Litauen 15.5. - 26.5.2019

Unsere erste Anlaufstelle in Litauen ist nahe des kleinen Ortes Veisiejai im gleichnamigen Nationalpark ein idyllisch gelegener Parkplatz an einem kleinen See mit Picknickplatz und Plumpsklo. Eine kurze Regenpause haben wir dazu genutzt uns die Füße zu vertreten und sind auf den Wanderwegen am See rumgelaufen. Leider haben zwanzig Meter über eine Wiese gereicht, dass wir nasse Socken bekommen haben. Wir entdecken ein paar Ferienhäuser mit vielen Storchennestern. Doch als sie uns sehen, fliegen sie auf und davon. 

Am nächsten Morgen kommt die andere Seehälfte dran, vorbei an den sehr spärlichen Überresten einer Burg. Bevor aus dem Nieselregen ein richtiger Schauer wird erreichen wir Gott sei Dank das Auto und machen uns auf nach Merkine. Dort wurde ein Aussichtsturm errichtet mit einem wunderschönen Blick auf das Nemunastal. Bloß halt nicht heute. Doch gemäß dem Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, schlüpfen wir in die eh schon feuchten Schuhe und Jacken und spazieren hinüber zum Burgberg von Merkine. Die Litauer haben anscheinend die polnische Sitte übernommen überall Treppen und Stufen anzulegen. So führt auch hier eine glitschige Holztreppe die paar Meter hinauf, doch von der Burg aus dem 16. Jahrhundert ist gar nichts mehr zu sehen. Das Dorf besteht aus vielen kleinen, teils bunten Holzhäusern, wovon die meisten noch mit Kohle beheizt werden, wie man deutlich riechen kann. Wenn nicht überall eine Satellitenschüssel auf dem Dach wäre, würde man nicht glauben, dass in so winzigen Hüttchen jemand wohnt. Auch die Kirche ist nicht in bestem Zustand, aber ein paar Frauen pflanzen eifrig Blumen außen rum. Erstaunt sind wir dann, dass die Schule relativ neu ist, mit ordentlichen Fenstern und einen guten Sportplatz.

Dank des Whatsapp-Status haben wir erfahren, dass die Leni und der Hans aus Ostermünchen gerade eine Reise durch Litauen machen und so verabreden wir uns spontan auf Kaffee und Bier in einer Kneipe im jüdischen Viertel von Vilnius. Leider haben sie nicht viel Zeit, es ist ihr letzter Tag und sie müssen bald ins Hotel um dann heimzufliegen. Aber wir haben uns sehr gefreut die beiden zu sehen.

 

Wir laufen bei angenehmen Temperaturen noch durch die Altstadt, bis es auf einmal heftig zu regnen beginnt. Da flüchten wir, wie auch alle anderen, unter einen größeren Balkon und sprinten dann von einem Vorsprung zum nächsten. Doch nach 15 Minuten ist es schon wieder vorbei und wir schauen noch mal zum Hiasl, den wir auf einem Parkplatz beim Burgberg stehen haben. Alles ganz modern. Beim Einfahren wird das Nummernschild eingelesen und wenn man dann rausfährt, gibt man es wieder am Kassenautomat ein, bezahlt und dann öffnet sich die Schranke. Also wenn wir schon mal in der Stadt sind, wollen wir auch noch was davon haben. Wir laufen hinüber nach Užupis. Früher ein verrufenes Viertel, doch in den 90er Jahren haben sich hier Künstler angesiedelt und gleich noch die freie Republik Užupis gegründet. Mit eigenem Präsidenten, einer Verfassung, einer 12 Mann starken Armee, eigene Briefmarken, Stempel und sogar ein Visum gibt es. Heute ist es eine der teuersten Gegenden Vilnius. Obwohl es schon zehn ist, ist es fast noch taghell, aber wir sind müde und nach einem Absacker schlafen wir selig.

