Spanien 05.11. - 18.11.2017

Auch das heutige Motto heißt wieder: vorankommen. Wir fahren durch eine schon fast skurrile Landschaft, riesige Sandsteinkugeln türmen sich zu Minibergen auf, dazwischen ausgetrocknete Flusstäler mit einigen Bäumen am eigentlichen Ufer. Und um all das winden sich große, abgeerntete Felder mit den schon zenartigen Mustern der Traktoren. Allmählich verziehen sich die grauen Wolken und wir haben wieder blauen Himmel, allerdings weht noch immer ein kräftiger Wind, der kleine Dornenbüsche über die Straße treibt. In Bolea folgen wir spontan einem Schild zu einer Kirche. Ein Blick auf die Karte wäre auch nicht schlecht gewesen, denn die Straße führt steil in den Ort hinein, ist dann nur mehr in einer Richtung befahrbar und es wird verdammt eng. Am Dorfplatz stellen wir den LKW erst mal ab und vertagen das Problem der Rückfahrt auf später. Vom Colegiata Santa Maria la Mayor hat man eine Superaussicht über die weite südliche Ebene, dafür wird meine Frisur jedoch sehr in Mitleidenschaft gezogen! Für den Kirchenbesuch wird, wie eigentlich immer in Spanien, Eintritt verlangt und da haben wir keine Lust zu. Also schauen wir, dass wir aus dem Wind rauskommen und laufen wieder zum Hiasl zurück. Das Wendemanöver ist dann auch nicht so einfach, aber mit bisschen Rangieren klappt es und auch die Fahrt durch die 2,5 m breite Gasse mit Reklameschildern und eisernen Balkonen ist sehr spannend. Keiner sagt ein Wort und wir atmen auf, als wir endlich draußen sind. Nach ein paar Kilometern erreichen wir Loarre und machen uns gleich auf das Castillo zu besichtigen. Ein einstündiger Fußmarsch bringt uns durch wilde Macchiasträucher hinauf. Es wurde im 11. Jahrhundert erbaut und erinnert mit seinen Türmen an eine Kreuzritterburg. Wir stiefeln eine Zeit lang drin herum, aber irgendwann nervt der Wind doch arg - man muss alles festhalten, Brille, Schal, Foto - dass wir wieder mal zusehen, so schnell wie möglich zum Auto zu kommen.

 

Heute gehen wir einen Miniabschnitt des Jakobswegs von Huesca rüber in die nächste Ortschaft Aniés. Der Feldweg führt durch ausgedehnte Mandelkulturen. In Aniés ist der Hund begraben und außer einer geschlossenen Kirche gibt es da nichts. Leider auch keine Bar. Also kämpfen wir uns wieder zurück, sammeln noch fleißig Hagebutten und finden zudem noch jede Menge Mandeln auf der Straße. Da ist meine Tasche dann ganz schön schwer geworden zum Schluss! Kurz vor Loarre schweben dann ein paar Rotmilane über uns. Am Nachmittag fahren wir noch etwas und verspekulieren uns mit der Zeit, so dass wir gerade noch in der Dämmerung einen Platz für die Nacht finden. Die Strecke war aber einfach auch fantastisch! Eine kleine Bergstraße mit Blick auf die verschneiten Pyrenäengipfel, in enge Schluchten, auf einsame Dörfer. 

Unser nächstes Ziel ist Sos del Rey Católico, wo 1452 der spanische König Ferdinand II. geboren wurde. Wir schlendern durch das mittelalterliche Straßenlabyrinth hinauf zur Kirche, bezahlen einen Euro Eintritt, das ist ja wirklich human, und dürfen dafür auch noch über eine enge und steile Wendeltreppe in die Krypta hinunter, wo sich sehr gut erhaltenen Fresken befinden. In einer Pastelería kauft Wolfgang noch eine Scheibe Pan de Cadiz, ein Marzipanbrot. Sehr lecker! Obwohl Sos am A. d. W. liegt, gibt es doch alles was man braucht, z. B. eine Schule, Sportplatz, Hotels, Kramerladen, Bäcker, Restaurants, Bars, Tankstelle, aber hier leben könnte ich trotzdem nicht. Nun ist mal wieder Stadt angesagt und so fahren wir weiter nach Pamplona. Den Stadtspaziergang heben wir uns für morgen auf, da jetzt am Nachmittag sowieso alles zu hat und wir auch noch ein bisschen Internetrecherche wegen unserer Dieselpest betreiben müssen. Angeblich soll es in Bilbao einen Laden geben, der Grotamar verkauft.

