Marokko 07.04. - 24.04.2018

Der kräftige Wind heute Nacht hat uns unsere Ersatzplane für die Räder mal wieder zerfetzt, jetzt müssen sie eben ohne Schutz auskommen. Weiter geht es durch eine etwas eintönige Landschaft, die durch langgezogene Straßendörfer unterbrochen wird. Die vorherrschende Häuserfarbe ist ein helles Rotbraun, wie die umgebende Erde. Winzige Lebensmittelläden wechseln sich mit Autowerkstätten ab, dazwischen mal ein Schnellimbiss oder eine Teestube. In Aït Ridi steigen wir auf einen pilzförmigen Aussichtsfelsen, vorher müssen wir allerdings mal wieder ein paar hartnäckige Kinder loswerden. Manchmal geht uns ihre Bettelei schon auf die Nerven. Ganz besonders nervt es mich, wenn einer der Jungs seine Hand zur Pistole formt. An einem Ziehbrunnen für die Tiere machen wir Kaffeepause und sind doch überrascht, wie tief der Wasserspiegel unten ist. Ich schätz mal so an die 15 Meter. Schorsch und Wolfgang hängen sich an die Pumpe, aber ich fürchte unsere Tiere müssten verdursten! Am Spätnachmittag haben wir endlich Tinerhir erreicht. In einem Laden mit Alkohollizenz gibt es mal wieder etwas Nachschub für unseren Bier- und Weinvorrat. Bei knapp drei Euro pro 0,5 l Bier und sieben Euro für die günstigste Flasche Wein fällt der Einkauf allerdings recht spärlich aus. Wir laufen noch ein bisschen durch die Stadt und entdecken dabei einen Polsterer! Dieser spricht kaum französisch und so machen wir mit ihm mit Händen und Füßen aus, dass er unsere drei Vordersitze neu bezieht, sie morgen gegen 11 Uhr am Campingplatz Ourti abholt und am Montag um 10 Uhr dort wieder abliefert. Preis: 55 Euro für alle drei Sitze inklusiv Stoff und allem!

Wolfgang und Schorsch wollen heute eine Schraubereinheit einlegen, d. h. abschmieren (beide LKW), Keilriemen wechseln, Bremsen einstellen und Ventile einstellen. Dabei würden Marina und ich nur im Weg umgehen und so laufen wir in die Stadt und wandern von hier auf einen Hügel rauf, von wo wir einen guten Blick auf Tinerhir haben, hinunter in die Palmengärten und kommen dann mitten im Zentrum raus. Dort gönnen wir uns einen frisch gepressten Fruchtsaft, bevor wir am Nachmittag wieder am Camping aufschlagen. Am Abend gehen wir zum Essen gleich gegenüber. Der Hendlgrill hat es uns angetan! Sie schauen köstlich aus und riechen auch so, und wir sind zuerst enttäuscht, als wir zu viert ein Hendl bekommen. Ein paar Minuten später sind wir jedoch heilfroh darüber, denn der Gummiadler ist zäh wie Schuhsohle! Wahrscheinlich dreht er schon seit ein paar Tagen seine Runden.

 

Während wir auf unsere Sitze warten, kaufe ich mit Marina noch auf Suq gleich gegenüber ein. Wie immer ist das Angebot reichhaltig und fast immer von guter Qualität und außerdem macht es einfach Spaß durch die Reihen der Händler zu schlendern, hier eine Erdbeere zu probieren oder dort einen Kokosschnitz. Nach zähen Verhandlungen erstehe ich einen neuen Wasserkessel, der Verkäufer tut zwar so, als ob er nun verarmen würde, aber ich bin mir sicher, dass er noch ein Geschäft gemacht hat! So gegen drei Uhr kommt nun Wolfgang endlich mit einem Tuktuk und unseren Sitzen. Sie sehen wirklich gut aus, wir bauen sie gleich ein und starten dann gleich noch weiter. Nach 20 km finden wir im Nichts einen wie wir glauben etwas windgeschützten Platz. Wir spannen sogar noch eine Plane zwischen den Autos, aber lange halten wir es draußen nicht auf. Ich bin gespannt, ob sich der Wind irgendwann mal legt. So schön langsam geht er uns auf die Nerven, grr.