Um halb elf sind wir am Gediminas-Denkmal um an einer free-walking-Tour teilzunehmen. Wir sind wie immer die einzigen Deutschen, aber unser Guide, eine junge Litauerin, spricht ein für uns sehr gut verständliches Englisch. In zweieinhalb Stunden zeigt sie uns die Altstadt, das alte Universitätsviertel, das jüdische Viertel, Užupis und erklärt viel über Kirchen, Synagogen, die diversen Besatzer. Am Ende sind wir ziemlich platt, aber nach einer kleinen Stärkung schaffen wir es noch zur Markthalle, wo wir uns fürs Abendessen eindecken. Später am Parkplatz, der bis auf den letzten Quadratzentimeter zugeparkt ist, amüsieren wir uns köstlich über die unglaublichen Fahrkünste der Einheimischen. Die dazugehörigen Einwinker sind aber auch nicht besser. Wolfgang wäre am liebsten rausgesprungen und hätte ihnen beim Einparken oder auch nur beim um die Kurve fahren geholfen! Dadurch dass wir heute 29° hatten, ist es jetzt am Abend leider etwas diesig, so dass wir vom Burgberg nicht so eine tolle Sicht haben. Aber trotzdem geniessen wir den letzten Abend hier.

 

Da es in Litauen kein Ladenschlussgesetz gibt, nutzen wir das aus und gehen heute, am Sonntag, endlich in einen Waschsalon - mit einem Super-Wlan - und anschließend füllen wir mal unsere Vorräte wieder ordentlich auf. Danach geht es flott über die Autobahn oder sagen wir mal Schnellstraße, denn es gibt hier Bushaltestellen und Fußgängerübertritte, nach Grabuciškes, auf einen Parkplatz mit Sandstrand am Kaunasser Meer. Decke, Sonnenbrille und Buch!

Das Wetter ist schön und wir holen die Räder runter. Auf der Karte ist sehen wir einen Weg abseits der Straße zum Freilichtmuseum bei Rumšiškes. Zuerst geht es auf einem Forstweg rauf und runter durch einen Wald. Dann wird der Weg zu einem Pfad und auf einmal ist ein abgeschlossener Zaun vor uns. Leider müssen wir über das Gelände. Also die Räder drüber heben und selber über den Zaun kraxeln. Doch leider ist bald kein Pfad mehr da, nur mehr dichtes, nasses Gebüsch. Als wir da durch sind, sehen wir aus wie begossene Pudel. Ha, doch jetzt kommt noch das extrem steile Schiebestück hinauf zu einem Parkplatz. Ein total schöner, urtümlicher, dichter Mischwald, in dem es herrlich riecht! Und fahren können wir auch wieder. Über einen Hintereingang gelangen wir auf das weitläufige Gelände des Museums. Jede Region Litauens ist mit alten Bauernhöfen, Ställen, Mühlen, Werkstätten u.v.m. vertreten. Sogar eine Kleinstadt wurde originalgetreu wieder aufgebaut, einschließlich einer Kneipe, wo es feinen Cappuccino für uns gibt. Das Herumstöbern in den offenen Häusern, die auch zeitgemäß eingerichtet und dekoriert waren, hat uns sehr gut gefallen. Doch der Himmel wird zusehends grauer und wir machen uns auf den Rückweg. Doch diesmal die längere und geteerte Strecke , wovon dann jedoch die Hälfte eine üble Wellblechpiste ist. Wir kommen trocken an, das Unwetter verzieht sich und wir sitzen noch lange am Lagerfeuer mit den beiden Tölzern Conny und Hans, die heute Nachmittag hier angekommen sind.