 

Hmm, heute regnet es, was uns gar nicht freut. Aber kann man nicht ändern und so machen wir uns auf in die Altstadt. Ein Aufzug bringt uns von unserem Stellplatz hinauf und wir streifen kreuz und quer durch die Straßen. Schön ist, dass es viele kleine Geschäfte gibt und so gut wie gar keine Ketten. Doch durch die Nässe und wie immer dem Wind frieren wir ziemlich und so setzen wir uns erst mal geraume Zeit ins Café Iruña, in dem sich auch schon Hemingway inspirieren ließ! Da in Pamplona nicht so viel los ist, außer Mitte Juli, wenn die Stiere durch die Straßen laufen, beschließen wir noch schnell die 150 km nach Bilbao zu fahren. Erststaunt waren wir, als nach wenigen Kilometern auf den Bergen bis auf ca. 700 m runter Schnee lag. Das Thermometer zeigt 5° an und das in Spanien!!! Zuerst geht es über eine Schnellstraße, doch dann weiß unser Navi eine Abkürzung, d. h. es wird eng, kurvig und wunderschön. Kleine baskische Dörfer wechseln sich mit mittelgroßen Städten ab, die alle immer ziemlich große Industriegebiete haben. Leider können wir nicht die baskische Beschriftung nicht entziffern und wissen also nicht, was hier produziert wird. Auf diese Weise wird es halb sechs, als wir endlich in Bilbao ankommen. Fast auf Anhieb finden wir den Laden für das Grotamar. Und mit unserem eingeschränkten Spanischkentnissen können wir dann dem Herrn hinter der Theke auch klar machen, was wir brauchen. Doch leider hat er sowas nicht. Doch er und noch eine Dame aus dem Büro klemmen sich mit enormer Energie hinters Telefon und rufen Gott und die Welt an um uns helfen zu können. Einfach unglaublich, diese Hilfsbereitschaft! Die paar Brocken, die ich verstehe, lassen allerdings nichts Gutes ahnen. Doch endlich, wir sind schon fast eine Stunde bei den zweien, haben sie einen Autozubehörhandel gefunden, der was Ähnliches hat. Wir bekommen noch die Adresse ins Handy eingespeichert und den Hinweis, dass wir ca. 10 - 12 Minuten für die 10 Kilometer brauchen. Bis halb Acht haben die auf. Na dann. Wir brauchen aber über eine Stunde, obwohl wir uns nur einmal etwas verfahren. Aber alle paar hundert Meter ein Kreisverkehr, manche mit der verschärften Variante und einer Ampel davor und vor und hinter der Ampel einen Bumper, das mag unser Auto halt gar nicht. Wolfgang regt sich ziemlich auf über diese unsinnigen Hindernisse, aber das nützt auch nichts. Aber wir kommen noch rechtzeitig an und 37 Euro später haben wir einen Liter von dem Zeug und eine Stunde später nach ewigen Herumgeirre in der Dunkelheit finden wir endlich einen Parkplatz, wo wir übernachten können.

