Griechenland 19.09. - 07.10.23021

Die kleine Pontonfähre über den Vivari-Kanal bei Butrint ist uns zu teuer und so fahren wir über Manastir und Shkalla zum griechischen Grenzübergang bei Mavromati. Unsere Ausweise will man nur einmal sehen, dafür dreimal das Covid-Einreiseformular PLF und unser gelbes Impfbuch. Außerdem wird ein Corona-Schnelltest gemacht. Aber wir können gleich weiterfahren, unser negatives Testergebnis erhalten wir zwei Stunden später auf dem Handy. Vier Kilometer nach der Grenze installieren wir uns auf einem kleinen Strand: schöner Kiesstand, nette kleine Bucht und eine Süßwasserdusche! Zwei Tage wird nun gebadet, gelesen und auch diverse Hausarbeiten sind fällig.

 

Über eine kurvenreiche, aber tolle Bergstrecke geht es weiter nach Ioannina, wo wir zuerst die griechische Wirtschaft kräftig unterstützen, indem wir unsere Vorräte auffüllen, und dann noch eine gewisse Zeit im sehnlichst gewünschten Waschsalon verbringen. Es ist fast schon dunkel, als alles gewaschen und getrocknet ist, so dass wir nur noch schnell auf die Straße Richtung Pindos-Gebirge fahren und auf einem kleinen Parkplatz mit Supersicht über den See und die Stadt die Nacht verbringen. 

Da wir nur ungern Maut bezahlen, nehmen wir die alte Straße hinauf in die Berge in Angriff. Tolle Landschaft, aber eine Wahnsinnskurbelei für Wolfgang. Am Aoou-Stausee auf knapp 1400 m findet sich am Südufer ein schönes Plätzchen für uns. Mit den Rädern umrunden wir am Nachmittag noch den See, allerdings haben wir ganz schön mit Gegenwind zu kämpfen!

 

Die geplante Wanderung am nächsten Tag hinauf auf die Tsouka Rossa 1987 m entpuppt sich doch als ausgiebige Tour, denn die Pfade, mit denen man die weitausholende Schotterstraße abkürzen könnte, sind schlicht und einfach nicht zu finden bzw. begehbar. Im oberen Abschnitt versuchen wir es noch einmal, aber nur mit viel Gefluche und zerkratzten Beinen schaffen wir es irgendwie. Aber außen rum kommen halt statt 14 gute 20 Kilometer zustande und da rauchen dann die Socken ganz schön!

Heute müssen wir uns erholen und fahren ca. 60 km Richtung Osten in die östliche Zagória. In Kipoi laufen wir durch das recht gut restaurierte Dorf und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten im Mini Market. Als wir dann wieder losfahren wollen, sind die vorderen Bremsen fest. Es geht gerade noch so die paar hundert Meter bis zum Parkplatz an einer Steinbrücke. Dort ist nun erst mal eine Schraubereinheit fällig. Die Bremsbacken müssen neu eingestellt werden, da sie heute beim Herfahren wohl durch zu viel Gebremse heiß geworden sind. Als meine Handlangerdienste nicht mehr gebraucht wurden, habe ich Zeit mir die zwei Spezialräder einer französischen Familie anzusehen, die mit drei Kindern und entsprechend Gepäck und Anhänger mit Solarmodul unterwegs sind. Da kann ich nur sagen: Respekt!

Nach einer zapfigen Nacht - bei unserem Außenthermometer ging der Frostwarner bei 3° an - starten wir nicht allzu früh zu unserer „Brückentour“. Die zahlreichen Steinbrücken, mal ein-, mal dreibogig, mal mit Randbegrenzung, mal ohne, die eine steiler, die andere flacher, sind alle zusammen toll anzusehen. Sie wurden vor etwa 250 Jahren von privaten Spendern gebaut und teilweise sind auch noch die gepflasterten Zugangswege erhalten, so dass wir gut sehen können, wo die ursprünglichen Pfade verliefen. Durch dichte, schattige Wälder aber auch über felsige, sonnige Abschnitte kommen wir wieder nach Kipoi und Koukouli, ein sehr schön restauriertes Dorf, bevor es steil in die Vikos-Schlucht hinunter geht. Kein Tropfen Wasser im Fluss! Wir sind auf der Wanderung fast alleine gewesen, die meisten Leute fahren nur schnell auf einen Parkplatz und gehen ein paar Meter zu einer Brücke. Gut für uns!

