Lettland 27.05. - 07.06.2019

Ein mickriges Schild am Straßenrand zeigt uns an, dass wir uns nun in Lettland befinden. Es gibt hier kaum mehr diese kleinen, putzigen Holzhäuser, Stein und Ziegel ist wieder angesagt. Nicht geändert haben sich die Automarken: an erster Stelle Volvo, gerne in groß und Allrad, gefolgt von den drei deutschen auch in groß und Allrad, dann gibt es noch Skoda im Angebot und ein kleiner Rest Japaner etwas kleiner und ohne Allrad. Hier legt man halt Wert auf dicke Schlitten, denn die stehen dann vor einer höchstens mittelprächtigen Bude. In der Kleinstadt Bauska schauen wir uns dazu passend ein Automuseum an. Dort stehen ein paar schöne deutsche Oldtimer, diverse protzige Russenkarossen und man glaubt es nicht auch drei lettische Fahrzeuge. Nicht mal Wolfgang wusste, dass es einen lettischen Fahrzeughersteller gab. Da es regnet, fahren wir gleich weiter zum nächsten Highlight, zum Schloß Mežotne. Über eine schwimmende Brücke gelangt man über einen Fluss zum Schloß. Eine sehr glitschige Angelegenheit heute! Zudem wurde genau zwischen Brücke und Gebäude gebaggert, überall ist Batz, puh, das hätten wir uns sparen können. Bisschen schlecht gelaunt fahren wir nach Tervete weiter. Der Platz an einem Badesee ist schön, aber leider wieder batzig. Am Abend, wir können es kaum glauben, kommt die Sonne kurz raus und wir drehen noch eine Runde am See entlang.

Oh nein, es regnet schon wieder! Da es fast kein Umweg ist, stoppen wir am Pokaini-Wald. Dies ist ein „mystischer“ Wald, wo viele Wege entlang Steinhaufen und Felsbrocken angelegt sind, die gut für den Geist sein sollen. Im Hochsommer hätte das bestimmt seinen Reiz gehabt, doch mit Schirm über rutschige Holzbohlen und Treppen zu stolpern und vermooste Steine ansehen, ist uns nach einer Stunde doch etwas auf den Geist gegangen und wir haben geschaut, dass wir aus dem Wegelabyrinth wieder rausfinden. Hat auch geklappt! Wolfgang klemmt sich wieder hinter’s Steuer und nach einer etwas eintönigen Landschaft mit riesigen Feldern erreichen wir Kuldiga mit den berühmten Venta Wasserfällen. Naja, von Wasserfall kann man fast nicht sprechen, die Höhe beträgt maximal zwei Meter. Aber die Breite von gut 200 Metern gibt schon was her. Kuldiga hat einen etwas morbiden Charme, aber mit Fußgängerzone und vielen kleinen Läden ausgestattet. Gut gefallen hat uns der Alko-Outlet. Dort gibt es wirklich alles was das Säuferherz begehrt. Wir haben uns auf zwei Dosen Bier und eine Flasche Rotwein beschränkt.

Irgendwas ist heute Morgen anders. Ach ja, es regnet nicht. Spontan beschließen wir noch mal durch die Stadt zu bummeln und es gefällt uns diesmal wirklich sehr. In den Nebenstraßen entdecken wir viele schöne alte Häuser, eine orthodoxe Kirche, Holzskulpturen von der Technikschule und einen schönen Stadtpark mit vielen Bronze- und Steinskulpturen. Die Wetterprognose ist für die Küste besser, also fahren wir nach Ventspils, der größte Hafen Lettlands. Wir installieren uns dann auch gleich direkt am Hafen ein und fahren dann mit den Rädern in die Stadt und einmal kreuz und quer darin herum. Hier wird vor allem russisches Öl aus den Pipelines in den Westen verschifft. Mit dem Fernglas können wir gut die Anlegemanöver der riesigen Frachter beobachten. Dank der langen Nächte machen wir uns gegen halb zehn noch auf zu einem Strandspaziergang. Dazu müssen wir nur neben dem Parkplatz über die Düne gehen und dann geht es ewig über feinstem Sand. Allerdings weht ein eisiger Wind und kurz bevor wir völlig erfrieren,  drehen wir dann um und können den tollen Sonnenuntergang leider nur mehr aus dem Fenster bestaunen.

