Der Lkw steht fast fertig gepackt vor dem Haus, aber ausgerechnet heute morgen schneit es wie verrückt. Wir lassen uns Zeit mit dem Frühstück, aber es hilft nichts, irgendwann müssen wir den Rest ins Auto schaffen. Wegen des immer noch dichten Schneefalls entscheiden wir uns für größere Straßen, holen bei der F1-Tankstelle bei Furth/Wald die Mautbox und fahren dann auf tschechischen Autobahnen über Pilsen und Prag nach Jihlava auf einen kleinen Parkplatz. Der Schnee geht dann hier zu Regen über und am nächsten Tag werden wir von der Sonne geweckt! Der Zustand hält nicht lange an und zäher Nebel begleitet uns den ganzen Tag. Über Bratislava geht es hinunter zur Donau, wo wir in Komarno an der Grenze zu Ungarn übernachten. Der ersehnte Spaziergang fällt wegen Regens aus.
Nach komplizierter Buchung der ungarischen LKW-Maut (250 km für 56 €) fahren wir auf grenzwertig schlechten Straßen zur serbischen Grenze. Eine trostlose Gegend mit Unmengen von Müll entlang der Straße, dazu starker Wind. In Srbobran nördlich von Novi Sad bleiben wir mitten in der Stadt an einem Fluss für die Nacht stehen. Die Nacht war lausig kalt und die Dachfenster und die Türe sind vereist! Aber dann kommt die Sonne raus und es wird fast warm! Wir spazieren noch durch den Ort und bringen dann bei Superwetter die nächsten 400 km in Serbien hinter uns. In Leskovar übernachten wir auf dem Parkplatz des recht rustikalen Restaurants Gros mit riesigen Portionen, aber höchstens mittlerer Qualität.
Es ist nicht mehr weit zur nordmazedonischen Grenze, wo es mit den neugierigen und etwas barschen Grenzbeamten ist wie eh und je. Leider schneit es ab dem Schlagbaum und die Autobahn ist nicht geräumt. Die griechischen LKW-Fahrer überholen gnadenlos, PKWs sind kaum unterwegs. Ca. 50 km vor der griechischen Grenze, wir sind gerade in einen Tunnel eingefahren, geht der Hiasl aus. Er bekommt keinen Sprit mehr. Zum Glück bei einer Notfallbucht. Zuerst machen wir den Filter sauber, aber erfolglos. Dann wechseln wir den Dieselfilter. Saukalt und zugig ist es und die LKWs donnern an uns recht knapp vorbei. Nun sieht es so aus, als ob der Motor läuft. Doch nach ca. 150m ist schon wieder Sendepause. Bei einem einspurigen Tunnel kein Vergnügen. Wolfgang quält den Anlasser, so dass wir immer ein paar Meter zurückstoßen können. Gott sei Dank kommt kein anderes Fahrzeug, bis auf einen Schneepflug. Der Fahrer blockt für uns die Fahrbahn, damit wir im Schneckentempo endlich wieder die Bucht erreichen. Puh, das hat Nerven gekostet. Jetzt wechselt Wolfgang die Vorförderpumpe, die wir als Ersatzteil dabei haben. Eineinhalb Stunden später mit halb abgestorbenen Fingern ist sie drin und der LKW läuft stabil. Wie freuen wir uns auf die Heizung! Aber leider nicht lange! Nach 2 km ist ein Stau, und wie sich herausstellt hat es weiter vorne einen größeren Unfall gegeben. Es ist kalt und mittlerweile dunkel, zudem schneit es ohne Ende. Es gibt keine Informationen, keine Polizei. Irgendwer dirigiert dann alle PKWs und uns rechts in den Schnee rein, damit wenigstens links eine Minirettungsgasse gebildet werden kann. Zwei Stunden später taucht dann endlich die Polizei auf, sperrt die Fahrbahn bis zur letzten Auffahrt und dann dürfen, bis auf die LKWs, alle und auch wir – wenden und entgegen der Fahrtrichtung bis zur letzten Auffahrt zurück- und von der Autobahn runterfahren. Nun kommen noch ca. 20 km bei dichtem Schneetreiben und Dunkelheit auf enger, kurviger Landstraße, bis wir bei einer Tankstelle auf dem Truckparkplatz übernachten können. Was für ein Schei...tag!
Bei 3° ist heute morgen die Straße immerhin schneefrei und wir überqueren nach einem letzten Tankstopp die griechische Grenze. Ab hier bleiben wir erst mal auf der Autobahn, wobei schon bald wieder dichter Schneefall einsetzt. An der Küste regnet es. Die Mautgebühren sind aber schon heftig: 30€ für 190 km! Da unser Duschkopf aufgefroren ist, fahren wir in Larisa zu einem Baumarkt und besorgen einen neuen, bevor wir es uns auf dem Parkplatz eines Outletcenters gemütlich machen, das heißt mit ganz viel heizen! Ab hier fahren wir nun über Land, billiger und viel kürzer, aber nun fällt die Pumpe für das Wischwasser aus. Das ist bei dem Sauwetter nicht so optimal und es schneit schon wieder heftig. So viel Schnee haben wir in Deutschland schon lange nicht mehr gesehen! Über einen kleine Pass geht es nach Lamía, wo wir leider erfolglos versuchen eine neue Pumpe aufzutreiben. Bei den Thermopylen überlegen wir kurz hier zu übernachten, aber es gefällt uns hier immer weniger. Also nur eine kurze Kaffeepause und intensives Studium der Landkarten. Leider gibt es keine guten Alternativen zu einem Pass mit ca. 850 m Höhe. Also los! Die Straße ist nicht frei, aber es steht fast in jeder Kehre ein Schneepflug parat. Das ist doch schon mal sehr beruhigend! Auf der Passhöhe machen wir einen kurzen Spaziergang durch den Schnee, aber nur sehr kurz, denn es ist saukalt. Auf der Südseite ist es ab 650 m grün. Endlich! Ich glaube, nun können wir das Schneethema abhaken. Über Amfissa und Itea fahren wir ans Meer nach Agio Panton. 10°, kein Regen und eine offene Taverne mit Bier, Wein, WLAN und loderndes Feuer im Holzofen! Was will man mehr?
