Italien 20.01. - 09.02.2020

Heute geht es für uns bergab! Bei Schneeregen rollen wir von den Sila-Bergen über eine richtig gut zu fahrende Schnellstraße vorbei an sanften, verschneiten Hügeln mit vereinzelten kleinen Höfen, kaum Dörfer, an die Küste bei Crotone. Bei einem kurzen Halt müssen wir uns erst mal unserer Daunenjacken entledigen. Puh, so eine Hitze! Durch scheußliche Hochhausviertel hindurch steuern wir einen Waschsalon an. Doch es sind alle Maschinen belegt, und er macht irgendwie einen komischen Eindruck, also den Rückwärtsgang rein und raus der Stadt hinunter zum Capo Rizzuto. Wir finden direkt an der Abbruchkante, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Straße fehlt hier auf so 10 Meter, eine kleine Parkbucht für uns. Der abendliche Spaziergang führt uns zu dem funktionierenden Leuchtturm und danach schauen wir noch in den Ort, zwecks Bar und so. Aber da ist nichts zu machen, da muss heute der hauseigene Rotwein herhalten. Und der Negroamaro aus Apulien ist nicht schlecht!

Eigentlich wollten wir uns hier ja eine Burg ansehen, aber die steht ein paar Kilometer weiter im Westen, in Le Castella. Sie liegt malerisch auf einer Halbinsel vor dem Ort, aber ist jetzt, wie nicht anders zu erwarten, geschlossen. Während der Saison von Mai bis August ist hier sicher der Teufel los, wenn man von der Anzahl der geschlossenen Bars und Restaurants ausgeht, aber heute tote Hose. Dafür können wir uns alles in Ruhe ansehen und müssen uns die engen Gassen nicht mit anderen Touristen teilen. Im Jachthafen liegen die meisten Schiffe zur jährlichen Überholung draußen, wodurch man auch mal einen Blick auf die versalzten Schiffsschrauben werfen kann. In dem kleinen Ferienort Cropani Marina gibt es doch tatsächlich einen Waschsalon. Kein Mensch da und alles sauber. Nach einer Stunde können wir mit einer großen Tasche frisch duftender Wäsche zu einem Parkplatz am Meer fahren, wo wir uns vor einem fast unendlichen Sandstrand für zwei Tage häuslich einrichten und nichts anderes als machen wie essen, trinken, lesen, spazieren gehen und Leute beobachten. Denn es erstaunt uns immer wieder, wie viel die Italiener rumspazieren. Immer ganz dick eingepackt, denn es hat ja nur 15° und Sonne pur, aber von in der Frühe an bis weit in die Nacht hinein. Das gefällt mir, keine Stubenhocker.

Nach einer halben Stunde Fahrt parkieren wir in der kalabrischen Hauptstadt Catanzaro auf dem Parkplatz bei der Standseilbahn ein. Für 1,50€/Person hin und zurück fahren wir mit der Seilbahn direkt hinauf in die Altstadt. Der Parkplatz ist gut zur Hälfte belegt, wobei ich denke, dass das meiste Pendler sind. Leider sind wir schon wieder mal so spät dran, wir waren noch einkaufen!, so dass bald sämtliche Rollläden runter gehen und wir relativ alleine durch die Gassen streifen. Auf einer Terrasse bei einem ehemaligen Kloster sehen wir die vielen Hügel, auf denen die Stadt erbaut ist. Manche sind so schmal, dass gerade mal zwei bis drei Hochhäuser draufpassen. Ganz schön mutig! Beim Gang durch die engen, verwinkelten Straßen riecht man unaufhörlich den Geruch frisch gewaschener Wäsche. Und sie hängt auch wirklich über all zum Trocknen. Diesen Anblick verbinde ich schon immer mit Italien! Am späten Nachmittag wechseln wir nun die Küstenseite und steuern südlich von Lamezia Terme einen breiten, unverbauten Strand an, den wir uns nur mit ein paar Anglern teilen. Während ich nach Strandgut Ausschau halte - und auch fündig werde - holt Wolfgang doch tatsächlich seine Angel raus und versucht sein Glück. Er zieht genauso wenig raus wie seine „Kollegen“, doch alleine der Anblick vor der tiefstehenden Sonne ist toll!