 

 

Zwei Stunden brauchen wir um a) zum Guggenheim Museum zu kommen - geschätzte 6 km - und b) einen Parkplatz zu finden. Wir sind ziemlich genervt und ich habe schon gar keine Lust mehr auf den Museumsbesuch. Aber letztendlich klappt es dann doch. Schon auf dem Hinweg bin ich total begeistert von der tollen Architektur des Kanadiers Frank Gehry. Die Sonne kommt auch raus und bringt die Titankacheln an der Außenseite zum Leuchten, aus dem Außenbecken wabern Nebelwolken hervor, die stündlich künstlich erzeugt werden. Wir sehen uns die Dauerausstellung von Künstlern wie z. B. Mark Rothko, Andy Warhol, Anselm Kiefer, Cy Twombly an, aber auch die Sonderausstellungen von Film- und Videokünstlern wie etwa Bill Viola oder Anni Albers, eine Textilgestalterin. Beeindruckend sind auch die begehbaren eliptischen Labyrinthe aus Stahl von Richard Serra. Nach dem Museum müssen wir etwas entspannen und laufen durch die Stadt, vorbei an Palacios, Hochhäusern, ehrwürdigen Hotels und durch Einkaufsstraßen. Allmählich bekommen wir Hunger und da kommt und so eine kleine Pintxobar gerade recht. Die diversen Pintxos mit Tintenfisch, Schinken, Käse, Gemüse schmecken ausgezeichnet, bloß der sidra ist leider doch ein Apfelmost und kein cider, wie ich ihn mag. Da muss ich noch ein Glas Rotwein nachordern! Über die moderne Zubizuri-Brücke überqueren wir dann wieder den Rio de Bilbao und sind wieder beim LKW. Nach so viel Stadt in den letzten Tagen brauchen wir nun etwas Erholung und fahren deshalb an die Küste nach Muskiz, einem reinen Hoteldorf.

Heute machen einen idyllischen Spaziergang in die Ortschaft zum Einkaufen. Auf der einen Seite ein kleiner Fluss und auf der anderen Seite eine Ölraffinerie. Mal was anderes! Auf den acht Kilometern regnet es immer wieder mal, aber das macht nichts, denn Hauptsache unsere Schirme werden nicht nass. Sie liegen nämlich im Auto. Das gekaufte Brot ist halt nicht mehr ganz so knusprig, als wir wieder „daheim“ sind. Am Nachmittag machen wir dann noch einen Strandspaziergang und ich muss leider gestehen, wir haben nichts dazugelernt. Schirme sind wieder im Trockenen, aber wir diesmal pitschpatschnass. Aber schön war’s trotzdem mal wieder über den Sand zu gehen und den salzigen Geruch in der Nase zu haben.

 

Hier im Norden Spaniens haben sich ja schon vor vielen tausend Jahren Menschen angesiedelt und da gibt es natürlich diverse Höhlen zu besichtigen. Als wir dann am Parkplatz zu den Cuevas de Monte Castillo angekommen sind, hängt da ein Zettel, dass wegen Arbeiten bis 21. November geschlossen ist. Na toll! Also doch zu der bekannten Altamira-Höhle. Diese ist zwar größer und es gibt mehr Felszeichnungen, aber man darf, im Gegensatz zu der anderen, nur mehr in die nachgebildete Höhle. Es ist trotzdem beeindruckend, wie detailliert die Menschen vor ca. 16000 Jahren die Tiere ihrer Zeit in farbigen Zeichnungen festhielten. Noch mehr hat uns allerdings das angegliederte Museum gefallen. Mit vielen Exponaten aus der Höhle, Beschreibungen, Filmen und Nachbildungen bekommt man hier Einblicke in das - wahrscheinliche - Leben unserer Vorfahren und in die Arbeit der Archäologen. Wir sind erst kurz vorm Dunkelwerden aus dem Museum rausgekommen und es muss noch ein Schlafplatz her. Ein Blick auf die Karte zeigt uns einen Parkplatz gut 10 km von hier an der Küste. Die Durchfahrt durch das letzte Dorf ist schon recht eng und auch danach lässt uns der Zaun nicht viel Spielraum, als uns ein Auto entgegenkommt. Aber der alte Herr fährt ganz gemütlich so lange zurück, bis wir an ihm vorbei können. Danke! Der Platz ist traumhaft. Hinter uns die Berge, vor uns etwas Wiese und dann eine Steilküste mit schäumender Gischt und unheimlichen Geräuschen, wenn sich das Wasser wieder aus den Schluchten zurückzieht. Wenn nicht die Palme in Nachbars Garten wäre, könnte man meinen, wir seien in Schottland oder so.