Wir zuckeln immer weiter an der Küste entlang mit vielen kleinen Ortschaften, schönen Stränden und Miniinseln, fahren durch das recht enge Nafpaktos – sehr schön, wird abgespeichert – nach Antirio, von wir mit der Fähre für 12€ nach Patras übersetzen. Über eine gut ausgebaute Schnellstraße brausen wir zum Elaia Beach. Leider fängt es wieder zu regnen an und die Temperatur fällt auf 6°. Zudem funktioniert die Heizung im Fahrerhaus plötzlich nicht mehr. Also das werden zwei kalte Stunden bis zum Beach. Dort stellen wir uns nun einigermaßen gerade hin und dann gibt’s endlich einen heißen Cappuccino und was zum Speisen.
Heute machen wir einen ausgedehnten Spaziergang über den Strand, ratschen mit ein paar Leuten, darunter mehrere mit RO-Kennzeichen. Aber das sind alles keine „Echten“ - wir ja auch nicht mehr. Am Verkaufswagen mit überteuerter Touriware bleiben wir sehr zum Leidwesen der Verkäuferin standhaft und wir schreiben uns auch nicht beim Griechischkurs ein und Haare lassen wir uns auch nicht schneiden. Es ist schon erstaunlich, wie viele, meist deutsche Familien, sich hier schon seit geraumer Zeit niedergelassen haben. Manche noch Impfgegner aus der Coronazeit, andere stehen dem deutschen Schulsystem skeptisch gegenüber und dann gibt es auch noch die Althippies.
Nach der kleinen Regenerationspause gestern widmen wir uns nun den LKW-Problemen. Damit wir es auch vorne wieder warm haben, wird das Heizungsseil eingehängt und zwei verdrehte Keilriemen werden mit viel Fluchen, weil wir das Fahrerhaus nicht kippen wollen, wieder richtig plaziert.
Bei mehr oder weniger gutem Wetter plätschern die Tage am Elaia Beach so dahin. Wir machen zwei Radtouren durch Olivenhaine, einmal zum Einkaufen und am Sonntag hinauf nach Kopanaki auf den Wochenmarkt. Der wird aber gerade schon abgebaut, als wir ankommen. Wir ergattern gerade noch etwas Obst und Gemüse und Billigklamotten brauchen wir eh nicht. Denn eigentlich kommen wir ja wegen dem gegrillten Spanferkel her! Wir bei einem Kilo können wir gerade noch rechtzeitig abwinken, aber unter einem halben Kilo geht nichts. Na, wir lassen uns den Rest einpacken, denn mit dieser dünnen, krossen Kruste schmeckt es wirklich fantastisch! Da macht uns dann auch der Gegenwind bei der Rückfahrt kaum was aus.
Nach sechs Tagen mit wenig Arbeit und viel Erholung packen wir zusammen und fahren an der Küste in südlicher Richtung auf die schmale Landzunge, die die Navarinobucht von der Gialovabucht trennt. An der hinteren Brücke haben wir einen tollen Platz direkt am Wasser für uns allein. Leider manifestiert sich bei Wolfgang gerade eine heftige Erkältung, wohl noch eine Folge der Reparaturarbeiten in dem kalten, zugigen Tunnel. So wandere ich in den nächsten Tagen sämtliche Highlights der Umgebung, teils auch öfters, ab. Da sind die fantastische Ochsenbauchbucht, das alte Paleokastro am Berg oben mit interessantem Abstieg zur Nestorhöhle, und der kleine, aber fast ausgestorbene Ort Gialova. Gott sei Dank ist wenigstens ein Kafenion geöffnet, wo es für mich einen Cappuccino und Orange Pie gibt. Mit Wolfgang mache ich noch eine Radtour durch die Lagune zu den Flamingos, Reihern, fliegenden Fischen und zahlreichen Mücken. Leider wird die Rückfahrt zu einer einzigen Schlammschlacht. Die Räder sehen grauenvoll aus und unsere unteren Körperhälften ebenso. Also noch schnell zur Tankstelle, wo wir Mensch und Maschine mit und ohne Hochdruck abspritzen. Einigermaßen sauber besuchen wir noch mal das Kafenion und belohnen uns mit Souvlaki, Gavros, Bier und Wein. Nach sechs Tagen verlassen wir den schönen Platz und sind froh um diese Jahreszeit hier zu sein, denn später im Jahr herrscht hier striktes Campingverbot! Da hat ja auch der nahe Campingplatz geöffnet.
An der Shell-Tankstelle lassen wir die leere Gasflasche auffüllen und fahren weiter nach Pylos. Dort geben wir einen Wäschesack in der Wäscherei ab und bummeln durch das nette Städtchen. Nach einer Stärkung geht es zum Kastro hinauf und sind von dem kleinen Museum mit tollen Schmuckarbeiten, filigranen Töpferwaren und interessanten Funden aus den Jahren 1500 – 200 v. Chr. sehr angetan. Von dem weitläufigem Gelände haben wir eine tolle Aussicht zur Navarinobucht und der Burg. Zum Übernachten fahren wir über eine sehr steile und enge Piste hinauf zum kleinen Kloster Agio Nikolaio, direkt an einem Windpark gelegen. Die Lage ist super, aber der Wind weht von der falschen Seite, so dass doch ein beständiges Wummern der Rotorblätter zu hören ist.
Als wir am nächsten Tag dann in Pylos unsere Wäsche abholen, bin ich etwas geschockt. Da habe ich wohl den Preis nicht richtig verstanden. Die Dame sagte etwas von 5 €, aber sie meinte 5 € pro Kilo! Zähneknirschend gebe ich ihr die 25 €, man gönnt sich ja sonst nichts. Dafür kann man am Hafen kostenlos stehen.
Methoni und Koroni lassen wir diesmal aus und fahren durch unzählige Olivenwälder quer durchs Land hinüber nach Agios Andreas. Als wir an einer Olivenmühle vorbeikommen, sehen wir, dass dort gerade das Öl aus den Fässern auf Kanister gezogen wird. Da nehmen wir doch gleich einen Kanister mit. Allerdings haben sie nur die Einheitsgröße von 17 kg, was in etwas 18,4 l Öl sind. Es schmeckt uns sehr gut, ist noch leicht bitter, also genau richtig.
