Albanien 26.09. - 30.09.2015

Heute steuern wir als erstes Borsh an. Dort gibt es eine kleine Olivenölabfüllerei, wo wir einen Karton mitnehmen. In Albanien ist es nicht einfach einheimisches Olivenöl zu kaufen, da Albanien ja nicht zur EU gehört und somit die Bauern keine Subventionen bekommen. Aber ohne diese können sie nicht mit den Produkten aus Italien und Griechenland konkurrieren. Schade, denn das Öl von hier ist sehr gut. Später spazieren wir durch Himare, einen Badeort. Doch die Saison ist schon vorüber, die meisten Läden sind geschlossen und auch die Wirte haben fast alle schon die Terrassen aufgeräumt. Aber eine Bar finden wir doch noch und schauen den Fischern zu.

 

Weiter geht es zum Strand von Gjilpe, den uns der Tölzer vom Shkodrasee empfohlen hat. Vom Parkplatz sind wir erstmal eine Viertelstunde zu Fuß runter gegangen. Es ist eine sehr ausgewaschene Piste mit großen Felsbrocken, sehr eng, teilweise arg steil und oben eine ziemlich enge Kurve. Wolfgang meint, dass es geht. Also Fenster runterkurbeln und Köpfe links und rechts raus. Stellenweise müssen wir die Felsen einzeln abreiten und oft kommen wir auch in bedrohliche Schräglagen. Es wäre auch schön, wenn wir noch etwas langsamer fahren könnten. Völlig nassgeschwitzt kommen wir unten an und haben jetzt aber einen Traumplatz in erster Reihe an einem makellosen, feinen Kiesstrand. Außer uns ist noch ein Toyota da und ein paar junge Leute zu Fuß. Das Meer ist angenehm warm und sehr sauber. Wir sehen große Sardinenschwärme vorbeiziehen und auch viel Thunfische. Wolfgangs Angel bleibt aber wieder mal leer.

Der Tiraner von nebenan empfiehlt uns eine Wanderung in den Canyon hinein. 40 Minuten kann man ohne Kletterausrüstung reingehen, sagt er. Doch bei uns war nach 15 Minuten Schluss. Waren wir zu schnell oder was? Hmm, also wieder zurück. Vom Strand versuchen wir einen anderen Pfad, aber wir zerkratzen uns nur furchtbar die Beine. Doch dann sehen wir, dass die VW-Busse vom Lukova-Strand im Anrollen sind. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Wir sind gleich zur Zufahrt rüber gerannt und gerade rechtzeitig zum „Gräberfeld“ gekommen, als die zwei T2 und der T3 dort die Steine abfahren. Ihr Vorteil ist, dass sie nicht so breit wie wir sind, dafür haben wir halt doch mehr Bodenfreiheit. Sie haben es aber dann doch alle geschafft, aber mit ziemlich Angst vor der Auffahrt. (Hab ich auch ein bisschen!)

Ein letztes Bad in dem glasklaren, türkisen Wasser und wir machen uns nach einem stärkendem Frühstück für die Auffahrt bereit. Mit allen Sperren und Untersetzung zuerst über die Rampe und dann stetig bergauf. Und dann, noch vor dem furchtbaren „Gräberfeld“, worst case! Es kommt uns ein Toyota entgegen! Der Fahrer, ein Tscheche, ist jedoch cool drauf, springt gleich raus und sucht mit Wolfgang eine Ausweichstelle. Er muss ca. 100 Meter zurückstoßen. Wir fahren so weit es geht rechts in die hangseitigen Büsche rein und nur mit einmal Rangieren, kommt er nun an uns vorbei! Puh, erstmal Luft holen. Der Rest geht dann einigermaßen gut, sehr langsam zwar, aber der Hiasl kämpft sich durch.

 

Über weite Kehren geht es nun hinauf auf den Llogara-Pass. Oben ist es kühl und wolkenverhangen. Die Gipfel im Nebel haben etwas Mystisches. In Orikum kaufen wir noch was zum Essen ein und parken dann auf einem Platz direkt am Meer. Dabei hat Wolfgang von einem Olivenbaum ein paar Zweige abgerissen. Gleich ist eine Frau aus dem Haus gegenüber gekommen und hat fürchterlich zu schimpfen begonnen. Ich habe sie dann beruhigt und ihr als Entschädigung für die entgangene „Ernte“ ein paar Lek angeboten. Die hat sie dann schmollend genommen und sich wieder nach drüben aufgemacht. Wolfgang hat sich nicht aus dem Auto getraut, solange sie da war! Feigling. Ich bin nach dem Grillen noch ins Meer, aber leider ist es hier recht dreckig.