Es dauert heute nicht lange und wir sind in Pizzo, wieder ein typischer Touristenvorzeigeort, angekommen. Pizzo rühmt sich vor allem damit, den Tartufo erfunden zu haben. Ursprünglich eine Riesenkugel Schokoladeneis mit flüssiger Schokolade innen drin. Da können wir nicht nein sagen, zumal auf der Piazza die Cafétische einladend in der Sonne stehen. Wir entscheiden uns dann aber für einen Tartufo bianco, also mit Eis aus weißer Schokolade. Köstlich! Im Dorf hat fast jede Wohnung einen kleinen, schmiedeeisernen Balkon, auf dem sich fast immer jede Menge an Blumentöpfen, mit „Grünzeug“ wie Wolfgang sagt, befindet. Dadurch wirken auch die dunkleren Gassen oder nicht so schönen Häuser gleich viel freundlicher. Steile, enge Straßen führen wieder hinab ans Meer, wo mehrere kleine Buchten mit Sandstränden und einem sehr sauberen, klaren, azurblauen Wasser sind. Wir sitzen auf einer Mauer und genießen die Sonne, bevor uns Hunger und Durst doch wieder zum LKW hinauftreiben. Wir entschließen uns aber doch noch eine halbe Stunde nach Tropea zu fahren, wo es dann auf einem kleinen Platz neben dem Jachthafen direkt am Strand einen wohlverdienten Mittagssnack gibt. Am späten Nachmittag verzieht sich dann der Dunst über dem Meer etwas und wir entdecken endlich in weiter Ferne genau im Westen den Stromboli. Die Insel besteht quasi nur aus Vulkan, wobei 2000m unter dem Meeresspiegel liegen und gute 900m sind sichtbar. Der Vulkan ist daueraktiv, aber aus der Entfernung können wir weder bei Nacht und schon gar nicht bei Tag etwas erkennen. Wir hängen an dem schönen Ort noch einen Tag dran, erkunden über eine steile Treppe Tropeas Altstadt. Viele Bars, Restaurants, B&Bs, sehr touristisch, aber jetzt Gott sei Dank nicht. Die Einheimischen sind unter sich, treffen sich nach dem Einkauf auf einen Ratsch auf einem der zahlreichen Plätze, freuen sich an der Sonne, wie wir auch. Von einem Fischer kaufen wir noch ein Kilo Schwertfisch ab, der aber erst noch ins Tiefkühlfach wandert, da er gegrillt am besten schmecken soll! Die Männer gehen am Nachmittag zum Angeln oder besser gesagt zum Schnürlwaschen, denn wir können keinen einzigen Fang beobachten. Aber Hauptsache sie sind draußen. Das große Hafengelände wird am Nachmittag aber auch von den jungen Familien zum Spazieren gehen benutzt. Keine Autos und keine Steigungen, die für Kinderwägen immer nicht so ideal ist. 

Über eine arg holprige Straße geht es mehr oder weniger an der Küste entlang mit immer tollen Ausblicken auf kleine Häfen und sandige Buchten. Die Mandelbäume fangen gerade zu blühen an und für uns ist nun der Frühling da. Nicht ganz so bei den Italienern, wie uns heute morgen einer erklärte, der meinte nämlich, dass schon ein Hauch Frühling in der Luft liegt! Ab Rosarna fahren wir dann mal ein paar Kilometer auf der hier im Süden kostenlosen Autobahn. Und plötzlich sind wir in dickem Nebel eingehüllt. Vom Meer zieht das verdunstete Wasser hier die Berge rauf, denn wir sind immerhin schon wieder auf 500m. Doch dank der vielen Tunnel ist es nicht so wild und bald biegen wir sowieso rechts nach Scilla hinunter ab. Wir parken oben in der Stadt auf einem nicht ganz so tollen Platz - ziemlich vermüllt - und nur über enge Sträßchen und viele Einbahnstraßen erreichbar. Hoffentlich kommen wir da wieder raus. Wir laufen etliche Höhenmeter hinunter ans Meer, wo die Fischerhäuser bis direkt an die Wasserlinie reichen. Die Boote liegen in Minihäfen oder einfach in einem offenen Keller. Beim richtigen Hafen sehen wir dann bis hinüber nach Sizilien. Wir besichtigen noch die Burg Ruffo, machen noch beim abendlichen Giro am Strand mit und stärken uns für den anstrengenden Rückweg noch mit einem ordentlich gefüllten Glas Wein. Da hat es der Wirt wirklich gut mit uns gemeint!