Motorenlärm weckt uns am Morgen. Als wir vorsichtig aus den Fenstern schauen, sehen wir ein halbe Kompanie Bundeswehrsoldaten mit Kat und Unimogs. Nach einem Plausch erfahren wir, dass hier in Kürze eine NATO-Übung mit Ausbildung stattfinden wird. Gut, dass wir nach dem Frühstück weiterziehen. Da wir fast kein Wasser mehr haben, fahren wir in Kaunas auf einen Campingplatz. Teuer, laut, öde, zu wenig Sanitäranlagen und nicht gerade das schnellste Wlan. Wir schwingen uns auch gleich auf die Räder und fahren am Fluss entlang in die City. Heute wird nur von außen angeschaut. Die Burg und das Rathaus mit seinem weißen Glockenturm, wo wir dann die Räder stehen lassen. In der Fußgängerzone in der Altstadt reiht sich eine Kneipe an die andere, dazwischen ein paar Souvenirläden, Kopfsteinpflaster. Ganz am Ende der Fußgängerzone in der Neustadt erhaschen wir einen Blick auf eine große Kirche mit Kuppeln. Da wollen wir hin, doch hier ist eine einzige Großbaustelle und das nervt gewaltig, denn entweder kann man nur auf der linken oder nur auf der rechten Seite gehen und das Ganze auf groben Schotter. Die Kirche ist dann auch nicht der Hammer, also latschen wir wieder alles zurück, kaufen uns in einer Bäckerei was Süßes für das Gemüt. In den Nebenstraßen sehen wir wie man hier wirklich lebt, etwas heruntergekommen, viele Mülltonnen, aber auch Bäume in den Hinterhöfen und viele sonnige Balkone. Wir radeln noch etwas in der Stadt rum, aber bald haben wir keine Lust mehr und verbringen den Rest des Tages am CP mit Lesen und Fotos sortieren.

 

Heute fahren wir an der Memel entlang bis Vilkyškai, wo der Fluss eine Schleife macht und sich an die russische Oblast Kaliningrad schmiegt. Unterwegs klettern wir auf zwei Burgberge hinauf, wo außer einer guten Aussicht nichts ist und besuchen noch das Schloss Panumane, vor allem wegen des ungewöhnlichen graublauen Anstrichs. Toll ist hier die gerade stattfindende Kunstausstellung. Bei einer Kaffeepause am Fluss gesellen sich Barbara und Raimund zu uns, die auch gerade das Baltikum mit ihrem IVECO bereisen. Es ist immer interessant sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Und danach finden wir einen ganz tollen Stellplatz auf einer kleinen Lichtung am Beginn der Flussschleife. Gerade als wir einfahren, hoppelt ganz langsam ein Hase davon. Ab jetzt hören wir nur noch Vogelgezwitscher, das Schlagen der Schwäne beim Starten aus dem nahe gelegenen Weiher und später das Knistern von unserem Lagerfeuer. Einfach traumhaft!

Auf der anderen Seite der Memelschleife gibt es eine Storchenkolonie, was wohl ungewöhnlich ist, also ist wieder eine Radfahrt vorgesehen. Doch auf Grund der starken Wellblechpiste und ziemlichen Gegenwind haben wir für die 18 km hinüber nach Bitenai doch länger gebraucht als gedacht. Zumal wir auch noch das russische Ufer mit den Ruinen einer alten Papierfabrik genauer betrachten mussten. Wir entdecken dann ca. sieben Storchennester, die auch alle besetzt sind und die meisten sind in den Baumwipfeln angelegt, was Störche eigentlich nicht machen. Weiter geht es zum „heiligen“ Berg Rambynas, na ja. Über eine Holztreppe wieder mal, steigen wir runter zur Memel, aber so richtig vom Hocker hat uns dieser Ort jetzt auch nicht gerissen. Hunger und Durst melden sich, also strampeln wir die Runde weiter, zuerst durch unangenehme tiefsandige Wege, zurück zum Hiasl. Noch etwas relaxen und dann spulen wir noch ein paar Kilometer ab nach Minija, ein kleiner Fischerort mit bunten Holzhäusern entlang des Flusses. Am Hafen darf man nächtigen und dort stehen auch schon Conny und Hans, in der Hoffnung für morgen eine Fährpassage hinüber auf die kurische Nehrung zu erhaschen. Nach dem Abendessen laufen wir noch den Weg am Fluss entlang und staunen über die teils neuen, teils sehr gut restaurierten Häuser. Störche stacksen in den Gärten herum, die Fischer kehren nach Hause und uns pfeift allmählich ziemlich der Wind um die Nasen, so dass wir dann froh sind bald wieder im warmen Auto zu sitzen.