 

Wir haben Glück und heute ist in Ventspils Markt. Dort decken wir uns mit Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst und Käse ein. Alles sieht sehr appetitlich und frisch aus. Für die Blumen und Pflanzen haben wir leider grad keine Verwendung, auch den neongrünen Slip lasse ich mal am Stand. Wir wollen nun rauf zum Kap Kolka, das die Ostsee von der Rigaer Bucht trennt. Unterwegs machen wir bei einem Leuchtturm Halt, der mitten im Wald steht - zumindest sehen wir ihn vom Strand aus nicht. Kurz danach fahren wir in den Nationalpark Slitere ein. In Mazirbe wandern wir zu ein paar Schiffswracks, die mitten in einem Wald liegen. Sieht schon skurril aus, wenn aus dem Bug ein Baum wächst. Die Strecke ist arg langweilig, sie führt schnurgerade durch ewige Kiefernwälder. Am Kap angekommen parken wir auf einem Platz bei einem Aussichtsturm, genießen in der Windstille des Autos die Sonne und einen klitzekleinen Hugo, bevor wir nach dem Abendessen noch eine runde am Strand laufen.

Man glaubt es nicht, aber das Wetter ist schon wieder bescheiden heute Morgen. Dick eingepackt wegen des Windes spazieren wir die paar Minuten hinauf zum Kap Kolka. Wir machen das obligatorische Foto mit den zwei Steinhaufen und sehen draußen in der See, ca. sechs Kilometer vom Festland entfernt den Leuchtturm von Kolka. Und wie es der Zufall so will treffen wir hier Barbara und Raimund und Conny mit Hans. Nach einem kurzen Plausch verabschieden wir uns mit den Worten: Wer weiß, vielleicht treffen wir uns mal wieder. In dem Ort Kolka bleiben wir kurz stehen um geräucherten Fisch zu kaufen. Ein Stück Makrele und so ein längliches Teil. Ich tippe auf Aal, Wolfgang meint nein, Aal ist das nicht. Sie schmecken beide gut, aber der längliche hat grüne Gräten! Na, so sieht man sie wenigstens gut. Google klärt uns später auf: es ist eine Aalmutter. Wir bleiben nun immer nahe an der See, fahren durch schöne Kiefernwälder, ab und zu ein kleines Dorf. Alles ist wie überall hier sehr gepflegt, es wird immerzu gekehrt, kein Abfall liegt rum. Häuser gibt es in allen Varianten. Von winzig und aus Holz bis zu großen mit sehr moderner Architektur. In jedem Dorf gibt es zumindest einen Minisupermarkt und eine Bushaltestelle. Wir unterbrechen die Fahrt für einen Strandspaziergang, denn mittlerweile ist die Sonne rausgekommen und hier in der Rigaer bucht ist auch fast kein Wind zu spüren. Am Engure-See lassen wir ins auf einem Wanderparkplatz nieder und natürlich sind hier auch wieder die üblichen Verdächtigen!

Eine Wanderung führt uns am Vormittag zu einem Aussichtturm in das Vogelschutzgebiet. Außerdem wurden hier vor ein paar Jahren speziell rückgezüchtete, robuste Rinder ausgewildert, ebenso wilde Pferde, die angeblich noch das Erbgut von den ausgestorbenen Tarpanpferden in sich haben. Wir haben je eine kleine Rinder- und Pferdeherde gesehen. Und Unmengen von Möwen, die auf einer Insel ihre Nistplätze haben, Gänse, Enten und ein paar kleine Schlangen. Heute haben wir volles Programm und so rumpeln wir noch weiter in den Kemeri-Nationalpark. Dort gibt es einen knapp vier Kilometer langen Bohlenweg, der die Besucher durchs Moor führt. Es geht vorbei an Zwergkiefern und Minibirken, an braunen Seen und morastigen Wiesen. Es ist eine ungewöhnliche Landschaft, doch leider sind wir zu früh dran um auch diverse Orchideenarten zu sehen. Wir übernachten dann gleich hier auf dem Parkplatz. Conny und Hans kommen auch noch hinzu. Da hier wirklich alle Deutschen mit der blauen „Bibel“ rumfahren, ist es kein Wunder, dass man sich immer wieder trifft. Was ja auch schön ist, jeder erzählt, was er so gemacht und gesehen hat, was sich rentiert, wo man gut stehen kann.