Unser angestammter Platz am Hafen bietet freie Platzwahl, so können wir gut den Anglern und Fischern zusehen. Leider hat es in der Nacht ein heftiges Gewitter mit Starkregen und wir haben einen größeren Wassereintritt am vorderen Dachfenster. Also fahren wir am nächsten Tag nach Kalamata, wo es in der Altstadt eine geeignete Werkstatt geben soll. Aber da verkeilen wir uns nur in den wahnsinnig engen Gassen sehr zum Entsetzen der anderen Autofahrer. Wolfgang leistet fast schon Millimeterarbeit und wir sind nicht zum ersten froh, dass wir nur 2,20 m Außenmaß haben! Auch in einem Gewerbegebiet werden wir von Pontius zu Pilatus geschickt. Die einen wollen nicht, die anderen können nicht helfen. Der einsetzende Regen ist hat auch niemanden dazu animiert auf's Dach zu klettern. Lange Rede kurzer Sinn: ab da hat es kaum mehr geregnet auf dieser Reise und drei Monate später haben wir daheim ein neues Dachfenster eingebaut!
Die nächsten drei Tage verbringen wir mit meiner Freundin Karin, die vor 10 Jahren hierher ausgewandert ist. Allerdings schlafen wir immer im LKW unten an der Küste, denn bei ihr oben gibt es für so große Fahrzeuge keinen Parkplatz. Und so ein Dilemma wie vor neun Jahren, als wir den LKW vor ihrem Haus bis zu den Achsen versenkt haben, wollen wir alle nicht noch einmal erleben.
Wir ziehen etwas weiter und zwar an den langen Strand von Messini. Hier reihen sich bis weit nach Osten ein Wohnmobil ans andere. Nur bei uns gleich hinter der Brücke ist es etwas ruhiger. Am schlimmsten ist es nahe der Zufahrt noch auf der Straße. Leider stellen die Deppen Tische und Stühle an den angrenzenden Basketballplatz! Geht's noch? Kein Wunder, dass überall Verbotsschilder aufgestellt werden. Danke, vor allem an skandinavische Gruppe :( Wir nützen das angenehme Wetter am Vormittag für einen ausgiebigen Strandspaziergang, denn ab 14:00 dreht der Wind auf und es wird so frisch, dass wir es draußen nicht mehr aushalten. Am Abend steht die Mondsichel zwischen Venus und Saturn, super!
Heute füllen wir beim Lidl unsere Vorräte auf und stellen fest, dass auch viele „ExMos“ nur mehr in einer Gruppe unterwegs sind und kaum reagieren, als wir freundlich grüßen. Da hat sich in den letzten Jahren schon einiges gewandelt, nicht unbedingt zum Besseren. Also nichts wie weg aus dieser Tourimeile ! Für uns geht es nun auf die Mani, dem mittleren Finger des Peloponnes. In Kardamyli steuern wir wieder „unseren“ Platz am Kiesstrand an und sitzen eigentlich den ganzen Nachmittag nur am Meer, sehen den Wellen zu, lauschen dem Meeresrauschen und dem steigen Rollen der Kiesel. Im Dorf gibt es dann einen überteuerten Sundowner an der Platía, dafür ist das WLAN gut genug um ein Hörbuch runterzuladen. Auch der Agia Sophia, die traumhaft über dem Ort liegt, statten wir einen Besuch ab. Im gleichnamigen Dorf leben nur mehr wenig permanente Bewohner, aber es gibt viele tolle Ferienhäuser. Eines gefällt uns besonders und es wird zum Kauf angeboten. Im Internet werden wir fündig: 690.000 €! Die spinnen ja, ist ja doch am AdW.
Vorbei an kleinen Traumbuchten mit glasklarem, türkisem Wasser fahren wir nach Stoupa. Leider spielt uns unser Navi einen Streich. Es führt uns über die Strandpromende, eine Einbahnstraße, mit vielen geparkten Autos, was noch kein Problem ist, aber dann der niedrige Balkon. Keine Chance! Wir fragen im Lokal, ob sie wissen, wem der Wagen bei uns gehört, aber nur Kopfschütteln. Okay, wir warten. Und nach einer halben Stunde kommt die Besitzerin, fährt weg und wir können nun in der Parklücke vorsichtig um den Balkon herumzirkeln. Welch ein Glück, dass von hinten kein Auto gekommen ist. Vom Parkplatz an der Kirche führt ein gut ausgebauter Küstenweg vorbei an Olivenhainen ins vier Kilometer entfernte Agios Nikolaos. In einer Hafenkneipe wartet ein traumhafter Platz in der Sonne auf uns und wir genießen gegrillte Sardinen mit Tsatsiki und Röstbrote mit viel Olivenöl. Lecker! Auf dem Rückweg färbt sich der Himmel schwarz, aber genau über uns ist noch ein Sonnenloch, passt. Am nächsten ist Hausputz angesagt und danach einkaufen. Wir sind staunen nicht schlecht, als wir in den Supermarkt Kritikos eintreten: ganz neu, sehr modern und ein tolles Angebot. Vor allem die Teilchen in der Konditoreiabteilung haben es uns angetan: süß und sahnig, aber sehr gut! Anfang Februar ist in den kleinen Ort hier das meiste geschlossen, aber eine Kneipe haben wir dann doch gefunden und gerade noch ein kleines Tischchen ergattert. Um uns lauter Regale, gefüllt mit Büchern und vorne der Blick aufs Meer mit untergehender Sonne. Also besser geht’s nicht.