 

Über eine Ruppelpiste erreichen wir Svencele, ein Surfer-Spot. Zurzeit gibt es dort nur ein sauteuren Campingplatz und eine Container-Bar, doch außen rum ist eine riesige Baustelle. Wenn alles fertig ist, wird es hier einen eigenen Hafen geben und darum herum gruppiert ca. 50 mittelgroße, moderne Häuser für bis zu acht Personen, wie wir einem Plakat entnehmen können. Auch heute machen sich gerade viele Surfer mit ihren Brettern zum Wasser auf. Doch Strandspaziergang ist hier nicht, so fahren wir weiter, bis wir einen gebührenfreien Parkplatz finden und gehen ein paar Schritte zum Strand runter. Der Abschnitt ist hier noch ziemlich wild, von der steilen Abbruchkante stürzen regelmäßig Bäume runter, alles bleibt so, wie es ist. Man kann hier herrlich an der Wasserlinie entlanglaufen. Später dann, in Palanga, ist es so, wie es sich der Urlauber wünscht: 24 km feinster Sandstrand, ab und an Toiletten, Badeaufsicht, Bars. Bei 14° Wassertemperatur hält sich der Andrang der Badenden noch arg in Grenzen, doch Sonnenanbieter liegen schon genügend rum. Dem Bräunungsgrad nach zu urteilen, wohl auch schon länger! Die Wettervorhersage für die Küste ist nicht so toll, so dass wir wieder ins Landesinnere abzweigen. Vorbei an einer schönen alten Holzkirche mit extrigem Glockenturm steuern wir einen kleinen See mit toller Übernachtungsmöglichkeit an.

Nicht weit haben wir es heute morgen zum Orvydas Garten. Ein Steinmetz hat hier während der sowjetischen Säuberung die meist von ihm hergestellten Kreuze und Grabsteine wieder gesammelt und der Sohn hat danach mit anderen Fundstücken und Kunstwerken einen einzigartigen Skulpturengarten erschaffen. Wir stiefeln lange darin herum, an jeder Ecke entdecken wir was Neues. In Šiauliai ist mal wieder Großeinkauf angesagt, allerdings ist heute Samstag und wir bekommen keinen Parkplatz beim Supermarkt. Also mit Fiat 500 wäre schon was gegangen, aber mit dem Hiasl… In einer Nebenstraße klappt es dann doch und als dann Euros und Waren den Besitzer gewechselt haben, fahren wir gleich weiter zum „Berg der Kreuze“. Ursprünglich ein christlicher Ort, wurde daraus während der Sowjetzeit ein Ort des Widerstands gegen dieses Regime. Die Sowjets rückten mehrmals mit Bulldozern an, aber die Litauer errichteten immer wieder ihre Kreuze. Eine Tafel zeigt an, dass es 200.000 Kreuze sein sollen. Kommt mit etwas viel vor, aber nachzählen wollte ich auch nicht. Erstaunt sind wir über viele Kreuze mit asiatischen Schriftzeichen. Der Wind wird nun recht unangenehm und wir schauen, dass wir ins warme Auto kommen und fahren auch noch 100 km bis kurz vor Biržai auf den Parkplatz bei der Kuhhöhle. Hier stürzte einmal eine Kuh in eine der vielen Karsthöhlen. Über eine steile Treppe kann man in das Loch hinab steigen und sieht eine kleine Öffnung, wo es in ein unterirdisches Seenlabyrinth gehen soll. Allerdings müssten wir da erst noch eine Diät machen!

 

Der Wind hat sich auch über Nacht nicht gelegt und so gehen wir zu Fuß über die Felder nach Biržai. Dort ist der Hund begraben, doch Gott sei Dank hat der kleine Laden der ansässigen Brauerei Birzu Alus geöffnet und Wolfgang kann sich hier ein spezielles Bier kaufen. Noch einmal kurz um das Schloss rum und schon sind wir wieder auf dem Rückweg. Da fällt uns ein, dass heute ja unser letzter Tag in Litauen ist und wir noch keine Zeit hatten, Essen zu gehen. Also noch schnell einen Abstecher nach Rinkuškai, wo sich die nächste Brauerei befindet, ins Restaurant gemacht. Das Essen, Bier und Wein sind sehr gut gewesen, aber leider keine litauische Küche, eher italienisch bzw. asiatisch angehaucht. Gut gesättigt wandern wir zurück zum Auto und beschließen gleich noch eine Nacht hier zu verbringen. Der Grund: hier gibt es mitten im Wald eine Säule mit offenem Wlan und einer Usb-Ladestation für Handys! 

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