So ein Stress! Um 12 Uhr beginnt die free walking Tour in Riga. Davor müssen wir aber erst noch hinfahren, uns auf einem Campingplatz installieren und mit den Rädern in die Stadt fahren. Aber alles kein Problem, um halb zwölf sind wir vor dem Haupteingang der St. Peter-Kirche und warten auf den Mann mit dem gelben Koffer. Da dann die Gruppe doch recht groß ist, wird noch schnell ein zweiter tourguide dazu gezogen und pünktlich ziehen wir dann mit ca. 25 Mann gemischter Nationalitäten los. Diesmal ist es keine Altstadttour, sondern ein Gang durch wirkliche Riga. Raimunda spricht ein schnelles Englisch, wir müssen uns ganz schön konzentrieren um alles zu verstehen. Sie erklärt viel über die lettische Identität und man merkt, dass sie stolz ist Lettin zu sein. Durch die unterschiedlichen Besatzer, die alle miteinander nicht gerade zimperlich waren, Flucht  und Deportationen in beiden Richtungen, war es für die Bevölkerung dann ein Bedürfnis endlich eine Nationalität zu sein. Wie immer sind wir nach so einer Tour platt, brauchen dringend Kaffee und was zum Essen, bevor wir noch alleine durch die Altstadt schlendern. Innerhalb der ehemaligen Stadtmauer durfte aus Feuerschutzgründen nur in Stein gebaut, doch außerhalb sieht man noch viel Holzhäuser und Holzkirchen. Am Abend gehen wir in den Ala Folkklub, ein uriges Kellerlokal mit vielen Biersorten und lettischen Speisen.

 

Bevor wir wieder in die Natur fahren, decken wir uns auf dem riesigen Rigaer Markt - fünf Zeppelinhallen und noch das Gelände außenrum -  mit Kirschen, Erdbeeren, Gemüse, Fisch, Fleisch und Käse ein. Aufgeladen bringen wir unsere Schätze zum Auto und peilen unser nächstes Ziel an. Einen Waschsalon. Dort machen wir die kurze Bekanntschaft mit einer jungen französischen Familie, die mit ihren zwei kleinen Kindern in einem Expeditionsmobil Richtung Mongolei, China, Südostasien unterwegs ist. Freunde von ihnen, mit denen sie sich in ein paar Tagen treffen, haben uns am Kap Kolka gesehen und anscheinend fotografiert, denn die Frau zeigt uns auf ihrem Handy ein Bild von unserem Hiasl! Ich finde es toll, was die jungen Leute heute alles machen. Wir sind da weder auf die Idee gekommen, noch hätten wir das finanziell auf die Reihe bekommen. Wir fahren nun über eine Schnellstraße in den Gaujas Nationalpark um uns ein paar Tage zu erholen. Wolfgang möchte noch in ein Holzkunstmuseum, das auf dem Weg liegt. In einem weitläufigen Park stehen sehr viele Holzskulpturen, Kunstobjekte, aber auch Einbaumboote oder Holzhäuser. Es sind schon tolle Sachen dabei. In einer Werkstatt kann man unzählige Hobel, Sägen und andere Werkzeuge ansehen und nebenbei den Teilnehmern eines Workshops beim Arbeiten zusehen. In dem kleinen Ort Ligatne finden wir dann endlich nach zwei Fehlschlägen einen tollen Stellplatz an der alten „Handfabrik“ der ehemaligen Papierfabrik.