So, bevor wir übersetzen füllen wir unsere Wassertanks noch mal aus einer Quelle in den Bergen hinter Scilla und dann geht es gleich zum Fährhafen nach Villa San Giovanni, wo wir bei Blueferries für 46€ ein einfaches Ticket hinüber nach Messina erstehen. Für die wenigen Kilometer ein stolzer Preis. Messina lassen wir dann gleich mal hinter uns und steuern den kleinen Ort Nizza di Sicilia an. Allerdings ist die Fahrt hierher nervenaufreibend! Ort folgt auf Ort und immer mit sehr schmalen Durchgangsstraßen, recht niedrig angebrachten Balkonen, chaotisch geparkten Autos und einmal eine ewig lange Beerdigungsprozession. Wir beenden den Tag mit einem langen Abendspaziergang entlang der Küste und finden dann auch endlich eine Post mit einem vertrauenswürdigen Briefkasten für unsere Postkarten.

Heute wollen wir auf Goethes Spuren wandeln! Auf geht’s nach Taormina. Von der Park4Night-App lassen wir uns zu einem kostenlosen Parkplatz unterhalb der Altstadt verleiten. Puh, da kommt sogar Wolfgang ins Schwitzen! Über eine einspurige Straße durch ein Wohngebiet mit sehr steilen Auf- und Abfahrten, lauter 90°-Kurven und unsere Lieblinge: die Balkone und die Querparker! Aber der Parkplatz liegt toll! Wir haben eine wunderbare Sicht auf die kleine Isola bella und es geht gleich um die Ecke eine steile Treppe hinauf nach Taormina. Entlang der Einkaufsmeile Corso Umberto (bei dem Namen müssen wir immer an einen Witz denken, leider nicht jugendfrei, somit kann ich ihn hier nicht wiedergeben) laufen wir von einem Stadttor zum anderen, schauen in die kleinen Gassen mit gepflegten Häusern und ganz und gar ohne Müll! Gestärkt mit Cappuccino und panino gehen wir hinauf zum teatro greco, das Amphitheater mit wohl der besten Aussicht weltweit: über die Stadt hinweg bis hinüber zum Ätna! Einfach fantastisch. Wir sitzen lange auf den Steinen in der Sonne und spazieren dann über einen verwunschen angelegten Park schön langsam wieder hinunter zum LKW. Die Auffahrt liegt uns irgendwie im Magen und so gehen wir es gleich noch an. Und prompt hat in einer der 90°-Kurven ein Smart geparkt. Wolfgang versucht sein Möglichstes, aber keine Chance. Ein Anwohner bemerkt es und holt dann von irgendwo den Autoschlüssel des Besitzers und kann dann nach ein paar Mal hin und her den Smart wegfahren und wir endlich um die Kurve. Puh, das hätte auch anders ausgehen können. Jetzt müssen wir dringend auslüften und fahren noch nach Giardino Naxos, wo wir bei einem sundowner die Nerven beruhigen.