Bei blauem Himmel, aber eisigem Wind fahren wir über Neo Itilo nach Areopoli, wo am heutigen Samstag ein kleiner Markt stattfindet. Neben Grünzeug erstehen wir ein großes Glas mit Oliven und laufen noch durch das hübsche Städtchen, wo die bunten Stühle und Tische der Cafés eigentlich auf ein paar Meze einladen, aber wegen des starken Windes sind wir total durchgefroren, das können die noch nicht allzu kräftigen Sonnenstrahlen nicht wettmachen. Ein Stück weiter im Landesinneren finden wir am Rande eines verlassenen Dorfes einen Platz mit Supersicht auf Meer und Berge. In der nächsten Bucht liegt Geroliménas, ein kleines Örtchen mit einem Minimarkt und einem geöffneten Restaurant. Dort gibt es Cappuccino für uns, mit 5 Euro zwar kein Schnäppchen, aber kein Wind und eingeheizt ist auch! Der Rest des Dorfes besteht aus
Hotels und B&Bs, teils neu und sehr ansprechend. Wir fahren am Nachmittag noch weiter mit einem Halt in Vathia, das zum einen durch seine erhöhte Lage mit einer atemberaubenden Sicht besticht und dann natürlich durch die Wohntürme und die engen und steilen Gassen. In den verlassenen Häusern finden wir – bis auf die alten Colafläschchen – noch die gleichen Möbel und Gerätschaften wie vor neun Jahren!
Danach fahren wir, immer wieder an tollen Buchten vorbei, manche nur sehr schwer zugänglich, bis zum südlichsten Punkt des griechischen Festlandes, dem Kap Tenaro. Als am Abend die wenigen Ausflügler weg sind, haben wir die Sicht auf die vorbeiziehenden Fähren und Fischkutter ganz für uns allein. Auf der kleinen Wanderung zum Leuchtturm an der Spitze begleitet uns leider wieder der eisige Wind, dafür werden wir dort mit freiem Blick bis nach Libyen – also theoretisch – und mit zwei Strichen Internet beschert!
Nun geht es an der Ostküste der Mani wieder nach Norden, durch eine wilde und raue Landschaft, mit unzähligen Steinmauern, halbverfallenen Terrassen und verlassenen Dörfern. In Lagia entdecken wir eine Kirche mit schönen Wandmalereien und Musik aus Lautsprechern. Sehr schön! Genauso schön ist dann unser Übernachtungsplatz direkt am Meer in Kokkála, wo es auch noch einen offene Taverne mit leckerem Abendessen gibt.
Laut Wetter-App soll es nun auch im Süden der Peloponnes ungemütlich und noch kälter werden. Darum streichen wir den dritten Finger und machen nur mehr einen Halt in Githio, wo wir mal wieder mit Süßkram aus einer Konditorei rauskommen. Leider stehen auf dem angedachten Platz auf der kleinen Halbinsel schon zwei Wohnmobile mehr ist für den kleinen Parkplatz nicht zumutbar – und so installieren wir uns wie noch eine Handvoll anderer beim Schiffswrack. Bei einem Spaziergang am Strand lassen wir uns gehörig durchpusten und sind erstaunt über den geringen Wasserstand, was wohl auch dem Wind geschuldet ist. So sagt zumindest das www.
Der kürzeste Weg hinüber nach Leonidio führt uns über die Berge. Kurz unterhalb eines Passes mit ca. 1000 m beginnt es zu schneien und es ist saukalt. Auch in dem hübschen Ort Kosmas ist kein Mensch zu sehen, die Dächer sind überzuckert und aus den Kaminen raucht es ordentlich. Nix wie weg hier. Wegen der spektakulären Lage laufen wir mal wieder zum Kloster Eloni hinauf, bloß haben wir heute nichts von der Aussicht. In Leonidio staunen wir nicht, dass die beiden Parkplätze komplett mit Kletterern belegt sind. Hmm, schlecht für uns, da wir den Waschsalon bemühen wollten. Also übernachten wir vorne in Plaka, wo es auch noch erlaubt ist, aber der Ort ist wie ausgestorben. Keine geöffneten Läden oder Gastronomie. Da muss ich wohl selbst was leckeres aus den Vorräten zaubern. Wir sprechen mit einem Rosenheimer, der nun seit drei Jahren hier zum Klettern überwintert. Es gibt mittlerweile um die 3000 gebohrte Routen! Das erklärt auch die vielen Womos. Aber er sagt auch, dass es noch nie so kalt wie heuer war.
Von einem kleinen Hafen bei Agios Andreas lotst uns unser Navi über den kürzesten Weg weiter nach Norden. Doch das geht nicht lange gut. Bei einem Mauerdurchlass wird es grenzwertig eng und leider muss beim Zurückstoßen der rechte Blinker dran glauben. Naja, ein bisschen Schwund ist immer! Dafür ist der Rest der Strecke bis Nafplio eher langweiliger Natur. In der schönen Altstadt ist es dann recht ruhig, eher zu ruhig, denn es haben nur die Touriläden geöffnet. Dadurch hat aber ein Cafébesitzer, ein ehemaliger Halbprofifußballer, viel Zeit für uns und wir führen schon fast ein philosophisches Gespräch, soweit es unser Englischkenntnisse zulassen. Östlich von Nafplio gibt es ein nicht fertiggestelltes Dorf, Karathonas, wo man wohl noch erlaubterweise auf den Betonplatten oberhalb des Strandes stehen darf.
Sonne! Das nutzen wir gleich aus um über den vier Kilometer langen Wanderweg nach Nafplio auf den Markt gehen. Neben Billigklamotten gibt es hier viel Stände mit tollem Angebot an Obst, Gemüse, Honig, Fisch, Käse, Brot. Unsere Rucksäcke sind dann gut gefüllt, als wir nach einer kleinen Stärkung wieder zum LKW zurücklaufen. Es ist ein wunderschöner Weg und wir freuen uns mal wieder ohne frieren draußen zu sein. Am Nachmittag bekommen wir noch Besuch von Anja und Christian (movan.de), die sowohl von Marke als auch Farbe das gleiche Fahrzeug haben wie wir. Naja, vielleicht besser geputzt. Am Abend grillen wir noch den Tintenfisch, aber sobald die Sonne hinter dem Berg verschwindet, wird es sogleich kalt. Am nächsten Tag ist mehr oder weniger Dauerregen angesagt. Dafür ist danach der Himmel wieder blau und es ist Me-time angesagt! D. h. Wolfgang erholt sich beim Hiasl und ich laufe nochmals nach Nafplio und gehe über 1000 Stufen auf die Palamidi-Festung hinauf! Ein Wahnsinnsausblick von oben! Nachdem ich alle alten Steine dort angesehen habe, gönne ich mir noch einen Kaffee in der Stadt und dann auch ab zum Chillen. Anja ist noch mal zum Ratschen da und da sie morgen früh nach vier Wochen hier auf dem Platz weiter wollen, verabschieden wir uns gleich noch und wünschen ihnen alles Gute für ihre Weiterfahrt!