 

 

Heute ist wieder ein touristisches Vorzeigedorf dran, Santillana del Mar. Doch in dieser mittelalterlichen Stadt mit den kopfsteingepflasterten Straßen und blumengeschmückten Fachwerkhäusern leben ganz normal noch Menschen, natürlich auch vom Tourismus, aber auch von der Landwirtschaft. In den Läden werden zu Hauf irgendwelche Liköre in allen möglichen Pastellfarben angeboten. Aber nein danke, wir können uns zurückhalten.  In der dem Kloster angegliederten Kirche ist heute am Sonntag gerade Messe, aber vor dem Eingang stehen zwei Polizisten und lassen nur echte Gläubige ins Innere, also uns nicht. Ist aber auch von außen ganz hübsch anzusehen. Nach kurzer Fahrt erreichen wir schon das nächste highlight des Tages. Die Bufones de Arenillas. In dem karstigen Gestein an der Felsküste haben sich hier Tunnels gebildet, durch die das Meerwasser durch den Druck der Wellen reingelangt und dann in mehreren Öffnungen wie eine Fontäne aus der Erde kommt. Dazu zischt und gurgelt es unheimlich. Es sieht so ähnlich aus wie bei Geysiren. Wir sind total begeistert von dem Schauspiel, aber irgendwann müssen wir doch wieder die paar Kilometer zurück zum Lastwagen laufen. Da unsere Wassertanks fast leer sind, peilen wir nun einen Wohnmobilstellplatz mit angeblicher Ver- und Entsorgung in Ribadesella an. Auf dem Weg dahin, sehen wir an einem langen Strand direkt neben der Straße so ca. acht Traktoren, die mit großen Rechen hinten dran rückwärts bis gut übers Fahrerhaus ins Wasser fahren, um Seetang rauszuholen. Es scheint so, als ob die Fahrer jede Menge Spaß dabei haben und wir Zuschauer auch. Was die allerdings mit dem Zeug anfangen, wissen wir nicht. In Ribadesella hat der angekündigte Platz zwar mal wieder nichts, aber bei dem Ruderverein gleich daneben ist ein Wasserhahn, wo wir dann zumindest die Tanks füllen können. 

Überraschung am Morgen: Wir können vom Frühstückstisch den Damen auf den Steppern zusehen und die Herren auf dem Crosstrainer beobachten. Da habe ich ja bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen. Darum laufen wir auch gleich noch in Ribadesella rum und zu einem Aussichtsplatz oberhalb des kiesigen Strandes.  Wir fahren weiter durch die schöne hügelige Landschaft mit den verstreut liegenden Häusern. Sie gefallen mir besonders gut, weil alle bunt sind und nicht im deutschen Einheitsweiß. In den Gärten wird großflächig Gemüse angebaut und an erster Stelle steht bei den Galliziern anscheinend Grünkohl. Unser Ziel ist Cudillero, laut Reiseführer das schönste Fischerdorf an der Nordküste. Wir ergattern einen von den fünf Parkplätzen und gehen runter Richtung Wasser. Also noch reißt es uns nicht vom Hocker, heruntergekommene Häuser mit geschlossenen Geschäften und wenig einladenden Bars. Doch dann am alten Hafen schmiegen sich die Häuser eng im Halbkreis den Berg hinauf und werden gerade noch von der Sonne angestrahlt. Ja, die Fahrt hierher hat sich rentiert! Vom Leuchtturm aus hat man eine tolle Sicht die wilde Küste entlang.  Am großen Parkplatz am neuen Hafen können wir gut übernachten.

