Portugal 02.12. - 14.12.2017

Im Reiseführer haben wir gelesen, dass es in Vila Nova da Foz Cõa prähistorische Felsritzungen im Original zum Ansehen gibt. In gemütlichem Tempo cruisen wir fast ganz alleine über die Weinhügel, kommen durch kleine gepflegte Dörfer, spazieren ein bisschen in einem Eukalyptuswald herum, bis wir dann in Vila Nova da Foz Cõa beim Intermarché noch unsere Vorräte auffüllen. Und dann folgen wir dem Navi. Gut dass wir einen Allrad haben, denn die steile und steinige Piste wäre sonst nicht zu machen. Wahrscheinlich hätte es aber auch eine prima Straße irgendwo anders gegeben. Beim Museum erfahren wir, dass es erst in vier Tagen wieder freie Plätze für die Felsritzungen gibt. Nun, das ist uns zu lange und so begnügen wir uns mit einem Museumsbesuch und schauen uns halt die Replika an. Und ich muss sagen, das reicht uns auch. Auf einem Plateau oberhalb des Museums mit seiner sehr modernen Architektur gibt es einen tollen Stellplatz für uns mit Blick auf die Berge und wir können den fast vollen Mond wunderbar durch unser „Küchenfenster“ anschauen.

Nach einer kalten Nacht geht es für uns nun weg vom Douro, Oiven- und Mandelbäume prägen nun die Landschaft, nur hin und wieder sind alte, gedrungene Weinstöcke zu sehen. Als wir in Castelo Melhor aus dem Auto steigen, ist es immer noch zapfig kalt, aber die Sonne scheint bei einem wolkenlosen Himmel. Je weiter wir uns der Dorfmitte mit der Kirche nähern, umso älter und winziger werden auch die Häuser. Die Straßen sind mit groben Steinen gepflastert, aus den gemauerten Kaminen raucht es raus und auf den Wäscheleinen hängen ein paar Hosen und fadenscheinige Hemden zum Trocknen. Wenn nicht ab und an wo ein Auto rumstehen würde, könnte man meinen es sei das Jahr 1917. Vom Castelo ist bis auf ein paar Grundmauern und dem Eingangsportal nicht mehr viel erhalten, aber die EU hat immerhin über 60.000 Euro für was auch immer zugeschustert.

Auf dem Tablet haben wir den interessanten Grundriss von Almeida, das zu den historischen Dörfern zählt, entdeckt und da wollen wir nun hin, keine fünf Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Bei eisigem Wind laufen wir in die komplett von Festungsmauern umgebende Altstadt hinauf. Der Mauerring ist riesig, darum sind wir froh, dass in den ehemaligen Militärgebäuden nun ein Gemeindezentrum untergebracht ist, wo gerade eine kleine Ausstellung ist und wir uns etwas aufwärmen können. Nebenbei gibt es da leckere Backwaren und Würste zu kaufen! Danach schlendern wir noch in den Gassen umher, begegnen einer Schafherde, bevor wir ganz durchgefroren wieder am Hiasl ankommen.

 

Oh, heute ist es spät geworden, bis wir abreisen. Aber wir hören gerade so ein spannendes Hörbuch zum Frühstück, Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, dass wir uns einfach nicht aufraffen können. Und außerdem sind wir ja nicht auf der Flucht! Mit ein paar Abstechern links und rechts der Straße ist Sabugal das nächste Ziel. Man ahnt es schon, es gibt mal wieder eine Burg zum Ansehen. Die sind aber hier auch einfach super. Auch hier wieder sehr gut erhalten, kein Eintritt und man darf überall rein und rumklettern. Und von oben, ganz klar, eine tolle Rundumsicht. Im Ort wird gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut mit Bretterbuden und einem Christbaum. Leider werden wir am Wochenende für einen Besuch nicht mehr hier sein, aber das schaffen wir zeitlich einfach nicht. Nach Wasserbunkern fahren wir noch etwas raus zu einem Stausee, wo es wieder mal einen geeigneten Übernachtungsplatz gibt.

Nach einer eiskalten Nacht, am Morgen haben wir -3° draußen und 5° im Auto, und Nebel und Raureif ringsum in der Früh sind es für uns nur wenige Kilometer zum nächsten Highlight. Das Dorf Sortelha liegt inmitten von riesigen Granitbrocken, wovon der ein oder andere schon mal einen in seinem Garten hat. Doch Sortelha ist zudem das am besten erhaltenste historische Dorf mit einer 800 Jahre alten Bausubstanz. Überragt wird es natürlich wieder von einem Bergfried zu dem man über steile Stufen Zutritt hat. In den alten Häuschen rundum sind zwei Bars, eine Info und ein Andenkenladen untergebracht, der Rest wird von den Besitzern nur mehr als Ferienhaus genutzt. Wenn nicht irgendwo eine Motorsäge kreischen würde, könnte man beinahe das Hufgetrappel von den Rittern hören. Alles einfach fantastisch! Es ist früher Nachmittag also haben wir noch Zeit uns auch noch Belmonte anzusehen. Den Portugiesen wohlbekannt, denn hier wurde der Brasilienentdecker Cabral geboren. Wir haben noch nicht mal von Cabral gehört. Neben der Burg und dem dazugehörigen historischem Viertel gibt es hier eine der ältesten kryptojüdischen Gemeinde weltweit. Also konvertierte Juden, die aber im Geheimen weiter dem jüdischen Glauben nachgehen. Heute gibt es noch eine Synagoge und ein jüdisches Museum. Jetzt ist aber mal genug mit den Burgen und wir brausen noch ein Stückchen hinauf in die Serra de Estrela, wo wir oberhalb Covilhã einen Logenplatz für die Nacht finden. Es ist wirklich toll, von oben die hell erleuchtete Stadt zu schauen. Darum kommen auch immer wieder Einheimische rauf, genießen die Aussicht und brausen wieder runter.

 

Durch eine karge Gebirgslandschaft windet sich die Straße hinauf zum höchsten Punkt des portugiesischen Festlandes auf 1993m. Hier in Torre stehen zwei Türme mit imposanten Kugeln die vom Militär und der Polizei genutzt werden. Zudem endet hier ein Sessellift des einzigen Skigebiets Portugals und es gibt auch noch zwei Souvenirläden mit dem üblichen Grusch. Bei strahlender Sonne und nur mäßigem Wind machen wir es uns vor dem Lifthäusl bequem und tanken noch etwas Vitamin D! Wie auch schon auf der Rauffahrt sehen wir nun auch beim Runterfahren viele kleine Eisfälle, z. T. liegen auch ein paar Eiszapfen auf der Straße. Es ist also schon kalt hier, bloß Schnee hat es noch keinen. Auf 1000m Höhe kommen wir zum höchsten Dorf Portugals, das schön am Hang in der Sonne liegt. Was leider nicht schön ist, dass ab hier die Waldbrände im Oktober ganze Arbeit geleistet haben. In den Wäldern ringsum ist das Unterholz völlig verbrannt, die Baumstämme auf den unteren ein zwei Metern verkohlt und das Laub der vielen Eukalyptusbäume hängt noch hellbraun oben an den Spitzen.  So was haben wir noch nie gesehen. Unfassbar. Die Strom- und Telefonkabel liegen auf dem Boden oder hängen knapp über der Erde, weil die Masten entweder komplett fehlen oder unten abgeknickt sind. Die Straßenschilder sind schwarz, die Straßenbegrenzungspfosten verschmurgelt .Und es nimmt gar kein Ende. Egal, wohin wir schauen. Wir fahren nach Barril de Alva, wo es einen idyllischen Platz geben soll. Ja, er liegt sehr schön am Ufer des Alva, umgeben von Hügeln mit Olivenbäumen und Kiefern. Doch auch hier ist halt alles verbrannt. Wolfgang bastelt noch an unserem Wasserhahn rum, denn der lässt kaum mehr Wasser durch. Und er scheint nun wirklich wieder zu funktionieren.

Heute wird ausgeschlafen, bevor wir uns auf den Weg nach Coimbra machen. Dort gibt es am Rio Mondego in Fussnähe zur Altstadt einen wohnmobilstellplatz. Doch den kenn natürlich auch alle anderen. Dazu kommt noch, dass morgen schon wieder Feiertag ist und dies nützen eben auch viele Spanier und Portugiesen für einen Ausflug. Wir bekommen gerade noch so einen Platz und gehen dann auch gleich über die Fussgängerbrücke in die Stadt. Heute haben ja noch alle Läden offen, so dass auch richtig was los ist. Zuerst laufen wir ins Universitätsviertel hinauf und schauen uns die alte Kathedrale mit dem angrenzenden Kloster an. Dann über die engen Sträßchen kreuz und quer wieder in die Fußgängerzone, bevor wir uns ins das alte Viertel mit den unzähligen Miniläden begeben. Es gibt hier keine große Ketten, sondern einen Laden für Nachtwäsche, einen für Strümpfe, für Abendkleider, für Schuhe, für Messer, Musikinstrumente, Stempel usw. Und überall wird fleißig eingekauft. Schön langsam ist es dunkel geworden und wir haben Durst. Im alten Café Santa Cruz genehmigen wir uns Rotwein mit Natas. Als wir rauskommen, strahlen die Lichterketten  mit den Weihnachtsbäumen um die Wette. Superschön  und ganz ohne Weihnachtsgedudel.

 

Heute gehen wir noch mal hinauf zur Universität und kaufen für das ganze Ensemble Tickets. Als letzte kommen wir noch vor der Mittagspause in die alte Bibliothek rein. Sie wurde vor 300 Jahren gebaut und umfasst z. Z. um die 60.000 Bücher mit ein paar seltenen Bibeln aus dem 15. Jahrhundert. Trotz der vielen Besucher und der wenigen Zeit, die man darin verbringen kann, hat es mich sehr beeindruckt. Die vielen hohen alten z. T. vergoldeten Regale und die riesigen Studiertische. Anschließend überbrückten wir die Pause mit einem Besuch des Science Museums mit Exponaten aus Chemie und Physik und der angegliederten Ausstellung von tausenden ausgestopften Tieren aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien. Darunter auch ein lebensgroßes Walskelett, natürlich nicht ausgestopft! Manche Tiere sehen etwas komisch aus, denn die Leute, die die Holzinnenteile geschnitzt haben, haben halt noch nie einen echten Löwen gesehen. Und aus Übersee sind nur die Häute geliefert worden! Nach dem Museum nun noch die Kapelle und den Rest der alten Universität, übrigens auch eine der ältesten Europas, besichtigt. Aber dann ist für heute genug, in unsere Köpfe geht nichts mehr rein und wir brauchen dringend Café und Natas. Zudem sind wir total durchgefroren, so dass wir beschließen zum Auto zu gehen und mal so richtig einzuheizen.

Welch eine Überraschung heute Morgen! Gleich neben uns stehen Maria und Lutz mit ihrem Wohnmobil. Wir haben die beiden vor gut zwei Wochen in Vila Nova de Gaia kennengelernt und freuen uns nun wieder mit den beiden sympathischen Kaufbeurern ratschen zu können. Dabei haben wir festgestellt, dass wir nur um ein, zwei Tage zeitversetzt fast die gleiche Route gefahren sind. Wir wollen in Kontakt bleiben und hoffentlich sehen wir uns im Frühjahr wieder! Für uns geht es nun wieder an die Küste und wir finden in Praia de Mira einen Platz an der Mole. In dem kleinen Städtchen ist heute das „Festa do Mar“ und es gibt einen Markt mit dem üblichen Kram, aber auch ein paar Essensstände, dazu eine Vorführung mit dem Rettungsboot von den Feuerwehrlern. Und um Mitternacht soll ein Feuerwerk gestartet werden. Doch das ist uns zu spät und vor allem ist es nach Sonnenuntergang einfach immer zapfig kalt und es weht auch ein ungemütlicher Wind.

 

Über eine langweilige Strecke durch endlose Straßendörfer fahren wir bei Regen und Nebel weiter Richtung Norden nach Praia de Barra. Was soll man an einem so scheußlichen Sonntag machen? Richtig, in einen Waschsalon gehen. Dort ist es warm, der Wäscheberg ist danach weg und über das gute WLAN können dringende Updates machen. Der einzige Platz für Wohnmobile - und die Portugiesen sind recht streng, was Freistehen anbelangt, ist wieder mal an der Mole. Es regnet nun ordentlich und die Palmblätter stehen waagrecht. Die Wettervorhersage gibt eine Sturmwarnung aus mit Böen von 120 km/h. Das kann ja heiter werden. Wir müssen den LKW noch mal in den Wind drehen, denn die Markise donnert unaufhörlich an die Seitenwand. Wir schaukeln so stark, dass mir beim Lesen schlecht wird. Auch in der Nacht tobt der Orkan weiter, erst gegen Morgen legt sich der Wind etwas, der Regen leider nicht.

 

Als wir wegfahren, sehen wir, dass es heute Nacht zwei Wohnwägen umgeworfen hat. Gott sei Dank nicht den neben uns, aber der stand ja gut in unserem Windschatten. Den 65 m hohen Leuchtturm können wir nur aus dem Auto raus bei geschlossenem Fenster fotografieren. Schade! Da sich gestern unser Wasserhahn nun endgültig verabschiedet hat, müssen wir in einen Baumarkt und finden auch ein fast passendes Modell. Nebenan kaufen wir das letzte Mal beim Pingo Doce ein und tanken auch gleich noch voll. Um der Dieselpest vorzubeugen. Dabei blockieren wir eine Zeitlang die Tankstelle, da wir ja links und rechts einen Tank haben und Wolfgang partout innerhalb der extrem engen Tankstelle die Zapfsäule wechseln will. In Pardilhó hat die Gemeinde wieder einen Platz mit Ver- und Entsorgung hergerichtet. Zuerst stärken wir uns noch mit Cappuccino und Kuchen, bevor wir uns den Wasserhahntausch ranmachen. Nichts passt zu unseren alten Anschlüssen. Wolfgang hat alle möglichen Ideen mit Schlauchstücken, Rohrschellen, Verbindern usw., aber das Mistteil wird einfach nicht dicht. Drei Stunden später, total genervt, wird der Wasserhahn blindgestöpselt, alle Schubladen wieder eingebaut und geputzt. Nun nur mehr kochen, essen und noch einen Portwein als Dessert, damit wir gut schlafen.

 

Durch eine langweilige und eintönige Landschaft mit wenig ansprechenden, langgezogenen Straßendörfern und Kiefernwäldern, in denen wir deutlich die Sturmschäden der vergangenen Tage beobachten können, erreichen wir bald unseren letzten Stellplatz in Furadouro vor unserer Rückreise nach Deutschland. Zum letzten Mal spazieren wir am Nachmittag in dem kleinen Küstenort rum. Es ist nicht viel los, die wenigen geöffneten Lokale animieren uns nicht dort einzukehren. Bei stärker werdendem Wind sehen wir noch einigen Kitesufern zu, die versuchen ihre bunten Schirme so zu steuern, dass sie nicht ins Wasser getrieben werden. Ein schöner Sonnenuntergang hebt unsere etwas traurige Stimmung und ein Glas guter Rotwein tut sein übriges dazu.

 

Die Nähe zu Porto merkt man gleich an der dichteren Besiedlung. Ein Dorf reiht sich an das andere und bevor uns versehen, sind wir auch schon wieder in Vila Nova de Gaia am Campingplatz. Hier können wir den LKW sicher und bewacht für unsere Zeit zu Hause abstellen. Kostet zwar knapp vier Euro am Tag, aber dafür müssen wir uns wohl keine Sorgen machen.

 

Unser Plan, den Hiasl wieder unter eine Plane zu betten, ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Es hat heute so geschüttet, dass wir bis auf die Haut nass geworden wären und da haben wir beschlossen, dass es eben ohne gehen muss. Daheim hatten wir ja auch diesen Luxus nicht. Mit Bus und U-Bahnen sind wir am Nachmittag zum Flughafen rausgefahren und dann auch fast pünktlich abgehoben. Um 22.30 Uhr sind wir im verschneiten Memmingen gelandet, wo wir schon freudig erwartet worden sind!

Wenn nichts dazwischen kommt, werden wir irgendwann im Februar wieder in Memmingen sein und auf das boarding nach Porto warten!

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Portugal 19.11. - 01.12.2017

Seit langem haben wir heute mal wieder die Räder vom Heckträger geholt und nach Aufpumpen folgen wir der mehr oder weniger ebenen Ecovia nach Caminha, wo der Rio Minho ins Meer mündet. Obwohl die Sonne scheint, ist es, trotz blauem Himmel, nicht allzu warm. Es ist gerade Ebbe und so sieht das Flussdelta nicht  so berauschend aus, aber ganz draußen in den Dünen finden wir ein windgeschütztes Fleckchen und können die Wellen, der mittlerweile hereinbrechenden Flut, vor dem Foz (Fort) de Rio Minho, gut beobachten. So unaufgeregt wie die Hinfahrt war, ist auch die Rückfahrt. Zum Sundowner gehen wir noch ins Städtchen, aber vor dem Weingenuss wird noch die Burganlage besichtigt.

 

Nach dem Frühstück fahren wir weiter nach Viana do Castelo. Wegen des komplizierten portugiesischen Mautsystems müssen wir nun höllisch aufpassen, dass wir auf keiner Autobahn landen, wo die Maut nur noch elektronisch erfasst wird. Denn dazu hätten wir uns irgendwo registrieren müssen - den angestrebten welcome point haben wir aber nicht gefunden - Kreditkarte hinterlegen und dann wird fleißig abgebucht, und so was mag ich gar nicht, so ganz ohne Kontrolle. Und außerdem sieht man auf den Nebenstrecken einfach mehr. Wir fahren direkt hinauf zu dem Wahrzeichen der Stadt, der Cathedrale Santa Luzia. Sie ist Sacre Cœur aus Paris nachempfunden und thront auf einem Hügel über der Stadt, von wo wir einen fantastischen Blick auf die Altstadt, den Fluss und die Mündung haben. Danach sind wieder so profane Dinge wie Einkaufen und Stellplatzsuche angesagt. Ersteres beim Leclerc  und Stellplatz gegenüber dem Hafen an der Mündung des Rio Lima.