Wir fahren erst am späten Vormittag los, aber nicht weit, ca. 50 m. Da steht dann ein Polizeiauto. Sie blaffen uns sehr unfreundlich an und drohen mit 300€ pro Person und Auto. Wir fragen warum, ja weil wir hier schon ewig rumständen. Okay, sie haben uns mit movan verwechselt, aber das nehmen sie in ihrem Gekeife gar nicht zur Kenntnis. Wir weigern uns zu zahlen, also 900€ ist ja auch kein Pappenstiel. Bis dann einer sagt: Go away and never come back! Das haben wir auch gar nicht vor.
Leider ist heute nicht unser Tag. Denn später mitten in der Pampa der Argolishalbinsel ertönt ein lautes Geräusch unter unseren Sitzen. So ein Mist, es hat die zwei Keilriemen des Lüfters zerlegt. Wir können an der Stelle nicht stehenbleiben und schaffen es mit schnell steigender Temperatur gerade noch auf einen sehr schrägen Parkplatz. Gott sei Dank haben wir zwei passende Ersatzriemen dabei, doch das Fahrerhaus bergauf zu kippen klappt nicht. Also umparken, doch das Zurückkippen gelingt nur mit vielen Gurten, Fluchen und einer Zerrung von was auch immer an Wolfgangs Fuß. Bevor wir uns in Kilada am Hafen installieren, steuern wir noch einen Waschsalon an, wo wir aber mit der Trocknerleistung gar nicht zufrieden sind. Wolfgang schont heute seinen Fuß im Auto und ich laufe zur Franchti-Höhle. Diese wurde von ca. 40.000 bis ca. 3.000 Jahre vor Christus besiedelt, wobei da der Meeresspiegel noch um 120 m niedriger war! Danach fahren wir noch zu den Dolinen bei Didyma. Über einen interessanten Zugang geht es zum Grund der kleineren fast kreisrunden Doline. Wir gehen bzw. humpeln einmal rum vorbei an der weißen, byzantinischen Kapelle und den noch blühenden Mandelbäumen. Den Weg zur Großen hätte ich mir sparen können, da diese zum großen Teil schon eingefallen ist. Mit ein paar anderen Wohnmobilen übernachten wir dann am Salantini Beach.
Gleich hinter dem LKW liegt der Zugang zum Saladi Beach Hotel, d. h. was davon noch übrig ist. Bis 2005 war es noch in Betrieb, doch seit einem Streit unter den Besitzern ist es sich selbst überlassen. Angeblich wurde es nun von einem Investor aufgekauft. Na viel Spaß damit! Im Gebäude ist alles kaputt, verdreckt, zugemüllt, zerstört, demontiert, besprüht, auch der olfaktorische Sinn wird teils arg beansprucht. Ein lost place! Bei jedem Schritt knirscht Glas unter den Sohlen. Wenn man in den Außenanlagen die augen so halb zumacht, kann man sich vorstellen, dass es mit der Poollandschaft, den Tennisplätzen, Basketballplatz, Minigolf , kleinen Bungalows und diversen Bars vor 20 Jahren noch ziemlich was hergemacht hat.
Uns treibt das schlechte Wetter an die Ostseite der Halbinsel, vorbei an durch Waldbrände zerstörter Landschaft, in den kleinen Hafenort Korfos, wo wir einen schönen Platz ganz am Ende der Straße finden.
Am nächsten Morgen füllen wir an einem Brunnen oben auf der Hauptstraße bei Eiseskälte und nur geringem Wasserdruck unsere beiden Wassertanks auf. Wir sind total durchgefroren und verlassen das Auto nur mehr zum Einkaufen im Einkaufscenter Mare West bei Korinth, bevor wir am antiken Hafen ein paar Kilometer weiter für die Nacht parken.
In der Nähe gibt es eine Autowaschanlage, wo wir auch rein passen und dort gelingt es uns zumindest den größten Dreck zu entfernen. In Korinth ist heute Markt, aber keine Chance einen Parkplatz zu finden, die Lust ist auch nicht sehr groß, darum wird es nur ein Einkauf bei Lidl. Da gibt es meist ein akzeptables WLAN. Wir überqueren den Kanal von Korinth und treffen in Loutraki auf einen Faschingsumzug in der Stadt. Leider führt die Umleitung durch die allerengsten Gassen und da kommen wir ganz schön ins Schwitzen! Eigentlich wollen wir auf einen Parkplatz an dem Salzsee stehenbleiben, aber das gefällt uns so gar und so geht es noch weiter den Berg rauf zum Mevgali-Leuchtturm. Es ist noch ein Wohnmobil da, somit bleiben noch genügend Plätze für die Tagesbesucher.
Von hier erkunden wir die Ausgrabung von Heraion mit dem antiken Hafen, die Agios Nikolaos am Berg oben, den Leuchtturm und die beiden Füchse, die sich am Abend immer das Katzenfutter holen. Wolfgang ist stark erkältet, so dass ich fast immer alleine unterwegs bin. Es ist immer noch kalt und sehr windig, aber immerhin scheint schon die Sonne und nach vier Nächten geht es auch Wolfgang wieder besser und wir fahren weiter.
Nur 18 km später sind wir auch schon am nächsten Stellplatz angekommen, bei der Höhle der Robbe. Wir wollen natürlich den Felsenbogen sehen, irren aber ziemlich herum bis wir endlich den richtigen Pfad entdecken. Der Bogen sieht schon toll aus mit dem tiefblauem Meer im Hintergrund! Robben haben wir allerdings keine gesehen, hahaha. Wir hatten gehofft einen Rundweg hinüber nach Strava machen zu können, aber der vermeintliche Weg am Wasser entlang entpuppte sich als nicht gangbar. Dann halt nicht, dafür gibt es am Abend noch ein schönes Lagerfeuer.