Über die gut ausgebaute N10 und ab Tinejdad die R702 geht es weiter nach Erfoud. Hier machen wir eine kurze Pause zum Besorgen von schwereren Dingen wie Wasserkanister, Softdrinks und Kartoffeln. Nach einem kleinen Imbiss, es gab salade maroccaine, Hamburger und casse-crôute, einem Eis als Nachtisch machen wir uns auf zur Ostumfahrung des Erg Chebbi. Anfangs rollen wir noch gemütlich über Teer an den vielen Korallenriffen mit den ebenso vielen Steineverkäufer vorbei, bis es dann endlich auf die Piste geht. Die Hauptspur ist nerviges Wellblech, doch nur wenige Meter daneben ist entspanntes Fahren auf steinigem Sand möglich. Als wir uns den ersten Dünen nähernschauen wir nach einem Platz für die Nacht, möglichst fernab der inzwischen zahlreichen Zeltcamps. Wolfgang und ich fahren voran und einmal nicht aufgepasst und schon sanden wir ein. Bei dem Spruch: Einmal versuch ich es noch, habe ich allerdings ein dejà-vu an Griechenland und bestehe darauf sofort Luft abzulassen, bevor das Ganze in eine größere Schaufelaktion ausartet. Das dauert natürlich eine geraume Zeit, Schorsch lässt vorsichtshalber auch schon mal ab und siehe da, wir kommen sofort frei! Da es nun doch schon fünf Uhr ist, bleiben wir gleich da, holen unser Holz vom Dach und machen ein Feuer um darauf zu grillen. Außer dem Knistern des Feuers hören wir nichts, einfach himmlisch!

 

Wir wollen auf die höchste Düne hier rauf, doch dazu müssen wir noch etwas näher ran. Es macht richtig Spaß durch den Sand zu cruisen. Wir peilen einen kleinen Palmenhain an und lassen dort die LKWs stehen. Natürlich alles künstlich angelegt, ein kleines Camp ist dahinter. Wenigstens sind hier noch die dunkelbraunen Stoffzelte, bis jetzt haben wir nur die weißen Plastikzelte gesehen. Als wir einen Angestellten fragen, wie weit es in etwa bis zur Düne ist, meint er dreißig Minuten.  Doch bis zum Fuß sind noch etliche kleine Dünen zu überwinden, das heißt immer wieder rauf und runter, bevor es dann endlich über den Kamm hinauf geht. Und natürlich ist es jetzt genau 12 Uhr. Schorsch kehrt um und bei mir ist der Ehrgeiz erwacht. Ich schaffe es in 45 Minuten bis auf den Top. Bald danach trudeln auch Wolfgang und Marina ein. Doch genau in dem Moment beginnt ein Sandsturm. Im Nu knirscht es zwischen den Zähnen. Wir machen uns so schnell es geht vom Acker und müssen den Rest des Tages im Windschatten bzw. später bei 37° im Fahrzeug verbringen. Fenster öffnen ist auch nicht gut, innerhalb kurzer Zeit ist alles mit einer feinen Sandschicht bedeckt.

 