 

Heute steuern wir Ponte de Lima an, mit seiner sehr gut erhaltenen römischen Brücke aus dem 2 Jh. n. Chr.. Nach ein paar Schritten durch das dazugehörige Städtchen machen wir schon wieder eine kleine Radtour. Es gibt wieder eine ausgewiesene Ecovia entlang des Lima. Allerdings sind diesmal etwas mehr Auf- und Abfahrten dabei. Hui, das macht mal wieder richtig Spaß, so durch die Wälder zu flitzen. Kaum zurück am LKW müssen wir schon wieder weiter. Denn wir haben ein strenges Programm! Unser Ziel ist das kleine Bergdörfchen Soajo. Und warum? Hier gibt noch 24 von den alten Maisspeichern, die aus dem Granit von den umgebenden Bergen errichtet wurden. Sie stehen auf Granitfüßen und der Inhalt ist so vor den Ratten und anderen Nagern geschützt. Jetzt im letzten Tageslicht sehen sie einfach super aus. Einige werden wohl auch immer noch benutzt. Wir übernachten dann auch gleich mitten auf dem Dorfplatz. Ist auch ausdrücklich erlaubt.

Heute Nacht war es ungewöhnlich warm, aber dafür haben wir heute Morgen auch bedeckten Himmel und ab und an kommt ein Tröpfchen runter. Kein Problem, wir müssen eh ein bisschen fahren. Ein kurzer Zwischenstopp in Ponte da Barca, wo wir eine alte Markthalle besichtigen, bevor wir in Braga eine längere Pause einlegen. Braga ist größer als gedacht. Eine Universitätsstadt mit ca. 130000 Einwohnern und unzähligen verwirrenden Kreisverkehren. Da sparen wir uns eine Stadterkundung und fahren gleich zum Parkplatz der Wallfahrtskirche Bom Jesus. Über einen großzügig angelegten Kreuzweg gelangen wir zu der barocken Freitreppe der Basilika. Insgesamt sollen es 581 Stufen sein! Wenn es nicht so diesig gewesen wäre, hätten wir einen tollen Blick über die Stadt und umliegenden Berge gehabt. Die Fauleren können auch für zwei Euro mit einer wasserbetriebenen Standseilbahn hinauffahren. Oder noch bequemer natürlich mit dem Auto. Die Gartenanlage ist genau wie die Gärten der Portugiesen: Alles akkurat geschnitten, kein Laub irgendwo, keine Unordnung. Also nicht so ganz mein Ding, ich brauche immer ein bisschen Dschungel  und Olivenbäume, die zu Körbchen getrimmt sind, gefallen mir nicht so besonders! Aber sonst ist es hier oben sehr schön.

 

Übernachtet haben wir in Barcelos, wo heute einer der größten Märkte Portugals stattfindet. Zuerst laufen wir an den unzähligen Ständen mit nachgemachten Adidasschuhen, Tommy Hilfiger Klamotten usw. vorbei. Alles ein unglaublicher Schrott, aber die Leute kaufen, was das Zeug hält. Und die Verkäufer preisen mit einer Wahnsinnslautstärke ihre Waren an. Was für ein Lärm. Da wollen wir uns nicht lange aufhalten und sind auch gleich bei den Lebensmitteln angelangt. Auch da gibt es Unterschiede, Marktstände, wo das Obst und Gemüse ordentlich in Steigen dargeboten wird und auf der anderen Seite verkaufen die Bauern ihre Sachen auf Papier am Boden oder in Tüten oder auf kleinen Campingtischen. Da gefällt es uns schon besser! Für wenig Geld kaufen wir eine ganze Tüte mit Brokkoli, Karotten, Zucchini und Gurken. Neben uns lässt sich eine Frau 20 Küken in eine Schachtel einpacken, eine andere kauft zwei Plastiktüten mit dem portugiesischem Blattkohl usw. Es ist ein richtiges Gewusel überall. Doch irgendwann haben wir alles, was wir wollten und da das Wetter auch nicht so toll ist, beschließen wir heute noch nach Porto weiter zu fahren. Nach ewigem Rumgekurve zuerst durch die Innenstadt Portos, weil wir Sparfüchse ja keine Maut bezahlen wollen, und danach noch durch die engen Gassen Vila Nova de Gaia. Dort gibt es einen recht günstigen Campingplatz (4,77 € pro Nacht), von dem man gut mit dem Bus nach Porto reinfahren kann.

Um 10:50 Uhr geht der Bus und wir sind pünktlich an der Haltestelle. Auch noch andere potentielle Fahrgäste. Doch es kommt kein Bus. Auch die nächsten drei erscheinen nicht. Wir sind reichlich angefressen und Gott sei Dank auch das spanische Pärchen. Denn diese ordern über Uber ein Auto, mit dem wir dann für 10 € zu viert direkt nach Porto reinfahren und uns die Kosten teilen. Ich muss mir gleich noch die Uber-App runterladen! Da heute Black Friday ist, sind jede Menge Leute zum Shoppen unterwegs. Wir lassen uns von der Menge mittreiben, schauen ab und zu in ein Geschäft. Aber mit Wolfgang macht das nicht so richtig Spaß, für den bräuchte ich so ein Männerparadies, wo man ihn für die Zeit des Einkaufs abgeben kann.  Nach einer kleinen Stärkung geht es weiter in die Markthalle, die Prachtstraße mit den ehrwürdigen Bankgebäuden entlang bis zum berühmten Bahnhof. Dessen Wartehalle ist mit prächtigen Azulejos (Fliesen) verziert, die Szenen aus der portugiesischen Geschichte wiedergeben. So wie es aussieht, kommen hier mehr Leute zum Fotografieren hier, als zum Verreisen. Danach geht es ins alte Ribeiro-Viertel, das bis zum Fluss Douro runtergeht. Dort unter der mächtigen Eisenbrücke legten einst die Schiffe mit dem Wein an, der da dann in den vielen Portweinkellereien zu Portwein verarbeitet wurde und wird. Wir machen bei Calém  einen Rundgang durchs Museum und den Kellereien mit anschließender Verkostung. Dabei können wir zwei Weiße, zwei Tawny und einen Ruby  probieren. Klarer Favorit der 10-jährige Tawny, dicht gefolgt vom Fine White! Allerdings sind wir nun ganz schön betütelt und irren nun ziemlich in Porto rum. Die Sonne ist weg, es ist kalt, fängt zu regnen an und wir haben absolut keinen Plan, wo der Bus wegfährt. Eigentlich wollen wir ja noch Essen gehen und dann am späten Abend mit dem Bus zurückfahren. Aber als wir dann so um halb acht endlich das Busterminal finden, recht versteckt hinterm Bahnhof, ist bei uns die Luft raus und wir nehmen den nächsten Bus. Wir sind halt doch nicht mehr die Jüngsten!

 

Jetzt ist erst mal Erholung angesagt. Zwei Tage spazieren wir bei viel Sonne und etwas Wind mal nach Norden, mal nach Süden an dem wunderschönen Strand entlang und machen sonst nix!

Heute möchten wir wieder ein Stück weiter und zwar rüber zum Douro. Wir brauchen über zwei Stunden um aus den dicht bebauten Außenbezirken Portos rauszukommen. Endlich haben wir es geschafft, sind von der Fahrerei aber etwas genervt und finden dann in dem kleinen Dorf Pedorido am Ufer des Douro einen passenden Platz für uns. Obwohl es erst vier Uhr ist, ziehen schon die ersten Nebel am Fluss auf und es wird empfindlich kalt. Da geht doch nichts über eine gute Heizung.

 

Oje, es ist alles in Wolken und aus denen kommen auch noch Regentropfen. Wir wollen doch heute die berühmte N222 am Douro entlangfahren. Gut, dass die Straße zu Beginn mehr durch die Berge führt und wir so von oben zumindest ein bisschen Sicht auf die vielen Hügel mit den unzähligen Weinterrassen haben. Die Lagen sind hier zum Teil so steil, dass zwischen den einzelnen Rebreihen  mehrere Meter Abstand bleiben. Oft sind die einzelnen Terrassen von Olivenbäumen eingefasst, die noch voller Früchte hängen. Leider fahren wir auch durch einen Strich, wo vor wenigen Wochen noch starke Waldbrände gewütet haben. Neben vielen verkohlten Bäumen und verbrannten Sträuchern  wurden aber auch Häuser und Autos in Mitleidenschaft gezogen. Was uns heute etwas nervt, sind die unzähligen privaten Laubfeuer, zum einen sieht man nichts und noch schlimmer, man bekommt trotz geschlossener Autofenster manchmal gar keine Luft! Am späten Nachmittag erreichen Peso da Régua und nach Wäschewaschen und Einkauf installieren wir uns auf dem gemeindeeigenen Stellplatz zwischen den drei Brücken. Für 3 € hat man einen eigenen Strom- und Wasseranschluss und man darf bis zu drei Tage bleiben.

 

Heute erkunden wir das unaufgeregte Städtchen und finden immer wieder eine schöne Gasse mit wunderschönen Azulejos an den Hauswänden. Auf dem Weg entlang des Flusses gewinne ich einen neuen Freund: ein etwas rundlicher Mischlingshund will unbedingt mit mir!!! spielen. Als ich stehen bleibe um ihn loszuwerden, legt er sich auf den Bauch und streckt alle viere von sich und wartet! Gott sei Dank kommt nun eine Hundedame, für die er sich noch mehr interessiert. Zum Abendessen gibt es in einem Restaurant ein feines Wildschweinragout und süffigen Wein.

Die Reise entlang des Douro geht weiter. Doch wir machen heute einen Abstecher die Berge hinauf zur Quinta do Monte Travesso, ein kleines familiengeführtes Weingut. Der Hausherr José empfängt uns gleich mit einer Flasche Rosé, damit wir die Stunde Wartezeit überbrücken, bis er Zeit für uns hat! Aber dann geht die Führung los. Wir tauchen ein in das alte Haus der Familie mit einem langen Flur, von dem viele Zimmer abgehen. Er zeigt uns die Gästezimmer, die Bibliothek, die alte Küche, den Speisesaal, die Büros, die hauseigene Kapelle und gibt uns sehr interessante Erklärungen zu seiner Familie. Sein Großvater war Kapitän zur See und in Macau stationiert, sein Vater war in jungen Jahren in Mozambik. Er zeigt uns alte Fotoalben, Bilder der Ahnen, Fotos von seinem Sohn, der ein preisgekrönter Segler ist. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch wie wir schon lange vermuten, ist es in so einem alten Haus um diese Jahreszeit kalt. Das dicke Gemäuer schirmt zwar im heißen Sommer die Hitze ab, aber im Winter gibt es kaum Heizmöglichkeiten, bis auf ein paar Kamine. Auch José sagt, dass man sich in den Kamin reinsetzen muss, damit man nicht friert. Ich muss dazu sagen, dass der Kamin im Speisesaal auch für ca. sechs Personen Platz bietet! Nach dem Wohnhaus kommt die Kellerei dran. Auch hier werden wir in jeden Raum geführt und wir bekommen alles genau erklärt. Vom Stampfen der Trauben, Fermentation, Filtern, Reifung in verschiedenen Fässern, Abfüllung in Flaschen und zu guter Letzt noch die Etikettierung und Verpackung. Und das alles nur mit der Familie und ein paar Frauen und zur Lese noch eine Handvoll Arbeiter. Ich habe mich gleich fürs Stampfen nächstes Jahr angemeldet. Aber nach so vielen Infos bekommen wir nun noch eine Kostprobe von seinen Rotweinen. Wir können auch gleich noch bei ihm auf dem Hof schlafen, da macht es nichts, wenn wir die Gläser immer austrinken!

 

Heute Morgen spazieren wir noch über die Ländereien der Quinta. Obwohl die Sonne scheint, liegt immer noch Raureif auf dem Boden und den niedrigen Gräsern. Es ist nun schon sehr kalt in der Nacht und wir müssen am Abend und in der Früh immer einheizen. Für uns geht es nun wieder an der Douro-Weinstrasse entlang über die alte und einspurige Eisenbrücke hinein nach Pinhão. Praktischerweise finden wir gleich vor dem Bahnhof einen Parkplatz, weil wir nämlich mit dem Zug um halb zwölf nach Pocinho, dem letzten Halt auf portugiesischem Boden, fahren wollen. Die Bahnstrecke verläuft direkt am Flussufer, wohingegen die Straße hier ziemlich weit im Landesinneren die Flussbiegungen abkürzt. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde und wir sehen Wein, Wein und nochmals Wein. Es ist fantastisch! Zwischen den Rebstöcken haben die Weingüter ihren Namen in großen Buchstaben auf Mauern geschrieben und ab und zu sieht man auch eine dazugehörige weiß gekalkte Quinta. In Pocinho angekommen machen wir uns zügig auf den Weg zu einer kleinen Taverne, wo wir gerade noch so einen Platz zum Mittagessen bekommen. Als Vorspeise wählen wir einheimischen Käse, deftige Wurst, selbst eingelegte Oliven und saugute Schwammerl. Und danach kommt ein Rindfleisch einer besonderen Rinderrasse auf den Tisch mit Reis und Bohnen. So was Gutes haben wir schon lange nicht mehr gegessen. Vielen Dank an José für den tollen Tipp mit dem Zug und vor allem für das Restaurant! Als wir am Spätnachmittag wieder in Pinhão ankommen, haben wir keine Lust zum Fahren und bleiben dann an der Hafenmole neben dem Riesenflusskreuzfahrtschiff vor Anker!

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Spanien 05.11. - 18.11.2017

Auch das heutige Motto heißt wieder: vorankommen. Wir fahren durch eine schon fast skurrile Landschaft, riesige Sandsteinkugeln türmen sich zu Minibergen auf, dazwischen ausgetrocknete Flusstäler mit einigen Bäumen am eigentlichen Ufer. Und um all das winden sich große, abgeerntete Felder mit den schon zenartigen Mustern der Traktoren. Allmählich verziehen sich die grauen Wolken und wir haben wieder blauen Himmel, allerdings weht noch immer ein kräftiger Wind, der kleine Dornenbüsche über die Straße treibt. In Bolea folgen wir spontan einem Schild zu einer Kirche. Ein Blick auf die Karte wäre auch nicht schlecht gewesen, denn die Straße führt steil in den Ort hinein, ist dann nur mehr in einer Richtung befahrbar und es wird verdammt eng. Am Dorfplatz stellen wir den LKW erst mal ab und vertagen das Problem der Rückfahrt auf später. Vom Colegiata Santa Maria la Mayor hat man eine Superaussicht über die weite südliche Ebene, dafür wird meine Frisur jedoch sehr in Mitleidenschaft gezogen! Für den Kirchenbesuch wird, wie eigentlich immer in Spanien, Eintritt verlangt und da haben wir keine Lust zu. Also schauen wir, dass wir aus dem Wind rauskommen und laufen wieder zum Hiasl zurück. Das Wendemanöver ist dann auch nicht so einfach, aber mit bisschen Rangieren klappt es und auch die Fahrt durch die 2,5 m breite Gasse mit Reklameschildern und eisernen Balkonen ist sehr spannend. Keiner sagt ein Wort und wir atmen auf, als wir endlich draußen sind. Nach ein paar Kilometern erreichen wir Loarre und machen uns gleich auf das Castillo zu besichtigen. Ein einstündiger Fußmarsch bringt uns durch wilde Macchiasträucher hinauf. Es wurde im 11. Jahrhundert erbaut und erinnert mit seinen Türmen an eine Kreuzritterburg. Wir stiefeln eine Zeit lang drin herum, aber irgendwann nervt der Wind doch arg - man muss alles festhalten, Brille, Schal, Foto - dass wir wieder mal zusehen, so schnell wie möglich zum Auto zu kommen.

 

Heute gehen wir einen Miniabschnitt des Jakobswegs von Huesca rüber in die nächste Ortschaft Aniés. Der Feldweg führt durch ausgedehnte Mandelkulturen. In Aniés ist der Hund begraben und außer einer geschlossenen Kirche gibt es da nichts. Leider auch keine Bar. Also kämpfen wir uns wieder zurück, sammeln noch fleißig Hagebutten und finden zudem noch jede Menge Mandeln auf der Straße. Da ist meine Tasche dann ganz schön schwer geworden zum Schluss! Kurz vor Loarre schweben dann ein paar Rotmilane über uns. Am Nachmittag fahren wir noch etwas und verspekulieren uns mit der Zeit, so dass wir gerade noch in der Dämmerung einen Platz für die Nacht finden. Die Strecke war aber einfach auch fantastisch! Eine kleine Bergstraße mit Blick auf die verschneiten Pyrenäengipfel, in enge Schluchten, auf einsame Dörfer. 

Unser nächstes Ziel ist Sos del Rey Católico, wo 1452 der spanische König Ferdinand II. geboren wurde. Wir schlendern durch das mittelalterliche Straßenlabyrinth hinauf zur Kirche, bezahlen einen Euro Eintritt, das ist ja wirklich human, und dürfen dafür auch noch über eine enge und steile Wendeltreppe in die Krypta hinunter, wo sich sehr gut erhaltenen Fresken befinden. In einer Pastelería kauft Wolfgang noch eine Scheibe Pan de Cadiz, ein Marzipanbrot. Sehr lecker! Obwohl Sos am A. d. W. liegt, gibt es doch alles was man braucht, z. B. eine Schule, Sportplatz, Hotels, Kramerladen, Bäcker, Restaurants, Bars, Tankstelle, aber hier leben könnte ich trotzdem nicht. Nun ist mal wieder Stadt angesagt und so fahren wir weiter nach Pamplona. Den Stadtspaziergang heben wir uns für morgen auf, da jetzt am Nachmittag sowieso alles zu hat und wir auch noch ein bisschen Internetrecherche wegen unserer Dieselpest betreiben müssen. Angeblich soll es in Bilbao einen Laden geben, der Grotamar verkauft.