Wir wollen nun von der nervigen Küste weg und fahren hinauf auf die Nordwestseite des Ätnas, nach Maletto, wo es an einem Brunnen einen Parkplatz mit herrlichem Blick auf den Berg gibt. Eigentlich wollen wir bloß noch ein wenig die Straße hinauf gehen, aber dann wird doch ein 2-Stunden-Spaziergang draus. Es war einfach so schön in den Eichenwäldern rumzustreifen, verwilderte Hausschweine und eine Rinderherde mitsamt Stier zu beobachten. Bei Superwetter unternehmen wir am nächsten Tag nochmal dieselbe Wanderung nur weiter hinauf und mit abenteuerlichen Zaunüberquerungen durch die Kuhweide. Der Ätna trägt immer eine weiße Rauchfahne, aber ab und zu stößt er momentan größere Aschefontänen aus. In den Nächten sehen wir diese als kleine rote Feuerwerke. Leider ergießt sich der kleine Lavastrom Richtung Südosten und ist somit nicht in unserer Sicht. Vor drei Wochen hat es hier das letzte Mal geschneit und so ist die Schneehaube schon mit vielen schwarzen Streifen durchzogen, aber trotzdem liegt in den schattseitigen Bereichen noch Schnee und auch dickes Eis in den Mulden.

Heute fahren wir über den kleinen Ort Bronte über eine mit Lavasteinen gepflasterte Straße hinauf zum Rifugio Grillo, wo es einen Picknickplatz mit Parkplatz gibt. Dabei durchqueren wir die alten Lavaflüsse von 1651 und 1843. So stelle ich es mir auf dem Mond vor, nur graubraunes Gestein zu riesigen Kuhfladen oder Steinmännern geformt, ganz selten ein Strauch oder Baum. Wir brechen zu einer Rundwanderung durch diese bizarre Lavalandschaft auf, vorbei an alten Nebenkratern, durch Eichen- und Kiefernwälder, immer mit Blick auf den Vulkan. Die Hirtenhunde einer Schafherde gehen uns aggressiv an und weichen erst, als wir ein paar Steine werfen. Und wir sehen die lange Reihe von Prozessionsspinnerraupen auf dem Weg - nomen est omen - und dann auf den Kiefern die dazugehörigen Nester. Ein toller Tag mit rauchenden Socken am Abend!

Also diese kleinen italienischen Städte sind einfach nicht für LKWs gemacht. Ein wirres Einbahnstraßensystem erfordert immer wieder nervtötende Abbiegungen und Zentimeterarbeit um an den parkenden Autos vorbeizukommen. Die Leute stehen dann immer wie gebannt am Straßenrand und beobachten uns genau. Endlich haben wir dann Nicolosi hinter uns und es geht in vielen Serpentinen hinauf zum Rifugio Sapienza auf knapp 1900m, weiter geht es mit dem Auto nicht mehr. Die Parkplätze sind etwas verwaist um diese Jahreszeit, doch die meisten Souvenirbuden sind geöffnet. Wir parken direkt hinter den Crateri Sylvestri interiore und superiore und stiefeln dann mit ein paar Italienern in Schneeanzügen!!!, Schnee liegt hier nur in homöopathischen Dosen, auf die beiden Krater hinauf. Das nahe gelegene Skigebiet wurde bei dem Ausbruch 2003 verschüttet und trotz anders lautender Angaben bis heute noch nicht wieder aufgebaut. Mit einer Seilbahn kann man für 30€/Person noch bis auf 2500m rauffahren, doch das ist uns zu teuer und auf der Fahrbahn für die Allradbusse, was es nicht alles gibt, hinaufzugehen, ist uns zu doof. So beschließen wir den Ätnaausflug und fahren noch ein paar Kehren hinunter auf einen kleinen Picknickplatz, der auch einigermaßen sauber ist. Leider ziehen Wolken auf, also wird es auch kein Feuerwerk geben heute Nacht.

Heute wollen wir mal so richtig Strecke machen. Bis Catania zuerst noch auf der Landstraße, aber dann auf die Autobahn. Doch nach 30 Kilometer ist der Spaß schon wieder vorbei und eine halbe Stunde später befinden wir uns auf einer grottenschlechten Bergstraße mit Schlaglöchern so groß wie Badewannen. Und darum kommen  wir dann auch erst gegen vier Uhr in den Monti Iblei an, dafür auf einem der schönsten Plätze bisher, am Wanderparkplatz für die Nekropolen, also Totenstädte, von Pantàlica. Die Sikuler siedelten hier vor ca. 3500 Jahren und beerdigten ihre Toten in kleinen, in den Kalkstein gehauenen Grabstätten. Über 2000 dieser Grabhöhlen soll es hier geben.

