Portugal 19.11. - 01.12.2017

Seit langem haben wir heute mal wieder die Räder vom Heckträger geholt und nach Aufpumpen folgen wir der mehr oder weniger ebenen Ecovia nach Caminha, wo der Rio Minho ins Meer mündet. Obwohl die Sonne scheint, ist es, trotz blauem Himmel, nicht allzu warm. Es ist gerade Ebbe und so sieht das Flussdelta nicht  so berauschend aus, aber ganz draußen in den Dünen finden wir ein windgeschütztes Fleckchen und können die Wellen, der mittlerweile hereinbrechenden Flut, vor dem Foz (Fort) de Rio Minho, gut beobachten. So unaufgeregt wie die Hinfahrt war, ist auch die Rückfahrt. Zum Sundowner gehen wir noch ins Städtchen, aber vor dem Weingenuss wird noch die Burganlage besichtigt.

 

Nach dem Frühstück fahren wir weiter nach Viana do Castelo. Wegen des komplizierten portugiesischen Mautsystems müssen wir nun höllisch aufpassen, dass wir auf keiner Autobahn landen, wo die Maut nur noch elektronisch erfasst wird. Denn dazu hätten wir uns irgendwo registrieren müssen - den angestrebten welcome point haben wir aber nicht gefunden - Kreditkarte hinterlegen und dann wird fleißig abgebucht, und so was mag ich gar nicht, so ganz ohne Kontrolle. Und außerdem sieht man auf den Nebenstrecken einfach mehr. Wir fahren direkt hinauf zu dem Wahrzeichen der Stadt, der Cathedrale Santa Luzia. Sie ist Sacre Cœur aus Paris nachempfunden und thront auf einem Hügel über der Stadt, von wo wir einen fantastischen Blick auf die Altstadt, den Fluss und die Mündung haben. Danach sind wieder so profane Dinge wie Einkaufen und Stellplatzsuche angesagt. Ersteres beim Leclerc  und Stellplatz gegenüber dem Hafen an der Mündung des Rio Lima.

 

Heute steuern wir Ponte de Lima an, mit seiner sehr gut erhaltenen römischen Brücke aus dem 2 Jh. n. Chr.. Nach ein paar Schritten durch das dazugehörige Städtchen machen wir schon wieder eine kleine Radtour. Es gibt wieder eine ausgewiesene Ecovia entlang des Lima. Allerdings sind diesmal etwas mehr Auf- und Abfahrten dabei. Hui, das macht mal wieder richtig Spaß, so durch die Wälder zu flitzen. Kaum zurück am LKW müssen wir schon wieder weiter. Denn wir haben ein strenges Programm! Unser Ziel ist das kleine Bergdörfchen Soajo. Und warum? Hier gibt noch 24 von den alten Maisspeichern, die aus dem Granit von den umgebenden Bergen errichtet wurden. Sie stehen auf Granitfüßen und der Inhalt ist so vor den Ratten und anderen Nagern geschützt. Jetzt im letzten Tageslicht sehen sie einfach super aus. Einige werden wohl auch immer noch benutzt. Wir übernachten dann auch gleich mitten auf dem Dorfplatz. Ist auch ausdrücklich erlaubt.

Heute Nacht war es ungewöhnlich warm, aber dafür haben wir heute Morgen auch bedeckten Himmel und ab und an kommt ein Tröpfchen runter. Kein Problem, wir müssen eh ein bisschen fahren. Ein kurzer Zwischenstopp in Ponte da Barca, wo wir eine alte Markthalle besichtigen, bevor wir in Braga eine längere Pause einlegen. Braga ist größer als gedacht. Eine Universitätsstadt mit ca. 130000 Einwohnern und unzähligen verwirrenden Kreisverkehren. Da sparen wir uns eine Stadterkundung und fahren gleich zum Parkplatz der Wallfahrtskirche Bom Jesus. Über einen großzügig angelegten Kreuzweg gelangen wir zu der barocken Freitreppe der Basilika. Insgesamt sollen es 581 Stufen sein! Wenn es nicht so diesig gewesen wäre, hätten wir einen tollen Blick über die Stadt und umliegenden Berge gehabt. Die Fauleren können auch für zwei Euro mit einer wasserbetriebenen Standseilbahn hinauffahren. Oder noch bequemer natürlich mit dem Auto. Die Gartenanlage ist genau wie die Gärten der Portugiesen: Alles akkurat geschnitten, kein Laub irgendwo, keine Unordnung. Also nicht so ganz mein Ding, ich brauche immer ein bisschen Dschungel  und Olivenbäume, die zu Körbchen getrimmt sind, gefallen mir nicht so besonders! Aber sonst ist es hier oben sehr schön.