Kein Dunst mehr am Morgen und wir machen uns wieder auf die Piste. An einem trockenen Brunnen treffe ich ein Mädchen. Ana, 12 Jahre alt und sie spricht ein paar Brocken französisch. Sie erzählt mir, dass sie noch drei Geschwister hat, Mama und Papa zu Hause sind und sie in Merzouga zur Schule geht, zu Fuß natürlich und dazu malt sie die Zahl 11 auf den Boden. Wir können leider nicht klären ob sie 11 Minuten meint - eher unwahrscheinlich - oder 11 Kilometer, klingt plausibel, wäre aber doch sehr weit. Sie zeigt mir ihren Lieblingsbaum, klettert mit mir in der alten Tamariske rum und wir verbringen viel Zeit mit dem Malen im Sand und ich sage ihr dazu die französischen Vokabeln. Als wir uns Kaffee machen reiche ich ihr ein Glas Orangensaft noch aus Portugal, aber da verzeiht sie das Gesicht; er ist ihr zu sauer. Als ich ihr erkläre, dass Zucker nicht gut für die Zähne ist, lacht sie. Leider sind auch ihre Zähne schon braun verfärbt. Sie wird das Schicksal der meisten Marokkaner erleiden, von denen die wenigsten noch mehr als (gruselige) Zähne im Mund haben. Am Schluss brausen wir weiter durch Sand auf Merzouga zu. In einer längeren Aktion befüllen wir die beiden LKWs wieder mit Luft, da Schorsch keinen Schlauch mit hat, geht es nur nacheinander und das zieht sich. Am Spätnachmittag erreichen wir den Campingplatz Haven la Chance. Recht neu, noch wenig Schatten, aber es werden schon fleißig Palmen, Olivenbäume und Granatapfelbäume angepflanzt. Ob das, wie auch die ganzen anderen künstlichen Bepflanzungen gut für den Grundwasserspiegel ist, wage ich zu bezweifeln. Ebenso ist ein Pool vorhanden und recht saubere und intakte Sanitäranlagen. Heut ist unser letzter gemeinsamer Abend und so sitzen wir noch lange bei Kerzenschein vor den Trucks und führen wie jeden Abend mehr oder weniger tiefsinnige Gespräche!

Nachdem wir uns von Marina und Schorsch verabschiedet haben, machen wir uns auf den Weg nach Rissani. Ein paar Kilometer weiter westlich zweigt in nördlicher Richtung eine Piste zum Krater Lamdouar ab. Dieser, von oben ziemlich rund Berg, ist innen, ähnlich wie ein Vulkankrater, fast leer; er wurde von den Franzosen als Militärlager benutzt. Man sieht noch Mauerreste, auch der einzige Zugangsweg auf der Westseite wurde von ihnen mit Steinen eingefasst. Es gibt zwei Bäume, bei einem installieren wir uns und spazieren auch gleich hinauf auf den Kraterrand. Dieser Berg ist wie auch all die anderen Hier ein Überbleibsel aus der Zeit, als hier noch alles mit Wasser bedeckt war und so können wir einige fossile Abrücke von Ammoniten entdecken. Später kommt eine spanische Tourigruppe mit einheimischen Führern an und  gegen die Leihgabe von zwei Weingläsern erhalten wir eine Pizza bèrbère. Sehr gut, mit Fleisch, Mandeln und vielen Gewürzen gefülltes Fladenbrot. Am Abend bekommen wir noch Besuch eines jungen Schweizer Pärchens mit einem VW-Bus.  

 

Und weil es uns hier so gut gefällt, beschließen wir noch einen Tag hier zu bleiben. Es gibt gemeinsame Handarbeitsstunde mit Andi und Sandra. Dabei wird geknüpft, geschnitzt, Schmuck gemacht und gestrickt. Sehr lustig! Später spielt Andi noch auf dem Didgeridoo und danach holt er noch seinen Bogen raus und gibt sich dem „meditativen Bogenschießen“ hin.

 

So schön langsam geht uns das Essen aus und wir müssen weiter. Auf dem Weg nach Jorf treffen wir auf unzählige kleine Erdhügel. Erst als wir auf einen hinaufklettern, erkennen wir, dass das alles Brunnen sind. Doch wie das mit den hunderten Brunnen funktioniert und wozu so viele, das erschließt sich uns nicht. Nicht mal meinem Technikgenie Wolfgang. In Jorf klappen sie gerade die Gehsteige hoch und wir können gerade noch etwas Gemüse und Brot kaufen und schon sind wir wieder weg. Auffällig ist, dass die Frauen hier ziemlich schwarz verschleiert rumlaufen. Ein bisschen Sprit für die nächsten Tage wäre auch gut, aber erst an der vierten Tankstelle in Erfoud können wir mit Karte bezahlen. Denn Geld abheben am heutigen Sonntag ist auch nicht möglich. Wir rollen nun wieder nach Merzouga, diesmal direkt im Ort zum Camping Le Petit Prince. Zur Feier des Tages (eigentlich kein besonderer Anlass) bestellen wir ein Menü für den Abend: Salat, Tagine mit Hähnchen und Obst inkl. Wasser für 70 DH pro Person. Die Krönung des Ganzen: eine Flasche Bordeaux für 150 DH! Man gönnt sich ja sonst nix. Hier auf dem Camping treffen wir per Zufall eine Gruppe Berliner Motorradfahrer, mit denen wir schon im Krater geratscht haben. Einer von ihnen ist öfters in Amerang und vielleicht besucht er uns mal - falls wir gerade zu Hause sind.