Wir wollen endlich mal wieder eine Radtour machen. Bei einem Infozentrum des Parkes sehen wir eine eingetragene Tour, mit Trail bezeichnet, auf einer Karte und fragen die Dame, ob das auch mit unseren Rädern machbar ist. Ja, ja sagt sie und wir machen uns auf den Weg. Zuerst ein breiter, weicher Waldweg, dann ein Pfad mit vielen Wurzeln, der sich um die Bäume rumschlängelt und dem Lauf der Gauja folgt. Leider hat diese jedoch viele Zuflüsse und da gibt es dann jedes Mal sehr steile Auf- und Abfahrten. Wolfgang hat Angst wegen seinen dünnen Reifen und bei mir hat sich wohl Sand in der Schaltung festgesetzt, denn sie funktioniert eher nicht als schon. Dazu kommen dann steile Treppen mit Rad tragen, da ist uns dann am Ende, als die Treppen gar nicht mehr aufhörten, doch ganz schön die Puste und die Lust ausgegangen. In Sigulda habe ich dann gleich eine Konditorei gestürmt und Wolfgang ein Mittagsbuffet! Die Burg begutachten wir nur von außen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Wenig Teer, viel Wellblech, das sehr unangenehm wird, wenn von Autos eine Sandwolke aufgewirbelt wird. Lustig ist das Schild, das auf ein Skigebiet mit Schlepp- und Sessellift hinweist. Unser Höhenmesser zeigt exakt 111 m ü. NN an. Und die Hügel hier sind vielleicht 25 Meter höher. Hmmm…

 

Und weil es gestern gar so schön war, fahren wir heute gleich noch mal Rad. Wir suchen uns eine Nebenstrecke in das kleine Städtchen Cesis aus. Okay, Wellblech wie immer, aber zuerst wenig Verkehr, da eine Brücke für Autos nicht passierbar ist. (Wie wir gestern auf der Stellplatzsuche zu unserem Leidwesen bemerkt haben!) Wir kommen an einem Alpakahof vorbei und bleiben kurz stehen um die Tiere anzuschauen, Da kommt recht schnell eine Frau auf uns zu und erklärt uns, dass das hier privat sei und anscheinend auch Schauen nicht erlaubt ist?! Nun wird es auch noch tiefsandig und wir sind dann froh als wir in Cesis ankommen. Nun das Übliche: Burg von außen, Kirche von außen, weil diese renoviert wird und ein Restaurant von außen, weil es unverschämte Preise hat. Der alte Stadtkern mit seinen Holzhäusern ist nett zum durchgehen. Bei der Touriinfo benutzen wir das Wlan zum Updaten der Handys. Dafür hat sich der Ausflug doch schon gelohnt! Allerdings sind dann die 30 km Rückweg auch kein Zuckerschlecken, zumal wir uns in einem Wald verfahren und auf der Offroadstrecke für die Toyotafahrer landen. Tiefen Schlamm mögen wir gar nicht, also ist mal wieder Schieben angesagt. Schlussendlich erreichen wir die kleine, handbetriebene Fähre über die Gauja und nach den letzten Kilometern halten wir uns nur noch im Schatten mit einem kühlen Getränk und einem Buch in der Hand auf.

So, Urlaub beendet. Über Sigulda und einem kurzen Stopp in Turaida, hier steht wieder mal eine Burg, fahren wir wieder an die Küste nach Tuja auf einen Parkplatz mit direktem Strandzugang. Barbara und Raimund mit ihrem Iveco stehen auch schon da. Das passt ja. Wolfgang und ich testen dann gleich mal das Wasser. Warm ist es schon, sogar sehr warm, aber für meinen Geschmack zu viel Grünzeug drin. Es kostet mich schon etwas Überwindung durch den Algengürtel zu waten. Aber ich hab’s überlebt! Den Abend verbringen dann die Ivecofahrer unter sich. Später gesellen sich noch diverse Mücken dazu. Und heute ist mal so ein richtiger Urlaubstag. Am Vormittag, weil es da ja angeblich noch kühl ist, bei sengender Hitze in die Ortschaft gelaufen, ein Eis gekauft und dann dummerweise über den Strand zurückgelatscht. Großer Fehler, denn hier gibt es gar keinen Schatten. Dann Kaffeepause und danach Baden und faul am Strand liegen. Anschließend Abendessen und wieder faul rumsitzen. Aber Lettland belohnt uns dafür an unserem letzten Abend hier mit einem tollen Sonnenuntergang gegen 23 Uhr.

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