 

Heute wollen wir endlich zum nordwestlichsten Punkt Spaniens gelangen und deshalb fahren wir ein schönes Stück auf der mautfreien Autovia bis Foz. Die Dörfer wirken nun etwas ärmlicher, manche Häuser hätten einen Anstrich nötig und auch die Bauweise ist eine andere. Was ins Auge sticht ist, dass man hier außen die Glasscheiben hat und dahinter die Fensterläden und ab dem ersten Stock so etwas wie verglaste Balkone, aber über die gesamte Hausbreite und -höhe. Als wir in der linken oberen Ecke Spaniens ankommen, Rías Altas, folgen wir der Ruta des Miradoires. Es geht steil und schmal rauf und runter bis zum Cabo Ortegal, wo der Atlantik auf den Golf von Biscaya trifft. Als Wolfgang die Türe aufmacht, reißt ihm der Wahnsinnswind die Türe aus der Hand und sie ist verbogen! Wir wagen uns trotzdem zum Leuchtturm vor, allerdings nur in gebückter Haltung. Aus Vögel- oder gar Wal- und Delphinbeobachtungen wird nichts, wir können uns kaum auf den Beinen halten und suchen mit dem Hiasl bald das Weite. Über eine Schotterpiste geht es weiter entlang der Aussichtspunkte, wo wir immer tapfer aussteigen - und auf die Türen aufpassen - bis zum buchstäblichen Höhepunkt auf 615m, wo man die höchsten Klippen Südeuropas vor sich hat. Es sollte uns schon zu denken geben, dass sich vor dem Parkplatz ein riesiger Windpark erstreckt. Denn so einen Wind habe ich noch nie erlebt. Zuerst von hinten treibt er uns die letzten Meter zu einer Hütte hinauf, aber dort wird es für mich unerträglich. Ich flüchte ins Innere, will aber dann doch die Klippen sehen und hake mich fest bei Wolfgang unter und wir schaffen es so bis zum Mäuerchen. Aber sobald ich den Kopf anhebe, werde ich fast weggerissen und ich habe Angst, dass es mich wegweht, so dass wir zusehen aus dem Wind zu kommen. Schade, aber auch so ist es einfach herrlich hier oben! Über viele Serpentinen durch ausgedehnte Kastanien- und Eukalyptuswälder geht nun wieder runter an die Küste und in Cedeirra laufen wir wieder den Hafenparkplatz an und wärmen uns bei Rotwein und Vorspeisen auf.

Wow, der Wind hat sich gelegt, da wollen wir heute mal an einem Strand entspannen. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt uns einen kleinen Strand mit Parkplatz in der Nähe von Redes am Ría de Ares (Ría ist ein Meeresarm). Hundert Meter Sand, Duschen und sonst niemand. Da lassen wir doch gleich die Hüllen fallen und springen in den Atlantik. Genauso schnell sind wir auch wieder draußen, bei 16° kein Wunder. Hat aber Spaß gemacht. In der Sonne wärmen wir uns auf, machen nichts oder lesen. So gegen fünf Uhr wird es langsam frisch und ich mache noch einen kleinen Spaziergang, wo ich mal wieder Maroni finde und einen schönen Steinpilz. Der bereichert dann gleich unsere Vorspeisenplatte und die Maroni kommen mal wieder zu den Balsamicolinsen.

 

Weil es gestern so schön hier war, bleiben wir auch heute noch mal hier. Ich finde eine - leider nur eine - Jakobsmuschel, die wir uns dann brüderlich teilen. Am Nachmittag wandern wir noch nach Redes rüber, ein Fischerdorf, wie aus der Zeit gefallen. Fast wie, denn obwohl hier wirklich nichts los ist, hat man immerhin mobiles Internet mit 3G! Da kann sich Deutschland und insbesondere Tuntenhausen mal ein Beispiel nehmen.  Überhaupt ist eigentlich in ganz Spanien die Internetabdeckung fast durchwegs sehr gut, was man von Frankreich oder Italien ja nicht gerade behaupten kann.