 

Hmm, heute regnet es, was uns gar nicht freut. Aber kann man nicht ändern und so machen wir uns auf in die Altstadt. Ein Aufzug bringt uns von unserem Stellplatz hinauf und wir streifen kreuz und quer durch die Straßen. Schön ist, dass es viele kleine Geschäfte gibt und so gut wie gar keine Ketten. Doch durch die Nässe und wie immer dem Wind frieren wir ziemlich und so setzen wir uns erst mal geraume Zeit ins Café Iruña, in dem sich auch schon Hemingway inspirieren ließ! Da in Pamplona nicht so viel los ist, außer Mitte Juli, wenn die Stiere durch die Straßen laufen, beschließen wir noch schnell die 150 km nach Bilbao zu fahren. Erststaunt waren wir, als nach wenigen Kilometern auf den Bergen bis auf ca. 700 m runter Schnee lag. Das Thermometer zeigt 5° an und das in Spanien!!! Zuerst geht es über eine Schnellstraße, doch dann weiß unser Navi eine Abkürzung, d. h. es wird eng, kurvig und wunderschön. Kleine baskische Dörfer wechseln sich mit mittelgroßen Städten ab, die alle immer ziemlich große Industriegebiete haben. Leider können wir nicht die baskische Beschriftung nicht entziffern und wissen also nicht, was hier produziert wird. Auf diese Weise wird es halb sechs, als wir endlich in Bilbao ankommen. Fast auf Anhieb finden wir den Laden für das Grotamar. Und mit unserem eingeschränkten Spanischkentnissen können wir dann dem Herrn hinter der Theke auch klar machen, was wir brauchen. Doch leider hat er sowas nicht. Doch er und noch eine Dame aus dem Büro klemmen sich mit enormer Energie hinters Telefon und rufen Gott und die Welt an um uns helfen zu können. Einfach unglaublich, diese Hilfsbereitschaft! Die paar Brocken, die ich verstehe, lassen allerdings nichts Gutes ahnen. Doch endlich, wir sind schon fast eine Stunde bei den zweien, haben sie einen Autozubehörhandel gefunden, der was Ähnliches hat. Wir bekommen noch die Adresse ins Handy eingespeichert und den Hinweis, dass wir ca. 10 - 12 Minuten für die 10 Kilometer brauchen. Bis halb Acht haben die auf. Na dann. Wir brauchen aber über eine Stunde, obwohl wir uns nur einmal etwas verfahren. Aber alle paar hundert Meter ein Kreisverkehr, manche mit der verschärften Variante und einer Ampel davor und vor und hinter der Ampel einen Bumper, das mag unser Auto halt gar nicht. Wolfgang regt sich ziemlich auf über diese unsinnigen Hindernisse, aber das nützt auch nichts. Aber wir kommen noch rechtzeitig an und 37 Euro später haben wir einen Liter von dem Zeug und eine Stunde später nach ewigen Herumgeirre in der Dunkelheit finden wir endlich einen Parkplatz, wo wir übernachten können.

 

 

Zwei Stunden brauchen wir um a) zum Guggenheim Museum zu kommen - geschätzte 6 km - und b) einen Parkplatz zu finden. Wir sind ziemlich genervt und ich habe schon gar keine Lust mehr auf den Museumsbesuch. Aber letztendlich klappt es dann doch. Schon auf dem Hinweg bin ich total begeistert von der tollen Architektur des Kanadiers Frank Gehry. Die Sonne kommt auch raus und bringt die Titankacheln an der Außenseite zum Leuchten, aus dem Außenbecken wabern Nebelwolken hervor, die stündlich künstlich erzeugt werden. Wir sehen uns die Dauerausstellung von Künstlern wie z. B. Mark Rothko, Andy Warhol, Anselm Kiefer, Cy Twombly an, aber auch die Sonderausstellungen von Film- und Videokünstlern wie etwa Bill Viola oder Anni Albers, eine Textilgestalterin. Beeindruckend sind auch die begehbaren eliptischen Labyrinthe aus Stahl von Richard Serra. Nach dem Museum müssen wir etwas entspannen und laufen durch die Stadt, vorbei an Palacios, Hochhäusern, ehrwürdigen Hotels und durch Einkaufsstraßen. Allmählich bekommen wir Hunger und da kommt und so eine kleine Pintxobar gerade recht. Die diversen Pintxos mit Tintenfisch, Schinken, Käse, Gemüse schmecken ausgezeichnet, bloß der sidra ist leider doch ein Apfelmost und kein cider, wie ich ihn mag. Da muss ich noch ein Glas Rotwein nachordern! Über die moderne Zubizuri-Brücke überqueren wir dann wieder den Rio de Bilbao und sind wieder beim LKW. Nach so viel Stadt in den letzten Tagen brauchen wir nun etwas Erholung und fahren deshalb an die Küste nach Muskiz, einem reinen Hoteldorf.

Heute machen einen idyllischen Spaziergang in die Ortschaft zum Einkaufen. Auf der einen Seite ein kleiner Fluss und auf der anderen Seite eine Ölraffinerie. Mal was anderes! Auf den acht Kilometern regnet es immer wieder mal, aber das macht nichts, denn Hauptsache unsere Schirme werden nicht nass. Sie liegen nämlich im Auto. Das gekaufte Brot ist halt nicht mehr ganz so knusprig, als wir wieder „daheim“ sind. Am Nachmittag machen wir dann noch einen Strandspaziergang und ich muss leider gestehen, wir haben nichts dazugelernt. Schirme sind wieder im Trockenen, aber wir diesmal pitschpatschnass. Aber schön war’s trotzdem mal wieder über den Sand zu gehen und den salzigen Geruch in der Nase zu haben.

 

Hier im Norden Spaniens haben sich ja schon vor vielen tausend Jahren Menschen angesiedelt und da gibt es natürlich diverse Höhlen zu besichtigen. Als wir dann am Parkplatz zu den Cuevas de Monte Castillo angekommen sind, hängt da ein Zettel, dass wegen Arbeiten bis 21. November geschlossen ist. Na toll! Also doch zu der bekannten Altamira-Höhle. Diese ist zwar größer und es gibt mehr Felszeichnungen, aber man darf, im Gegensatz zu der anderen, nur mehr in die nachgebildete Höhle. Es ist trotzdem beeindruckend, wie detailliert die Menschen vor ca. 16000 Jahren die Tiere ihrer Zeit in farbigen Zeichnungen festhielten. Noch mehr hat uns allerdings das angegliederte Museum gefallen. Mit vielen Exponaten aus der Höhle, Beschreibungen, Filmen und Nachbildungen bekommt man hier Einblicke in das - wahrscheinliche - Leben unserer Vorfahren und in die Arbeit der Archäologen. Wir sind erst kurz vorm Dunkelwerden aus dem Museum rausgekommen und es muss noch ein Schlafplatz her. Ein Blick auf die Karte zeigt uns einen Parkplatz gut 10 km von hier an der Küste. Die Durchfahrt durch das letzte Dorf ist schon recht eng und auch danach lässt uns der Zaun nicht viel Spielraum, als uns ein Auto entgegenkommt. Aber der alte Herr fährt ganz gemütlich so lange zurück, bis wir an ihm vorbei können. Danke! Der Platz ist traumhaft. Hinter uns die Berge, vor uns etwas Wiese und dann eine Steilküste mit schäumender Gischt und unheimlichen Geräuschen, wenn sich das Wasser wieder aus den Schluchten zurückzieht. Wenn nicht die Palme in Nachbars Garten wäre, könnte man meinen, wir seien in Schottland oder so.

 

 

Heute ist wieder ein touristisches Vorzeigedorf dran, Santillana del Mar. Doch in dieser mittelalterlichen Stadt mit den kopfsteingepflasterten Straßen und blumengeschmückten Fachwerkhäusern leben ganz normal noch Menschen, natürlich auch vom Tourismus, aber auch von der Landwirtschaft. In den Läden werden zu Hauf irgendwelche Liköre in allen möglichen Pastellfarben angeboten. Aber nein danke, wir können uns zurückhalten.  In der dem Kloster angegliederten Kirche ist heute am Sonntag gerade Messe, aber vor dem Eingang stehen zwei Polizisten und lassen nur echte Gläubige ins Innere, also uns nicht. Ist aber auch von außen ganz hübsch anzusehen. Nach kurzer Fahrt erreichen wir schon das nächste highlight des Tages. Die Bufones de Arenillas. In dem karstigen Gestein an der Felsküste haben sich hier Tunnels gebildet, durch die das Meerwasser durch den Druck der Wellen reingelangt und dann in mehreren Öffnungen wie eine Fontäne aus der Erde kommt. Dazu zischt und gurgelt es unheimlich. Es sieht so ähnlich aus wie bei Geysiren. Wir sind total begeistert von dem Schauspiel, aber irgendwann müssen wir doch wieder die paar Kilometer zurück zum Lastwagen laufen. Da unsere Wassertanks fast leer sind, peilen wir nun einen Wohnmobilstellplatz mit angeblicher Ver- und Entsorgung in Ribadesella an. Auf dem Weg dahin, sehen wir an einem langen Strand direkt neben der Straße so ca. acht Traktoren, die mit großen Rechen hinten dran rückwärts bis gut übers Fahrerhaus ins Wasser fahren, um Seetang rauszuholen. Es scheint so, als ob die Fahrer jede Menge Spaß dabei haben und wir Zuschauer auch. Was die allerdings mit dem Zeug anfangen, wissen wir nicht. In Ribadesella hat der angekündigte Platz zwar mal wieder nichts, aber bei dem Ruderverein gleich daneben ist ein Wasserhahn, wo wir dann zumindest die Tanks füllen können. 

Überraschung am Morgen: Wir können vom Frühstückstisch den Damen auf den Steppern zusehen und die Herren auf dem Crosstrainer beobachten. Da habe ich ja bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen. Darum laufen wir auch gleich noch in Ribadesella rum und zu einem Aussichtsplatz oberhalb des kiesigen Strandes.  Wir fahren weiter durch die schöne hügelige Landschaft mit den verstreut liegenden Häusern. Sie gefallen mir besonders gut, weil alle bunt sind und nicht im deutschen Einheitsweiß. In den Gärten wird großflächig Gemüse angebaut und an erster Stelle steht bei den Galliziern anscheinend Grünkohl. Unser Ziel ist Cudillero, laut Reiseführer das schönste Fischerdorf an der Nordküste. Wir ergattern einen von den fünf Parkplätzen und gehen runter Richtung Wasser. Also noch reißt es uns nicht vom Hocker, heruntergekommene Häuser mit geschlossenen Geschäften und wenig einladenden Bars. Doch dann am alten Hafen schmiegen sich die Häuser eng im Halbkreis den Berg hinauf und werden gerade noch von der Sonne angestrahlt. Ja, die Fahrt hierher hat sich rentiert! Vom Leuchtturm aus hat man eine tolle Sicht die wilde Küste entlang.  Am großen Parkplatz am neuen Hafen können wir gut übernachten.

 

Heute wollen wir endlich zum nordwestlichsten Punkt Spaniens gelangen und deshalb fahren wir ein schönes Stück auf der mautfreien Autovia bis Foz. Die Dörfer wirken nun etwas ärmlicher, manche Häuser hätten einen Anstrich nötig und auch die Bauweise ist eine andere. Was ins Auge sticht ist, dass man hier außen die Glasscheiben hat und dahinter die Fensterläden und ab dem ersten Stock so etwas wie verglaste Balkone, aber über die gesamte Hausbreite und -höhe. Als wir in der linken oberen Ecke Spaniens ankommen, Rías Altas, folgen wir der Ruta des Miradoires. Es geht steil und schmal rauf und runter bis zum Cabo Ortegal, wo der Atlantik auf den Golf von Biscaya trifft. Als Wolfgang die Türe aufmacht, reißt ihm der Wahnsinnswind die Türe aus der Hand und sie ist verbogen! Wir wagen uns trotzdem zum Leuchtturm vor, allerdings nur in gebückter Haltung. Aus Vögel- oder gar Wal- und Delphinbeobachtungen wird nichts, wir können uns kaum auf den Beinen halten und suchen mit dem Hiasl bald das Weite. Über eine Schotterpiste geht es weiter entlang der Aussichtspunkte, wo wir immer tapfer aussteigen - und auf die Türen aufpassen - bis zum buchstäblichen Höhepunkt auf 615m, wo man die höchsten Klippen Südeuropas vor sich hat. Es sollte uns schon zu denken geben, dass sich vor dem Parkplatz ein riesiger Windpark erstreckt. Denn so einen Wind habe ich noch nie erlebt. Zuerst von hinten treibt er uns die letzten Meter zu einer Hütte hinauf, aber dort wird es für mich unerträglich. Ich flüchte ins Innere, will aber dann doch die Klippen sehen und hake mich fest bei Wolfgang unter und wir schaffen es so bis zum Mäuerchen. Aber sobald ich den Kopf anhebe, werde ich fast weggerissen und ich habe Angst, dass es mich wegweht, so dass wir zusehen aus dem Wind zu kommen. Schade, aber auch so ist es einfach herrlich hier oben! Über viele Serpentinen durch ausgedehnte Kastanien- und Eukalyptuswälder geht nun wieder runter an die Küste und in Cedeirra laufen wir wieder den Hafenparkplatz an und wärmen uns bei Rotwein und Vorspeisen auf.

Wow, der Wind hat sich gelegt, da wollen wir heute mal an einem Strand entspannen. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt uns einen kleinen Strand mit Parkplatz in der Nähe von Redes am Ría de Ares (Ría ist ein Meeresarm). Hundert Meter Sand, Duschen und sonst niemand. Da lassen wir doch gleich die Hüllen fallen und springen in den Atlantik. Genauso schnell sind wir auch wieder draußen, bei 16° kein Wunder. Hat aber Spaß gemacht. In der Sonne wärmen wir uns auf, machen nichts oder lesen. So gegen fünf Uhr wird es langsam frisch und ich mache noch einen kleinen Spaziergang, wo ich mal wieder Maroni finde und einen schönen Steinpilz. Der bereichert dann gleich unsere Vorspeisenplatte und die Maroni kommen mal wieder zu den Balsamicolinsen.

 

Weil es gestern so schön hier war, bleiben wir auch heute noch mal hier. Ich finde eine - leider nur eine - Jakobsmuschel, die wir uns dann brüderlich teilen. Am Nachmittag wandern wir noch nach Redes rüber, ein Fischerdorf, wie aus der Zeit gefallen. Fast wie, denn obwohl hier wirklich nichts los ist, hat man immerhin mobiles Internet mit 3G! Da kann sich Deutschland und insbesondere Tuntenhausen mal ein Beispiel nehmen.  Überhaupt ist eigentlich in ganz Spanien die Internetabdeckung fast durchwegs sehr gut, was man von Frankreich oder Italien ja nicht gerade behaupten kann.

 

Die Nähe zum Wasser macht sich bemerkbar, denn unser Auto tropft in der Früh so richtig. Zudem war es in der Nacht heute mit sieben Grad ganz schön kalt. Für heute ist der Höhepunkt unserer Pilgerreise mit dem Lastwagen angesagt, Santiago de Compostela. Wir stellen das Auto an einem Womostellplatz ab, von wo man in gut 20 Minuten in der Stadt ist. Für den 12 Uhr Gottesdienst in der berühmten Kathedrale sind wir schon zu spät, aber wer weiß, ob wir überhaupt reingekommen wären, denn der ist nur für Gläubige und nicht für Touristen. Woher wissen die, ob man nicht ein gläubiger Tourist ist? Wir haben uns die Kathedrale größer vorgestellt. Hinter dem Hauptaltar führt eine kleine Treppe, man muss in einer langen Schlange dafür anstehen, zu der Jakobsstatue hinauf, die von den Menschen geküsst wird. Das ist mir dann doch zu unhygienisch. Auf der anderen Seite gelangt man in die Krypta mit den angeblichen Überresten des Hl. Jakobs, dessen Leichnam in einem Schiff aus Stein von Palästina hierher überführt worden sein soll. Die Kathedrale ist von mehreren Plätzen umgeben, und auf dem westlichen kommen die Jakobspilger an. Die einen jubeln, andere reißen ihre Arme in die Luft und wieder andere filmen ihre Ankunft mit der GoPro. Das weckt in mir den Wunsch auch einmal eine Pilgerreise zu machen. Mal sehen. Wir schauen uns dann noch ausführlich die nette und saubere Altstadt mit den extrem vielen Schmuckläden und natürlich den Andenkenläden an. Dort kann man Pilgerstäbe mit der Muschel in diversen Ausführungen erwerben, Hüte, Armbänder, Trinkbeutel aus Leder u.v.m., was das Pilgerherz begehrt. Der Magen meldet sich und in einem kleinen Lokal gibt es ein sehr reichliches Menu del día. Fischsuppe und Bacalao  (Stockfisch) für Wolfgang und Tintenfisch und Raxo (Schweinefilet) für mich, dazu Wein und als Dessert Mandelkuchen. Es schmeckt alles sehr gut! Eigentlich wollen wir am Abend noch in der Stadt bleiben, doch zwischen 16 und 20 Uhr hat alles ein bisschen zu und danach wird es uns zu spät, also machen wir uns noch vorm Dunkelwerden auf den Weg zum Hiasl.