Monodendri, das wohl bekannteste Zagoriadorf, gemessen an der Anzahl der Kneipen und Restaurants und am vollen Parkplatz, ist nur wenige Fahrkilometer weg. Wir laufen hinunter zum Kloster Agio Paraskevi. Das spannendste ist die einmalige Lage hoch über der Vikosschlucht. Monodendri reisst uns jetzt auch nicht vom Hocker, wahrscheinlich war die Erwartungshaltung zu groß, so dass wir noch auf gut 1200m rauf fahren und es uns auf einer Wiese neben der Straße bequem machen. Am Spätnachmittag laufen wir noch zu dem knapp 2 km entfernten Aussichtspunkt Oxia. Von der ausgesetztesten Stelle, nichts für Leute mit Höhenangst, hat man einen Superblick hinunter in die Schlucht. Es sollen so 900 Höhenmeter sein! Unser Platz auf der Wiese ist ja toll, aber es gibt dort kein Internet und das am Wahlsonntag! Gegen 22 Uhr halten wir es nicht mehr aus und ziehen mit Taschenlampe auf der Straße los, bis wir endlich ein bis zwei Balken auf dem Handy haben. Über das Ergebnis will ich mich jetzt nicht auslassen, nur so viel: es hätte schlechter kommen können!

Stadtbummel in Ioannina! Wir parken nahe bei der Festung und bummeln durch die Altstadt. In den Sträßchen, die den türkischen Einfluss nicht verleugnen können, wechseln sich kleine Handwerksbetriebe, Tante Emma Läden, sehr viele Wollgeschäfte mit Andenkenläden, Bars und Straßencafés ab. Als sich der Hunger meldet, kauft sich Wolfgang einen

Riesendöner und ich mir eine Riesenwaffel mit frischen Früchten. Die hat sehr gut geschmeckt! Danach besuchen wir das Viertel innerhalb der Stadtmauer uns stehen bald schon bei der Aslan Pascha Moschee, in der jetzt ein Museum untergebracht ist. Das Museum sparen wir uns, wir werden mittlerweile auch schon müde und beschließen noch ein Stück Richtung Meteora zu fahren. Wir müssen natürlich wieder übers Gebirge rüber und weil es zu Beginn auf der kostenlosen Autobahn gar so gut geht, wird es dem Hiasl wieder arg heiß. Dann spinnt auch noch unser Navi und will uns elendiglich weit durch die Berge schicken. Das brechen wir aber bald ab und brausen noch bis ca. 30 km vor Kalambaka auf einen aufgelassenen Spielplatz, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

Vor 32 Jahren habe ich mit dickem Bauch schon mal die Meteora-Klöster besichtigt und es hat sich kaum etwas geändert. Die Felsen mit den aufgepappten Klöstern sind immer noch sehr beeindruckend und war vor vielen Hundert Jahren für die ersten Eremiten ein optimaler Ort um in Stille und Abgeschiedenheit ihre Religion auszuüben. Wir besichtigen je ein Nonnen- und Mönchskloster. Steigen dazu viele Stufen rauf und runter und schwitzen ganz ordentlich in der Schwüle. Am Agia Triada, das auch in einem James Bond Film als Kulisse diente, beneiden wir die Bauarbeiter schon sehr, die in der noch bestehenden Seilbahn schnell mal rüber fahren können. Leider fängt es zu regnen an und wir treten den Rückzug an und fahren durch ein riesiges Baumwollanbaugebiet zum Lake Karla, wo wir auf einem Hügel ca. 50 m oberhalb des ziemlich leeren Stausees einen Lagerplatz finden. Etwas merkwürdig ist, dass auf der einzigen größeren Straße ein Fahrverbot für über 3,5 to besteht. Da wir das für Unsinn halten, ignorieren wir das mal.

