft Center die großen Holzskulpturen ansehen, aber ausgerechnet diese Woche ist geschlossen. Na immerhin, können wir durch die großen Fenster linsen. Total schön ist dann die kleine Rentierherde, die direkt über den Grund des Centers wandert. Die Geweihe stehen noch im Bast und das Winterfell ist auch noch nicht komplett weg. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, grasen und ziehen dann gemächlich weiter. Immer auf der E4 zu fahren ist langweilig, also bleiben wir auf der östlichen Seite des Flusses. Die schlechte Teerstraße geht bald in eine gute Schotterstraße über und auf den 70 km sehen wir genau ein Auto. Bei der einzigen Brücke wechseln wir wieder die Seite und es geht hinüber zum Pyhä-Luosto-Nationalpark. Unser Navi weiß einen Abkürzer über eine 2 km Schlaglochpiste, da werden unsere Schubladen gleich neu sortiert! An einem kleinen See finden wir einen guten Platz für die Nacht und können auch gleich die Seerunde laufen und weil es so schön ist gleich noch eine Runde. Aber beim zweiten Mal machen sich dann die Mücken doch bemerkbar!
Von Pyhäntunturi machen wir eine längere Wanderung durch teils Wald teils Moor. Es gibt viele shelter mit Toiletten und Grillstellen unterwegs, ebenso große Umzäunungen für die Rentier-Viehscheide. Über die Isokuro-Schlucht, mit 200 m die tiefste in Finnland, geht es wieder zurück in den Ort, wo wir uns im Besucherzentrum noch die Ausstellung über den Nationalpark anschauen, bevor es im Café lecker Cappuccino und Kuchen gibt. Der Bergzug ist eines der ältesten Gebirge der Welt und ist nun voll erschlossen mit Seilbahnen, Sessel- und Schleppliften. Zudem gibt es viele Loipen und Wege für die Motorschlitten.
Obwohl wir bis jetzt großes Glück mit dem Wetter haben, ist es uns heute irgendwie zu kalt und deshalb besuchen wir in Tankavaara das Goldmuseum, mit einer interessanten Ausstellung über die Goldgeschichte Lapplands und weltweit. Die Außenaktivitäten wie Westernstadt und Goldschürfen im eiskalten Wasser haben wir uns geschenkt und sind noch ein Stück weit zu einer großen Kiesfläche im Wald gefahren. Dort wird erst mal ein schönes Lagerfeuer gemacht, so dass wir wenigstens von vorne warm werden. Die langen Tage inspirieren mich oft zu Spaziergängen um Mitternacht, wenn das Licht so magisch ist. Heute werde ich mit einer kleinen Rentierherde belohnt, die sich unbemerkt an mich herangeschlichen hat!
In Inari tauchen wir heute in die Welt der Sami ein. Im Siida-Museum erfahren wir sehr viel über das indigene Volk Nordeuropas. Dessen Siedlungsgebiet sich von Norwegen, über Schweden und Finnland bis nach Russland erstreckt. Wir sind total begeistert von diesem modernen Museum und bleiben bis kurz vor Schluss. Da in Inari Wohnmobile nicht so gerne gesehen sind, haben wir uns außerhalb einen Platz gesucht, wo wir dann eine regenreiche Nacht verbringen.
Hurra der Regen hat aufgehört und so können wir die Wanderung zur sog. Wilderness Church am Pielpajärvi in Angriff nehmen. Durch einen fast schon mystischen Wald laufen wir über viele Wurzeln und Steine entlang von kleinen Seen und Flüssen zu der schlichten Holzkirche, die ihren Ursprung im 17. Jh. hat. Jetzt wird sie nur mehr zu Mittsommer und für Hochzeiten genutzt. Nach einer Pause an der Grillhütte mit heißem Tee, aber leider ohne Grillgut. Zurück am Auto fahren wir noch am Inarisee entlang, bis wir im Wald mit nur wenig Mücken einen Übernachtungsplatz finden. Das ist gar nicht so einfach, da jede noch so kleine Straße mit Schranke oder Kette abgesperrt ist. Schade, ich wäre gerne noch mal kurz in den See gesprungen oder gegangen.
Kurz vor der norwegischen Grenze, in Näätamo, will Wolfgang noch günstiges Bier kaufen. Aber Bier ja, günstig nein. Tanken hat auch nicht geklappt, da unsere Karten alle nicht funktioniert haben. Na dann eben nicht, dafür entrichten wir als ordentliche Deutsche noch 4,50 € Zoll für die Norweger. War natürlich keiner an der Grenze. In Kirkenes laufen wir durch die recht übersichtliche Stadt und versuchen in dem einzigen Elektroshop einen Lüfter für unsere TTT aufzutreiben. Es gibt natürlich keinen, dafür werden wir im Sport Outlet Center fündig. Also Kleidung statt Lüfter. Amazon wird dieses Problem regeln.