Über eine mehr oder weniger gute Piste mit recht steilen Abschnitten steuern wir den Lkw nach Agios Sotiro. Eine schöne Lage am Meer auf einer kleinen Halbinsel, aber kaum ein bewohntes Haus. Tote Hose also! Weiter am Meer entlang und dann sehr knackig und kurvig über die Berge auf eine Hochebene hinauf. Hier oben wird viel Wein angebaut, der weiter unten dann von Gemüse, Feigen und Olivenbäumen abgelöst wird. In Megara statten wir Sklavenitis einen Besuch ab, bevor wir die kürzeste Fährfahrt ever hinüber nach Salamina antreten. Drei Minuten! Gleich nach dem Fähranleger finden wir einen Platz an der Küste , von wo wir einen Superausblick auf das Festland haben. Sehr interessant beim Gewitter am Abend!
Um auf die Südseite der kleinen Insel zu gelangen müssen wir durch Salamina Stadt. Leider findet gerade jetzt eine Großdemo statt (wegen des Zugunglücks vor zwei Jahren mit 60 Toten). Ein extrem unfreundlicher Polizist schickt uns zurück, wir sollen durch die Stadt fahren. Na, der wird es schon wissen. Doch dann kommt ein Lkw-Verbot. Hinter uns Autos, keine Wendemöglichkeit. Ich laufe mal vor bis zur Engstelle. Auch dort kommen welche entgegen, aber ohne Murren setzen sie zurück so weit es geht. Wolfgang schafft es mit eingeklappten Spiegeln und Zentimeterarbeit gerade so durch. Puh, das war ganz schön knapp! Wir sind, wie schon so oft, froh darüber nur eine Außenbreite von 2,20 m zu haben. Dafür stehen wir nach einer weiträumigen Umfahrung bald an der Südküste in Peristeira am Strand. Dort machen wir ausgiebige Spaziergänge, halten nach einer geöffneten Taverne Ausschau – aber keine gefunden – und schauen den riesigen Tankschiffen zu, die in einer Warteschlange vor dem Hafen in Piräus stehen.
Wir haben heute den 3. März und es ist Feiertag in Griechenland, Fastenbeginn. Wo wir bis gestern Abend ganz alleine waren, ist heute morgen der ganze Platz zugeparkt und es findet hier ein Drachenfest statt. Wir schauen zuerst zu, aber das ist etwas, was die Griechen nicht so wirklich können. Über eine übel ausgewaschene und extrem steile Piste fahren wir zum Kloster Ag. Nikolaos. Tja so ist das, wenn man kürzeste Route ins Navi eingibt! Dort werden wir von einer Nonne sehr herzlich empfangen und überall herumgeführt. Sie erklärt uns alles, aber leider nur auf griechisch, wir verstehen nichts, aber sie hat gelacht und sich gefreut und wir uns auch! Ein sehr schöner Aufenthalt. An der Westküste in Aientao versuchen wir wieder mal unser Glück mit einer Kneipe. Aber alles geschlossen wegen des Feiertags. Es weht ein eisiger Wind und da kommt draußen nicht viel Freude auf, eher im Auto mit einem waren Glühwein!
Heute setzen wir nach Perama bei Piräus über und fahren dann zwei Stunden durch Piräus und Athen . Es ist total nervig mit den Motorradfahrern und den Taxis. Die meinen sie sind die Herren der Straße und wir sollen uns doch bitteschön in Luft auflösen. Gut, dass wir mit Masse punkten können. Wir wollen in den nördlich von Athen gelegenen Tatoi-Wald. Dazu müssen wir durch einen vor ca. drei bis vier Jahren abgebrannten Kiefernwald. Trostlos! Hier ist die ehemalige Königsresidenz mit diversen Wanderwegen. Es stehen noch ein paar Ruinen, die teils gerade wieder restauriert werden, aber alles in allem ist es hier nicht so, wie wir gedacht hatten. Und der Wind ist noch immer so eisig wie die letzten Tage. Fahrt nach Griechenland zum Überwintern haben sie gesagt!
Heute morgen erlaubt sich unser Lkw einen kleinen Spaß mit uns: er springt mit dem rechten Tank nicht an, obwohl noch genügend Diesel drin ist. Nach dem Umschalten läuft er Gott sei Dank! Für uns geht es nun auf einen kleinen Pass ca. 650 m hinauf und ab wird es endlich wieder grün, alles blüht und wir fahren durch einen hügelige Landschaft mit kleinen Dörfern hinunter nach Oropos am Golf von Euböa. Dort bekomme ich dann in einem Café endlich meinen griechischen Lieblingskuchen, einen Portokalopita, Orangenkuchen. Mmm, der ist so lecker! Am Strand geht ein Weg rüber zu einem Feuchtgebiet, wo sich eine Flamingokolonie niedergelassen hat. Leider kommt man nicht nahe ran, da der Weg überflutet ist.
Boah, der Hiasl. Er springt schon wieder auf rechts nicht an. Da soll sich mal der Mechaniker Gedanken machen. Bei Chalkidi rollen wir über die neue Brücke hinüber auf Euböa und parken in Eretria am Hafen. Bei einem Spaziergang hinüber zu dem lost place einer ehemaligen Clubanlage auf Dream Island finden wir einen viel besseren und vor allem windgeschützten Stellplatz. Es sind noch zwei Lkws und ein Womo hier, die waren schlauer als wir, und wir können nun endlich mal wieder in der Sonne vor dem Auto zu Abend essen und einen tollen Sonnenuntergang beobachten!
Die nächsten vier Tage bleiben wir hier. Ein bisschen muss am Hiasl repariert werden – der Kühlschrank macht sich manchmal selbständig und an der Leiter sind zwei Schrauben ausgerissen – und ansonsten genießen wir das warme Wetter! Mit unseren nächsten Nachbarn, Frank und Sandra mit ihrem roten Feuerwehr IVECO allmos-adventures.com wird geratscht. Endlich mal jemand, die ihren Allrad-Lkw auch mal ordentlich nutzen! In der Stadt schauen wir uns „alte Steine“ an, wobei uns die Exponate des kleinen Museums – toller Schmuck und filigrane Töpferwaren – richtig gut gefallen. Spannend ist natürlich auch die alte Clubanlage mit mittlerweile schönen Graffitis, Ordnern mit alten Rechnungen, Prospekte und nicht so verranzt wie das Saladi Hotel. Ein geöffnetes Restaurant hat sehr leckere Gavros, Lammkoteletts und gegrillten Kalamar für uns! Am Samstag decken wir uns auf dem Wochenmarkt noch mit viel Orangen und Grünzeug ein, bevor es dann am nächsten Tag weiter Richtung Osten geht.