 

Übernachtet haben wir in Barcelos, wo heute einer der größten Märkte Portugals stattfindet. Zuerst laufen wir an den unzähligen Ständen mit nachgemachten Adidasschuhen, Tommy Hilfiger Klamotten usw. vorbei. Alles ein unglaublicher Schrott, aber die Leute kaufen, was das Zeug hält. Und die Verkäufer preisen mit einer Wahnsinnslautstärke ihre Waren an. Was für ein Lärm. Da wollen wir uns nicht lange aufhalten und sind auch gleich bei den Lebensmitteln angelangt. Auch da gibt es Unterschiede, Marktstände, wo das Obst und Gemüse ordentlich in Steigen dargeboten wird und auf der anderen Seite verkaufen die Bauern ihre Sachen auf Papier am Boden oder in Tüten oder auf kleinen Campingtischen. Da gefällt es uns schon besser! Für wenig Geld kaufen wir eine ganze Tüte mit Brokkoli, Karotten, Zucchini und Gurken. Neben uns lässt sich eine Frau 20 Küken in eine Schachtel einpacken, eine andere kauft zwei Plastiktüten mit dem portugiesischem Blattkohl usw. Es ist ein richtiges Gewusel überall. Doch irgendwann haben wir alles, was wir wollten und da das Wetter auch nicht so toll ist, beschließen wir heute noch nach Porto weiter zu fahren. Nach ewigem Rumgekurve zuerst durch die Innenstadt Portos, weil wir Sparfüchse ja keine Maut bezahlen wollen, und danach noch durch die engen Gassen Vila Nova de Gaia. Dort gibt es einen recht günstigen Campingplatz (4,77 € pro Nacht), von dem man gut mit dem Bus nach Porto reinfahren kann.

Um 10:50 Uhr geht der Bus und wir sind pünktlich an der Haltestelle. Auch noch andere potentielle Fahrgäste. Doch es kommt kein Bus. Auch die nächsten drei erscheinen nicht. Wir sind reichlich angefressen und Gott sei Dank auch das spanische Pärchen. Denn diese ordern über Uber ein Auto, mit dem wir dann für 10 € zu viert direkt nach Porto reinfahren und uns die Kosten teilen. Ich muss mir gleich noch die Uber-App runterladen! Da heute Black Friday ist, sind jede Menge Leute zum Shoppen unterwegs. Wir lassen uns von der Menge mittreiben, schauen ab und zu in ein Geschäft. Aber mit Wolfgang macht das nicht so richtig Spaß, für den bräuchte ich so ein Männerparadies, wo man ihn für die Zeit des Einkaufs abgeben kann.  Nach einer kleinen Stärkung geht es weiter in die Markthalle, die Prachtstraße mit den ehrwürdigen Bankgebäuden entlang bis zum berühmten Bahnhof. Dessen Wartehalle ist mit prächtigen Azulejos (Fliesen) verziert, die Szenen aus der portugiesischen Geschichte wiedergeben. So wie es aussieht, kommen hier mehr Leute zum Fotografieren hier, als zum Verreisen. Danach geht es ins alte Ribeiro-Viertel, das bis zum Fluss Douro runtergeht. Dort unter der mächtigen Eisenbrücke legten einst die Schiffe mit dem Wein an, der da dann in den vielen Portweinkellereien zu Portwein verarbeitet wurde und wird. Wir machen bei Calém  einen Rundgang durchs Museum und den Kellereien mit anschließender Verkostung. Dabei können wir zwei Weiße, zwei Tawny und einen Ruby  probieren. Klarer Favorit der 10-jährige Tawny, dicht gefolgt vom Fine White! Allerdings sind wir nun ganz schön betütelt und irren nun ziemlich in Porto rum. Die Sonne ist weg, es ist kalt, fängt zu regnen an und wir haben absolut keinen Plan, wo der Bus wegfährt. Eigentlich wollen wir ja noch Essen gehen und dann am späten Abend mit dem Bus zurückfahren. Aber als wir dann so um halb acht endlich das Busterminal finden, recht versteckt hinterm Bahnhof, ist bei uns die Luft raus und wir nehmen den nächsten Bus. Wir sind halt doch nicht mehr die Jüngsten!