 

 

Heute wollen wir wirklich die portugiesische Grenze überfahren. Auf der Hälfte des Weges legen wir aber noch einen Zwischenstopp in Pontevedra ein, das eine sehr hübsche Altstadt haben soll. Und wir werden nicht enttäuscht. Zuerst schauen wir uns die Markthalle an, die mit einem üppigen Angebot an Fischen und Meeresfrüchten aufwarten kann. Es sieht alles sehr appetitlich aus, aber ich bin absolut kein Muschelfan, Wolfgang mag keine Garnelen und Co. Und Fisch hatten wir erst. Also nur anschauen und dann eine Empanada mit Äpfeln kaufen. Es gibt hier viele kleine Plätze mit im Sommer schattenspendenen Bäumen, die jetzt gerade ihr verfärbtes Laub abwerfen. Darunter stehen von den vielen Cafés und Bars die Tische. Heute ist ja Samstag und es ist richtig was los. Straßenmusikanten spielen auf Geige, Gitarre oder Dudelsack. Einfach eine klasse Stimmung. 50 km weiter befahren wir in Tui die alte Grenzbrücke. Eigentlich für Fahrzeuge über 3,5 to gesperrt, weil sie sehr schmal ist, aber Wolfgang meint, dass wir da locker durchpassen. Das stimmt. Wir schon, aber unser rechter Außenspiegel nicht. Tja, da braucht es wohl jetzt einen neuen. Nach einem Einkauf in einem mäßig ausgestatteten Intermarché steuern wir den Wohnmobilstellplatz in Vila Nova de Cerveira an und machen uns auch gleich auf den Weg in das kleine Städtchen. Da heute Markt ist, sind jede Menge Leute hier, vorwiegend Spanier. Allerdings werden jetzt um halb sechs die Stände allmählich abgebaut und wir müssen unseren Durst in einer netten Bar mit Wein löschen. Und mit noch einem. Aber dann ab ins Körbchen!

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Frankreich 26.10. - 04.11.2017

Von unserem Übernachtungsplatz sind es ca. zwei Kilometer hinauf nach Gordes. In den letzten Kriegstagen von den Deutschen zerbombt wurde es dann aber dank einiger Künstler und später dann - reichen - Aussteigern wieder aufgebaut und zwar vom Feinsten. Hier dominieren wieder die Steinhäuser. Außerhalb des Ortskerns kommen wir an großzügigen Villen vorbei, mit Steinmauern eingezäunt und leider alles so zugemacht, dass ich fast nirgendwo einen Blick auf Haus oder Garten erhaschen kann. Aber ein Blick in die Broschüre eines Immobilienhändlers zeigt uns, dass hier alles sehr geschmackvoll gebaut wurde, dafür geht halt unter 800.000€ kaum was. Ich glaube, ich muss noch sparen. Als wir durch alle Gassen gegangen sind, fährt uns Wolfgang, manchmal schneller als mir lieb ist, über die doch recht enge Landstraße nach L’Isle sur Sorgue. Und hier haben wir nun zum ersten Mal Probleme einen Parkplatz zu bekommen. Entweder privat oder wir sind zu hoch oder Wohnmobile dürfen nicht! Kurz vorm Aufgeben werden wir fündig und gehen in die nette Altstadt hinein. Es ist kurz nach Mittag und bald schon wissen wir, wieso heute so viel los ist. Es war Markt! Und gerade noch bauen die letzten Händler ihre Stände ab, stapeln den Müll auf Haufen und brausen davon. Schade, wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir nicht so rum getrödelt. Doch die Stadt ist trotzdem schön. Es haben sich hier viele kleine Kunsthandwerksbetriebe angesiedelt, die ihre Waren wie Seifen, Karten, ausgefallene Kleider, Töpferwaren usw. direkt vermarkten. Nach so viel Stadt haben wir Hunger und genehmigen uns Quiche, Soupe à Pistou, Ziegenkäse mit Wein und später noch Kaffee. Oje, nun sind wir gleich noch müder, also fahren wir gemütlich noch an Avignon vorbei bis kurz vor Tarascon, wo wir an der Rhône einen ebenen Parkplatz finden.

 

 

Tarascon hat ein wuchtiges Schloss am Ufer der Rhône, doch der Eintritt ist uns zu teuer und so stiefeln wir nur etwas im Innenhof rum, von wo man aber schon einen Eindruck von der lt. Reiseführer gelungenen Architektur gewinnen kann. Viel interessanter finde ich allerdings die Altstadt. Viele der kleinen, meist zweistöckigen Häuser sind unbewohnt, aber aus den anderen dringt orientalischer Essensgeruch aus den Fenstern und wenn sich eine Tür öffnet, kann man eine enge, dunkle und steile Treppe sehen. In den Gassen liegt ein leichter Modergeruch, der auch aus den Häusern strömt. Es ist Freitag Mittag und es eilen ein paar Männer in ihren Dschellabas aus der Moschee nach Hause. Es sieht ganz so aus, als ob in den teils schäbigen Häusern der Altstadt nur mehr Migranten oder Franzosen mit nordafrikanischer Abstammung leben. Am Nachmittag bringen wir noch unseren Wochenendeinkauf hinter uns, was in Frankreich eigentlich immer ein Vergnügen ist, und fahren dann noch sagenhafte 17 km nach Remoulins.

Obwohl wir uns jeden Abend vornehmen am nächsten Morgen mal früher aufzustehen, schaffen wir einfach nie. Ein Grund ist natürlich, dass es erst so gegen acht Uhr hell wird. Auch das Frühstück zieht sich immer, denn seit wir unterwegs sind und leider keine Süddeutsche mehr haben, hören wir jetzt stattdessen immer ein Hörbuch. Und manchmal ist es halt gerade so lustig oder spannend, dass wir eben nicht ausschalten können. So auch heute. Doch endlich ist es gegen 11 Uhr soweit und wir starten zur Pont du Gard. Es sind gute zwei Kilometer zu Fuß, aber der extreme Wind macht uns heute etwas zu schaffen. Auf den staubigen Wegen und Feldern ist die Winderosion deutlich zu sehen! Natürlich sind außer uns noch andere Touristen hier, um dieses berühmte römische Aquädukt von 50 v. Chr. zu bewundern. Nur mit Hilfe von ausgeklügelten Flaschenzugsystemen wurden damals die riesigen Steinquader nach oben befördert. Einfach genial! Zurück sind wir dann über die Hügel, wo es zum einen sehr heiß ist, aber auch der Wind ganz schön an uns gezerrt hat. Der Tag ist noch jung und so rollen wir noch bis Uzès weiter. Hier gibt es auf der Domaine Saint Firmin einen Stellplatz für Wohnmobile, von wo aus man in ein paar Minuten in der Altstadt ist. Um einen großen Platz mit Springbrunnen und Platanen gruppieren sich Steinhäuser mit weiten Arkaden, in denen Läden ihre hochpreisige Ware anbieten. Uzès ist zwar arg touristisch, aber trotzdem hat es was. Die Bars sind voll mit Leuten, die nach den Samstagseinkäufen noch schnell einen Café oder Pastis trinken. Vor dem Dunkelwerden laufen wir wieder zurück zum LKW, wo wir uns dann noch eine gute Flasche Rotwein holen.

 

Eigentlich wollen wir ja nach Portugal, aber ein kurzer Abstecher in die Cevennen muss einfach sein. Also geht es heute Richtung Norden über Alès, wo wir ein bisschen über einen Flohmarkt schlendern, weiter nach St. Jean du Gard, ein kleines Dorf am Fuße der Cevennen und Endstation der dampfbetriebenen Cevennenbahn.  Nach einem Spaziergang und Aperitif im Ort kommen wir gerade rechtzeitig zum kleinen Bahnhof, als eine Dampflok Wasser bunkert und dann mit lautem Gezisch und Dampfwolke ausspeiend davonfährt.

 

 

Es gefällt uns hier so gut, dass wir noch einen Tag hier einlegen und am Vormittag durch wunderschöne Kastanienwälder zu einem weiteren Gardonzufluss spazieren. In dem Weiler Aubignac wohnen noch wenige Familien, die Landwirtschaft betreiben, die Bar und ein recht moderner Campingplatz mit diversen Wasserrutschen haben geschlossen, so lassen wir uns am Ufer des Gardon eine Weile die Sonne ins Gesicht scheinen und genießen die Natur. Auf dem Rückweg sammeln wir fleißig Maroni für eine unserer Lieblingsspeisen: Balsamicolinsen mit roher Schweinewurst! Das Schöne an St. Jean du Gard ist, dass der Ort noch lebt. Um 15 Uhr macht der Super U auf, alle strömen zum Einkaufen und danach geht es in die Bar auf einen Café oder ein Bierchen. Frauen mit Freundinnen, mit Kindern, Großeltern mit den Enkeln, ältere Damen auf einen Ratsch und zwei Touristen, also wir. Das finde ich toll, so was hätte ich auch gerne in Deutschland. 

Uii, heute ist ja Halloween! Und anscheinend gibt es da in Frankreich viele Anhänger dafür, denn als wir am Morgen die Jalousien öffnen, ziehen schon jede Menge Leute - alt wie jung - maskiert an uns vorbei. Doch wir wollen nun weiterfahren, müssen allerdings einen Umweg in Kauf nehmen, weil heute auch noch Markt in der Hauptstraße ist. Der Umweg ist zwar nur für Fahrzeuge bis 3,5 to und sportlich eng, doch nach 10 km haben wir auf die Hauptstraße geschafft. Diese verbindet St. Jean du Gard mit Florac, heißt Corniche des Cévennes und wurde vor ca. 300 Jahren von den Truppen Louis XIV. gebaut. Schon Robert L. Stevenson, ein englischer Schriftsteller,  bekannt durch Die Schatzinsel oder Dr. Jekyll und Mister Hyde, war von der grandiosen Landschaft der Cevennen so begeistert, dass er mit einem Esel durch diese Berge zog. Und diese Tour wird hier ziemlich vermarktet. Es gibt viele markierte Stevenson-Wanderwege, auch wir laufen vom Col de Faïsses rüber nach Barre des Cevennes, ein kleines Bergdorf. Drei Straßen parallel zum Hang, flankiert von alten Steinhäusern, eine Pizzeria, Krankenschwester, Kindergarten, Schule und einen Lebensmittelladen mit angegliederter Bar. Auf dem sonnigen Balkon  bekommen wir Pastis und Rotwein serviert und Wolfgang organisiert aus dem Laden Baguette und zwei Stücke frischen Schafskäse. Mmm, lecker! Da macht es uns nichts aus, dass es auf dem Rückweg schon etwas kühl wird und wir schauen müssen, dass wir nicht in die Dunkelheit kommen. Wir übernachten dann gleich hier oben auf gut 1000 m Höhe auf dem Pass.

 

 

Weiter geht es auf der Corniche nach Florac, wo wir mal wieder auf einem Wohnmobilstellplatz ordnungsgemäß entsorgen, bevor das nächste landschaftliche Highlight kommt, die Gorges du Tarn. In Jahrmillionen haben sich der Tarn und seine Nebenflüsse einen Weg durch den Kalkstein der Cevennen gegraben. Die Fahrt entlang der kurvenreichen Straße mit unzähligen Tunnels und mächtigen Felsüberhängen - vor denen wir immer Angst, ob wir auch unten durch passen - macht wirklich Spaß. Trotz Feiertag ist sehr wenig Verkehr, wir halten oft, um einen Blick auf die kleinen Weiler zu erhaschen oder den wenigen Bootsfahrern zuzusehen. Weit oben an einem felsigen Hang sehen wir Geier kreisen, es ist einfach toll hier! Wenige Dörfer am anderen Ufer haben keine Straßenanbindung und sie sind nur über eine Seilbrücke oder mit dem Boot zu erreichen. Wo immer sich ein ebenes Stück Land befindet, wird Gemüse angebaut, wenn sich das enge Tal mal weitet sehen wir aber auch Obstbäume oder Weinreben. Am Spätnachmittag erreichen wir Millau, wo sich über dem Tal der Tarn die höchste Seilbrücke der Welt spannt und genau darunter finden wir einen Übernachtungsplatz mit vollem Vertrauen in die Ingenieurskunst.

Nicht weit von hier ist Roquefort, wo seit gut 150 Jahren in den natürlichen Felskellern der berühmte Roquefort-Käse reift. Der größte Produzent hier, die Roquefort Societé, bietet eine Führung mit anschließender Verkostung an. Gut dass wir eine dreiseitige Information auf Deutsch bekommen haben, denn bei dem Okzitanisch des Guide habe ich trotz sehr guter Französischnoten kaum was verstanden. In ca. einer Stunde haben wir alles über die Herstellung, der Veredelung, der Reifung und der Lagerung erfahren. Wolfgang dachte zuerst, die vielen Käselaiber seien Dekostücke, aber nein, alles echt! Es war sehr interessant und die drei verschiedenen Sorten waren wirklich sehr lecker.

Da die Wetterapp für die kommenden Tage nichts Gutes vorhersagt, machen wir uns am Nachmittag noch auf den Weg nach Castelnaudary, d. h. wir sind heute sagenhafte 170 km gefahren. Das ist schon lange nicht mehr vorgekommen.

 

Heute Morgen ist es seit fünf Wochen zum ersten Mal bewölkt. Vorsichtshalber lege ich noch eine Laufeinheit entlang des Canal du Midi ein, bevor wir uns auf die Weiterreise begeben. Wir fahren durch eine einsame, hügelige Landschaft, die intensiv bewirtschaftet wird. Riesige ockerbraune, für das kommende Frühjahr hergerichtete Felder, Kuhweiden und Weinberge, dazwischen einzelne Bauernhöfe mit großen Stallungen und wenige kleine Dörfer sehen wir abseits der Straße. Als wir durch Lavelanet kommen, sehen wir, dass gerade Markt ist und suchen eilig einen Parkplatz, denn es ist schon kurz vor 12. Leider haben wir gestern groß eingekauft, aber für eine Pastete und Oliven ist immer Platz. Am Horizont tauchen nun die Pyrenäen auf. Die Berge sind noch grün, auch auf den Gipfeln liegt noch kein Schnee. Im Thermalbad Ax-les-Thermes gibt es ein paar offene Becken mit heißem, schwefelhaltigem Wasser in der Stadt. Wie schon vor knapp 20 Jahren baden wir unsere Füße darin. So „erfrischt“ fahren wir nun die letzten kurvigen und steilen Kilometer hinauf nach Andorra. Neben der tollen Berglandschaft mit vielen Skigebieten, hat Andorra noch was anderes zu bieten: Es gibt keine Steuern hier, so dass günstig einkaufen und tanken kann. Bei den 400l, die wir bald in unsere Tanks laufen lassen, sparen wir uns gut 100€! Um in die Hauptstadt Andorra La Vella zu gelangen, fahren wir über einen 2411 m hohen Pass. Dort geht aber so ein starker Wind und es ist saukalt, dass ich nur schnell ein paar Fotos mache und dann schon brausen wir auf der anderen Seite wieder hinunter. Bei einem Einkaufszentrum gibt es kostenlose Parkplätze für Wohnmobile, wo wir auch übernachten.

 

Was ist das denn für ein Geräusch? Tatsächlich Regentropfen, da ist es ja nicht weiter schlimm, dass wir heute einkaufen gehen. Wolfgang bräuchte ein neues Handy, denn er hat sich die „Spinnenapp“ draufgeladen. Aber irgendwie können wir uns nicht für einen Kauf entscheiden, wir haben die Preise nicht im Kopf und so muss es also weiterhin mit dem kaputten Display gehen. Auch sonst finden wir nichts Gescheites und so bleibt es dann bei ein paar Flaschen Wein. Da es immer noch regnet, machen wir uns weiter auf nach Spanien, was in fünf Kilometern schon da ist. Leider haben wir uns die Dieselpest eingefangen und deshalb wollen wir nun so schnell wie möglich in einen Hafenort , wo wir hoffen bei einem Bootszubehör ein entsprechendes Biozid dagegen kaufen zu können. Denn vor allem Boote und Wohnmobile, wegen teils langer Standzeiten, fangen sich diesen Mist ein. Für uns heißt das, also wieder mal ein langer Fahrtag. Durch nebelverhangene Berge und verregnete Städtchen fahren wir Richtung Südwesten und übernachten dann irgendwo in der Pampa.

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Frankreich 18.10 - 25.10.2017

In der Nähe von Vence kann man eine schöne Wanderung über die „Baoux“ machen und deshalb visieren wir einen Parkplatz bei St. Jeannet an. Für 18 to freigegeben, na dann nichts wie rauf. Vorbei an wahnsinnig schönen provenzalischen Villen, aber über eine sehr schmale Straße mit sehr engen Kurven, wo wir sogar mal rückstoßen müssen - und das passiert uns so gut wie nie! - kommen wir endlich zum letzten Abzweig. Aber da steht ein Schild, dass die Straße ab hier wegen Leitungsarbeiten gesperrt ist! Also alles umsonst. Grrr! Wolfgang findet Gott sei Dank eine geeignete Stelle zum Wenden und wir rollen die ganze Gaudi wieder runter. In Tourrettes sur Loup finden wir einen passenden Stellplatz und machen uns gleich noch auf in das mittelalterliche Städtchen. Wir durchstreifen zuerst noch die Gassen mit schicken Lädchen, erfreuen uns am Klavierspiel eines Bewohners, sehen den Boulespielern zu, bevor wir uns dann doch noch in einer Bar einen Weißwein als Aperitif gönnen.

 

Wir müssen uns dringend mal wieder bewegen und starten dann nach dem Marktbesuch zu einer Runde auf den Puy de Naouri. Zuerst wieder steil hinauf durch das Villenviertel, wo man wirklich vor Neid erblassen könnte! Steinhäuser mit pastellfarbenen Fensterläden oder verputzte Häuser in Pastell mit Türmchen, mit Anbauten, Terrassen, geschmackvolle Gärten, mit Pools usw. Der Pfad danach zieht sich die Hänge hinauf durch Salbei und Thymian, Brombeeren und Ginsterbüsche. Es riecht würzig, der Himmel ist blau. Einfach wunderschön! Leider ziehen am Gipfel Wolken vorüber und wir haben dort keine Sicht bis zum Meer, aber das macht nichts. Nach fünf Stunden kommen wir hungrig und durstig wieder am LKW an.