Am Grenzfluss zu Russland geht es nun direkt entlang bis zur Grense Jakobselv, vorbei an der König Oskar Kapelle zu einem Superplatz direkt an der Barentsee. Von hier können wir windgeschützt im Auto stundenlang aufs Meer schauen und die Mitternachtssonne genießen. Der Spaziergang zur Radarstation fällt leider aus, denn schon nach 15 Minuten ist der Zutritt und auch das Fotografieren verboten. Okay, dann eben nur zum Strand, das ist ja auch immer wieder schön, obwohl es heute schon ziemlich frisch ist. Am Nachmittag schauen noch ein paar Soldaten vorbei, die sich über die Gesellschaft der norwegischen Camper freuen, denn immer nur den ganzen Tag die Russen beobachten ist auch langweilig. Uns gefällt es hier trotz der anderen acht Wohnmobile hier richtig gut – leider hat der Kiosk noch nicht auf – und wir finden, dass sich der Umweg hierher gelohnt hat!
Nach Natur kommt wieder Kultur: in Neiden sehen wir uns den Skoltefossen an und die Kirche von Neiden, allerdings nur von außen. Danach fahren wir auf der E6 weiter mit nur wenig Verkehr durch eine tolle Gegend mit schroffen Bergen, Birkenwälder, ab und an ein Rentier und versteckte Ferienhäuser. Über eine schmale Straße erreichen wir Bugøynes, ein kleines Fischerdorf mit berühmten Bistro (Königskrabben) – leider zu teuer für uns. Bei einem Gang durch den Ort entdecken wir Überreste aus dem 2. Weltkrieg, auch die kleine Insel nebenan war fest in den Händen der Wehrmacht. Wir frieren schon wieder und kaufen bei einer Imbissbude einen Kaffee, der ist zwar heiß aber so richtig scheußlich. Da uns der Womo-Stellplatz zu teuer ist (500 NOK) fahren wir wieder sieben km zurück und finden einen tollen Platz abseits der Straße.
Wir wollen nun auf die Varangerhalbinsel. Dazu fahren wir den Varangerfjord entlang bis Vadsø und bleiben aber mehrmals stehen um die Kirche von Nesby anzuschauen, die leider gerade eingerüstet ist, um einen Spaziergang mit ganz vielen Austernfischern zu machen, um in Moresnes das kleine Museum zur Landhebung zu besuchen, das aber soeben zumacht und um in einem kleinen Fischerdorf zwischen den bunten Häusern rumzuschlendern. In Vadsø finden wir direkt an der Brücke auf der kleinen Insel einen schönen Platz für uns. Auf der Insel laufen wir zu dem Mast, wo früher Luftschiffe befestigt wurden, genießen bei einem kleinen Leuchtturm an einem windgeschützten Platz die Sonne, bevor wir mit dem Auto wieder auf das Festland fahren. Beim Heimatmuseum drücken wir 80 NOK/Person ab und ärgern uns dann, das nur drei Räume offen sind und das zweite Haus komplett geschlossen ist. Das hätte der Typ auch mal sagen können. Also dann lieber noch zum Vogelfelsen bei Ekkerøy. Dick eingemümmelt, denn es ist saukalt, erreichen wir die Nistplätze von ca. 20.000 Paaren von den Drei-Zehen-Möwen. Das ist vielleicht ein Gekreische und Rumgefliege! Immer in der Hoffnung, das man nicht einen Vogelschiss abbekommt, versuchen wir trotz starken Wind und Regen ein paar Fotos zu machen, aber naja, so richtig zufrieden sind wir nicht. In dem kleinen Ort Kiberg haben sich diese Möwen ganz gemütlich in den Hausmauern oder Dächern niedergelassen! Immerhin sehen wir später an unserem Übernachtungsstrand noch drei Weißschwanzseeadler!
Durch einen drei Kilometer langen Tunnel kommen wir hinüber nach Vardø, wo wir uns oben an der Inselspitze installieren. Es tummeln sich ein paar Wale in der Bucht, aber die Sicht ist so schlecht, dass wir bald die Lust verlieren. Später laufen wir noch in den Ort, beobachten ein Schiff der Hurtigruten-Linie beim Anlegen und gehen dann zu Steilneset, dem Mahnmal für die 91 Opfer der Hexenverbrennungen (weiblich und männlich) im 17. Jh. Das Wetter passt zu der düsteren Geschichte und der düsteren Stimmung in dem modernen Gebäude. Ziemlich durchnässt kommen wir am Pössl an und viel nasse Kleidung sind in einem Kastenwagen nicht so prickelnd. Da es heute so gar nicht hell werden wollte, sind wir auch schon früh ins Bett gegangen, so um 23.00!
Hurra, kein Regen, weniger Wind und ca. drei Grad wärmer! Bevor wir uns auf die Panoramastraße aufmachen, schauen wir uns noch die Drakkar Leviathan-Skulptur an. Ein russisches Team hat diese Mischung aus Drachen und Wikingerschiff errichtet. Eine tolle Arbeit, die gut in die Landschaft passt!