 

Jetzt ist erst mal Erholung angesagt. Zwei Tage spazieren wir bei viel Sonne und etwas Wind mal nach Norden, mal nach Süden an dem wunderschönen Strand entlang und machen sonst nix!

Heute möchten wir wieder ein Stück weiter und zwar rüber zum Douro. Wir brauchen über zwei Stunden um aus den dicht bebauten Außenbezirken Portos rauszukommen. Endlich haben wir es geschafft, sind von der Fahrerei aber etwas genervt und finden dann in dem kleinen Dorf Pedorido am Ufer des Douro einen passenden Platz für uns. Obwohl es erst vier Uhr ist, ziehen schon die ersten Nebel am Fluss auf und es wird empfindlich kalt. Da geht doch nichts über eine gute Heizung.

 

Oje, es ist alles in Wolken und aus denen kommen auch noch Regentropfen. Wir wollen doch heute die berühmte N222 am Douro entlangfahren. Gut, dass die Straße zu Beginn mehr durch die Berge führt und wir so von oben zumindest ein bisschen Sicht auf die vielen Hügel mit den unzähligen Weinterrassen haben. Die Lagen sind hier zum Teil so steil, dass zwischen den einzelnen Rebreihen  mehrere Meter Abstand bleiben. Oft sind die einzelnen Terrassen von Olivenbäumen eingefasst, die noch voller Früchte hängen. Leider fahren wir auch durch einen Strich, wo vor wenigen Wochen noch starke Waldbrände gewütet haben. Neben vielen verkohlten Bäumen und verbrannten Sträuchern  wurden aber auch Häuser und Autos in Mitleidenschaft gezogen. Was uns heute etwas nervt, sind die unzähligen privaten Laubfeuer, zum einen sieht man nichts und noch schlimmer, man bekommt trotz geschlossener Autofenster manchmal gar keine Luft! Am späten Nachmittag erreichen Peso da Régua und nach Wäschewaschen und Einkauf installieren wir uns auf dem gemeindeeigenen Stellplatz zwischen den drei Brücken. Für 3 € hat man einen eigenen Strom- und Wasseranschluss und man darf bis zu drei Tage bleiben.

 

Heute erkunden wir das unaufgeregte Städtchen und finden immer wieder eine schöne Gasse mit wunderschönen Azulejos an den Hauswänden. Auf dem Weg entlang des Flusses gewinne ich einen neuen Freund: ein etwas rundlicher Mischlingshund will unbedingt mit mir!!! spielen. Als ich stehen bleibe um ihn loszuwerden, legt er sich auf den Bauch und streckt alle viere von sich und wartet! Gott sei Dank kommt nun eine Hundedame, für die er sich noch mehr interessiert. Zum Abendessen gibt es in einem Restaurant ein feines Wildschweinragout und süffigen Wein.