Über Bar sur Loup gelangen wir in die Gorges de Loup. Die enge Straße windet sich steil durch die Schlucht des Loup hinauf, wo sich ein großartiges Hochtal auftut. Leider sind die Parkplätze recht rar gesät, so dass wir alles nur vom Auto aus sehen können. Gott sei Dank sitzen wir ja recht hoch drin und haben so zumindest etwas Aussicht. Zu Beginn der Reise war ich ja ein bisschen skeptisch im Herbst unterwegs zu sein. Aber jetzt muss ich sagen, was Besseres kann es gar nicht geben. Blauer Himmel, klare Luft und das bunte Farbenspiel der Laubbäume ist so schön, dass wir uns gar nicht sattsehen können. Ab und an kommen wir an kleinen Weilern vorbei. Einer schöner wie der andere. In Greolières spazieren wir durch die Ortschaft. So klein sie auch ist, es gibt mehrere Bars, zwei Restaurants, Bäcker, kleiner Supermarkt und alles offen! Bald erreichen wir einen kleinen Pass auf ca. 1100 m. Spontan holen wir bald danach die Räder runter und strampeln wieder hinauf. Leider haben wir bergauf Gegenwind, was nicht ganz so lustig ist, dafür geht’s dann in die andere Richtung umso flotter. Hauptsache, es macht Spaß! Am Spätnachmittag kommen wir in Castellane an, durchstreifen noch das nette Städtchen, bevor wir es uns dann im Auto gemütlich machen. Denn ich muss schon zugeben, sobald die Sonne untergegangen ist, wird es schon recht frisch.

 

Auf einem Felsen über dem Ort thront eine Wallfahrtskapelle, wo ein steiler Weg hochführt. Von oben haben wir einen fantastischen Blick auf Castellane, die umgebenden Berge und auf den Beginn der Verdonschlucht. Am Nachmittag müssen wir ein ganz klein bisschen am Auto rumschrauben, aber dafür gibt es dann zur Belohnung einen Aperitif in einer Bar. Die Kalorien müssen natürlich wieder runter, so dass wir noch Federballspielen, bis der Wind zu stark wird.

 

Laut Wetterapp soll es heute eigentlich nicht so schön sein, aber davon merken wir nichts. Die Nacht ist zwar kalt gewesen, auch das Laufen am Morgen ist noch arg zapfig, aber die Strecke geht doch ziemlich bergauf, so dass das mit dem Frieren bald nachlässt! Durch eine traumhaft schöne Landschaft geht es nun in die Gorges du Verdon, die mit ihren bis zu 700 m hohen Felswänden die größte Europas ist. Auf dem Navi entdecken wir eine kleine Straße, die zu einem Parkplatz tief unten führt. Hier ist der Startpunkt für eine 6-Stunden-Tour durch die Schlucht. Da braucht man natürlich um zwei Uhr nicht mehr anfangen. Aber wir marschieren wenigstens eine gute halbe Stunde hinein.  Alles super, bis wir zu den Tunnels kommen. Zwei sind wenigstens gerade, so dass man das Ziel immerhin als kleinen Lichtpunkt vor Augen hat. Aber einer, mit ca. 200 Metern auch der längste, hat auch noch zwei Kurven und ist somit stockfinster. Wir haben nur ein Handy dabei und der Akku ist auch nicht mehr voll. Aber alles geht gut! Bei einem beeindruckenden Überhang sehen wir eine spektakuläre Kletterroute. Da braucht man schon viel Gottvertrauen in die einbetonierten Haken. Zurück am LKW schrauben wir uns wieder hinauf auf die Hauptroute und machen bald  erneut Halt am Point sublime, von wo man einen hervorragenden Blick in die Tiefe des Canyons hat. Es ist schon spät und wir müssen weiter. Immer wieder öffnen sich Superblicke auf den Verdon tief unten. Und dann sind wir schon am Stausee Lac St. Croix. Die letzten Kanus und Tretboote trudeln ein und da beschließen wir, morgen früh auch eine Kanutour in den Canyon zu machen. Wir finden dank einer kleinen Offroadeinlage einen tollen Stellplatz am Ufer. Leider kommen Wolken auf und so wird es nichts mit den Orioniden-Sternschnuppen.

Auch mit unserer Bootstour wird es nichts, denn es geht ein starker Wind und da ist der „Canyon closed“. Dafür werden wir durch den kleinen Ort Moustiers St. Marie voll entschädigt. Es ist Sonntag und somit sind viele Ausflügler unterwegs, aber trotzdem gefällt uns das mittelalterliche Dorf rund um seine Kirche ungewöhnlich gut. Berühmt geworden ist es durch seine Fayencen, deren Produktion im 18. und 19. Jahrhundert wegen Billigware aus England eingestellt wurde. Erst in jüngerer Zeit haben sich wieder Fayencekünstler hier angesiedelt und das Handwerk wieder aufleben lassen. So allmählich gelangen wir von der Haute Provence in die Provence, was man schon an den unzähligen Lavendelfeldern sieht. Die Gegend eignet sich hervorragend zum Motorradfahren. Doch bald wäre es für einen von ihnen schlecht ausgegangen. Eine Gruppe von Bikern kommt uns in einer 90°-Kurve entgegen und einer von ihnen wird zu weit in die Kurve hineingetragen, er sieht uns, kommt ins Schleudern und fängt sich knapp vor unserem linken Vorderreifen. Wolfgang hat ihn schon unterm Truck gesehen. Gott sei Dank ist nichts passiert, aber der Schreck sitzt uns noch eine Zeitlang in den Gliedern. In Cerèste übernachten wir. Da es heute extrem windig ist, fällt der Gang durch den verschlafenen Ort ziemlich kurz aus. Dafür ist unser Abendessen umso ausgiebiger: Baguette mit Tapenade, Pastete, Stiersalami, zwei Bleche Pizza, Käse, lecker Rotwein, mmmh!

 

Wäschewaschen ist wieder angesagt. In Apt gibt es einen Waschsalon und nach einer Stunde haben wir für 10,60 € zwei Maschinen gewaschen und getrocknet inkl. Waschmittel. Am Nachmittag wollen wir eigentlich ein bisschen durch die Stadt bummeln, aber das wird nix, denn heute ist Montag und fast alle Läden haben geschlossen, so dass es etwas „doudelt“, wie man in Bayern sagt! Also verschieben wir das auf morgen und fahren noch hinauf nach Buoux, von wo wir morgen eine nette Wanderung machen wollen.

Zuerst geht es hinauf zum Fort de Buoux, eine mittelalterliche Festung aus dem 12. Jahrhundert. Später diente es den protestantischen Waldensern als Zufluchtsort, bevor es dann der Sonnenkönig Ludwig XIV. schleifen ließ. Die Gebäude aus dieser Zeit wie Wohnhäuser, Zisternen, Getreidesilos, Kirche und die Burg sind noch relativ gut erhalten. Von oben können wir den ganzen Luberon übersehen und auch der berühmte Berg der Tour de France, der Mont Ventoux , ist gut auszumachen. Über eine steile Geheimtreppe gelangen wir wieder zum Kassenhäuschen und nach einem Blick aufs Handy entschließen wir uns für eine kleine Rundwanderung. Durch Eichen- und Kastanienwälder müssen wir aber dann doch auf 900m hoch auf den Pelat de Buoux. Ich glaube, das mit dem Stadtbummel wird heute wieder nichts! Beim Abstieg verpassen wir eine Abzweigung und landen direkt vor einem - eingezäunten - Geiernest. Der Vogel ist über uns aber noch mehr erschrocken und segelt hastig davon. Hat aber schon beeindruckend ausgesehen. Mit brennenden Fußsohlen sind wir dann erst am kurz vor dem Dunkelwerden beim Hiasl und deshalb übernachten wir gleich noch mal hier am Ufer des Aiguebrun. Einziger Wermutstropfen: absolut kein Internet und auch kein Telefonempfang.

 

Uiii, es ist schon halb 10, als wir in dem dunklen Tal endlich aufwachen. Jetzt müssen wir uns aber sputen, sonst klappen die in Apt wieder die Gehsteige zu für die Siesta. Trotzdem nehmen wir uns die Zeit durch Saignon zu schlendern. Es ist einfach ein Dorf schöner wie das andere und da können wir halt nicht nein sagen. Wie ein Adlernest klebt es auf einem Felsen. Ein paar alte Männer sitzen auf einer Bank vor ihren Häusern und lesen Zeitung, die Frauen ratschen vor der Bäckerei. Ein bisschen geschäftiger geht es dann in Apt zu. Heute sind fast alle Läden geöffnet und die Leute, Einheimische und auch ein paar Touristen, gehen noch schnell ihren Besorgungen nach, bevor pünktlich um eins die Rollos niedergelassen werden oder zumindest ein Hund in der Tür zur Bewachung abgestellt wird. Für uns ist wie fast immer nur window shopping angesagt. Denn wo sollen wir denn mit den ganzen schönen Dingen hin? Das macht mich schon etwas traurig…

Wenige Kilometer weiter stoppen wir in Roussillon, laut Prospekt eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Berühmt wurde es durch seine Ockersteinbrüche. Heute wird hier nichts mehr abgebaut und es wurde für die Besucher ein Weg angelegt. Wir waren zwar vor vielen Jahren schon mal hier, aber es ist einfach so faszinierend durch diese gelb-, orange-, rot- und braungefärbten Felsen zu gehen, dass wir uns trotz der vielen Leute wieder dazu entschlossen haben. Die Kinder haben einen enormen Spaß dabei, sich mit dem bunten Sand die Gesichter anzuschmieren oder auf dem Hosenboden wo runterzurutschen. Leider hat Wolfgang arg aufgepasst, so dass das mit seiner Kriegsbemalung nichts geworden ist. Wir laufen danach noch ins Dorf rüber, dessen Hausfassaden alle in den unterschiedlichsten Ockertönen strahlen. Dazu noch die Fensterläden in grau, grün oder blau, einfach super! Allmählich werden wir müde und hungrig und fahren noch ein kurzes Stück weiter nach Westen auf einen Parkplatz unterhalb Gordes.

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Italien 11.10. - 17.10.2017

Heute tauchen wir so richtig ein in die Hügellandschaft des Piemont. Sie sind nicht hoch, so um die 500 bis 600 m, kegelförmig und ringsum mit Weinreben bepflanzt. Ab und zu sehen wir auch Haselnussplantagen. Auf den Spitzen sind meist kleine Weiler oder einzelne Weingüter oder manchmal eine Kirche draufgesetzt. Die Weinlese ist schon vorüber, aber die Stöcke sind noch belaubt und die Farben der Blätter wechseln von dunkelgrün über hellgrün zu gelb, weiter geht es mit orange und dunkelrot. Es sieht phantastisch aus! In Nizza-Monferrato machen wir einen kleinen Stopp. Auch hier wieder eine belebte Altstadt mit Laubengängen beiderseits. Die Leute gehen von einem Laden zum nächsten, trinken schnell in einer Bar einen Espresso, ratschen mit einem Bekannten. Wir holen uns noch eine frische Foccaccia und fahren noch etwas weiter nach Cossano Belbo. Dort haben wir eine Wanderung auf der Karte gefunden, wir schätzen so ca. zwei Stunden. Es geht steil einen Weinberg hinauf und wir treffen auf mehrere Jäger mit orangen Westen und Gewehren. Plötzlich schießen aus dem Dickicht neben uns drei Jagdhunde heraus. Wir sind total erschrocken, und noch mehr, als wir erfahren dass heute Wildschweinjagd ist! Die Jäger sagen, dass wir auf die Wildschweine aufpassen sollen und so sind wir froh, dass uns der eine Dackel noch eine Zeitlang mit seinem Glöckchen begleitet. Die Tour ist dann doch weiter als gedacht, wir gehen von einem Hügel zum Nächsten, es ist nicht zu warm, die Luft riecht würzig und die Aussicht ist super. Als wir gar nicht mehr an die Schweine denken, entdecken wir ganz frische Spuren und es riecht sehr nach Wild. Ich seh schon die Schlagzeile vor mir: Deutsche Touristen von Keiler aufgespießt. Aber alles geht gut. Nach viereinhalb Stunden erreichen wir wieder die Ortschaft und sind schon in freudiger Erwartung auf einen Wein in der Bar. Doch die einzige hat heute zu, grr. Dann muss eben der Hiasl was aus seinen Vorräten ausspucken.

Wir haben heute Glück und finden einen zentralen Parkplatz für unser Gefährt in Alba. Hier findet gerade die Trüffelmesse für den weißen Trüffel statt. Auch in der Fußgängerzone werden kleine Stände mit Vitrinen für die Trüffel aufgebaut. Leider sind keine Preisschilder dabei, aber wäre wahrscheinlich eh nicht unsere Preisklasse. Wir schlendern rum, schauen uns ein paar Kirchen an, bis wir Hunger haben und in einer kleinen Trattoria zu Mittag essen. Und wenn wir schon mal hier sind, leisten wir uns einen feinen Barolo dazu. War nicht ganz billig! Dann reicht es auch schon wieder mit Stadt und wir fahren nun ins Herz des Barolo-Anbaugebietes. Kurz hinter dem Ort Barolo finden wir einen Picknickplatz für die Nacht.

 

 

Auch heute Morgen wieder blauer Himmel und wir gehen über den „sentiero langhe Barolo“ hinauf nach Monforte d'Alba. Sehr steile, kopfsteingepflasterte Gassen führen ganz hinauf zum alten Glockenturm, von wo wir eine tolle Rundumsicht auf die berühmten Barololagen haben. Über sehr sandige Wege marschieren wir nun hinab nach Barolo. Es ist recht heiß geworden und wir suchen eine einfache Bar, aber nix da. Nur vornehme Trattorien und Restaurants. Und irgendwie fehlt mir hier das Flair, alles wirkt etwas aufgesetzt, die Leute alle aufgetakelt und wir mit staubigen Bergschuhen und Jeans. Wir machen uns auf den Rückweg. Ganz vereinzelt hängen noch ein paar Trauben an den Stöcken und wir probieren. Es ist alles dabei, von sehr süß bis moussierend, viel oder wenig Kerne, harte und weiche Schale.  Wir genehmigen uns eine kleine Nachlese für morgen!

Heute verabschieden wir uns von dem wunderschönen Piemont und fahren über kleine kurvige Bergstraßen durch verschlafene Orte nach Pieve di Teco. Das kennen wir noch aus der Zeit, als wir oft in Ligurien waren. Sobald man in die enge Laubengasse kommt, riecht es leicht muffig, aber ich mag diesen Geruch. Um diese Jahreszeit kommt keine Sonne mehr in die Gasse, aber die obersten Stockwerke leuchten noch! In der Bar am Eck genehmigen wir uns einen Rotwein und Panini und schauen dem geschäftigen Treiben der Leute zu. Über Imperia gelangen wir nach Dolcedo, freuen uns, dass es endlich einen großen Parkplatz gibt und wandern noch zu dem Haus, wo wir schon oft eine Ferienwohnung gemietet hatten. Doch leider ist keiner zu Hause.  Aber es ist trotzdem schön, weil wir viele lustige Erinnerung mit dem Ort verknüpfen, vor allem die Sache mit dem elektrischen Golfwagen!

 

In Pantasina findet heute die „sagra della castagna“ statt, da wollen wir natürlich hin. Die paar Kilometer von Dolcedo wären kein Problem, wenn die Straße nicht so eklig eng wäre. Wir haben Glück, es kommt uns nur ein Auto entgegen und das genau an einer Ausweiche. Die Zweige der Olivenbäume hängen tief und ca. 2 Kilometer vor dem Ort ist ein kleiner Platz. Da parken wir den Hiasl und spazieren hinauf. Das ist auch gut so, denn nun kommen auf ein Mal die ganzen Besucher. Auf der Piazza sind Tische und Bänke aufgebaut, es gibt einen kleinen Flohmarkt, jede Menge zu Essen und zu Trinken und natürlich die Maroniröster mit ihren riesigen Pfannen. Wir müssen lange an den diversen Schlangen anstehen, aber irgendwann halten wir unsere Käseplatte, das tris di dolci und den Wein in der Hand und ergattern auch noch einen Platz. Eine Band fängt an zu spielen, es wird überall viel gegessen und getrunken. Auch bei uns gibt es Nachschlag mit Wein und Maroni. Am Nachmittag machen wir uns wieder auf den Weg, wir wollen die Abfahrt mit dem LKW hinter uns bringen. Also ich vor allem! Aber alles geht gut. Wir fahren noch bis an die Küste. Leider ist es hier arg schwierig einen freien Stellplatz zu bekommen und so stellen wir uns gezwungenermaßen auf einen Womostellplatz in S. Stefano al mare. Allerdings kostet der 10 Euro für nichts, also keine Möglichkeit zum Ver- oder Entsorgen.

Bei dem Superwetter will ich doch noch mal einen Badetag einlegen und die vielen kleinen Strände laden auch richtig dazu ein. Im Gegensatz zum Sommer haben wir den Strand fast für uns allein. Das Meer hat noch bestimmt 18 - 19° und ich finde es herrlich, im Gegensatz zu Wolfgang, der schon arg jammert. Leider ist unser Toilettentank voll und so müssen wir zum nächsten Platz bei Sanremo fahren, der eine Entsorgung bietet. Dafür ist er nicht so schön, keine Bademöglichkeit und es werden 15 Euro verlangt. Immerhin gibt es Frischwasser.