Nach einer Nacht an einem Tamariskenstrand bei Aliveri mit ein paar Delphinen am Abend zieht es uns nun durch eine hügelige Landschaft hinauf zur kleinen Hafenstadt Kymi, wo wir es uns auf einem Parkplatz mit kleinem Badestrand gemütlich machen. Also nachdem wir den Parkplatz etwas von Müll befreit haben. Zum Baden ist es uns zu kalt und rund um den Hafen gibt es auch nicht viel Spannendes hier, und sobald die Sonne hinter dem Berg verschwindet, so gegen 16:45, wird es ziemlich frisch. Am nächsten Morgen zeigt unser Thermometer nur 3° an, brrr.
Heute wartet wieder mal eine kleine challenge auf uns. Um in die Stadt Kymi zu kommen, lassen wir uns auf einen sehr steilen Abkürzer ein, nur um oben festzustellen, dass wir partout nicht um die Kurve kommen, d. h. Wir müssen rückwärts wieder runter. Am liebsten wäre ich ausgestiegen, aber Wolfgang ist eh schon etwas angespannt. Alles geht gut, aber nicht lange. Denn die Durchfahrt durch den eigentlich sehr netten, quirligen Ort ist seeehr eng. Jetzt ist die Stimmung fast am Kippen und ich wage gar nicht zu fragen, ob wir einen Parkplatz finden wollen. Aber dann wird alles gut, denn wir haben eine wunderschöne Bergstraße ganz für uns allein mit prächtigen Ausblicken auf den noch schneebedeckten Dirfys 1743 m. Wir sehen hinab auf kleine Buchten an der Nordküste Euböas, kommen durch kleine Weiler und durch eine herrliche Berglandschaft. Traumhaft! Über enge Serpentinen geht es langsam runter in eine landwirtschaftlich genutzte Hochebene um Psachna und dann weiter zu dem alten Steinbruch am Lake Troupio. Dort bewundern wir noch einen Goldfischschwarm im türkisen Wasser, bevor wir uns wegen des starken Windes in den Lkw verziehen.
Heute ist Katastrophentourismus angesagt. Es geht nach Kria Vrissi, wo wir an einem „abgestürztem Haus“ vorbeikommen, dessen Fundament durch den hochwasserführenden Fluss unterspült wurde. Auch der Strand bietet ein schreckliches Szenario. Überall türmt sich das Treibholz, das der Fluss mitbrachte. Bagger sind gerade dabei, es zu großen Haufen zu schieben. Ich glaube, da sind sie noch eine Weile beschäftigt. Ein Minispaziergang am Strand bringt uns zu einer Art Höhle, nichts besonderes, aber wenigstens etwas die Beine vertreten. Zum Übernachten gefällt es uns hier nicht und fahren dazu noch nach Psaropouli an den Hafen. Hier ist total tote Hose, Internet geht auch schon den ganzen Tag nicht, also lesen und rummycup!
Im Norden Euböas haben vor etlichen Jahren Waldbrände gewütet, d. h. Es gibt kaum Bäume und wenn, dann unten angekokelt oder ohne Spitzen. Alles ist immer noch verdorrt, allerdings zeigt sich schon ein neuer Bodenbewuchs. Die Berge oder eher Hügel sind von riesigen Brandschneisen durchzogen. In den wenigen Ortschaften werden gerade die Flussbette verstärkt, sie sind alle voll mit Geröll und Baumstämmen. Alles ist etwas trist, wozu aber auch das Wetter beiträgt. An der Nordküste installieren wir uns am Hafen von Oroi. Nach einem langen Spaziergang durch das Dorf und hinauf zum Kastro, von dem aber nur ein paar Steine zu sehen sind, gibt’s in einer Bar windgeschützt hinter Plastik noch einen Wein und Bier.
Hurra Sonne! Wir fahren wenige Kilometer nach Agiokampos, von wo wir nach einer guten Stunde Wartezeit für 38,50 € eine halbstündige Seefahrt hinüber nach Glyfa machen dürfen. Tschüss Euböa, es hat uns sehr gut gefallen und wir werden bestimmt wieder kommen! Auf kleinen Straßen im schon gewohnten auf und ab steuern wir einen unscheinbaren Platz an dem weitläufigen Strand von Niés an. Dort haben wir dann viel Zeit die Wellen zu beobachten, ist immer wieder schön.
So ein Mist! Wolfgang beißt sich heute beim Frühstück ein Stück Zahn aus. Da wir in zwei Wochen eh zu Hause sein müssen, beschließen wir gleich die Heimreise anzutreten. Schade, denn gerade soll es endlich wärmer werden. Wir streben einen Übernachtungstal am Ende des Tempe-Tals an. Natürlich sind alle Straßen außer Autobahn für Fahrzeuge > 3,5 to gesperrt, aber daran darf man sich nicht halten, denn sonst kommt man in Griechenland nicht weit. Nach ewigem Rumgekurve stehen wir vor einer weggespülten Brücke und auf der großräumigen Umfahrung kommen wir zu einer eingestürzten Brücke. Heute ist so gar nicht unser Tag und wir sind total genervt. Das Gute: wir können mitten auf der Straße stehen bleiben und erst mal einen Kaffee trinken. In Platamonas erhaschen wir gerade noch den letzten Parkplatz am Hafen und leider bei den Mülltonnen, aber hilft nichts, draußen sitzen geht sowieso nicht mehr.
Weiter geht die Fahrt über für uns verbotene Straßen bis nach Methoni, zwischen Katerini und Thessaloniki, zu einem Vogelbeobachtungsturm. Am Abend kommen noch zwei niederländische Wohnmobile mit 5 Hunden und zwei Katzen. Wir gehen das letzte Mal griechisch essen und es ist wie immer sehr gut, aber diesmal auch ziemlich teuer. Aber man gönnt sich ja sonst nichts! Die Nacht verbringen wir mit viel Kojotengeheul und Hundegebell, grrr.