Nach Wasserbunkern, was bei dem Wasserdruck hier geraume Zeit in Anspruch nimmt, und endlich Briefmarken kaufen und Vorräte aufstocken geht es los auf die Piste Merzouga - Zagora. Die ersten 25 km sind noch auf Teer, aber ab Taouz geht das Geschaukele los. Es kommen uns viele Lastwägen entgegen, die schwer mit Gestein beladen sind. Hoffentlich hört das irgendwann mal auf, denn a) zieht der eine Riesenstaubfahne hinter sich, die fahren auch was die Karre hergibt! und b) muss einer von uns raus, breiter ist es nicht. Bei einer Pause im Schatten einer Akazie kommt ein Junge auf einem Mofa angebraust und erzählt uns, dass jetzt dann viel Fech-Fech, also Weichsand, kommt. Ja, wir haben davon gelesen und versuchen dann ihm ausführlich zu erklären, dass wir es alleine probieren wollen und auf seine Dienste als Guide verzichten werden. Doch der Bursche ist zäh, er fährt lange mit uns, vielleicht hofft er uns beim Schaufeln zusehen zu können. Gott sei Dank gibt er dann auf, Wolfgang ist schon etwas angepisst. Bei einer Auberge machen wir noch einen Teestop. Auch hier warnt uns der Besitzer vor Fech-Fech, nun aber zwischen Ramlia und Sidi Ali. Die Hauptpiste wäre mit unserem schweren Truck nicht zu machen. Aufgrund des vielen Regens gibt es viel Schlamm im Flussbett, der nun mit Sand bedeckt ist und nicht auszumachen sei. Auch er kennt natürlich einen Guide. Als wir dankend ablehnen, sagt er aber, dass es noch eine kleine Piste nördlich um Ramlia gibt, zwar mit viel Sand, aber ohne Schlamm. 25 km vor Ramlia schlagen wir unser Lager im Schatten zweier Akazien auf, machen ein Feuer und genießen unseren Hühnereintopf aus dem Potje. Als dann der Mond aufgeht und der Sternenhimmel rauskommt und nur mehr ein paar Fledermäuse um uns rumschwirren ist der Abend perfekt, zumal wir auch noch ein Gläschen Wein hervorzaubern.

 

Gegen neun fahren wir weiter, die LKWs sind nun auch weg und wir schaukeln zwischen den schwarzen Bergen durch, die von rotem Sand zugeweht sind. In Ramlia winken uns ein paar Jungs schüchtern zu, keiner will was von uns - auch ungewöhnlich - und wir nehmen die nördlichste Route. Zuerst geht es durch die kleine Oase durch, eine Hirtin fragt nach Wasser. Wir geben ihr gerne eins, doch eigentlich halten wir nur ungern an, denn der Sand nimmt allmählich zu. Es hilft alles nichts, wir müssen in das Oued hinein, wo wir ein paar angetrocknete alte Spuren erkennen und hoffen, dass es hält. Das geht erstmal gut. Wir fahren nach Gespür in nordwestlicher Richtung. Der Sand ist weich und tief, doch der Hiasl hält sich wacker, wenn man bedenkt, dass wir noch keine Luft abgelassen haben. Das geht so an die vier Kilometer und wir sehen schon das Sandende, noch eine kleine Düne und da passiert es! Wir stecken fest. Also raus, Luftablassen und den Sand vor den Reifen wegschaufeln. Und beim zweiten Anlauf sind wir wieder frei. Wie schon die letzten Tage zuvor ist blauer Himmel mit ca. 32° im Schatten, so dass wir in der größten Mittagshitze eine längere Pause einlegen. Wir treffen auf drei deutsche LKWs, die von Zagora kommen und tauschen uns über die Pistenverhältnisse aus. Und später dann im Nirgendwo taucht wie eine Fata Morgana eine Hotel-Kasbah am Horizont auf und gleich daneben ein Mobilfunkmast.  Na da müssen wir doch gleich mal schauen, was auf Facebook so los ist, hehe! Kurz nach Sidi Ali biegen wir links ab, da wir südlich über Nesrate nach Zagora wollen. Leider geraten wir da in eine französische Rallye hinein. Der Rennleiter weist uns höflich darauf hin, dass uns viele Fahrzeuge entkommen und wir doch bitte etwas aufpassen sollen. Okay. Bei den ersten paar Quads, die Vollpower an uns vorbeidonnern, weichen wir noch aus, aber dann haben wir genug und zwingen die unzähligen Geländewägen, Quads, Motorräder und Racetrucks uns auszuweichen. Scheiß auf deren Wertung, uns reicht der Staub, den wir schlucken müssen. Auf einer brettlebenen Fläche steuern wir die einzige Akazie weit und breit an, das Abendprogramm ist genauso schön wie gestern, allerdings hören wir immer noch die Rallyefahrzeuge, die bis spät in den Abend hinein mit Christbaumbeleuchtung hinter uns vorbeirauschen.