 

 

Heute verabschieden wir uns von Italien, denn eigentlich ist ja Portugal unser Ziel. Aber ob das noch was wird bei dem Reisetempo? Die Küstenstraße an der Riviera entlang ist wunderschön, doch Wolfgang ist schon etwas genervt wegen der unzähligen Rollerfahrer, die sich immer an den unmöglichsten Stellen vordrängeln, wegen der Zweite-Reihe-Parker, wegen dem Stop and Go Verkehr, bedingt durch viele Ampeln. Und dann verpassen wir auch noch eine Abzweigung und schon legen wir ein paar Kilometer extra ein. Dadurch kommen wir zu einem kleinen Grenzort mit gelangweilten Beamten, die uns auffordern die Kabine zu öffnen. Nachdem dann einer alles genau begutachtet hat, werden wir gnädig nach Frankreich durchgewunken.

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Italien 30.09. - 10.10.2017

Wir beladen mal wieder den LKW. Nach Wolfgangs Genesung hatte nämlich auch der Hiasl noch eine OP am offenen Herzen. Zwecks mehr Power hat er eine andere Einspritzpumpe bekommen, was sich aber etwas in die Länge gezogen hat. Aber Ende September hat Chefarzt Wolfgang sein OK für eine längere Ausfahrt gegeben und so sind wir gleich mal nach Grub zum Globetrotter-Treffen von Klaus und Erika Därr bei den Bayern Kamelen gefahren. Der Ort mit dem offenen Kamelstall, in dem auch noch ein orientalisches Zelt und eine mongolische Jurte Platz finden, ist tagsüber immer Treffpunkt der Gäste und abends finden dort Diavorträge und kleine Vorträge statt. Die professionelle Show von Stefan Erdmann macht so richtig Lust auf Island. Wir treffen viele interessante Leute hier, wie z. B. Marina und Georg mit ihrem Rundhauber oder Rolf mit seinem Dodge, und haben viel Spaß mit ihnen. Am Montagabend reisen wir satte fünf km weiter in unsere alte Heimat Oberdarching. Der Plan eine Wanderung zum Münchner Wasserreservoir am Taubenstein zu unternehmen, eine damalige Feierabendrunde mit Kinderwagen oder Kraxe, ist allerdings ins Wasser gefallen. Schade! Also ab nach Puchheim, wo noch eine kleine Familienfeier stattfindet, bevor wir dann am Mittwoch endlich Richtung Süden aufbrechen.

Über eine fast leere Autobahn gelangen wir nach Garmisch, wo wir erstaunt feststellen, dass auf der Zugspitze noch kaum Schnee liegt. Weiter geht es über den Fernpass ins Inntal runter und dann zügig durch den Tunnel bei Landeck hinauf auf den Reschenpass. Dort muss ich bei etwas frischen Temperaturen den alten Kirchturm von Graun fotografieren, der als einziges Gebäude noch aus dem gefluteten See rausragt. Zum Greifen nahe liegen der Ortler und die Königsspitze vor uns. Und mit jedem Kilometer, den wir nun ins Vinschgau runter fahren steigt die Temperaturanzeige auf dem Außenthermometer. Wird ja auch Zeit, gefroren haben wir nun genug. In Marling bei Meran übernachten wir auf dem Bahnhofsparkplatz.

 

 Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein wecken uns am Morgen, also so gegen neun Uhr. Wir wollen heute den südlichen Teil des Marlinger Waalweges gehen. Die Waale, Bewässerungskanäle, wurden im 17. Jahrhundert angelegt und werden bis heute noch benutzt um die Weinberge und Apfelplantagen mit Wasser zu versorgen. Es macht viel Spaß bei dem tollen Wetter an den Waalen inmitten von unzähligen Kastanienbäumen entlang zu gehen. Das Aufsammeln der Maroni ist allerdings unter Strafe verboten. Aber ein paar sind mir wohl ganz von alleine in meinen Rucksack gehüpft. In Lana kehren wir zu Wein und Brotzeit ein, bevor wir wieder zurückkehren. Ein total guter Tag!

 

Unsere Vorräte sind aus und so starten wir über Bozen nach Eppan zum Einkaufen und von dort zu den Montiggler Seen, wo wir einen schönen Parkplatz zum Übernachten wissen. Bei T-Shirt-Wetter umrunden wir noch sämtliche Seen am Nachmittag. Die Schwammerlsuche ist allerdings erfolglos.

Arco ist unser nächstes Ziel. Wir waren früher in allen Pfingstferien mit den Kindern und VW-Bus in Arco zum Mountainbiken, Wandern und Begehen diverser Klettersteige. Zu Beginn vor über 20 Jahren war es eine beschauliche italienische Kleinstadt mit ein paar Bars und Restaurants, kleinen Läden für den täglichen Bedarf und wenigen Outdoorgeschäften. Doch heute reiht sich ein Bergausrüstungsladen an den anderen, dazwischen Eisdielen und Schuhläden, etwas mehr Bars und sonst nichts. In der engen Hauptgasse brausen 70% der hochpreisig gekleideten Biker auf ihren E-Bikes rum, andere präsentieren sich immer noch mit Hüftgurt an der Eisdiele. Wir merken, dass uns diese ewige Poserei gar keinen Spaß macht und kehren bald zum Auto zurück.

 

Leider kommt heute Vormittag das große Grauen für uns, als wir aus nostalgischen Gründen beim Frühstück schnell beschlossen haben, den „Klettersteig“ auf den Colodri zu gehen. Hier gab es früher an wenigen Stellen einen Eisentritt oder ein kurzes Stahlseil, aber heute von unten bis oben seilversichert.  Die ersten 15 Minuten sind wie immer, doch dann sind wir plötzlich von vorne und hinten zwischen großen Gruppen von Klettersteigaspiranten mit unzähligen - zu kleinen - Kindern eingekeilt. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe sage und schreibe für die knapp 300 Hm 2Std. 50 Minuten gebraucht!!! Für diese Feierabendtour habe ich früher für Auf- und Abstieg höchstens 50 Minuten geopfert. Wir sind uns dann bei einem Glas Rotwein einig: Arco nie wieder! Und auch nie wieder Campione. Das war mal ein netter Surfer- und Kitespot mit vielen Wohnmobilen. Aber heute ist alles zu einer einzigen Baustelle umgemünzt und mitten drin im letzten Dreck ist ein sogenannter Wohnmobilstellplatz für 18 € für nix! Ja geht’s noch? Wolfgang meint, Brücke über den Gardasee und zuschütten! In Toscolano gibt es dann bei einem kleinen Park einen super Nachtplatz für uns.

 

Heute wollen wir mal etwas vorwärts kommen und spendieren dem italienischen Staat ein paar Euros an Mautgebühren. Doch trotz Autobahn schaffen wir es nur bis Alessandria. Doch wir haben Sonnenschein bei angenehmen 24°, die Landschaft ist zwar nicht so spannend - Poebene halt - , dafür sehen wir noch ein paar nicht abgeerntete Reisfelder und unzählige Kreisverkehre, die neue Geißel der Menschheit!

 

Alessandria ist eine typisch italienische Kleinstadt mit unzähligen engen Gassen und einer Fußgängerzone, wo sich allerdings im Gegensatz zu Deutschland nicht nur die gängigen Filialen aneinanderreihen. Nein, es gibt noch viele kleine Läden mit exquisiter Mode, ausgefallenen Schuhen, Haushaltswaren, Büchern etc. Und zwischen drin, schon fast versteckt, finden sich auch viele Kirchen und Paläste aus den vergangenen Jahrhunderten. Die Zitadelle am jenseitigen Tanaroufer hat uns nicht so begeistert, die Gebäude waren geschlossen und das umliegende Gelände hat einen etwas verwahrlosten Eindruck gemacht. Später haben wir uns dann mit unserem Wäschesack zu einem Waschsalon aufgemacht, wo wir neben Wäschewaschen gleich noch das gute WLAN zu allen möglichen Updates genutzt haben.

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Deutschland 04.08. - 27.08.2017

Wolfgang geht es nun besser und zwischen zwei Fixterminen machen wir endlich mal wieder eine kleine Ausfahrt mit unserem Hiasl. Über Bad Tölz - weiter kommen wir am ersten Tag nicht -, Kempten, Konstanz geht es in den Schwarzwald. Wir lassen es langsam angehen. Wandern um den Feldberg rum. Bleiben für mehrere Tage in Freiburg auf dem Campingplatz. Wechseln dann hinüber ins Elsass. Fahren mit dem Rad den Rhein rauf und runter. Und wie immer, wenn wir hier in der Gegend sind, füllen wir bei einem Winzer unseres Vertrauens in Dambach la Ville unsere Weinvorräte auf. Nördlich von Haguenau geht’s wieder nach Deutschland.

 

Auf Wunsch eines Einzelnen besuchen wir das Auto und Technik Museum in Sinsheim. Zum Teil etwas militärlastig, aber dank der ausgestellten Flugzeuge wie Concorde, Tupolew, „Tante Ju“ und der gut restaurierten Oldtimern hat es mir wider Erwarten auch gut gefallen. Bei unserem nächsten Stopp in Amberg werden wir auf dem Womo-Stellplatz interviewt und schaffen es mit dem Hiasl sogar in die Amberger Zeitung. Die letzten Tage führen uns in den Bayrischen Wald, nach Altötting. Naja, hat mich nicht vom Hocker gerissen, ist halt nichts im Vergleich zu Lourdes! Das letzte schöne Sommerwochenende verbringen wir in meinem geliebten Truchtlaching, wo wir noch zwei entspannende Badetage an der Alz haben. Die drei Wochen sind viel zu schnell vorbei. Hoffentlich können wir bald wieder starten.

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Deutschland Mai - Juli 2017

Neben vielen Arztbesuche, Krankenhausaufenthalten und Reha für Wolfgang, gibt es jedoch auch schöne Tage während unseres ungeplanten Aufenthalts in Deutschland. Wir treffen uns mit Eltern und Freunden und unternehmen (also nicht wir, sondern Angelika) wie immer tolle Wanderungen in den bayrischen Bergen. Das ist schon auch mal wieder entspannend, wenn die Wege markiert sind und meine Waden nicht wegen dichten Gestrüpps immer aussehen, als hätte ich mit Raubkatzen gekämpft! Am LKW werden kleinere Reparaturen vorgenommen (geplatzte Wasserschläuche werden durch extrem druckfeste ersetzt und ganz wichtig das Gebläse vorne, was sich ganz schön in die Länge gezogen hat!). Auch zum TÜV müssen wir wieder, was aber Gott sei Dank recht glimpflich abgeht.

 

Während sich Wolfgang in Bad Tölz aufpäppeln lässt, besuche ich unsere Tochter in Münster. Es sind trotz viel Regens zwei tolle Wochen. Ausgerüstet mit Schirm und guter Laune sind wir viel im nahegelegenen Teutoburger Wald unterwegs. Die angekündigten „Gipfel“ sind mir allerdings nicht aufgefallen! Aber ein kleiner Unterschied zum richtigen Gebirge muss es ja geben. Sehr gut hat uns Tecklenburg gefallen, ein mittelalterliches Städtchen mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und viel Flair.

Auf dem Rückweg nach Bayern lege ich noch einen einwöchigen Stopp in Bad Kissingen ein. Nein, nicht zum Kuren, zum Wandern und Biken in der Rhön. Nebenbei bemerkt, das Kissinger Heilwasser schmeckt zum Ko…! Petrus macht mir mal wieder einen Strich durch die Rechnung. An den zwei regenfreien Tagen radle ich die Saale zwischen Neustadt und Hammelburg rauf und runter. Viel Fachwerk, viele Burgen, intakte Natur, alles passt. An den anderen Tagen laufe ich, dank des Rhön-Clubs, der viele Rundwanderungen ausgewiesen hat, etliche Kilometer durch die Rhön. Leider kann ich fast nie die angepriesene Aussicht genießen, meistens sehe ich nur Pfützen, Matsch und Regenschirm. Für Mitte Juli ist es auch ganz schön kalt, aber die tolle Landschaft mit Hochmooren, in denen früher Verbrecher versenkt wurden, blühenden Hochebenen, windgepeitschten Bäumen macht alles wett.

 

Ende Juli bekommen wir Besuch von Emma und Emil, unseren Enkeln. Wir haben viele Pläne: ins Schwimmbad gehen, in den Bergen wandern, zum See fahren, grillen usw. Aber man ahnt es schon, es fällt alles ins Wasser. Von den neun Tagen, schüttet es an sieben. Also kramen wir unsere uralten Spiele raus, lesen viel, nützen jede Regenpause um überschüssige Energien los zu werden, schaffen es einmal zum Baden und auf die Tregleralm. Schön war’s mit euch, danke, dass ihr durchgehalten habt!

Deutschland 20.04.2017 -

Tja, lange hat es nun keinen neuen Blogeintrag von uns gegeben. Der Grund: Wir sind wieder in Deutschland. Wolfgang hatte immer wieder an unterschiedlichen Stellen starke Schmerzen, als wir uns dann am Ostersonntag nach reiflicher Überlegung und aber schweren Herzens dazu durchgerungen haben, nach Deutschland zurück zu kehren. Schon im Februar, noch zu Hause, hatte ich den Verdacht auf Borreliose bei ihm, doch die Ärztin hat dies abgetan und ihn mit Ibuprofen nach Hause geschickt. Mit unseren letzten MB der griechischen SIM-Karte habe ich jedoch herausgefunden, dass alle seine Symptome auf diese Krankheit hindeuten.

 

Bei schlechtem Wetter sind wir dann nach vier Tagen zu Hause angekommen. Das schlimmste an der Fahrt war dann die Vollsperrung der A21 um Wien herum. Wegen starken Schneefalls haben diverse Fahrzeuge die Fahrbahn blockiert, so dass wir 7 ½ Stunden bei Eiseskälte festsaßen! Zu allem Unglück hat sich dann auch noch die Heizung in der Kabine hinten verabschiedet, aber dank Wärmflaschen, heißen Tee, Decken, Schaffellen und dem Heißluftföhn konnten wir die Temperatur im Fahrerhaus auf wohlige 10 - 12 Grad aufwärmen. Fazit: 14 Stunden im Auto und 250 Kilometer weiter, grrr.

Nach einem Ärztemarathon im hochgelobten Deutschland - wir haben beschlossen wegen einer Krankheit nie mehr hierher zu fahren - hat Wolfgang dann endlich ein Antibiotikum verschrieben bekommen, das zumindest die Schmerzen reduziert hat und auch der Appetit ist wieder gekommen. Doch das Mittel der Wahl haben sie dann erst eine Woche später rausgerückt.

 

 

Jetzt sitzen wir hier bei einem Mistwetter, können nichts tun außer abwarten und hoffen, dass sich Wolfgangs Zustand bald soweit bessert, damit wir wenigstens in Deutschland und vielleicht Frankreich und Beneluxländer rumreisen können. Der einzige Trost: Wir treffen nun früher als erwartet unsere Familien und Freunde wieder!

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Griechenland 05.04. - 16.04.2017

Wir hängen bei Zampetas noch einen Tag dran: unsere Wäsche ist nicht trocken! Aber so kann Wolfgang noch einen Auslaufhahn in den Duschtank einbauen und dringende Putzarbeiten erledigen wir auch gleich noch. Zudem lernen wir hier Rita und Barni kennen, ein Schweizer Paar, das seit vier Jahren auf Achse ist. Wir erfahren viele interessante Dinge von ihnen und hoffen in unserem weiteren Reiseleben noch mehr so nette Leute zu treffen.

Dann ist es aber genug hier, denn wir müssen dringend zu IKEA - das zweite Mal schon in Griechenland wie der aufmerksame Leser feststellt - ein Satz Bettwäsche muss zu Lumpen verarbeitet werden und es muss Nachschub her. Ist ja nicht weit. Wir werden auch bald fündig, aber dann an der Kasse werden unsere Nerven schon arg strapaziert. Also die Griechen haben wirklich alle Zeit der Welt. Einer kauft nur ca. 25 Aschenbecher, zählt vorsichtshalber noch mal nach, und nein, es fehlen zwei! Also schwupps weg um die fehlenden zu holen! Und alle zahlen mit Karte, auch eine kleine Teekanne oder ein paar Teelichter und das dauert immer eine Ewigkeit. Gut, dass wir quasi in Rente sind und auch viel Zeit mitbringen. Endlich draußen machen wir uns auf den Weg nach Polygyros, ein kleines Städtchen, am Fuß des Holomontasgebirges. Eine hügelige Mittelgebirgslandschaft erwartet uns, was gut ist, denn wir wollen ein bisschen wandern. Wir sind hier auf gut 500 m Höhe und man merkt sofort, wie der Frühling gegenüber dem Flachland hinterherhinkt. In der Stadt gibt es laut Reiseführer noch alte makedonische Lehmhäuser, doch wir finden nur noch Ruinen davon, sonst lauter gesichtslose Neubauten. Zudem ist es arg kalt, so dass wir den Kaffee lieber daheim zu uns nehmen, statt in einer zugigen Bar.

 

10° zeigt das Thermometer heute Morgen und es ist grau in grau. Wir gehen auf den Hügel über der Stadt mit kleiner Kirche und großem Kreuz hinauf, von dem man bei guter Sicht alle drei Finger von Chalkidiki sehen kann. Heute nicht. Ich bedauere schon, keine Handschuhe dabei zu haben! In der Hoffnung noch etwas warm zu werden, machen wir noch die große Runde bevor wir wieder zum Hiasl gehen, aber nix war’s! Warm wird es erst, als wir den Zitronenkuchen in den Ofen schieben und bald darauf genießen.

Ab an die Küste und zwar auf den mittleren Finger, Sithonia. Wir halten nach einem Stellplatz Ausschau, wo wir ein paar Tage bleiben können und werden erst ganz unten, am südlichen Ende des kleinen Naturhafens Porto Koufo, fündig. Eine wahnsinnig schöne Bucht, weißblauer Himmel und Sandstrand, das haben wir gesucht. Ich bin gleich ganz übermütig und läute die Badesaison ein. Es ist aber noch so bestialisch kalt, dass ich nur kurz untertauche und dann bin ich auch schon wieder draußen. Wolfgang will sich natürlich nicht nachsagen lassen ein Weichei zu sein und „springt“ quasi hinterher. Genauso kurz!