Eine single track road führt durch eine atemberaubende Küstenlandschaft mit steilen Klippen, düsteren Bergen, verstreuten Ferienhäusern und vereinzelten Rentieren hinauf nach Hamningberg. 1865 wurden die Menschen gegen ihren Willen aus dem einstigen Fischerdorf weggesiedelt, da es dem Staat zu teuer war eine vom Volk gewünschte ordentliche Mole zu bauen, wo es den Leuten auch im Winter mehr oder weniger gefahrlos möglich gewesen wäre, sich übers Meer zu versorgen. Heute gibt es hier noch eine Handvoll Ferienhäuser und ein Café, das ca. 2 – 3 Monate im Jahr geöffnet hat. Wir genießen dort Kaffee mit frischen Waffeln auf der sonnigen Terrasse! Am Abend wandern wir noch zu einem Walskelett, das aber leider vom letzten Sturm weggeschwemmt wurde. Wir finden nur noch einen Wirbel und drei Rippen, dafür sammeln wir jede Menge Plastikmüll und geben ihn an der Sammelstelle ab. Mit 13 anderen Wohnmobilen übernachten wir bei der kleinen Bucht. Für uns ist es eigentlich unvorstellbar, wie man an einem so abgelegenen Ort leben kann, aber er hat schon eine gewisse Anziehungskraft. Vielleicht weil es so ganz anders ist, als das, was wir gewöhnt sind?
Mit Regen und vielen Rentieren geht es die gleiche Strecke wieder zurück bis Varangerbotn, wo wir noch tanken und dann nach Norden abbiegen, in Tana bru kaufen wir noch bei Rema 1000 ein und finden dann an einem langen Sandstrand am Ufer des Tana einen, allerdings mückenreichen, Übernachtungsplatz. Bei Sonnenschein fahren wir am Tana entlang, bevor wir nach Westen in die Berge abbiegen. Die Landschaft ist einfach umwerfend: schneebedeckte Berge, kleine Bäche, Flüsse, Seen zum Teil noch mit Eisschollen. Kleiner Wermutstropfen: alle eventuellen Parkplätze sind schon belegt und es gibt derer nicht viele. Als die Straße nach Süden abbiegt und dann schnurgerade weiterführt ist es erst mal vorbei mit der Schönheit. Wir halten am Sillfar-Canyon und laufen die paar Meter zum Fluss runter, der sich dort durch eine enge Felsenschlucht zwängt. Mit einem irrsinnigen Blau, das wohl den Sedimenten geschuldet ist. Nach einem für uns langen Fahrtag checken wir auf dem Campingplatz in Lakselv ein. Dort gibt es drei Waschmaschinen und zwei Trockner, sollte eigentlich kein Problem sein. Aber eine ansonsten nette Holländerin beansprucht die zwei guten Waschmaschinen und danach natürlich die beiden Trockner. Um kurz vor Mitternacht bin ich ich mit meiner Maschine dann auch fertig. Gut, dass es nun regnet, so dass ich gleich ins Bett kann und nicht mehr draußen die Mitternachtssonne genießen muss.
Ha, heute können wir an der DHL Station endlich unseren Lüfter abholen. Leider gibt es beim Einbau noch einen Kurzschluss, so dass sich das Ganze auf zwei Stunden hinzog. Danach fahren wir noch schnell über eine längere Wellblechpiste in den Stabburs-Nationalpark. Da Wolfgang keine Lust auf Wandern hat, bin ich alleine zum Stabbursfossen und zurück gelaufen. Es sind zwar nur 10 Kilometer, aber es regnet fast die ganze Zeit und die Steine sind dadurch arg glitschig. Auch auf dem steilen Pfad beim Wasserfall muss ich sehr aufpassen und bin dann auch ohne Pause wieder zurück zum Pössl. Das Interessanteste unterwegs ist die Elchkuhlosung gewesen. Da man im NP nicht übernachten darf, suchen wir uns außerhalb einen Platz. Der erste ist nur über einen Fußweg erreichbar, nicht so praktisch mit dem Womo, der zweite liegt total im Matsch und der dritte fast direkt an der Straße, aber den nehmen wir dann trotzdem, denn soviel Verkehr ist hier wirklich nicht.