Obwohl die Wettervorhersage schlecht ist, geht es für uns doch über die Hafenstadt Volos auf die Ostseite des Pilion, eine kleine Halbinsel nördlich von Euböa. Von der Landschaft sehen wir also gar nichts und von den griechischen Autos, die uns entgegen kommen leider auch nicht viel, da es es die meisten vorziehen inkognito, also ohne Licht, unterwegs zu sein. Als sich 600 m weiter untern der Nebel lichtet, sehen wir das die Maroni schon reif und sammeln gleich noch welche für unser Abendessen. Weiter geht es durch das „Südtirol“ Griechenlands. Apfelbäume ohne Ende und das auf steilen, terrassierten Berghängen. Die Ernte ist gerade in vollem Gang, was aber zur Folge hat, dass sehr viele Pick-ups mit vollen Apfelkisten auf der Straße sind um die Ware zu einer Fabrik bei Zagorá, dem Hauptort hier, zu bringen. Ein LKW-Fahrer signalisiert uns, dass ein „big truck“ von unten hoch kommt und wir hier warten müssen, da zwei Lkws nur an wenigen Stellen auf der engen Straße passieren können!  Wir sind dann schon froh, als wir endlich am Spätnachmittag in dem kleinen Ort Choreftó ankommen. Jetzt nach Saisonende ist es kein Problem in erster Reihe direkt am Wasser zu stehen, doch mit Baden ist erst mal nichts, da starker Wellengang herrscht und dies eigentlich nur für die Surfer optimal ist, die sich auch zahlreich im Wasser tummeln. Wir verbringen die nächsten vier Tage hier mit Mountainbiken, Wandern, Lesen und Nichtstun und am Abend lauschen wir nur den Wellen und den Grillen. Am letzten Tag flaut der Wind endlich ab, die Surfer ziehen weiter und wir können uns in die Fluten stürzen. Das Meer hat 24° und es ist einfach nur herrlich! 

So allmählich möchten wir nun nach Piräus um von dort nach Kreta zu fahren. Also wieder über den Pass, genauso nervig wie die Hinfahrt, und runter nach Volos. Einkaufen und ab zu einem Waschsalon. Leichter gesagt als getan! Wir verzetteln uns in einem Einbahnstraßengewirr mit immer enger werdenden Straßen, die natürlich auch noch beiderseits zugeparkt sind. Unsere Köpfe hängen links und rechts aus den Fenstern und zentimeterweise manövriert uns Wolfgang aus dem Labyrinth raus. Total nassgeschwitzt erreichen wir irgendwann eine breite Einkaufsstraße und finden dort, zwar im absoluten Parkverbot, einen Parkplatz. Mit dem Wäschesack laufen wir zum Waschsalon zurück, verbringen dort eine gute Stunde im offenen WLAN mit Updates und dem Herunterladen von frischen Hörbüchern, bis alles wieder duftet und trocken ist. Da wir heute so gar keine Lust mehr auf Stadtbummel haben und auch froh sind, dass wir kein Ticket bekommen haben, steuern wir ganz faul einen Platz in der Nähe an, den wir auf P4N gefunden haben. Er liegt toll ein paar Meter über dem Ufer am Golf von Pagassatikos und wir haben eine Superaussicht einschließlich bilderbuchmäßigen Sonnenuntergang. Zudem ist noch ein deutsches Paar mit Pick-up und Dachzelt hier gestrandet, mit denen wir einen interessanten Abend einschließlich Weinverkostung verbringen!

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei den heißen Schwefelbädern der Thermopylen - es ist immer noch nicht ansprechender geworden wie vor vier Jahren - mit einer Badeeinlage ziehen wir weiter durchs Landesinnere und wieder durch ewige Baumwollfelder und/oder Olivenplantagen bis wir nach einer weiteren Übernachtung im Nirgendwo endlich in Piräus ankommen. Am Ticketschalter können wir uns entscheiden: entweder für 420 € hin und zurück am heutigen Abend oder für 320 € morgen. Ganz klar morgen, zumal wir den Lkw im Hafengelände parken können. Am Nachmittag ziehen wir durch die Einkaufsstraßen, essen eine Kleinigkeit und hören dort einem Bouzoukispieler zu, der passenderweise genau als wir kommen das Lied: Ein Schiff wird kommen spielt. Am Yachthafen staunen wir dann über die millionenschweren Luxuskähne, die dort anlegen. Für eine Hafenstadt gefällt uns Piräus außerordentlich gut, so dass es uns nicht schwer fällt noch einen weiteren Tag dort zu verbringen. Die Auffahrt auf unsere Fähre der Minoan Lines geht zügig voran und wir können uns noch zwei Reihen von den deck chairs sichern,  wo wir, so gut es geht, die nächtliche Überfahrt nach Kreta verbringen.

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Kommentare: 1
  • #1

    hans-peter Mönckert (Samstag, 09 Oktober 2021 17:51)

    sehr interessanter Bericht, weiter so.