Heute machen wir eine kleine Radltour hinüber an die Ostküste nach Kalamitsi. Mit einer angenehmen Steigung geht es über die Berge, vorbei an einer alten Windmühle. Wir werden mit einer herrlichen Sicht auf den Berg Athos für die - naja, nicht so enormen - Mühen belohnt. An den  Tavernen und Bars in Kalamitsi wird noch fleißig gewerkelt für den baldigen Saisonbeginn. Wir bekommen trotzdem was zu trinken, allerdings zu exorbitanten Preisen, die wir aber nicht bezahlen. Wir müssen ja nun wirklich nicht alleine Griechenland sanieren. Das Tolle an Kalamitsi ist die kleine halbmondförmige Bucht mit glasklarem Wasser und einem breiten Sandstrand, wo sich um diese Zeit noch nicht eine Liege an die andere reiht. Einfach traumhaft! Der kräftige Wind ist nicht ganz so toll, aber bei der Auffahrt zum Pass wird uns gleich wieder warm.

 

Weil es gestern so gut lief, starten wir heute mit dem Rad in die andere Richtung. Das ist das Gute hier: man muss nicht lange überlegen wohin, denn es gibt nur zwei Möglichkeiten. Damit es nicht so langweilig wird, nehmen wir die Schotterpiste an der Küste entlang. Es geht immer rauf und runter, wir fahren an traumhaften, einsamen buchten vorbei. Ab und zu passieren wir ein Hotel oder eine kleine Ferienanlage, aber alles ist noch im Winterschlaf. Nur ein kleiner bissiger Hund macht mir Angst, als er laut kläffend und mit weit aufgerissenem Maul auf mich zu rennt. Gut, dass ihn Wolfgang abwehren kann, denn es geht gerade bergauf, so dass ich auch nicht besonders beschleunigen kann. Nach einem steilen Stich hinauf auf die Ringstraße, geht es nun fast nur noch bergab zum LKW. Wegen des starken Windes geht der Tacho allerdings kaum über 45 km/h. Während unserer Siesta stehen auf einmal Rita und Barni vor der Tür. Sie haben uns mit dem Fernglas erspäht und geben uns wertvolle Informationen bezüglich der Türkei. Denn das Thema beschäftigt uns schon ziemlich. In einer Woche ist ja das türkische Referendum bzgl. Erdoĝans Machtbefugnisse und deswegen schieben wir die Einreise nun noch vor uns her, bis wir sehen, wie sich das entwickelt.

In dieser großen Bucht mit relativ flachem Wasser ist die Badetemperatur doch gleich viel angenehmer. Ich kann heute schon zweimal untertauchen, juhu! Und was auch noch besser ist: Es geht endlich so gut wie kein Wind.

Vor den Ostfeiertagen bunkern wir heute noch etwas Lebensmittel und fahren langsam hinüber auf den östlichsten Finger nach Ouranoupoli. Olivenhaine wechseln sich mit frisch ausgetriebenen Walnussbäumen, Eichen und Pappeln ab. Alles ist üppig grün, dazwischen gelbe und rosa Farbtupfer.

 

Das ist das Schöne an dieser Jahreszeit, nichts ist gelb und verdorrt. Der Nachteil: Wir fahren durch viele Geisterdörfer, die Cafés und Tavernen haben noch geschlossen, ebenso die Bäckereien und Supermärkte und die Häuser stehen leer. Sie warten alle auf die kommende Saison. In Ierissos bleiben wir am Hafen stehen. Hier gibt es noch ein paar Werften, die Holzboote herstellen. Vor und in den Hallen sehen wir die unfertigen Gerippe, draußen warten welche auf Ausbesserung. Überall wird gesägt und gehämmert und es riecht nach frischer Farbe. Bald sind wir in Ouranoupoli, der letzte frei zugängliche Ort der Mönchsrepublik Athos. Es kommt gerade eine Fähre mit Pilgern an, wobei es manche recht weltlich zugehen lassen mit der GoPro am Pilgerstab! Wir laufen an diversen Souvenirshops und Gaststätten vorbei zum Turm, in dem ein Museum untergebracht ist. Aber natürlich geschlossen. Allmählich nervt es mich und auch sonst habe ich mir von dem Ort mehr versprochen. Übernachten können wir hier auch nicht also drehen wir wieder um und installieren uns wenige Kilometer weiter in Nea Roda, einem kleinen, unscheinbarem Ort, wo wir aber in einer Taverne sehr leckeren Oktopus bekommen!

Irgendwie ist bei mir mit Griechenland so ein bisschen die Luft raus. Die Landschaft ist nach wie vor schön, aber immer die gleiche. Wir sehen während der Fahrt Supersandstrände, aber das ewige Rumhängen ist nichts für mich. In Olimbiades tanken wir am Hafen Frischwasser, aber ansonsten ist hier nur gähnende Langeweile und so geht es weiter im ewigen Auf und Ab mit unzähligen Kurven bis nach Loutra Eleftherones. Hier war vor, ich weiß nicht wie vielen Jahren, ein Thermalbad. Alle Gebäude stehen noch, aber leer, mit kaputten Scheiben, alte Matratzen und Unrat liegen herum. Die großen, alten Pappeln, die gerade neue Blätter ausgetrieben haben, mildern den hässlichen Anblick und lassen erahnen, wie das Ganze hier mal ausgesehen hat, als es noch in Betrieb war. Wir sehen die alten Badehäuser, ein Restaurant mit tollen blauen Fensterrahmen, alles mit einem morbiden Charme. Es gibt viele kleine Naturbecken mit dem warmen, schwefeligen Wasser, von denen wir uns ein freies aussuchen und so ca. 20 Minuten darin entspannen. Länger soll nicht so gut sein. Der ganze Ort ist, wie auch die Region hier, fest in bulgarischer Hand. 90% der Autos haben bulgarische Kennzeichen und es sind beileibe keine mickrigen Autos.

 

Nach dem Morgenbad fahren wir weiter nach Kavala. Eine große Hafenstadt, das weiße Häusermeer zieht sich wie bei einem Amphitheater die Hänge hinauf. Es ist dann gar nicht so einfach mit unserem großen Auto einen Parkplatz zu finden, zumal heute auch noch Markt ist, der natürlich auf einem der größeren Parkplätze stattfindet. Doch hinten am Hafen werden wir fündig. Praktischerweise ist es gleich unter der Altstadt. Steile Gassen führen zur ehemaligen Moschee hinauf und weiter zur Festung, von der aber nur der Wehrturm, zwei Gebäude und Teile der Mauer erhalten sind. Dafür hat man von hier oben einen Superblick auf die Stadt und auf das alte Aquädukt, das früher Kavala mit Wasser versorgte. Heute ist ja Karsamstag und wir sehen viele Griechen mit Schachteln von Konditoreien rumlaufen mit der Ostertorte oder -kranz. Wir begnügen uns mit einer Schachtel Blätterteiggebäck. An einem Strand außerhalb der Stadt übernachten wir.

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Griechenland 24.03. - 04.04.2017

Heute hat uns nach dem Frühstück der Rappel gepackt und wir haben, auch wegen der funktionierenden Dusche gleich nebenan, unsere Dachfenster und dann auch noch die Dachfläche vom Dreck befreit. Es war zwar ein bisschen mühsam einen Eimer ohne Henkel nach oben zu bugsieren, aber wir haben zumindest optisch den Eindruck, dass es sauberer aussieht. Wir verlassen nun Methana und es geht weiter über enge und kurvige Straßen, mal an der Küste, mal über die Berge. Wir durchfahren kleine Dörfer, zum Teil sind sie arg zerfallen und die Häuser heruntergekommen. Olivenbäume prägen die Landschaft. Doch auch da sehen wir gepflegte und geschnittene Bäume, wie auch zugewachsene und sehr dichte Oliven. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Kanal von Korinth. Das Navi hat uns allerdings zu der östlichsten Brücke geführt und die geht nur für Fahrzeuge bis zu 3 to. Der Kanal sieht hier nur aus wie ein ganz normaler Fluss. Also zurück und zur richtigen Isthmus-Brücke. Hier sind die Wände bis zu 80 m tief und wir sind beeindruckt, wie auch schon vor vielen Jahren. Was mir gar nicht gefällt sind die Klopapierfetzen und die Feuchttücher, die hier an Stelle von Schlössern ans Brückengeländer geknotet wurden. Ich bin auch kein Freund von diesen dämlichen Schlössern, aber Klopapier? Gerade als wir gehen wollen, entdecken wir am Westende ein Schiff, das sich auf die Kanaleinfahrt zubewegt und wir beschließen zu warten. Für die gut 3 km lange Strecke braucht das Schiff leider gut 45 Min., die wir in Sonne bratend verbringen. Dafür lässt der Kapitän das Horn kräftig tuten, als er unter der Brücke durchfährt. Der Name des Schiffes: Kapitan Erdoĝan! Weiter geht es Richtung Athen an der Küste entlang. Uns kommen ein Krankenwagen und eine Feuerwehr entgegen und bald sind wir an der Unfallstelle: ein Kleinlaster ist von der Straße abgekommen und liegt nun im Meer. Bei Kineta finden wir einen Parkplatz neben einer Bar, die aber jetzt noch nicht geöffnet hat, aber ein offenes Wlan hat. Das passt ja um den letzten Blogeintrag hochzuladen.

 

 

 

Wir wollen auf die Insel Euböa und fahren dazu, noch vor Athen, mal wieder über die Berge hinüber nach Chalkis, wo wir über die neue Brücke nach Euböa gelangen. Die Strecke war wunderschön wie immer, aber für Wolfgang ist es doch eine ganz schöne Kurbelei. Eigentlich wollten wir ja heute einen Großeinkauf machen, aber wir haben nicht bedacht, dass heute griechischer Nationalfeiertag ist und die großen Läden alle zu haben. In Nea Artiki parken wir am Hafen und schlendern an der Strandpromenade entlang. Doch die Restaurants sind alle dicht besetzt, kein Tisch ist frei. Beim Vorbeigehen läuft mir das Wasser im Mund zusammen: alle Arten von Fischen auf den Tellern, Garnelen, Tintenfische, Salate, Vorspeisen, kühler Weißwein etc. In der Stadt finden wir einen offenen Metzger, wo wir zwei Hähnchenkeulen kaufen und nebenan noch Gemüse und Brot. Und zudem noch eine kleine Ouzerie, wo wir Bier und Wein mit Meze, kleine griechische Vorspeisen, was es halt gerade so gibt, bestellen. Es ist unglaublich, aber für ein Bier, ein Viertel Wein und zwei Teller Meze  bezahlen wir fünf Euro! Wir sind müde von der Fahrerei, laufen noch ein bisschen zwischen aufgestrapsten, älteren Griechinnen mit dickbäuchigen Begleitern am Hafen rum, bevor wir uns in einem Olivenhain für die Nacht niederlassen.

Heute, am Sonntag, teilen wir uns die Strecke nach Limni, an der Ostküste Euböas, mit vielen Motorradfahrern und Ausflüglern. Die Motorräder können uns ja gut überholen und die anderen haben nun auch mal die Gelegenheit sich die herrliche Berglandschaft mit den würzig duftenden Kiefern anzusehen. Und plötzlich erreichen wir einen Fluss, der, ganz ungewöhnlich für Griechenland, auch noch Wasser führt. Auf der Karte ist eine Brücke zu sehen, die zu ein paar kleinen Seen führt. Da wollen wir uns die Beine vertreten. Doch das wird nix! Die Brücke ist eingebrochen und das Wasser zu kalt, zu tief und zu reißend. In Limni, einem kleinen Fischerstädtchen, mit recht engen Gassen und diversen Einbahnstraßen finden wir dann doch noch einen guten Platz direkt am Strand. Ein paar Meter weiter sitzen wir in einem Café bei Vanillepie und Cappuccino und beobachten die Einheimischen beim Flanieren.

 

Oje, es regnet leicht und ist kalt, so um die 12°. Ich bin nach dem Laufen mehr von oben nass. Als vom Schwitzen. Wir beschließen nach Loutra Edipsus zu fahren und dort die heißen Quellen zu suchen. Doch die sind entweder eingezäunt oder sie gehören zu Hotels, von denen fast alle zu sind, oder die Becken sind nur 20 cm hoch und das Wasser so um die 60° heiß. Auch der ganze Ort ist so richtig trist, so dass wir recht bald zum Hafen fahren und für die nächste Fähre ein Ticket zum Festland kaufen. Leider müssen wir fast zwei Stunden warten. Die Überfahrt dauert ca. 45 Min. und ist Gott sei Dank ohne Geschaukele! Und dann 40 Kilometer später ist es soweit: wir sind endlich bei den lange ersehnten heißen Quellen und zwar in Thermopylen. Für Geschichtsinteressierte: König Leonidas siegt bei der Schlacht an den Thermopylen gegen die Perser vor ca. 2500 Jahren. Wir parken direkt an dem oberen Becken, wo auch schon zwei österreichische Wohnmobile stehen und ziehen uns sofort um. Das Wasser ist schwefelhaltig und dementsprechend stinkt es nach faulen Eiern. Zuerst kostet es etwas Überwindung reinzugehen, denn es ist so an die 46° warm - der Österreicher hat ein Thermometer dabei! Aber wenn man mal drin ist, kann man es ganz gut aushalten. Wegen des Schwefelgehalts soll man sowieso nur so 20 Minuten drinbleiben, weist eine Tafel hin. Die kalte Luft danach tut richtig gut, alles prickelt. Wir wollen gleich hier schlafen, damit wir am nächsten Morgen wieder in die Fluten springen können. Doch mitten in der Nacht kommt ein Auto mit Sirene, die Security-Einheit des nahegelegenen Flüchtlingsheims. Man fordert uns alle auf sofort zu dem unteren Parkplatz zu fahren, denn hier sei wegen der Migranten nicht sicher für uns! So ein Quatsch! Die Unterkunft liegt genau in der Mitte zwischen den beiden Parkplätzen und nur weil die Griechen die Flüchtlinge nicht mögen und sich natürlich auch wichtigmachen wollen, müssen wir jetzt noch umparken. Im Schlafanzug verstauen wir notdürftig das schmutzige Geschirr und fahren die paar hundert Meter weiter. Gute Nacht!

 

Wie gestern bedeckter Himmel und relativ kalt. Wolfgang nimmt noch kurz ein Bad und dann fahren wir nach Lamia zum Einkaufen. Wir peilen den nächsten Lidl auf der Karte an. Aber welch eine Überraschung, der wird erst in zwei Tagen eröffnet! Da hat sich Lidl ja mächtig ins Zeug gelegt die OSM zu aktualisieren. Aber es gibt ja noch einen, wo wir auf dem Parkplatz mit einem guten Internet gleich noch diverse Bankgeschäfte erledigen. Auf der Rückfahrt finden wir mit etwas Rumfragen einen Eisenhändler, wo wir noch eine Verstrebung für den Laster kaufen. Da hier um halb fünf zum Arbeiten aufgehört wird, hat der Schraubendandler mittlerweile zu. Das verschieben wir also auf morgen. Zurück bei den Quellen machen wir dann die Bekanntschaft mit Sven, einem jungen Studenten aus Darmstadt, der mit seiner Transalp solo unterwegs ist und mit Giannis, ein Grieche mit waschechtem Aschaffenburger Dialekt, der alleine in seinem Wohnmobil rumfährt. Wir freuen uns alle mal andere Reisende zu treffen, grillen zusammen, haben interessante Gespräche und trotzen mit Hilfe Giannis‘ Tsipero den niedrigen Nachttemperaturen.

 

 

Wir machen uns mal wieder nach Lamia auf und werden bei einem Minibaumarkt mit sehr kompetenten Mitarbeitern mit allem versorgt, was wir wollen (diverse Schrauben, Muttern, Beilagscheiben, Farbe und Pinsel). Wieder „daheim“, wird die Strebe angepasst und Löcher gebohrt und danach zweimal gestrichen. Zwischendrin ein stinkiges Bad genommen und am Abend hat Giannis für uns alle Spaghetti mit Hackfleischsoße zubereitet, gefolgt von griechischem Kaffee und dann für ihn Tsipero und Sven und ich halten uns aber heute an Rotwein. Wolfgang ist gleich ganz enthaltsam! Wie auch gestern schon ein sehr netter Abend, wenn nur die vielen Moskitos nicht gewesen wären. Wir waren alle total zerstochen, grrr.

Heute ist bei allen Tag des Aufbruchs. Sven will über die Berge rüber an die Westküste, Giannis Richtung Athen und wir weiter nach Norden. ÜberLamia geht es durch fruchtbare Hochebenen, wo die Bauern fleißig am pflügen und säen sind und der Weizen schon 20 cm hoch steht, nach Larissa. Rund um Larissa wird Baumwolle angebaut, doch die Felder sind um die Zeit noch leer. Die Sonne scheint und wir kommen ausnahmsweise mal relativ zügig voran. Der Plan ist durch das Tembital, das recht malerisch sein soll, an die Küste zu fahren. Doch ist es recht tricky nicht auf die neu gebaute Autobahn zu fahren, da die Griechen eine arg verwirrende Beschilderung vorgenommen haben. Man muss nämlich den Autobahnschildern folgen um auf die Landstraße zu kommen, andernfalls wird aus der Straße eine Offroadpiste, die im Nirgendwo endet! Wir beschließen dann spontan über zahlreiche Kehren nach Ambelakia hinaufzufahren, das ein schönes Dorf mit alten Steinhäusern sein soll. Die Mühe hat sich gelohnt. Dort scheint die Zeit still geblieben zu sein: ein paar prächtige steinerne Herrenhäuser mit bemalten Erkern, kleine Dorfhäuser mit vielen Topfpflanzen, gepflasterte Gassen, ein Dorfplatz mit großer Platane, Kinder, die Fangen spielen, alte Frauen, natürlich in Schwarz gekleidet, sitzen auf einer Mauer und ratschen. Nur die Eselskarren wurden gegen Geländewägen von Nissan, Toyota, Mitsubishi etc. eingetauscht. Die Aussicht auf den „Kleinen Olymp“ ist toll und so fahren wir nur noch zwei Kehren zurück, wo es neben ein paar Schafpferchen einen guten Platz zum Schlafen gibt.