Heute reihen wir uns in die Nordkap-Fahrer ein! Erstaunt sind wir, dass der Tunnel nach Magerøya hinüber ein ziemlich starkes Gefälle bzw. Steigung aufweist! Zuerst begleitet uns der Regen bis nach Honningsvåg, der letzten größeren Ansiedlung hier oben. Ein französisches Kreuzfahrtschiff und ein Hurtigrutenschiff liegen im Hafen, entsprechend viele Leute sind in der kleinen Stadt unterwegs. Wir besuchen das Nordkapmuseum, wo wir fast alleine sind. Hier informieren wir uns über die Geschichte und das Leben zu Land und zu Wasser der Region Finnmark. Des weiteren ist der Stockfisch ein großes Thema, wie auch die Umweltverschmutzung der Meere. Es ist schon erstaunlich, was da alles rausgezogen wird! Im trockenem laufen wir noch zu – geschlossenen – Kirche hoch, das einzige Gebäude, das den 2. Weltkrieg überlebt hat. Danach werden bei REMA noch unsere Vorräte aufgestockt und dann geht es durch eine eher langweilige Landschaft hinauf bis zum Parkplatz am Kap. Für 165 NOK dürfen wir hier stehen mit ca. 200 anderen Wohnmobilen und auch sehr vielen Motorrädern. Die vielen Reisebusse stehen auf der anderen Seite. Ich muss zugeben, ich bin etwas genervt von den vielen Leuten. Die berühmte Eisenkugel am Nordkap ist kaum auszumachen, der Kommerz von den Nordlandhallen geht mir auf den Geist und ich brauche erst mal Abstand zu allem. Das Gefühl, dass nach diesem Felsen nichts mehr kommt, ist allerdings aufregend. Wir stiefeln bisschen lustlos rum, machen Fotos und mit Mühe gelingt uns dann eines an der Kugel ohne allzu viele andere. Außerdem gehört der wahre Ruhm den vielen Radfahrer:innen, die die weite Strecke mit dem ganzen Regen und Wind auf sich genommen haben um ihr Traumziel zu erreichen. Hut ab! Nach einer dreiviertel Stunde reicht es uns und wir fahren ca. 40 km nach Südwesten in das kleine Fischerdorf Gjesvær, wo wir am Dorfrand einen Picknickplatz mit tollen Blick auf Berge und Meer ganz für uns alleine haben.
Ein Regenspaziergang führt uns durch den Ort, viele Häuser sind verlassen, aber es gibt noch einen Laden mit Apotheke und Post in einem. Des weiteren werden von hier Schiffsausflüge zu den Puffins angeboten, aber das kommt für uns bzw. für mich leider nicht in Frage. Auf der E69 beginnt nun die lange Fahrt zurück. Durch den Tunnel nehmen wir einen tschechischen Hiker mit, der nicht sieben Kilometer durch Abgase laufen will. An schönen Stellen schauen wir uns Wasserfälle an und beobachten Rentiere. Auf den Hügeln liegt oben noch Schnee, aber unten macht sich schon saftiges Gras breit und die Fahrt mit den vielen Bächen, Flüssen und eingestreuten Häusern macht dann doch Spaß. Auch wenn ich heute mit Fahren dran bin! Kurz vor Alta finden wir am Altafjord einen kleinen Kiesplatz mit genügend Holz für ein Lagerfeuer.
In Alta wird mal wieder getankt, Lebensmittel eingekauft, was manchmal wegen der Preise eine ganz schöne Herausforderung ist und danach schauen wir uns die Nordlichtkathedrale an. Von außen total cool, auch das Kircheninnere ist mit der sehr modernen Innenarchitektur mal was anderes. Allerdings finde ich die Eintrittspreise doch etwas überzogen, denn länger als fünf Minuten braucht man nicht dafür. Da lohnt sich das Alta-Museum schon mehr. Wir gehen zuerst im Außenbereich den drei Kilometer langen Rundweg ab, wo man an den bis jetzt entdeckten Felsritzungen vorbeigeführt wird. Diese sind zwischen 7000 und 2000 Jahre alt und zeigen Rentiere, Bären, Elche, Menschen, Schiffe, Waffen etc. Der erste Teil der Ritzungen wurde rot coloriert, damit sie auch für Laien gut zu erkennen sind. Für die anderen muss man schon genauer hinsehen, um die Szenen zu erkennen. Aber es geht schon. Der gesamte Weg ist barrierefrei angelegt und wir haben immer einen fantastischen Blick auf den Altafjord und die Berge. Im Innenbereich gibt es viele Erläuterungen zu den Zeichnungen, Fischfang, Kupferabbau, Nephelinabbau (für Porzellan) und mal wieder die Geschichte der Samen. Puh, insgesamt ist es doch recht anstrengend gewesen, viel zu lesen und zu schauen. Darum fahren wir nur mehr ein paar Kilometer an den Kåfjord zum Relaxen!









































































































































































































































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