 

Bei strahlendem Sonnenschein erkunden wir heute die Anapo- und die Calcinara-Schlucht, wo wir immer wieder Blick auf die Grabhöhlen und die alten Siedlungen aus der Bronzezeit haben. Der Rundweg ist relativ gut beschildert, wir verlaufen uns nur einmal, und führt mehr oder weniger an einem der beiden Flüsse entlang. Wir schaffen es über die Steine fast immer mit trockenen Füssen die Flüsse zu queren. Oft geht es steil rauf und runter und es riecht herrlich nach wilden Blumen, nach Baumharz und nach Sonne. Wir sehen den ganzen Tag nur fünf Leute und für uns steht fest, dass dies die schönste Wanderung bisher ist! Darum legen wir auch gleich noch einen „Urlaubstag“ an dem tollen Platz hier ein. Der Wetterbericht sagt auch Temperaturen von bis zu 25° vorher und die genießen wir in Liegestuhl und mit einem spannenden Buch!

Kaum zu glauben, aber heute Morgen hat es geregnet bei nur sieben Grad, teilweise sogar Schneeregen. Das ist doch total verrückt! Wir lassen uns Zeit, bevor wir wieder durch die unangenehm engen Straßen von Ferla durchzirkeln und dann wegen einer Straßensperrung einen weiten Bogen an die Küste hinaus nach Syrakus machen. Gleich nach der Brücke hinüber auf den alten Stadtteil Ortigia gibt’s einen großen Parkplatz und dann ziehen wir die Kupuzen tief ins Gesicht und stiefeln durch die wunderschöne Altstadt. Beeindruckend ist der Dom, der auf 2500 Jahre alten Fundamenten eines griechischen Tempels im 7. Jh. n. Chr. errichtet wurde. Nach dem großen Erdbeben 1693 erhielt Syrakus wie viele Städte hier in der Gegend sein barockes Aussehen. Mal eine Kirche, ein Brunnen, oder ein offizielles Gebäude. Uns hätte es hier noch besser gefallen, wenn nicht so ein eisiger Wind gepfiffen hätte. Da konnte uns nicht einmal ein Barbesuch locken, denn die wenigen Sitzgelegenheiten befinden sich alle im Freien. Von Norden her türmen sich schwarze Wolken auf und wir fahren noch zu einem kleinen Hafenort, wo wir direkt neben den Fischerbooten einen tollen Platz finden.

Wir haben ja bis jetzt auf dieser Reise nur etwa zehn ausländische Touristen getroffen und da staunen wir nicht schlecht, als am Vormittag ein umgebauter Rundhauber um die Ecke biegt. Natürlich Deutsche, die jedes Jahr im Winter für ein paar Monate in die Sonne entfliehen. Da hat man sich einiges zu erzählen, vor allem, als sich herausstellt, dass wir mit der Frau viele gemeinsame Wohnorte hatten. Die Beiden müssen dann ihre zwei Hunde ausführen und wir spazieren noch zum Capo Ognina hinüber, wo wir auf ein riesiges Fenchelfeld treffen, das gerade von afrikanischen Helfern abgeerntet wird. Wir wollen nun ins Naturreservat von Vendicari, aber bei dem ersten angepeilten Parkplatz sehen wir nicht wirklich eine Stelle zum Stehenbleiben, außer bei einer verlassen wirkenden Wirtschaft. Ein Kläffer steht auch noch unentschlossen rum, auf unser Rufen tut sich auch nichts, da wenden wir lieber und versuchen unser Glück beim Haupteingang ein paar Kilometer weiter. Auch hier das Gleiche, also stellen wir den LKW ganz nahe an eine Mauer, so dass wir die Leiter noch rausstellen können und ein eventuelles Auto noch vorbei kommt.