 

Es ist wieder Meer angesagt und als wir durch Platamonas fahren kommen wir direkt an einer Burg vorbei. Das hatten wir schon lange nicht mehr und so spendieren wir einen Euro Eintritt und spazieren ganz alleine durch die Überreste dieser byzantinischen Festung. Die Festung wurde strategisch günstig auf einem Hügel errichtet, von wo wir einen tollen Rundumblick haben. Ein paar Kilometer weiter richten wir uns am Strand von Leptokaria häuslich ein.

 

Die Sonne scheint und das Meer lockt mit riesigen Wellen - also für das Mittelmeer riesig, so ca. einen Meter hoch - , aber trotz eines ernsthaften Versuchs von mir, schaff ich es nur bis zu den Knien reinzugehen. Ich habe so das Gefühl, dass mir meine Füße abfrieren. So allmählich glaube ich nicht mehr recht daran, dass ich auf dieser Reiseetappe noch im Meer baden werde. Aber ein ausgedehnter Strandspaziergang und ein bisschen in der Sonne liegen ist ja auch ganz schön!

 

 

Nachdem wir gestern schon so tolle Ausblicke auf den verschneiten Olymp hatten, fahren wir heute über Litochoro hinauf ins gut 1000 m hoch gelegene Prionia. Hier gibt es nur einen Parkplatz und eine Bar und den Beginn des Wanderweges hinauf zum Olymp. Durch riesige Buchenwälder gehen wir Richtung S. Agapitos-Hütte. Uii, da kommen schon die ersten Schneeflecken! Doch bis ca. 1800 m Höhe ist der Weg eigentlich schneefrei, doch dann beginnt eine geschlossene Schneedecke. Da hätten wir doch besser unsere hohen Bergschuhe anziehen sollen. Da die Hütte eh noch bis Mai geschlossen hat, beende ich die Tour auf ca. 2000 m (Wolfgang hat schon früher aufgegeben) und ca. 15 Minuten vor dem Haus. Die knapp 1000 m Abstieg mit nassen Füßen reichen dann auch, dafür wird man aber auch mit einer super Gebirgslandschaft und wolkenlosem Himmel belohnt! Fast unten in Litochoro schauen wir uns noch das Kloster A. Dionisios an und übernachten dann auch gleich noch hier auf dem Parkplatz.

Leider ist es heute Morgen bedeckt und relativ kalt, aber ich hole trotzdem das Mountainbike runter und fahre zur Stavroshütte hinauf. Außer mir ist keine Menschenseele unterwegs und pünktlich bei der Hütte hüllt kalter Nebel alles ein. Die Straße ist ja gut geteert und so kann ich es richtig laufen lassen, aber trotz Daunenjacke bin ich ziemlich durchgefroren, als ich wieder beim LKW bin. Durch unspektakuläre Landschaft fahren wir mit eingeschalteter Heizung bis Thessaloniki, quälen uns durch chaotischen Verkehr mitten durch die Stadt bis wir ca. 20 km südlich den Camper-Stopp Zampetas erreichen. Hier kann man umsonst stehen, im Shop Campingzubehör kaufen, in der Werkstatt evt. Notwendige Reparaturen durchführen lassen oder wie wir die Gasflasche auffüllen lassen. Und das Beste: Es gibt eine Waschmaschine, die gut wäscht und vor allem auch schleudert!!! Die wird von uns gleich mehrmals angeworfen.

 

 

Heute Morgen also zuerst noch Hausarbeit und danach fahren wir mit dem Bus nach Pereia, von wo man mit der Fähre angeblich schneller als mit dem Bus nach Thessaloniki kommt. Doch zuerst steigen wir viel zu früh aus dem Bus und müssen eine halbe Ewigkeit zum Hafen laufen und dann sind da nur zwei mickrige Ruderboote festgemacht. Hmm. Wir fragen nach und man sagt uns, dass diese Fähre erst ab Mai geht. Na, super. Erst mal Cappuccino trinken, dann wieder eine Bushaltestelle suchen und auf den Bus warten. Dieser fährt nur bis IKEA, die Haltestelle heißt wirklich so, aber wir finden dort sofort einen ins Zentrum und gehen auch davon aus, dass der gekaufte Fahrschein noch gültig ist. Natürlich sind zwei Kontrolleure im Bus. Und irgendwas passt ihm an unseren Tickets nicht, Wolfgang will nachlösen, aber dann winkt er doch ab. Vielleicht zu viel Arbeit, aber egal, für uns gut! In der City laufen wir leider etwas planlos  - im wahrsten Sinne des Wortes - umher, finden aber doch den Triumphbogen, die Rotonda, den weißen Turm, die Markthalle, die A. Sophia und viele Einkaufsstraßen mit bekannten Marken , aber auch nette kleine Läden. Wir lassen uns treiben und beenden den Besuch in einem Restaurant an der langen Uferpromenade mit einem Abendessen, bevor wir uns auf die fast einstündige Heimreise mit den Bussen machen.

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Griechenland 12.03. - 23.03.2017

Dreieinhalb Monate in Deutschland: viele schöne Tage mit unseren Kindern, Enkeln, Eltern und Freunden in Berlin, Münster und München, aber auch viel Stress bedingt durch Hausverkauf, Umzug, diversen Krankheiten - wir vertragen halt die deutschen Viren nicht mehr - u.v.m. Gefreut hatten wir uns auch aufs Skifahren, das aber leider auch s. o. (bis auf eine kleine Skitour) nicht so ganz geklappt hat. Dafür waren wir ein paar Mal Schlittenfahren und konnten bei wunderbarem Winterwetter schöne Spaziergänge in unserer neuen Heimat unternehmen. Die ist allerdings auch nur drei Kilometer von unserer alten weg!

Am 12. März ist es endlich soweit: wir fliegen zurück nach Griechenland und zwar nach Kalamata, von wo wir mit dem Taxi in einer knappen halben Stunde in Chranoi am LKW sind. Die Plane als Regenschutz ist noch an Ort und Stelle und somit gibt es auch keine böse Überraschung, als wir die Türe öffnen. Der Hiasl springt sofort an und, oh Wunder, unsere Aufbaubatterien sind trotz Abdeckung zu 100% aufgeladen! Leider ist Jannis, der dem LKW für unsere Abwesenheit Obdach gewährt hat, nicht da, so dass wir das Bedanken auf später verschieben müssen. Nach wenigen Kilometern erreichen wir Ag. Andreas, wo wir vom Herbst noch einen schönen Stellplatz direkt am Hafen mit funktionierender Dusche wissen. Den Abend lassen wir bei Tsatsiki, Souvlaki und Pita mit griechischem Wein in der Taverne nebenan ausklingen.

 

Blauer Himmel und ca. 17° begrüßen uns am Morgen, allerdings weht ein kräftiger Wind. Das stört uns jedoch nicht, denn wir haben aus Deutschland Arbeit mitgebracht: Austausch des Kühlschrankthermostats, Rolleneinbau im Heckträger, Reparaturen am Fäkalientank, kaputte Pushlocks ersetzen…  Danach genießen wir dann wohlverdient den griechischen Frühling!

 

Heute geht es wieder rauf nach Kafou, zu Karin und Georg. Allerdings parken wir den Laster diesmal ein Stückchen vor dem Grundstück, auf festem Untergrund. Wir wollen ja nicht so anfangen, wie wir aufgehört haben! Wir haben uns viel zu erzählen und so vergehen die drei Tage wie im Nu. Ich genieße auch noch mal die Annehmlichkeiten einer Waschmaschine, doch kaum ist die Maschine fertig, fängt es zu regnen an. Doch Georg heizt kräftig seinen Schwedenofen ein und so ist am nächsten Morgen alles trocken. Einen Abend, man muss schon fast sagen Nacht, verbringen wir in der neu eröffneten Bar von Jannis in Chranoi bei sagenhaft leckeren Meze - griechischen Vorspeisen - und viel Wein, Bier und Uzo. Der nächste Vormittag war schlimm…

 

 

Doch wir wollen weiter und fahren am Freitag nach Messini zum Tanken - uii, da blutet einem das Herz - , eine Sim-Karte muss besorgt werden und aus unseren Vorratsschränken wird die Luft rausgelassen. Wir sind zu faul einen Stellplatz zu suchen und nehmen doch gleich den vom Herbst am etwas verwahrlosten Strand von Kalamata.

Im Internet sind wir bei der Suche nach heißen Quellen  auf die Halbinsel Methana gestoßen. Das ist ja super, denn wir wollen sowieso nach Nauplia und von da ist es nicht mehr weit dorthin. Über Tripoli fahren wir auf einer menschenleeren mautfreien Straße durch die Berge des Peloponnes. Der griechische Frühling ist einfach toll, zwischen den Oliven- und Orangenbäumen ist ein einziger Blütenteppich, die Feigen treiben auch schon aus und die Luft riecht würzig, zumindest wenn bei uns der Motor aus ist. Kurz vor Nauplia finden wir in der Bucht von Argolikos im kleinen Örtchen Myloi einen Platz am Hafen. Die nahegelegen Kneippe liefert auch noch Wlan. Doch in den meisten anderen Bars und Restaurants sind die Stühle noch hochgestellt und die Besitzer sind noch fleißig am Herrichten oder Reparieren für die neue Saison. Unser Thermometer zeigt zwar 18° an, aber wegen des Windes halten wir es wie die Griechen und machen mit den Daunenjacken einen ausgedehnten Spaziergang durch die Orangenplantagen.

 

Nach einer kleinen Joggingrunde am Morgen (Angelika!), die allerdings durch frei laufende Hunde recht abrupt beendet wird, fahren wir die paar Kilometer am Meer entlang nach Nauplia, wo wir das Auto am großzügigen Hafenparkplatz abstellen. Vor 18 Jahren waren wir mit unserem VW-Bus schon einmal hier und haben die Stadt in guter Erinnerung. Auch diesmal werden wir nicht enttäuscht. Wir bummeln lange durch die malerische Altstadt, ignorieren dabei ein paar Gruschläden und freuen uns aber an vielen kleinen Lädchen, die modernes griechisches Design oder Handwerkskunst verkaufen. Da Sonntag ist, sind natürlich jede Menge, vor allem griechische, Touristen da. Doch das stört uns nicht, wir sind ja selber welche! Über viele Treppen gehen wir hinauf zur Akronauplia-Festung. Diese kostet keinen Eintritt, man kann überall rumstiefeln und hat eine schönen Blick hinüber zur berühmteren Palamidi-Festung. Unten am Strand sind schon die ersten im Wasser - Gott sei Dank haben wir keine Badesachen dabei, nicht dass ich auch noch reingehen müsste! Zurück am Syntagmatosplatz genießen wir die Sonne und einen Cappuccino in einem Café und beobachten die Griechen beim Posen! Eigentlich hatten wir vor am Hafen zu übernachten, aber das gefällt uns nun doch nicht und so fahren wir südöstlich an der Küste entlang, bis wir in Kandia einen schönen Strand mit vielen bunten Blumen für uns entdecken. Wir sammeln noch etwas Brennholz und schon können wir die Fische, die wir heute Morgen auf dem Fischmarkt in Nea Kios gekauft haben auf den Grill legen. Sehr lecker! Zusätzlich werden wir noch von einem traumhaften, dunkelroten Sonnenuntergang belohnt.

 

 

Tja, auch der Daumen des Peloponnes ist sehr gebirgig und so kommen wir nur langsam voran. Es geht bergauf und -ab, aber das macht gar nichts, denn die Landschaft ist einmalig schön. Oben wilde Macchia (wie heißt das auf griechisch?) weiter unten unzählige Olivenbaumterrassen. Wir sind immer wieder erstaunt, wieviel Mühen die Menschen hier hatten um die Hänge zu terrassieren. Der Frühling leistet volle Arbeit und der Boden unter den Olivenbäumen ist mit Blüten übersät. In Galatas bleiben wir neben einem Luxuswohnmobil auf einem Parkplatz stehen. Es ist nicht weit zu der kleinen Anlegestelle für die Pendelfähren hinüber nach Poros. Die Überfahrt kostet pro Person einen Euro und nach ein paar Minuten ist die Schaukelei auch schon zu Ende. Mehr muss ja auch nicht sein! Im gleichnamigen Städtchen Poros schauen wir zuerst die vielen Jachten an. Ganz vorne die wirklich großen und vor allem teuren, dann die etwas kleineren, gefolgt von billigen - so um die 100.000€ nur - und ganz zum Schluss die kleinen Fischerkähne der Einheimischen. Dafür ist dann da hinten das Wasser umsonst. Nach so viel Pracht schlendern wir durch die engen, weiß gekalkten Gassen hinauf zum Uhrturm, von wo wir eine fantastische Aussicht auf das Festland und den Rest der Insel haben. Wir beschließen den schönen Tag bei einem Ouzo und Weißwein in einer Taverne am Hafen, bevor wir uns mit der „Zwerg-Aida“ auf den Rückweg machen.

Kurz vor der Landenge hinüber nach Methana entdecken wir einen Brunnen am Straßenrand und wollen schnell noch unsere Tanks auffüllen. Doch schnell geht hier gar nichts! Für ca. 150 l brauchen wir mit Schlauch ab- und aufrollen fast eine Stunde!!! Der Wasserdruck hier einfach unglaublich!

Am Ortseingang von Methana riechen wir sofort den Geruch nach faulen Eiern und sehen bald darauf das große Becken mit dem milchig-weißen Wasser bedingt durch den Schwefelanteil. Doch leider ist das Bad geschlossen, wie auch so das meiste hier auf Methana. In unserem 10-Jahre alten Reiseführer steht schon, dass sich hierher nur griechische Touristen oder betagtere Personen verirren, und zu denen zählen wir ja auch schon, aber jetzt ist außer uns gar keiner mehr da. Die Hotels haben dicht gemacht, ebenso viele der Tavernen, der ganze Ort schnarcht vor sich hin. An einem Strand im Norden des Ortes installieren wir uns, testen die Wassertemperatur aus - viel zu kalt - und verbringen den Rest des Tages mit lesen.

 

Schluss mit der Faulheit! Heute wird gewandert. Zuerst geht es zu einer Kirche am oberen Ortsrand von Methana entlang steiler Straßen und dort entdecken wir auch schon die erste Markierung. Rotes Quadrat. Dann verheddern wir uns allerdings in den Terrassen und ich verfluche schon die Wanderidee. Schon nach ein paar Minuten sehen meine Waden aus, als ob ich mit einem Löwen gekämpft hätte. Doch irgendwann ist eine Art Weg zu erkennen und über diesen kommen wir nach ca. 2 1/2 Stunden in der Caldera des Inselvulkans an. Rings um uns sehen wir die Reste des ehemaligen Vulkans, der vor 12 Millionen Jahren die Halbinsel hervorbrachte. Die Caldera wird teilweise noch mit Weinanbau und Olivenbäumen genutzt. Wir haben nun eine wohlverdiente Pause in der Sonne verdient, bevor wir uns an den dornigen Abstieg machen. Mangels Internet wieder Lesen und Rummyspielen, wobei ich eindeutig in der Verliererposition bin.

 

 

Die Idee mit dem Rad die Methana zu erkunden verwerfen wir schnell und machen uns mit dem Hiasl auf zum „Pausanias Bath“ mit den gefährlichen Gasen. Der Weg dorthin Richtung Nordküste ist wunderschön, viele einsame Badebuchten, nur ein paar Häuser verstreut und zwei unbedeutende Ansiedlungen. In Ag. Georgios sind immerhin vier Männer mit einem Schiff beschäftigt und ein alter Mann sitzt vor seinem Haus im Schatten und schaut uns an, als ob wir vom Mond kämen. Das „Bath“ ist ein arger Reinfall: eine kleine gemauerte Hütte mit einem Dreckloch voll Wasser drin. Aha! Wir fahren gleich weiter über die gebirgige Straße und beim Schild Volcano parken wir uns ein. In gut 15 Minuten stehen wir vor dem Inneren eines Vulkans, eine Art Höhle, keine Ahnung wie tief, denn als wir nichts mehr sehen, dränge ich darauf wieder hinauf zu steigen. Wir finden es sehr beeindruckend, auch die ganze Szenerie rundum mit dem erstarrten Gestein. Schon toll! An einer Biegung sehen wir in der Ferne das weiße Häusermeer von Athen! Bei der Weiterfahrt kommen wir immer wieder durch Miniorte. Fast alle Häuser machen einen verlassenen Eindruck, aber in ganz wenigen hängt Wäsche draußen oder wir sehen einen alten Mann mit Hackelstock rumgehen. Also das wäre keine Option für uns, so idyllisch das auf den ersten Blick aussieht. Unser nächstes und letztes Highlight ist dann die Taubenhöhle, nur ein paar Meter von der Straße weg. Die Höhle wird im Inneren von einem See eingenommen, aber von Tauben weit und breit nichts zu sehen!? Allmählich reicht es mit den Sehenswürdigkeiten von Methana und wir platzieren uns am Strand von Vathi für die Nacht. Wolfgang genießt die Sonne und das Meeresrauschen und ich backe Brot und bereite das Abendessen zu. Das nennt man Arbeitsteilung, oder?

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