Da heute der Turm geöffnet ist, lassen wir uns von der Rangerin noch einiges zu der heimischen Vogelwelt erklären und sehen sogar noch ein Seeadlerpärchen! Dabei erfahren wir auch, dass die blauen und weißen Tonnen am Strand der Muschelzucht dienen, aber schlecht für die Vögel sind. Die letzten Kilometer in Griechenland uns durch große Obstplantagen und noch leere Baumwollfelder zur nordmazedonischen Grenze in Doirani. Im Gegensatz zum großen Grenzübergang bei Gevgelija sind wir hier die einzigen, alles ist entspannt und wir können für 1,04€/l unsere fast leeren Tanks mit Diesel füllen. Da kommt mal so richtig Freude auf! &00 m weiter ist ein schöner Platz am Doiran-See, zwar sehr windig aber immerhin mit zwei Pelikanen und Bewachung durch deutsche Bundespolizisten im Frontex-Auto. Da kann ja nichts passieren, oder?
Und wieder geht es steil rauf und runter nach Strumica, das wir aber nur kurz streifen. Auffällig ist der extrem viele Müll, der schon weit vorher links und rechts die Straße säumt. Auf dem Weg nach Stip kommen wir an riesigen Abraumhalden einer Gold- und Kupfermine mit einem ewig langen Förderband vorbei. Mehr Zeit haben wir nicht für Nordmazedonien und überqueren in Kumanovo bald die serbische Grenze. Wir fahren noch bis Aleksinac, wo uns das Navi wieder eine spannende Strecke für uns bereithält um zu einem Park zu gelangen. Mit Baucheinziehen klappt es auch! Mittlerweile hat es nur mehr 1° mit ein paar Schneeflocken. Wir sehen eine alte Frau, die die wenigen dürren Zweige aufsammelt. Wahrscheinlich zum Heizen. Ja, uns geht es gut, wir brauchen nur den Regler hochzudrehen.
Heute durchfahren wir fast ganz Serbien, das uns landschaftlich sehr gut gefällt. Es ist bestimmt eine Reise wert, aber nicht jetzt. Für uns geht es durch Belgrad hindurch und weiter nach Srbobran auf den selben Platz wie bei der Anreise. Die Fahrt war heute lang und wir brauchen einen Sundowner, Bier und Wein, und nützen wirklich die letzten Sonnenstrahlen aus, bevor sie hinter den Häusern verschwindet.
Unser Lieblingsschurkenland steht auf dem Programm: Ungarn. Seit 1. Februar wurden die Mautregeln nochmals verschärft. Das Ticket gilt jetzt nur mehr 120 min. Diese Hornochsen. Wir müssen drei Tickets buchen, was bei schlechtem Internet nicht immer auf Anhieb klappt und geraten in eine korrupte Polizeikontrolle. Nachdem sie nichts bei den Papieren oder Lkw zu beanstanden finden, ziehen sie ein überfahrenes Stoppschild aus dem Ärmel. Wir streiten ewig mit den Polizisten rum, geht auch von den 120 min ab, und sagen, sie sollen uns das Ticket schicken, denn Barzahlung machen wir nicht. (Bis heute (07.10.2025) ist nichts gekommen.) Wir machen ein Kreuzzeichen, als wir endlich in der Slowakei angekommen sind und uns auf dem bekannten Platz in Komaron eingerichtet haben. Mit noch einer weiteren Übernachtung in Tschechien bei Lukova erreichen wir am 22. März den kleinen Grenzübergang bei Rittsteig und sind dann kurze Zeit später wieder zu Hause.
Fazit:
Griechenland ist immer eine Reise wert und wir haben uns sehr wohl gefüllt. Dass wir ausgerechnet heuer ein relativ kaltes Jahr zum Überwintern erwischt haben, da kann niemand was für. Wir sind auf jeden Fall froh, dass wir mit dem Lkw unterwegs gewesen sind, denn im Pössl wären wir erfroren, also so halb. Auch war bei uns die Parksituation bis auf das eine Mal sehr entspannt, wir fanden fast immer schöne Plätze und fühlten uns willkommen. Wir können aber auch verstehen, dass die Griechen im Frühjahr die Reißleine gezogen haben, denn auf einigen Plätzen gibt es schon richtige illegale, deutsche Kolonnien. Manche stehen wochen- oder monatelang da, ohne auch nur einen Cent, bis auf ein paar Kröten bei Lidl, im Land zu lassen. Ja, wir vermeiden Campingplätze auch, zum einen sind die meisten am Meer und zum anderen im Winter geschlossen, aber man muss nicht immer im Rudel stehen und man kann doch wenigstens mal ein Kafenion oder eine Taverne aufsuchen.




















































































































































































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Anke Walkerling/Alte Urschel (Donnerstag, 16 Oktober 2025 19:06)
Was ein toller, lebhafter Bericht!
Ich habe ihn mit Freude und auch einem Schmunzeln an der ein oder anderen Stelle gelesen.
D-Anke auch für die enthaltenen Tipps, die uns sicher für unseren aktuellen Griechenlandaufenthalt nützlich sein werden.
Liebe Grüsse
Anke
Sylvi (Samstag, 18 Oktober 2025 10:33)
Dein Bericht ist wie immer sehr spannend und amüsant zu lesen. Und Deine Fotos sind toll!! Die Lost Places waren echt gut. Viele Stationen haben mich an unsere Reisen in GR erinnert.
Viel Glück auf eurer nächste Reise
Sylvi und Ludwig
CaRiBa2 (Dienstag, 21 Oktober 2025 22:38)
Super gemacht, fleissige Angelika - Danke!
War ganz schön kurzweilig mit EUCH in Hellas unterwegs zu sein.
Wir wünschen für den kommenden Winter ein spannendes und vor allem entspanntes Unterwegssein.
Herzliche Grüsse
Rita und Barni