Na endlich scheint heute wieder die Sonne und wir nehmen die Wanderung durch Vendicari in Angriff. Leider ist die Strecke Richtung Süden gesperrt, darum geht es für uns an Lagunenseen mit mehreren Kormoran- und Flamingokolonien in nördlicher Richtung los. Die Reste einer alten tonnara (Thunfischfabrik) sehen fast aus wie ein antiker Tempel, nur der Kamin passt nicht so recht ins Bild. Bei einer felsigen Bucht sitzen wir lange und schauen den fürs Mittelmeer doch recht großen Wellen zu, die ohne Unterbrechung eine nach der anderen auf den Strand prellen. Landschaftlich sehr schön hier, aber fürs Birdwatching ist gerade nicht Hauptsaison. Und stehenbleiben können wir hier auch nicht, also wieder ins Auto und es geht runter bis nach Portopalo, das mit seinem Kap der südlichste Punkt Siziliens ist, sogar südlicher als Tunis! Allerdings ist der angestrebte Hafenplatz nichts für uns, denn hier wird kommerzieller Fischfang betrieben und da würden wir nur im Weg rumstehen. Auch der Strand daneben fällt flach, denn hier ist es so vermüllt, dass es uns richtig graust. Also die Italiener sind schon ganz schöne Dreckbären. Gott sei Dank gibt es dann ein Stück weiter nördlich an der Küste eine rumpelige Kiesstrecke, da fährt dann doch nicht mehr jeder hin und wir haben einen tollen Übernachtungsplatz. Dank einem fast vollen Mond können wir die heftige Brandung auch noch in der Dunkelheit beobachten.

Zwei Riesentüten mit Schmutzwäsche brauchen einen Waschsalon und den soll es in Marina di Ragusa im Hafen geben. Total nervige Einbahnstraßenanfahrt und dann nehmen die Maschinen nur 0,50 ct oder 1 oder 2€ Münzen. Und das haben wir nicht. Also trinken wir in der Bar einen Kaffee und bitten beim Bezahlen um Münzen, aber da schüttelt der Wirt bedauernd den Kopf. So ein Mist, das hätten wir uns sparen können. Irgendwie sind wir angefressen und stellen uns dann auf einen einigermaßen sauberen Platz an die Küste, bisschen relaxen. Doch Wolfgang will nun partout den LKW abschmieren, wobei nicht immer alles so klappt und da ist es mit der angedachten Ruhe auch schon vorbei. Na dann halt ein anderes Mal.

Heute haben wir an einem Brunnen mit 14 Hähnen Wasser getankt! Da ist vielleicht ein Kommen und Gehen. Einem Mann gefällt unser Lkw so sehr, dass er uns gleich eine Tüte mit Tomaten schenkt. Danach steht die Barockstadt Ragusa auf dem Plan. Ist ja schnell ins Navi eingegeben, noch kurz einen Blick auf die Route werfen, ja passt soweit. Doch nach dem Durchqueren der Neustadt bekomme ich es ein bisschen mit der Angst zu tun. Zum angedachten Parkplatz geht es in sehr engen und steilen Serpentinen durch die Altstadt, natürlich auch noch mit Gegenverkehr und den immer zum ungünstigsten Zeitpunkt. Puh, Erholung ist angesagt und die bekommen wir dann reichlich, als wir durch Ragusa Ibla, der ersten Besiedlung der Stadt, laufen. Denn hier ist absolut tote Hose. Sogar die Kirchen sind zugesperrt, auf dem schönen Domplatz ist gerade mal eine Bar geöffnet. Wir gehen alles ab, in sehr vielen Häusern sind B&Bs untergebracht, wo wir durch den Eingang in oft schöne Innenhöfe schauen können. Wir schauen, dass wir noch unsere Wäsche gewaschen kriegen und brausen noch schnell nach Chiaramonte Gulfi, wo wir bei einen abgewrackten Hotel etwas außerhalb übernachten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    hans-peter mönckert (Mittwoch, 19 Februar 2020 18:45)

    einfach toll den bericht zu lesen, weiterhin gute fahrt