Die Reise entlang des Douro geht weiter. Doch wir machen heute einen Abstecher die Berge hinauf zur Quinta do Monte Travesso, ein kleines familiengeführtes Weingut. Der Hausherr José empfängt uns gleich mit einer Flasche Rosé, damit wir die Stunde Wartezeit überbrücken, bis er Zeit für uns hat! Aber dann geht die Führung los. Wir tauchen ein in das alte Haus der Familie mit einem langen Flur, von dem viele Zimmer abgehen. Er zeigt uns die Gästezimmer, die Bibliothek, die alte Küche, den Speisesaal, die Büros, die hauseigene Kapelle und gibt uns sehr interessante Erklärungen zu seiner Familie. Sein Großvater war Kapitän zur See und in Macau stationiert, sein Vater war in jungen Jahren in Mozambik. Er zeigt uns alte Fotoalben, Bilder der Ahnen, Fotos von seinem Sohn, der ein preisgekrönter Segler ist. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch wie wir schon lange vermuten, ist es in so einem alten Haus um diese Jahreszeit kalt. Das dicke Gemäuer schirmt zwar im heißen Sommer die Hitze ab, aber im Winter gibt es kaum Heizmöglichkeiten, bis auf ein paar Kamine. Auch José sagt, dass man sich in den Kamin reinsetzen muss, damit man nicht friert. Ich muss dazu sagen, dass der Kamin im Speisesaal auch für ca. sechs Personen Platz bietet! Nach dem Wohnhaus kommt die Kellerei dran. Auch hier werden wir in jeden Raum geführt und wir bekommen alles genau erklärt. Vom Stampfen der Trauben, Fermentation, Filtern, Reifung in verschiedenen Fässern, Abfüllung in Flaschen und zu guter Letzt noch die Etikettierung und Verpackung. Und das alles nur mit der Familie und ein paar Frauen und zur Lese noch eine Handvoll Arbeiter. Ich habe mich gleich fürs Stampfen nächstes Jahr angemeldet. Aber nach so vielen Infos bekommen wir nun noch eine Kostprobe von seinen Rotweinen. Wir können auch gleich noch bei ihm auf dem Hof schlafen, da macht es nichts, wenn wir die Gläser immer austrinken!

 

Heute Morgen spazieren wir noch über die Ländereien der Quinta. Obwohl die Sonne scheint, liegt immer noch Raureif auf dem Boden und den niedrigen Gräsern. Es ist nun schon sehr kalt in der Nacht und wir müssen am Abend und in der Früh immer einheizen. Für uns geht es nun wieder an der Douro-Weinstrasse entlang über die alte und einspurige Eisenbrücke hinein nach Pinhão. Praktischerweise finden wir gleich vor dem Bahnhof einen Parkplatz, weil wir nämlich mit dem Zug um halb zwölf nach Pocinho, dem letzten Halt auf portugiesischem Boden, fahren wollen. Die Bahnstrecke verläuft direkt am Flussufer, wohingegen die Straße hier ziemlich weit im Landesinneren die Flussbiegungen abkürzt. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde und wir sehen Wein, Wein und nochmals Wein. Es ist fantastisch! Zwischen den Rebstöcken haben die Weingüter ihren Namen in großen Buchstaben auf Mauern geschrieben und ab und zu sieht man auch eine dazugehörige weiß gekalkte Quinta. In Pocinho angekommen machen wir uns zügig auf den Weg zu einer kleinen Taverne, wo wir gerade noch so einen Platz zum Mittagessen bekommen. Als Vorspeise wählen wir einheimischen Käse, deftige Wurst, selbst eingelegte Oliven und saugute Schwammerl. Und danach kommt ein Rindfleisch einer besonderen Rinderrasse auf den Tisch mit Reis und Bohnen. So was Gutes haben wir schon lange nicht mehr gegessen. Vielen Dank an José für den tollen Tipp mit dem Zug und vor allem für das Restaurant! Als wir am Spätnachmittag wieder in Pinhão ankommen, haben wir keine Lust zum Fahren und bleiben dann an der Hafenmole neben dem Riesenflusskreuzfahrtschiff vor Anker!

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