Die Landschaft ist nun eintöniger geworden, fast nur mehr Steinfelder mit Sand vermischt. Das Fahren ist ruppig, man ist eigentlich immer auf der Suche nach der Ideallinie, die man aber nur selten findet. Es ist sehr heiß und die Luft am Horizont flimmert. Obwohl wir nach Westen fahren und die Sonne noch hinter uns steht, ist gleißendes Licht. Nur mehr ab und zu sehen wir ein paar ausgetrocknete niedrige Sträucher, aber einige davon haben ganz frische, leuchtende, gelbe Blüten! Wir passieren zwei Militärposten, denen wir unsere vorbereiteten „fiches“ in die Hand drücken, kommen an einem Ziehbrunnen vorbei, wo sich eine Gruppe Esel und eine Gruppe französischer Motorradfahrer aufhalten. Kurz darauf kommt uns ein Franzose mit Minilastwagen und kleinem Wohnaufbau entgegen und äußert Bedenken zu unserer Weiterfahrt. Er meint, wir wären zu breit für den kommenden Streckenabschnitt über zwei Pässe. Doch Wolfgang sagt, vor eng hat er keine Angst! Und eng ist es auch wirklich nicht, aber sehr ausgewaschen und hohe Stufen. Da ging es nur mehr im ersten Gang mit Untersetzung. Der Hiasl hat gestöhnt und geächzt, aber er schafft es ohne Probleme auf den Pass rauf und genauso heftig drüben wieder runter. Auch wir sind nun müde, denn wir sind nun acht Stunden unterwegs und haben gerade mal 75 km geschafft. Wir stellen uns mitten in diese steinige, schwarze Wüste, müssen aber wegen des starken Windes leider drinnen essen.

 

Wir haben noch 25 km bis Nesrate vor uns, wo wieder der Teer beginnt. Doch auch die haben es wieder in sich. Der nächste Pass ist wie gestern, Gott sei Dank nicht so hoch. Und als wir meinen, jetzt geht es nur mehr eben dahin, gibt es Wellblech vom Feinsten, egal wo man fährt. Bald kommen die ersten Häuser in Sicht. Auf den dazugehörigen Kleinstfeldern liegen die Getreidegarben schon abgeerntet da. Eine Überschlagsrechnung  zeigt mir aber, dass der Ertrag mäßig ist. Als wir die Straße erreichen, halten wir um die Reifen endgültig auf 4 bar aufzupumpen, denn aufgrund der immer wieder zu querenden Sandfelder, sind wir die letzten Tage nur mit 3,5 bar gefahren. Auf der Fahrt nach Zagora sehen wir, dass im Draa noch etwas Wasser steht und das Flusstal im frischen Grün in der ansonsten eher kargen Landschaft leuchtet. In Zagora fallen wir in die nächste Konditorei und kaufen leckeren Kuchen und gönnen uns dazu feine Obstsäfte. Danach fahren wir zur Garage Iriki, wo wir den LKW waschen lassen und einen Ölwechsel machen lassen wollen. Wolfgang ratscht mit dem Chef und sie kommen überein, dass hier auch gleich noch unsere hinteren Federpakete neu gemacht werden. Denn von Federspannung kann hier keine Rede mehr sein. Er meint, wir können dann gleich hier im Auto schlafen und sie würden sofort mit der Arbeit beginnen. So vier bis fünf Leute wuseln nun um unser Auto rum, doch arbeiten tut nur einer. Wolfgang kann das gar nicht mit ansehen und nach dem Abendessen schmeißt er sich in seinen Blaumann und zeigt ihnen mal, wo der Bartl den Most holt! Um halb elf kommt er ölverschmiert und todmüde rein und ich sehe mich schon die nächsten Tage hier auf der Straße verbringen, oje.