Uii, heute ist shopping angesagt. Wir fahren nach Vlore. Es erinnert mit seiner modernen skyline an spanische Mittelmeerstädte. Zuerst sind wir in einen Carrefour rein. Alles sehr übersichtlich und die Wurst- und Käseabteilung sehr albanisch und der Rest sehr westlich. Das haben wir uns anders erhofft. Also gibt es nur Frischkäse, Kekse und Bier. In der Stadt gibt es viele kleine Boutiquen mit westlich orientiertem Angebot, kaum Straßenhändler und viele kleine Supermärkte. Alles ist relativ sauber, man sieht sogar Abfalleimer. Neben den Hochhäusern stehen noch viele 2- bis 3-stöckige Häuser aus der kommunistischen Ära. Die meisten sind frisch gestrichen und mit vielen Topfpflanzen verziert, wodurch sie schon wieder Charme haben.

Mitten in einem Wohngebiet, ohne Auffahrt, fängt plötzlich die Autobahn. Auf einer albanischen Autobahn muss man mit folgendem rechnen: Fußgänger, Radfahrer, Eselkarren, Schafherden, Obstverkäufer – auch alles entgegen der Fahrtrichtung – Kreuzungen, Kreisverkehre und natürlich Polizeikontrollen. Bei diesen haben wir allerdings Touristenbonus! Gegen fünf Uhr kommen wir in Tirana an und suchen das Hotel Baron, bei dem Wohnmobile im Hof parken können. Es ist noch ein Platz frei, wo Wolfgang auch kunstvoll einparkt. Später fahren wir mit dem Hotelmanager, der zu 50% in Deutschland lebt, noch mal zu einem Schweißer, wegen der Kofferaufhängung. Der bewundert unser Auto und meint, dass es ein Kunstwerk sei. Na, dann.

Zur Krönung des Tages gibt es heute ein Candlelight Dinner im Hotel – es ist nämlich Stromausfall!

Bei einem Ratsch am Morgen stellst sich heraus, dass Florian Kuka, der Hotelmanager, in Trochtelfingen lebt. Genau gegenüber vom Vöhringer, wo wir unser Holz für den Innenausbau herhaben! Und sein Vater betreibt die Biofarm Reci am schwarzen Drin, wo wir unser Adrenalin abgebaut haben. 

Wir sind für 30 Lek mit dem Bus ins Stadtzentrum gefahren und schauen uns zuerst eine kleine Moschee aus dem 17. Jahrhundert an. Es ist in Albanien völlig unkompliziert, auch für Frauen, in eine Moschee zu gehen.

Wir wollen unbedingt ins angesagte Viertel Bllocku. Dort gibt es noch wenige Villen aus kommunistischer Zeit und viele bunte Hochhäuser und vor allem an jeder Ecke eine Kneipe oder Bar. Hier ist am Abend, beim Xhiro, immer was los! Wir fahren in das 20. Stockwerk des Skytower hinauf, wo wir aus dem  Drehrestaurant Tirana von oben sehen können. Tirana liegt in einem Kessel umgeben von Bergen, was gut aussieht, aber von den Einwohnern im Sommer bedingt durch die stehende Hitze als Nachteil empfunden wird. Nach dem Bazarviertel mit den wie immer appetitlich präsentiertem Obst und Gemüse bringt uns der Bus nach einem Cafebesuch zurück zum LKW. Nach gut zwei Stunden über gut ausgebaute Landstraßen erreichen wir wieder den Campingplatz am Shkodrasee.  Wir haben schon wieder einen Ausfall am Auto: das Abblendlicht geht nicht mehr. Wolfgang tut sein Bestes, aber leider funktionieren nun auch die Blinker nicht mehr. Wir hoffen nun auf schönes Wetter und gerade Strecken. Zum Trost gibt es Pizza und Grillteller im Restaurant.

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