 

Die Nähe zum Wasser macht sich bemerkbar, denn unser Auto tropft in der Früh so richtig. Zudem war es in der Nacht heute mit sieben Grad ganz schön kalt. Für heute ist der Höhepunkt unserer Pilgerreise mit dem Lastwagen angesagt, Santiago de Compostela. Wir stellen das Auto an einem Womostellplatz ab, von wo man in gut 20 Minuten in der Stadt ist. Für den 12 Uhr Gottesdienst in der berühmten Kathedrale sind wir schon zu spät, aber wer weiß, ob wir überhaupt reingekommen wären, denn der ist nur für Gläubige und nicht für Touristen. Woher wissen die, ob man nicht ein gläubiger Tourist ist? Wir haben uns die Kathedrale größer vorgestellt. Hinter dem Hauptaltar führt eine kleine Treppe, man muss in einer langen Schlange dafür anstehen, zu der Jakobsstatue hinauf, die von den Menschen geküsst wird. Das ist mir dann doch zu unhygienisch. Auf der anderen Seite gelangt man in die Krypta mit den angeblichen Überresten des Hl. Jakobs, dessen Leichnam in einem Schiff aus Stein von Palästina hierher überführt worden sein soll. Die Kathedrale ist von mehreren Plätzen umgeben, und auf dem westlichen kommen die Jakobspilger an. Die einen jubeln, andere reißen ihre Arme in die Luft und wieder andere filmen ihre Ankunft mit der GoPro. Das weckt in mir den Wunsch auch einmal eine Pilgerreise zu machen. Mal sehen. Wir schauen uns dann noch ausführlich die nette und saubere Altstadt mit den extrem vielen Schmuckläden und natürlich den Andenkenläden an. Dort kann man Pilgerstäbe mit der Muschel in diversen Ausführungen erwerben, Hüte, Armbänder, Trinkbeutel aus Leder u.v.m., was das Pilgerherz begehrt. Der Magen meldet sich und in einem kleinen Lokal gibt es ein sehr reichliches Menu del día. Fischsuppe und Bacalao  (Stockfisch) für Wolfgang und Tintenfisch und Raxo (Schweinefilet) für mich, dazu Wein und als Dessert Mandelkuchen. Es schmeckt alles sehr gut! Eigentlich wollen wir am Abend noch in der Stadt bleiben, doch zwischen 16 und 20 Uhr hat alles ein bisschen zu und danach wird es uns zu spät, also machen wir uns noch vorm Dunkelwerden auf den Weg zum Hiasl.

 

 

Heute wollen wir wirklich die portugiesische Grenze überfahren. Auf der Hälfte des Weges legen wir aber noch einen Zwischenstopp in Pontevedra ein, das eine sehr hübsche Altstadt haben soll. Und wir werden nicht enttäuscht. Zuerst schauen wir uns die Markthalle an, die mit einem üppigen Angebot an Fischen und Meeresfrüchten aufwarten kann. Es sieht alles sehr appetitlich aus, aber ich bin absolut kein Muschelfan, Wolfgang mag keine Garnelen und Co. Und Fisch hatten wir erst. Also nur anschauen und dann eine Empanada mit Äpfeln kaufen. Es gibt hier viele kleine Plätze mit im Sommer schattenspendenen Bäumen, die jetzt gerade ihr verfärbtes Laub abwerfen. Darunter stehen von den vielen Cafés und Bars die Tische. Heute ist ja Samstag und es ist richtig was los. Straßenmusikanten spielen auf Geige, Gitarre oder Dudelsack. Einfach eine klasse Stimmung. 50 km weiter befahren wir in Tui die alte Grenzbrücke. Eigentlich für Fahrzeuge über 3,5 to gesperrt, weil sie sehr schmal ist, aber Wolfgang meint, dass wir da locker durchpassen. Das stimmt. Wir schon, aber unser rechter Außenspiegel nicht. Tja, da braucht es wohl jetzt einen neuen. Nach einem Einkauf in einem mäßig ausgestatteten Intermarché steuern wir den Wohnmobilstellplatz in Vila Nova de Cerveira an und machen uns auch gleich auf den Weg in das kleine Städtchen. Da heute Markt ist, sind jede Menge Leute hier, vorwiegend Spanier. Allerdings werden jetzt um halb sechs die Stände allmählich abgebaut und wir müssen unseren Durst in einer netten Bar mit Wein löschen. Und mit noch einem. Aber dann ab ins Körbchen!

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