 

Zwei weitere spannende Tage hängen wir noch vor der Werkstatt ab. Zudem ist gerade viel Sand in der Luft und es geht ordentlich Wind, was mich nicht so arg motiviert irgendwas alleine zu unternehmen. Mal abgesehen vom Einkaufen auf dem Markt oder ein kurzer Spaziergang - ausnahmsweise mal mit Wolfgang - in die Palmeraie. Die meisten Felder liegen brach, es ist heiß und staubig und macht nicht so richtig Spaß. Also noch schnell einen Orangensaft in der Stadt trinken, bevor wir wieder unsere Arbeiter beaufsichtigen. Denn das ist leider nötig, wenn wir hier nicht verrotten wollen. Kaum dreht man sich um, versuchen sie immer meditativ Probleme zu lösen!

Am Sonntagabend ist es endlich soweit, die hinteren Federpakete sind neu aufgesprengt, eine zusätzliche Blattfeder kam dazu, eine gebrochene Feder musst leider geschweißt werden, hoffentlich hält das auch. Es wird noch ein Foto mit der gesammelten Mannschaft gemacht und wir ziehen ein paar Meter weiter auf den Campingplatz „Les jardins de Zagora“.

 

Der Platz ist gekiest, also ist heute mal Großreinemachen angesagt. Sämtliche Fenster müssen von Sand befreit und geputzt werden, ebenso das Fahrerhaus, die Garage wird komplett ausgeräumt und gereinigt, der Hiasl bekommt noch einen neuen Luftfilter, innen wird durchgesaugt, Betten frisch bezogen und Wäsche gewaschen und zu guter Letzt noch ein paar Lackierarbeiten und schon sind wir fertig und können die Harira und Tagine von Mohammed genießen.

 

Wir verabschieden uns erst mal von Zagora und fahren nach Agdz. Unterwegs halten wir in Tinzouline um das alte Ksar anzuschauen. Die meisten der Lehmmauern sind zerfallen und eingebrochen, nur hinter wenigen Fenstern rufen uns Kinder ein Bonjour zu, die restlichen Häuser sind verlassen. Die ehemaligen Bewohner sind in moderne Ziegelhäuser umgezogen, auch ist der Erhalt der alten Lehmbauten nach starken Regenfällen recht arbeitsintensiv. Als wir durch die angrenzenden Palmengärten schlendern, hören wir ein Donnergrollen. Und wirklich verdunkelt sich der Himmel ziemlich schnell. Da wir keine Lust haben bei Regen durch Schlamm zu waten, gehen wir zügig zum LKW zurück und fahren weiter. Und bald darauf klatschen schon die ersten dicken Tropfen auf unsere Scheibe. Es kühlt gleich auf 21° ab. In Agdz kaufen wir ein und nach einem Blick auf die Karte verwerfen wir unseren ursprünglichen Plan nach Marrakesch zu fahren und drehen stattdessen um Richtung Nekob. Unweit eines Oueds vor Nekob finden wir einen, leider arg windigen, Übernachtungsplatz.

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Kommentare: 2
  • #1

    Hans-Peter Mönckert (Mittwoch, 25 April 2018 09:13)

    Einfach toll zu lesen. Tolle Fotos.

  • #2

    Woife (Dienstag, 15 Mai 2018)

    Gfoid ma